BurschiThemenstarter4’143 Beiträge · seit 200912. Juni 2019 ·
Wir verließen die Etoscha gegen Mittag und auf dem Weg zum Waterberg wollten wir aus nostalgischen Gründen noch einmal im Etoscha-Cafe´in Tsumeb einkehren. Aber wir fuhren vergeblich die Hauptstraße ab, das nette kleine Cafe´existiert nicht mehr. 🙁 🙁 Dann wollten wir wenigstens noch einen Happen in Otjiwarongo im neuen Kameldorn Cafe´in der Bahnhofstraße zu uns nehmen. Wieder "Denkste!" Ich hatte nicht bedacht, dass an diesem Tag Sonntag war und zwar die Supermärkte offen haben, nicht aber die Restaurants. Und Wimpy oder dgl. sind nicht unser Ding. Also ging es direkt weiter zur Wabi-Lodge am Waterberg. Doch die beiden Abstecher hatten zu viel Zeit gekostet und so kamen wir an, als gerade der Gamedrive wegfuhr. 😈 Das war dann die nächste Enttäuschung. Und die übernächste folgte zugleich. Wir hatten beim letzten Mal einen tollen Sundowner-Gamedrive zu sechs Breitmaulnashörnern. Von denen ist keines mehr da. Zwei wurden gewildert und die anderen vier wurden auf einer sichereren Farm versteckt. Sehr traurig! Einige Fomis haben ja im letzten Jahr einen Kalender von mir erworben. Das Oktoberbild zeigt eines der beiden Nashörner, die gewildert wurden. 🙁 🙁 Die Wabi-Lodge am Waterberg war einst eine Jagd-Lodge, ist aber nun eine Farm-Lodge, auf der sich einiges erleben lässt. Die einzelnen Chalets sind sehr groß und großzügig eingerichtet und enthalten alles, was Burschi (Schreibtisch, Kühlschrank, Bett) braucht und haben eine schöne kleine Terrasse mit Blick zu einem Wasserloch,
Die gesamte Anlage ist unter großen Bäumen, die auch bei Hitze Schatten bieten. Ein Pool, der stets sauber und kühl ist, sorgt für Erfrischung.
Hier kann man es auch aushalten, wenn man einfach nur relaxen will. Im Garten laufen eine größere Zahl von Pfauen herum, die das Hobby der Hausherrin sind. Man kann sehr gut Vögel beobachten, doch ich habe mich mal anderen Tieren gewidmet: Der Monarch-Falter kommt regelmäíg zu den Blumen im Garten.
Der Papilio ist schon seltener und als schneller Flieger nicht so leicht zu fotografieren.
Am nächsten Tag - nach ausreichend Entspannung - kamen wir dann doch noch zu unserem Gamedrive. Und hier möchte ich noch einmal ein Vogelkapitel anfügen:
Eine Rotschopftrappe überquerte den Airstrip, über den die Lodge auch verfügt.
Kaum zu sehen war ein Pärchen der Triele, die flach unter einem Busch lagen.
Auch schwer zu entdecken waren der Kronenkiebitz und das Sandhuhn, die flach am Boden auf ihren Nestern lagen und Eier bebrüteten. Der Termitenschmätzer aber war genau da, wo er hingehört, auf einem Termitenbau.
Die beiden Nimmersatte konnte ich kurz vor dem Sundowner an einem Damm aufnehmen.
Mit dem Sundowner werde ich dann morgen den Aufenthalt auf der Lodge und auch den Reisebericht abschließen. Bis dahin, schönen Tag: Burschi
BurschiThemenstarter4’143 Beiträge · seit 200913. Juni 2019 ·
Zum letzten Mal "Guten Morgen" im Bericht: Wir waren ja beim Sundowner Gamedrive auf Wabi am Waterberg. Da gab es noch einiges zu sehen:
Da war zunächst einmal dieser schöne Blessbock. Er war nicht allein.
Und noch ein schöner Bock! Nein, ich habe keinen "Bock geschossen" und ein falsches Bild hier eingefügt. Es ist eine männliche Lechwe-Antilope. Sie kommen normalerweise in den Überschwemmungsgebieten vor, aber auf Wabi kann man eine Herde davon, meist in unmittelbarer Nähe beim Wasserloch an der Lodge, sehen. Und dann noch:
Ja, richtig! eine kleine Herde Flusspferde in einem künstlich angelegten Damm, die am Ende des Gamedrives einige Ballen Futter bekommen und so in unmittelbarer Nähe der Touristen, die derweil ihren Sundowner schlürfen, ihr Abendessen einnehmen. Sie scheinen sich doch recht wohl hier zu fühlen, denn es gab vor kurzem sogar Nachwuchs.
Und damit wäre wir am Ende des Gamedrives auch beim Nachdenken angelangt. Uns hat es in Wabi sehr gut gefallen, aber Blessböcke, Lechwe, dazu Schwarze Gnus und auch Hippos in der Trockensavanne am Waterberg? Und in der Nähe des Farmhauses noch eine kleine Herde von asiatischen Wasserbüffeln!? Eigentlich alles Tiere, die hier nicht hergehören. Aber warum das? Die Eigentümer von Wabi haben die Jagdfarm abgeschafft, andere schaffen wegen der Wilderei die Rindderfarm ab und machen eine Jagdfarm daraus. Wie will man im trockenen Namibia im Konkurrenzkampf zwischen den immer mehr werdenden Lodges überleben? Man muss etwas bieten, man müsste ein Alleinstellungsmerkmal haben! Und so wird eben auf den Game-Auktionen eingekauft, was vier Beine hat und was der Nachbar möglicherweise nicht vorzuweisen hat. Ich kann mich noch gut erinnern als vor vielen Jahren dieser "Wettbewerb" mit den Wasserböcken begann, die man mittlerweile auf fast jedem Gamedrive sehen kann. Auch auf der Auob Lodge in der Kalahari und natürlich auch auf Wabi. Der "Abschuss" für mich war im letzten Jahr in Südafrika, wo die halbe afrikanische Tierwelt an einem großen Wasserloch an einer Autobahnraststätte versammelt war. Ist eine Namibia-Reise heute ein Besuch in einem riesigen Safari-Zoo? In dem man die Big Five garantiert bekommt, weil man sie mit Sendern aufspüren kann. Sendehalsbänder in jeder Tiergruppe? Afrika versammelt auf 50.000 Hektar? (Erindi?) Wir könnten wahrscheinlch lange und trefflich darüber diskutieren, gleichwohl es gibt schlimmere Entwicklungen. Mit Oryx, Springbock, Gnu und Steppenzebra, selbst mit Giraffen, lässt sich heute eben kein zusätzlicher Toutist mehr anlocken. Aber ein Sundowner mit Weinglas in der Hand wenige Meter vor einem Hippo ist schon was Besonderes! Doch dabei gibt es natürlich auch Probleme. Man weiß kaum, wie man den Wasserstand im Damm halten kann, sollte sich die Dürre noch weiter ausweiten. Und der putzige Nachwuchs macht auch Probleme, denn es ist ein männliches Jungtier und das wird der Chef im Ring irgendwann nicht mehr dulden. Und dann wohin, wenn weit und breit keine Pfütze da ist? Trotz allem war es ein netter Abend mit zwei weiteren netten Paaren in einer kleinen Gruppe beim Sundowner auf Wabi.
Der Rest ist schnell erzählt. Wir fuhren über Okahandja nach Windhoek zurück, übernachteten noch einmal im Vondelhof Guesthouse, besuchten noch einmal die Schule, in der wir mit Spendengeldern eine Küche gebaut haben, nahmen auch hier in einer kleinen Feier Abschied und verließen am Abend wiederum in einer nicht voll besetzten AN-Maschine Namibia. Ja, ich gestehe! Ich habe sowohl bei der Fahrt zum Flughafen, als auch beim Blick aus dem Fenster im Flieger immer wieder heimlich über die Augen gewischt. Es war irgendwie unreal, dieses Land zum letzten Mal zu verlassen. Dieses Land, in dem ich so viele schöne Erlebnisse mit Tieren hatte, in dem ich so viele nette Leute kennen gelernt habe und echte Freunde gefunden habe, in einem Maße, wie ich sie hier in Deutschland verloren habe. Mir werden sie fehlen, die stillen Stunden am, Wasserloch in der Etoscha, die erhebenden Momente beim letzten Sonnenstrahl am Horizont, wenn man glaubt, es sei das Ende, doch man genau weiß, dass es am nächsten Morgen einen faszinierenden Tagesneubeginn geben wird. Und das in aller Stille, nur mit den Geräuschen der Natur. Aber das ist eben auch die Romantik, die immer mehr verloren geht. Selbst in dem tollen Chalet der Teufelskrallenlodge hörte man in der Nacht das leise Dröhnen der Fernlaster, die auf der B1 in Kalkrand vorbeifuhren. Ganz wie bei mir zu Hause an der A9. 😈 Und die stillen und erhabenen Momente auf den Lodges? Man muss sie suchen. ich würde nie mehr eine Gondwana-Lodge aufsuchen, obwohl ich sie fast alle kenne und früher sooo begeistert war, als Manfred Goldbeck angefangen hat. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit ihm auf der Kalahari Anib Lodge. Aber was ist daraus geworden? Massenunterkünfte, in denen mir die afrikanische Freundlichkeit vorgespielt wird wie in einem Theater. Und in den Städten? Hier beschleicht mich immer wieder ein Unwohlsein ob der gestiegenen Kriminalität. Hat mich doch eine nette Schwarze in der Independence Avenue darauf aufmerksam gemacht, dass man meinen Geldbeutel in der hinteren Hosentasche sieht! Danke! Nett! Aber ich konnte sie beruhigen, er ist mit einer Kette am Gürtel befestigt! Tachendiebstahl, Autoaufbrüche, Lodgeeinbrüche, Wohnungsaufbrüche usw. Ich erinnere mich noch sehr gut, als bei meinem ersten Namibia-Aufenthalt ein Farmer sagte: "Das Auto brauchst du nicht abzusperren, das klaut dir niemand!" Heute muss ich beim elektronischen Verschließen prüfen, ob kein Störsender das Verriegeln verhindert hat! Ja, damals! Damals hatte auch noch nicht jeder Arbeitslose ein Smartphone! jenes Ding, das unwiederbringlich ständig Geld vernichtet, das sich die meisten nur mit Kriminalität wieder besorgen können. Ja, Namibia ist anders geworden, aber nicht nur Namibia, sondern eben die ganze Welt. Doch auch schon meine Großeltern sagten: "Das ist nicht mehr unsere Welt!". Es scheint ein Wesenszug des Menschen zu sein, sich im Alter der Nostalgie zuzuwenden. Ich habe inden vielen Jahren in Namibia vom Kunene bis zum Oranje fast alles gesehen und vieles Schöne erlebt. Bei ca. 80.000 km in Namibia hatte ich nur einen einzigen Platten! Ich habe Namibia genossen und es hat mir die Augen für eine faszinierende ursprüngliche Natur geöffnet. Dafür bin ich unendlich dankbar, doch nun will ich weg. Vielleicht habe ich noch die Chance manch anderes Schöne woanders noch zu erleben. Es ist kein Abschied von Afrika, nur von Namibia (und vielleicht Südafrika?) aber nicht von Afrika! Die nächste Reise nach Ostafrika ist schon gebucht. Da gibt es noch Tiere, die ich noch sehen möchte. Und was ist mit meinen Freunden in Namibia? Abschied für immer? Eine allerletzte Option bleibt offen: Wenn meine Enkelinnen beim Anschauen der Fotobücher mich fragen: "Opa, kannst du uns das mal in Natur zeigen?" Ihr werdet es nicht erfahren, denn das war mein endgültig letzter Reisebereicht aus Namibia (nicht Afrika!). Viele liebe Grüße: Burschi
Berg-Eule2’060 Beiträge · seit 201313. Juni 2019 ·
Guten Morgen und danke für deinen etwas anderen Reisebericht mit erfrischend wenigen, aber umso schöneren Fotos!
Es tröstet mich ein wenig, dass man nach so vielen Besuchen in Namibia dennoch Wehmut empfindet, wenn es das letzte Mal war. Auch wenn wir erst viel später zum ersten Mal dort waren, kann ich in den wenigen Jahren und Reisen eine Entwicklung zum Schlechteren nachvollziehen, wie leider fast überall auf der Welt - und ich glaube nicht, dass das nur die Nostalgie des Alters ist, sondern eine Tatsache.
Was du über Gondwana schreibst, scheint mir dem Geschmack des großen Publikums geschuldet, es erwartet bestimmte Dinge in Afrika und ist nicht kritisch, wenn alles nur Illusion ist.
Euch wünsche ich noch viele schöne Reisen, und dass du die Tiere auf deiner Wunschliste noch zu sehen bekommst! 🙂
Liebe Grüße von Gabriele
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Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
Guten Morgen Burschi, vielen Dank für den persönlichen Abschiedsbericht. Wir bereisen die Region zwar erst seit 2008, aber auch in den letzten 10 Jahren war die ein oder andere Veränderung für uns sehr spürbar. Dein Blickwinkel war für mich einmal mehr bereichernd.
riesen großen Dank für deinen Bericht und die Schilderung deiner Gefühlswelt.
Ich bin beim lesen deines Berichtes sehr nachdenklich geworden und habe unsere letzten beiden Reisen und die damit erlebte Gefühlswelt, nochmals Revü passieren lassen. Hierbei habe ich für mich entschieden, dass Namibia heute für mich noch sehr faszinierend und oft auch magisch ist. Ich kenne es, nicht wie du bereiz viele Jahre, sondern erst ab 2016 und somit fehlt mir die Erfahrung zu vergleichen. Dies ist auch gut so, denn nur so, kann ich mich an diesem wunderbaren Land so sehr erfreuen. Ich denke es ist auch im Jahr 2020 noch möglich sich an, der Einsamkeit einer Nacht am Mirabib, dem traumhaften Anblick der Landschaft vom Gipfel eines Berges bei Orupembe, dem Anblick einer Giraffen Familie im Hoanib, der Schönheit eines Köcherbaumwaldes in den Naukluft-Bergen (ein Bild von der Landschaft hängt in meinem Büro) zu begeistern. Und auch Düne 45 hat noch immer Ihren Reiz, mit einer Flasche Rotwein auf dem Kamm, nur mit der Familie und einem gigantischen Sonnenuntergang, im warmen Sand zu sitzen. Wenn ich an diese schönen Momente denke bekomme ich ein komisches Gefühl im Bauch und Gänsehaut auf meinen Armen. So "schlecht" kann Namibia nicht geworden sein. Dieses Land bietet noch viele Möglichkeiten tolle Dinge zu erleben und die möchte ich nicht verpassen. Wenn deine Enkel mal deine Berichte lesen, wirst du schneller in der Etosha sein, als es du es im Moment planst.
.....und schönen Dank für den Bericht über einen Abschied der Dir offensichtlich nicht leicht fällt.
Als einer der erstmals in 1969 mit einem T2 VW Bus (wunderbare Bodenfreiheit!) durch (das damals noch gar nicht vorhandene) Sesriem den Tsauchab runter ins Sossusvlei gefahren ist, ganz allein im warmen Sand des Vleis unter riesigen Sternen übernachtet hat und dabei 3 Tage lang keinen einzigen Menschen ausser der mitfahrer gesehen hat, kann ich Deine Gemütslage gut nachvollziehen! Andererseits denke ich, wenn meine Gedanken in diese Richtung beginnen abzudriften, immer gerne an meinen Urgrossvater, der den neuen, stinkenden und lauten Autos nichts abgewinnen konnte und auf Pferdekutsche bestand. Ich fürchte es wird sehr schwierig sein die Grenze zwischen "gute" und "schlechte" Veränderungen objektiv festzustellen. Als einer der hauptsächlich von den grossartigen Landschaften Namibias begeistert ist, denke ich, dass diese uns bei der Bevölkerungsdichte und -verteilung Namibias noch lange erhalten bleiben werden.
Danke und liebe Grüsse, Ulli
P.S.: Bei der Wehmut die aus Deinem Bericht strahlt.....und.....bei den, bereits mit den Füssen scharrenden Enkelinnen, bist Du bestimmt bald wieder im "sonnigen Süden"!
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
Danke für Deinen Bericht, jetzt erst gelesen, mit der Sonne, aber ich glaube Du schließt zu schnell mit Namibia ab.
Mein Vater ist in den 50iger Jahren mit einem Brezel Käfer von Windhoek nach Johannesburg gefahren und hat neben der Straße übernachtet. Kann mich noch erinneren wie wir mit einem Mercedes Finntail regelmäßig in die Weihnachtsferien nach Kapstadt gefahren sind, danach mit einem W108. Oder Anfang der 70iger Jahre den Van Zyl's von West nach Ost, mit Legenden wie Ford F250, LR S2, Dodge, LC 45 usw. Das waren noch Zeiten, da habe ich gerade fahren gelernt, aber auch heute bleibt Namibia für mich das einzige Land wo man immer noch Ecken findet ohne eine Menschenseele zu sehen und das für Tage. Auch die großen Weiten machen das Land besonders. Ich denke da besonders an die Namtib Campsite, weit in die Wüste schauen mit einem Gin Tonic und der Sonne beim untergehen zu zusehen. Priceless. Möchte ich nie missen.
Du kommst wieder. 🤩
Best Regards
Adolf
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Slogan: Tread lightly, leave nothing but your foot prints!
ich gebe zu, ich musste mir soeben eine Träne von der Backe wischen. Vielen Dank für den lustigen, informativen und emotionalen Reisebericht. Ich fahre im August das 2. Mal nach Namibia, kann mir so gar kein Urteil erlauben und hoffe einfach, dass es mich so packt wie 2017. Was muss jemand empfinden, der 80.000km durch ein Land gefahren ist, das soviel Charme versprüht. Was muss jemand empfinden, der dann ganz leise - das war´s - sagt. Ich habe gerade Gänsehaut. Danke für den tollen Bericht.
herzlichen Dank für deinen interessanten Reisebericht und dein nachdenkliches und ehrliches Resümee!! Für mich, die Afrika erst vor kurzem als Reiseziel entdeckt hat, ist das sehr traurig zu lesen und es macht etwas wehmütig, denn natürlich weiß ich, dass ich "dein Namibia" so nicht mehr erleben werde. Das ging mir schon so, als ich den Thread "Afrika in den 70ern" oder so ähnlich, gelesen habe. Das ist die Crux, der "zu spät Kommenden". Wenn ich an besuchte Orte (meiner Sehnsucht) vor 35 Jahren zurückdenke und was daraus geworden ist, dann geht es mir ähnlich wie dir und es erfüllt mich mit Nostalgie, aber es ist auch der Grund nach neuen Ufern zu suchen und das hat durchaus auch was ! Denn das Leben findet ja "Heute" statt, auch wenn man - wie du schreibst- im "Alter" durchaus etwas nostalgisch wird.
Für jemand der Namibia noch keine 30 Jahre kennt, ist es trotz der Veränderungen ein ganz wunderbares Land. Die Weite hat mich schier umgehauen. Wir hatten viele Abende an denen wir uns allein auf dieser Welt wähnten und mich allein schon der Anblick des Sternenhimmels unendlich glücklich machte.
Du hattest viele wundervolle Momente in Namibia und die werden dich immer begleiten 🙂
Menschen, mit denen man lachen und weinen kann, sind die Menschen, die das Leben ausmachen.
Reinhard1951723 Beiträge · seit 201113. Juni 2019 ·
Hallo Burschi, vielen Dank für deinen Bericht und dein bemerkenswertes Resümee. Auch wenn ich deine Auffassung nicht in allen Punkten teile, jeder hat halt seinen Blickwinkel, ein sehr lesenswerter Bericht. Auch für "Ersttäter"!
Gruß
Reinhard
franzicke2’085 Beiträge · seit 201213. Juni 2019 ·
Hallo Burschi, danke für deinen Bericht und deinen besonderen Blickwinkel, aus dem du mit deinem besonderen Sinn für Namibia erzählst. Da ist sicher viel dran und trotzdem hängt sicher auch heute vieles von der eigenen Stimmung, den Erwartungen, den Begegnungen ab. Und sehr wahrscheinlich stimmt eben auch der Satz: alles bleibt anders. In diesem Sinne viele Grüße Ingrid
(wir waren mal kurz nacheinander in Tansania, jetzt lese ich, dass du eine Reise nach Ostafrika gebucht hast - wir auch. Wohin geht's denn für euch?)
HartmutBremen274 Beiträge · seit 201713. Juni 2019 ·
Moin Burschi, schöner Bericht, klasse geschrieben. Da ich 2016 das 1. mal in Namibia war, kann ich die Veränderungen nicht so nachvollziehen, aber selbst in diesen 3 Jahren hat sich vieles verändert. Gruß Hartmut
Hallo Burschi! Auch von mir ein herzliches Danke für Deinen Bericht. Die - zumeist negativen - Veränderungen, die Du für Namibia beschreibst, kann ich gut nachvollziehen, die sind wohl in jedem Urlaubsziel zu spüren. Mir ging es in jungen Jahren mit Griechenland so. Anfangs fuhren wir da noch aufs Geradewohl durchs Land, doch das wurde mit den Jahren auch immer "unschöner". Ich bin nun auch nicht der große Kenner des südlichen Afrikas, war aber auch schon dreimal in Namibia unterwegs, jeweils einmal einen Abstecher nach SA (KTP) und Botswana (Okavango Delta) inbegriffen. Klar, durch den zunehmenden Tourismus finden auch hier negative Entwicklungen statt, wie überall. Dennoch ist Namibia und Botswana für mich im Moment die Traumdestination. Dieses Erleben der Natur ist schon wirklich toll, finde ich!
LG Marcus
BurschiThemenstarter4’143 Beiträge · seit 200914. Juni 2019 ·
Liebe Fomis, vielen herzlichen Dank, dass ihr mitgelesen habt, vielen Dank für die netten, aufmunternden, verständnisvollen Kommentare, danke auch für manch kritische Anmerkung. Ich freue mich besonders, dass alles in einem Ton geschehen ist, der nie in irgendeiner Weise ausfallend ist, wie in manchen Threads schon geschehen. @ Netti, ja, danke, beim Lesen der Kommentare am Schluss hatte ich auch ein Tränchen abzuwischen, denn es hat sich gezeigt, dass ich mit meinen "nostalgischen" Gefühlen nicht alleine bin. @ Konni: Vielen herzlichen Dank dir als fleißige Leserin meiner Reiseberichte. Danke für das Schlussbild, das dann auch mein ganz persönliches Reisetagebuch, das ich immer schreibe, beenden wird. Ich habe schon spekuliert - und gehofft - welches Bild du nimmst. Aber musste es unbedingt das Sterbebildchen des Siedelwebers sein? 😄 😄 Sowas Trauriges? 😄 Naja, passt ja vielleicht! 🤩 (Keine Kritik!!!! sondern DANKE!) @ Ulli und Cruiser: Ich beneide euch um die noch früheren Erfahrungen in Südwest. Damals war es ja noch nicht Namibia! Leider haben mir zur damaligen Zeit noch das Geld, die Zeit und auch der Mut gefehlt, solche Reisen zu unternehmen. Da standen Familienurlaube in Ferienwohnungen mit den Kindern auf dem Programm. 😄 Auch schön! Ich würde aber auch heute nicht - obwohl das viel leichter ist, mit Kindern im Alter bis zu vier Jahren nach Namibia fliegen. Insofern schaue ich auch gerne auf unsere Urlaube in den Gebirgen zurück. @ Markus: Du hast völlig recht. Natürlich gibt es auch heute noch die Orte mit der gewünschten Stille. Ich wüsste auch wo! Aber: Da sind natürlich keine Lodges. Ich war früher auch zuerst mit Bodenzelt, dann mit Dachzelt unterwegs und habe die ganz stillen Orte am Kunene, im Hoanib, Hoarusib und Ugab besucht und es war ein wenig abenteuerlich, aber traumhaft. Ich erinnere mich noch gut an eine Fahrt von Ruacana nach Epupa, deren 100 km 11 Stunden gedauert hat. Schön, einsam, anstrengend. ABER: Heute schieben die Beschwerden im Rücken, dem Campen einen Riegel vor. Das alte Gerippe knackt und knarzt. Und wenn ich daran denke mit welchen Verrenkungen man manchmal ein Dachzelt wieder zusammenfaltet, dann schmerzt es schon in der Wirbelsäule. 😈 Und die langen Fahrten auf den Gravelroads sind auch kein "Genuss" mehr. Mit 50 denkt man an sowas noch nicht! 😄 Ich würde ja auch heute keine Alpenpässe wie den Bernina. Julier oder Maloja mit dem Rennrad fahren. Das ist vorbei. Seit diesem Jahr bin ich aufs E-Bike umgestiegen, und dabei wird es wahrscheinlich bleiben. 😄 @ Ingrid: Habe ja geschrieben, dass es kein Abschied von Afrika sein wird. Habe auch keine Angst, irgendwann vielleicht nicht mehr zurück zu kommen. Dafür liebe ich den Kontinent zu sehr. Aber ich möchte halt unbedingt noch meine geliebten Grevy-Zebras sehen und vielleicht die Rotschild-Giraffen und, und und ... Daher ist als nächstes Ziel mal Kenia anvisiert. Aber nicht die Hotspots der Touristenbranche, wie den Mara-Übergang! @ Markus: Völlig richtig! Veränderungen gibt es in allen Urlaubszielen. Ich war im letzten Jahr nach 40 Jahren mal wieder am Neusiedler See. Vögel gucken. Vor 40 Jahren gab es noch keine Autobahn nach Wien, jetzt eine sechsspurige Umgehung! Die Anfahrt dauerte damals 2 Tage! In dem Steinbruch , in dem wir Fossilien gesammelt haben, ist jetzt ein Openair-Festival -Gelände mit 6000 Plätzen. Ob ich da noch mal hinfahre? Auf keinen Fall aber mehr nach St. Moritz oder nach Obergurgl, wo die geldgierigen Alpenzerstörer Russen, Chinesen, Araber und sonstge Geldmaffiosi ins Land geholt haben und die Orte derart umgestaltet haben, dass es einem graust. Aber das gilt auch leider, wenn auch nicht im gleichen Maße, für meinen Heimatort. Ich meide inzwischen alle großen "Events" mit ihren "kulinarischen Meilen" und ohrenbetäubendem Lärm. In meinem Garten habe ich ein kleines Wasserloch, an das viele Vögel und auch Insekten kommen. Die können auch beeindruckend sein und wenn ich still bin, dann verlieren sie die Scheu und sind ganz nahe. Der Garten ist nicht groß, aber ich habe im Laufe eines Jahres immerhin 30 Vogelarten hier, ABER: Es kommt die kalte unwirtliche, auf den Geist und die Knochen gehende graue, kalte Jahreszeit. Da muss ich weg. Ich bin wahrscheinlich mal ein Zugvogel im früheren Leben gewesen. Dann wird es mich wohl wieder nach Afrika ziehen. Vielleicht dann nicht mehr auf eine Rundreise, sondern an einem schönen, stillen Ort, an dem ich mich am Abend bei schönen Naturgeräuschen - und einem Sundowner 😄 - in den Schlaf träume. Nochmals vielen Dank an alle, freut euch weiterhin an Namibia. viele liebe Grüße: Burschi
Danke für das Schlussbild, das dann auch mein ganz persönliches Reisetagebuch, das ich immer schreibe, beenden wird. Ich habe schon spekuliert - und gehofft - welches Bild du nimmst. Aber musste es unbedingt das Sterbebildchen des Siedelwebers sein?
Hi Burschi, auf was für ein Bild hattest du den spekuliert und gehofft? Ich kann es ja noch für dein persönliches Reisetagebuch umtauschen.
hab jetzt nochmal Dein "Schlusswort" gelesen und möchte mich bei Dir für diesen schönen Bericht bedanken. Ich hab Dir ja schon anfangs Deines Reiseberichtes gepostet, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Dein perfekt geschriebener Bericht hat ja hier viele Leute zum Nachdenken gebracht. Aber nicht nur Deine gefühlvollen Worte, sondern auch die vielen schönen Bilder waren eine herrliche Lektüre.
Nochmals Danke und viel Spaß bei Deinen weiteren Reisen - egal wohin. 😉
mit deinem sehr nachdenklich stimmenden Reisebericht hast du mir aus der Seele gesprochen. Als langjährige Namibia Reisende (11 Mal Namibia) hatte ich vor drei Jahren die Entscheidung getroffen, als Letzttäter noch einmal Namibia zu bereisen und Abschied zu nehmen.
Oft denke ich an den Beginn unserer Namibiareisen. Schon beim ersten Mal hatte ich mich in dieses Land verliebt und so wurde Afrika mein Lieblingskontinent und die Sehnsucht lässt mich bis heute nicht los. Die Stille und Weite dieses Landes. Die wunderschöne Milkey Way am Sternenhimmel, die Farben der Namib, die Wildnis des Erongo Gebirges, die Wüstenelefanten im Kuene. Nicht zu vergessen der tropische und touristisch unberührte Caprivi und der Etosha Nationalpark mit seiner Artenvielfalt und den Elefanten und Löwensichtungen.
Und doch hat sich mein Namibia verändert. Stille und Ursprünglichkeit sind nicht mehr selbstverständlich, man muss sie suchen. Standen damals drei bis fünf Autos um eine Raubkatze herum, verhindern heute Wagenkolonien von oft dreißig bis fünfzig Fahrzeuge die Sicht auf die Tiere und verschrecken diese häufig. Das ursprünglich gemütliche und beleuchtete Wasserloch von Halali und den anderen Camps wich einem Trubel mit teils lauten Stimmengewirr. Und die Sichtung der Big Five ist nicht mehr Kür sondern Pflicht. Notfalls bucht man sich eben in Erindi ein und wird bis auf fünf Meter zu den Löwen und Geparden gefahren.
Im Herzen trage ich Namibia immer bei mir. Ich wünsche dir, dass du in Ostafrika die Ursprünglichkeit findest, die du suchst und die dir Namibia über eine lange Zeit geben konnte. Ich bin in Uganda fündig geworden. Ich wünsche diesen wunderschönen Land, seinen letzten frei lebenden Berggorillas und seinen freundlichen Menschen, dass Ursprünglichkeit, Unberührtheit und Schönheit noch sehr lange bewahrt werden können. Afrika ist eines der letzten Wildnisse dieser Erde. Aber es ist auch sehr fragil in seinem Ökosystem. Mögen unsere Kinder und Kindeskinder eines Tages auch das unberührte und artenreiche Afrika kennenlernen, so wie es uns geschenkt wurde.