Mit dem Reisebus zum Nordkap.

Reisebericht 99 Antworten · 21,3k Aufrufe · gestartet 09. Juni 2020 von Papa Kenia
Themenstarter541 Beiträge · seit 201212. Juni 2020 ·
Tag 3

Ab 6.30 Uhr gab es bereits Frühstück. Meine Fotos dokumentieren, dass ich die ersten Bilder mit meiner Kamera bereits um 6 Uhr gemacht habe.

Brauchen alte Leute nicht mehr so viel Schlaf? Vielleicht war ich aber auch so früh wach, weil es bereits seit 5 Uhr taghell war. Während der ganzen Rundreise ließ ich mich gern vom Morgenlicht wecken und verdunkelte nachts die Zimmer nicht. Außerdem hatten wir Vollmond. Und Vollmond bringt mich immer um meinen Schlaf.

Noch weniger Schlaf als ich benötigt anscheinend Bernhardine. Wie sie mir gestanden hat, ist sie schlafgestört. Sie bleibt jede Nacht bis ein oder zwei Uhr wach, weil sie nicht schlafen kann. Legt sich dann hin. Und ist bereits um sechs Uhr wieder munter.

„Das ist ganz großer Mist. Man weiß nachts nicht, was man noch machen soll! Den ganzen Schwachsinn im Fernsehen kann man sich nachts doch nicht angucken. Und morgens würde ich viel lieber pennen als sechs Uhr aufstehen. Ich möchte mal einmal im Leben wieder acht Stunden am Stück durchschlafen können.“

Und so traf ich fast jeden Morgen bei meinen Rundgängen auf Bernhardine. Die ebenfalls so früh die Umgebung inspizierte.

Allerdings war Bernhardine immer schnell fertig mit ihrem Rundgang. Sie eilte im Sturm-schritt 300 m geradeaus, 300 m nach links, 300 m nach rechts und wieder zurück. Fertig!! Alles gesehen!

Nach meinem etwas intensiveren Rundgang ging ich direkt zum Speisesaal und setzte ich mich zu Claudia und Peter. Kurz nach mir kam Hermann. Er schien sich einigermaßen berappelt zu haben. Wir frühstückten in aller Ruhe.

Der Speisesaal machte auf mich einen leblosen Eindruck und erinnerte mich wegen der gelben Tische und Stühle an eine Eisdiele. Das Frühstücksbuffet war jedoch reichhaltig und es schmeckte uns sehr gut.

Kurz vor 8 Uhr hatte Jürgen seinen morgendlichen Einsatz und hievte alle Koffer und Reisetaschen in den Bus. Die Männer schoben ihm die Koffer hin.

Einer war ganz vorne mit dabei. Er hieß nicht nur „Klein“. Er war es auch. Der Kleinste aus unserer Gruppe. Er fiel mir in den nächsten Tagen noch mehrfach negativ auf. Egal wann und wo, er musste immer der Erste sein. Und er gab Jürgen ständig Anweisungen, wo seine Koffer zu stehen hatten.

Kurz nach 8 Uhr verließen wir Oslo mit Ziel Stockholm.

Die Sonne schien. Es wurde wärmer. Gegen 9.45 Uhr zeigte die Digitalanzeige im Bus eine Außentemperatur von 27 Grad Celsius an. So ganz nach meinem Geschmack.

Hille war neben uns wieder am prömmeln:

„Können wir nicht noch ein bisschen hierbleiben? Es ist doch so schönes Wetter. Wohin fahren wir jetzt eigentlich?“

„Nach Schweden“, rief ich ihr rüber.

„Was machen wir denn da?“

„Schloss besichtigen.“

„Warum denn?“

„Steht so im Programm. Wir tun was für die Bildung.“

„Und dann?“

„Kennst Du das Programm denn nicht?“

„Nö.“

„Wie, nö? Du wirst doch wohl wissen, was uns alles so bevorsteht? Hast du dich nicht mit der Rundreise beschäftigt?“

„Nein, hab‘ ich nicht. Ich habe ganz kurzfristig gebucht. Im Reisebüro hat man mir diese Reise angeboten. Woher sollte ich denn wissen, dass wir so lange im Bus sitzen? Und was wir alles so machen, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.“

„Pass auf, wir fahren jetzt nach Schweden. Morgen geht es per Fähre wei¬ter nach Helsinki und anschließend in einem großen Bogen durch Finnland über Lappland zurück nach Norwegen.“

„Dann können wir doch sofort hierbleiben.“

Das kann ja heiter werden.

Da Sören heute Morgen noch nicht so gesprächig war wie gestern, meldete sich mein Nachbar Hermann hin und wieder zu Wort:

„Wo sind wir? In Norwegen?“

„Ja. Und wir sind jetzt auf dem Weg nach Schweden.“

„Wir sind mit einem Schiff gefahren?“

„Ja. Von Kiel bis Oslo.“

„Und wir machen noch eine lange Rundreise?“

„Ja.“

„Wie lange denn noch?“

„Wir sind gerade erst gestartet. Wir haben noch knapp drei Wochen vor uns.“

Ich sah, dass Hermann schon wieder ganz schön zu knacken hatte und ließ ihn mit seinen Gedanken erst mal allein. Haute mir die Stöpsel vom Ipod in die Ohren und hörte Musik.

Während der Fahrt meinte Sören, dass es nur noch neun Meilen bis zum Ziel wären. Um uns kurze Zeit danach darüber aufzuklären, dass eine norwegische Meile aber ungefähr 11 Kilometer lang ist. Und die Fahrt daher noch gut drei Stunden dauern würde.

Sören, du Witzbold!

Neben uns quälte Hille ihr Smartphone.

„Wie komme ich denn ins Internet?“

Hermann guckte nur fragend und ich wiederholte nochmal, dass ich da leider nicht helfen konnte. Dieser ganze technische Krimskrams ist nicht unbedingt meine Welt. Obwohl ich auch ein Tablet habe. Mit dem ich auch ins Internet komme. Aber das hatte ich mir eigentlich nur zugelegt, um die geschossenen Fotos mal in größerer Auflösung zu sehen als am Kameradisplay. Internet ist absolut zweitrangig.

Gegen 11 Uhr hielten wir zur ersten Rast am Vänersee. Das ist der größte See Schwedens. Die Raucher freuten sich und die restlichen Urlauber vertraten sich die Beine. Zu sehen gab es hier nicht viel. Einen kleinen Kiosk. Sanitäranlagen. Viel See und viel Grün. Das war’s. Eben Natur pur.

Insgesamt zog sich die heutige Tagesstrecke wie Kaugummi. Trotzdem war es erträglich. Sören mutierte zum Alleinunterhalter und gab nun eine Gesangseinlage, in der er die Heimat von Selma Lagerlöf besang. Und auch zwei Strophen der norwegischen Nationalhymne. Man merkte, dass er stolz war, Norweger zu sein. Seine Stimme klang richtig gut. Für DSDS hätte es wahrscheinlich doch nicht gereicht.

Unser Luxus-Bus hatte auch 3 Klappmonitore. Diese wurden heute erstmalig in Betrieb genommen. Die Frontkamera des Busses wurde eingeschaltet, sodass alle Insassen über die Monitore den gleichen Ausblick wie der Fahrer hatten. Das war ein wenig Abwechslung, auch mal in Fahrtrichtung blicken zu können. Immer nur nach links aus dem Fenster rausschauen verursacht Genickschmerzen.

Während der Fahrt bekamen wir von Sören noch jede Menge Informationen über Schloss Gripsholm.

Um 13.30 trafen wir in Mariefred am Mälarsee ein. Hier liegt das Wasserschloss Gripsholm.

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Nun konnten wir an einer Führung im Schloss teilnehmen. Unser Reiseveranstalter hatte wiederum einen Führer engagiert, der nur für unsere Gruppe zuständig war.

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Das war schon sehr informativ und beeindruckend. Es folgte wieder die übliche Fotosession außerhalb des Gebäudes. Mit Kanone im Vordergrund. Mit Torbogen im Hintergrund. Abschließend durften wir noch die Außenanlagen bewundern.

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Ich war schon auf dem Rückweg zum Bus, als ich Hille auf einer Bank sitzen sah.

„Warst du nicht mit?“

„Nee, ich hab‘ keinen Bock. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wieviel Schlösser und Burgen ich schon gesehen hab‘. Die kenne ich doch alle auswendig.“

„Hille, hör auf zu nödeln. Du hast die Reise gebucht und jetzt musst du da durch. Genieß das Wetter!“

Bettina kam und gesellte sich zu uns. Es entwickelte sich ein lockeres Gespräch bis wir schließlich zum Bus zurückmarschierten.

Ich lief schon mal voraus, denn ich hatte bei der Ankunft ein Hinweisschild ‚Eisenbahnmuseum‘ gesehen. Als ehemaliger Modelleisenbahner musste ich der Sache auf den Grund gehen. Keine drei Minuten vom Parkplatz entfernt gibt tatsächlich es ein Eisenbahnmuseum. Betrieben wird das Ganze von der ‚Museumsvereinigung Östra Söderman-lands Järnvä‘. Eisenbahnfreunde pflegen hier privat eine Schmalspurbahn und bieten in den Sommermonaten für Touristen Nostalgiefahrten an. Der Bahnhof Mariefred sowie Güterwaggons waren schöne Fotomotive.

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Nun musste ich mich aber sputen und schloss zu den anderen auf. Einige genehmigten sich kurz vor der Abfahrt noch einen Snack oder Getränk an dem kleinen Kiosk am Busparkplatz.

Zu guter Letzt hieß es um 16.30 Uhr erneut rein in den Bus und Endspurt mit Ziel Stockholm.

Unterwegs nahm Jürgen die Videoanlage des Busses in Betrieb. Wir sahen einen rund 20minütigen Film über die Vasa (Kriegsschiff) und bekamen Hintergrundinformationen über das Schiff an sich und Informationen darüber, warum es überhaupt gesunken ist.

Der eigentliche Kern des Filmes drehte sich um die Bergung des Schiffes. Der Film war eine gelungene Abwechselung während der Fahrt. So waren wir schon mal mit einigen Informationen versorgt. Denn morgen stand der Besuch des Vasa-Museums auf dem Programm.

Hille neben uns war hartnäckig. Immer und immer wieder hackte sie auf ihr Smartphone ein.

„Hille“, rief ich leise zu ihr herüber. „Frag nachher mal da vorne den in der roten Jacke und den Badeschlappen. Ich glaube, der ist die ganze Zeit am Surfen. Vielleicht kann der dir dein Smartphone einstellen.“

„Wer hat denn hier Badeschlappen an?“

„Der mit der roten Jacke!“

Um halb sieben erreichten wir ziemlich kaputt vom vielen Sitzen Stockholm. Jürgen parkte den Bus vor dem Hotel. Nachdem Sören von der Rezeption unsere Zimmerschlüssel geholt und uns diese wiederum ausgehändigt hatte, stürmten wir die Aufzüge.

Dafür, dass es ein Einzelzimmer war, fand ich mein Zimmer ganz schön groß. Das Bett war riesig und mit vier Kissen dekoriert. Es fehlte zwar ein Schrank, aber das störte mich gar nicht. Für diesen Urlaub war sowieso ein Leben aus dem Koffer angesagt. Ansonsten war alles zweckmäßig. Auch dem Bad gab ich eine gute Note.

Die Zeit reichte gerade noch, dass man sich kurz frisch machen konnte. Denn bereits eine halbe Stunde später war Treffpunkt vor dem Hotel.

Das ging bei mir ziemlich flott und so trat ich kurze Zeit später vor die Tür. Schräg gegenüber stand Hermann und hantierte mit seinem Schlüssel an seiner Zimmertür.

„Kannst du mir mal helfen? Ich komme nicht ins Zimmer.“

„Warst du noch nicht drin?“

„Nein, ich kriege die Tür nicht auf.“

Ich zog meine Zimmertür zu und eilte hinüber. Dann erklärte ich ihm, wie das mit dem digitalen Schlüssel zu handhaben war.

Hermann bedankte sich und fragte noch, wann wir uns unten treffen.

„Du musst dich schon beeilen. Wir haben nur noch zehn Minuten.“

Als ich im Fahrtstuhl war ging mir ein Licht auf. Toll! Welche Zimmernummer habe ich eigentlich? Durch Hermann abgelenkt, hatte ich einfach die Tür zugezogen und war zu ihm gegangen. Nun kamen mir auf dem Weg nach unten Zweifel, welche Zimmernummer ich denn hatte. 201? 203? 205? Auf der Chipkarte war keine Nummer vermerkt. Und die Hülle mit der Nummer lag im Zimmer.

Leicht grinsend ging ich zur Rezeption und fragte, in welchem Zimmer ich denn wohnen würde. Etwas verstört und schmunzelnd wollte die Rezeptionistin meinen Schlüssel haben und fragte meine Personalien ab, um sicher zu gehen, dass ich wirklich Inhaber dieses Schlüssels war. Alles passte. Dankend nahm ich die Magnetkarte wieder entgegen und fuhr noch mal kurz hoch.

Hermann irrte über den Flur und fand den Fahrstuhl nicht. Da kam ich kam ja gerade passend. Trotzdem prüfte ich nochmal kurz, ob meine Karte zu dem Zimmer passte, dessen Nummer mir unten angegeben wurde. Sie passte. Anschließend fuhren wir beide mit dem Fahrstuhl nach unten.

Es war mittlerweile 19 Uhr und mit dem Bus ging es zu dem Restaurant Sjöpaviljongen, welches direkt am Wasser liegt. Hier war ein Abendessen für uns vorbestellt. Es gab ein Einheitsessen mit Vorspeise und Nachtisch. Das Ambiente in diesem Lokal mit seiner großen Terrasse war richtig nett. Nachdem wir uns gestärkt hatten, machte Jürgen auf der Rückfahrt zum Hotel einen kleinen Schlenker zum Aussichtspunkt Fjällgatan. Hier bekamen wir Gelegenheit noch mal kurz auszusteigen und die Sicht auf Stockholm zu genießen.

Auf der anderen Seite des Wassers sah man den Freizeit- und Vergnügungspark Gröna Lund. Irgendwo dahinter liegt das ABBA Museum.

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21.15 Uhr waren wir fix und fertig endlich zurück im Hotel. Das Hotel war sehr gut! Da gibt’s nichts zu beanstanden.

Einen Absacker genehmigten wir uns trotzdem noch. Wer braucht denn bei der Helligkeit Schlaf?

Allmählich ging der Urlaub seinem Ende entgegen. O.K. Ich glaube, ich übertreibe ein wenig. Aber man wundert sich wie schnell drei Wochen vorbei sind.
zuletzt bearbeitet 12. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201212. Juni 2020 ·
Ab morgen gibt es dann mehr Fotos und weniger Text!

LG
Dieter
1’300 Beiträge · seit 200712. Juni 2020 ·
Hallo Dieter,
wir sind auch dabei und finden deinen Schreibstil und die Geschichten sehr erfrischend. Selten so oft bei einem RB gelacht und geschmunzelt. Schon mal daran gedacht ein Buch zu schreiben?
Der ein oder andere Ort ist uns wohl bekannt und wir freuen uns schon auf die nächste Etappe 🙂

LG
Ralf + Martina
Unsere Afrika-Reiseberichte im Forum || Neuseeland 2026Vietnam 2025 | Japan 2019 Costa Rica 2018|
774 Beiträge · seit 200712. Juni 2020 ·
Hallo Dieter,

auch ich begleite Dich bzw. Deinen Reisebericht schmunzelnd von Beginn an. 😉
Durch Deine Fotos und den tollen Schreibstil bin ich bestens unterhalten.
Danke für die lebendigen Aufzeichnungen. 😎

Deine Schilderungen erinnern ein wenig an „Hummeldumm“ ~ nur diesmal am Nordkapp
🤩 🤩 🤩

Ich freue mich auf die nächsten Tage und bin gespannt, ob Hermann immer den Anschluss hält und Hille vielleicht doch mal was Positives von sich gibt.

Viele Grüße
Simone

P.S. ich bewundere Deinen Wagemut zu so einer Gruppenreise ~ das wäre für mich der absolute Graus
Historie meiner 16 bisherigen Reisen ins südliche/östliche Afrika => 11/2001: NAM die Erste * 12/2003 - 01/2004: NAMIBIA Südtour * 03/2005: NAMIBIA ein runder Geburtstag in Windhoek/Tour mit Witti + Landy * 12/2007 -01/2008: NAMIBIA Südtour zum 2. mit Familie * 10-11/2008: Kurztrip nach NAM/wieder ein runder Geburtstag * 03/2011: NAMIBIA ~ Hochzeit der Schwägerin in Windhoek und kleine Tour * 09-10/2013: TANZANIA ~ 4 Wochen Familienbesuch * 12/2014 - 01/2015: NAM zum ersten Mal mit Dachzelt unterwegs * 07-08/2016: SÜDAFRIKA ~ 4 Wochen Kap und Gardenroute/Familienbesuch * 05/2018: KTP und mal wieder der Süden von NAMIBIA * 01-02/2020: NAMIBIAS Norden, Caprivi und ein bißchen BOTSWANA * 08-09/2021: BOTSWANA ~ Private Campingtour mit Bushways * 09/2O22: 3 Wochen SÜDAFRIKA mit Fokus auf Familie und Drakensbergen * 08-09/2023: BOTSWANA ~ 2. Private Campingtour mit Bushways * 02-03/2024: NAMIBIA ~ KTP und Südtour * 01-02/2026: 3. Private Campingtour mit Bushways
zuletzt bearbeitet 13. Juni 2020
69 Beiträge · seit 201713. Juni 2020 ·
Super gut geschrieben. Du solltest mal Bücher veröffentlichen (falls Du das nicht sowieso schon machst).

Aber für mich wäre die Reise der absolute Horror:
Ich mag keine Busfahrten.
Ich mag keine nervigen Mitmenschen.
Ich mag kein vorgegebenes Einheitsessen.
Ich bleibe an interessanten Orten gerne sehr lange.

Vermutlich hätte ich schon in Oslo den Rückflug angetreten (oder die nächste Fähre zurück, wenn fliegen nicht gehen würde). Bin aber trotzdem gespannt wie es weitergeht.

Viele Grüße

Boris
8’057 Beiträge · seit 200813. Juni 2020 ·
Coucou Dieter,

Die Kälte ist nicht unbedingt mein "cup of tea". Noch weniger Busreisen...... 😣

Aber dein Schreibstil nimmt einfach Einen mit ohne dass man es bemerkt. Und auf einmal ist man dabei und freut sich auf die Fortsetzung..... 😄

I love it! 🙂

Es grüsst
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
Themenstarter541 Beiträge · seit 201213. Juni 2020 ·
@panther
@Bobu
Das mit dem Bücher schreiben lassen wir mal. Das sollen Leute machen, die Ahnung davon haben. Das ist nichts für mich.

@panther
Hallo Ralf + Martina
Vielen Dank für Euren netten Beitrag. Dann bleibt dabei und lest bitte weiter mit!

@tigris
Hallo Simone,
Deine Schilderungen erinnern ein wenig an „Hummeldumm“ ~ nur diesmal am Nordkapp
Das scheint dann an der Art des Reisens zu liegen.

@Bobu
Hallo Boris,
Aber für mich wäre die Reise der absolute Horror:
Ich mag keine Busfahrten.
Ich mag keine nervigen Mitmenschen.
Ich mag kein vorgegebenes Einheitsessen.
Ich wollte so was auch nie machen. Aber wie eingangs geschrieben: „Manchmal wird man zu etwas Neuem gezwungen. …………………, sodass man nicht mehr das machen kann, was man gerne machen möchte.
Der Mensch ist in der Lage, sich neuen Situationen anzupassen.

@ANNICK
Hallo Annick,
danke, dass Du mitliest. Kälte ich auch nicht mein Ding. Und es wurde während der Fahrt noch ganz schön kalt. Brrrr.

LG
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201213. Juni 2020 ·
Tag 4

Der Tag begann mit einem Frühstück ab 6.30 Uhr. Da heute sowieso eine ausgiebige Stadtrundfahrt anstand, verzichtete ich auf meinen morgendlichen Rundgang. Um 8 Uhr hieß es Koffer verladen und eine Viertelstunde später starteten wir. Es war frisch heute Morgen. Um nicht zu sagen – es war kalt. Und zwar richtig kalt. Rund 10 Grad kälter als gestern. Dazu wehte ein heftiger Wind.

Die erste Sehenswürdigkeit am heutigen Tage war das Stockholmer Stadthaus. Jürgen ließ uns hier gegen 9 Uhr für eine Besichtigung ausstiegen.

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Zunächst nahmen wir wieder unsere Empfangsgeräte entgegen, um die Erklärungen von Sören drahtlos hören zu können. Dann zahlte Sören die Eintrittsgelder für unsere Gruppe. Wir waren angemeldet und bekamen einen Stadthausführer, der uns beim Rundgang durch das Gebäude recht kurzweilig allerlei Wissenswertes erklärte. Hier im Stadthaus werden jährlich am 10. Dezember die Nobelpreisträger bekanntgegeben und die Preise verliehen. Die Führung dauerte rund 45 Minuten.

Wir fuhren zur nächsten Sehenswürdigkeit. Gegen halb 11 Uhr erreichten wir das Vasa-Museum. Einen Film über die Bergung des Schiffes hatten wir ja bereits gestern im Bus anschauen können. Sören besorgte an der Kasse erneut Eintrittskarten für uns und verteilte diese.

In einem Nebenraum des Museums konnte man einen zwanzigminütigen Film über die Vasa anschauen, der inhaltlich zwar in vielen Dingen dem Film von gestern ähnelte, der aber auch einige interessante Neuigkeiten bot.

1625 gab König Gustav II. Adolf den Auftrag zum Bau dieses Schiffes. Die Vasa sank bereits bei Ihrer Jungfernfahrt am 10.8.1628, weil sie angeblich durch die Last der Kanonen und der Besatzung schlichtweg zu schwer war.

333 Jahre später (für die, die nicht rechnen wollen – 1961!) wurde das Schiffswrack geborgen und restauriert und kann nunmehr im Vasa-Museum besichtigt werden.

Laut Eigenwerbung des Museums ist die Vasa eine der größten Touristenattraktionen der Welt.
zuletzt bearbeitet 13. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201213. Juni 2020 ·
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zuletzt bearbeitet 13. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201213. Juni 2020 ·
Nach dem Museumsbesuch fuhren wir durch die Stadt nach Stadsholmen; so heißt die Insel, auf der das königliche Schloss liegt. Und genau hier endete vorerst unsere Stadtrundfahrt. Jürgen ließ uns vor dem Schloss aussteigen, um anschließend den Bus weg-zufahren. Parken für einen längeren Zeitraum war hier nicht gestattet.

Die Reisegruppe hatte nun dreieinhalb Stunden zur freien Verfügung. Hier merkte man die ersten Grüppchenbildungen innerhalb der Reisegruppe. Claudia, Peter, Hermann und ich blieben zunächst zusammen.

Das erste Highlight war die Wachablösung vor dem Schloss. Danach schlenderten wir über den Schlosshof Richtung Gamla Stan (Altstadt).

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Nun ging es vorbei an der Nikolaikirche und am Nobelmuseum zur Västerlånggatan, welches wohl die Haupteinkaufsstraße sein dürfte.

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Um die Mittagszeit setzte der kleine Hunger ein. Da kam uns ein Bistro genau richtig. Nach einem Hot Dog und einem Bier fühlten wir uns besser. Das Bezahlen ging nur per Kreditkarte. Schweden gilt ja als Vorreiter des bargeldlosen Bezahlens. Viele Geschäfte oder Restaurants verweigern die Annahme von Bargeld. Was wir aber sowieso nicht hatten. Denn für ein paar Stunden Stockholm hatte niemand in Schwedische Kronen getauscht.

Die Wolkendecke war mittlerweile wieder aufgerissen. Die Sonne zeigte sich häufig und die Temperaturen lagen immerhin bei 25 Grad. Wir hatten allerbeste Urlaubsstimmung und gingen auf dem Rückweg über den Paradeplatz am Schloss zum vereinbarten Treffpunkt. Es dauerte noch ein paar Minuten, bis unser Bus vorfuhr.

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14.30 Uhr war die gesamte Truppe an Bord und Jürgen fuhr zum Hafen runter.

„Hille, wie war’s? Auch einen Bummel durch die Stadt macht?“

„Was meinst du, wieviel Stadtbummel ich schon gemacht habe. Das ist doch immer das Gleiche. Im erstbesten Café habe ich mir ein Stück Kuchen mit Schlagsahne bestellt und einen Kaffee getrunken. Dann gab es ein Eis und zum Schluss noch zwei Glas Sekt. Jetzt geht’s mir gut.“

Hille, du alte Spritbacke!

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Nach der Ankunft im Hafen ging Sören zum Büro der Viking Line, um dort unsere Bordkarten entgegen zu nehmen. Als er zurück war, erklärte er uns, wo heute Abend gegessen wird. Er wies uns auch mehrmals darauf hin, dass es morgen ab 7 Uhr Frühstück gibt. Und dass wir um 9.15 Uhr in Helsinki einlaufen. Und zwar jeweils nach finnischer Zeit. Die Finnen sind uns noch eine Stunde voraus. Und so kamen wegen der Uhrumstellerei die üblichen Fragen. Vor? Zurück? Oder wie?
zuletzt bearbeitet 13. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201213. Juni 2020 ·
Nachdem uns Sören nun mit den wichtigsten Informationen versorgt hatte, händigte er uns die Bordkarten aus. Diese wiederum dienten auch als Zimmerschlüssel.

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Wir begaben uns an Bord der M/S Gabriella, die uns nach Helsinki bringen sollte. Meine Kabine mit der Nummer 5124 war klein und kein Vergleich zu der der Color Magic. Es erinnerte mich eher an ein Schlafwagenabteil der DB aus den 70er Jahren. Insgesamt waren in meiner Kabine vier Klappbetten vorhanden, wovon eins frisch bezogen war. Für die eine Nacht war das trotzdem voll in Ordnung. Immerhin war es erneut eine Außenkabine mit kleinem Fenster.

Die MS Gabriella legte um 16 Uhr ab. Unsere Gruppe war fast vollzählig am Oberdeck, um die Ausfahrt aus dem Stockholmer Hafen zu sehen. Die Weiterfahrt durch die Schärenwelt war sehr interessant und landschaftlich ein Traum.

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Hin und wieder fragten einige Mitreisenden:

„Weißt du noch, wann es Abendessen gibt? Und wo?“

Hier kamen die kuriosesten Kombinationen und Gerüchte auf. Abendessen um 7 Uhr auf Deck sieben. Um 8 Uhr auf acht. Um 7 Uhr auf Deck sechs.

So ist das, wenn keiner vernünftig zuhört, wenn die Reiseleitung etwas sagt.

Letztendlich gab es das Abendessen um 19 Uhr auf Deck acht.

Als Letzte kam Hille in den Speisesaal. Da es immer 4er oder 6er Tische waren, waren diese natürlich schon belegt. Hille war ein wenig pikiert, setzte sich danach allein ein einen freien Tisch. Sören und Jürgen leisteten ihr doch noch Gesellschaft.

Heute waren die Getränke inkludiert. An unseren Tisch hatten sich zwischenzeitlich noch Steffi und Harald gesellt. ‚Der in der roten Jacke‘ und seine Freundin. Beides richtig nette und sympathische Leute. Uns Kerlen machte besonders das Bierzapfen Spaß. Zumal es gratis war.

Jetzt erfuhren wir auch von Harald, warum er einen Schuh und einen Badeschlappen trug. Sah schon lustig aus.

„Bin nicht gestochen worden. Bin nirgendwo in etwas getreten und habe mich auch nicht gestoßen. Der Fuß wurde einfach nur dick. Und zwar so dick, dass er in keinen Schuh mehr passte. Da habe ich eben einen Schlappen angezogen.“

So gegen 22 Uhr gab es kein Bier mehr (das lag nicht nur an uns) und das Personal begann mit den Vorbereitungen für das morgige Frühstück.

Wie auf ein Kommando stellten alle ihre Uhren eine Stunde vor. Und passten genau auf, dass Hermann seine Uhr auch stellte. Dann erklärten wir ihm, dass der Ausgang auf der Ebene ist, wo unsere die Kabinen sind. Also auf Deck fünf. Vorher solle er sich aber hier im Speisesaal ab 7 Uhr zum Frühstück einfinden.

Wir schauten noch mal ganz kurz auf dem Oberdeck vorbei. Weil es inzwischen lausig kalt war, hat es uns doch postwendend in unsere Kabinen verschlagen.
zuletzt bearbeitet 13. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201214. Juni 2020 ·
Tag 5

Es war eine ruhige Nacht und ich hatte geschlafen wie ein Stein. Die See war ruhig; es gab keine Schaukelei. Um 6 Uhr finnischer Zeit war ich schon auf dem Außendeck. Es war kalt und sehr windig. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel. Das wird ein schöner Tag.

Um 7 Uhr öffneten sich die Türen zum Speisesaal. Am Buffet fehlte es an nichts. Es war wirklich super.

Die Einfahrt durch die Schären wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und war daher wieder zeitig auf dem Promenadendeck.

Um 9.15 legte die Fähre in Helsinki an. Bereits geraume Zeit vor dem Einlaufen in den Hafen staute sich am Ausgang die Menschenmenge. Vermutlich stiegen hier alle Passa-giere aus. Ziemlich weit vorne sah ich Hermann. Später wurde erzählt, dass Hermann bereits seit 8 Uhr mit seinem Koffer hier am Ausgang wartete. Gefrühstückt hatte er nicht. Er wollte auf keinen Fall den Ausstieg verpassen.

Immerhin hatten nun doch schon einige Mitreisende ein Auge auf Hermann und so ging das Ausschiffen reibungslos über die Bühne.

Genauso wie wir es Hermann mehrmals eingetrichtert hatten, wartete er vor dem Gebäude auf uns. Und er war sichtlich froh, einige seiner Mitreisenden zu erkennen. Bis Jürgen mit unserer Luxuskutsche vom unteren Parkdeck rausgefahren kam, dauerte es eine gewisse Zeit. Nachdem alle ihren Platz im Bus eingenommen hatten ging es bereits los zur Stadtrundfahrt.

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Hille war glücklich. Sie hatte WLAN-Empfang und konnte nun endlich auch telefonieren. Der Mann in der roten Jacke, nämlich Harald, hatte ihr die Einstellungen für ihr Gerät gezeigt. Und nun fing sie an zu telefonieren?

„Hallo. Hier ist Hille.

- Ja, soweit ganz gut.

- Im Bus.

- Ich mache eine Rundreise.

- Irgendwo in Skandinavien. Ich glaube in Finnland.

- Nee, so was mache ich nie wieder.

- Noch über zwei Wochen.

- Mach’s gut! Bis bald!“

Hille hatte sich wenigstens kurz gefasst und sehr leise geredet. Wenn jeder Reisende während der Fahrt telefonieren würde, wäre hier wohl die Hölle los. Schließlich hatte man doch bei jedem Stopp Gelegenheit zu telefonieren, wenn man wollte.

Hille unterließ das Telefonieren nun auch. Es war ein einmaliger Ausrutscher.

Zunächst besuchten wir eines der Wahrzeichen von Helsinki, den Dom. Danach Weiterfahrt zum Sibeliuspark (benannt nach Jean Sibelius, einem Komponisten). Hier steht unter anderem ein aus mehreren Hundert Metallröhren zusammengesetztes, orgelförmges Gebilde.

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Als nächstes fuhren wir zur Felsenkirche (Temppeliaukio-Kirche). Angeblich ist dies eine der Attraktionen in Helsinki. Wie der Name schon sagt, ist dies keine Stein auf Stein gebaute Kirche, sondern sie wurde direkt in einen Felsen gesprengt. Die Kirche bietet eine wunderschöne Akustik.

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Zum Schluss der insgesamt fast zweistündigen Stadtrundfahrt parkte unser Bus am Fuße der Uspenski-Kathedrale. Die Kirche liegt auf einem Hügel außerhalb der Stadt ganz in der Nähe des Hafens.

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Weil ich Claudia und Peter erst mal wieder ablichten musste, waren wir drei die Letzten. So schlenderten wir langsam auf die Kirche zu. Immerhin galt es auch, von der imposanten Kathedrale das ein oder andere Foto zu schießen. Innen soll die Kirche sehr geschmackvoll und prunkvoll sein. Das können wir aber nicht bestätigen, denn genau in dem Moment als wir die Kirche betreten wollten, wurde die Kirchentür aus unerklärlichen Gründen geschlossen. Offiziell war noch Öffnungszeit. Na ja, von außen ist die Kirche ebenso schön.

Da hier oben nicht nur unsere Reisegruppe die Kathedrale bestaunen wollte, sondern noch gefühlt 200 andere Leute, hatte ich irgendwann alle aus den Augen verloren. Um 15 Uhr war wieder Treff am Bus. Bis dahin waren noch mal 2,5 Stunden zur freien Verfügung. Die Zeit würde ich wohl sinnvoll nutzen können. Der Weg bis zur Innenstadt war nicht weit. Sehenswert waren auf dem Weg dahin auf jeden Fall das Rathaus sowie die im Gebäude befindlichen öffentlichen Toiletten.

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Nur das Blastergedröhne, das aus weiter Ferne an meine Ohren drang, war nicht so prickelnd. Genau heute war nämlich Lesben- und Schwulentag. Christopher-Street-Day. Und Sören meinte, dass gefühlt eine halbe Million mehr Menschen in der Stadt sind als sonst. Das Meiste spielte sich auf dem Senatsplatz und auf den Stufen am Dom ab. Da waren wir ja heute Vormittag. Irgendwann startete dann der große Umzug. Gott sei Dank bewegte er sich am Rand der Stadt.

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Auf meinem Rundgang kam ich an einer Haltestelle vorbei, wo eine historische Straßenbahn stand. Leider war für eine Fahrt keine Zeit. So entschloss ich mich, der Markthalle einen Besuch abzustatten. Hier herrschte ein reges Treiben und es gab allerlei kulinarische Genüsse, Souvenirs und sonstigen Krimskrams. Einige Mitreisende waren auch in dieser Halle unterwegs.

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Auf dem Rückweg zum Bus und schlenderte ich über den Marktplatz. Zig Händler boten ihre Waren an. Waffelduft drang in meine Nase. Diesem Duft konnte ich nicht widerstehen. Ich bestellte mir frische Waffeln sowie einen Kaffee, setzte mich an einen freien Tisch und genoss die Atmosphäre auf dem Marktplatz. Die Sonne tat ihr übriges bei fast wolkenlosem Himmel. Die Temperatur lag bei gefühlten von 25 Grad Celsius. Urlaub kann verdammt schön sein.

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Als um 15 Uhr alle pünktlich am Bus waren ging es auf die letzte Etappe des Tages. Wir hatten nun gut drei Stunden Fahrt vor der Brust. Unser Ziel war Lappeenranta.

Während der Fahrt fielen die ersten Regentropfen dieses Urlaubs. Bereits fünf Minuten war der Spuk auch schon wieder vorbei. Nach einem Zwischenstopp kamen wir um 18.30 Uhr beim Hotel in Lappeenranta an.

Das Hotel ist ein ziemlicher Klotz und hat 133 Zimmer. Innen ist es sehr nobel eingerichtet. Ich bekam ein Doppelbettzimmer. Das war nicht schlecht!

Bereits um 19 Uhr konnte man zu Abend essen.

Die Zeit war während der gesamten Reise so knapp getaktet, dass man ständig unter ‚Strom‘ stand. In dieser halben Stunde, die uns zwischen Ankunft und Abendessen zur Verfügung stand, mussten wir immerhin die Zimmer beziehen und uns stylen, um danach die Schlacht am Buffet mitzumachen.

Das Abendessen war reichhaltig, optisch sehr ansprechend aufgebaut und sehr lecker.
zuletzt bearbeitet 14. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201216. Juni 2020 ·
Tag 6

Nach einer ruhigen Nacht gab es ab 7 Uhr Frühstück. Ausschlafen ist was für Weicheier. Wer war als erster im Speisesaal? Hermann! Ich setzte mich zu ihm und wir unterhielten uns ein wenig. Er hatte bereits seinen Koffer und seine Jacke im Foyer stehen.

Gegen 8 Uhr wurden die Koffer wieder in den Bus gehievt. Beim Kofferverladen setzte sich Jürgen heute endlich durch. Er ignorierte unseren Kleinsten. Der, wie immer wartend, in der ersten Reihe am Bus stand und Jürgen erklären wollte, wie er die Koffer zu verladen hat. Seiner müsste ganz zum Schluss rein. Damit er ihn als ersten wiederbekäme, um auch bloß der Erste am Fahrstuhl zu sein. Diese Typen sterben leider nie aus. Aber Jürgen nahm seine Koffer und schob sie ganz nach hinten. Super!!

Diesen Morgen durchfuhren wir zunächst das riesige Saimaa-Seengebiet und kamen gegen 9.15 Uhr in Savonnlinna an, um dort einen Ausflugskutter zu besteigen. Es fand eine einstündige Rundfahrt über die Seenplatte statt. Anfangs war es sehr schön und inter-essant. Je länger die Fahrt dauerte, umso windiger und kälter wurde es. Es gab zwei kleine Kajüten mit Sitzgelegenheit wohin man sich zurückziehen konnte, um bei einem Kaffee oder Bier windgeschützt zu sein.

Die Meisten waren froh, dass die Fahrt nach einer Stunde vorbei war.

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Bei der Weiterfahrt kam im Bus so langsam Bewegung in die Reisegruppe. Die Alleinrei-senden, die bisher nebeneinandergesessen hatten, verteilten sich im Bus auf die freien Sitzplätze.

Hermann verzog sich in die Reihe hinter mir. Von vorne kam jemand und setzte sich auf einen der hinteren Sitzplätze. Und aus der Reihe schräg mir gegenüber zog dann auch noch eine Frau um. So dass letztendlich fast alle Alleinreisenden zwei Sitze zur Verfügung hatten. Das war richtig relaxt, so viel Platz zu haben.

Diese Situation nutzte Hille, die auf der gegenüberliegenden Gangseite saß. Sie kam zu mir herüber und versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln. Sie gab auch einiges von sich preis. Sie war schon mehrfach verheiratet und hatte alle Ehemänner überlebt. Allmählich gewann ich den Eindruck, dass sie nun das nächste Opfer suchte.

„Komm mich mal besuchen. Du sollst es gut bei mir haben.“

Das sind ja Aussichten!

„Nee, Hille, lass mal gut sein. Ich bin mit meinem momentanen Dasein ganz zufrieden.“

So ganz passte ihr meine Antwort nicht. Ein wenig pikiert verzog sie sich wieder auf ihren Sitzplatz.

Kerimäki war unser nächstes Ziel. Kerimäki ist die größte Holzkirche der Welt. Die Kirche verfügt über 3000 Sitzplätze und wurde 1847 gebaut.

Nach der Kirchenbesichtigung öffnete Jürgen seine Busküche. Erstmals gab es Brüh-würstchen mit Brot. Für den kleinen Hunger zwischendurch. Der Kaffee war bei der kompletten Tour gratis. Ebenso wie Wasser und Saft. Die Würstchen mussten am Ende der Reise bezahlt werden.

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Der Besuch der Olavinlinna Burg stand als nächstes auf dem Programm. Die imposante Burg stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bei unserer Kutterfahrt waren wir bereits relativ nah an ihr vorbeigekommen. Sören hatte vorher gewarnt, dass man gut zu Fuß sein muss. Er wies darauf hin, dass es im Innenhof viele enge und steile Treppen zu steigen gibt.

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„Peter geht nicht mit. Das ist ihm zu anstrengend. Der steht da hinten!“ meinte Claudia so im Vorbeigehen.

Peter zeigte auf das Café und zog fragend die Schultern hoch. Und ich nickte nur. Männer verstehen sich auch ohne Worte. Wir blieben lieber auf ein Bier in dem kleinen Café direkt am See zurück. Die Sonne knallte mittlerweile wieder von einem fast wolkenlosen Himmel. Bettina setzte sich auch noch dazu und es entwickelte sich eine nette Gesprächsrunde.

Kurz vor 15 Uhr kamen die anderen Reiseteilnehmer an unserem Lokal vorbei.

„Das war heftig anstrengend. Ihr habt das richtig gemacht! So ein Bierchen hätte ich auch gerne noch gehabt“, meinte Harald. Doch dafür war jetzt keine Zeit mehr.

Punkt 15 Uhr setzte sich der Bus Richtung Kuopio in Bewegung. Ein letzter Halt war heute am Puijo Aussichtsturm, der auf einem Hügel vor der Stadt liegt. Per Fahrstuhl ging es rund 75 Meter nach oben von wo aus man wirkliche eine krasse Rundumsicht hatte.


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18.45 Uhr trafen wir endlich im Hotel in Kuopio ein. Das übliche Procedere. Sören holte von der Rezeption alle Zimmerschlüssel und verteilte diese. An den Fahrstühlen gab es wie immer Gedränge und Warterei. Panische Gesichter. Denn ab 19.15 gab es bereits wieder Abendessen.

Erneut hatte ich ein Doppelbettzimmer für mich allein. Dementsprechend geräumig war es. Bei der Ausstattung hatte man an nichts gespart. Sogar ein Bügelbrett mit Bügeleisen war vorhanden. Für mich doch wohl nicht? Ich habe Urlaub!!

Wer kam wieder als Letzte in den Speisesaal? Richtig! Hille! Auch heute Abend waren bereits alle 4er und 6er Tisch besetzt. Sie verzog sich an einen freien Tisch. Hier blieb sie heute allein, denn Jürgen kümmerte sich noch um den Bus und Sören hatte anderweitig zu tun. Hille konnte einem schon fast leidtun.

Das Essen war vorzüglich.

Dieses Hotel war für mich bisher das Beste dieser Reise. Hier fehlt es an nichts im Zimmer. Die Lage des Hotels war auch richtig romantisch. Sehr ruhig und direkt am Kallavesi – See gelegen.

Auch der Barbereich war großräumig und sehr geschmackvoll eingerichtet. Im hinteren Bereich lief im TV – Kroatien gegen Dänemark. Das war das erste WM-Spiel während der Reise das ich mir angesehen habe.

Nach dem Spiel saß ich noch mit Bernhardine und Heidi zusammen und wir unterhielten uns über Gott und die Welt.

Das Hotel hatte sogar unten in einer stillen Ecke der Lobby einen stationären Promilletester an der Wand hängen. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Kurz vor Mitternacht überkam mich dann doch die Müdigkeit.
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2020
Themenstarter541 Beiträge · seit 201217. Juni 2020 ·
Tag 7

Da das Hotel außerhalb der Stadt liegt, konnte ich heute Morgen ein wenig länger schlafen. Denn es gab in der näheren Umgebung nicht viel zu fotografieren. Das hatte ich bereits gestern Abend gecheckt.

Einer fehlte zum Frühstück. Hermann. Mittlerweile achteten alle Reisenden darauf, ob er anwesend war. Hille wusste, welche Zimmernummer Hermann hatte. „Ich geh‘ mal zu ihm. Wahrscheinlich ist er noch auf dem Zimmer.“

Im Grunde war Hille eine richtig gute Seele. Nur ihre Meckerei konnte manchmal ganz schön nerven.

Ein paar Minuten später kamen Hille und Hermann in den Speisesaal. Hille entschuldigte Hermann.

„Er hat den Fahrstuhl nicht gefunden.“

Als alle gefrühstückt hatten, starteten wir zu unserer ersten Tagesetappe.

Ab jetzt war nichts mehr mit WLAN im Bus. Wir fuhren durch eine traumhafte Landschaft. Aber Funkmasten gab es hier nicht. Daher resignierte nicht nur Hille, sondern auch ein oder zwei andere. Empfang gab es in den nächsten Tagen nur noch in unseren Unterkünften.

Unser Sitzfleisch wurde heute zum ersten Mal so richtig getestet.

Insgesamt lagen heute über 500 km vor uns. Unser erstes Ziel war die Hafenstadt Oulu. Dort kamen wir gegen 11 Uhr an und hatten nunmehr eine gute Stunde Zeit, uns das Markttreiben und das Örtchen ein wenig anzuschauen. Die überwiegend dunkelrot gestrichenen Holzhäuser waren die beliebtesten Fotomotive. In der Markthalle gab es eben-falls Motive in Hülle und Fülle. Der kleine Markt, die Oper am Hafen und die belebten Seitengässchen waren nicht weniger interessant.

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Wie so oft waren Claudia, Peter, Hermann und ich zusammen. Hermann wurde immer lockerer. Man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Es hat in seinem langen Leben einiges erlebt und er erzählte auch bereitwillig davon.

Wahrscheinlich war er froh, hin und wieder geduldige Zuhörer zu finden. Nachdem er nun wusste, dass unsere Übernachtungen bis zum vorletzten Tag nur noch in Hotels stattfinden würden, blühte er so richtig auf. Er gab auch offen zu, dass seine größte Angst darin bestand, sich erneut zu verlaufen. „Aber jetzt brauche ich morgens ja nur noch auf euch in der Hotelhalle warten. Wenn ich den Fahrstuhl finde!“ Seinen Humor hatte er nicht verloren.

Die nächste Station war in Muurola mit Besuch der Gletschermühlen, die mitten im Wald liegen. Auf finnisch heißen diese Hiidenkirnut (Hexenlöcher). Während der letzten Eiszeit wurden riesige Löcher in Felsen „geschmirgelt“. Und so konnte man hier glattgeschliffene Trichter in Felsen bewundern.

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Diesen Programmpunkt hätte man sich meiner Meinung nach sparen können. Zumal die ersten Reisenden, sobald sie aus dem Bus waren, riefen: “Scheiß Mücken!“ Diese Killermücken hatten nur auf uns gewartet.

Der Programmpunkt war auch relativ schnell abgehakt. Die Leute, die nicht gut zu Fuß waren, scheuten sich, über Stock und Stein kleine Steilhänge oder Treppen nach oben zu klettern, um dann nach unten zu gucken. Es war ganz schön glatt und rutschig.

Nach 30 Minuten saßen alle wohlbehalten wieder im Bus.

Nun gab es eine Programmänderung. Das, was eigentlich für morgen früh geplant war, stand nun schon für heute Nachmittag an. Als Sören uns den Plan erklärt hatte und alle mit der Änderung einverstanden waren, rollte unser Bus Richtung Rovaniemi. Rund 10 Kilometer davon entfernt liegt das „Weihnachtsmann-Dorf“.

Bei wolkenlosem Himmel und 30 Grad Celsius kamen wir also dort an.

Dieses Dorf heißt so, weil Rovaniemi die offizielle Heimat des Weihnachtsmanns ist. Hier im Dorf ist an 365 Tagen im Jahr Weihnachten. Zusätzlich markiert eine weiße Linie den Polarkreis, der mitten durch dieses Dorf verläuft.

Wir stiegen also aus. Ich fragte unseren kleinen Wichtigtuer: „Ist das nicht ein bisschen zu warm?“

Er trug nämlich eine neongrüne Jacke und einen neckisch um seinen Hals geschlungenen Schal (bei 30 Grad?).

„Die Jacke war schon mit in den Tropen!“

„O.K.!“

Das war zwar nicht die Antwort auf meine Frage, aber genau so hatte ich ihn eingeschätzt. Klein und angeberisch. Er war also schon mal in den Tropen. Was soll’s?

Zunächst stellten sich alle Fahrgäste nebeneinander auf und fassten sich gegenseitig an den Händen. Sören wollte das so. Nun standen alle Reiseteilnehmer südlich vor der weißen Linie. Darauf stand ‚Arctic Circle‘, also ‚Polarkreis‘. Auf Kommando von Sören machte die Gruppe einen Schritt nach vorne und alle standen nun auf der nördlichen Seite des Polarkreises. Wir hatten erfolgreich den Polarkreis überquert. Es folgte der interessantere Teil.

Jürgen hatte bereits einige Flaschen Sekt geöffnet. Jetzt gab es für jeden Polarkreisüberschreiter ganz stilvoll Sekt aus Pappbechern. Sören erklärte uns noch, dass alle eine Urkunde bekommen würden, die er uns aber erst am letzten Reisetag aushändigen würde. Das war allen Teilnehmern auch ganz lieb. So konnten die Urkunden bis zum letzten Tag knitterfrei bleiben.

Nun gab es kein Halten mehr. Jeder wollte allein oder mit Partner vor und hinter der weißen Polarkreismarkierung fotografiert werden. Die Kameras und Smartphones wurden hin und hergereicht.

„Kannste mal ‘nen Foto von uns machen?“

Als nächstes Lieblingsmotiv erwies sich die Säule mit der Temperaturanzeige. Das Thermometer zeigte 30 Grad an. Nördlicher Polarkreis und 30 Grad? Irgendwie passte das meiner Meinung nach nicht ganz zusammen. Polarkreis verbinde ich immer mit ‚kalt‘.


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Wir hatten noch gut eine Stunde zur Verfügung, schwitzend das Gelände und die Gebäude zu besichtigen. Auf Schritt und Tritt verfolgten uns über Außenlautsprecher Weihnachtslieder. Die Shops sind voll auf Tourismus eingestellt. Selbst die Angestellten laufen mit Nikolausmützen durch die Gegend. In einem dieser Shops sitzt der Weihnachtsmann höchstpersönlich (das habe ich nicht gesehen – das hat man mir erzählt). Und dort kann man sich mit Nikolaus ablichten lassen. Bei 30 Grad. Für schlappe 10 Euro.

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Im Weihnachtsmanndorf gibt es außerdem ein Postamt. Hier hat man die Möglichkeit eine Sondermarke kaufen. Wer will, kann diese dann mit einem Sonderstempel versehen lassen. Folgedessen gibt es hier auch einen Weihnachtsmannbriefkasten. Es besteht die Möglichkeit, dass die hier eingeworfene Post so weitergeleitet wird, dass der Nikolaus sie weltweit in der Weihnachtswoche zustellt.


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Abschließend fuhren wir weiter nach Rovaniemi. Ankunft im Hotel um 18.30 Uhr. Abend-essen bereits 30 Minuten später. Ich bekam mal wieder ein Doppelbettzimmer. Die Ausstattung war top.

Das Essen ziemlich sparsam und nicht ganz so lecker.
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2020
7’320 Beiträge · seit 200618. Juni 2020 ·
Hallo,

normalerweise sind Reiseberichte nicht so sehr mein Ding, vor allem, da viele Urlauber gerade für Namibia-Reisen ihre Unterkunftstipps austauschen und die Berichte daher auch fast schon austauschbar sind, weil „alle“ fast die gleichen Routen fahren und die gleichen Unterkünfte ansteuern. Ich lese auch schon lange Zeit kaum noch mal einen.

Dieser Bericht hier (und auch der aktuelle von Topobär über Algerien) sind für mich persönlich wohltuende Ausnahmen und manche Leute haben das Zeug, zu schreiben. Andere haben nur das Schreibzeug. 😉
Du gehörst definitiv zur ersten Sorte.
Der Bericht zeigt, dass man selbst über eine geführte Gruppenreise einen sehr lesenswerten und unterhaltsamen Bericht schreiben kann.

Meine erste Flugreise habe ich übrigens auch als Gruppenreise gemacht und viele Dinge kommen mir bereits bekannt vor. Manche Leute haben sich immer vorgedrängelt, wussten alles besser und man konnte sich manchmal schämen, dass man zu dieser Gruppe gehörte. Andere kamen nie pünktlich oder haben keine Gelegenheit ausgelassen, sich daneben zu benehmen. Manche hatten sich auch zuvor keine Sekunde über die Reise oder die Gegebenheiten im Land informiert (kommt gerade auch alles in Deinem Bericht genauso vor). Bei meiner Reise war es zudem ein islamisches Land und es war gerade Ramadan.
Das ganze Problem wurde in meinem Fall wohl noch dadurch verschärft, dass es eine Reise im Billigsektor war und die entsprechende Kundschaft anzog. Nun weiß ich, wie es da zugehen kann und bin seitdem lieber alleine unterwegs. Sollte ich auch einmal an Demenz leiden wie Dein einer Reisekumpel, wäre es natürlich wieder eine Option. Dann findet sich in der Gruppe vielleicht jemand, der auf mich aufpasst. 😉

Mir tut der etwas desorientierte ältere Herr ein bisschen leid. So richtig viel wird er von der Reise nicht gehabt haben außer vielleicht angenehme Gesellschaft, die ihm im Alltag möglicherweise (oder eher wahrscheinlich) fehlt. Jedenfalls schien der ja alleine kaum noch etwas auf die Reihe zu bekommen.
Wenn man in einem solchen Alter Anzeichen von Demenz zeigt und dann ständig anderswo in unbekanntem Umfeld ist, dann ist klar, dass man bald den Überblick verliert und sich nicht orientieren kann.
Auf der anderen Seite ist es natürlich schön, dass er das in diesem Alter und mit diesem Problem überhaupt noch wagt.


Zu der Analogkamera der Mitreisenden habe ich noch eine Frage. Hatten die wirklich noch Rollfilme mit oder einfach die Kleinbildpatronen (bei denen das Filmmaterial ja auch aufgerollt ist). Richtige Rollfilme wurden ja in Mittelformatkameras (Rollei, Mamiya, Hasselblad und Co.) verwendet. Die waren ja ohnehin schon immer eher selten, aber sind nun ja echte Exoten geworden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand heute noch so 'ne Kamera mit auf Reisen nimmt.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter541 Beiträge · seit 201218. Juni 2020 ·
@BikeAfrica

Hallo Wolfgang,
zunächst vielen Dank für Deine netten Worte und für die „Blumen“. Danke.
man konnte sich manchmal schämen, dass man zu dieser Gruppe gehörte.
So weit war es Gott sei Dank nicht. Unterm Strich ging es eigentlich. Ich hatte vor der Buchung auch die allerschlimmsten Befürchtungen.
Andere kamen nie pünktlich oder haben keine Gelegenheit ausgelassen,
Das hat sich eine Frau ein einziges Mal erlaubt. Daraufhin wurde sie vom Fahrer zusammengefaltet. Ob sie denn verantworten könnte, wenn wir die nächste Fähre nicht kriegen und ihretwegen 3 Stunden warten müssen. Das muss wohl gesessen haben.
dass es eine Reise im Billigsektor war und die entsprechende Kundschaft anzog.
Das war bei uns nicht der Fall. Im Gegenteil, Aber gerade die, die meinen etwas Besseres zu sein, sind manchmal die Schlimmsten.
Mir tut der etwas desorientierte ältere Herr ein bisschen leid. So richtig viel wird er von der Reise nicht gehabt haben
Ich glaube, dass er ganz bewusst die Dinge und die Personen wahrgenommen hat. Und auch unter dem Strich die Reise genossen hat. Zumal sich ab dem 3. oder 4. Tag fast alle Grüppchen um ihn gekümmert haben und ihn zum Mitgehen animierten. Auch abends hatte er immer Gesellschaft. Entweder beim Essen oder Spaziergang.
Außer vielleicht angenehme Gesellschaft, die ihm im Alltag möglicherweise (oder eher wahrscheinlich) fehlt.
Da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Er hat uns viel aus seinem Privatleben erzählt.
Zu der Analogkamera der Mitreisenden habe ich noch eine Frage. Hatten die wirklich noch Rollfilme mit oder einfach die Kleinbildpatronen (bei denen das Filmmaterial ja auch aufgerollt ist
Es waren die „Kleinbildpatronen“. Das habe ich falsch formuliert. Aber eine ganze Reisetasche voll?? Das sah schon drollig aus 😄

Alles Gute und liebe Grüße
Dieter
Themenstarter541 Beiträge · seit 201218. Juni 2020 ·
Tag 8

Nachts wurde ich wach und musste kurz in Bad. Die Sonne schien in mein Zimmer. Wie spät ist es denn? Ein Blick auf die Uhr – es war 3.30 Uhr und taghell. Klar, am Polarkreis scheint im Sommer die Sonne rund um die Uhr.

Ich hechtete zurück ins Bett und schlief auch tatsächlich noch mal ein.

Es war ein traumhafter Morgen. Der Himmel war fast wolkenlos. Um 5.50 Uhr kam ich endlich mal wieder früh vor die Tür und ging zunächst runter zum Fluss, um die Jätkänkynttilä - Brücke abzulichten. Das soll das neue Wahrzeichen von Rovaniemi sein. Auf dem Weg zur Innenstadt kam mir Bernhardine entgegen. Eine kurze Begrüßung und dann ging jeder seiner Wege.

Nach ein paar Runden durch die Fußgängerzone war ich zum Schluss pünktlich zum Früh-stück im Hotel.

Auch hier im Hotel war Weihnachten allgegenwärtig. Auf den Fluren standen Nikoläuse. Unter im Foyer befand sich ein ziemlich großer direkt neben dem Fahrstuhl. Es gab einen kleinen Shop der randvoll mit Weihnachtsartikeln war. Santa Claus in jeder Größe, Elfen, Rentiere und sonstiger Weihnachtsschmuck. Selbst die Taxi-Haltestelle vor dem Hotel machte Werbung für den Nikolaus.

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Der heutige Tag war relativ ereignislos. Heute hieß es nur: Kilometer machen! Es dürften insgesamt so rund 450 Kilometer gewesen sein.

Wir brachen Richtung Inari-See auf. Außer einer traumhaften Landschaft bot die Strecke nicht viel Interessantes. Unterwegs wurde noch ein Bordfilm über die Samen gezeigt. Samen oder auch Sami, das sind die Ureinwohner Skandinaviens. Der Film zeigte einiges über die Herkunft dieses Volkes, über deren heutige Lebensweise und Kultur. Unter‘m Strich war der Film sehr lehrreich und gleichzeitig eine willkommene Abwechslung.

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Nach zwei mehr oder weniger langen Pausen erreichten wir um kurz nach eins den gut 400 m hohen Kaunispää. Nun legten wir einen längeren Stopp ein. Das Restaurant Huippu war gut sortiert. Man konnte komplette Mahlzeit bekommen. Oder nur Salat oder Pizza. Ich bestellte mir eine Pizza. Ein bisschen zu schnackeln, ein bisschen zu trinken – so konnte man es auf der Terrasse ertragen. Die Sonne knallte vom Himmel. Das war totales Urlaubsfeeling.

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Kurz darauf setzte sich Hille mit Kaffee und Kuchen bewaffnet zu mir. Wir unterhielten uns ganz nett. Eigentlich war sie eine ganz sympathische Frau. Lange hielt sie es aber nicht bei mir aus. Das lag aber nicht an mir. Es war ihr in der prallen Sonne einfach zu warm.

Vom Kaunispää bietet sich ein toller Ausblick auf die Umgebung und den Nationalpark. Hier oben gibt es einen Sessellift, der aber nur in den Wintermonaten betrieben wird. Ein paar Ferienhäuschen stehen in unmittelbarer Nähe.

Während der Weiterfahrt spielte Sören eine Musik-CD mit Gesängen der Samen über die Bordanlage ab. Der Sound war sehr gewöhnungsbedürftig; nach zwei Liedern klang es sogar richtig gut. Als Sören nach ein paar Songs die Musik stoppte, riefen sofort einige: „weiterspielen“.

Dann kamen wir am Samen Museum am Inari-See an. Das Siida Museum ist ein modernes Gebäude. Innen gibt es ein Restaurant, einen Souvenirshop und natürlich das eigentliche Museum. Hier werden Werkzeuge für Fischfang und Jagd, jede Menge Fotos und Zeichnungen gezeigt. Es bietet einen Einblick in die Tradition und Kultur der Sami. Aber auch auf die Natur im nördlichen Lappland wird hier eingegangen. In den Außenanlagen stehen mehrere Gebäude, die originalgetreu aufgebaut und eingerichtet waren. Alles in allem war es ein gelungener Besuch.


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Den anstrengenden Tag schloss die letzte Tagesetappe bis Karasjok ab. Je weiter wir vorankamen, desto schlechter wurde das Wetter. Es bewölkte sich immer mehr und es wurde diesig. Karasjok liegt wieder auf norwegischem Boden. Die Grenze hatten wir ohne Probleme passieren können. Hier galt es erneut die Uhren umzustellen. Das Übliche: Vorwärts? Rückwärts? Genau!

Das Hotel war auch gut. Die Zimmereinrichtung hatte ein wenig von IKEA. Aber das war für mich voll in Ordnung. Der Raum war sehr groß und das Bad sauber. Ich habe mich hier richtig wohl gefühlt.

Das Hotel verfügt zwar über ein Hauptrestaurant; gegessen wurde heute Abend jedoch im ausgelagerten Gammen Restaurant. Bis dahin waren es zwei oder drei Minuten zu laufen. Dieses Restaurant ist mehr oder weniger ein Rundbau, der komplett aus Holz und Torf gebaut wurde. Das Gebäude hat ein Kuppeldach, welches voll begrünt ist. Innen war es sehr rustikal. Baumstämme dienten als Sitze. Es gab Eintopf. Gekocht wurde bei offener Flamme. Daher war der gesamte Raum furchtbar verräuchert.

Heute ging ich mal ein wenig früher auf mein Zimmer. Ich musste dringend alle bisher gemachten Fotos auf mein Tablet sichern. Und mir dabei die Ausbeute ein wenig genauer betrachten.
zuletzt bearbeitet 18. Juni 2020
7’320 Beiträge · seit 200618. Juni 2020 ·
Papa Kenia schrieb:
Außer vielleicht angenehme Gesellschaft, die ihm im Alltag möglicherweise (oder eher wahrscheinlich) fehlt.
Da triffst Du den Nagel auf den Kopf. Er hat uns viel aus seinem Privatleben erzählt.

Ja, Einsamkeit im Alter ist in unserer Gesellschaft leider ein großes Problem.
Da hat sich unsere Gesellschaft leider in eine falsche Richtung entwickelt.
Zu der Analogkamera der Mitreisenden habe ich noch eine Frage. Hatten die wirklich noch Rollfilme mit oder einfach die Kleinbildpatronen (bei denen das Filmmaterial ja auch aufgerollt ist
Es waren die „Kleinbildpatronen“. Das habe ich falsch formuliert. Aber eine ganze Reisetasche voll?? Das sah schon drollig aus 😄

Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Ich habe früher auch so 50 Filme mitgenommen auf 'ne Reise. Die haben aber noch in eine Bauchtasche gepasst und trotzdem musste ich manchmal am Flughafen zur Sprengstoffkontrolle.
Aber 'ne ganze Reisetasche voll … schon kurios.
Wenn man alleine die Kosten für Filme und Entwicklung betrachtet und im Falle von Diafilmen noch die Zeit fürs Rahmen, dann lohnt sich ja bereits vor einer solchen Reise der Umstieg auf ein digitales System.

Mir widerstrebt es auch immer, funktionierende Gegenstände wegzuwerfen und ich habe selbst noch drei analoge Spiegelreflexkameras, aber benutzt habe ich die seit mindestens 15 Jahren nicht mehr.
Aber diese Kameras würden noch funktionieren, weil sie ohne Spezialakkus auskommen. Sie funktionieren mit Mignonzellen, heute noch gängigen Knopfzellen und eine funktioniert auch komplett mechanisch ohne Strom. Die kann man zur Not auch hernehmen, wenn man die Heringe ohne Hammer nicht in den Boden bekommt. 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter541 Beiträge · seit 201219. Juni 2020 ·
Hallo Wolfgang,
Wenn man alleine die Kosten für Filme und Entwicklung betrachtet und im Falle von Diafilmen noch die Zeit fürs Rahmen, dann lohnt sich ja bereits vor einer solchen Reise der Umstieg auf ein digitales System.
Ihr Mann fotografierte digital. Sie weigerte sich, diesen Umstieg mitzumachen. Altersstarrsinn? 😉 😛
Trotzdem kann ich es verstehen. Ich wehre mich bisher erfolgreich mit Händen und Füßen gegen Smartphones. 😄

Ich wünsche Dir ein sonniges Wochenende!

LG
Dieter
7’320 Beiträge · seit 200620. Juni 2020 ·
Papa Kenia schrieb:
Wenn man alleine die Kosten für Filme und Entwicklung betrachtet und im Falle von Diafilmen noch die Zeit fürs Rahmen, dann lohnt sich ja bereits vor einer solchen Reise der Umstieg auf ein digitales System.
Ihr Mann fotografierte digital. Sie weigerte sich, diesen Umstieg mitzumachen. Altersstarrsinn? 😉 😛
Trotzdem kann ich es verstehen. Ich wehre mich bisher erfolgreich mit Händen und Füßen gegen Smartphones. 😄

Du wirst es kaum glauben, aber ich habe privat auch kein so 'n Ding, obwohl ich im IT-Bereich arbeite.
Ich stelle auch im Büro sogar die Infrastruktur für das ganze Zeug zur Verfügung, aber privat sehe ich für mich persönlich keinen spürbaren Nutzen. Würde ich regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, hätte ich so ein Ding aber schon längst. Wenn ich auf Dienstreisen in der Vergangenheit die Bahn genutzt hatte, klappte ja zu 80% keine Anschlussverbindung. Da war aber immer ein Kollege mit so 'nem Gerät dabei und dann durfte der halt die alternativen Verbindungen raussuchen.

Ansonsten war mir noch kein Anwendungsfall so wichtig, mir so ein Ding anzuschaffen.

Ich würde aber auch am liebsten noch ein Auto ohne Servolenkung, Bremskraftverstärker und synchronisiertem Getriebe fahren. Mit Zwischenkupplung und Zwischengas macht Autofahren viel mehr Spaß. Stau ist nur hinten blöd. Vorne geht's … 😉

Ich bin schon auf Deinen nächsten Teil des Berichts gespannt.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...