BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201628. Nov. 2022 ·
12. September: In einem unbekannten Land
"Pfffft - KLONG!" Die Klappe, an die wir uns einfach nicht gewöhnen können, trägt unaufgefordert die Botschaft in die Welt: Wir sind wach. Zum Glück sind Sandra und Christoph unsere einzigen Nachbarn in Hörweite und zudem schon kurz vor uns auf den Beinen gewesen, sie legen sich aber wieder hin.
Wir dagegen wollen zum Sonnenaufgang am Felsenbogen sein, packen schnell zusammen und rollen dann so geräuschlos wie möglich um den Felsen herum auf die andere Seite, wo wir parken und zum Rock Arch klettern. Vom Sims links daneben können wir auf unsere Campsite blicken, wo die anderen beiden den Tagesbeginn selig verschlafen.
Blick vom "Sims" neben dem Felsenbogen...
...zu unserer Campsite
Thomas und ich sind dagegen zu früh dran. Es dauert jedenfalls viel länger als gedacht, bis sich die Sonne über die Felsen schiebt.
Thomas allein Zuhaus unter dem Rock Arch
Schon 2019 hatten wir festgestellt, dass abends am Felsenbogen in aller Regel mehr los ist als am frühen Morgen. Das bewahrheitet sich auch diesmal wieder. Am Vorabend hatte ein junges japanisches Paar - wahrscheinlich in den Flitterwochen - am Felsen eine hollywoodreife Show hingelegt und dabei reihenweise Filme und Fotos fabriziert, die wohl jeder Seifenoper Konkurrenz machen dürften. Am Morgen sind wir allein. Und bleiben es auch. Wie schon drei Jahre zuvor.
Die Morgenstimmung ist herrlich - und auch die Stille, die nur von den vielen Klippschliefern unterbrochen wird, die sich lautstark unterhalten.
Wir können die Geräusche erst nicht zuordnen, denn wir haben sie zumindest bewusst noch nie gehört (Ton später in einem Video).
Wir halten uns ziemlich lange rund um den Felsenbogen auf. Es gibt auch noch andere schöne Stellen in unmittelbarer Umgebung zu entdecken. Besonders die "Kullerkugeln" haben es mir wie immer angetan.
Dann fahren wir ein kleines Stück weiter zu den Rock Pools, wo wir 2019 ebenfalls schon einmal waren - damals allerdings bei bedecktem Himmel und trübem Licht. In den Vertiefungen steht auch diesmal kein Wasser, doch die Kulisse ist fantastisch.
Wir klettern so weit nach oben wie möglich, setzen uns auf die glatten Felsen. Der Blick ist phänomenal, und wir genießen das Gefühl, diese archaische Landschaft scheinbar für uns zu haben.
Schließlich cruisen weit unter uns die ersten Autos übers Gelände. Es ist Zeit zu gehen. Wir haben heute einen relativ weiten Weg vor uns, und so steigen wir von unserem Ausguck herab...
...und rollen in Richtung Ausgang. Dort gibt es an der Rezeption ein Waschhaus mit fließend Wasser und Toiletten. Außerdem Duschen und ein Restaurant.
Duschen fällt heute aus. Aber bei dem kleinen, sehr nett hergerichteten Open-Air-Restaurant bestellen wir Tee, Kaffee und Toast. Es wird wie die gesamte Spitzkoppe Community Campsite in kommunaler Selbstverwaltung betrieben. Offenbar verirren sich nur selten Gäste hierher, die Dame in der Küche wirkt jedenfalls überrascht, doch es schmeckt uns und wir sind mit dem relaxten Tagesbeginn happy.
Ursprünglich hatten wir vor, über die Skelettküste mit Zwischenstopp am Cape Cross nach Palmwag zu fahren. Sandra und Christoph hätten gerne die Robbenkolonie gesehen, und auch wir hätten uns einen zweiten Besuch nach 2012 gut vorstellen können. Doch das trübe Wetter in Swakopmund, die deutlich weitere Strecke und die einhelligen Ratschläge der Einheimischen, lieber den Weg durchs Damaraland zu nehmen, hatten uns am Ende umgestimmt.
Der Vorteil der nun gewählten Variante war auch, dass wir mehr Zeit an der Spitzkoppe verbringen konnten. Und so ist der Morgen schon relativ weit fortgeschritten, als wir uns endlich auf den rund 325 Kilometer langen Weg machen. Schön war's wieder am "Matterhorn von Namibia"!
Unsere Freunde werden wir in Palmwag wiedertreffen, denn sie möchten unterwegs in Twyfelfontein stoppen und sich die Felsmalereien anschauen.
Wir kommen sehr gut voran, denn wie schon auf der bisherigen Reise ist die Pad in einem ziemlich guten Zustand. Überall sind Grader unterwegs. Vollends geplättet sind wir aber, als wir mitten im Damaraland auf makellosen Asphalt treffen. Die C39 ist nun geteert - zumindest ein guter Teil davon. Das war 2019 noch anders gewesen.
Wir entscheiden uns spontan zum Lunch im Camp Kipwe, das nur einen Steinwurf von der Straße entfernt liegt. Im schönen Mowani Mountain Camp haben wir einmal übernachtet, und schon immer wollte ich mir auch das Schwestercamp ansehen. Der Pförtner fragt per Funk nach und gibt grünes Licht, wir dürfen hier essen. Das ist zwar kein billiges Vergnügen, aber eins mit Stil, und so lassen wir uns das leckere Essen in netter Atmosphäre so richtig schmecken.
Wir unterhalten uns noch ein wenig mit den Mitarbeitern über die beiden Camps und auch die neue Straße. Sie freuen sich sehr darüber und auch über die Zeitersparnis, die damit verbunden ist, wenn sie - meist ja per Anhalter - an ihren freien Tagen in die jeweilige Heimat reisen. Ich selbst fand die rote Gravelroad in der roten Landschaft viel hübscher, doch Touristenromantik ist hier wohl fehl am Platze. Vielleicht hätte man sie rot färben können, wie in Australien. Dann wäre der Unterschied nicht ganz so extrem.
Die Strecke weiter nach Norden kennen wir schon vom Besuch der Grootberg Lodge, doch nun biegen wir nicht auf die C40 ab, sondern bleiben auf der C43. Eigentlich müssten wir jetzt so langsam da sein. Denken wir. Und auch das GPS. Doch das riesige Gate, das sich vor uns aufbaut, erkennen wir nicht als das, was es eigentlich ist, und so kehren wir noch einmal um. Fahren wieder zurück. Verstehen dann erst, dass dieses furchteinflößende Tor der Vet Fence ist, den wir passieren müssen. Er fühlt sich an wie das Ende der Welt.
Weil wir aus dem kontrollierten Gebiet herausfahren (also von Süd nach Nord), werden unsere (ohnehin in unserem Auto nicht vorhandenen) Fleischbestände nicht überprüft. Zügig geht es weiter. Und mitten hinein in einen veritablen Sandsturm, der den Staub hoch aufsteigen lässt und am Auto zerrt.
Wir tanken noch einmal voll, dann sind wir da. Der Wind bläst norddeutsch, doch die Temperaturen sind es nicht. Es ist brüllend heiß. Das kühle Willkommensgetränk ist höchst willkommen. Wir checken ein und unterschreiben einen Wisch, dass wir auf eigenes Risiko hier sind. Es wird wohl um die Elefanten gehen, die von Zeit zu Zeit durchs Camp ziehen. Sandra und Christoph kommen eine halbe Stunde nach uns an und gemeinsam fahren wir zur Campsite, die keinen Schönheitspreis verdient, jedoch immerhin nah am Waschhaus liegt.
Aber warum sind wir eigentlich hier? Wir starten am nächsten Tag nach Etendeka, Sandra und Christoph ins Camp, Thomas und ich auf den Walk. Die Abholzeit ist 16 Uhr, und weil wir Sorge hatten, dass wir den Weg über die - ursprünglich geplante - Skeleton Coast nicht rechtzeitig schaffen würden, hatten wir eine Nacht in Palmwag eingeplant. Wo wir ohnehin die Autos stehenlassen und abgeholt würden.
Thomas und Christoph rollen erst einmal den zerstörten Reifen vom Landcruiser zum "Tire Shop", den es praktischerweise - und sicher aus gutem Grund - auf dem Gelände gibt. Vergebene Liebesmüh. Da ist nichts mehr zu retten. Sandra telefoniert mit Bushlore, wie das nun zu regeln sei.
Am späten Nachmittag legt sich der Sturm, genüsslich spüle ich mir in der Dusche den Staub vom Leib. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz für den Sonnenuntergang spricht mich eine nette Dame an: "Du bist Betti, oder?" Sie hat mich von Fotos im Forum erkannt, da bin ich baff.
Wir kommen sofort ins Quatschen. Angelika und ihre Gefährtin (ganz liebe Grüße, falls ihr mitlest!!! 😘 ) sind auf ähnlicher Route ebenfalls mit einem Hilux-Bushcamper unterwegs, allerdings mit einem von Savanna. Der Aufbau ist ganz anders und gefällt uns viel besser, es gibt nicht nur große, verschließbare Innenfächer zum Verstauen sämtlicher Klamotten, sondern vor allem eine richtige Tür. Die dazu noch relativ staubdicht ist.
An unserem Auto dagegen sind nicht nur die porösen Dichtungen, die den Namen nicht verdienen, sondern eben auch besagte Klappe eine Crux. Öffnen wir sie, erhebt sich stets ein Atompilz aus Staub, der dann grundsätzlich wie von Zauberhand nach innen zieht. Meine erste Amtshandlung ist also ein ums andere Mal zumindest so viel Wischerei, dass wir wenigstens beim Umziehen auf dem Kühlschrank sitzen können.
Ein bisschen neidisch sind wir also schon - aber auch begeistert von den netten neuen Forums-Bekannten. Wir beobachten zusammen den Sonnenuntergang und auch am nächsten Tag gibt es noch einmal ein Wiedersehen.
Am Abend sitzen wir draußen im Bistro der Lodge, es ist überraschend frisch und ich hole unsere Jacken. Die Belegschaft lauscht begeistert deutschem Hip-Hop. "It's German", sage ich überrascht, und die Mitarbeiter strahlen mich an. Sie fragen mich, wie wir wohl dazu tanzen würden. "Just like you", antworte ich, verschwinde aber vorsorglich fröhlich winkend, bevor wir den Beweis antreten müssen. Er würde den Realitätscheck garantiert nicht bestehen.
Ohnehin habe ich weniger tanzen, als vielmehr laufen im Sinn. Denn für Thomas und mich geht es am nächsten Tag auf den Etendeka Walking Trail. Wir hoffen, dass es keinen weiteren Sandsturm geben wird - da möchte man sicher nicht durchlaufen. Noch ahne ich nicht, dass mich auf der Wanderung ein ganz anderes Thema beschäftigen wird.
Campsite, die keinen Schönheitspreis verdient, jedoch immerhin nah am Waschhaus liegt.
Endlich kann ich mal jemanden fragen, was so toll daran ist, wenn eine CS nahe an den Ablutions liegt? Wir haben uns immer bemüht, eine CS möglichst weit entfernt zu bekommen, um von der Laufkundschaft nicht gestört zu werden. Ansonsten: die Fotos, die Fotos! Danke mal wieder! LG aus Puerto Karsten
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201629. Nov. 2022 ·
Hallo meine lieben Experten 😉 ,
KarstenB schrieb:Endlich kann ich mal jemanden fragen, was so toll daran ist, wenn eine CS nahe an den Ablutions liegt? Wir haben uns immer bemüht, eine CS möglichst weit entfernt zu bekommen, um von der Laufkundschaft nicht gestört zu werden.
Sadie schrieb:Karsten…. Pssssst…. die sind doch Anfänger, die wissen (noch) nicht dass je weiter von den Ablutions desto besser ist!
Hohn und Spott, soso... 😄 😎 Ich verstehe schon euren Ansatz. Allerdings war es nun bei dieser Campsite (wie auch bei Sesriem) so, dass sie uns nicht besonders gefiel. Daran hätten auch weiter entfernte Ablutions nichts geändert (von denen es glücklicherweise in Palmwag auch mehrere gab, also nicht ein Haus für alle). Dann doch lieber direkt dabei, denn die leider allzu oft notwendige nächtliche Tour zum Waschhaus hatte uns in Sesriem zum weit entfernten Örtchen zusätzlich noch gestört. Auch musste in Palmwag nicht jeder über unsere Campsite latschen, um dorthin zu gelangen, es gab auch einen Vordereingang.
Sadie schrieb:Wunderschöne Fotos! Danke euch.
KarstenB schrieb:die Fotos, die Fotos! Danke mal wieder!
Danke ihr beiden! 😘
Und vielen Dank auch an die weiteren Mitleser! Ich mach mich dann mal ans nächste Kapitel...
die leider allzu oft notwendige nächtliche Tour zum Waschhaus
Notwendig? In eurem jugendlichen Alter? 🤩 Aber sei dem, wie dem sei: Mich würden keine 10 Pferde dazu kriegen, im Dunkeln zum Waschhaus zu tapern. Dieser Leichtsinn ist wohl auch eurem jugendlichen Alter geschuldet. 😄 Die Umgebung sorgfältig ableuchten, und dann maximal 1,27 m vom Zelt/Auto entfernt ... (Dabei fällt mir ein: wir sprechen ja von Namibia, da sind die meisten CS ja sorgfältig (?) eingezäunt. Dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil.) LG aus Puerto Karsten
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201629. Nov. 2022 ·
KarstenB schrieb:Notwendig? In eurem jugendlichen Alter? Aber sei dem, wie dem sei: Mich würden keine 10 Pferde dazu kriegen, im Dunkeln zum Waschhaus zu tapern. Dieser Leichtsinn ist wohl auch eurem jugendlichen Alter geschuldet.
1000 Dank für das (doppelte) jugendlich 🤪 😉. Nein, aber dein Vorschlag ist so nicht umsetzbar, das hast du richtig erkannt.
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201629. Nov. 2022 ·
13. September: Bikkie ma latsche in Etendeka
Wir haben in Namibia schon einmal eine mehrtägige Wanderung gemacht. Der Tok Tokkie Trail im Namib Rand Nature Reserve war 2015 so großartig, dass wir noch heute davon schwärmen. Ich war seinerzeit über die Lektüre von "Hummeldumm" darauf gekommen, ein Buch, das mutmaßlich jeder Namibia-Reisende über kurz oder lang in die Finger bekommt. Mal abgesehen davon, dass nur wenig in der ebenso heiteren wie fiktiven Geschichte im echten Leben nachahmenswert ist, hatte ich mich gefragt, ob eine geschilderte Wanderung durch die Wüste nebst Mobiliar mitten im Sand nicht am Ende sogar tatsächlich existiert?!
Meine knallharte Recherche führte mich relativ direkt zum Tok Tokkie Trail. Der ist zwar in der Realität nicht ganz so schlauchend wie im Roman, die Begrifflichkeit "a bikkie ma latsche" ist aber Teil unseres aktiven Wortschatzes geworden, und genau das wollten wir auch schon längst wieder einmal in Nambia tun: wandern. Nur wo?
Unser Schlafzimmer beim Tok Tokkie Trail 2015
Über den Etendeka Walk bin ich bei der Planung der jüngsten Reise eher zufällig gestolpert - und war sofort Feuer und Flamme. Das sah nicht nur toll aus, wir würden auch eine ganz andere Landschaft erwandern. Steine statt Sand. Eine Abwechslung. Sandra und Christoph trauten sich die Wanderung allerdings nicht so recht zu und wollten die beiden Tage im Etendeka Mountain Camp verbringen. Damit war alles geritzt.
Nun ist der große Tag gekommen, doch es geht erst um 16 Uhr los. Viel Zeit also. Am frühen Morgen ist die Welt noch in Ordnung, doch dann kehrt der Sturm zurück, und wir sind praktisch lahmgelegt. Thomas und ich verziehen uns nach dem Frühstück an die Rezeption der Palmwag Lodge, wo wir nicht unentwegt gesandstrahlt werden.
Viel zu tun ist dort nicht. Thomas kümmert sich um Sandras Kamera, die scheinbar den Geist aufgegeben hat, ich lese und unsere Freunde klären unterdessen die Reifenproblematik bei der Werkstatt. Wie sich herausstellt, wird nicht nur ein neuer Reifen benötigt; ein zweiter hat einen klaffenden Schnitt. Bis zum Nachmittag wird aber alles gefixt sein.
Zwischendurch treibt es mich raus. Rund um den Pool finden sich Vögel und Agamen. Doch der Wind zerrt dermaßen an meiner Kamera, dass ich sie kaum halten kann. Schnell flüchte ich in die Couchecke zurück.
Mittags bekommen wir Gesellschaft. Unsere neuen Forums-Freundinnen Angelika und Hermia habe den morgendlichen Scenic-Drive durch die Palmwag Konzession mitgemacht und wurden fast vom Winde verweht. Sie haben eine Menge Staub geschluckt und kaum Tiere gefunden, aber tapfer durchgehalten.
Der Wind, so erzählen uns wiederholt Einheimische, sei für die Jahreszeit ungewöhnlich und eher typisch für den Januar. Und so ist es auch hier wie überall auf der Welt: Das Wetter spielt verrückt. Die Zuversicht für unsere Wanderung schwindet, je näher der Zeitpunkt rückt.
Doch am frühen Nachmittag geschieht das Wunder. Lässt der Sturm von einer auf die andere Minute nach. Was sind wir froh! Am Auto klappen wir unseren Tisch aus und packen darauf einige Klamotten in eine gemeinsame Tasche, die wir auf der Wanderung dabei haben wollen. Die Tasche wird transportiert, tragen müssen wir nur unsere Rucksäcke.
Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns von Sandra und Christoph, die zusammen mit anderen Gästen ins Etendeka Mountain Camp gefahren werden. Unseren Guide erkennen wir am Schlapphut, ich bin ebenfalls mit Kappe unterwegs, auch am Nachmittag ist es noch sengend heiß. Wir sind in den nächsten beiden Tagen seine einzigen Gäste.
Ein Fahrer bringt uns in die gegenüber von Palmwag beginnende Etendeka Konzession, nach 20 Minuten stoppen wir, nun geht es los.
Wir steigen aus, Gelasius setzt sich an die Spitze. Er ist ein sympathischer Typ, der viel lacht, aber auch mindestens so gerne redet. Nach einiger Zeit verebbt sein Wortschwall auf ein normaleres Maß, und wir lauschen den Geräuschen der Natur. Saugen die Umgebung in uns auf. Die Weite dieser roten Landschaft, die durchsetzt ist mit Sukkulenten, trockenen Flussbetten und flachen Bergen.
Etwa zweieinhalb Stunden laufen wir gemächlich durch die raue und wilde Gegend, nur ein Warm-up, doch wir merken beide: Unsere Rücksäcke sind zu schwer. Am Abend wandern einige unserer Habseligkeiten in die große Tasche, die ja auf bequemerem Weg weiterreist.
Nach nur wenigen Kilometern kommen wir am River Camp an, wo wir die erste Nacht verbringen. Es liegt inmitten der Wildnis und besteht aus einigen Plattformen, die mit einem Bett nebst Schlafrolle, Tisch und relativ offenem Freiluft-Bad ausgestattet sind. Die beiden Seitenwände, die zum Schutz vor der Sonne ein Spitzdach bilden können, sind heruntergeklappt. Wir schlafen unter dem Sternenhimmel. Es ist ein Traum!
Wir beobachten den Sonnenuntergang. An diesem einsamen, abgelegenen Ort. Die Welt gehört uns und wir sind dankbar, dass wir solche Dinge erleben dürfen.
Am offenen Feuer bereitet der Koch ein hervorragendes Abendessen. Hausmannskost vom Allerfeinsten. Gelasius leistet uns Gesellschaft, fragt nach uns, erzählt von sich. Er ist ein Kavango, also von Haus aus Fischer, arbeitete aber bis zu ihrer Schließung als Guide in der Erongo Wilderness Lodge. Seit zwei Jahren ist er nun hier - und muss mit den großen Tieren noch üben. Sagt er. Ich werde noch daran denken müssen.
Als ich im Bett liege, kann ich erst nicht schlafen. Die Sterne sind einfach zu schön. Dann dämmere ich weg, bin aber kurz darauf schon wieder wach. Löwengebrüll von vorn! Gelasius hatte von fünf Löwen berichtet, die gerade in der Gegend sind. Sie waren zwei Tage zuvor an einer Quelle gesichtet worden. Zu weit weg allerdings, um mal eben auf dem Weg hierher mit dem Auto vorbeizuschauen. Ich hatte das bedauert, nun bin ich ganz froh. Und schlafe wieder ein.
Aber wieder nicht für lange. Mehr Löwengebrüll - diesmal von weiter rechts. Sie sind also gewandert. Denkste! Von links kommt die Antwort. Und dann wieder von rechts. Ich schaue hinüber zu Thomas. Der schläft selig. Natürlich. Nicht, dass ich Angst hätte auf der erhöhten Plattform, ohnehin sind die Tiere weit weg. Sage ich mir, und bin bald wieder weggenickt.
Um 4.30 Uhr schrecke ich hoch. Löwengebrüll. Von hinten. Ganz nah. Wir sind umzingelt. Oje. Ich weiß: In diese Richtung geht es am Morgen. Gelasius wird sich auskennen. Beruhige ich mich. Was leidlich gelingt, denn die Löwen brüllen wieder. Und wir mittendrin. Das kann ja heiter werden.
Strelitzie2’864 Beiträge · seit 201129. Nov. 2022 ·
Huhu Betti, mein erster Gedanke, beim Angesicht eures Schlafplatzes: wie schön, das möchte ich auch! Mein zweiter Gedanke, beim Löwengebrüll: neeee, möchte ich doch nicht! Da hätte ich kein Auge mehr zu bekommen, obwohl ich Lôwen so liebe. Danke, dass Du uns nach dem gestrigen Cliffhanger nicht hast warten lassen. Bin gespannt, wie es weiter geht.
Liebe Grüße Christina
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201630. Nov. 2022 ·
Strelitzie schrieb:mein erster Gedanke, beim Angesicht eures Schlafplatzes: wie schön, das möchte ich auch! Mein zweiter Gedanke, beim Löwengebrüll: neeee, möchte ich doch nicht! Da hätte ich kein Auge mehr zu bekommen, obwohl ich Löwen so liebe.
😄 Für mich war das noch kein Unterschied, ob ich sie im Zelt höre oder oben auf einer (umrandeten) Plattform. Aber zwischen ihnen herumwandern, das war schon so eine Frage...
Strelitzie schrieb:Danke, dass Du uns nach dem gestrigen Cliffhanger nicht hast warten lassen. Bin gespannt, wie es weiter geht.
😉 Das hätte ich nicht gewagt (Friederike hasst das ja, und wer weiß, am Ende leiht sie sich noch so Pföschdle von Bele...).
Morgen sollte es weitergehen. Dir eine schöne Adventszeit mit Familie. 🙂 Liebe Grüße, Betti
Liebe Betti, da muss ich mich doch jetzt mal bei Euch melden, was für ein toller Bericht und erst die Fotos, besonders klasse für uns, da wir fast auf derselben Route und fast zur selben Zeit (nur länger 😉 unterwegs sein durften, Auch wir haben uns über die Begegnung mit Euch sehr gefreut und uns noch oft gefragt, wie es Euch wohl auf der Wanderung ergangen ist, strapaziös, heiß, stürmisch, alles hatten wir uns vorgestellt, aber dass Ihr Euch von Löwen umzingeln lasst.... LG Angelika & Hermia
ich bin gerade in deinen Bericht eingestiegen und habe ihn in einem Rutsch gelesen. Deine Bilder verzaubern einen und ich habe noch nie so tolle Fotos gesehen. Ich bin sehr gespannt wie eure Reise weitergeht.
franzicke2’085 Beiträge · seit 201230. Nov. 2022 ·
Liebe Betti, wie schön und wie aufregend! Ich bin ja sooo auf die Fotos gespannt ...
Was mich ja ein wenig betrübt hat, dass es euch auf der Spitzkoppe-Campsite nicht so wirklich wirklich gefallen hat ... wir hatten uns ja schon drüber unterhalten, dass bei uns der Funke in der Spitzkoppe Lodge nicht so wirklich übergesprungen ist, wir aber die Campsite als ein echtes Paradies empfunden haben ... zeigt mal wieder, wie sehr es auf die eigene Stimmung und den Moment im Drumherum ankommt.
Und dann wollt ich noch sagen - halt dich ran! Morgen ist schon Dezember 😗 Wir freuen uns!!! Vielste Grüße Ingrid
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201601. Dez. 2022 ·
Hallo ihr Lieben,
CuF schrieb:Sehr gute Idee!
😮 😣
AS_HH schrieb:da muss ich mich doch jetzt mal bei Euch melden, was für ein toller Bericht und erst die Fotos, besonders klasse für uns, da wir fast auf derselben Route und fast zur selben Zeit (nur länger) unterwegs sein durften, Auch wir haben uns über die Begegnung mit Euch sehr gefreut und uns noch oft gefragt, wie es Euch wohl auf der Wanderung ergangen ist, strapaziös, heiß, stürmisch, alles hatten wir uns vorgestellt, aber dass Ihr Euch von Löwen umzingeln lasst
😄 Das war auch wirklich nicht unser Plan... Wie schön, dass ihr euch meldet, wir freuen uns! Ganz liebe Grüße! 😘
Dillinger schrieb:ich bin gerade in deinen Bericht eingestiegen und habe ihn in einem Rutsch gelesen. Deine Bilder verzaubern einen und ich habe noch nie so tolle Fotos gesehen.
Oha! 😊 Vielen Dank!!!! Schön, dass du noch zugestiegen bist!
franzicke schrieb:Und dann wollt ich noch sagen - halt dich ran! Morgen ist schon Dezember
Uff, jetzt kommen die Pföschdle schon aus Kapstadt... 😣 Noch bin ich optimistisch, dass es hinhaut. Wird aber zugegebenermaßen eng... Ich geb alles...
franzicke schrieb:Wir freuen uns!!!
Und wir erst!!! 🙂 😘
WM hin oder her, heute Abend geht es weiter, immer weiter...
auch ich wiederhole mich bei jedem Bericht von dir.... Gib's zu, dein wirklicher Beruf ist Reiseschriftstellerin und Fotografin??? Einfach grandios, so perfekt, informativ und unterhaltsam geschrieben und die Fotos dazu....da fehlen mit die Worte.
Ich kann meine Gefühle garnicht beschreiben, wenn ich deinen Bericht lese und die Fotos anschaue (das mache ich übrigens mehrmals) und dann daran denke, dass wir unsere diesjährige Reise nach Namibia absagen mussten, weil unsere mitreisenden Freunde uns abgesagt haben und es alleine nicht bezahlbar gewesen wäre (selbstorganisiert aber altersbedingt mit eigenem Fahrer im Kleinbus). Ich bin schon auf der Suche nach einer organisierten Reise, bei der ich notfalls auch alleine mitfahren kann. Einmal muss ich noch im meine alte Heimat.
Ich geniesse es jeden Abend deinen Bericht zu lesen und wenn du mal nichts Neues geschrieben hast, dann fange ich wieder von vorne an und schau mir die Fotos wie in einem Bilderbuch an (wie meine kleine Enkelin). Danke für deine Mühe, ich habe unglaubliche Freude daran, auch wenn die Sehnsucht nach Namibia dadurch noch schlimmer wird.
meine Schorschine hat mir schon die Tage gesagt, ich soll doch jetzt endlich mal den Bericht von Dir lesen, es würde aller-allerhöchste Zeit werden. 😉
Na, ich lass mich bei solchen Dingen nicht zwei mal bitten und bin gestern Abend sämtliche Namib-Rand-Dünen und sämtliche Sossusvlei-Dünen a bikkie hinterher gelatscht. 🤩
Und das hat sich gelohnt. Ihr habt uns sehr schöne Bilder mitgebracht, eines schöner als das andere. Grad die Bilder von Sossusvlei und Namibrand, die sind schon mehr als sensationell. Und Glück hattet Ihr mit dem Wetter. Wenn ich da an unseren letzten Besuch im Dead Vlei denke, dann vergeht´s mir heute noch. Wind, Wind, Wind - es war grauselig. 🙁
Jetzt bin ich gespannt, ob Euch die Löwen in der Nacht besucht haben. Also - lass uns nicht so lange warten. 🙂
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201601. Dez. 2022 ·
Guten Abend ihr Lieben,
Silvy schrieb:auch ich wiederhole mich bei jedem Bericht von dir.... Gib's zu, dein wirklicher Beruf ist Reiseschriftstellerin und Fotografin???
Silvy, Silvy, du machst mich sprachlos... So unfassbar großartige Komplimente, 1000 Dank!!! Und natürlich auch fantastisch, dass du unseren Berichten so gerne folgst. Einfach toll, danke! Wir sind beide Journalisten, wenn auch nicht im Reiseressort (leider), sondern im Sport (auch schön). Die Fotos sind ja meist von Thomas, der vor circa 100 Jahren auch schon einmal als Pressefotograf sein Studentenbudget aufgebessert hat. Ist aber wirklich lange her. 😉
Silvy schrieb:Ich kann meine Gefühle garnicht beschreiben, wenn ich deinen Bericht lese und die Fotos anschaue (das mache ich übrigens mehrmals) und dann daran denke, dass wir unsere diesjährige Reise nach Namibia absagen mussten, weil unsere mitreisenden Freunde uns abgesagt haben und es alleine nicht bezahlbar gewesen wäre (selbstorganisiert aber altersbedingt mit eigenem Fahrer im Kleinbus). Ich bin schon auf der Suche nach einer organisierten Reise, bei der ich notfalls auch alleine mitfahren kann. Einmal muss ich noch im meine alte Heimat.
😮 Das klingt so, und ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass das klappt! Nun weiß ICH gar nicht, was ich sagen soll... Ich bin jedenfalls sehr gerührt von deinen Komplimenten und freue mich unglaublich, dass du Freude an dem Reisebericht hast! 😘
bayern schorsch schrieb:meine Schorschine hat mir schon die Tage gesagt, ich soll doch jetzt endlich mal den Bericht von Dir lesen, es würde aller-allerhöchste Zeit werden.
😄 Gut gemacht, Schorschine!
bayern schorsch schrieb:und bin gestern Abend sämtliche Namib-Rand-Dünen und sämtliche Sossusvlei-Dünen a bikkie hinterher gelatscht.
Uff! Da hattest du ja gut zu tun! Tapfer!
bayern schorsch schrieb:Grad die Bilder von Sossusvlei und Namibrand, die sind schon mehr als sensationell.
😊 😊 😊
bayern schorsch schrieb:Wenn ich da an unseren letzten Besuch im Dead Vlei denke, dann vergeht´s mir heute noch. Wind, Wind, Wind - es war grauselig.
Next time. 🙂
bayern schorsch schrieb:Also - lass uns nicht so lange warten.
BeatnickThemenstarter1’747 Beiträge · seit 201601. Dez. 2022 ·
14. September: Spurensuche
Das Löwengebrüll verebbt, aber so richtig fest schlafe ich nicht mehr ein. Es lohnt sich ohnehin kaum, denn auf Wunsch werden wir um 5 Uhr geweckt. Thomas hat von den Löwen nichts mitbekommen. Das wundert mich nicht, der Mann hat einen beneidenswert festen Schlaf. Wie offenbar auch Gelasius, der im Auto genächtigt und ebenfalls die imposante Geräuschkulisse selig verpennt hat.
Immerhin: Der Koch hat die Löwen in seinem Zelt bei der Feuerstelle auch gehört. Ich hatte schon an meinem Verstand gezweifelt. Möglicherweise sind die Katzen weitergezogen. Beim sehr leckeren Frühstück ist es jedenfalls friedlich und still. Sogar windstill. Das hatten wir am Vortag kaum zu hoffen gewagt.
Um 6.30 Uhr und damit kurz vor Tagesanbruch wandern wir los. Eine halbe Stunde früher als üblich. Doch weil wir die einzigen Gäste sind, konnten Thomas und ich uns die Uhrzeit aussuchen. Wir wollten gerne in den Sonnenaufgang laufen. Und mit einem frühen Start der größten Mittagshitze möglichst entgehen. Gelasius, ohnehin ein Frühaufsteher, ist begeistert und will vorschlagen, diese Startzeit fest zu etablieren.
Wir laufen durch ein trockenes Flussbett, dann steigt die Sonne über den Horizont. Die Morgenstimmung ist fantastisch. Gelasius schlägt ein etwas schärferes Tempo an als am Vortag, schließlich liegen 15 Kilometer vor uns. Aber wir kommen weiter gut mit und nicht allzu sehr aus der Puste. Ich bin im "Happy Betti"-Modus und ganz im Bann der unberührten Natur, die uns umgibt.
Die Basaltlandschaft wirkt unendlich und surreal. Sie ist vor etwa 125 Millionen Jahren durch massive Magma-Eruptionen entstanden - eine Zahl, die meine Vorstellungskraft sprengt.
Wir durchqueren eine grasbewachsene Ebene, treffen ein scheues Buschböckchen und schließlich eine Giraffe. So ganz geheuer ist ihr unsere Anwesenheit nicht, doch statt vor uns davonzurennen, läuft sie im Kreis. Kurze Zeit später wissen wir, warum. Eine Löwe brüllt, quasi gleich ums Eck. Ich erstarre. Die Giraffe auch. Gelasius grinst mich an: Also das, sagt er, habe nun sogar er gehört.
Der Verursacher sei wohl hinter dem Hügel. Er weist mit seinem Wanderstab auf die flache Erhebung hinter der Giraffe. Die tritt vorsorglich den Rückzug an. Weg von uns, weg von den Löwen. Aber was tun wir? "Nichts, wir gehen einfach weiter", meint Gelasius, der uns ermahnt, weiter normal laut zu sprechen und nicht einzeln zurück-, sondern dicht zusammenzubleiben.
Die Strecke verläuft parallel zum Hügel, kein weiteres Gebrüll, dafür aber der erste von drei Rastplätzen auf unserer Strecke.
Wir essen Obst und Kekse, nach einer Viertelstunde geht es weiter auf einem kleinen Pfad, der von Tieren stammt. Zum Beispiel von Löwen. Der Beweis zeichnet sich überdeutlich im Sand zu meinen Füßen ab. Löwentatzen. Taufrisch. Nicht ein Körnchen ist verrutscht. Das muss ich erst einmal verdauen. Ich hatte natürlich gewusst, dass so etwas möglich ist. Aber nicht wirklich damit gerechnet. Jetzt haben wir den Salat.
"Just one, a female", stellt Gelasius nüchtern fest. Wir seien in ihrem Territorium, und damit müssten wir nun leben. Leben. Genau mein Stichwort. Ich überlege. Mit einer einzelnen Löwin könnte ich wohl fertig werden. Schließlich habe ich zwei Wanderstöcke mit schrecklich scharfen Spitzen. Um die Männer dagegen ist es schlecht bestellt. Aber darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.
Doch die Lage ändert sich. Nicht unbedingt zum Besseren. Plötzlich, nach einer halben Stunde, Tatzenwirrwarr im Sand. "Oh", meint Gelasius fröhlich. "Now she joint the others." Wie schön. Für sie. Nicht für mich. Ob wir nicht vielleicht einen anderen Weg nehmen sollten? Frage ich. "There is no other track." Lautet die Antwort. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir gehen weiter. Der Spur auf der Spur. Von mindestens drei ausgewachsenen Löwen. Eher mehr. Minimum ein Männchen. Das wird ja immer besser.
Szenenwechsel. Wenige Kilometer entfernt sitzen Sandra und Christoph im Etendeka Mountain Camp beim Frühstück. Sie werden spontan vom Tisch weggeholt, es seien Löwen gesichtet worden. Das will man natürlich nicht verpassen. Zumindest nicht, wenn man im Auto sitzt. Sie finden zwei Löwenmänner, die an einer Weggabelung herumlungern. Und zwar just an unserem Rastplatz Nummer zwei, bei dem für uns ein mit Wasser gefüllter Kanister deponiert ist.
Handybild von Sandra, merci!
Ihr Guide, so berichten beide später, habe vergeblich versucht, unseren anzufunken und vor den Löwen zu warnen. Gelasius' Funkgerät ist aus. Was allerdings nicht wirklich eine Rolle spielt. Schließlich ist uns längst klar, auf wessen Fährte wir da wandeln. Als wir den Kanister eine knappe halbe Stunde später erreichen und nichtsahnend unsere Feldflaschen auffüllen, sind unsere Freunde fort. Und zum Glück auch die Löwen.
Wir begegnen den Katzen nicht. Auch nicht an einem Wasserloch direkt am Weg, das Tieren die seltene Gelegenheit zum Trinken bietet. Irgendwann biegen die Löwen ab, sind die Spuren verschwunden.
Ich habe die Wanderung durch diese grandiose Landschaft auch schon vorher genossen. Aber noch nie habe ich mir so sehr gewünscht, Löwen NICHT zu begegnen. Hatte ich Angst? Eigentlich nicht. Aber ich war auch alles andere als erpicht darauf, unverhofft in sie hineinzurasseln - und deshalb zumindest angespannt. Anders als Thomas, der einfach unverdrossen a bikkie latschte. Den Löwen dagegen ging es wahrscheinlich wie mir: Sie wollten uns ungern treffen. Und so haben wir sie wohl letztlich einfach vor uns hergetrieben.
Bei Rast Nummer drei füllen wir unsere Flaschen an einem weiteren Kanister auf, das ist schon alles sehr ausgetüftelt. Dann geht es stramm bergauf. Ein letzter, giftiger, aber auch gut machbarer Anstieg auf den Crystal Mountain, der mit seinen Kristallen und Achaten ein echtes Schmuckstück ist. Die glitzernden Steine liegen überall einfach so herum - gucken erwünscht, mitnehmen verboten.
Wie erreichen den Gipfel und damit das Hill Camp, unsere Herberge für die zweite Nacht. Was für eine Lage! Und was für ein Blick in die Schlucht!
Ganz hinten rechts unsere Schlafplattform. Rechts daneben das halbrunde Bad mit Blick vom Örtchen weit in die Schlucht.
Am Rand stehen reihum die Plattformen. Nach fünf Stunden wandern sind wir angenehm kaputt. Wir schlürfen unsere kalten Getränke und sind mit uns und der Welt zufrieden.
Nach dem Mittagessen halten wir im Schatten der hochgeklappten Seitenwände Siesta. Schlummern zwei Stunden lang tief und fest. Bei mir ist es nötig nach der unruhigen Nacht. Bei Thomas nicht, aber bei ihm geht das immer. Dann eine warme Eins-A-Open-Air-Eimerdusche und High Tea. Wir werden nach Strich und Faden verwöhnt und wehren uns nicht.
Frisch gestärkt gehen wir noch einmal los, wenn auch nicht allzu weit. Wir laufen an der Kante um die tiefe Schlucht herum, schräg gegenüber wirkt unsere Plattform winzig.
Hinten ganz links unsere Plattform, die Seitenwände sind mittlerweile zum Schlafen unter freiem Himmel heruntergeklappt.
Wir setzen uns auf die Steine, genießen das warme Abendlicht und warten auf den Sonnenuntergang.
Der ist an diesem Abend anders als zuvor. Der riesige bunte Ball verschwindet nicht hinterm Horizont, sondern im Dunst. Der Vorbote eines Wetterwechsels.
Das übliche Nachglühen entfällt. Die Dämmerung kommt schnell, wir laufen zurück. Im Topf über dem offenen Feuer brutzelt und duftet es verführerisch, ohnehin ist das Essen wieder so schlicht wie schmackhaft.
Wir trinken zusammen auf diese schöne Wanderung, auf Afrika und überhaupt das Leben. Gelasius erzählt Geschichten aus seiner Heimat. Wie sein Großvater eine Frau für ihn fand. Eine bei den Kavangos aus der Mode gekommene Tradition. Er scheint es gut getroffen zu haben, ist reich an Kindern und Enkelkindern.
Später im Bett blicke ich hoch zu den Sternen und lausche den Geräuschen der Nacht. Diesmal kein Löwengebrüll. Nur der regelmäßige Ruf einer Scops Owl. Eine himmlische Ruhe. Die Ruhe vor dem Sturm.