EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200614. Apr. 2020 · #121
Tag 11 – 23. Juli 2019 – Tschüss, KTP
Mata Mata – Mesosaurus Camp
An unserem letzten Morgen im KTP standen wir in Mata Mata wie immer früh auf, Uwe kochte Wasser, und wir packten mit geübten Handgriffen unsere Sachen zusammen. Auf der Campsite war nicht allzu viel los. Wir holten unser Permit und starteten ein letztes Mal für einen kurzen Gamedrive in den Park. Kurz hinter dem Tor entdeckten wir bereits eine Herde von 12 Giraffen, darunter zwei Giraffenkinder. Am Wasserloch Sitzas ging es vorbei ins Auob-Tal. In einem Baum neben der Straße saß ein Weißbürzel-Singhabicht, der etwas Kleines, Felliges in seinen Fängen hielt. Wir konnten leider nicht erkennen, um was es sich handelte, entdeckten aber in einem benachbarten Baum noch weitere dieser Vögel. Diese Ansammlung ließ eigentlich nur auf einen Honigdachs schließen. Der zeigte sich auch bald.
Er rutschte einen dicken Baumstamm hinab, nur um ihn gleich darauf auf der anderen Seite wieder zu erklimmen. Dann begann er mit seinen langen Krallen in einem Haufen von ineinander gesteckten Ästen und trockenen Blättern herumzuwühlen, dass die Zweige nur so auf den Boden prasselten. Während wir keine Ahnung hatten, was genau dort vor sich ging, schienen das die fünf Singhabichte aber genau zu wissen. Sie ließen den Dachs keine Sekunde aus den Augen und beobachteten seine Anstrengungen genau.
Plötzlich wurde der Dachs noch hektischer, wir vernahmen ein lautes Quietschen aus dem Nest, und dann sauste eine Baumratte in wilder Flucht den Ast hinauf. Sie kam allerdings nicht besonders weit, denn sofort stürzte sich ein Singhabicht auf den armen Nager.
Die Ratte schien jedoch nicht der einzige Bewohner des Nests gewesen zu sein, denn der Dachs ließ nicht locker. Er steckte mittlerweile kopfüber in dem Nest, nur seine Hinterbeine waren noch zu sehen. Wieder hörten wir schrilles Gepiepse, und zwei weitere Nager suchten ihr Heil in der Flucht. Einer wurde sofort gefasst, der andere konnte sich tatsächlich für einen Augenblick verstecken, denn der Singhabicht hüpfte nur frustriert im Geäst herum. Die Zweige standen für den großen Vogel zu eng. Während zwei Habichte noch ihre Beute verschlangen, kletterte der Honigdachs schon auf den nächsten Ast, um ein weiteres Nest zu zerlegen.
Der Baum war eine wahre Vorratskammer, denn dasselbe Spiel wiederholte sich noch ein paarmal. Der Dachs kletterte unermüdlich und systematisch durch die Äste, ließ sich ein Stück fallen und stieg den Stamm wieder hinauf. So wurde nach und nach der gesamte Baum von Ratten gesäubert.
Wir beobachteten das Spektakel lange Zeit, und Ruth beschloss, nicht als Baumratte wiedergeboren zu werden. Als der Dachs von dannen zog, fuhren auch wir weiter. Wir hatten zweimal Löwengebrüll gehört, konnten aber keine Tiere entdecken. Bei Craig Lockhart fotografierten wir noch einen kleinen Gabarhabicht,
dann kehrten wir um. Ohne weitere bemerkenswerte Sichtung erreichten wir Mata Mata, checkten aus, tankten und ließen Luft in die Reifen füllen.
Die Seilkonstruktion hielt die abgebrochene Markise zuverlässig fest.
Während Uwe beim Auto blieb, lief Ruth mit dem Fotoapparat noch einmal die Bäume im Camp ab.
Langschnabel-Sylvietta (Long-billed Crombec)
Akaziendrossel
Anschließend fuhren wir hinüber zum namibischen Grenzposten. Das Prozedere ging schnell vonstatten, dann ging es auf der C15 ein paar Kilometer nach Norden. Beim Kalahari Farmstall hielten wir an und freuten uns, dass dieser im Gegensatz zu unserem Versuch vor ein paar Jahren geöffnet hatte. Das kleine Restaurant und der Laden sind sehr geschmackvoll eingerichtet.
Wir kauften ein hübsches Gästehandtuch und setzten und vor das Café in die Sonne. Ruth aß ein Sandwich und trank eine Tasse Kakao, Uwe bestellte ein Stück Apfelkuchen mit Kaffee. Der Kuchen schmeckte zwar eher wie ein Malvapudding, war aber lecker.
Nach dieser Stärkung ging es weiter nach Westen Richtung Keetmanshoop. Quer über die roten Kalaharidünen führte unser Weg auf und ab.
Dabei wehte ein kräftiger Wind aus Norden und blies uns den Staub um das Auto. Als wir hinter den Dünen Richtung Koës fuhren und die Ebene erreichten, war so viel Staub in der Luft, dass man gar nicht bis zum Horizont sehen konnte.
Leider ließ der Wind auch bis zum Mesosaurus Camp nicht nach. Wir kamen dort um viertel nach drei an und trafen Giel, der uns wie immer freundlich und gut gelaunt begrüßte. Wir wechselten ein paar Worte und bezahlten unsere Campsite. Drei Kilometer weiter im Bushcamp war es uns immer noch zu windig, um unser Lager aufzuschlagen, und so folgten wir Giels Rat und fuhren den schönen 4x4-Trail, der uns an vielen Köcherbäumen vorbei führte. Der Trail war nicht schwierig zu fahren, nur an manchen Stellen war es etwas eng, so dass wir aufpassen mussten, mit den Reifen keine scharfen Steine mitzunehmen. So konnte Uwe schon mal ein bisschen fürs Kaokoveld üben.
An der ein oder anderen Stelle stiegen wir kurz aus dem Auto, hatten aber nur wenig Lust, in den Steinen herumzuklettern, da der Wind ganz ordentlich pfiff und uns den Staub um die Ohren pustete.
Selbst die Klippschliefer suchten sich ein möglichst geschütztes Plätzchen.
Siedelweber
Anschließend stellten wir das Auto neben dem großen Webervogelnest und als Windschutz auf und klappten das Zelt auf. Der Wind rüttelte an den Zeltwänden, und das ganze Auto schwankte. Obwohl wir es sehr schade fanden, diesen schönen Platz, der mit zu unseren Lieblingsplätzen gehört, nicht richtig nutzen zu können, schätzten wir unser luxuriöses Vorratskammer-Aufenthalts-Schlafmobil heute umso mehr. Wir entschieden uns gegen ein Feuer, da Sandschnitzel nicht zur ersten Wahl gehörten und bereiteten stattdessen einen Käse-Wurstsalat im Bushcamper zu. Weitere Camper trafen ein, eine nette Familie aus Holland, die seit einer Woche in Namibia war und bereits in Lüderitz, in Außenkehr und in Keetmanshoop war, morgen weiter Richtung Sesriem fahren und in den verbleibenden zweieinhalb Wochen auch noch in den Caprivi möchte. Sie hatten nichts vorgebucht und fuhren für unseren Geschmack eine recht abenteuerliche Zick-Zack-Route mit vielen unnötigen Kilometern, waren aber guter Dinge. Im letzten Abendlicht fotografierten wir die schönen Köcherbäume
und aßen dann im Windschatten des Autos zu Abend.
Der Wind hatte zum Glück ein wenig nachgelassen, so dass es nicht mehr ganz so ungemütlich war. Die Holländer waren deutlich weniger fimschig als wir. Sie sprangen im Shirt und mit kurzen Hosen draußen herum und hatten ein lustig flackerndes Braai-Feuerchen entfacht.
Als es schon längst dunkel war, trafen unabhängig voneinander zwei weitere Fahrzeuge ein. Schnell war es mit der Ruhe vorbei. In einem Höllenritt war die eine Familie nach einem Tausch des Mietwagens an einem Tag von Windhoek bis hierher geprescht und mittlerweile völlig gestresst und mit den Nerven am Ende. Da hätten wir wirklich nicht mit ihnen tauschen mögen, und sie taten uns ein wenig leid. Während der Vater nun versuchte, genaue Anweisungen zu geben, wie das erste Mal das Dachzelt aufzustellen sei und dabei wirklich jeden einzelnen Handgriff kommentierte, startete das Pärchen auf der anderen Campsite den Motor. Und dieser musste in der nächsten halben Stunde laufen und laufen. Es erschloss sich uns nicht, was die Gründe dafür waren, aber es nervte ungemein. Bisher waren wir auch sehr verwöhnt gewesen, da wir die Mesosaurus Campsite immer exklusiv für uns alleine gehabt hatten. Nach einer halben Stunde hatte sich vor allem Ruth so sehr in den röhrenden Motor verliebt, dass Uwe sie nur mit Mühe davon abhalten konnte, den Nachbarn einen Besuch abzustatten. Sie ließ es sich aber nicht nehmen, ihr Laserschwert auszupacken und mit dem Taschenlampenstrahl direkt in Richtung der Doofen zu leuchten. Da an Schlaf so eh noch nicht zu denken war, spazierten wir im Dunklen vom Camp weg in die andere Richtung und starteten unsere ersten Zeitraffer-Aufnahmen dieses Urlaubs. Bis wir dafür alles eingestellt hatten, war auch auf unserem Platz Ruhe eingekehrt, und wir verkrochen uns ins Zelt.
Hallo Eulenmuckels, über den Honigdachs und seine Rattenaktion sind wir wirklich platt! Schon toll, worauf Ihr achtet - eine Ansammlung von Singhabichten hätten wir niemals mit einem Honigdachs in Verbindung gebracht! Von den Fotos sind wir übrigens auch platt! Bei Giel waren wir im Frühjahr 2019 auch und sahen dort einen Verreauxs Eagle (Kaffernadler/Felsenadler) sehr nah auf einem riesigen Webervogelnest sitzen und die dicksten Klippschliefer ausgucken..... Viele Grüße Friederike + Claus
Dandelion547 Beiträge · seit 201714. Apr. 2020 · #123
Hallo Ruth und Uwe,
die Fotos des kraxelnden Honigdachses begeistern mich ebenfalls sehr. Welch seltene und spannende Sichtung 🤩 Auch auf die Gefahr hin mich etwas lächerlich zu machen, auf Bäumen hätte ich diese Kerle nicht vermutet und somit auch niemals danach gesucht. Wieder einmal der Beweis, Reiseberichte lesen bildet oder salopp gesagt „again what learned“ 😗
Bei Abendstimmung mit Köcherbäumen bekomme ich eh immer glänzende Augen - soooo schön. 😘
Zwischendurch ein herzliches Dankeschön für euren Bericht und die gewohnt sensationellen Fotos.
Eulenmuckel schrieb:@Sandra: Wir freuen uns, dass ihr nun auch dabei seid. Hoffentlich fahrt ihr auch weiter mit, wenn wir nun euren Lieblingspark verlassen.
Aber selbstverständlich 🙂 Wir freuen uns schon sehr auf all Eure Erlebnisse, natürlich auch die außerhalb unseres Lieblingparks 😉
Mensch, die Dachssichtung war ja sensationell! Wir finden inzwischen an den kleineren Gesellen (wie auch die kleine Elefantenspitzmaus 😘 ) oftmals mehr Gefallen als an den dauerschlafenden Löwen.
Liebe Grüße Sandra
PS: Eure Fotos sind wie immer hammermäßig!
lisolu886 Beiträge · seit 200716. Apr. 2020 · #125
Ihr Lieben,
die Dachsgeschichte ist wirklich spannend. Ich wäre schon froh, wenn wir überhaupt mal einen zu Gesicht bekämen. Ausser vor vielen Jahren in Halali bei Nacht ist uns das noch nie passiert, ans fotografieren war da gar nicht zu denken. Und im Kalahari Farmstall wäre ich jetzt auch gern, dort schmeckt der Kaffee (immer wichtig) und man findet nette Mitbringsel.
Schreibt mal schön weiter, bevor Ruth sich wieder voll reinhängen muss.
Einen lieben Gruss aus dem Norden.
Lisolu
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200620. Apr. 2020 · #126
@Friederike und Claus: Dass wir von den Habichten auf den Dachs geschlossen haben, lag daran, dass wir so eine Konstellation in der Vergangenheit schon einmal beobachtet hatten. Aber auch ohne dies ist es sehr ungewöhnlich, gleich mehrere dieser Greifvögel so nah beieinander zu sehen. Ein Besuch bei Giel lohnt sich immer.
@Kordula: Honigdachse sind sehr gute Kletterer.
auf Bäumen hätte ich diese Kerle nicht vermutet
Dann hast du vermutlich unseren letzten Reisebericht aus dem Moremi verpasst. 😉
@Sandra: Gerade diese beiden Sichtungen (insbesondere auch die Elefantenspitzmaus) haben uns auch sehr gefallen.
@Lisolu: Wir freuen uns auch schon auf den nächsten Kaffee, den wir gemeinsam mit euch trinken können.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200620. Apr. 2020 · #127
Tag 12 – 24. Juli 2019 – Hallo, Namib
Mesosaurus Camp – Namib Rand Family Hideout
Heute Nacht wachten wir ein paar Mal auf, weil sich die Schafe unterhielten, die um unser Auto herum liefen. Gegen Morgen standen noch in der Dunkelheit unsere holländischen Nachbarn auf und bauten ihr Lager ab. Die Sonne war nicht aufgegangen, als sie bereits abfuhren, aber sie hatten ja auch einen weiten Weg bis zum Sossusvlei vor sich. Wir schnappten unsere Fotoapparate und liefen durch die Köcherbäume, um im ersten Morgenlicht ein paar Aufnahmen zu machen.
Bei diesen Aloen geht es uns immer wie der Maus in der Vorratskammer. Wir können uns gar nicht entscheiden. Fotografiert man nun diese oder doch besser jene dort? Nein, die dort hinten ist noch viel schöner, oder doch besser ein wenig mehr von links!? Eigentlich ist es auch völlig egal, denn Köcherbäume machen sich immer ganz gut auf einem Foto.
Als wir zurückkamen, war auch die Großfamilie der Weber bereits aufgewacht. Zu kleinen Bällen aufgeplustert ließen sie sich die warmen Sonnenstrahlen auf das Gefieder fallen und blickten noch ein wenig verschlafen drein.
Während wir es ähnlich wie die Webervögel hielten, unseren Tisch für das Frühstück in die Sonne rückten und unser Frühstück mümmelten, war auch die deutsche Familie aufgestanden, die gestern erst im Dunkeln eingetroffen war. Vater, Mutter und Sohn wanderten in einer Reihe – erneut jeden Handgriff und jedes Vorhaben kommentierend – Richtung Ablutions, wo sie sich allerdings nicht in die Duschkabäuschen verzogen, sondern sich im Freien in aller Seelenruhe für ihre Morgentoilette entkleideten. Wir machten große Augen und erklärten unser Frühstück spätestens ab dem Zeitpunkt für gescheitert, an dem diskutiert wurde, ob die Unterhose des Sohnes gewechselt oder vielleicht doch noch einen weiteren Tag verwendet werden könne. Gemeinsam beugten sich drei Augenpaare kritisch über das fragwürdige Kleidungsstück, das man zur Not ja auch noch einen Tag auf links drehen könnte. Ob den Dreien wohl bewusst war, dass wir jedes Wort mitbekamen? Kurz überlegten wir, ob wir wohl auch ein Stimmrecht hätten und uns einmischen sollten, entschieden uns aber dann doch dagegen. Als wir unsere Sachen einräumten, entdeckten wir drei Zwergfalken, die sich auf nahen Bäumen niedergelassen hatten und sich ähnlich aufgeplustert wie die Weber in der Sonne wärmten.
Und hier etwas versteckter die Dame dazu:
Sie gehören zu den großen Siedelweber-Nestern, die auf der Campsite verteilt sind. Es ist einfach herrlich, sein Zelt in der Nähe eines solchen Nestes aufzustellen und die ganze Nacht über immer mal wieder ein leises Fiepen zu vernehmen, mit dem sich die geselligen Vögelchen vergewissern, dass der Nachbar noch anwesend ist. Auch jetzt machte es großen Spaß, der Schar zuzuschauen, die sich fröhlich miteinander schwatzend, emsig an die Arbeit machte, ihr Heim Halm für Halm zu erweitern. Auf den ersten Blick erscheinen die Weber recht langweilig und eintönig, betrachtet man sie aber genauer, stellt man fest, dass sie zwar nicht knallig bunt sind, aber doch eine auffallend schöne Gefiederzeichnung aufweisen. Wir finden sie auf jeden Fall sehr sympathisch. Erst gegen halb zehn verließen wir die Campsite
und machten uns auf den Weg nach Keetmanshoop, nicht ohne zuvor noch ein kleines Pläuschchen mit Giel zu halten, dessen unaufgeregte Art wir auch bei unserem dritten Besuch bei ihm wieder als sehr angenehm empfanden. Bei der Gariganus Farm liefen zwei Geparde unmittelbar an der Hauptstraße entlang. Wir stoppten kurz, finden den Anblick solch schöner Tiere hinter einem hohen Maschendrahtzaun aber immer sehr traurig, so dass es schon bald weiterging. In der Stadt fuhren wir zu der relativ neuen Shopping-Mall, tankten, holten Geld und kauften schnell ein paar Kleinigkeiten ein. Dann holten wir noch eine Portion Pommes bei Hungy Lion. So gestärkt fuhren wir auf der B4 nach Südwesten. Auf der Teerstraße kamen wir schnell voran und erfreuten uns an der tollen Aussicht über die endlose Landschaft, für die wir so gerne nach Namibia reisen. Immer wieder kamen wir über eine Kuppe und konnten den Blick dahinter endlos bis zum Horizont schweifen lassen. Bei Goageb bogen wir nach Nordwesten auf die C14, die bis Bethanien noch geteert war.
Dann ging es auf Gravel weiter bis Helmeringhausen. In dem winzigen Ort machten wir eine kurze Pause im Helmeringhausen Hotel. Wir setzten uns in den Garten und probierten ein Stück des angepriesenen Apfelkuchens. Er schmeckte wirklich lecker, aber wir mögen den aus Solitaire lieber. Außerdem haben sie ganz ordentliche Preise in Helmeringhausen. Zügig fuhren wir weiter, da wir immer noch über 150 Kilometer vor uns hatten.
Auf der C27 ließen wir die Tirasberge südlich liegen und fuhren weiter nach Westen. Da wir früher immer entlang der D707 gereist waren, kannten wir diese Strecke noch nicht, und sie gefiel uns sehr gut.
Ab Spes Bona wurde die Straße extrem schlecht. Das Wellblech war so hart, dass der Wagen sehr durchgeschüttelt wurde. Das Auto tat uns wirklich leid. Bei Betta bogen wir nach Westen ab, und bald zweigte die Zufahrt zum Namib Rand Family Hideout ab. Bis dahin hatten wir schon 13 Löffelhunde entlang der Straße gesehen. Manche waren weit entfernt, drei jedoch auf der falschen Seite des Farmzauns. Die Tiere liefen panisch vor unserem Auto davon und kreuzten dabei mehrfach die Fahrbahn, so dass wir uns aus Angst, einen zu erwischen, gar nicht richtig an ihnen vorbei trauten. Wenn wir anhielten, weil wir sie nicht zu sehr jagen wollten, blieben sie auch stehen. Fuhren wir weiter, hetzten sie ebenfalls los und versuchten im Davonstürmen eine Lücke im Zaun zu finden. Zwei von ihnen gelang es bald, der dritte rannte vor Verzweiflung gegen den Zaun. Es tat uns wahnsinnig leid, und wir waren sehr erleichtert, als wir endlich an dem armen Löffelhund vorüber waren. Wir hofften, dass sobald kein weiteres Auto hier entlang kommen würde, damit das Spiel nicht von neuem beginnen würde und das kleine Kerlchen genug Gelegenheit hätte zu verschnaufen. Außerdem wünschten wir ihm sehr, dass er seine beiden Kumpels, die er ein ganzes Stück weiter vorne verloren hatte, bald wiederfinden würde. Wir wissen wirklich nicht, wie man sich in so einer Situation am besten verhält, außer möglichst schnell an den Tieren vorbeizufahren.
Die letzten Kilometer zum Family Hideout fuhren wir sehr langsam durch ausgesprochen schöne Landschaft. Auch hier wuselten immer wieder die knuffigen Tiere mit den großen Ohren umher. In kleinen Familientrupps streiften sie auf Nahrungssuche umher und flitzten sofort davon, wenn wir ihnen zu nahe kamen.
Außerdem sahen wir viele Oryx auf den endlosen Flächen weiden. An vielen Stellen stand das Gras hier deutlich höher als im KTP.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200620. Apr. 2020 · #128
Wir hatten eine Reservierung für die Campsite Venus, die wie die anderen Stellplätze exklusiv und einsam in der Namib liegt. Kurz bevor wir diese erreichten, wurden wir von einem Fahrer und Guide abgefangen, der uns anbot, direkt eine kleine Rundfahrt über das Gelände mit uns zu machen. Zu gerne hätten wir dieses Angebot angenommen, wollten aber gerade hier ein wenig Zeit für uns haben und lehnten deshalb ab. Ohne den Ort zu kennen, wären wir gerne für zwei Nächte geblieben, hatten damals aber lediglich eine Nacht buchen können. Wir hatten schon überlegt, auch diese eine Nacht zu canceln und waren umso glücklicher, dies nicht getan zu haben, als wir die wunderschöne Campsite erblickten. Zwischen geschwungenen roten Dünen lag sie weit entfernt von den anderen beiden Sites, der Sand rollte sich wie ein Teppich in einem unberührten Riffelmuster vor uns aus, und nur ein paar schwarze Toktokies sowie ein einsames Oryx zogen ihre Spuren.
Weit und breit war niemand zu sehen und kein Muckser zu hören. Wir waren sofort schwer begeistert. Der Platz war sehr schön angelegt. Es gab ein eigenes Ablution-Häuschen, heißes Wasser, Licht und eine Braaistelle.
Wir schnappten uns unsere Kameras und liefen ein wenig durch die umgebenden Dünen. Egal in welche Richtung wir schauten, die Aussicht war fantastisch.
Die warmen Farben im späten Nachmittagslicht, der Geruch von Sand, Erde und Staub, die Sonnenstrahlen auf der Haut, der Blick, der sich in der endlosen Weite verliert, sich nur ab und an einem knorrigen Kameldornbaum verfängt und dann weiterwandert, die Schatten von Hügeln, Bäumen und Gräsern, die langsam immer länger werden und die totale Stille, die durch kein Handypiepen oder Motorenbrummen gestört wird, sind ein unbeschreiblicher Luxus. In solchen Momenten überkommt es uns dann ganz plötzlich, wir bleiben ehrfurchtsvoll stehen, nicht selten mit einer Träne im Auge und wagen nur noch zu flüstern, obwohl uns doch niemand hören könnte.
Wir genossen jeden Augenblick unserer kleinen Wanderung, selbst als wir plötzlich von abertausenden Termiten umkrabbelt wurden. Huch! Wo waren wir denn hier hinein geraten? Überall um unsere Füße herum wurden Grashalme abgesägt und in irgendeine Richtung transportiert. Was für ein Gewusel! Wir blieben lieber nicht so lange an einem Fleck stehen, sondern machten, dass wir davonkamen, bevor uns die Krabbeltiere noch in die Latschen krochen.
Nach unserem Spaziergang duschten wir und machten Feuer. Während bereits die ersten Sterne am Himmel erschienen, trafen wir in aller Ruhe unsere Vorbereitungen für unser Abendessen.
Heute sollte es Potjie-Pizza geben. Uwe knetete den Teig, und Ruth schnibbelte den Belag und rieb fleißig Käse. Der große Tisch mit der hohen Arbeitsplatte war ideal, um alles vorzubereiten. Auf einmal sauste etwas Kleines, Flinkes an uns vorüber und verschwand sofort wieder unter den Palisaden einer Ablage. Wir mussten nicht lange warten, bis sich der niedliche Campbewohner wieder zeigte. Es war eine Maus mit ausgesprochen großen Augen und Hinterfüßen.
Sie beschützte uns von nun an die ganze Nacht und blieb immer in unserer Nähe. Vielleicht war es deshalb so besonders friedlich hier.
Die Pizza gelang uns wirklich gut und schmeckte passend zu diesem schönen Abend hervorragend.
So fiel es uns auch nicht schwer, für das ganze Prozedere mit Zubereitung und Kohlegeschaufele ein zweites Mal genügend Motivation aufzubringen. Während die Pizza backte, tobten wir uns mit Fotoapparat und Taschenlampe aus. Ruth schrieb einen Gruß für ein paar Freunde und malte ein wenig im Dunkeln.
Später fotografierte Uwe die unzähligen Sterne am Nachthimmel. Es war ein unglaublich schöner Abend, den wir in der Einsamkeit der Wüste für uns ganz alleine hatten.
kalachee1'059 Beiträge · seit 200620. Apr. 2020 · #129
WAHNSINN! 🤩
Hach, zuerst die so tolle Mesosaurus mit der unvergleichlichen Köcherbäumelandschaft und den Webervogelkolonien und dann der Family Hideout... Da wird mir grad wieder warm ums Herz. Zwei meiner absoluten Lieblingsplätze im südlichen Afrika.
Ich glaube, die «Venus»-Site ist die neueste. Das sieht ja super aus mit dem Tisch und dem Schattendach/Windfang.
erstmal.....eure Bider generell sind mal wieder aller-aller-erste Sahne! Zweitens; so viel Glück (oder aber geübte Augen?!), am gleichen Tag ein Karakal, wunderbar belichtet und aus allen Perspektiven abgelichtet; dann ein Honigdachs und zuletzt noch ein Gabarhabicht-Kill! Das schaffen viele nicht in 10 Namibiareisen!
Ganz besonders gut gefallen mir auch (als bekennender Landschafts-"Fetischist") eure Bilder vom Namibrand. Weiter so, wir sind dabei!
liebe Grüsse, busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
......wie schade, daß man hier den Dankebutton nicht mehrfach drücken kann............. ......einfach überwältigend schöne Namibbilder und ein entzückender Rücken............ Gruß Friederike
Cruiser2'530 Beiträge · seit 201120. Apr. 2020 · #133
Die Namibbilder gefallen mir auch sehr gut. 😎 Als wenn man selbst da und doch so fern ist.
Best Regards
Adolf
Conservation is our passion!
Trustee, Sponsor & SA Contact for 'Desert Lion Conservation'!
Sponsor of Desert Elephant Conservation.
Hobby: Land Cruiser Touring Vehicles. Member of the LCCSA.
Slogan: Tread lightly, leave nothing but your foot prints!
Champagner8'705 Beiträge · seit 201020. Apr. 2020 · #134
Guten Abend nach NRW,
ich bin ja nun nicht so der Köcherbaumfan (auch wenn sie sich als Kulisse für Uwe's tolle Sternenfotos natürlich hervorragend eignen), aber das hier ist gaaaaanz nach meinem Geschmack (würde sich übrigens auch gut als Fototapete eignen 😉 ):
Auch der Text kommt dieses Mal zur Landschaft passend sehr poetisch rüber - wobei sich mir beim Lesen dann doch die Frage aufdrängte 😎 : "Ruth, hast du diese Zeilen gestern vor oder nach - du weißt schon was 🤪 - verfasst? 😐 😄
Auf jeden Fall ein sehr schönes Kapitel - und zu der Maus sagt mein Laien-Bestimmungsbuch (Burger Cillié, Handbuch der Säugetiere des südlichen Afrikas), dass sie der Busch-Nacktsohlenrennmaus ziemlich ähnlich sieht (das Verbreitungsgebiet ist allerdings grenzwertig). Dies nur mal so als Diskussionsgrundlage - und ich warte jetzt mal auf den gestrengen Anruf aus dem Schwarzwald, wie ich denn auf diiiiese Idee kommen würde 🙄
Schönen Abend noch und frohes Weiterschreiben - es ist morgens nach dem Aufstehen immer spannend, ob wohl über Nacht ein neues Kapitel dazugekommen ist 🙂
Daxiang5'052 Beiträge · seit 201420. Apr. 2020 · #135
Liebe Ruth, lieber Uwe,
nach längerer Forums-Abstinenz sind wir nun auch bei eurem Bericht wieder auf dem neusten Stand. Bei den genialen Sichtungen und Fotos haben wir so starkes Fernweh bekommen, dass ein Gin Tonic gar nicht ausgereicht hat. Wir sitzen gerade beim Zweiten und schwelgen in Erinnerungen.
Guggu2'262 Beiträge · seit 201121. Apr. 2020 · #136
Liebe Ruth, lieber Uwe,
man liest mal ein Reisebericht hiervon und davon und denkt die Welt ist groß und schön und das wäre vielleicht auch ein Urlaubsziel? 😗 😎 Nein, nach den letzten Kapiteln in euren Reisebericht wird alles wieder an seinem Platz gerückt und ich weiß wo mein Herz hingehört. 🙂 Abgesehen von den Unterhose wendenden Nacktärschen 🤢 😣 ist das soso schön. Im Gegenteil zu unsere Freundin ob dem Teck liebe ich die Köcherbäume sehr. Schon alleine aus dem Grund, sie bleiben hübsch stehen und man kann sie in Ruhe genießen und Fotografieren. Und die puscheligen Webervögel….. Und die Landschaften…….. Und der Sternenhimmel………… und, und...……... Mir läuft gerade das Herz über und ich werde ziemlich rührselig. Da hilft auch einen doppelten GT oder 1-2-3 „du weißt schon was“ nicht.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200622. Apr. 2020 · #137
@Sam: Beim Mesosaurus-Camp waren wir schon mehrfach, weil es uns dort auch so gut gefällt. Das Namib-Rand Family Hideout kannten wir nur aus Erzählungen und Reiseberichten wie z. B. aus deinem. Im Grunde war uns schon klar, dass es dort wunderschön ist. Aber vor Ort hat die Aussicht unsere Vorstellungen dann doch noch mal übertroffen. Wir waren sicherlich nicht zum letzten Mal da.
@Ingrid: Vielen Dank und liebe Grüße
@busko: Der Karakal war sicherlich das Ergebnis von Glück (und Sichtungswilli). Ansonsten mussten wir an diesem Tag ja noch einiges aus der vorangegangenen Woche nachholen. Schön, dass ihr auch dabei seid und dass es euch hier gefällt.
@Friederike: Wir freuen uns sehr über deine Klicks auf den Dankebutton. Ruth freut sich ganz besonders über den Rücken. 😊
@Cruiser: Auch wenn Namibia sicherlich sehr viele besonders schöne Gegenden zu bieten hat und man keinesfalls sagen kann, dass es hier oder dort "am schönsten" ist, gehört der Namib-Rand für uns zu den ersten Adressen. Aber im Kaokoveld ist es auch ziemlich toll, und da kommen wir ja auch noch hin. 🙂
@Bele: Den (poetischen) Text hat Ruth erst nachher geschrieben. 😉 Danke für deinen Bestimmungsversuch der Maus. Hat dein Telefon inzwischen geklingelt? Falls nicht, würden wir deinen Tipp mal als korrekt annehmen.
@Silke und Konni: Der KTP ist ja praktisch euer zweites Wohnzimmer. Trotzdem geht es mit dem Fernweh nicht nur euch so. Ihr seid hier in bester Gesellschaft.
@Guggu: Vielen Dank für deine ganz besonders lieben Zeilen. Uns geht es mit Reiseberichten aus anderen Gegenden ebenso, und wir überlegen immer mal wieder, ob es nicht auch woanders schön sein könnte – eigentlich sind wir uns da sogar sicher. Aber wenn uns dann klar wird, dass wir für so eine Reise auf Afrika verzichten müssten, verwerfen wir diese Gedanken schnell wieder.
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200622. Apr. 2020 · #138
Tag 13 – 25. Juli 2019 – Namib Rand
Namib Rand Family Hideout – Hauchabfontein
Der Morgen im Namib Rand Nature Reserve war herrlich still. Kurz nach Sonnenaufgang standen wir auf. Am Abend war die Temperatur auf sieben Grad gefallen, so dass wir schon fürchteten, bei Frost aufstehen zu müssen. Aber immerhin hatten wir drei Grad und vor allem eine grandiose Aussicht in die Ferne.
Wir klappten das Dachzelt ein, zurrten die lose Markise wieder fest und ließen Luft aus den Reifen. Dann begaben wir uns auf einen kleinen Rundweg durch das Reserve, den man als Selbstfahrer auf eigene Faust unter die Räder nehmen darf.
Die Sonne beleuchtete die roten Sanddünen, das gelbe Gras und die Berge im Hintergrund.
Die Szenerie erinnerte uns sehr an Wolwedans, wo wir vor zehn Jahren zwei Nächte verbracht hatten. Kein Wunder, denn die Luxuslodge liegt unmittelbar in der Nachbarschaft.
Damals hatten wir uns dort rundum wohl gefühlt. Wir hatten einen fabelhaften, sehr netten Guide, der uns den ganzen Tag durch die Gegend fuhr und viele interessante Dinge erzählte. Ein wenig unwohl fühlten wir uns nur beim Abendessen, als sich acht Angestellte um uns und zwei weitere Gäste kümmerten und uns mit Getränken und leckeren Speisen verwöhnten. Obwohl Wolwedans einen nachhaltigen Eindruck bei uns hinterlassen hat, hatten wir hier nicht das Gefühl, etwas zu vermissen. Wir schätzen es sehr, einen solchen Anblick quasi für uns alleine zu haben und völlig flexibel zu sein. Obwohl wir es natürlich auch mögen, neue Menschen kennen zu lernen, ist es für uns das ganz große Erlebnis, die völlige Stille und das Uns-gehört-die-Welt-Gefühl in einer so phänomenalen Landschaft ganz für uns zu haben. So standen wir mehr, als dass wir fuhren.
Die Fahrt machte großen Spaß und war nicht schwierig, denn das Auto glitt auf dem weichen roten Sand wie auf Schienen. Wir sahen viele Oryx, die sich als kleine Eyecatcher wunderbar ins Bild fügten.
Nonnenlerche
Leider verging die Zeit viel zu schnell, bis wir wieder bei unserer exklusiven Campsite eintrafen. An dem hohen Stehtisch frühstückten wir Kaffee, Tee, Müsli und Käsebrote mit Avocado. Wie bei unserer Ankunft besuchte uns auch jetzt ein Oryx. Die ersten Flughühner drehten ihre Runden und stießen ihre typischen Rufe aus, als sie über uns hinwegflogen. Nachdem wir alles eingepackt hatten, fuhren wir um kurz vor elf Richtung Ausgang und waren uns einig, dass wir hier sicherlich nicht zum letzten Mal waren. Bis nach Hauchabfontein war es heute nicht weit. Über ein paar D-Straßen gelangten wir innerhalb von zwei Stunden zu unserem Ziel.
Die Fahrbahn war in teilweise sehr schlechtem Zustand mit steinhartem Wellblech. Uwe hatte nach der Fahrt durch die Dünen bewusst keine Luft aufgepumpt, und so fuhren wir mit etwas niedrigerem Luftdruck als sonst. Das empfanden wir als deutlich komfortabler. Bei Hauchabfontein begrüßte uns Edith und erklärte uns den Weg zu unserer Campsite und wie wir zu den Quellen bzw. zum Köcherbaumwald kämen. Unser Plan war, am Nachmittag eine Wanderung dorthin zu machen. Wir kauften noch ein Bündel Holz und fuhren zu den Campingplätzen. Auf dem Weg hielten wir bei den Quellen, in denen man bei gutem Wasserstand baden kann.
Nun lockte das trübe Wasser in den verbliebenen kleinen Tümpeln nur einen Graureiher und ein paar Kapstelzen.
Nachdem wir auf unserem Platz angekommen waren, änderten wir spontan unseren Plan. Wir machten keine Wanderung und auch sonst nicht viel. Es war unglaublich heiß, und so ruhten wir uns einfach mal aus. Wir aßen Brot und den restlichen Wurstsalat. Ruth las, und Uwe füllte den Brauchwassertank auf, da es hier Trinkwasser aus dem Hahn gab. Dann sicherte er Fotos. Ruth ordnete das Bett, und wir lüfteten die Schlafsäcke auf einer Leine. Ab und an spazierten ein paar Frankoline vorbei, und die Graulärmvögel krakeelten in den Bäumen.
Am späten Nachmittag duschten wir und schichteten das Holz für unser Feuer. Auf unserer Campsite „Moringa“ gefiel es uns gut. Am späteren Nachmittag war noch ein Auto mit drei deutschen Jungs angekommen. Die Studenten standen unmittelbar in unserer Nachbarschaft, waren wohl noch nicht lange im Land und schwer begeistert. Nachdem sie sich gegenseitig ihre komplette Lebensgeschichte erzählt hatten, kamen sie irgendwann auf die Idee, dass ein wenig Musik sehr nett sein könnte. So betrachteten wir begleitet von wirklich netter, vielleicht nicht ganz passender Musik wie „Cold as ice“, wie die Schatten der Bäume länger und länger wurden und sich die Bergrücken rot färbten.
Dann machten wir bei wirklich netter Musik Feuer, stellten Blumenkohl und Möhren in Alufolie auf die Glut und grillten Springbock.
Auch unser Abendessen wurde von netter Musik begleitet, ebenso wie der Abwasch und das Zähneputzen. Gar nicht mal laut, aber doch immer so, dass wir gut jeden Song hätten mitsingen können, schallte die nette Musik zu uns herüber, während Uwe schon im Zelt die ersten Zeilen für diesen Reisebericht tippte. Leider würde die nette Musik ja sicherlich gleich aufhören. Schließlich war es ja bereits fast 21:30 Uhr und seit Ewigkeiten stockdunkel. Wir lagen in unseren Schlafsäcken, die Unterhaltung auf der Nachbarcampsite war mit zunehmendem Verlauf des Abends immer lauter geworden, und die Bässe der netten Musik wummerten aufdringlich in unser Zelt. So ging es immer weiter, bis Ruth schließlich – es war bereits nach elf – nochmal aufstand und sich wieder anzog. Als die beiden Herren den Geist aus der Dunkelheit zu „Eye of the tiger“ auf sich zukommen sahen (kein Titel war heute Abend so passend wie dieser), war ihnen sofort klar, dass es jetzt gefährlich wurde. Der Wortwechsel lief in etwa so ab: „Ups, wir waren wohl etwas zu laut. Was denn genau, unsere Musik oder wir?“ „Beides!“ Doppeltes „Ups!“ „Ich weiß ja nicht, wer von euch „Ey Digga“ und wer „Ey Alder“ ist, ich weiß nur, dass Anton bereits schläft, ich weiß, dass jeweils einer von euch Medizin, Jura und Mathe studiert, ich weiß, welche Lieblingsfächer und Kurse ihr in der Schule hattet, wer auf blonde und wer mehr auf dunkelhaarige Frauen steht und wie lange ihr bereits vergeben seid oder eure längste Beziehung gedauert hat, kenne auch sonst mittlerweile fast jede eurer Vorlieben, und wisst ihr was? … Ich möchte das alles gar nicht wissen … Und ich sage euch noch was: Ihr habt verdammtes Glück, dass ich eure Musik wirklich nett finde!“ Die Jungs fingen an zu lachen und waren sichtlich beeindruckt. Dann luden sie Ruth zu einem Gin Tonic ein, von dem sie im Laufe des Abends, nach der Anzahl leerer Dosen auf dem Tisch zu urteilen, schon etliche geleert hatten und meinten, dass ja dann zur Abwechslung Ruth mal ein bisschen von sich erzählen könnte. Die lehnte jedoch dankend ab, wünschte noch eine gute Nacht und marschierte zurück zu ihrem Zelt, wobei sie im Dunkeln fast noch einen falschen Abzweig erwischt hätte und auf einer anderen Campsite gelandet wäre. Ruth war noch nicht wieder ganz in ihrem Schlafsack gelandet, da waren bei den kleinen Jungs sowohl Licht verloschen als auch die Musik verstummt. Eigentlich hatten wir uns schon darauf gefreut, uns am frühen Morgen zu revanchieren und uns topfdeckelschlagend unter die Nachbarzelte zu stellen. Daraus wurde aber nichts, denn die drei Jungs krochen selbst bereits in aller Herrgottsfrühe aus den Federn. Wir hingegen schliefen noch eine ganze Weile weiter.
... vielleicht sollte ich mal einen Kurs in Deeskalation bei Ruth nehmen... ...eine solche Situation hätte mich über meine Toleranzgrenze gebracht..... während Claus sich mit Stöpseln im Ohr zur Ruhe gelegt hätte.... Namibrand.....vor gefühlt hundert Jahren....da habe ich im Rückblick immer noch eine etwas genierte Empfindung. C.s kurzes Fazit lautete damals: Dekadent! Aber schön war es doch.... Viele Grüße Friederike
Sadie1'835 Beiträge · seit 201522. Apr. 2020 · #140
Danke für die wundervollen Bilder der Wüste, die eben eine sehr Schöne ist. Ich habe auch sehr wenig Toleranz für Lautes Benehmen. Da hätte ich auch ein paar Worte an die Nachbarn geworfen. Ich komme nicht so draus mit dem Namib Rand. Es ist doch ein privates Reserve und man muss eine Bewilligung haben dort herum zufahren? Oder wenn man dort nächtiget darf man das Reserve besuchen? Wäre euch dankbar wenn ihr mir da etwas helfen könnt, so dass ich das für die nächste Reise weiß. Beste Grüße von Katrin