take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201222. Juni 2015 · #61
Vielen Dank an alle Mitreisende, Kommentarschreiber und Danke-Button-Drücker. Ohne euch würde es keinen Spaß machen, einen Bericht zu schreiben. 😄 😄
@ Alexa Vielen Dank für das Lob 😊 Ich tu mein Bestes, dass es gleich weitergeht.
@ Guggu Es freut mcih, dass es dir so gut gefällt. 😄
@ CuF Danke auch dir für den Kommentar. Dort wo ich die Route noch genau wusste, habe ich sie gerne eingestellt. Mir hatte dies bei meiner Planung enorm geholfen.
@ Champagner Richtig geraten Bele - das waren Giraffenspuren. Claudia hat aber auch noch andere nicht so freundliche entdeckt 🤩
@ Panther Schön dass es euch gefällt. Euer Reisebericht ist aber auch oberste Sahne.
take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201222. Juni 2015 · #62
07.05.2015 Durchs Kaokoveld nach Etambura
Claudia und Axel fahren früh los, da sie noch eine weite Strecke vor sich haben. Nach einer herzlichen Verabschiedung sind wir nun wieder alleine.
Wir gehen es gemütlich an, da unsere Strecke relativ kurz ist. Ursprünglich hatte ich zwar geplant durch die Flussbette von Hoarusib und Khumib nach Etambura zu fahren. Aber ich habe es verpeilt. 🤨 Und bis ich feststelle, dass wir uns auf der D3707 befinden, sind wir schon zu lange unterwegs und haben keine Lust umzukehren. Belohnt werden hierfür mit einer atemberaubenden Landschaft.
Aber auch mit der schrecklichsten Rüttelpiste, die wir bis jetzt gefahren sind. Hier wird buchstäblich die Milch im Magen sauer. 🤩 Man o man, was werden wir durchgeschüttelt. Teilweise sind schon rechts und links der Pad Spuren gefahren, welche wir dann auch nutzen. Dann ist es wieder angenehmer. Wir fahren also durch absolut karges, wunderschönes Nichts. Und dann taucht wie aus dem Nichts dieses Hinweisschild auf. Noch 1 km und 46 m bis zum Shop Nr. 1.
Wir müssen über die Meterangabe herzlich lachen. 😄
Im Shop Nr. 1 sorgen wir für Umsatz. Wir bekommen kalte Getränken und Corned Beef. Doch so richtig erfreut scheinen die Damen allerdings nicht zu sein, dass wir ihre Ruhe stören.
Wir setzen unseren Weg Richtung Etambura fort.
Und schon bald haben wir die „Auffahrt“ erreicht.
Natürlich fahren wir erst einmal zu den Unterkünften der Belegschaft. 🤨 Also wieder ein kleines Stück zurück. Ich hätte dies nie geschafft. Enge Wege, Abgrund … ein absoluter Alptraum für mich. 🤩 Doch für Jürgen ist dies kein Problem. An der Lodge hat sich unsere Ankunft schon herumgesprochen und wir werden herzlich von Maggi, Henry, Kahamba und … (habe den Namen leider vergessen) mit kalten Tüchern begrüßt. Für uns Camper, die die letzten 4 Tage in der Wildnis verbracht haben, ein ganz neues Gefühl. 🤪
Etambura ist eine Self-catering-Lodge und liegt wunderschön im Kaokoland. Der Ausblick von dort ist einfach unbeschreiblich schön.
Hier noch ein paar Bilder von der Innenansicht.
Von Maggi erfahren wir, dass Etambura zu 70% den hier ansässigen Himba gehört und zu 30% der Conservany. Wir sind etwas verwundert, dass uns Maggi begrüßt und nicht Coco, die Verwalterin, von der ich im Forum schon gelesen habe. Wir erfahren von Maggi, dass sie in der Babypause ist und sie, Maggi, hier ein wenig aushilft. Noch wissen wir nicht, welche Berühmtheit wir hier getroffen haben. Dies erzählt uns später Dan von Mavunje, dem wir nette Grüße ausrichten sollen.
Maggi, mit vollem Namen Margaret Jacobsohn, kam vor 30 Jahren in das Gebiet der Himba, um ihre Doktorarbeit über dieses Volk zu schreiben. Und sie blieb. Sie zeigt uns ein Buch über die Himba und erwähnt nebenbei, dass sie das Buch geschrieben hat. Gemeinsam blättern wir durch. Maggi erzählt uns, was die einzelnen Personen nun tun, dass manche schon selbst Familien haben, dass manche schon leider verstorben sind und und und…
Natürlich frage ich sie, ob sich hier in der Nähe ein Himba-Dorf befindet und ob wir eventuell eines besuchen können. Ja sicher gibt es ein Dorf. Es ist das Dorf von Kahamba, in dem seine Familie wohnt. Sie fragt Kahambo ob er uns in sein Dorf führen möchte. Und so kommt es, dass wir am gleichen Tag abends unsere erste Begegnung mit dem Volk der Himba haben.
Ich muss natürlich nicht erwähnen, dass Maggi perfekt Ovahimba spricht. Kahambo hingegen leider nur wenig englisch. Gegen Abend fahren wir also gemeinsam mit Kahambo in sein Dorf. Wir hatten vor unserer Tour oft darüber diskutiert, ob wir ein Himbadorf besuchen wollen oder nicht. Auf der einen Seite bin ich so fasziniert von den Menschen, auf der anderen Seite möchte ich a) nicht in einen privaten Raum eindringen und b) keinen Menschenzoo besuchen. So fahren wir gemeinsam mit Kahambo und mit gemischten Gefühlen in sein Dorf.
Uns eröffnet sich eine neue, eine andere Welt. „Nur wer mit offenen Augen und offenem Herzen reist, erlebt auch wundervolle Begegnungen.“
Wie in allen Dörfern, sind nur die Frauen und die Kinder anwesend. Die Männer arbeiten mittlerweile außerhalb. Damit ich den Menschen mit etwas Respekt begegnen kann frage ich Kahambo was „Hallo“ , „Wie geht es dir“ und „Mir geht es gut“ in seiner Sprache heißen. Ich merke mir aber nur „Hallo – moro“ und „mir geht es gut – nawa“ Fortan begrüße ich ich alle Himba, die uns begegnen mit den Worten: „Hallo, mir geht es gut“ 🙄 Somit wissen jetzt alle, dass es mir gut geht. 😄 Dies hat aber immer zu freundlichen Begegnungen geführt. Dieser Irrtum wurde erst ganz am Schluss unserer Reise durch das Kaokoveld aufgeklärt.
Kahambo redet mit den Frauen, woraufhin eine gewisse Betriebsamkeit ausbricht. Dann … die Moderne hat hier auch schon Einzug genommen … schließt seine Frau mit einem Schlüssel, den sie um das Handgelenk trägt eine Hütte auf und wir werden gebeten, einzutreten. Es folgt das übliche Ritual. Sie zeigen uns, wie sie sich mit der roten Paste eincremen. Meinen Fotoapparat habe ich natürlich dabei, aber ich mache keine Anstalten ein Bild zu machen. Kahambo fragt mich, ob ich nicht fotografieren möchte. Immer noch innerlich zwiespältig mache ich ein Bild. Zeige es der jungen Frau und sofort huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Der Bann ist gebrochen.
Leider können wir uns auf Grund der minimalen Englischkenntnisse von Kahambo nur wenig unterhalten. Mache Fragen beantwortet er nicht. Ich weiß nicht, ob er sie nicht verstanden hat oder ob er darauf nicht antworten möchte. Ich frage aus Respekt auch nicht mehr nach. Wir sind hier die Fremden.
Doch die Atmosphäre lockert sich. Die Frauen und Kinder versammeln sich vor der Hütte, nach und nach kommen immer mehr Frauen und Kinder hinzu.
Sie tanzen und lachen.
Die Frauen tragen ihren traditionellen Schmuck, der von Mutter zu Tochter weitervererbt wird und strahlen eine unwahrscheinliche Würde aus. Dagegen komme ich mir schon richtig klein und unscheinbar vor.
Von Maggi wissen wir, dass Himbas immer Halsketten tragen. Die dicken, weißen Ringe zeigen an, dass die Mädchen noch unverheiratet sind. Die traditionelle Frisur der Mädchen sind 2 Zöpfe, die nach vorne ins Gesicht fallen.
Die Kette die hier unter den Haaren hervorschaut, fixiert die Kette vorne, damit diese immer richtig sitzt. Hebt man diese Ketten an, merkt man erst was für ein Gewicht dieseFrauen so federleicht mit sich herumtragen.
Manche Kinder treten uns noch scheu entgegen, andere haben Spaß daran fotografiert zu werden.
Zum Schluss breiten die Frauen eine Decke aus und bieten uns ihren selbst hergestellten Schmuck zum Kauf an. Ich kaufe ihnen ein paar Ketten ab.
Wie sehr die Kultur im Wandel ist, sieht man auch daran, dass ein junger Mann vom Viehhüten mit dicken Kopfhörer und Walkman zurück ins Dorf kommt.
Tief beeindruckt von diesem Besuch fahren wir zurück zur Lodge. Tausend Fragen drehen sich in meinem Kopf. Nein, die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Und doch bin ich der Meinung, dass diese Menschen, obwohl sie die Moderne kennen, gerne ihr Leben weiter leben. Was ist gut, was ist richtig? Genug Gesprächsstoff für uns für den Abend. Wir sitzen am Feuer in der Lodge. Dann genießen wir den grandiosen Sonnenuntergang über dem Kaokoveld von unserem Balkon aus.
Ein beeindruckender Tag, gespickt mit vielen schönen Erlebnissen geht zu Ende.
Guggu2'262 Beiträge · seit 201122. Juni 2015 · #63
Liebe Dagmar, du schreibst mal wieder sehr berührend. Von Etambura träume ich auch, müsste aber ein Hubschrauber mieten 😣 Die Fotos von den Himbas sind wunderschön - und respektvoll.
Ich war am WE in Basel Dort ist gerade die ART Basel und de Stadt steht voller "Kunst"
Champagner8'698 Beiträge · seit 201022. Juni 2015 · #64
Ein tolles Foto!!! (Wobei ich das von Guggu zitierte auch sehr kunstvoll finde!)
Ich hätte dies nie geschafft. Enge Wege, Abgrund … ein absoluter Alptraum für mich.
Ehrlich gesagt: ich hätte nicht mal Beifahrerin sein wollen 🤩 Der Weg hat doch einen völlig unnatürlichen Neigungswinkel - da hätte ich bereits unten gezetert 🤢
Ansonsten: so kann ein Himba-Besuch also auch sein.... wie schön, dass es das noch gibt! 🙂
casimodo4'529 Beiträge · seit 200723. Juni 2015 · #65
Hallo Dagmar,
ich habe Deinen tollen Bericht jetzt noch einmal (den Anfang hatte ich schonmal) komplett gelesen und bin echt begeistert. So gerne hätten wir diese Tour auch einmal gemacht, aber aus verschiedenen (gesundheitlichen) Gründen haben wir das für uns abgehakt.
Zu viert mit Claudia und Axel war das bestimmt ein ganz tolles Erlebnis. Ich bin ja bekannterweise reiseberichtsatt, aber mit Euch mitzureisen macht echt Freude 😎
.........hoffe schon, dass in ETAMBURA der längst angekündigte Solarfridge in der Lounge
eingerichtet ist 🙂 🙂 😄 😄 🙂 🙂 für Euch Fridge-geschädigte Reisende nicht
zu unterschätzen 😄 😄 😛 🙂
ein deja-vue für uns in Etambura........
mit Grüssen,
BMW
Tinochika1'651 Beiträge · seit 201423. Juni 2015 · #69
Hallo Dagmar,
mit Deinem schönen Bericht und Fotos von Etambura weckst Du bei uns viele Erinnerungen wach. Wir müssen leider noch 10 Reisetage warten, bis wir auch dort sind 🙂 Ich bin schon neugierig, was ihr an Eurem zweiten Tag in Etambura so alles erlebt.
LG Hartwig
ONS LEWE BEGIN WAAR DIE TEERPAD EINDIG
Den Wolken zwei Tage voraus, Fiffi zeigt Tinochika Heimat, Rock and Roll mit Tinochika 2016, Tinochika, Waltzing Mathilda KTP 17,Mit Tinochika vom Kaokoveld in Löwenwelt,Tinochika mit dem Rollenkoffer,Tinochika, 32 Tage im KTP, Die Tinochikas! Hier parkste richtig.
La Leona2'779 Beiträge · seit 200723. Juni 2015 · #70
hallo take-offs es ist sehr schön an Eurer Reise teilhaben zu dürfen. Vieles verbindet uns: vorneweg ein ausgestiegener Kühlschrank vor Abreise ins Damaraland und Kaokoveld und schöne Erinnerungen werden wach vom Crowther Trail, den einsamen Tagen und Nächten in den Trockenflüssen, Etambura, die Community in Puros, und und und
Aber vorallem die Lust am wild campen und die Freude an den kleinen Wunder der hier so grossen Natur.
Es ist schön dass Ihr zu viert fahren konntet, neben netter Gesellschaft kann man vorallem die schwierigeren Streckenabschnitte einfach viel entspannter fahren und geniessen wenn man backup hat.
Ich freue mich auf die Fortsetzung La Leona
Gruss Leona
take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201224. Juni 2015 · #71
Es freut mich, dass ihr genauso viel Spaß und Gefallen an unserer Reise habt, wie wir sie hatten.
@ Guggu Vielen Dank für deine netten Worte. Es freut mich, dass dir der Bericht und die Bilder gefallen.
@ Bele
Ansonsten: so kann ein Himba-Besuch also auch sein.... wie schön, dass es das noch gibt!
Für uns stehen immer die Menschen im Vordergrund. Wir überlegen ob wir uns in umgekehrter Situation wohlfühlen würden. Wenn ja - dann ist es ok. Wenn nein - verlassen wir die Situation. Auf unseren Reisen haben wir schon viele unterschiedliche Menschen und Kulturen kennengelernt. Wir sind neugierig auf andere Kulturen, haben keinerlei Berührungsängste und sind immer offen etwas zu Lernen. Lachen und Freundlichkeit verbindet. Für die Himba im Kaokoveld hoffe ich, dass sie ihren Stolz und ihre Würde durch den Wandel der Zeit mitnehmen können.
@ casimodo
Ich bin ja bekannterweise reiseberichtsatt, aber mit Euch mitzureisen macht echt Freude
Das freut mich sehr, dass dir unsere Reise gefällt.
@ Eulenmuckel Danke für den netten Kommentar.
@ Applegreen 😊 Danke
@ BMW
hoffe schon, dass in ETAMBURA der längst angekündigte Solarfridge in der Lounge eingerichtet ist
Leider nicht. Wir durften den "Gemeinschaftskühlschrank" in der Küche benutzen. Die Küche soll demnächst ausgebaut werden.
@ Tinochika Relaxt - lieber Hartwig - haben wir am 2. Tag. Fast nur relaxt.
@ La Leona Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hatte vor Abreise deine Reiseberichte nochmals studiert. Du warst durch deine Hilfe nicht unbeteiligt, dass wir diese Strecke in Angriff genommen hatten.
take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201224. Juni 2015 · #72
08.05.2015 Etambura
Uns so schön die Sonne abends untergeht, so wunderschön geht sie morgens auch wieder auf.
Dieses Schauspiel können wir, für uns Camper ungewohnt, diesmal aus dem Bett bewundern! Wir haben uns für Etambura auf Grund der vielen begeisterten Berichte von euch entschieden. Und diese Entscheidung war goldrichtig. Denn nach 4 Tagen Wildnis tut auch eine richtige Dusche zur Abwechslung mal wieder richtig gut. 😗 Etambura ist wirklich ein Traum.
Da die letzten Tage doch sehr fahrintensiv waren, haben wir uns dazu entschlossen auf Etambura nur zu relaxen. Wir lassen Red drum, Red drum sein und bleiben einfach hier. Es muss ja schließlich noch einen Grund geben, nochmal in dieses absolut traumhafte Gebiet zu fahren. 😄
Heute wollen wir mit Henry eine Wanderung zu den Viehtränken der hier ansässigen Himba machen. Vorher erkundige ich mich noch bei Maggi, ob Sandalen als Fußbekleidung ok sind. Leider müssen wir uns schon jetzt von Maggi verabschieden, da sie und Garth sich auf den Weg machen, um die Zustimmung zu erhalten Gelder zu sammeln, womit dann erst die Küche auf Etambura ausgebaut werden soll. Danach ein eigenes Wasserloch und zum Schluss soll irgendwann ein Pool folgen. Der Pool ist in meinen Augen im Kaokoveld fehl am Platz. In einem Gebiet, in dem Menschen kilometerweit laufen, um an Wasser zu kommen, ist dies für mich nicht nachvollziehbar.
Die Wanderung mit Henry durch das unwegsame Kaokoveld zeigt uns die Schönheit der Natur noch einmal ganz anders. Henry, selbst ein Himba, kennt das Land natürlich wie seine Hosentasche. Er nennt uns jeden Baum mit Namen und erklärt uns, wofür dieser von den Himba verwendet wird. Die einen Bäume sind auf Grund ihres harten Holzes zum Bau der Hütten geeignet, andere dienen den Himba als Wasserquelle. Und obwohl ich mich botanisch etwas auskenne, habe ich alle Namen vergessen.
In der roten Sandfläche erklärt er uns, dürfen keine Tiere gejagt werden da sie hier keine Möglichkeit haben zu entkommen und so haben die Chiefs gemeinsam beschlossen, dass es eine jagdfreie Zone ist. Naturschutz nach Himbaart.
Auch wurde in Sichtnähe zu Etambura ein Krankenhaus gebaut, das nächstes Jahr in Betrieb genommen werden soll. Dies ist für die hier lebenden Menschen ein großer Fortschritt. Er erzählt und erklärt und nach ca. 1 Stunde kommen wir im Tal an.
Oh je, hier stehen die Kühe der Himba und warten darauf mit Wasser versorgt zu werden. Nun ist es so, dass ich gerne nach Afrika reise und wirklich nie ängstlich bin – aber vor Kühen habe ich Angst. Dies kann ich einem Himba natürlich nicht sagen. Dann wäre ich gleich unten durch. Also nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und schreite wie er und Jürgen mitten durch die Kuhherde hindurch. Steht mir eine im Weg, klatsche ich in die Hände, genauso machen es die Himba auch. Und siehe da … afrikanische Kühe sind anders.
Wir erreichen die Tränke. Es gibt 2 tiefe Wasserlöcher, die mit Ästen gesichert sind. In den Wasserlöchern stehen Baumstämmen, die als Leiter dienen. Normalerweise erklärt uns Henry, betätigen 3 Personen die Tränke. Der erste Mann steht ganz unten und schöpft das Wasser, gibt den Eimer dann weiter an die zweite Person, die in der Mitte steht und diese gibt den Eimer dann an die dritte Person weiter, die dann den Trog füllt. Die ersten 5 Kühe kommen dann zur Tränke. Ist der Trog leer, werden sie weggetrieben und die nächsten 5 Kühe kommen und das mühsame Wasserschöpfen beginnt von vorne.
Ich sitze alleine mit Henry am Wasserloch und vertreibe mir zwischenzeitlich die Zeit mit dem Fotografieren der vielen Vögel.
Jürgen sitzt etwas entfernt im Schatten eines Baumes. Dann bringt Henry mich fast etwas in Verlegenheit. „Wie wird denn bei euch zu Hause das Wasser gefördert“ möchte er wissen. „durch Windräder oder mit Pumpen“. Puh … da hat er mich aber auf dem linken Fuß erwischt. 😮 „Es kommt aus dem Wasserhahn“ wäre fast meine spontane Antwort gewesen. Doch ich besinne mich und erkläre ihm, dass es bei uns viele Flüsse und Seen gibt und daraus das Wasser gefördert wird. Mir wird wiedermal bewusst, wie wenig ich mich doch mit den Annehmlichkeiten unserer Zivilisation im Detail auseinandersetze.
Langsam wird es auch mir zu heiß und ich ziehe es auch vor, mich zu Jürgen in den Schatten des Baumes zu setzen. Während wir da sitzen und uns unterhalten kommt eine junge Himbafrau mit 3 Kindern, zum Teil barfuß, durch das steinige Tal zum Wasserholen. Als Wasserbehälter dienen allerdings nicht mehr die traditionell aus Bäumen hergestellten Behältnisse, sondern Plastikkanister. Für sie ein Zeichen des Fortschrittes. Und diese Kanister werden auch immer so gestellt, dass sie möglichst auf einem Bild sichtbar sind.
Sie kommt auf uns zu und setzt sich ebenfalls unter den Baum. Erst jetzt bemerken wir, dass wir unter „ihrem“ Baum sitzen. Überall sind Überreste der roten Farbe. Während die Kinder zum Wasserloch laufen um Wasser zu schöpfen, packt sie ihren Mahlstein und die roten Steine aus und beginnt diese zu pulverisieren.
Ich kann nicht einschätzen, ob es eine Tätigkeit für Touristen war oder ob sie dies immer so macht. Mit Hilfe von Henry unterhalten wir uns etwas mit ihr. Dann fragt sie uns nach Medikamenten gegen Kopfschmerzen. Erstens waren wir auf ein Zusammentreffen mit Himba nicht vorbereitet denn wir hatten außer der Kamera und Getränken nichts dabei. Und zweitens weiß ich auch nicht, ob ich ihr Medikamente gegeben hätte. Doch diese Frage dreht wieder das Gedankenkarrussel in meinem Kopf. Was ist gut, was ist schlecht? Wo macht Fortschritt Sinn und wo nicht? Was machen diese Menschen im Falle einer Krankheit?...
Ja, es gibt vieles, was ich noch gerne über dieses Volk, das schon so lange in dieser unwirtschaftlichen Region überlebt hat, wissen möchte. Aber irgendwie verbietet es mir mein Respekt zu viele Fragen zu stellen.
Als die Sonne schon hoch am Himmel steht, treten wir unseren Heimweg an. Der Rückweg, der bergauf geht, ist bedeutend anstrengender als der Hinweg. Und immer wieder bleiben wir stehen, um diese schöne Landschaft tief in uns aufzunehmen.
Den Nachmittag verbringen wir gemütlich in der Lodge. Wir sitzen einfach nur da und genießen.
Und so schön wie der Tag begonnen hat, verabschiedet er sich auch wieder.
lilytrotter4'129 Beiträge · seit 200825. Juni 2015 · #75
Hallo, take-off,
Solche leeren Landschaften wie die Serirflächen im Kaokoveld kann man nur genießen, wenn man „viel Nichts“ liebt. Offensichtlich geht es euch ebenso wie uns. Und auch wenn wir die Routen recht gut kennen, zeigt uns eure Reise viel Unbekanntes. Es ist toll, bekannte Gegenden unter anderen Aspekten zu „sehen“. Herzlichen Dank fürs mitnehmen!
Schönes Bild mit dem roten Ocker.
Gruß lilytrotter
PS: Zu den Bäumen (diese „Ferndiagnosen“ nur als Hilfestellung für deine verlorengegangene Erinnerung!): Auf dem ersten Bild scheint ein Omumbiri zu sein, Commiphora wildii, von dem das wertvolle Harz gesammelt wird Der dickstämmige scheint ein Sprokiesboom zu sein, Oluhongwe (Moringa ovalifolia) Die Baumeuphorbie sieht nach einer Euphorbia eduardoi aus. Auf dem vierten Bild scheint ein zarter Mopane mit drauf zu sein.
Und übrigens: Der europäische Weißstorch, den ihr da im Hoanib erwischt habt, das ist schon was besonderes! - allerdings ist es kein „Wasservogel“ 😎 🙂
Grüßle
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201226. Juni 2015 · #76
Danke euch allen - es sis schön, das ihr mitreist.
@ Lil
Danke dass du diese unvergesslichen Eindrücke mit uns teilst
Lil, beim Schreiben des Berichtes erlebe ich die Reise nochmal. Und ja, es war ein komplett anderer Urlaub wie sonst und die Eindrücke davon haben sich tief in meinem Herzen verwurzelt. Mehr darüber bei unserem nächsten Treffen.
@ Guggu Danke Guggu,dass dir als ständige Begleiterin unserer Reise, dir der Bericht gefällt.
@ Lilytrotter
Solche leeren Landschaften wie die Serirflächen im Kaokoveld kann man nur genießen, wenn man „viel Nichts“ liebt.
Genauso ist es. Du hast es auf den Punkt gebracht.
Zu den Bäumen (diese „Ferndiagnosen“ nur als Hilfestellung für deine verlorengegangene Erinnerung!):
Ich danke dir für die Ferndiagnose. Und jetzt, wo ich die Namen lese, fallen sie mir auch wieder ein 😄 Nein in der Tat ist es bei mir so, dass ich das Schriftbild brauche, um mir etwas zu merken. Jeder Mensch lernt anders. Und Henry hat uns ja auch "nur" die botanischen Namen genannt und dann waren sie irgendwie "weg" aus meinem Gedächtnis. 😣
Danke dir auch mal für die Mühe, die du dir gemacht hast, als ich noch in der Planungsphase steckte.
take-offThemenstarter1'674 Beiträge · seit 201226. Juni 2015 · #77
Warnung an alle Mitleser - die heutige Etappe wird lang 😄
09.05.2015 Auf dem Weg nach Opuwo
Ein neuer, aufregender Tag bricht an.
Wir verlassen heute diese Oase der Ruhe, verabschieden uns sehr herzlich von Henry, Kahamba und dem 3. Mann und machen uns auf den langen Weg nach Opuwo. Alleine bis Orupembe benötigen wir schon etwas mehr als 1 Stunde, da die Landschaft in dem sanften Morgenlicht geradezu zum Fotografieren einlädt. Die Weite, die Ruhe, diese Einzigartigkeit der Landschaft sind ein Genuss für die Augen und die Seele.
Vorbei an Orupembe suchen wir uns die Pad zur D3707, die über Sanitatas nach Opuwo führt. Die Strecke ist etwas Off Road, aber noch gut zu fahren.
Am Wegesrand sehen wir immer wieder verlassene Himbadörfer. Manche sind wirklich verlassen, denn es stehen nur noch die Grundkonstruktionen der Hütten.
Andere sind gut erhalten, lediglich die Eingänge zu den Hütten sind mit Holzstangen verschlossen. Dies bedeutet, dass das Dorf noch bei Gelegenheit genutzt wird. Natürlich dringen wir nicht in diese Wohnräume ein, sondern hinterlassen alles so, wie vorgefunden.
Die Landschaft ist unbeschreiblich schön. Karge Bergzüge und weite, endlose Ebenen wechseln sich ab. Auf der Höhe eines Passes halten wir an, um diese Landschaft im Bild festzuhalten.
Hier oben ist nichts und niemand – denken wir. Doch kaum stehen wir still und schauen uns fasziniert um, kommt uns ein kleiner Hirtenjunge barfuß und nur mir seiner leeren Wasserflasche entgegen gelaufen.
Moro … Er spricht etwas englisch, was dafür spricht, dass er eine Schule besucht.
Als erstes füllen wir seine leere Wasserflasche wieder auf. Er fragt nach Kleidern und Schuhen. Mit ersterem können wir aushelfen. Dann zieht er wieder mit seinen „Schätzen“ davon in die Weite des Kaokovelds.
Wir setzen unsere Fahrt, unterbrochen durch gelegentliche Fotostopps, langsam fort.
Hinter einer Biegung kommt uns eine junge Himbafrau mit Kind entgegengelaufen. Sie hat uns an unserer Staubfahne bestimmt schon von weitem kommen gesehen.
Die Unterhaltung beschränkt sich auf Moro (Hallo) und nawa (hier war ich ja noch der Meinung, es heißt: "wie geht’s") 😐 Sie erwidert ebenfalls „nawa“. Gut dann wäre das ja schon mal geklärt. Jedem geht es also gut. 🤪
Aus ihrem Redeschwall, Gesten und einem „Gespräch“ mit Händen und Füßen, entnehme ich, dass sie wissen möchte, woher wir kommen und wohin wir wollen. Dann lädt sie uns mit einer Kopfbewegung ein, ihr zu ihrem Baum zu folgen. Warum nicht? Wir parken unser Auto an der Rand der Pad, damit gegebenenfalls ein weiteres Auto passieren könnte und folgen ihr etwa 200m bergauf zu ihrem Rastplatz. Natürlich erwartet sie dafür eine Gegenleistung, die wir in Form von Maismehl und Zucker gerne geben. Für uns ist das legitim. An ihrem „Rastplatz“, welcher aus einem Baum und ein paar Decken besteht sitzt noch eine ältere Frau (evtl. ihre Mutter), 2 Kinder und ein Hund laufen auch noch umher. Auch hier trifft Tradition auf Moderne. Wir müssen innerlich leicht schmunzeln, als wir in den Ästen des Baumes ein Transistorradio entdecken. Die beiden Frauen tragen die traditionelle Kleidung. Insgesamt ist die Situation jedoch sehr relaxt, auch wenn wir uns nur mit Händen und Füßen unterhalten. Nach einer Aufforderung (Hinweis auf meinen Fotoapparat) mache ich ein paar Bilder.
Jürgen, der mit Kindern sehr gut umgehen kann, möchte mit dem kleinsten der beiden Kinder etwas spielen. Doch dieser erschreckt sich vor dem „großen weißen Mann mit den weißen Haaren“ so arg, dass er schreiend zu seiner Mutter flüchtet.
Sie nimmt ihn auf den Arm und tröstet ihn lächelnd.
Er beruhigt sich schnell und schaut uns in der sicheren Obhut der Mutter schon wieder keck an.
Sind wir Menschen nicht alle gleich? Liebe, Zuneigung und Verständnis. Für mich ein sehr bewegender Moment.
Natürlich zeige ich den beiden Frauen auch die Bilder, die sie sich sichtlich erfreut anschauen.
Wir wollen nicht länger stören und verabschieden uns. Die junge Frau begleitet uns noch zu unserem Fahrzeug und winkt uns beim Wegfahren lachend zu.
Irgendwann, das Gefühl für Zeit und Raum haben wir schon längst verloren, kommen wir an eine Stelle, an der die Pad das Hoarusib Riverbed quert.
Was für eine veränderte Landschaft. Im Flussbett stehen Ziegenherden, Palmen säumen den Flusslauf. Kaum gibt es etwas Wasser in dieser unwirtschaftlichen Landschaft, erweckt die Natur sofort zu Leben.
Während wir da stehen und die Schönheit der Natur bewundern, kommt eine junge Frau, der Kleidung nach eine Herero, mit Kind auf uns zu und deutet uns an, dass sie Hunger habe. Aber sicher doch, irgendwo haben wir bestimmt noch eine Dose Corned Beef. 😐
Stolz trägt sie den Wasserkanister auf dem Kopf und ihr Sohn die Dose mit Corned Beef.
Auf unseren weiteren Fahrt kommen wir zu einem Hereodorf und halten kurz an. Sofort werden wir wieder von den Menschen unmringt. Die Kinder sprechen englisch, somit können wir uns etwas unterhalten. Diesen Menschen sieht man die Armut anhand der Kleidung an. Wir verteilen den Rest der Kleidungsstücke, achten darauf, dass dies relativ gerecht geschieht. Als ich dann aber auch noch auf Geld angesprochen werde, mache ich ihnen in einem unmissverständlichen Ton klar, dass es dies nicht gibt. Sie haben schon Kleider bekommen, was wollen sie denn noch? So etwas geht bei mir gar nicht.
Unterwegs tauschen wir mit einer jungen Himba, die in Begleitung von 3 jungen Männern ist, etwas Essen. Sie fragt nach Essen, bietet mir aber im Gegenzug körnige Früchte an, von denen ich nicht weiß was es ist. Doch wenn sie sie essen kann, kann ich es auch. Die Früchte, oder besser Fruchtkerne, erinnern mich etwas an Granatapfel, sind gelb und schmecken süßlich. Deutlich ist hier der Wandel zu sehen. Dort wo früher traditionell der Kopfschmuck der Frauen aus Ziegenleder bestand, benutzt sie rote Plastiktüten.
Uns hat diese Tagesetappe mit den vielen Begegnungen unterschiedlicher Menschen sehr viel Spaß gemacht. Wir haben keinerlei Berührungsängste und lassen uns gerne auf Neues ein. Ein gesunder Menschenverstand reicht dafür vollkommen aus. Ein Lächeln, eine nette aufrichtig gemeinte Geste und schon ist das Eis gebrochen.
Nun müssen wir aber langsam schauen, dass wir nach Opuwo kommen. Es ist Samstag und bereits 14.00 Uhr – was bedeutet – keinen Sundowner! Nach ca. 7 Stunden erreichen wir Opowo. Die Uhr im Auto zeigt 14.30 Uhr an. Der OK Grocer ist schon geschlossen. Doch werden wir sofort von Kindern und jungen Frauen umringt, die uns ihre Dienste anbieten.
Wir geben 5 Jungs den Auftrag auf unser Auto aufzupassen, vertrösten die Frauen mit den Armbändern auf später und gehen erstmal in das daneben liegende Café. Diesen Rockshandy haben wir uns heute verdient.
Am Nebentisch sitzt eine französisch sprechende Familie. Dazu gesellt sich eine wunderschöne Himbafrau und ein Übersetzer. Der Mann zeichnet die Himbafrau in Federstrichen und benennt mit Hilfe des Übersetzers alle Schmuckstücke, die die Frau trägt, mit Namen. Ich muss mich richtig anstrengen, dass ich nicht ständig zu ihr hin starre. Ich bin von dieser Würde, von dieser Schönheit total fasziniert. Wir fragen, ob wir ein paar Flaschen Bier einkaufen können und kommen somit auch noch zu unseren Sundowner Getränken für heute Abend. Die Bedienung erzählt uns, dass es noch einen Supermarkt in Opowo gibt und zeichnet uns den Weg zum besseren Verständnis auf.
Zurück auf dem Parkplatz, verteilen wir unsere leeren 5l Wasserkanister, die hier sehr begehrt sind und bezahlen unsere „Autowächter“. Die jungen Armbandverkäuferinnen haben uns auch nicht vergessen und nach einem lauten „Beratungsgespräch“ erstehen wir 5 Armreife. In dem Supermarkt gibt es im Prinzip alles, was man zum Leben braucht. Von der künstlichen Haarverlängerung bis zu Konserven ist alles vorhanden. Allerdings sind Fleisch und Gemüse Fehlanzeige.
Danach fahren wir zur Opuwo Country Lodge, die ich vorsichtshalber kurz vor unserer Abreise noch reserviert hatte. Denn hier gibt es fast keine Ausweichmöglichkeiten.
Verglichen mit der Großzügigkeit der Stellplätze in der Wildnis, die wir in den letzten Tagen erleben durften, sind die Stellplätze hier sehr klein und dicht beieinander. Das sind wir schon gar nicht mehr gewöhnt. Für eine Nacht aber ok. Ein Tag mit vielen Eindrücken und wunderschönen Landschaften im Kaokoveld geht zu Ende.
Alexa1'249 Beiträge · seit 201226. Juni 2015 · #79
Toll, liebe Dagmar, ein wirklich faszinierender Bericht, mit dem man Eure reise so richtig durch Deine Augen miterlebt. Danke für's Mitnehmen 😘 ..und schreib schnell weiter 🤩 Liebe Grüße, Alexa
nach wie vor: toller Bericht und sehr beeindruckend, deine Schilderungen der Begegnungen mit anderen Menschen. Bei dir hört es sich zwar so leicht an, Kontakte zu knüpfen, aber ich glaube, nicht jeder kann so intensive Erlebnisse haben. Es gehört schon was dazu, sich so auf andere einzulassen.