Unterwegs in den 1970er Jahren

552 Antworten · 100k Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von wernerbauer
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138 Beiträge · seit 201025. Nov. 2016 ·
Liebe Erika,

Welch einen seltenen Erlebnis- und Bilderschatz längst vergangener Zeiten habt Ihr euch da zusammen getragen !
Nochmals ein ganz dickes Dankeschön für diesen ungewöhnlichen "Unterricht" in jüngerer afrikanischer Geschichte.
Vielen Dank auch an toumtoum, BikeAfrica, leser und alle weiteren Schreiber, die diesen tollen Beitrag mit Leben füllen.

Mit freundlichen und nachdenklichen Grüssen

Manfred
7’351 Beiträge · seit 200626. Nov. 2016 ·
Hallo Erika,

Deine Erzählungen heben sich so wohltuend von vielen anderen ab. Nicht alles vorgebucht, keine GPS-Koordinaten, keine Infos vorab aus Reiseführern und dem Internet, sondern einfach drauflos gefahren. Könnte man heute auch noch so machen, macht man aber nicht mehr.
Warum eigentlich?
Weil man genaue Tagesabläufe und Planungen braucht. Es gibt kaum noch spontane Leute.
Heute fliegt man nach Afrika, damit alles anders ist und fragt vorher, wo man all die Dinge bekommt, die man zuhause auch hat. Es muss unbedingt Nutella sein ... oder Kaffeesorte X und Nudelsorte Y. So ganz anders soll es ja dann doch wieder nicht sein ... 😉

Eure Begegnung mit den Pygmäen ist ein Erlebnis, dass es in dieser Form heute wohl nicht mehr geben kann. Zumindest trifft man sie nicht mehr im Vorbeifahren am Straßenrand. Und die Bemerkung ...
Erika schrieb:
Kurz gefasst sagte er scheints, dass wir von einer anderen, ihm unbekannten Welt seien und dass er unseren Häuptling ganz herzlich grüssen lasse 🙂 .
... trifft ja in dem Moment auf beide Seiten zu. Deshalbt bleiben solche Erlebnisse ja auch so stark im Gedächtnis verhaftet.
Für euch war die Begegnung ja ebenso das Erleben einer "fremden Welt" wie für die Pygmäen. Die Neugier ist dann ja immer auf beiden Seiten und das macht es so spannend.

In den "lebenden Museen" von heute (mal als Beispiel) ist die Neugier nur noch auf einer Seite vorhanden. Für die Touristen ist die Begegnung neu. Für die "Darsteller" ist es jeden Tag der gleiche Ablauf. Das ist keine Begegnung mehr, wie ihr sie erlebt habt.


Ich habe vor knapp 15 Jahren mal zufällig traditionelle Totenfeiern in Kamerun und Ghana miterlebt oder vor wenigen Jahren ehemalige Kindersoldaten in Sierra Leone getroffen und mich ebenfalls gefühlt, als wäre ich in einer anderen Zeit. Man kann solche Dinge auch heute noch erleben, aber es wird zunehmend schwieriger und man muss sich auf diese Begegnungen einlassen können.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2’338 Beiträge · seit 200726. Nov. 2016 ·
Hallo zusammen
Wie schön, dass ihr offensichtlich viel Freude an meinen Bildern habt 😁 😁 😁 .
Sie sind ja lange genug unbeachtet in der Versenkung gelegen.

Liebe(r)
KarstenB, Champagner, fotomatte, Logi, BikeAfrica, Botswanadreams, Graskop und Mannati

Euch allen ein grosses, herzliches DANKESCHÖN für eure Kommentare

Liebe Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
7’351 Beiträge · seit 200627. Nov. 2016 ·
Erika schrieb:
Wie schön, dass ihr offensichtlich viel Freude an meinen Bildern habt 😁 😁 😁 .
Sie sind ja lange genug unbeachtet in der Versenkung gelegen.
... ich habe gerade 'ne Idee, wer nächstes Jahr in Kronau 'nen Vortrag halten könnte. 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
319 Beiträge · seit 201227. Nov. 2016 ·
Wirklich tolle Bilder von den Pygmänen. Was mir an den Bildern besonders gefällt, ist da0 die Menschen auch Stolz und Selbstbewusstsein ausstrahlen. Solche Begegnungen empfinde ich dann immer für beide Seiten als bereichernd - man tritt sich eben auf Augenhöhe gegenüber. Oftmals verlieren solche ursprüglich lebenden Stämme ihren Stolz, weil irgendwie ihnen vorgeführt wird, daß sie ärmlich leben.
Solche Begegnungen werden immer weniger - sind aber noch möglich. Da fallen mir die Tepes in Uganda zum Beispiel ein. Faszinierend die Lebensweise von diesen Menschen. Oder als ich durch die Danakil-Wüste geradelt bin und auf einer kleinen Krankenstation mitten inder Wüste wegen Sandsturm hängengeblieben bin - es wurden mehrere Tage. Wir sind zusammen in die Wüste gefahren um den Afar Polio und andere Impfungen zu geben. Dabei wunderschöne Momente erlebt - da habe ich sogar aufs Fotografieren verzichtet, um den magischen Moment nicht zu zerstören. Mit dem eritreischen Krankenpfleger stehe ich seit dieser Zeit im Kontakt - man kann richtig gut über Gott und die Welt mit ihm philosophieren.
Bei vielen Touren haben sich sogar die Begegnungen mit den Menschen mehr ins Gehirn eingeprägt, als irgendwelche Sehenswürdigkeiten.
Aber wie gesagt man muß offen sein, Zeit mitbringen und auch auf Komfort verzichten können und den Menschen auch das Gefühl geben, daß man sich nicht als etwas besseres fühlt - einfach auf Augenhöhe gegenübertreten.
2’338 Beiträge · seit 200727. Nov. 2016 ·
@Wolfgang, du schriebst:
... ich habe gerade 'ne Idee, wer nächstes Jahr in Kronau 'nen Vortrag halten könnte. 😉
Das kannst du gleich vergessen, bin gar nicht der Typ für öffentliche Auftritte 🙁 . Zudem kann man ja vieles in diesem Thread nachlesen 🙂 .

Hallo zusammen
Das Bild von Botswanadreams hat mir keine Ruhe gelassen. Habe nun mal zum Vergleich – um die Veränderungen aufzuzeigen - einige Bilder zusammengesucht, die alle in derselben Gegend in Uganda aufgenommen worden sind.

1FortP.-Bundib.1971.jpg

Mein Bild von 1971. Hier sind die Berghänge noch nicht terrassiert worden und grösstenteils unbepflanzt und die Pass-Strasse ist in einem guten Zustand.

BildChrista.jpg

Botswanadreams Bild von 2014. Fast jeder Meter wurde abgeholzt, terrassiert und durch Äcker ersetzt. Die Strasse wurde gemäss Christa von den Chinesen neu gemacht.

2FortP.-Bundib.2002.jpg

2002 Die Pass-Strasse ist durch den vielen Verkehr in einem schlechten Zustand

3Fort.P.-Bundib.2002.jpg

2002 Verkehrsstau am Pass. Unberührte Natur und Einsamkeit gehören bereits 2002 endgültig der Vergangenheit an.

Viele Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
zuletzt bearbeitet 27. Nov. 2016
1’739 Beiträge · seit 201027. Nov. 2016 ·
Hallo Erika

Hier nochmals die neue Passstraße - eine 1A Bergstrasse, sogar mit extra View Points.

P1030109.jpg


P1030110.jpg


LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
568 Beiträge · seit 201428. Nov. 2016 ·
Es gibt nicht so viele Zeitzeugen, die darüber referrieren könnten, wie sich das erlebbare Afrika in nur einer bis zwei Generationen radikal verändert hat.
Erika, ich verstehe deinen Standpunkt durchaus. Ich war auch nie der Typ, der sich öffentlich präsentieren wollte.
Dann ging es um Dinge, die eine Präsenz am Mikrophon erforderten und, siehe da, es lief!
Heute ist es nur ein kurzer Moment des Sammelns. Interessiert das Thema, ist alles gut.
Wenn nicht, kommts auf dich auch nicht an, dann läuft's halt nicht..
Bei dem, was du zu berichten hast, ist dir das Ohr des Publikums sicher.
Sympathien hast du ja bei den einschlägig Interessierten auch genug eingesammelt. Also nur zu!
zuletzt bearbeitet 28. Nov. 2016
2’338 Beiträge · seit 200728. Nov. 2016 ·
Hallo zusammen

Toumtoum schrieb:
Wirklich tolle Bilder von den Pygmänen. Was mir an den Bildern besonders gefällt, ist dass die Menschen auch Stolz und Selbstbewusstsein ausstrahlen. Solche Begegnungen empfinde ich dann immer für beide Seiten als bereichernd - man tritt sich eben auf Augenhöhe gegenüber. Oftmals verlieren solche ursprüglich lebenden Stämme ihren Stolz, weil irgendwie ihnen vorgeführt wird, daß sie ärmlich leben.
Du hast recht, auch wir waren überzeugt davon, dass die Pygmäen unsere Anwesenheit sehr genossen haben und wir waren natürlich stolz darauf, dass sie uns zu sich nach Hause eingeladen hatten. Das Ganze war so unglaublich natürlich und ohne jeglichen Hintergedanken, denn sie wollten wirklich nur unsere Gesellschaft. Dass dann sogar noch Tauschgeschäfte zustande kamen, war für beide Seiten extrem spannend.
Nach solchen Begegnungen ist es halt schwer, sich mit manchen organisierten Menschenvorführungen anzufreunden, wo sich die Leute extra für die Touristen einen Lendenschurz umhängen und eine einstudierte Show abziehen. Klar verdienen sie etwas, aber nicht nur sie, sondern auch so mancher Farm- und Lodgebesitzer plus Reiseveranstalter.

Botswanadreams schrieb:
Hier nochmals die neue Passstraße - eine 1A Bergstrasse, sogar mit extra View Points.
Danke Christa für die Bilder von der neuen Strasse. Sogar Leitplanken sind montiert worden. Das hat natürlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit früher.

Ich sage ja immer, dass man ihnen den Fortschritt nicht verwehren darf. Bei der Bevölkerungsexplosion müssen halt überall neue, bisher unberührte Gebiete erschlossen werden. Was mir persönlich viel mehr weh tut, ist der Anblick der abgeholzten Wälder bis hoch in die steilen Berghänge 🙁 .
Aber es stimmt schon was fotomatte sagt, bei uns sieht’s ja auch nicht gerade rosig aus. Jeden Tag verschwinden Grünflächen, aber wenigstens wird hier wieder aufgeforstet, was abgeholzt wurde.

Liebe Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
3’700 Beiträge · seit 200928. Nov. 2016 ·
Hi Erika,

du schreibst: Ich sage ja immer, dass man ihnen den Fortschritt nicht verwehren darf. Bei der Bevölkerungsexplosion müssen halt überall neue, bisher unberührte Gebiete erschlossen werden. Was mir persönlich viel mehr weh tut, ist der Anblick der abgeholzten Wälder bis hoch in die steilen Berghänge

Die alte Passstraße ist noch existent:
IMG_4392.JPG


Aber der als ach so schöne Wanderweg beschriebene Pfad durch den Semliki NP ist einer breiten schnurgeraden Schneise gewichen, auf welcher vermutlich mehr oder weniger illegal per LKW das ganze Tropenholz abgekarrt wird. Erhebende Naturerlebnisse oder Begegnungen hat´s dort nicht mehr!

Nachfolgend (man achte auf die Beschilderung) noch ein Foto der neuen Straße…
IMG_4395b.jpg


Herzlichen Dank für deinen nostalgischen Exkurs

und liebe Grüße von Marina und Jochen
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
2’338 Beiträge · seit 200730. Nov. 2016 ·
@Butterblume/Marina
Danke für deine Bilder und die Beschreibung dazu. Wir wissen jetzt, dass wir dort nicht mehr unbedingt hin müssen. Breite Waldschneisen, Holztransporter und abgeholzte Wälder - um das zu sehen müssen wir nicht erst so weit fahren.

Reise 1971 / Uganda

Nach unserem Besuch bei den Pygmäen nahmen wir wieder den Waldweg unter die Räder und fuhren immer weiter in Richtung kongolesische Grenze. Nachdem wir das Dorf Bundibugyo passiert hatten, wurde die kleine Piste immer schmaler, aber es ging noch gut vorwärts.

Mitten in einer Siedlung - wir waren glaube ich schon im Kongo gelandet - war dann Schluss mit lustig 🙁 . Eine bedrohliche, hasserfüllte Menschenwand bestehend aus lauter knapp bekleideten Finsterlingen kam uns mit Buschmessern und Knüppeln bewaffnet entgegen und jagte uns buchstäblich zum Teufel 🤢 .
Jaja, wir verpissen uns freiwillig, nicht dass die noch meinen, sie müssen uns zerhacken 😈 .


9FortPortal-Bundibugyo.jpg

Die Frau möchte absolut nichts mit uns zu tun haben 😐 .

So fuhren wir zurück nach Bundibugyo und verbrachten die Nacht im Garten eines kleinen Gästehauses, welches einem Inder gehörte. Ich weiss noch, wie sich der Inder freute, dass nun Idi Amin an der Macht war, denn er fand ihn viel besser, als den Vorgänger Milton Obote. Er wusste damals nur noch nicht, dass Amin 1972 ca. 60’000 Inder enteignen und diese - wie er sagte - “asiatischen Blutsauger” aus dem Land schmeissen würde 🙁 .

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass wir an allen unbedeckten Körperstellen voller roter Punkte waren. Es sah aus, als ob wir die Masern erwischt hätten. Ich war mir zuerst sicher, dass wir nun eine seltene Tropenkrankheit aufgelesen hatten 🙄 . Beim genaueren Hinsehen entdeckten wir jedoch auf unserer Haut unzählige, ganz kleine durchsichtige Blutsauger, die sich beim Zustechen sofort rot färbten. Die roten Stellen verschwanden nach einigen Tagen ohne dass es uns je gejuckt hat. Seltsam, gell.


10FortPortal-Bundibugyo.jpg

Diese schönen Kalebassen wurden in den späteren Jahren leider in ganz Afrika durch Plastikbehälter ersetzt.


Termitenbau.jpg

Hier kann man gut erkennen, wie wenig befahren bzw. ausgefahren damals die Erdpisten auf den Nebenstrecken waren.

ZZ.jpg

Gewitterstimmung Uganda.

Obwohl es bis jetzt vielleicht den Eindruck erwecken könnte, dass wir zu jener Zeit in Uganda relativ unbeschwert reisen konnten, war dem nicht immer so.

Wir bekamen unterwegs sehr wohl bruchstückweise mit, dass da etwas Unheimliches im Gange war, aber wie ich schon mal erwähnt habe, wurde uns das ganze Ausmass der vielen unfassbaren Gräueltaten mit ca. 250’000 bis 300’000 Ermordeten - und die Tatsache, dass wir ja sogar manchmal mitten drin steckten - erst bewusst, als wir wieder daheim waren und die Presse vom Völkermord durch Idi Amins Leute berichtete.

Ich erinnere mich immer noch voller Entsetzen an jene unheilvolle Nacht, als wir in einer kleinen Stadt auf einem von der Polizei zugewiesenen Grünstreifen neben der Strasse übernachteten. Eigentlich war es zuerst ganz friedlich dort, aber dann hörten wir aus einem lagerhausähnlichen Gebäude direkt gegenüber von uns unsagbar gequälte Schreie. Es war fast nicht mehr zum Aushalten und hörte nicht mehr auf. Wir sahen ja nichts, aber es war ganz offensichtlich, dass in jenem Gebäude Menschen gefoltert wurden und unvorstellbare Qualen erleiden mussten. Sogar unsere Hunde verkrochen sich in die dunkelste Ecke unseres Fahrzeuges und zitterten am ganzen Leib. Was tun in so einer Situation? In der Dunkelheit weiterfahren war auch keine gute Idee. So legten wir uns zusammen mit unserem grossen Buschmesser ins Bett, drückten verzweifelt die Kopfkissen auf unsere Ohren und warteten sehnsüchtig darauf, bis es Tag wurde und wir endlich diesen Horrorplatz verlassen konnten.

Fortsetzung folgt...
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2’524 Beiträge · seit 200930. Nov. 2016 ·
Hoi Erika,

🤢 🤢 😵 😣 Das hat spätestens jetzt aber gar nichts mehr mit einer Fun Cruise zu tun. So gern ich manche eurer Episoden selbst erleben würde, auf diese hier kann ich gut verzichten. Trotzdem: es ist passiert, und so ist es gut, wenn du davon berichtest.

Danke!

Matthias
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
723 Beiträge · seit 201101. Dez. 2016 ·
Liebe Erika,
ich weiß gar nicht, wir ich dir meinen Respekt, für deine Art Afrika zu respektieren, ausdrücken soll. Viele würden wohl nach solchen Erlebnissen dem Kontinent für immer den Rücken zudrehen. Was ist das was dich davon abhält?
Neugierige Grüße
Reinhard
Gruß Reinhard
2’338 Beiträge · seit 200702. Dez. 2016 ·
Hallo zusammen
Danke für eure Kommentare. Uganda war wirklich ein Spezialfall und zeitweise war es uns gar nicht mehr geheuer dort.

Aber auf einer solchen Reise gibt es auch sonst immer mal wieder Tage, an denen man sich fragt, weshalb man sich das alles antut. Diese Gedankengänge hatten wir auch ab und zu auf unseren späteren Reisen. Dazu braucht’s keinen Krieg.

Fotomatte schrieb:
🤢 🤢 😵 😣 Das hat spätestens jetzt aber gar nichts mehr mit einer Fun Cruise zu tun. So gern ich manche eurer Episoden selbst erleben würde, auf diese hier kann ich gut verzichten. Trotzdem: es ist passiert, und so ist es gut, wenn du davon berichtest.
Wir sind da einfach reingeraten. Das Gute dabei war, dass die Aggressionen eigentlich nicht unbedingt gegen die Weissen gerichtet waren.

Reinhard schrieb:
ich weiß gar nicht, wie ich dir meinen Respekt, für deine Art Afrika zu respektieren, ausdrücken soll. Viele würden wohl nach solchen Erlebnissen dem Kontinent für immer den Rücken zudrehen. Was ist das was dich davon abhält?
Nach unserer Reise von 1971 haben wir eine lange Afrika-Pause gemacht und sind erst wieder 1986 dort hin geflogen (Namibia). In der Zwischenzeit waren die wenigen schlechten Erinnerungen verblasst und mehr oder weniger ist nur das Schöne geblieben.
Wir wissen jedoch, dass nun die beste Zeit Afrika zu bereisen vorbei ist, und aus unserer ehemaligen totalen Begeisterung ist nun eine Art Hassliebe geworden.
Wenn – aus welchen Gründen auch immer – der Tag kommt, an dem wir nicht mehr dort hin können, werden wir das ohne Bitterkeit akzeptieren.

Liebe Grüsse und vielen Dank auch an all die treuen Danke-Drücker und stillen Mitleser 🙂 .

Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
2’338 Beiträge · seit 200702. Dez. 2016 ·
Reise 1971 / Uganda

Unsere Reise durch Uganda führte uns danach von Fort Portal am Murchison NP vorbei nach Gulu und Lira.

LakeAlbert.jpg

Vermutlich am Lake Albert

Klaus,AlbertNP.jpg

Unser Klaus muss nach einem missglückten Offroad-Versuch von Peter ausgebuddelt werden. Der Käfer war ja schon ziemlich geländegängig, aber nicht in jedem Fall. Und eine Schaufel hatte er natürlich wegen Platzmangel nicht dabei 🙁 , der Schlaumeier 😎 .

Albertnil2.jpg


Albertnil5.jpg

Der Albertnil

Als wir gerade auf einer Brücke über den Nil standen, kam ein Militär-Lastwagen angefahren. Ein Mann stieg aus und herrschte uns an, sofort zu verschwinden, da die Gegend hier wegen “Gorillas” sehr gefährlich sei. Etwas später hat uns dann ein im Land lebender Schweizer erzählt, dass von dieser Brücke jeweils ganze Lastwagenladungen voll Menschen in den Fluss geschmissen und den bereits wartenden Riesenkrokodilen zum Frass vorgeworfen würden, weshalb es dort an der Stelle die grössten Krokodile von ganz Afrika gebe 🙄

Ach, ich könnte noch viele solche Geschichten schreiben, so z.B. von der blutverschmierten Brücke mit den 38 kopflosen Leichen im Fluss oder von den Schweizern, die zwei weisse Leichen in einem Fluss entdeckten und dies bei der Polizei gemeldet hatten, worauf sie auch plötzlich um ihr eigenes Leben fürchten mussten, da solche “Zeugen” total unerwünscht waren. Den Mann haben wir übrigens später in Nairobi nochmals getroffen. Seine Frau musste er dort in eine psychiatrische Klinik einweisen und er war gerade daran, den Heimflug zu buchen. Dabei hatten sie zuvor mit ihrem VW-Bus, dessen Motor wegen des Gerüttels scheints nur noch an einer einzigen Schraube hing, den ganzen Kongo unbeschadet durchquert, aber Uganda war dann doch zuviel für die Frau.


LiraShoppingstreet.jpg

Kleine Stadt in Uganda mit noch sehr wenigen Fahrzeugen.

In Gulu wünschte der Polizeichef, dass wir bei ihm im Garten übernachten, da er sich offensichtlich nicht mehr sicher fühlte und hoffte, dass ihn unsere Hunde bewachten. Besonders unser Schäferhund hatte es ihm sehr angetan, obwohl er sich nicht in seine Nähe traute. Der Mann wollte uns beide Hunde abkaufen, auch den kleinen Oskar, da er glaubte, dass dieser eines Tages auch so gross und stark werde wie unser Nero 😣 .

Gulu hatte ja traurige Berühmteit erlangt, als es bis noch vor einigen Jahren von Joseph Kony und seinen Banden terrorisiert worden ist. Derzeit scheint der Verbrecher aber in eines der Nachbarländer abgetaucht zu sein.

Allerdings haben wir von dort nicht nur bedrückende Erlebnisse:
Bevor ich einem älteren Mann ein Päckli Erdnüssli abkaufte, fragte ich nach dem Preis. Er sagte “Silling-Silling fifty”, also gab ich ihm einen Shilling fünfzig in die Hand. Er glotzte aufs Geld und rief vorwurfsvoll “no, Silling, Silling fifty!” 🙄 Also legte ich nochmals einen Shilling drauf und er zog zufrieden von dannen 😁 . Wir fragten uns danach, ob er das mit den Shillings aufzählen auch so genau hingekriegt hätte, wenn es teurer gewesen wäre 🤪 .

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LiraHotel3.jpg

Hotel in Lira

Lira.jpg

Lira

In Lira übernachteten wir im Garten eines von der dänischen Entwicklungshilfe finanzierten Hotels. Dort trafen wir an der Bar wieder auf den Schweizer mit seinen Horrorgeschichten. Er hatte uns schon mal unterwegs angehalten und vor der Situation im Lande gewarnt. Was er uns erzählte, war schon sehr happig, aber er musste es ja wissen, denn er kam im ganzen Land rum, da er für eine Schweizer Firma Hochspannungsleitungen verlegte.

Zusätzlich zu allem Ungemach gerieten wir noch in die Dollarkrise und konnten kaum mehr Geld wechseln. Da war es für uns höchste Zeit, nach einem Monat Uganda zu verlassen.

Nach diesen oft unschönen Erlebnissen möchte ich euch noch einen Mann vorstellen:

20UGDUgandanAlphorn(1).jpg

Ein Original von einem Strassenmusikanten mit seinem selbstgebastelten Blasinstrument.

21UGDUgandanAlphorn.jpg

Hier in voller Pracht. Er bringt zwar nur einen einzigen Ton heraus, aber der Rhythmus und seine dehnbaren Backen machten’s aus.

22UGDUgandanAlphorn.jpg

TIEF EINATMEN…..

23UGDUgandanAlphorn.jpg

……B L A S E N…..

Bis demnächst….
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
zuletzt bearbeitet 02. Dez. 2016
2’338 Beiträge · seit 200707. Dez. 2016 ·
Reise 1971 / Kenia - Abschied von Afrika

Da es uns in Uganda mit der Zeit immer mulmiger zumute wurde, fuhren wir relativ zügig nach Kenia weiter.
Die Ausreise war etwas chaotisch, aber wir schafften das und waren erleichtert, endlich im sicheren und zivilisierten Kenia gelandet zu sein.

Leider gibt’s von Kenia nicht viele Bilder, da Peter hier mehr gefilmt als fotografiert hatte.

KENAequator3.jpg

Hier stehen wir auf der Kisumu-Kakamega Road am Äquator

KENAequator1.jpg

Hier auch.

KENAequator2.jpg

Unsere VW-Busse am Aequator

KENEinfahrtnachNairobi1.jpg

Einfahrt nach Nairobi. Noch ohne das heutige abartige Verkehrschaos.

KENEinfahrtnachNairobi.jpg

Von diesen verkehrsarmen Strassen kann man heute nur noch träumen.

Der City Park in Nairobi war ein wichtiger Treffpunkt für alle Afrika-Fahrer. Hier traf man alte und neue Gesichter, tauschte sich aus, reparierte Autos oder genoss ganz einfach die gute Infrastruktur und die doch oft vermisste prima Versorgungslage.

KENNairobiCityPark.jpg


KENNairobiCitypark.jpg

City Park, Nairobi.
Leider habe ich kein Bild von den zahlreichen Afrika-Fahrern, die dort oft tagelang auf einem netten, ruhigen Parkplatz campten. Einen offiziellen Campingplatz suchte man damals vergeblich.

Geld gewechselt wurde wegen dem viel besseren Wechselkurs eigentlich fast nur auf dem Schwarzmarkt bei den Indern, das heisst einige wenige Male wurde das auch offiziell auf einer Bank gemacht - wegen dem Beleg, sollte man mal kontrolliert werden 😊 . Die “Agenten” der Inder quatschten die Touristen auf der Strasse an und dann folgte man ihnen in ein Hinterhofbüro, wo das Ganze relativ unkompliziert abgewickelt wurde. Aber (!) manchmal musste man seinen Pass vorweisen und so kam es, dass Peter entsetzt feststellen musste, dass selbiger verschwunden war 🤢 . Der Pass war weg 😠 ! Aber wo war er ihm abhanden gekommen? Wir konnten uns nur vorstellen, dass es an der chaotischen Uganda/Kenia-Grenze passiert ist. Glücklicherweise hatten wir am Tag zuvor auf einem Parkplatz in Nairobi den Schweizer Botschafter kennen gelernt, der uns wegen unseren Schweizer Nummernschildern angesprochen und seine Adresse hinterlassen hatte. Schweizer Männer im wehrpflichtigen Alter mussten sich eh hin und wieder auf den Botschaften melden und zudem war meistens Post von daheim für uns da. Also fuhren wir sofort zur Botschaft um den verlorenen Pass zu melden. Der nette Botschafter war ausgesprochen hilfsbereit, telefonierte mit Peters Heimatgemeinde und stellte innert kürzester Zeit einen neuen, handgeschriebenen Pass aus 😁 . Das ging unheimlich fix und völlig unkompliziert.

Das Problem war nur, dass im neuen Pass das Visum für Indien fehlte, welches wir ja schon im Vorfeld in Südafrika besorgt hatten. Also nix wie hin zur Indischen Botschaft, aber diese bestand darauf, dass wir als Schweizer eh kein Visum benötigten und uns deshalb das Geld sparen können. Der indische Botschafter liess sich nicht erweichen, er sagte das sei unnötig und fertig. Tja, und als wir dann in Indien landeten, hätten wir eben doch dieses verflixte Visum haben müssen…. 😈


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Rechts das Hilton Hotel in Nairobi 1971

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Das noch im Bau befindliche Kenyatta International Conference Centre

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Strassenzug im damals noch verkehrsarmen Nairobi mit dem noch nicht fertig gebauten Kenyatta International Conference Centre

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Nairobi

Wir kennen nur wenige, die damals in Kenia nicht beklaut wurden. So ist es auch uns mitsamt unseren Hunden passiert. Wir hatten unseren Bus auf dem Parkplatz im obigen Bild abgestellt und sind einkaufen gegangen. Als wir wieder zurück kamen, hat uns schon jemand von Weitem gewarnt, dass bei uns eingebrochen worden sei. Es war eigentlich ganz einfach. Die Typen haben mit Klopfen an die hintere Scheibe unsere Hunde nach hinten gelockt, während einer in der Zwischenzeit vorne ungestört den kleinen Seitenflügel aufgebrochen und Peters Kamera rausgefischt hat 😈 . Meine Kamera haben sie nicht erwischt, da sie bei der Aktion auf den Boden gefallen war 😛 .

Bekannte von uns haben in Nairobi einen säuberlich ausgeräumten Bus vorgefunden. Als sie zu ihrem Fahrzeug kamen, stand die Schiebetür sperrangelweit offen und ein körperlich Behinderter wollte sich gerade mit seinen Krücken und der letzten noch übrig gebliebenen Konservenbüchse davonmachen 😠 .

Oder die Engländer, deren VW-Bus mitsamt einem als Haustier gehaltenen Bushbaby geklaut wurde. Sie konnten ihr Fahrzeug nach einigen Tagen bei der Polizei abholen. Er war zwar leer geräumt, aber das Bushbaby war noch da.

In besonderer Erinnerung sind mir in Nairobi auch die Souvenirgeschäfte geblieben, wo man zu Papierkörben und Ständerlampen umfunktionierte Elefantenfüsse, und Aschenbecher aus Gorillahänden kaufen konnte 🤢 - falls man das schön und geschmackvoll fand 😵 .

Von Nairobi ging es dann nach Mombasa. Dass wir auf dem Weg nach Malindi einen Motorschaden hatten und wie der geflickt wurde, habe ich ja schon auf Seite 22 beschrieben.

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Unser läufiger Oskar mit Keuschheitsgürtel 😄 . Nero ist ganz fasziniert von dem betörenden Duft 😘 .


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Vermutlich auf der Fähre bei Mombasa

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Rechts der schöne, etwas verbeulte VW-Käfer von Klaus

Das ist nun das Ende meiner Afrika-Geschichte von 1971.

Irgendwann war dann der Termin gekommen, wo wir aufs Schiff nach Indien mussten. Die MS Karanja war ein ziemlich heruntergewirtschafteter Kahn mit einer versoffenen Mannschaft.

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Auf dem Schiff waren ca. 800 aus Ostafrika vertriebene Inder, die unten in einem Loch hausen mussten und 38 Passagiere, die in Kabinen wohnten. Das heisst, zuerst waren wir 36 Kabinenpassagiere aber nach zwei Tagen kamen dann zwei Deutsche aus dem Loch hervor, da sie es dort unten einfach nicht mehr ausgehalten haben, obwohl sie auf alles gefasst waren. Man hatte sie scheints schon beim Buchen gewarnt, aber dass es so schlimm werden würde, hatten sie sich einfach nicht vorstellen können. So zum Beispiel musste dort unten jeder sein Bett bzw. Schlafunterlage selbst mitgebracht haben. Wenn einer mal einen Platz erkämpft hatte, blieb er liegen, da der sonst sofort von jemand anderem beschlagnahmt wurde. Das hatte zur Folge, dass auch die Notdurft aus dem Bett heraus gemacht wurde 😵 , indem man einfach den Hintern etwas nach hinten verschob und hinaushängen liess 🤢 , oder so…. Naja, weitere Details erspare ich euch.

Indien war für mich nicht unbedingt angenehm zu bereisen. Nach wenigen Tagen sehnte ich mich nach Afrika zurück. Die Inder waren mir einfach zu aufdringlich und oft auch gegenüber uns Frauen extrem schamlos. Die Bevölkerung wurde 1971 auf 680 Millionen Menschen geschätzt und das Land war schon damals wie mir schien hoffnungslos überbevölkert Heute sind es glaube ich bereits über 1,3 Milliarden. Ich möchte gar nicht wissen, wie’s nun dort aussieht.

Verglichen mit Indien war Afrika ein Sonntagsausflug für uns.

Das wär’s jetzt gewesen. Danke vielmals für eure nette Begleitung und für euer Interesse. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, die ganzen Afrika-Erinnerungen aufzufrischen und die alten etwas verblichenen Fotos mit euch zu teilen.

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Liebe Grüsse
Erika
Meine Reiseberichte: 1971: Mit dem VW-Bus von Kapstadt bis Mombasa http://www.namibia-forum.ch/forum/132-reiseziele-tipps/197270-unterwegs-in-den-1970er-jahren.html?start=120 2013: Durch den wilden Westen Tansanias (Am Anfang war die Hülle) http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/278559-am-anfang-war-die-huelle.htm 2013: Nordmosambik, mal schön - mal hässlich + ein Stück Südtansania http://www.namibia-forum.ch/forum/150-diverses/279223-reisebericht-nordmosambik-mal-schoen-mal-haesslich.html 2014: Auf bekannten und unbekannten Pfaden durch Tansania http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282862-auf-bekannten-unbekannten-pfaden-durch-tansania.html 2015: Eine Reise wird zum Alptraum/Kenia http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/285693-eine-reise-wird-zum-alptraum.html
zuletzt bearbeitet 07. Dez. 2016
828 Beiträge · seit 201607. Dez. 2016 ·
Hallo Erika

Vielen Dank für die eindrücklichen Bericht. Viel lustiges und auch sehr viel bedenkliches hast du geschrieben. Ich muss immer lachen wenn sich hier Leute outen, dass sie vom Afrikavirus befallen sind. Das Flugzeug fliegt 8 Stunden über einen Kontinent wo Menschen in unsäglichen Slums vegetieren, wo eine ganze Generation an Aids weg stirbt, wo Menschen mit Macheten zerstückelt werden und jagt auf Albinos gemacht wird um ihre Knochen zu verkaufen...usw usw...aber das ist halt auch Afrika.

Indien war sicher ein Kulturschock, eine Art Dichtestress 🙂.... wäre sicher auch interessant zu sehen, wie sich das Büsli durch Indien und seine Bürokratie der 70er Jahre geschlängelt hat. Obwohl es ja heute viel harmloser ist. Ich kann ich mich an eine Begegnung vor 2 Jahren auf dem Airport in Bombay erinnern. Ein Schwarzer der vor mir den Airport verlassen wollte ist an einer Kontrolle der Imigration hängen geblieben 🙂 ...irgend ein Stempel (einer von etwa 10) auf einem Zettelchen hat ihm gefehlt, er war stocksauer... Ich hab gewitzelt..."hey keep cool man...it's like Afrika"... da hat er geraunt..."NO ITS 10 TIMES MORE WORSE" 😄
4’984 Beiträge · seit 201607. Dez. 2016 ·
Liebe Erika,

vielen lieben Dank für deine spannenden und informativen Reiseerlebnisse aus vergangenen Tagen;
es war ein großes Vergnügen diesen zu folgen!
Gruß Gina
4’388 Beiträge · seit 201507. Dez. 2016 ·
Liebe Erika,
sehr eindrücklich, spannend und interessant hast Du Eure Reise geschildert - ich danke Dir für diese Mordarbeit - auch Erinnerungsarbeit!
Viele Grüße
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
723 Beiträge · seit 201107. Dez. 2016 ·
Vielen Dank liebe Erika,
deine Schilderungen haben mich sehr beeindruckt und auch nachdenklich gemacht. Einige Dinge werde ich bei meinen zukünftigen Afrikareisen sicher aus einem anderen Blickwinkel sehen. Es ist eben nicht nur die Geschichte sondern auch solche Geschichten die mein Bild von Afrika prägen. Danke!
Gruß Reinhard
Gruß Reinhard