Mit dem Reisebus zum Nordkap.

Reisebericht 99 Antworten · 21,3k Aufrufe · gestartet 09. Juni 2020 von Papa Kenia
Themenstarter541 Beiträge · seit 201227. Juni 2020 · #61
😉

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

LG
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201227. Juni 2020 · #62
Tag 13

Der nächste Morgen.

Ab 7.30 Uhr gab es Frühstück - und zwar da, wo wir gestern Abend auch gespeist hatten. Meine Tour fiel heute Morgen aus; zum Fotografieren war es zu diesig und zu kalt.

Das einzige Thema am heutigen Morgen: „Wie ist euer Zimmer?“

Da wurden einige Erfahrungsberichte geschildert. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Leute gegenseitig hochpushten. Bis auf die drei Ehepaare waren anscheinend alle anderen mit Hotelwahl einigermaßen zufrieden. Den Schilderungen nach zu urteilen hatte ich das große Los gezogen und die Präsidentensuite bekommen.

Sören muss gestern Abend noch ausgiebig telefoniert haben. Irgendwie war es ihm gelungen, den Besitzer oder Manager des Hotels zu erwischen. Gegen 21.30 Uhr ist angeblich noch eine Putzkolonne angerückt, um die beanstandeten Zimmer herzurichten. Selbst eine neue Matratze soll sogar mitgebracht worden sein.

Nach dem Frühstück trennte sich unsere Reisegruppe. Wer wollte, konnte mit Sören eine kleine Wanderung machen und die nähere Umgebung inspizieren. Der Weg führte bis zu einem kleinen Hügel, von wo aus man eine gute Aussicht auf Svolvær hat.

Da ich nicht so der Wanderer bin und bis zur Abfahrt noch einige Zeit war, ging ich nach dem Frühstück auf Fotopirsch. Dicke, fiese, fette, dunkle Wolken hingen fast bis auf das Hafenbecken. Das Wetter war alles andere als prickelnd. Daher war meine Tour recht schnell beendet.

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Gegen halb neun versammelten sich alle Reiseteilnehmer am Bus. Koffer brauchten heute nicht verladen zu werden, die blieben im Hotel. Wir hatten noch eine zweite Nacht in diesem Hotel vor der Brust.

Francesco ist da! Jürgen hatte bereits gestern im Bus kundgetan, dass heute ein Fahrerwechsel anstand. Da der Inhaber des Busunternehmens es äußerst genau nimmt, dass sich seine Fahrer an die Lenk- und Ruhezeiten halten, war ab heute für Jürgen Ruhe angesagt. Bevor wir aber losfuhren, stellte Jürgen uns Francesco vor.

Wie Jürgen, so arbeitet er auch schon seit Jahren für diesen Reiseunternehmer.

Francesco war gestern Abend recht spät zu uns gestoßen und hatte noch mit Jürgen und Sören einiges beredet. Die nächsten drei Tage würde uns Francesco fahren. Jürgen machte es sich hinten im Bus bequem. Er genoss es, auch mal Urlauber zu sein.

Was macht Hille eigentlich? Sie war in den letzten Tagen recht handzahm geworden. Ließ zwar hin und wieder einen ihrer Sprüche ab, was wir mittlerweile aber gut parieren konnten. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ihr die Tour inzwischen doch gut gefiel. Beim Abendessen war sie jetzt auch pünktlich und hatte genügend Gesprächsteilnehmer neben sich. Ich war aber der einzige, der sie mehrmals mit ihrem Smartphone fotografieren durfte.

Und Hermann? Er war der Hahn im Korb. Jedes Grüppchen und Clübchen forderte ihn bei jeder Gelegenheit auf, sich abends beim Essen dazu zu setzen oder noch auf einen Spaziergang mitzukommen.

Die erste Etappe führte uns am heutigen Tag nach Henningsvær. Ein typisches Fischerdorf, vollgestopft mit Fotomotiven. Hier gab es Futter für die Speicherkarte ohne Ende.

Henningsvær erstreckt sich über zwei kleine Inseln und hat irgendwo so um die 500 Einwohner. Wir hatten eine knappe Stunde Gelegenheit, den Ort auf eigene Faust zu erkunden, was wir auch ausgiebig taten.


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Als nächstes stand das Lofotr-Wikinger-Museum in Borg auf dem Programm.

Auf dem Weg dorthin erzählte uns Sören die Geschichte zu diesem Museum. Anfang der 80er Jahre fand angeblich ein Bauer rein zufällig beim Pflügen einige Gegenstände aus der Wikingerzeit. Archäologen legten so nach und nach Grundrisse von mehreren Gebäuden frei. Das sog. ‚Langhaus‘ war jedoch die Entdeckung schlecht¬hin. Dieses 87 m lange Haus wurde hier in Borg originalgetreu wieder nachgebaut und ist heute der Kern des Lofotr-Museums.

Die Führung war informativ und die Räume rappelvoll mit Touristen. Man merkte das Skandinavien bzw. Norwegen ‚in‘ ist. Die Mitarbeiter hatten standesgemäß Wikingerkleidung an. Man konnte alles fotografieren, was jedoch bei den Lichtverhältnissen pro-blematisch war. Es durfte alles angefasst und ausprobiert werden.

Und nachdem man sich durch die diversen Räume gearbeitet hatte, landete man vorne im Hauptraum, wo es einen Andenkenshop und ein Restaurant gibt.

Dieser Besuch war auf jeden Fall eindrucksvoll.

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Als nächstes fand ein weiterer Museumsbesuch statt. Und zwar besuchten wir das Lofotenmuseum in Storvaegan, welches ich aber nicht so spektakulär fand. Das kann aber auch an dem miesen Wetter gelegen haben, denn es war mittlerweile nebelig und es nieselte ein wenig.


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Abendessen gab es heute vor der Rückkehr zum Hotel in einem kleinen Restaurant im Nachbarort von Svolvær.

Das Essen gab es als Buffet. Und soll sehr lecker gewesen sein. Für mich allerdings war nach ein paar Löffeln Suppe und drei Gabeln mit Gemüse der Abend gelaufen. Mein Magen fing an zu rebellieren und die Toilette rief. Dann ging die Spuckerei los! Ich habe keinen Bissen mehr angerührt und sogar mein Bier stehen lassen. Das will was heißen.

Die Rückkehr zum Hotel erfolgte 21.30 Uhr. Heute Abend war ich skrupellos. Um im Hotel keine Zeit an dem Codeautomaten zu verlieren, hatte ich auf der Rückfahrt den Code der Zimmerkarte auswendig gelernt, sprang als Erster aus dem Bus, tippte die Nummer in die Kiste, sprintete zum Aufzug und fuhr allein nach oben. Gerade noch rechtzeitig im Zimmer angekommen bevor die Spuckerei weiterging.

Nie im Leben hatte ich damit gerechnet, dass nach den Vorkommnissen und Schilderungen von heute Morgen unsere Zimmer gemacht waren. Immerhin war auch Sonntag. Denkste! In meinem Raum war alles tipptopp hergerichtet. Mit den Möwen arrangierte ich mich und schloss sofort das Fenster. Trotz rebellierendem Magen war es eine ruhige Nacht.
zuletzt bearbeitet 27. Juni 2020
126 Beiträge · seit 200729. Juni 2020 · #63
Hallo Dieter,

vielen Dank für diesen tollen Reisebericht. Unter normalen Umständen würde dein Reisebericht unsere Vorfreude ins Unermessliche steigern. Schließlich war für diesen Sommer eine 4-wöchige Skandinavien-Tour mit unserem Wohnmobil geplant, über Dänemark und Schwedens Ostküste hoch bis zum Nordkap und dann ganz gemütlich wieder Richtung Süden durch Finnland bis nach Helsinki. Von dort war die Fähre nach Travemünde schon vorgebucht. Heute konnten wir glücklicherweise die Fährfahrt auf August 2021 umbuchen.

Als Alternative haben wir uns für eine Tour durchs Baltikum entschieden. Je mehr wir in unseren Baltikum-Reiseführern stöbern, desto mehr wird uns klar, dass aus der Alternative für Skandinavien eine absolut geniale Tour durch die tollen Landschaften des Baltikums wird.

Wir freuen uns schon riesig auf die Fortsetzung deines Reiseberichts.

Liebe Grüße
Marco
Reiseberichte: Südafrika/Namibia 2011: Das Glück ist mit den Dummen KwaZulu-Natal 2011: Dem Rhino ganz nah Südafrika-Der Norden 2012: Löwen haben auch mal frei!!! Botswana/Caprivi 2012: Mit dem "Feuerroten Spielmobil" durch Bots/Caprivi Südafrika 2013: Endlich Regen über der Kalahari Botswana/Kavango 2013: Ganz relaxt durch Afrika Meine Flugstatistik
Themenstarter541 Beiträge · seit 201229. Juni 2020 · #64
Hallo Marco,
schön, dass Du dabei bist. Das hört sich nach einer tollen Route an. Wenn man 4 Wochen Zeit hat, bestimmt traumhaft.

Die Alternative ist mit Sicherheit auch nicht schlecht!

Was auch kommt – ich wünsche Euch einen schönen Urlaub!

Viele Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201229. Juni 2020 · #65
Jetzt muss ich mal allen Button-Drückern herzlichen Dank sagen. Ich hätte nie gedacht, dass die Resonanz so groß ist. Auch vielen Dank die PN!
Alles Gute und liebe Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201229. Juni 2020 · #66
Tag 14

Ein neuer Tag. Die Möwen kreischten noch genau so laut wie gestern Abend. Der Himmel war locker bewölkt. Die Sonne schien. Also ganz schnell raus aus den Federn, fertigmachen und mit der Kamera runter zum Hafen.

Dieser Morgen bot ein ganz phantastisches Fotolicht. Zur Linken hingen dicke dunkle Wolken über den Bergen. Zur Seeseite riss der Himmel auf und die Sonne kam hervor. Kleine Schäfchenwölkchen untermalten dieses stimmungsvolle Morgenlicht. Bis zum Frühstück blieb noch eine eineinhalb Stunde, die ich voll ausschöpfte.

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Wahrscheinlich bin ich der einzige Rundreiseteilnehmer aus unserer Gruppe, der Fotos von Svolvær im Morgenlicht hat. Von den übrigen Teilnehmern war in diesen frühen Stunden kein Mensch zu sehen.

Diese traf ich zum Frühstück wieder dort, wo es auch gestern das Frühstück gegeben hat.

Ich hatte noch nicht den ersten Bissen von meinem Toast im Mund, da krampfte mein Magen und die Spuckerei fing von vorne an.

Die Koffer hatten wir bereits vor dem Frühstück verladen. Jetzt hieß es nur noch einsteigen und los ging es Richtung Haukelandssanden, einem der schönsten Sandstrände Norwegens. Hier hielten wir aber nicht an, sondern konnten diesen Strand nur durch die Busfenster bewundern. Badesachen hatte sowieso niemand dabei. Zu kalt war es auch!

Unterwegs bekam ich immer wieder Magenkrämpfe und musste auch im Bus mehrmals die Tüte in Anspruch nehmen. Die Situation war mir peinlich. Irgendwann kam ich bei der Fischsuppe von gestern an. Danach ging es mir langsam besser.

Inzwischen wusste jeder der Reisenden, dass ich so meine Probleme hatte. Auf einmal erwiesen sich fast alle Mitreisenden als Ärzte. Jeder hatte eine Diagnose parat und jeder besaß irgendein Mittelchen.

„Nimm mal, hilft mir immer.“

Die größte Auswahl an Medikamenten hatte Hille. „Hab‘ ich auch schon mal gehabt. Hier, versuch mal!“

„Probier‘ mal diese Tabletten. Die helfen sofort.“

Wenn ich alles genommen hätte was mir angeboten wurde, wäre ich entweder auf der Stelle tot umgefallen oder resistent gegen alles bis ans Ende meiner Tage geworden. Trotzdem war es richtig nett, dass die Teilnahme der anderen so groß war.

Hier kam ich dann erstmals am heutigen Tag mit Claudia und Peter ins Gespräch. Die beiden waren gestern Abend noch mit Steffi und Harald einen Pub neben unserem Hotel gegangen. Sie hatten mich vermisst. Sich letztendlich doch gedacht, dass es mir schlecht ging und ich auf dem Zimmer bleiben würde. Es war wohl ein netter Abend, bis sie bezahlen mussten. Harald hatte sich 0,5 Liter Hefeweizen bestellt. Beim Bezahlen entgleisten ihm wohl die Gesichtszüge. 16,40 Euro. Geht’s noch? Wohnen hier nur Millionäre?

Um 10.45 kamen wir in Nusfjord an. Nusfjord ist ein Vorzeigedorf und gehört zu den am besten erhaltenen Fischerdörfern in Norwegen. Der Ort besteht aus 40 bis 50 Häuschen. Die meisten davon stehen auf Holzstelzen, direkt über dem Wasser gebaut. Nusfjord ist ein Freilichtmuseum und der ganze Ort ist denkmalgeschützt. Einige der Häuser stammen noch aus dem 19. Jahrhundert.

Angeblich wohnen hier während der Sommermonate nur sieben bis zehn Personen, die ständig den Ort erweitern oder instandhalten. Dafür werden hier ganze Busladungen Touristen durchgeschleust. Es gibt hier Übernachtungsmöglichkeiten in den traditionellen Fischerhütten, die Rorbuer heißen.

Gefühlt war die Zeit für Nusfjord viel zu kurz. Wie eigentlich alles auf dieser Tour. In diese Tour war wirklich alles eingearbeitet, was hineinpasste.

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Das bekannteste Fotomotiv schlechthin, ein Bild vom Fischerort ‚Reine‘, wurde uns heute auch geboten. Dieses Motiv hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen. Dieser Stopp war schon etwas hektisch.

Sören ahnte nämlich, was jetzt kommen würde. Auf dem Weg dorthin teilte er uns mit, dass vermutlich keine Parkmöglichkeit vorhanden wäre. Daher würde Francesco den Bus ganz kurz anhalten, wir sollten zügig aussteigen und hätten Gelegenheit, in den nächsten acht Minuten unsere Fotos zu machen. Francesco würde kurz weiterfahren, wenden, um sofort zurück zu kommen. Dann sollten alle genauso schnell wie wir ausgestiegen sind auch wieder einsteigen. Wie prophezeit, war der Parkplatz rappelvoll.

Acht Minuten? Dass erforderte doch einiges an Disziplin.

Vor etlichen Jahren hatte ich in New York bei den Skulpturen ‚Bulle und Bär‘ ein Erlebnis. Quietschende Reifen. Ein Van hält neben mir. Die Türen werden aufgerissen. Heraus springen fünf Japaner. Das Ganze ähnelte einem Raubüberfall. Das war es aber nicht. Die Japaner waren anscheinend auf der Tour ‚New York in vier Stunden‘. Sie nahmen ihre Kameras in den Anschlag. Hauten ihre Fotos durch und waren blitzartig samt Van wieder verschwunden. Das Ganze hat keine 30 Sekunden gedauert.

So ähnlich kam ich mir jetzt auch vor!

Nur, dass Francesco das mit den quietschenden Reifen nicht so ganz hinbekam. Also Bus- Stopp, aussteigen und einige wunderschöne Fotos machen. Die Sonne kam sekundenweise auch hinter den Wolken hervor. Selbst mit der dunklen Wolkenformation gab der Ausblick schon einiges her. Die acht Minuten waren völlig ausreichend.

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Jemand rief: „Der Bus kommt!“ Elegant wie die Gazellen (oder wie heißen die Tiere mit dem langen Rüssel?) hüpften wir in den Bus. Sören war von unserer Disziplin vollauf begeistert und dankte uns dafür.

Das nächste Highlight. Es stand der Besuch des Fischerortes auf dem Plan, dessen Name aus nur einem einzigen Buchstaben besteht: Å. Lofoten pur!

Dieses Fischerdörfchen ist ebenfalls ein Vorzeigedorf. Auch hier reihte sich Fotomotiv an Fotomotiv. Man konnte sich gar nicht sattsehen und entscheiden, was man fotografieren wollte. Demnach war auch hier die Verweildauer viel zu kurz.

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Das nächste Etappenziel war Moskenes. Hier gingen wir an Bord einer Fähre.

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Die nun mit uns drei Stunden bis nach Bodø schippern würde. Unsere Unterkunft für die kommende Nacht war ein neu erbautes Hotel, welches in unmittelbarer Nähe zum Wasser lag. Das war schon ein imposantes Hotel.

Das Buffet für das Abendessen bot alles was es gab. Es sah phantastisch aus. Ich hielt mich zurück und versuchte ein paar Kleinigkeiten, um meinen Magen zu testen. Ein bisschen Salat, ein wenig Brot und ein Bier.

„Dieter ist wieder o.k.! Der trinkt wieder Bier!“

Heute war für alle Nichtstun angesagt. Die Sonne schien noch wärmend und von der Dachterrasse hatte man einen phantastischen Rundumblick auf Bodø und den Hafen. Nach ein paar Smalltalks mit einigen anderen Mitreisenden saß ich bei einem Absacker dann noch mit Heidi bis kurz vor Mitternacht zusammen.

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zuletzt bearbeitet 29. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201230. Juni 2020 · #67
Tag 15

Von der Dachterrasse hatte ich gestern Abend gesehen, dass die nähere Umgebung wohl nicht allzu viel Sehenswertes bot. Daher ließ ich meinen morgendlichen Rundgang aus-fallen. Frühstück gab es ab 6.30 Uhr. Koffer verladen war für 7.30 Uhr angesetzt.

Ein langer, aber toller Tag lag vor uns. Meinem Empfinden nach war das der schönste Tag der gesamten Reise. Im Laufe des Tages würden wir heute noch mit drei Fähren fahren.

Saltstraumen, der größte Gezeitenstrom der Welt, stand als erster Punkt auf der Sehenswürdigkeitenliste. Aus einem langen Fjord werden unvorstellbare 370 Millionen Kubikmeter Wasser bei Flut und Ebbe in einen Sund gedrückt oder gesaugt. Dabei entstehen Strudel, die 4 bis 5 Meter Tiefe und 10 Meter im Durchmesser erreichen können.

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Es erwartete uns zwei Stunden später ein weiteres Highlight. So gegen halb 11 hielt unser Bus an einem Parkplatz an der Küstenstraße Fv17. Hier stiegen wir aus und genossen den traumhaften Blick auf den Holandsfjord und das Hinterland. Teilweise waren die Berge noch schneebedeckt. Nach gut 10 Minuten Aufenthalt hier am Fjord näherte sich ein Boot, welches eigens für unsere Reisegruppe gechartert war. Mit diesem Boot schipperten wir über den Fjord ans andere Ufer. Rund 10 Minuten dauerte die Fahrt. Es war einfach nur traumhaft. Die Sonne, die Wärme, die Aussicht – der helle Wahnsinn.

Wir legten am anderen Ufer an und verließen das Schiff. Hier stand ein kleiner Reisebus für uns bereit, der mit uns wenige Minuten bis zum Endziel weiterfuhr. Bis Brestua - einem Café mit einer netten Aussichtsterrasse und Blick auf die Gletscherzunge Engabreen. Ein Ausläufer des Svartisen, Norwegens zweitgrößtem Gletscher.

Wer wollte, konnte auf einem Rundweg bis ziemlich nah an den Gletscher heran wandern.

Im Café nahmen wir die Gelegenheit wahr, uns mit Waffeln und Kaffee zu stärken und dabei noch die phantastische Aussicht zu genießen.

Sonne, Gletscher, See - das war die totale Postkartenidylle. Dazu noch wolkenloser Himmel und 25 Grad C. Der perfekte Tag!

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Ich stand am Rande der Terrasse und hatte meine Kamera auf ‚Panorama-Aufnahme‘ eingestellt. Und dann knallte ich meine Fotos durch und machte noch diverse Verrenkungen, um so viel Panorama wie möglich auf den Chip zu bekommen. Das waren gefühlte 20 Aufnahmen. Meine Kamera machte nur noch ‚Klck, Klck, Klck, Klck ‘.

„Was macht der da?“

Die Stimme kannte ich.

Ich tat so als hätte ich nichts gehört.

„Der macht Panoramaaufnahmen“.

„Mach‘ du doch auch.“

„Kann ich nicht.“

„Warum nicht?“

„Ich habe eine Spiegelreflex.“

„Aber dem seine Kamera ist doch kleiner.“

„ES GEHT NICHT!!!“

„Dann kauf‘ Dir doch auch so eine!“

Wie bekloppt ist diese Welt?

Sören hatte uns bereits im Bus darauf aufmerksam gemacht, dass hier die Möglichkeit besteht einen Elch zu streicheln. „Kiss a Moose“ heißt das Angebot. Die Familie, die dieses Restaurant betreibt, hält in einem Gehege zwei oder drei Elche, die man gegen 10 Euro Gebühr streicheln darf. Eben als zusätzliche Einnahmequelle. Das Gehege war so abgeschirmt, dass man keine Möglichkeit hatte, Fotos von den Tieren zu machen, wenn man nicht bezahlt hatte.

Diejenigen, die dieses Angebot in Anspruch nahmen, waren enttäuscht. „Die haben nicht mal hochgeguckt. Die liegen im Schatten und pennen. Einer hat mal ganz kurz ein Auge aufgemacht.“

Leider mussten wir uns kurz nach Mittag verabschieden und fuhren mit dem Bus zurück zum kleinen Anlegesteg, wo das Schiff bereits auf uns wartete. Es ging zurück auf die gegenüberliegende Seite des Fjords. Dort stand unser Bus.

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Gegen halb zwei erreichten wir die erste Fähre, die von Foroy nach Agskardet. Die Überfahrt dauerte nur 10 Minuten. Hermann hatte während der letzten Tage seine Reisekamera immer mal wieder herumgereicht, um Fotos von sich machen zu lassen. Auch er fotografierte ziemlich viel. Heute jedoch sah man seine Kamera nicht.

„Hermann, was ist los? Machst du heute keine Fotos? Speicherkarte voll? Es gibt es doch jede Menge Motive!“

„Der Akku ist leer.“

„Das ist übel! Hast du kein Aufladegerät dabei?“

„Nee. Das liegt zu Hause.“

„Schade. Falls du Interesse hast, kann ich dir das ein oder andere Foto schicken.“

„Danke. Ich komme vielleicht darauf zurück.“

Die nächste Fährverbindung um 14.30 Uhr bedeutete immerhin wieder eine Stunde Überfahrt. Während dieser Fahrt überquerten wir den Polarkreis. Dieses Mal in südlicher Richtung. Sekt gab es dieses Mal nicht. Schade!

Nach einem erneuten Halt hatten wir noch 90 km zu fahren, um dann in Nesna die letzte Fähre dieses Tages zu nehmen. Das waren zwar lange Strecken am heutigen Tage. Dadurch, dass wir drei Fähren benutzten, bestand immer die Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten. Das traumhafte Wetter mit Temperaturen um 20 Grad machte diese Tagesetappe erträglich und interessant.

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Um 19.30 kamen wir in Sandnessjoen an.

Bevor die Koffer ausgeladen wurden, verabschiedeten wir Francesco. Jürgen hatte nun genug Ruhe gehabt und ab morgen würde er wieder fahren. Francesco verließ uns am heutigen Abend. Er würde nun nach Bergen fahren, um von dort nach Deutschland zu fliegen.

Es folgte das täglich Ritual. Zimmerschlüssel von Sören in Empfang nehmen, Aufzug stürmen und Zimmer beziehen.

Mein Zimmer war gut. Das Bad war eine Katastrophe. Es war winzig. Keine Ablage, keine Steckdose, kein Fön, der Boden der Duschkabine versifft. Heute hatte ich die berühmte Karte. Aber reklamieren? Für die eine Nacht? Nee!

Abendessen gab es in einem separaten Raum, wo für zwei Reisegruppen eingedeckt war. Die zweite Gruppe kam erst an als wir bereits fertig waren. Das Essen in Buffetform war soweit in Ordnung, aber überschaubar.

Wie fast üblich, saßen die Harten noch auf eine Runde zusammen. An die Alkoholpreise hatten wir uns mittlerweile gewöhnt!
zuletzt bearbeitet 01. Juli 2020
3'883 Beiträge · seit 201101. Juli 2020 · #68
Tag 15

Danke für die traumhaften Fotos!

Gute Nacht sacht
freshy
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Themenstarter541 Beiträge · seit 201201. Juli 2020 · #69
Hallo freshy,
vielen Dank für den netten Kommentar. Die Bilder sind nur so gut geworden, weil das Wetter mitgespielt hat.
Norwegen kann aber auch anders. Selbst im Sommer. Da kommen noch Bilder, da friert man schon beim Hinschauen!

LG
Dieter
3'384 Beiträge · seit 200901. Juli 2020 · #70
Hallo Dieter,

Ihr hattet wunderschönes und perfektes Wetter, da macht es Spaß, solch schöne Landschaften zu fotografieren.

Und soll ich Dir was sagen: auf der Bank im nächsten Bild, da würd ich gern mit meiner Conny und einem Flascherl Chardonnay sitzen. Das wäre doch das absolute highlight!

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SEHR SEHR SCHÖN ALLES!

Herzliche Grüsse,
der bayern schorsch
Link zu allen Reiseberichten: Reiseberichte Bayern Schorsch
Themenstarter541 Beiträge · seit 201202. Juli 2020 · #71
Hallo bayern schorsch,
mit meiner Conny und einem Flascherl Chardonnay sitzen
Das klingt wirklich gut!
Ihr hattet wunderschönes und perfektes Wetter
Wir haben aber auch einige Tage gehabt, da war es nicht so prickelnd. Das war dann so das Norwegenwetter, wie ich es mir im Vorfeld vorgestellt hatte. Alles in Allem war das eine runde Sache.

Heute Nachmittag geht es weiter nach Trondheim.

LG
Dieter
zuletzt bearbeitet 02. Juli 2020
121 Beiträge · seit 201702. Juli 2020 · #72
Hallo Dieter

Ich bin genauso begeistert von Deinem tollen Bericht wie alle anderen auch. Vielen Dank auch für die wunderschönen Bilder von Deiner Reise.

Wenn es jetzt von Bodö wieder nach Süden geht erkenne ich vielleicht weitere Dinge wieder, wir waren dort Ende der 70er.

Die Bilder von Oslo und aus Stockholm haben mich an vieles erinnert. Herzlichen Dank dafür.

Viele Grüße,
Burkhard
Themenstarter541 Beiträge · seit 201202. Juli 2020 · #73
Hallo Burkhard,

vielen Dank für Dein Lob!
Es freut mich, wenn ich Deine Erinnerung ein wenig auffrischen konnte!

LG
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201202. Juli 2020 · #74
Tag 16

Vor dem Frühstück machte ich meine morgendliche Runde. Ich war noch nicht ganz vor dem Hotel, als jemand rief: „Hallo Dieter, guten Morgen. Schon wieder auf Achse?“

Alter Schwede! Schlafen Spanner denn überhaupt nicht? Verfolgen die mich selbst morgen um 6 Uhr?

Susanne hing hoch oben halb aus dem Fenster und winkte mir zu.

„Pass auf, dass du nicht rausfällst!“

Dem Ort konnte man bei allem Wohlwollen nichts Positives abgewinnen. Irgendwie spiegelte sich der Zustand meines Bades im Ort wider. Insgesamt machte alles einen recht trostlosen Eindruck. Nach 20 Minuten war ich daher schon zurück und traf auf Bernhardine, die mir entgegenkam.

„Das kann man hier knicken. Hier ist ja gar nichts.“

Das traf den Nagel auf den Kopf.

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Zunächst gab es jedoch ab 6.30 Uhr Frühstück, welches wiederum ausgezeichnet war. Bereits um 7.30 Uhr fuhr der Bus los. Tschüss Sandnessjoen. Du bist nicht unbedingt eine Schönheit.

Als erstes sahen wir jedoch die Gebirgskette „Sieben Schwestern“. Die Geschichte hierzu hatten wir ja bereits gestern von Sören erzählt bekommen. Den ersten Halt am heutigen Tag verbanden wir bereits um kurz nach 8 Uhr mit einem Besuch der Kirche von Alstahaug ein. Es bestand die Möglichkeit die Kirche auch von innen zu besichtigen.

Gegen 8.45 Uhr waren wir am ersten Fähranleger in Tjotta.

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Eine Viertelstunde später legte die Fähre ab. Die Überfahrt bis Forvik dauerte 20 Minuten. Bei dieser Überfahrt sahen wir nochmals die „Sieben Schwestern“ – eben aus einer anderen Perspektive. Hinten links an der Reling stand Hermann und - fotografierte wieder. Was geht denn hier ab?

„Ich denke, du hast kein Ladegerät mit?“

„Doch, na klar, das habe ich immer mit.“

Also gut, lassen wir das.

Nun ging es noch gute 20 Minuten weiter bis zum nächsten Anleger in Anddalsväg. Um von hier die nächste Fähre nach Horn zu nehmen.

Die nächste Station auf unserer Route war ‚Torghatten‘. ‚Torghatten‘ ist ein riesiges Loch in einem Felsen. Man kann zu Fuß auf den Berg kraxeln und auch bis in dieses Loch hineinwandern. Sören kannte eine Alternative für die Leute, die keine Ausbildung als Bergziege haben. Es gibt einen ebenerdigen Weg, der um den Berg herumführt. Man kommt von hier zwar nicht an das Loch heran, aber man kann es, wenn auch weit weg, gut erkennen. Ungefähr 20 Leute bevorzugten den steilen Aufstieg. Allen voran – Hermann.

Sören bestimmte wieder das Tempo für die restlichen Mitreisenden. Und das war nicht von schlechten Eltern. Es gab trotzdem keine Ausfälle. Alle erreichten den Bus pünktlich zur Abfahrt um kurz vor halb eins.

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Mit meinem Objektiv war da nicht mehr herauszuholen. Das war Luftlinie geschätzt 1 km dazwischen.


Die letzte Fähre des heutigen Tages befuhren bzw. beliefen wir um 13.30 Uhr.

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Nach einer halben Stunde Überfahrt ging es noch gute zwei Stunden per Bus weiter. Jürgen achtete penibel auf die Lenkzeiten. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo er ein Päuschen brauchte.

Gegen 16 Uhr steuerten wir noch das kleine Restaurant Snåsakroa an. Leider kamen wir wohl einige Minuten zu spät. Kurz vorher ist scheinbar ein Bus mit 50 Holländern eingetroffen. Die Meisjes blockierten die einzige Toilettentür und unsere Frauen mussten sich brav hinten anstellen.

Die Männer standen Schlange vor der Kasse. Geschätzte 20 Holländer hatten jeweils zwei Eis in der Hand und jeder zahlte mit Kreditkarte. Ich konnte mir ausrechnen, wann ich wohl an die Reihe kommen würde. Da kam aus dem Küchenbereich eine weitere Ange-stellte und hantierte hinter der zweiten Kasse unter der Theke herum. Mutig marschierte ich an der Schlange vorbei und fragte sie, ob sie mir etwas zu essen bringen könnte oder ob ich mich auch einreihen muss. Kein Problem. Sie machte mir einen Hot Dog und zapfte mir ein Bier. Damit bewaffnet, verzog ich mich nach draußen auf die Terrasse unter einen Sonnenschirm. Das sieht man bei mir selten. Die Sonne knallte vom wolkenlosen Himmel. Es herrschten Temperaturen wie im Süden. Umso köstlicher empfand ich das kühle Bier.

Nach diesem Aufenthalt ging es schnurstracks Richtung Trondheim.

Bevor wir zum Hotel fuhren, fuhren Jürgen und Sören mit uns zum Abendessen. Es stand uns noch ein ‚Highlight‘ bevor. Heute kamen wir in den Genuss, in dem Lokal auf dem Fernsehturm von Trondheim zu speisen. Um 19 Uhr fuhren wir mit dem Fahrstuhl nach oben. Hier waren einige Tische für uns reserviert. Das Essen war spitze und die gigantische Aussicht tat ihr Übriges, um diesen schönen, aber anstrengenden Tag zu beenden.

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zuletzt bearbeitet 02. Juli 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201203. Juli 2020 · #75
Tag 17

Das Zimmer war zwar klein, für eine einzelne Person jedoch völlig ausreichend. Nach dem ersten Halbschlaf wurde ich gegen 1.00 Uhr von dem Ständchen eines Dudelsackspielers geweckt. So schallisoliert waren die Fenster nun doch nicht. Der Spieler beherrschte sein Instrument und es klang gar nicht schlecht. Aber nachts um eins? Es war doch eine ziemliche Geräuschkulisse, die von unten hoch drang. Irgendwo musste ganz in der Nähe noch ein Pub sein. So schlief ich doch relativ schlecht und stand um 5.15 Uhr schon wieder auf.

Das Hotel war irre eingerichtet. Plüsch und Plösch. Selbst auf den Etagen. Gelbe Decken, hellblaue Wände, lila- oder pinkfarbene Sessel und bunte, 10farbige Teppiche. In der Lobby das gleiche: Pink mit gelb und rot; lila und türkis im krassen Disput mit ocker-farbenen Glanztapeten aus den 70ern. Das war eine Farbexplosion. Es hatte trotzdem das gewisse Etwas. Auch wenn es ein wenig gewöhnungsbedürftig war.

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Um viertel vor sechs trat ich vor die Tür. Trondheim, ich komme. Es war mild. Sonne und Wolken wechselten sich ab und mein Weg führte mich zum Hafen.

Sören hatte uns gestern erzählt, dass Bergen und Trondheim im ewigen Streit darüber lägen, welches denn wohl die schönere Stadt sei. Dass sich Trondheim in die vorderste Reihe drängte, konnte ich gut nachvollziehen. Die Gegend am Hafen bot eine Bilderbuchkulisse. Es reihte sich wieder ein Fotomotiv ans andere. Hier wäre ich gerne noch eine Stunde länger geblieben. Aber mich fragt ja keiner.

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Das Frühstück rief. Und ein nicht enden wollenden Tag. Nur, das wusste noch keiner.

420 km lagen heute vor uns. Packen wir es an! Auf zu neuen Taten.

Zunächst gab es eine Stadtrundfahrt durch Trondheim. Während der Tour stiegen wir bei der Kristiansten Festung aus, um diese Anlage zu besichtigen. Die Festung, die im Jahre 1685 fertiggestellt wurde, liegt auf einem Hügel im Osten der Stadt. Die Besichtigung der Anlage ist in gut 45 Minuten machbar. Spektakulär ist diese Festung allerdings nicht. Der Blick auf die Stadt entschädigt dafür.

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Nach der Besichtigung steuerte Jürgen den Bus von der Anhöhe wieder runter in die City. Dort stiegen wir aus und Sören unternahm mit uns einen Fußmarsch durch die historische Altstadt. Zum Schluss kamen wir über die alte Stadtbrücke Gamle Bybrua, die über den Fluss Nidelva führt. Die dunkelrote Torkonstruktion der Holzbrücke erinnerte mich ein wenig an China. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf die auf Stelzen gebauten Speicherhäuser. Den Versuch, diese Brücke ‚Touristenfrei‘ abzulichten, habe ich allerdings sehr schnell aufgegeben. Unser Rundgang endete am Nidaros-Dom. Unser Busunternehmer hatte für die Dombesichtigung eine Domführerin engagiert.

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Die Besichtigung war hochinteressant. Bei der Kirchenführerin handelte es sich um eine deutsche Studentin. Sie hatte sich allerhand Wissen angeeignet. Es war sehr informativ und kurzweilig. Leider war absolutes Fotografierverbot. Der Dom an sich ist innen sehr prunkvoll. Es ist die bekannteste Kirche Norwegens.

Nun stand uns noch eine Stunde zur freien Verfügung. Die Meisten schlenderten Richtung Zentrum zum Torg Shopping Center, welches nicht weit vom Dom entfernt ist. Hier bestand die Möglichkeit in den vielen Geschäften ein wenig Geld zu lassen oder einen Happen zu essen.

Sobald wir im Bus saßen und Trondheim verließen fing es an zu regnen. Es folgten noch zwei weitere Stopps und gegen 16.30 Uhr erreichten wir den Ort Lom. Dieser Abstecher stand eigentlich gar nicht auf dem Programm. In Lom steht eine wundervolle Säulenstabkirche. Die Kirche wurde um 1200 gebaut.

Frei nach Hille: „Was meinst du, wieviel Kirchen ich schon gesehen habe“, verzichtete ich darauf, die Kirche von innen zu besichtigen. Ich blieb also draußen und bemühte mich, die Kirche ohne Menschen abzulichten.

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Der Ort an sich ist sehr touristisch angehaucht. Hier leben rund 2400 Einwohner. Neben der Stabkirche soll das Freilichtmuseum sehenswert sein, welches aus einigen Bauernhäusern besteht. Am Ortsausgang schießen ziemliche Wassermassen des Flusses Bøvra unter der Straßenbrücke her. In diesem Verlauf gibt es auch einen der kleineren Wasserfälle, den Prestfossen.

Angeblich hat Lom aufs Jahr gesehen eine sehr geringe Niederschlagsmenge. Da waren wir wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Himmel verdunkelte sich zusehends. Jürgen und ich saßen bereits im Bus als es begann wie aus Eimern zu schütten. Die anderen hatten von der Kirche doch gut 200 Meter zurück zu legen, sodass sie doch ziemlich nass wurden.

Um 20 Uhr landeten wir endlich am Hotel. Die Lage des Hotels ist richtig idyllisch. Es liegt in einem Talkessel und wird durch hohe Berge eingerahmt. Vor dem Hotel verläuft die Hauptstraße und dort befinden sich die auch die Parkplätze. Hinter dem Hotel liegen der Nordfjord und der Loen-Fluss. Hier gibt es einen Wanderweg direkt am Wasser entlang. Dieses Hotel sollte nun für zwei Nächte unser Zuhause sein.

Zunächst hieß es, Koffer auf die Zimmer bringen. Das war eine ganz schöne Wuchterei. Denn dieses Hotel hat keinen Aufzug. Mein Zimmer lag nach hinten raus. Also mit Blick auf den Fjord. Viel Zeit, um das Zimmer oder die Aussicht zu bewundern blieb jedoch nicht, wir mussten sofort zum Abendessen durchstarten. Heute war nichts mehr mit ‚Aufhübschen‘.

Das Restaurant liegt im ersten Stock. Für jede Reisegruppe waren hier Tische reserviert. Trotz der Geräuschkulisse war es sehr gemütlich. Die Bedienung war superfreundlich. Die Essensauswahl war reichhaltig. Es schmeckte allen sehr gut.

Die wenigsten machten noch auf einen Rundgang durch die nähere Umgebung. Die Strapazen des Tages forderten ihren Tribut. Viele gingen sofort aufs Zimmer.

Die ganz Harten, nämlich Steffi und Claudia, sowie Peter, Harald, Hille und ich blieben noch in den Gesellschaftsräumen auf einen Absacker sitzen. Gegen 21.30 Uhr begann eine Band zu spielen. Allerdings in einer Lautstärke, dass einem die Ohren wegflogen und wir bis ans andere Ende des Saals flüchten mussten. Hier schmeckte uns das Bier genauso gut. Und die gespielten Oldies, nun in erträglicher Lautstärke, brachten noch mal Schwung in den Abend.

Irgendwann reichte es. Die Bettschwere holte uns ein.
zuletzt bearbeitet 03. Juli 2020
4'382 Beiträge · seit 201504. Juli 2020 · #76
Hallo Dieter,
Du brichst mir mit Deinem Reisebericht fast das Herz................fast 20 Jahre lang habe ich oft auch 2x im Jahr, Urlaub in Norwegen gemacht. Wir sind auch viel mit einem Boot in den Schärengärten längs der Küste unterwegs gewesen. Wenn ich jetzt Deine Fotos, das viele Wasser, die bunten Häuser, die Berge, die Weite der Fjorde sehe....schluck....
....aber Du darfst trotzdem weiterschreiben!
Danke für Deine Mühe!
Viele Grüße
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
Themenstarter541 Beiträge · seit 201206. Juli 2020 · #77
Hallo Friederike,
es freut mich, dass ich Dich innerlich ein wenig positiv aufwühlen konnte! Für mich war Norwegen ja Premiere, aber ich muss gestehen, das Land hat etwas. Wow!

Es geht heute Nachmittag auch weiter.

LG
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201206. Juli 2020 · #78
Tag 18

Am nächsten Morgen ließ ich es langsam angehen. So viel Sehenswertes gab es in dieser Umgebung nicht. Und der Himmel war wieder einmal grau in grau. Die Wolken hingen fast bis ins Schlafzimmer. Nach einem erstklassigen Frühstück führte uns unsere Fahrt zunächst zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Geirangerfjord. Wir hielten in einer Parkbucht, von wo aus man einen schönen Blick auf den Fjord hat. Es war sehr nebelig. Innerhalb von Sekunden wurde es heller und der Nebel vorzog sich ein wenig. Man konnte den Fjord nun doch besser erkennen. In weiter Ferne fuhr ein Kreuzfahrt-schiff. Petrus meinte es heute leider nicht gut mit uns. Dieser Blick auf den nebeligen Fjord blieb nicht die einzige Enttäuschung für heute.

Um 10.20 Uhr erreichten wir den ersten kleinen Fähranleger in Stranda, von wo aus die Fähre nach Liabygda übersetzte. Die Fahrt dauerte aber nur 10 Minuten.

Mit dem Bus ging es weiter am Storfjord vorbei bis nach Sjoeholt. Nachher kamen wir am Romsdalsjfjord vorbei und nahmen danach Kurs auf Åndalsnes. Von dort fuhren wir über die 63 Richtung Trollstigen, was übersetzt ‚Troll-Leiter‘ heißt.

Bevor es die Bergstraße hinauf ging, hielten wir kurz an und konnten einige Landschaftsfotos schießen und Aufnahmen vom Stigfossen machen.

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Nun ging es den Trollstigen hoch. Diese Strecke ist eine echte Herausforderung für jeden PKW Fahrer. Und erst recht eine Herausforderung für jeden Busfahrer oder Personen, die mit PKW und einem Wohnanhänger hinten dran hier hochfahren wollen.

Das war nichts für schwache Nerven. Elf Haarnadelkurven warteten auf uns. Jürgen meisterte die Kurven vorbildlich. Auf halber Strecke gibt es eine Natursteinbrücke. Unter der Brücke hindurch sprudeln die Wassermassen des Wasserfalls Stigfossen. Den hatten wir von einigen Minuten bei unserem letzten Halt fotografieren können.

Zwei Sitzreihen vor mir im Bus zog sich Manuela ein Handtuch über den Kopf. Zunächst dachte ich, dass ihr schlecht wäre. Im Nachhinein erfuhr ich jedoch, dass sie wegen ihrer Höhenangst das Elend da draußen nicht mit ansehen konnte. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Oben angekommen, bekam Jürgen Beifall. Die Tour endete auf dem riesigen Parkplatz des Trollstigen Cafés. Hier konnte man viel „Nichts“ sehen. Dunkle Wolken und dicke Nebelschwaden vermiesten uns die Laune. Es gibt hier zwar zwei oder drei Aussichts-plattformen. Die Gischt des Wasserfalls sorgte aber dafür, dass man blitzartig feucht war und nur Nebelschleier sah. Gift für die Elektronik der Kameras war es alle Male. Also konzentrierten sich viele auf die Toiletten, den Souvenirshop und das Café. Nach einer einstündigen Rast ging es bereits wieder langsam zurück zum Hotel. Gott sei Dank mussten wir nicht die gleiche Strecke zurückfahren wie wir gekommen waren.

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Unser nächstes Ziel war Gudbrandsjuvet, einer der bekanntesten Wasserfälle Norwegens. Eine eigenartige Geländerkonstruktion sichert den Weg, der in Schlangenlinien zu diversen Plattformen führt, von denen man gut in die 25 Meter tiefe Schlucht sehen kann.

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Nach diesem Aufenthalt machten wir uns auf den Heimweg und fuhren nach Linge. Unterwegs gab es noch einen Stopp am Flydalsjuvet Aussichtspunkt mit Blick auf Geiranger und den Geirangerfjord.

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Von Linge aus benutzen wir letztmalig eine Fähre nach Eidsdal, um von dort aus schnurstracks nach Loen durchzustarten, wo unser Bus um 18 Uhr am Hotel eintraf.

Insgesamt sieben Reisebusse parkten auf den Parkplätzen beim Hotel. Wobei es aber durchaus sein kann, dass nicht alle Fahrgäste hier im Loenfjord wohnten, sondern vielleicht auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo das Schwesterhotel liegt.

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Das Hotelpersonal hat wohl keine Probleme, mit solchen Touristenmassen fertig zu wer-den. Für jede Reisegruppe waren per Tischkarten Plätze reserviert, sodass es kein Gedränge um die Plätze gab.

Nach dem Essen machten wir noch einen Verdauungsspaziergang entlang des Fjordes um anschließend ganz in Ruhe den Tag ausklingen zu lassen. Na ja, so ruhig nun auch wieder nicht. Denn schließlich ging der Urlaub nun mit Riesenschritten seinem Ende entgegen.

Und so saßen Steffi und Harald, Manuela und Hans, Claudia und Peter sowie Hille, Hermann und ich noch eine ganze Weile zusammen. Hille gab ein paar Stories ihrer Mehrfachehen zum Besten. Mit welchem ihrer Männer sie wo gewesen ist und was sie dort erlebt hat. Geografisch kam sie ins Schleudern. Der Tafelberg lag plötzlich in Brasilien und der Kilimanjaro in Indien. War es das Alter? Oder der Alkohol? Hille langte an diesem Abend ganz schön zu. Wenn ihre Geschichten wirklich wahr waren, dann hat sie bei jedem Verlust ihrer Ehemänner einen ganz schönen Schnitt gemacht.

„Kohle habe ich genug. Aber ich brauche mal wieder einen Mann. Nicht für’s Bett. Der soll mir den Garten umgraben.“

Siehst du, Hille, da hatte ich doch den richtigen Riecher! Von wegen ‚du sollst es gut bei mir haben‘.
zuletzt bearbeitet 06. Juli 2020
7'299 Beiträge · seit 200606. Juli 2020 · #79
Papa Kenia schrieb:
Geografisch kam sie ins Schleudern. Der Tafelberg lag plötzlich in Brasilien und der Kilimanjaro in Indien.

Reisen bildet.
Aber Indien und Japan sowie Kilimanjaro und Fujiyama kann man ja mal verwechseln. Vulkane mit Schnee obendrauf. Hat man einen gesehen, hat man alle gesehen … 😉

War es das Alter? Oder der Alkohol?

Ich tippe auf galoppierende Kontinentaldrift. 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter541 Beiträge · seit 201209. Juli 2020 · #80
Hallo Wolfgang,

da könnte etwas dran sein! 😄

LG
Dieter