Montag, 12. Februar; Techtelmechtel mit der SternschnuppenfeeMein letzter voller Tag dieser Tour bricht an. Heute haben sich die Wolken nicht wie sonst über Nacht aufgelöst, vom Khomashochland her schieben sich dicke Wolkenpakete Richtung Westen. Vielleicht gibt es ja doch noch Regen?
Auch wenn keine besonders tollen Morgenstimmungen zu erwarten sind, fahre ich doch noch vor sieben Uhr los, denn ich will mal nachsehen, was die Geier von dem Gemsbock übrig gelassen haben.
Ohne Köcherbäume geht´s einfach nicht.
Kurz nach Sieben halte ich, denn im Rückspiegel sehe ich die Sonne zwischen den Wolken durchbrechen, da muss ich einfach ein Foto machen.
Nachdem das Foto im Kasten ist, nehme ich das Fernglas zur Hand und glase einmal eine 360-Grad Runde ab. Auf einem einsamen Kameldorn sitzen zwei Ohrengeier, etwas weiter einige Springböcke, aha. Ein, nein zwei Gemsböcke, dann weitere Springböcke, eine Ludwigstrappe, ein paar Bergzebras, ein Steppenfalke, ein .... hääh, moment amal, mir fällt fast das Glas aus der Hand, schnell abgesetzt, nee, stimmt schon, die Schnuppenfee hat mich erhört. Jetzt nix falsch machen. Langsam wandert die Kamera nach oben, im währenden mache ich sie schussbereit, dann kann ich zweimal abdrücken, und dann gibt er doch Fersengeld, der Erdwolf. Mein allererster, so lange herbei gesehnter Erdwolf. Es ist viertel nach Sieben, und der Tag ist eigentlich für mich gelaufen, da kann nix mehr kommen, was diese Sichtung noch toppen könnte.
Wie man sieht, hat der Erdwolf seinem Namen gemäss ein ordentliches Mass an Erde bewegt diese Nacht.
Nach diesem Bild also hat er sich doch aus dem Staub gemacht, und ich schreite die Distanz bis zum Bau ab. Es sind knappe achtzig Meter. Wenn mich die Sonne im Rückspiegel nicht zum Foto animiert hätte, wäre ich wohl einfach vorbei gefahren. Oder hat doch eine Fee hier Regie geführt?
Bergzebras, nun mittlerweile in der Sonne.
Drei Gemsbockkühe mit zwei Kälbern trotten davon.
Ein einzelner Bulle zupft am spärlichen Gras.
Die nächsten anderthalb Stunden stehe ich nun hier bei dem Gemsbockkadaver, oder besser, bei dem Rest, was noch übrig ist. Ausser der Decke, dem Schädel und dem Rückgrat sind das nur noch ein paar einzelne Knochen. Mittlerweile sind hier einundzwanzig Ohrengeier sowie vier Weissrückengeier versammelt, und die haben den kompletten Oryx aufgeräumt. Gesundheitspolizei eben.
Sieben der Ohrengeier tragen auffällige Marken, und ich versuche nun, die Nummern abzulesen, was bei vier Tieren gelingt.
Hier möchte ich nochmals auf meinen extra Beitrag verweisen: Ohrengeier in Namibia www.namibia-forum.ch/forum/12-tiere-und-pflanzen/294906-ohrengeier-in-namibia.html
Die abgelesenen Nummern habe ich weiter gemeldet und so habe ich die Historie der getagten Geier erfahren. Der älteste ist immerhin über zehn Jahre alt.
Dann wird es mir zu heiss, es fängt schon wieder zu flimmern an, und langsam fahre ich zurück ins Camp. Mein Frühstück ruft.
Ein Südwester-Veilchen nehme ich noch mit, dann beschliesse ich den Morgen.
Viele Grüße,
Matthias