Kapitel 15: Freitag, 16. August 2013
Namutoni - OkonjimaTeil 2: LeopardenlandNach unserem leckeren Mittagessen ließen wir es uns ein bisschen in unserer „Bude“ gut gehen. Okay … so ein bisschen haben wir es den Selbstmordhühnern draußen am Wasserloch gleich getan und sind aufgescheucht von A nach B gelaufen 😗 , weil dieses Haus so groß und toll war, dass irgendwer ständig irgendetwas Interessantes entdeckt hat und die ganze Familie, neugierig wie wir sind, sofort angerannt kam! 😄

Der Mond war auch schon aufgegangen 🙂 ...

Irgendwann hatte sich dann aber die Aufregung etwas gelegt und wir ließen noch ein wenig auf der Terrasse die Seele baumeln. Dort platziert leistete uns am Wasserloch auch gleich ein kleiner Ducker Gesellschaft und die beiden lustigen Gesellen kamen angeflogen…

Erkenntnis No. 1 dieses Nachmittags: (Gelbschnabel-)Tokos sind zwar wirklich hübsche Vögel, mit dem lieblichen Gesang haben die es aber nun wirklich gar nicht 😵 ! Die nächste halbe Stunde verbrachten wir dementsprechend staunend, wie lautstark so ein Toko krächzen, klappern und poltern kann! 😉

Um kurz vor drei kam dann auch schon Mike mit einem riesigen Tablett mit Kaffee, Kuchen und leckeren Blätterteigtäschchen um die Ecke gebogen. Erkenntnis No. 2 an diesem Nachmittag: Für Schleckermäulchen wie uns ist eine Unterkunft wie Okonjima wirklich gaaaaanz schlecht für die Figur! 😗 😗 😗
Während wir den Kuchen nieder machten, planten wir mit Mike zusammen ein bisschen das Programm für den nächsten Tag. Und an dieser Stelle erlaube ich mir mal etwas auszuholen, es mag jetzt vielleicht etwas staubtrocken werden, aber ich verspreche, zum Schluss wird es einen runden Bogen ergeben (hoffe ich zumindest 😉 ).
Aaaalso: Okonjima ist vielen vielleicht ein Begriff, weil es dort nicht nur den Gastbetrieb gibt, sondern daneben auch noch die „Africat Foundation“ auf dem Gelände ihren Stützpunkt hat (alles ist wohl soweit ich das verstanden habe mehr oder weniger in den Händen einer Familie). Wie bei vielen dieser Projekten entstand Africat wohl aus dem Konflikt Raubtier (insbesondere Gepard und Leopard) und Farmer heraus und man setzt sich dort für die großen Raubtiere Namibias ein – auf Okonjima sind das im besonderen Maße die Geparde (aber nicht nur), die man hier auch versucht „kontrolliert“ auszuwildern und für jene Tiere die nicht mehr oder noch nicht ausgewildert werden können, gibt es dort eine Art Auffangstation. Zu diesem Zwecke hat man mittlerweile ein insgesamt um die 24.000 ha großes Gebiet um die ursprüngliche Farm herum erworben. Ungefähr 2000 ha davon sind „Großkatzenfrei“ und damit „tourifreigangfreundlich“ 😎 – d.h. dass ist das Gebiet, wo die Unterkünfte sich befinden, wo es auch Wanderwege gibt und wo die Warzenschweine sich im Warzenschweinehimmel befinden, weil A) keine bösen Leos, die Schweinchen verfrühstücken wollen 😄 und 😎 leckere Küchenabfälle, die zwar eigentlich den Stachelschweinen gehören sollten – aber: Sind wir nicht alle Schwein? 😗 😎
Jedenfalls: Die meisten Touristen werden nach Okonjima kommen wegen der Raubkatzen! Die Lodge bietet deswegen sogenannte „Trackings“ an: Je nach Wunsch werden Geparde, Leoparde, Hyänen oder Wildhunde per Funk getrackt. Per Funk weil die zu trackenden Tiere allesamt mit Funkhalsbändern ausgestattet sind. Dabei handelt es sich bei den Geparden, Hyänen und Wilddogs jeweils um Tiere aus dem Africat-Hilfsprojekt, die Leos die getrackt werden, sind jedoch die eigentlichen Stammbewohner von Okonjima.
Derzeit ist Okonjima nämlich vor allem eins: Leopardenland! 🙂
Der jahrzehntelange Farmbetrieb, die Viehwirtschaft und die damit einhergehende Überweidung haben auf dem Land Spuren hinterlassen oder besser gesagt: Sie haben Dornen hinterlassen in Form von abertausenden von Dornenbuschen, die das Land zugebuscht haben, gleichzeitig den meisten Tieren aber keine besonders gute Lebensgrundlage bieten, weil ungenießbar 😐 . Der Kampf gegen die Dornen(büsche) um das Land wieder offener und "weiter" zu machen, Teile zumindest wieder in eine Savannenlandschaft zurück zu führen und damit auch Geparden-freundlicher zu machen, ist sicherlich einer der intensivsten Eindrücke, die wir aus unserem Besuch in Okonjima mitgenommen haben (aus mehrerlei Gründen 😗 😗 😗 ).
Durch die massive Verbuschung fühlt sich eine Tierart derzeit dort aber pudelwohl: die Leoparde! Laut Mike weiß man derzeit von ca. 30 unterschiedlichen Leoparden auf dem Gebiet von Okonjima. 9 davon hat man mit Funksendern versehen und langsam mehr oder weniger an die Fahrzeuge der Lodge gewöhnt. Die anderen gehen unbehelligt weiterhin ihrem Leopardenalltag nach, - dass einer der senderfreien Leoparde während eines Game-Drives gesehen wird, ist wohl eine absolute Seltenheit.
Soderlich …wir schließen langsam den Bogen – wem das jetzt zu viel Geschwurbel auf einmal war: Merkt euch einfach zweierlei für das Nachfolgende: Leoparde und Dornen! 😄 😎 😗
Nachdem wir vier von Mike in das Game-Drive-Fahrzeug verladen wurden, ging es los: Raus aus dem raubtierlosen Gebiet, auf zum Leoparden Tracking. Uns sahen zu allererst: (Berg-)Zebras! 🙂

Übrigens: Auch wenn der Hauptaugenmerk auf Okonjima zwangsläufig bei den Raubtieren liegt – ich finde, dort lebt ein wunderbarer Bestand an Antilopen und anderem Getier 🙂 . Nur auf die Katzen zu schauen, finde ich hier fast ein bisschen zu kurz gegriffen und schade.

Ein paar kapitale Kudubullen liefen uns auch noch über den Weg, waren allerdings so schnell im Gestrüpp (aka Dornenbüsche 😵 ) verschwunden, dass mir leider kein anständiges Foto gelang.
Recht schnell empfingen wir auch das Piepsen eines Leopardensignals, das immer lauter und lauter und lauter wurde. Bis wir an eine undurchdringbare Wand aus Dornenbüschen stießen 🙄 : Es piepste und piepste und während vier Bayern konsterniert auf das Dornenbuschmeer starrten 🤨 , lag darin wahrscheinlich das Opfer der Touribegierde, ein junger männlicher Leopard, sich kugelig lachend auf dem Rücken und freute sich diebisch, den Paparazzos ein Schnippchen geschlagen zu haben 😄 😣 . Erkenntnis No. 3 dieses Nachmittags: So ein Funksender garantiert einem noch lang keinen Leoparden! 😎
Aber so schnell gab Mike nicht auf! Dann eben auf zum nächsten Leopardensignal! Und tatsächlich recht schnell piepste es tatsächlich wieder 😄 … piepste lauter, piepste schneller und wir standen schon wieder vor Dornenbüschen 😕 ! Dieses Mal stoppte Mike jedoch den Wagen, meinte dass ganz weit hinten in den Büschen eine Leopardin namens MJ wäre und wenn wir Glück hätten, würde jetzt gleich das Kleine kommen und nach dem Rechten sehen! 🙄
Okay, ich verstand in dem Moment nur Dornen-Bahnhof 🤨 … aber dann raschelte es plötzlich vor uns und das hier guckte aus dem Gestrüpp 🤩 …
Ich darf vorstellen MJs 5 Monate alter Nachwuchs 🙂 …

Ist das Kerlchen nicht einfach der Gipfel der absoluten Niedlichkeit?

Da verziehen wir der Mama auch sofort, dass sie sich gar nicht blicken lassen wollte…

Nach ein paar Minuten gegenseitiges Beobachten war der Kleine dummerweise der Meinung, dass die fünf Menschen da auf dem Fahrzeug nicht wirklich interessant waren und verzog sich wieder ins Gestrüpp zu Mama…

Vier Bayern saßen geglückt auf dem Fahrzeug und grinsten sich ein Honigkuchenpfed ab 😄 – Mike war aber nach wie vor nicht zufrieden. Also auf hinein in das Dornengestrüpp 🙄 …
Nun muss man wissen: Jeder Guide in Okonjima hat ein wirklich unentbehrliches Werkzeug an Bord: Die Heckenschere 🤩 ! In den nächsten 15 Minuten vollführte Mike formvollendete Dornenbuschformschnitte 😄 um uns näher an die beiden Leos heran zu bringen. Die Dornenzweige flogen nur so um uns herum, hier schnapp, da schnipp und ab und zu flog auch einmal ein Zweig ins Auto 😗 . Klein Babyleo fand das schon wieder so interessant, dass er in gebührendem Abstand dem seltsamen Treiben der Menschen zuguckte. 😉

Dann waren die beide Leoparde plötzlich verschwunden, Mike rief „De sind bestimmt in Richtung Straße! Setzt euch! Wir fahren zurück!“ 😁 – ich setzte mich schwunghaft hin 😗 , der Sitz machte „Pfffffft“ 🙄 , ich machte „Autsch“ 🤩 und Ursula meinte staubtrocken: „Uuuuhhh – Steffi, der Dorn in deinem Hintern sieht aber schmerzhaft aus!“ 😵 😣 🤩 .
Erkenntnis No. 4 dieses Nachmittags: Dorn im Hintern tut verdammt weh!!!! 🤩 😗 🤩
Während der Gesichtsausdruck meiner vier Begleiter zwischen höchstamüsiert und schmerzender Sympathie hin und her wechselte zog ich mir den – gefühlt ellenlangen 😵 – Dorn aus meinem Gesäß … leider, leider hatte sich meine Hoffnung, dass der Dorn wenigstens ein bisschen Luft aus meiner Kehrseite abgelassen hatte nicht bestätigt 😣 😗 , dafür ließ aber der Schmerz laaaaaangsam nach! Christian versuchte derweil dem armen Mike zu erklären, dass mit meinem Hintern wirklich, wirklich alles okay sei 😎 – war dabei allerdings nicht wirklich erfolgreich, was auch daran liegen mochte, dass sich mein Herzallerliebster dabei vor Lachen fast bog! 😣
Irgendwann glaubte mir Mike dann aber doch, dass der Dorn keine schwerwiegenden Schäden angerichtet hatte 😎 , wir setzten uns alle (dieses Mal sehr vorsichtig 😗 ) und rollten langsam in Richtung Hauptweg!
Und wer lag da? 🤩

Der Kleine war schon wirklich ein sehr service-orientiertes Leo-Kind 🙂 … und sogar die Mami zeigte sich an dieser Stelle noch ein bisschen im Gestrüpp... fand die Sache aber Ultra langweilig... 😄

... bevor sie ihren Kleinen endgültig aufsammelte und mit ihm verschwand…

Jetzt hatte ich nicht nur einen fotogenen Leoparden bekommen, sondern gleich ein fotogenes Leoparden-Kind - dafür hatte es sich wirklich gelohnt sich in einen Dorn zu setzen! 😗 😄

Nachdem es mittlerweile doch recht spät war, machten wir uns auf zu unserem Sundowner-Plätzchen. Und auf dem Weg dorthin liefen uns tatsächlich noch zwei Honey Badger über den Weg 🤩 (kein Foto hiervon, die waren zu schnell für mich – insofern: Mission für die nächsten Afrika-Urlaube: ein fotogener Honey Badger! 😉 ). Aber hey: Honey Badger! 🤩 Wir waren begeistert! Mehr konnte der der Tag doch nun wirklich nicht zu bieten haben… oder?
Nach unserem gemütlichen Sundowner machten wir uns auf den Rückweg zur Bush Suite … als es plötzlich „pfffffftttttt“ machte 🙄 . Und nein, ich halte es meinem Mann ganz und gar nicht vor, dass er in diesem Moment scheinheilig fragte, ob ich mich schon wieder in einen Dornenzweig gesetzt hätte 🙄 😵 😣 ? Mein Hintern mit Dorn hört sich nämlich ganz und gar nicht an wie der Autoreifen mit Dorn (oder was auch immer 😎 ) 😠 … auf alle Fälle: Wir hatten unseren dritten Platten! 😄

Aber ich muss sagen: Rückblickend sind wir diesem Platten sehr dankbar, denn er kostete uns gut 10 Minuten Zeit. Zeit die jemand anderes benötigte um an anderer Stelle des Reservats sich in Position zu bringen 😗 . Zeit die uns letzten Endes unsere Sichtung des Urlaubs bescherte. 😄
Denn als wir kurze Zeit später – zwischenzeitlich war es schon dunkel geworden – in Richtung Bush Suite rollten, saß plötzlich vor uns, mitten auf der Straße ein Loch buddelnd: Ein Erdferkel! 🤩 🤩 🤩 Das Erdferkel sah uns für ein paar Sekunden genauso bedröppelt an, wie wir es und trollte sich dann von der Straße und ins Gebüsch…
Leider gibt's von dem Kerlchen nur ein schlechtes Dokumentationsfoto

Aber hey: Das saß ein Erdferkel direkt vor uns auf der Straße! 🤩 Und außerdem: Bayb-Leo, Honigdachse und Erdeferkel in einem Game-Drive – dass muss man mal schaffen! 😉
Über alle Ohren grinsend lieferte uns Mike an der Bush Suite ab! Und dann fragte er, ob wir nun überhaupt noch Lust auf die Stachelschweine hätten! Wie? Wo? Was? 🤩 Er führte uns hinaus, wo ca. 50 Meter vom Wasserloch entfernt ein Lagerfeuer brannte mit vier Stühlen außen herum, platzierte uns dort mit unseren Getränken und die Show ging los!
Jeden Abend werden an der Bush Suite die Bioabfälle des Tages am Wasserloch ausgekippt. Zuerst kommt dann immer eine Horde Warzenschweine angerannt (die an sich schon sehr sehenswert sind 😄 ) und dann irgendwann kommen die Stachelschweine. Und ich kann euch sagen: Seit dieser Reise bin ich Stachelschweinfan 🙂 ! Wenn sich diese Tiere aus der Dunkelheit nähern, hat man das Gefühl, es kommen wandelnde Büsche auf einen zu! Was für ein krönender tierischer Abschluss dieses Tages! (Fotos hierzu gibt es heute keine, dafür aber am nächsten Tag! 🙂 )
Nachdem wir dann noch super lecker mit Suppe, Oryx-Steak und lecker Nachtisch verköstigt wurden, fielen wir hundemüde recht schnell ins Bett Was für ein Tag! Was für eine Unterkunft! Was für ein Sichtungsglück! 🙂
Ob es die Sichtungsfee an nächsten Tag genauso gut mit uns meint? Wir werden sehen… 🙂
Tag 16 und euch erwartet:- Noch mehr Haus-Warzenschweinchen 😄
- Mietzekatzen-Alarm die Zweite: dieses Mal sind die Geparde dran!
- …mein Hintern tut weh!!! 😗
- Stachelschweine in Bildern
Liebe Grüße
Steffi