THEMA: Eine Woche am selben Ort
28 Dez 2021 16:29 #633293
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  • rik m. am 28 Dez 2021 16:29
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30.10.21

Die ersten Schritte auf namibischen Boden, das Licht gleisend hell, die Luft warm – da durchbrodelte mich ein derartiger Glücksschwall, dass ich am liebsten die Dame, die am Rollfeld stand und den Weg wies, umarmt hätte. Ich hielt mich zurück und bedachte sie mit einem breiten Grinsen, das sie voll Freude erwiderte. Ich glaube, sie hatte mich verstanden.

Ja, nur war ich hier. Nicht einmal 2 Wochen war es her, dass im Frust über den Dauernebel zuhause kurzentschlossen den Flug und alles weitere gebucht hatte. Die Herbstferien wollte ich an der Sonne verbringen! Der Flug war gut verlaufen, pünktlich gestartet, noch pünktlicher gelandet. Das Einreiseprozedere mit Fiebermessen und Abgabe des Gesundheitsbogen und dann der üblichen Passkontrolle samt Visumserteilung dauerte etwas, war aber völlig im Rahmen. Da ich nur mit Handgepäck reiste, musste ich in den inzwischen eingetroffenen Koffern nicht nach meinem Gepäckstück suchen, sondern konnte den inneren Bereich gleich verlassen. Da sah ich auch sofort ein Schild mit meinem Namen; der Fahrer war also pünktlich und zuverlässig. Nach den Geldwechseln gingen wir zum Auto, einem Pickup. Irgendeine große Baumaschine stand auf der Ladefläche, die auch nach „Barkhan“ geliefert werden musst. Mit Barkhan meine ich nicht die Sicheldüne, sondern das „Barkhan Dune Retreat“, wo ich die nächsten 6 Tage verbringen wollte. Für eine Rundreise war die Zeit zu kurz, außerdem reiste ich alleine; in einer Lodge zu bleiben, schien mir die beste Lösung.

Unterwegs mussten wir anhalten und warten, bis ein Konvoi vorbei war; der Präsident sei unterwegs, vermutete der Fahrer. Auf meine Bitte hin stoppten wir noch an einem kleinen Supermarkt, wo ich zwei große Wasserkanister kaufte und etwas Knabberzeug und dann ging es auf der B1 nach Süden. Mein Chaufeur hörte Radio, zunächst irgendwelche Kinderlieder in Afrikaans, dann deutsche Schlager. Mir machte nichts aus, im Gegenteil ich war eigentlich froh, dass die Kommunikation nur spärlich ausfiel, ich genoss sehr, was ich sah! Diese Farben und Formen waren genau das, was ich suchte. In Rehoboth bogen wir ab und als wir endlich auf einer Gravel Road waren, realisierte ich, dass ich nun in Namibia angekommen war. Nur wenige Fahrzeuge begegneten uns.

Über die D 1275 erreichten wir die Große Randstufe am Spreetshoogte-Pass. Am oberen Aussichtspunkt hielt der Fahrer an und wir stiegen aus. Mein Blick eilte in die weite Ebene der Namib-Wüste hinaus, blieb an einsamen Inselbergen hängen und verlor sich im Sandmeer, das bis zum Horizont reichte. Kaum vorstellbar, dass einst mächtiges Gebirge da war, das in nahezu unendlich langer Zeit bis auf seinen tiefsten Sockel erodiert wurde und nun unter den Sandmassen der Namib verborgen liegt; die Inselberge, wenn auch kümmerliche Reste, bezeugen seine Existenz und den Abtragungsprozess.









Erst als ich mich satt gesehen und genug photographiert hatte, fuhren wir langsam weiter, immer wieder mit Stopps. Auch der Straßenbaukunst und den aufgebrachten Mühen gehörte meine Bewunderung. Pflasterstein für Pflasterstein wurde hier per Hand verlegt!


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28 Dez 2021 16:41 #633297
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30.10.21 (Fs)

Gegen 12.30 kamen wir dann in der Lodge an. Schon die Anfahrt durchs Farmgelände begeisterte mich, die Aussicht von der Lodge aus war dann einfach genial. Ich wurde herzlichst von Gerda begrüßt und zu meinem Dünenchalet gebracht. Herrlich! Dann erwartete mich schon ein kleines Mittagessen und ein kühles Windhoek Lager. Ich saß auf der Terrasse mit Blick über das Gelände bis zur Randstufe und dem Pass; hier unten war es wunderbar warm, um die 30 Grad. Im nahen Baum tobte das Leben - welch ein Singen, Musizieren, Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren! Nach dem Essen sah ich mich ein wenig vor dem Haupthaus um. Die Kakteen blühten üppig und andere Pflanzen gefielen mir durch ihre Farben oder Formen.













Um nach der langen, fast 24-stündigen Anreise (Autofahrt zum Zug, Zugfahrt zum Flug, Flug, Autofahrt hierher – das meiste davon mit Maske im Gesicht) Bewegung und frische Luft zu haben, entscdhloss ich mich zu einem Spaziergang. Feste Wanderwege gab es nicht; ich solle einfach den Pfaden und Zebraspuren folgen, riet Gera, bis auf die gegenüberliegende Bergkette, wo ein Leo hause, sei alles sicher und ich könne gehen, wohin ich wolle; und so ließ ich mich treiben, ging bis zum Talschluss und wollte dann, den Trampelpfaden folgend, den Berg hinauf. Irgendwie war es viel steiler und mühsamer als gedacht. Immer wieder verlor ich wohl den besten Weg aus den Augen, besonders dann, wenn ich ein schönes Motiv im Blick habend weniger auf den Weg acht gab; oft umrundete ich auch Felsblöcke und die skurrilen Bäume, nur um zu sehen, wie es aus einer anderen Perspektive aussieht. Angesichts des Gerölls und vieler niedriger Stechpflanzen oder Pieksgräser kam ich in meinen Birkis nur schwer voran. Erstmalig musste ich zugeben, dass die Sandalen für dieses Gelände die falsche Wahl waren. Mit vielen Unterbrechungen, um die Aussicht zu genießen und zu photographieren oder um irgendwelches Stachelzeugs von den Füßen zu zupfen, kam ich dann oben an.












Hier oben auf der Kuppe konnte ich nach Westen blicken; irgendwo dort lag das Tsondab Valley und weiter südlicher Solitaire.
Bald schon musste ich mich wieder an den Abstieg machen. Die Sonne stand schon tief und schaffte es zunächst nur noch an einzelnen Stellen über den Hügel zu leuchten, dann gar nicht. Trotzdem entdeckte ich auch hier viele schöne Szenen!
















Zurück an der Lodge machte ich Bekanntschaft mit den drei Erdmännchen; sie sind mehr oder weniger „zahm“ und haben im Haus sogar einen Schlafkorb.






Mit Blick auf das letzte Licht des Tages genehmigte ich mir einen Sundowner. Pastelltöne verliehen der Landschaft ein fast magisches Aussehen. Dann gab es ein ausgezeichnetes Abendessen mit drei Gängen; der Hauptgang bestand aus Oryx-Steak; alles Fleisch, das ich aß, kam von der Lodge und der hausinternen Metzgerei, das Gemüse aus dem eigenen Garten. Ein belgisches Pärchen war für eine Nacht anwesend und saß mit am Tisch; mit den beiden unterhielt ich mich sehr nett. Auf einen Digestif verzichtete ich und zog mich nach diesem ereignisreichen Tag zurück.
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28 Dez 2021 19:14 #633308
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Guten Abend rik m.-
auch wenn der Frühling hier noch lange nicht einmarschier‘n wird :( freut mich das Gezwitscher in Deinem Bericht ganz ungemein. Das ist ein Aufenthalt ganz nach meinem Geschmack. Du hast einen guten Blick für Landschaftsfotos. Ich freue mich auf mehr!
Gruß
Friederike
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29 Dez 2021 10:10 #633332
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Hallo rik m., Friederike hat Recht: Bewundernswert, wie du die Landschaft ins recht Licht setzen kannst :) !

LG freshy
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30 Dez 2021 12:08 #633411
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Danke euch für die Rückmeldung! Ich freue mich, wenn euch die Bilder gefallen.
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30 Dez 2021 12:09 #633412
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31.10.

Als ich wach wurde, erschien es mir draußen schon sehr hell; vom Bett aus konnte ich das Gras leuchten sehen. Ich bereute, dass ich mir keinen Wecker gestellt hatte und nahm mir das für die nächsten Tage vor, um das Erwachen des Tages draußen miterleben zu dürfen. Heute blieb vor dem Frühstück nur ein Herumstreifen in unmittelbarer Umgebung der Lodge; ich hörte und sah den Vögeln zu, und als die beiden Belgier kamen, frühstückten wir gemeinsam. Es wurde reichlich aufgetischt: Gerda hatte es selbst Brot gebacken, es war noch etwas warm. Dazu geräucherter Oryx-Schinken, Ei nach Wunsch, Müsli, Marmeladen und Obst. Alles sehr lecker!

Für heute nahm ich mir einen Spaziergang zu den Hügeln vor, die ich in der Ebene unten Richtung Randstufe sah. Mir erschien es nicht weit und ich rechnete mit einer halben Stunde Gehzeit. Weit gefehlt! Die Entfernungen in der Wüste werden wohl oft unterschätzt; außerdem blieb ich oft stehen und genoss die Landschaft. Erst ging es auf dem Fahrweg bis zur Flugpiste, dann ging ich auf Trampelpfaden weiter bis zum einem Trockenbachbett.







Da mir das sehr gut gefiel, folgte ich ein Stück seinem Verlauf und entdeckte einen Baum mit einem großen Webervogelnest. Ich setze mich auf den Boden und schaute dem Treiben zu. Welch ein emsiges Gewusel, Kommen und Gehen! Und dazu mussten sie sich pausenlos unterhalten. Da kam einer mit einem schönen Grashalm angeflogen, nahm am Ast Platz, schaute, positionierte sich um, schaute wieder und fand dann wohl das Gezwitschere seiner Kumpels so interessant, dass er mitzwischern wollte – und schwups fiel der Halm zu Boden. Irgendwie musste ich an den Raben denken, der den Fuchs beeindrucken wollte. Ich stand auf und versuchte, immer näher zu kommen, aber ab einer bestimmten Distanz störte ich die Vögel wohl; so blieb es bei wenig scharfen Fotos…





Dann streifte ich weiter, von Baum zu Baum. Jeder war anders, keiner glich dem anderen.







Als ich am Hügel ankam, entdeckte ich Eidechsen zwischen den Steinen. Lange versuchte ich, sie zu photographieren, aber es gelang nicht wirklich gut.



Irgendwann stieg ich nach oben und genoss die Aussicht! Keine Wolke war am Himmel, die Hitze fand ich sehr angenehm.







Ich rastete, trank ein paar Schluck Wasser und machte mich dann wieder auf den Rückweg. Begleitet wurde ich von Fliegen, deren Geschwirre die Stille der Wüste durchbrach. All über all machte ich diese Erfahrung, egal ob in der Sahara oder in Rub al Khali. Fliegen sind immer da! Wild habe ich hier hingegen nicht gesehen. Nur einen Hasen habe ich aufgeschreckt; bis ich den Apparat im Anschlag hatte, war er schon weg. Aber leider kein Oryx, auch kein Zebra, obwohl sehr viel Zebraknödel herumlagen. Ich konzentriere mich auf das Kleine, Unscheinbar. So entdeckte ich beispielsweise dieses Gebilde am Boden. Ist das der Anfang eines Termitenbaus? Oder hat der Wind das so geformt? Wie fest es war, wollte ich nicht austesten, um es nicht zu zerstören.



Nach etwas 4,5 Stunden war ich dann wieder an meinem Chalet. Als Mittagessen reichte mir das alte Laugensemmerl von Eurowings, das ich noch hatte, und ein Apfel. Dann musste ich mich an meine mitgebrachte Arbeit machen, was mich aber nicht störte; draußen vor meinem Chalet in der Wärme zu arbeiten, war völlig ok.
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