BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201617. Juli 2026 · #81
Tadoba Teil I: Große Versprechen
Vom Tadoba-Nationalpark (seit dem Zusammenschluss zweier Areale 1995 vollständig Tadoba Andhari Tiger Reserve) hatten wir ehrlicherweise zuvor noch nie gehört. Doch die Agentur riet uns sehr zu einem Besuch und das sogar doppelt, denn als wir die Frage erörterten, in welchem Park wir wohl die vier Safaritage ganz am Ende verbringen sollten, brachte sie einen zweiten Aufenthalt an anderer Stelle in Tadoba ins Spiel.
Wir fackelten nicht lange und verließen uns auf das Urteil der Experten, und so führte uns die Route erst in den Westen und dann in den äußersten Süden des Parks im Bundesstaat Maharashtra.
Oriental Honey Buzzard
Nach unserer letzten morgendlichen Pirschfahrt in Pench wechselten wir vom Gypsy zu unserem Fahrer in die komfortable Limousine, die Chips warteten wie immer schon auf mich. Am Nachmittag erreichten wir das Irai Safari Retreat, unsere unweit des gleichnamigen Sees gelegene Unterkunft.
Sie hatte anders als ihre beiden Vorgänger lediglich drei Landessterne, und ich fragte mich, was das im echten Leben wohl bedeuten möge. Doch wir waren positiv überrascht. Wieder ein riesiger Garten, wieder viel Natur und eine ruhige Atmosphäre.
Indian Paradise Flycatcher in weißer Lackierung
Coppersmith Barbet
Im großen, sauberen Zimmer fühlten wir uns auf Anhieb wohl. Seine schweren indischen Holzmöbel gaben dem Ganzen einen wunderbar orientalischen Touch, und die Klimaanlage brauchten wir hier tatsächlich auch. Es war deutlich heißer als zuvor. Als uns dann auch noch unaufgefordert mein heißgelieber Masala Chai aufs Zimmer gebracht wurde, war meine Welt sowieso in Ordnung.
Bunter Wachdienst draußen vor unserer Zimmertür
Das Beste aber war die Lage des Hotels, denn es ist nur Minuten vom Moharli Gate entfernt. Dieses Tor - die Kernzone hat sechs Gates - ist der älteste und etablierteste, aber auch der am stärksten frequentierte Eingang. Und das aus gutem Grund.
Vielversprechende Worte am Moharli Gate
Tadoba im Generellen, wo die Chancen auf eine Tigersichtung zu den höchsten in ganz Indien zählen, und Moharli im Speziellen gelten als Top-Destination für eine erfolgreiche Suche nach dem König des Dschungels. So wurde zum Beispiel der zweite Teil der Dokuserie Wildes Indien von National Geographic in Tadoba gedreht.
Ein Geheimtipp - was es eine ganze Weile lang war - ist das Schutzgebiet also nicht mehr, zumindest nicht die Zonen im Norden und Westen. Es heißt, die Permits für die Moharli- Zone sind die begehrtesten und müssen Monate im Voraus organisiert werden. Die größten Tiger-Legenden Indiens hatten / haben hier ihr Revier.
Wir waren nicht nur, aber viel in dieser Zone unterwegs, und anders als in anderen Parks sind in Tadoba auch in der Pufferzone, die größer ist als die Kernzone, die Chancen auf Tigersichtungen hoch. Während woanders der Mensch die Wildtiere verdrängt, ist es hier umgekehrt. Das Reserve wächst weiter, weil es die Tiger-Population durch effektive Schutzmaßnahmen ebenfalls tut.
Für die Einheimischen, deren Dörfer teilweise in den Pufferzonen liegen, bringt das sicher einige Besonderheiten mit sich. Ich erinnere mich, dass wir einmal fast mit den Hinterreifen in einem Rübenacker standen, als wir einen Tiger am Waldrand beobachteten, während die Besitzer des Stück Landes mit ihren Spitzhacken schleunigst das Weite suchten und die Szenerie aus sicherer Entfernung vom Dorf aus betrachteten.
Weil sie mittlerweile eine angemessene Wiedergutmachung erhalten, wenn nachweislich ein Tiger eins ihrer Tiere reißt, und zudem viele Dorfbewohner als Guides ihren Lebensunterhalt mit Safaris verdienen, schien uns das Konfliktpotenzial überschaubar zu sein. Ein Eindruck, der sich in den Gesprächen zumindest mit unseren Fahrern und Guides bestätigte.
Crested Serpent Eagle
Wir verbrachten einen ruhigen ersten Nachmittag im Resort, beim Abendessen waren außer uns lediglich drei weitere Gäste aus England, die am nächsten Tag abreisten und von ihren Tagen in Tadoba nur Gutes zu berichten hatten.
Der freundliche und überaus dienstfertige Restaurantmanager begann, einen Teller mit Köstlichkeiten nach dem anderen auf unseren Tisch zu stellen. Auch viel Vegetarisches war dabei und alles war sehr lecker, aber auch wieder einmal viel zu viel.
Er war noch nicht fertig mit Servieren, da kapitulierte ich schon. Was nicht nur mich betrübte, sondern auch ihn. Traurig ließ er seinen sonst so fröhlich dauerwackelnden Kopf hängen. Am nächsten Tag - wir ahnten es noch nicht - würden sich die Dinge im Hotel ändern. Vor allem aber freuten wir uns auf unsere erste Tour in den Park, dem sein guter Ruf vorauseilte. Ob er ihm wohl gerecht würde?
fiedlix549 Beiträge · seit 201618. Juli 2026 · #82
Hallo Betti,
Am nächsten Tag - wir ahnten es noch nicht - würden sich die Dinge im Hotel ändern. Vor allem aber freuten wir uns auf unsere erste Tour in den Park, dem sein guter Ruf vorauseilte. Ob er ihm wohl gerecht würde?
😗 zum noch Besseren, zum Schlechteren... ich bin ja auch kein so wirklicher Fan von Cliffhangern, gell 😄 Gespannt wie es weitergeht, liebe Grüße Elke
...die Bilder der Tiger am/im Wasser sind umwerfend.
Menschen, mit denen man lachen und weinen kann, sind die Menschen, die das Leben ausmachen.
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201619. Juli 2026 · #83
Hallo liebe Elke,
fiedlix schrieb:ich bin ja auch kein so wirklicher Fan von Cliffhangern
Oje... Dann ist ja gut, dass es diesmal zügig weitergehen wird, heute noch. Versprochen!
fiedlix schrieb:die Bilder der Tiger am/im Wasser sind umwerfend.
😘 Dankeschön! Fotografieren in Indien war eine echte Herausforderung. Das Licht, der Wald, der Staub, ich bin oft mit den Bildern geht so zufrieden. 😣
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201619. Juli 2026 · #84
Tadoba Teil II: Zwischen Bengal-Tigern und Bollywood
Dieselbe Prozedur, anderes Setting: Am Morgen kletterten wir in den Gypsy unseres neuen Fahrers/Guides für die nächsten dreieinhalb Tagen. Ein kleiner, ernster Mittdreißiger in kubanischer Rebellenkluft, dessen erste Distanziertheit sich in guten Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen schnell gab.
Binnen weniger Minuten waren wir am Moharli Gate, sehr praktisch. Wie immer stieg ein Guide vom Forest Department zu, und wie zuvor machten sie auch in diesem Teil von Tadoba einen engagierten Eindruck und guten Job.
Changeable Hawk-Eagle
Jungle Owlet
Ich war überrascht über die kleine, aber perfekte Teerstraße, die als Hauptachse durch diese Kernzone führt. Sie hatte allerdings den Vorteil, dass wir nicht bei der Einfahrt in den Park von vorausfahrenden Jeeps eingestaubt wurden. Und tatsächlich hatten wir hier im Laufe der Tage auch einige schöne Sichtungen.
Darunter an einem späten Nachmittag auf dem Rückweg zum Gate einen Leoparden, der sich den Komfort der Straße zunutze machte. Wir waren das erste Auto, das den Leo entdeckte und unser Fahrer, der uns zu dem Zeitpunkt ohnehin längst überzeugt hatte, hielt nicht nur gebührenden Abstand, sondern auch die nachrückenden Fahrzeuge zum Schutz des Tieres auf Distanz, indem er die Straße geschickt mit unserem Auto blockierte.
Rechts und links war eigentlich ausreichend Platz für ein Überholmanöver, aber die Strafen fürs Offroad-Fahren sind drastisch (Lizenzentzug, Sperre) und so wagte niemand diesen Schritt. Die Empörung hinter uns war hör- und spürbar, doch er wartete unbeirrt ab, bis das Tier nach und nach die Straße räumte. Das beeindruckte uns.
Crested Serpent Eagle
Abseits dieser Straße sind die Wege wie in den anderen Parks auch staubige Pisten. Doch das Landschaftsbild ist anders als in Kanha und Pench. Weniger Dschungel, dafür üppige Teakholz- und Bambuswälder (Primärwald in den Kernzonen) sowie viele Seen und Wasserstellen, ein Eldorado für Vögel, Sumpfkrokodile und - Tiger.
Indian Thick-knee
Als wir im Laufe unserer ersten Pirschfahrt zu einem Wasserloch abbogen und dort ohne ersichtlichen Grund stoppten, wunderte ich mich noch. Was wollten wir hier, es gab nichts zu sehen, anders als sicherlich an anderen Stellen des Parks, den wir ja gerade erst zu erkunden begonnen hatten.
Ich sprach meine Gedanken nicht aus, doch der Guide hatte die schöne Angewohnheit, uns an seinen Ideen und Plänen teilhaben zu lassen. Ein mächtiger Tigermann habe hier sein Revier, erklärte er nun, und dies sei seine bevorzugte Wasserstelle. Wir würden also abwarten.
Ich gestehe, ich war im Grundsatz skeptisch und fragte mich, ob wir nicht einfach nur wertvolle Zeit vertändeltem, wurde aber durch einen zweiten Jeep abgelenkt, der nun neben uns hielt. Allerdings in der prallen Sonne, und das war ein fataler Fehler. Es war deutlich heißer als zuvor in Kanha und Pench - sei es, weil es im Laufe der Wochen ohnehin immer wärmer wird oder auch geografisch bedingt.
Die japanische Dame an Bord des zweiten Autos bekam jedenfalls nach wenigen Minuten trotz Kopfbedeckung sichtbar Probleme und sackte in sich zusammen. Ihr Guide parkte in den Schatten um und ihr Mann flößte ihr Wasser ein, das dann aber sehr schnell aufgebraucht war, ich fragte mich, wie das zu einem so frühen Zeitpunkt am Tag schon passieren konnte. Wir reichten eine noch kühle Flasche rüber, die sich zur Hälfte über den Kopf schüttete und zur Hälfte trank, das half ein wenig.
Gerade rechtzeitig, denn nun brach ein Tiger aus dem Dickicht hervor, ein wuchtiges Männchen ...
... und stapfte hinunter ans Wasser. Ich war völlig perplex, dass der Plan tatsächlich aufging und schalt mich auch ein bisschen dafür, dass ich nicht mehr Vertrauen in die Experten gehabt hatte.
Doch der Tiger hatte noch mehr Überraschungen für mich in petto. Denn statt - wie von mir erwartet - zu trinken, ließ er seinen wuchtigen Körper etwas unelegant ins Wasser plumpsen und badete nun genüsslich darin.
Wow, ich kriegte mich kaum mehr ein, das hatten wir noch nie gesehen - und ich hatte auch nicht damit gerechnet, dieses Schauspiel zu erleben, von dem ich dachte, es sei eher selten. Tatsächlich aber ist es vor allem temperaturabhängig.
Anders als die meisten anderen Katzen lieben Tiger Wasser, nutzen es an heißen Tagen zur Abkühlung und sind exzellente Schwimmer. Die reinsten Wasserratten also.
Unser Fahrer parkte flugs noch einmal aus dem Schatten in die Sonne um, um uns den bestmöglichen Blick zu verschaffen und außerdem zu verhindern, dass uns vielleicht jemand die Aussicht versperrte. Die Gefahr bestand allerdings zumindest noch nicht, denn unsere japanischen Nachbarn und wir waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen Beobachter dieser schönen Szene.
Mit jeder Faser genoss ich die entspannte Zeit mit dem imposanten Kater, der sein Wellnessprogramm am anderen Ende des Teiches in aller Seelenruhe durchzog.
Nach fast einer Stunde wuchtete er sich schließlich aus der Schlammpackung ...
... und steuerte genau auf uns zu. Das wurde ja immer besser!
Ich tippte unserem Fahrer begeistert auf die Schulter, der mir ein strahlendes Lächeln schenkte. Er hatte gleich in mehrfacher Hinsicht den richtigen Riecher gehabt.
Schritt für Schritt bahnte sich der Tiger seinen Weg, verursachte dabei aber gehörigen Aufruhr. Kleine Fische sprangen in alle Richtungen hektisch davon, als er sich gemächlich durchs Wasser fräste.
Tropfnass erklomm er schließlich das Ufer, taperte direkt an unserem Auto vorbei und verschwand in unserem Rücken. Ich erinnerte mich daran, mal wieder zu atmen.
Als ich mich umdrehte, traute ich meinen Augen kaum. An der schmalen Zufahrt und auf dem Weg dahinter knubbelten sich die Jeeps, die von der Sichtung gehört, aber keine Chance auf einen Platz gehabt hatten. Der Tiger marschierte unbeeindruckt zwischen der Karavane hindurch und verschwand dann zügig im Wald. Was für ein Auftakt in Tadoba!
Mittags mussten wir den Park wie immer verlassen und fuhren zurück zum Hotel. Beim Lunch waren wir allein, und nachdem ich mich etwas aufs Ohr gehauen hatte, ging ich wie immer auf die Pirsch.
Tawny-bellied Babbler
Im riesigen Garten des Irai Safari Retreat, in dem es auch einen Swimmingpool gibt, sorgten die vielen unterschiedlichen Vögel für ein fantastisches Konzert.
Asian Koel (ein großer Kuckuck), male...
...und female
Indische Gartenagamen sind für ihren schnellen Farbwechsel bekannt. Dieses Exemplar war zunächst rötlich gefärbt wie der Weg, auf dem sie saß. Kaum war sie vor mir ins Gebüsch geflohen, konnte ich zusehen, wie sie im Zeitraffer erbleichte.
Es gab viel zu entdecken. Darunter auch am Ende der Anlage eine große Ansammlung vollkommen zerstörter, aber einstmals sicher sehr schöner auf Podesten gebauter Hauszelte. Ich wunderte mich, dass die Trümmer noch herumstanden und fragte beim Besitzer an der Rezeption nach, was da passiert sei.
Er berichtete, dass Termiten den Konstruktionen während der Corona-Zeit dermaßen ungehindert zugesetzt hatten, dass sie schließlich zusammengebrochen waren. Die Zelte würden aber beizeiten wieder neu aufgebaut. Ich fragte mich, warum man das nicht hatte verhindern können oder wollen und warum die Spuren der Verwüstung nicht beseitigt worden waren. Doch gerade in Indien erschien mir jedes weitere Insistieren unangemessen und ich beließ es dabei.
Der Nachmittagsdrive führte uns unter anderem an den Telia Lake, der bekannt ist für seine Tigersichtungen und ein Highlight der Moharli-Zone. Weit entfernt am gegenüberliegenden Ufer konnten wir tatsächlich eine Tigerin beobachten, sie habe dort einige Jungtiere versteckt, erzählte der Ranger.
Die bekamen wir zwar nicht zu Gesicht, die Tigerin aber noch einige Male, denn wer sich in der Moharli-Zone bewegt, kommt vom und auf dem Weg zum Gate immer an dem schönen und oft mystisch verhangenen See vorbei.
Yellow-footed Green Pigeon
Oriental Honey-Buzzard
Später saßen wir allein beim (frühen) Abendessen, das diesmal als Buffet daherkam. Wir wunderten uns etwas darüber, so viel Essen nur für uns zwei, aber praktischer war es gerade für mich auch in puncto Portionierung allemal.
Plötzlich kam ein eleganter und mit einer traditionellen Kurta gekleideter Inder herein, erblickte uns, stürmte auf uns zu, stellte sich kurz vor und begann dann ohne Punkt und Komma in makellosem Englisch auf uns einzureden. Dem Wortschwall entnahmen wir, dass er eine der kostspieligen Ganztagessafaris gemacht und dabei fantastische Sichtungen gehabt hatte.
Er war so glücklich darüber, dass wir nicht anders konnten, als uns mit ihm zu freuen. Amüsiert schauten wir uns an, und er bekam das wohl mit, denn ebenso wortreich wie zuvor lud er uns zu einer kleinen Party auf der Dachterrasse direkt über dem Restaurantbereich ein, deren Gastgeber er war und die gleich beginnen würde. Wir sagten, dass wir wahrscheinlich nach dem Essen dazustoßen würden, und er verschwand munter winkend so schnell, wie er gekommen war.
Der fröhlich-freundliche Restaurant-Manager hatte die Szene beobachtet und sein Kopf wackelte nun vor lauter Begeisterung so heftig, dass ich befürchtete, er könne vielleicht hinunterpurzeln. Ebenso strahlend wie stolz berichtete er uns, der Mann sei eine Bollywood-Berühmtheit und seit vielen Jahren mit Freunden, Familie und Entourage ein gern gesehener Gast im Hotel.
Als wir die Treppe zur Dachterrasse hinaufstiegen, nahm uns unser neuer und fraglos lebenslustiger Freund begeistert in Empfang, scheuchte uns auf zwei freie Stühle und mixte zwei ziemlich steife Drinks. Etwa 30 Menschen saßen lose verteilt, allesamt fröhlich, allesamt nett, allesamt wort- und weltgewandt.
Ich landete mit meinem freien Stuhl bei den jüngeren Semestern, zwei der drei jungen Frauen studierten in Europa und die dritte hatte sich gerade als Modedesignerin selbstständig gemacht. Sie trug auch in den kommenden Tagen auf Safari stets augenfällige, aber auch sehr stilvolle Kleidung (besonders Hüte).
Sie erzählten, dass sich ihre Großfamilien und deren Freunde seit Jahrzehnten einmal im Jahr in der Gegend treffen, um hier einige gemeinsame Tage in der Natur zu verbringen.
Silberklaffschnäbel
Indischer Nationalvogel: der Blaue Pfau
Diesmal allerdings waren wir Zeugen einer Zeitenwende, denn zum ersten Mal überhaupt durften auch Frauen dabei sein. Eine Premiere, die zur Dauereinrichtung werden sollte.
Die Zahl der Reisegruppe war dadurch auf gut 30 Personen gestiegen. Sie hatten also - bis auf unser Zimmer, wir waren einfach früher dran gewesen - das komplette Hotel mit all seinen unterschiedlichen Unterbringungs-Kategorien sowie weitere Räume und Chalets in umliegenden Resorts gebucht und waren eine ebenso gut gelaunte wie angenehme Gesellschaft.
Um Neun ging die Partygemeinde geschlossen zum Essen und wir gingen ins Bett. Kurz vor dem Einschlafen rekapitulierte ich noch einmal diesen erneut so wundersamen Tag. Die besondere Tiger-Begegnung, die "Bollywood-Party" - Incredible India hatte seinem Namen wieder einmal alle Ehre gemacht.
Old Women1'543 Beiträge · seit 201320. Juli 2026 · #85
Hallo, Betti, fantastisch, fantastisch und noch einmal fantastisch! Was für ein Tag, was für Sichtungen, ich bin gerade giftgrün vor Neid, obwohl wir auch gute Tigersichtungen hatten. Das war etwas ganz, ganz Besonderes! Und dann noch ganz unverhofft eine Party mit einer Bollywood-Größe. Erlebt man ja auch nicht jeden Tag. Ganz prima! Danke für deine Mühe, Betti 😘 Herzliche Grüße Beate
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201627. Juli 2026 · #86
Hallo liebe Beate,
deine Gesichtsfarbe dürfte sich ja mittlerweile zum Glück wieder normalisiert haben, ich war eine Woche beruflich unterwegs. 😉
Old Women schrieb:fantastisch, fantastisch und noch einmal fantastisch! Was für ein Tag, was für Sichtungen, ich bin gerade giftgrün vor Neid, obwohl wir auch gute Tigersichtungen hatten. Das war etwas ganz, ganz Besonderes!
Erst einmal freue ich mich sehr, dass ihr auch gute Tigersichtungen hattet! Selbstverständlich ist das nicht.
Der badende Adonis hat uns tatsächlich auch umgehauen, weil wir eben auch nicht mit Tigern im Wasser gerechnet hatten. Wenn die Temperaturen danach sind, kommt das aber wohl regelmäßig vor, wir haben es auch noch weitere Male beobachtet bei entsprechender Hitze. Wenn ich das richtig im Kopf habe, trinken Tiger bei Wärme circa alle zwei Stunden (ungesicherte Information).
Heute oder morgen geht es endlich weiter.
Liebe Grüße und vielen lieben Dank fürs Begleiten! Betti
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201628. Juli 2026 · #87
Tadoba Teil III: Tiger, Tiger, Tiger
Wir erlebten tolle Tage in Tadoba. Und eine ganze Reihe von Tigersichtungen - von der reinen Anzahl her die meisten im Vergleich zu den anderen Parks.
Die (sehr trockene) Sommerhitze mit Temperaturen teilweise über 40 Grad lockte die Katzen zum Wasser, und so hatten wir mehrfach das Glück, sie in einem der vielen Seen zu beobachten.
Schade war, dass wir die Wildhunde (Red Dogs), die während unserer Zeit in Tadoba mehrfach von anderen Gästen gesehen wurden, einmal nur hauchdünn verpassten. Eine Lippenbär-Mama brachte ihren Nachwuchs so schnell in Sicherheit, als wir uns gegenseitig entdeckten, dass kein brauchbares Foto dabei heraussprang.
Aber die Bandbreite und die Sichtungsmöglichkeiten sind schon beachtlich, gerade durch das viele Wasser.
Collared Scops Owl
Silberklaffschnabel
Am Telia Lake, bekannt als das Revier berühmter Tigerinnen, begegneten wir verlässlich einer Tigerin, die zumindest tagsüber deutlich mehr Zeit im Wasser zu verbringen schien als auf dem Trocknen.
An einem späten Vormittag legten wir auf dem Weg zum Moharli Gate einen weiteren kurzen Stopp bei ihr ein. Immerhin hatte sie sich vom weiter entfernten Ufer auf unsere Seite des Sees geschlagen, wer kann da schon Nein sagen...
Wir wollten schon weiter, da betrat plötzlich ein mächtiger Tigermann die Bühne, sicher der Vater ihrer Kids, die sie am anderen Ufer irgendwo erfolgreich versteckt hielt.
Er begrüßte seine Gattin mit Küsschen, und die Größenunterschiede zwischen Männchen und Weibchen stachen mir dabei das erste Mal so richtig ins Auge.
Ein kurzes Beschnuppern, dann war die schöne Situation auch schon wieder vorbei.
Der Tiger strich gemächlich am Ufer entlang an uns vorbei und verschwand im dichten Unterholz.
Vielleicht bandelten die beiden schon wieder miteinander an, denn wir sahen sie nicht zum letzten Mal in unseren Tagen in Tadoba.
Beim Mittagessen trafen wir die große indische Familiengruppe, ihre Jeeps waren ebenfalls dabei gewesen. Sie waren riesige Safari-Fans und machten uns den Gir-Nationalpark im westindischen Bundesstaat Gujarat schmackhaft, in dessen direkter Nachbarschaft sie lebten. Sie zeigten uns Handy-Videos von Löwen, die am Zaun entlang marschierten, der ihren Garten von dem Reserve trennt, in dem die einzige wildlebende Population von Asiatischen Löwen lebt. Wir waren schwer beeindruckt.
An einem anderen Tag erfüllte sich ein großer Wunsch von mir, und wir konnten eine Tigerin aus nächster Nähe und in aller Ruhe beobachten.
Lange blieben wir alleine mit dem relaxten Tier, das seinen Bauch im feuchten Sand eines kleinen Rinnsals kühlte.
Als schließlich etwas Bewegung in die Sache kam, dachten wir, die Siesta sei vorbei.
Doch die Katze drehte sich einfach nur um. Und wir fuhren weiter.
Nicht sehr weit davon entfernt fanden wir die Abdrücke riesiger Tatzen im Sand.
Als wir den Verursacher schließlich gefunden hatten, warteten wir geduldig, dass er sein Nickerchen beenden und sich uns eventuell in ganzer Pracht präsentieren würde. Doch diesmal ging der Plan nicht auf. Als er sich schließlich erhob, verschwand er in die andere Richtung im dichten Wald.
Der hat ja glücklicherweise noch viele andere Bewohner...
Am selben Abend trafen wir an einem anderen See das Tigerpaar vom Telia Lake wieder. Während er gut sichtbar umherstreifte, ...
... hatte sie sich ins hohe Gras am Ufer gelegt und war komplett darin verschwunden. Unserer Meinung nach fuhren in dieser Sumpflandschaft ohne überall klar erkennbare Wege viele Jeeps viel zu dicht an die Stelle heran, wo die Tigerin liegen sollte. Wir beschlossen, früh am nächsten Morgen wiederzukommen, wenn es vielleicht etwas ruhiger wäre. Doch das erste Mal auf dieser Reise hatte ich wirklich das Gefühl, dass ein Tier allzu sehr bedrängt wurde - und freute mich über die strengen Regeln auf den Wegen und auch die vielen Bäume, die das meistens zwangsläufig verhinderten.
Er begrüßte seine Gattin mit Küsschen, und die Größenunterschiede zwischen Männchen und Weibchen stachen mir dabei das erste Mal so richtig ins Auge.
Uii!! DAS ist … Wahnsinn! Ein wirklich krasser Größenunterschied! Beachtlich, beachtlich! Er wirkt doppelt so groß!
Vielen Dank für´s Zeigen und den tollen Bericht!
Liebe Grüße, Dorie
casimodo4'529 Beiträge · seit 200728. Juli 2026 · #89
Liebe Betti,
so, jetzt sind wir am Indien Recherchieren und Ihr seid wieder mal Schuld 😉 😘
Dieses Bild hier ist mein absoluter Liebling 😘 😘 😘 Leo läuft durch Wald... Bildlink klappt nicht 🙄 So und denkt bitte einfach an irgendwelche alten Lobhudeleine aus meiner Feder und nehmt sie mal 10 😉 😘
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201630. Juli 2026 · #91
Tadoba Teil IV: Von Tadoba nach - Tadoba
Unsere letzte morgendliche Tour im ersten Teil von Tadoba führte uns fast noch im Dunkeln direkt zu den beiden Tigern, die wir am Vorabend bei Dämmerung fast an derselben Stelle verlassen hatten. Wie sahen ihre beiden Köpfe, aber sie waren ziemlich verdeckt durch das hohe Gras.
Wir waren nicht die einzigen, die auf die Idee gekommen waren, zuerst nach ihnen zu schauen, es war wohl ziemlich klar gewesen, dass sie ihren Standort in der Nacht kaum verändern würden.
Fahrer und Guide bewiesen nun ihr ganzes Können und fuhren weit voraus, als sich das Männchen erhob und losmarschierte, während die Tigerin im undurchdringlichen Gras zur Gänze verschwand. Wir hielten an einer Stelle, wo unser Weg einen schmalen Pfad kreuzte, schalteten den Motor aus und warteten. Ich fand insgeheim, dass wir ganz schön pokerten. Doch schon bog der Tiger um die Ecke. So ein schönes Tier!
Ich sah aus der Ferne, wie die anderen Autos in Windeseile aufbrachen, die meisten hatten noch bei der mittlerweile unsichtbaren Katze ausgeharrt. Zu spät. Als sie zu uns stießen, war der Tiger längst im Wald verschwunden.
Die indischen Gäste unseres Hotels zeigten unserem Fahrer anerkennend den hochgereckten Daumen. Das hatte er wirklich toll vorausgeahnt.
Der Morgen war damit schon gelungen, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte. Das war deshalb besonders schön, weil diese Safari kürzer ausfiel als gewöhnlich. Schließlich ging es im Anschluss noch fast direkt weiter zur nächsten Station unserer Reise.
Short-toed Snake Eagle (Schlangenadler)
Zum Abschluss dieser letzten Fahrt fuhren wir durch eine Gegend, in der wir vorher noch nie gewesen waren, und landeten bei in einem kleinen Areal, das offenbar zum Picknicken gedacht war. Ich war sofort im Bann einer ganzen Horde von Affen, die sich hier herumtrieb und offenbar auch die Regeln bestimmte.
Denn wir wurden nun in eine winzige Hütte geführt, in der es zwar einen Tisch und Stühle gab, in der es aber leider alles andere als gut roch. Ich wollte dringend weg von diesem Kanalisationsduft, draußen zu essen war aber verboten; sicher wegen der Languren, das sah ich schon ein. Mein Geruchsorgan und mein Magen protestierten aber so heftig, dass ich diesmal aufs Frühstück verzichtete, so wie ich es ohnehin von zu Hause gewohnt bin.
Thomas bewies etwas rustikalere Ansätze und während er drinnen aß, vertrieb ich mir begeistert die Zeit bei den Affen, die ein ziemliches Theater veranstalteten.
Allen voran ein kleiner Schmutzfink, der ein bisschen mit Mama schmuste, ...
... aber eigentlich gar kein Sitzfleisch hatte. Vielleicht wollte er auch ein bisschen angeben, als er mich und später auch Thomas als Zuschauer entdeckte, der Eindruck drängte sich jedenfalls auf. Wie ein Flummi sprang er herum, jagte seinen eigenen Schwanz und zeigte auch keinerlei Respekt vor Älteren und Stärkeren.
Die griffen teilweise zu drastischen Maßnahmen, um den frechen Kerl buchstäblich einzufangen, der immer mehr aufdrehte, bevor er schließlich zur Räson gebracht wurde.
Als sich das Affentheater beruhigt hatte, rollten wir zurück zum Hotel, wo wir deutlich früher als sonst ankamen.
Das hatte den Vorteil, dass die Vogelwelt nun anders als zur Mittagszeit noch ziemlich in Bewegung war. Wir gingen also auf die Pirsch und mussten nicht lange suchen, denn die Vögel kamen zum Wasser, und das gab es im Garten an mehreren Stellen direkt vor unserer Nase.
Indian white-eye
Scaly-breasted munia
Der Besitzer stieß zu uns. Er zählte die unterschiedlichen Spezies auf, die er schon in seinem Garten gesehen und fotografiert hatte, das war eine ziemlich imposante Liste, hier hätten wir gut und gerne auch einen Morgen ganz ohne Gamedrive verbringen können. Am besten unter seiner Mithilfe, denn er kannte die Gewohnheiten und Terrains der unterschiedlichen gefiederten Besucher genau.
Schließlich führte er uns auf die Dachterrasse, die wir schon von der "Bollywood-Party" kannten, und zeigte uns das Nest eines Coppersmith Barbet (Rotscheitel-Bartvogel) in einem Baumstamm, das man von dort aus gut und fast auf Augenhöhe sehen konnte.
Dieser Vogel ist in aller Regel schwer zu erwischen, und ich war happy.
Tagelang hatte er mich mittags in seinem Garten auf Vogelpirsch gehen sehen, und nach jeder Ausfahrt hatten wir gemeinsam mit ihm die Spatzen beobachtet, die in einem Regal in der offenen Rezeption nisteten. Warum hatte er uns nicht schon vorher in die Geheimnisse seines Gartens eingeweiht? Ihr habt ja nicht gefragt, meinte er achselzuckend. Manchmal machen mich die Inder fertig.
Noch während wir auf der Dachterrasse standen, erhielten wir einen Anruf auf Thomas' Handy. Oje, es war doch wohl nichts passiert?! Doch es gab Erfreuliches, unsere Agentur schenkte uns einen Drive für diesen Nachmittag, an dem eigentlich keiner vorgesehen war. Wir mussten nur rechtzeitig im Süden von Tadoba sein. Ok, dann aber los. Wir holten flugs unsere Siebensachen, unser Fahrer wartete schon, und düsten los. Wir waren eine ganze Weile unterwegs, kamen aber mit der Zeit locker hin.
Das Irai Safari Retreat gefiel uns auf den ersten Blick und vielleicht am besten von allen bisherigen Unterkünften, sehr moderne Bungalows mit einem Außenbad, dessen Dach aus Drahtgeflecht schwer malträtiert war von den Languren, die damit von Beutezügen abgehalten werden sollten. Die Reparaturen hörten wahrscheinlich nie auf, denn die Affen oben in den Bäumen waren zahlreich und hier auch zu Hause. Die Hotelanlage liegt inmitten eines 15 Hektar großen naturbelassenen Waldstücks.
Den großen Pool nutzte nur Thomas einmal, ich stromerte lieber am Fluss herum, der mitten durch die Anlage fließt und auch hier viele Tiere anlockt - vor allem natürlich wieder Vögel. Nur das - wie immer indische - Buffet hatte nicht ganz die Klasse wie in den Hotels zuvor. Aber schlecht war es auch nicht, und fürs Essen waren wir ja auch nicht gekommen.
Indian golden Oriole
Direkt nach unserer Ankunft stellte sich uns eine junge Inderin in Ranger-Kleidung vor, auf die sie in den nächsten Tagen verzichtete, nachdem sie bemerkte, dass wir selbst ziemlich leger in Shorts, T-Shirt und manchmal sogar Flip Flops auf den Wagen kletterten. Pallavi stellte sich uns als eine der Naturalistinnen der Lodge vor, diesmal allerdings eine, die uns auf jeder Fahrt in den Park begleiten würde.
Das waren neue Spielregeln, bislang waren wir immer zu Viert auf dem Wagen gewesen, nun verlor ich den Komfort meiner eigenen Sitzreihe, weil sie hinten links auf dem dafür auch vorgesehenen Guide-Sitz Platz nahm, während sich Fahrer und der Ranger vom Forest Department vorne tummelten.
Anfänglich war ich wenig begeistert. Wozu nun das auch noch? Doch es zeigte sich schnell, dass die Uhren hier noch anders tickten als in den anderen Parks oder Teilen von Tadoba. Der Tourismus steckte noch relativ in den Kinderschuhen und das Irai Safari Retreat, in dem wir abermals vier Nächte verbrachten, war (und ist vielleicht immer noch) das einzige Camp am Südende des Tadoba Andhari Tiger Reserve.
Wir brauchten Pallavi allein schon, um uns überhaupt mit Fahrer und Guide zu verständigen, die anders als zuvor beide praktisch auf jedem Drive wechselten. Bisher waren wir mit Englisch wunderbar durchgekommen, damit war nun Schluss. Sie hatte sich außerdem in dieser Männerdomäne durchgesetzt und diktierte klar das Geschehen. Das war gut, denn sie verstand nicht nur sprachlich die Wünsche ihrer Gäste. Wie wir war sie interessiert an allen Waldbewohnern und begeistert davon, dass wir auch nach Vögeln Ausschau halten wollten.
Spotted Owlet (Brahmakauz)
Red-naped Ibis (sieht aus, als hätte ihm jemand aus Knetmasse rote Haare eingepflanzt)
Als Wildlife-Fotografin kannte sie sich nicht nur bestens im Revier aus, sondern fand auch die bestmöglichen Positionen und Winkel. Nicht selten tauschten wir dabei spontan die Plätze und kamen ziemlich gut zurecht auf unserer gemeinsamen Rückbank.
Zu Recht war sie stolz auf ihr Diplom, das sie uns auf einem Handyfoto zeigte. Ihre Mutter neben ihr lächelte darauf ebenso stolz wie die Tochter, die ihren Traum lebte. Eine Frau in diesem Beruf, so berichtete uns die selbstbewusste und sympathische Pallavi, sei in der Generation ihrer Mutter noch nicht denkbar gewesen. Zum Glück ändern sich die Zeiten oft eben auch zum Besseren.
Das Zari Gate war nur eine kurze Fahrt entfernt und schon betraten wir das nächste Naturparadies - das in diesem ruhigeren Part des Parks keine Grenzen kennt. Es ist nicht ungewöhnlich, auf der Asphaltstraße in der Pufferzone, die zum Gate führt, Tigern, Leoparden oder Bären zu begegnen. Die Menschen leben hier mit und von der Natur, die sie umgibt.
Auf dieser ersten Bonusfahrt fanden wir allerdings nichts von alledem, auch das kann in diesem Bereich des Parks gut passieren. Der Vorteil ist allerdings auch: Wenn man etwas findet, teilt man es nicht mit so vielen Menschen wie unter Umständen woanders.
Wir waren ziemlich zufrieden mit dieser ersten Safari, und das längst nicht nur, weil sie ein Geschenk gewesen war.
Flughunde im Tiefschlaf ...
... und ein Nightjar, auch nicht ganz wach.
Die gute Stimmung mit Pallavi, bei der wir uns wunderbar aufgehoben fühlten, die vielen hübschen Vögel, das war ganz nach unserem Geschmack.
Pipit
Painted Sandgrouese (male)
Eastern Black Redstart
Painted Sandgrouese (female)
Green Imperial Pigeon
Und eine besondere Sichtung gab es dann auch noch, die noch nicht einmal unserer Naturalistin bislang untergekommen war. Zwei Indian Roller waren so in ihr Liebesspiel vertieft, dass sie keinerlei Notiz von uns nahmen.
Der Galan hatte seiner Auserwählten sehr vorbildlich vorab ein angemessenes Hochzeitsgeschenk überreicht. Die kleine Echse wurde nun minutenlang ziemlich durchgeschüttelt, wenn sie nicht ohnehin längst das Zeitliche gesegnet hatte. Was ich sehr für sie hoffte.
Das große Fressen bekamen wir dann nicht mehr mit. Flugs flogen die beiden Turteltauben, die eigentlich keine waren, nach vollzogenem Akt davon, der erstaunlich lange gedauert hatte.
Während sich die beiden Jungs vorne im Auto offenkundig gewundert hatten, was wir hier denn bloß so lange machten, redete der hintere Teil des Jeeps noch während der gesamten Rückfahrt davon, was er da Erstaunliches zu sehen bekommen hatte.
H.Badger1'824 Beiträge · seit 201601. Aug. 2026 · #93
Hallo Betti,
was für eine Tigerparade! Ich bin sehr beeindruckt. Tadoba ist wohl wirklich ein sehr guter Ort für Sichtungen, der es aber leider nicht auf unser zweites Tourprogramm geschafft hat. Ob das wohl ein Fehler war? Zu viele Ziele, zu wenig Zeit.
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201602. Aug. 2026 · #95
Hallo ihr Lieben,
einmal mehr vielen Dank an alle Mitreisenden, Dankedrücker und für die Kommentare, das hält die Motivation hoch und freut uns sehr!
Champagner schrieb:das war ja mal wieder ein sehr ereignisreiches Kapitel mit tollen Fotos - beste Unterhaltung zum ersten Kaffee des Tages
Das ist sein sehr, sehr schönes Kompliment, merci! 😘
Champagner schrieb:Alles wie immer ohne Gewähr!
Ich denke, du liegst vollkommen richtig. 1000 Dank! Aber wie machst du das bloß? Bei uns hat Merlin ziemlichen Blödsinn ausgespuckt... 😐
H.Badger schrieb:Tadoba ist wohl wirklich ein sehr guter Ort für Sichtungen, der es aber leider nicht auf unser zweites Tourprogramm geschafft hat. Ob das wohl ein Fehler war? Zu viele Ziele, zu wenig Zeit.
Danke, lieber Sascha! Ich glaube nicht, dass das ein Fehler war, ihr werdet schon wie immer eine runde Tour mit tollen Stationen geplant haben und habt ja offenbar auch wieder kulturelles Sightseeing etc. mit drin. Wir hatten einen sehr klaren Fokus, das ist in der Planung dann einfach anders, sicher auch etwas einfacher. Wie du sagst: Alles passt oft nicht; und es gibt ja auch immer noch die Möglichkeit, noch mal und noch mal hinzureisen. 🙂
Daxiang schrieb:neben euren 1A Tigersichtungen brennt ihr auch noch ein tolles Vogelfeuerwerk ab und auch die anderen Tierbegegnungen machen Lust auf mehr!
BeatnickThemenstarter1'717 Beiträge · seit 201605. Aug. 2026 · #96
Tadoba Teil V: Die Tiger-Familie
Wir mochten den Südteil des Tadoba, der uns im Vorfeld als atmosphärischer und mit mehr "Wildnisgefühl" als andernorts geschildert worden war. Die Permits sind rarer, die Besucher weniger; allerdings sind auch Tigersichtungen weniger "garantiert".
Palavi schilderte uns den Druck, unter dem die Guides (bzw. die Naturalisten) zuweilen stehen. Es war durchaus schon vorgekommen, dass das nicht gerade kleine Red Earth Tadoba ausgebucht gewesen war, aber keiner der Gäste 14 Tage lang auch nur den Fitzel eines Tigers zu sehen bekommen hatte.
Natürlich möchte jeder etwas sehen für sein Geld, aber die Inder scheinen mir in dieser Hinsicht besonders ungnädig zu sein und setzen den Guides offenbar ziemlich zu, wenn es nicht nach ihren Wünschen läuft. Wir versicherten Palavi, dass in dieser Hinsicht von uns nichts zu befürchten sei; auch wenn wir natürlich nicht zuletzt von Safaris in Afrika die Enttäuschung nur allzu gut kennen. Wenn erhoffte Sichtungen dauerhaft ausbleiben oder - fast noch schlimmer - man einen klitzekleinen Moment zu spät kommt und die Objekte der Begierde gerade erst verschwunden sind. Aber dafür kann ja in aller Regel niemand was - und irgendwas Spannendes hat die Natur sowieso immer in petto.
Wir schauten also einfach, was uns wohl auf dieser letzten Station noch so begegnen würde, ohnehin waren wir längst bei den gefühlten Zugaben angekommen.
Was nicht heißt, dass wir "satt" waren. Die Möglichkeit, etwas Besonderem zu begegnen und der Adrenalinschub, wenn dieser Fall dann tatsächlich eintritt, sind wohl neben dem ohnehin schönen Naturerlebnis der Suchtfaktor Nummer eins.
Es war noch ziemlich dunkel im Bambuswald, als wir an unserem zweiten vollen Tag durchs Zari Gate rollten - und nicht besonders weit kamen. Eine Tigerin lief über eine kleine Lichtung. Wir stoppten und machten Fotos, doch Palavi schaute sich aufmerksam um.
Diese Tigerin habe Nachwuchs, und da er noch an ihrem Rockzipfel hing, könne er eigentlich nicht weit sein, erzählte sie. Wir waren sofort hellwach - das Adrenalin, es lauerte schon.
Sie gab Anweisungen nach vorne, wir fuhren eine Schleife und hielten schließlich an einer Weggabelung an. Erst passierte nichts - und dann ganz viel. In aller Seelenruhe schlappte die Katze auf uns zu - ein toller Moment.
Palavi hatte alle Hände voll zu tun, sie gab weiter Anweisungen an Fahrer und Guide, wir rollten rückwärts, um Platz zu machen und stellten uns zudem so, dass niemand an uns vorbeifahren konnte. Nicht, um anderen den Spaß zu verderben, sondern um die mittlerweile von hinten heranbrausenden Autos davon abzuhalten, allzu nah heranzufahren und die Tiger zu stören sowie zu vertreiben. Die Sichtung hatte sich herumgesprochen unter den Guides, auch Palavi hatte ihre Kollegen informiert - Funk ist zwar verboten, aber die Kommunikation läuft über SMS.
Von hinten gab es Gemurre, man wollte näher ran, und zwar sofort. Aber Palavis Plan ging auf, nun tauchten tatsächlich die drei Kleinen aus dem Gebüsch auf. So junge Tiger - etwa drei Monate alt - hatten wir noch nie zu Gesicht bekommen.
Die Mutter versammelte das Trio kurz, das sich nun ins Dickicht direkt neben dem Weg zurückzog. Die beiden Jungs waren schon viel unabhängiger und auch kräftiger als das kleine und etwas schmächtige Tigermädchen, das immer dicht bei Mama blieb.
Auch die beiden Jungs zeigten vollkommen unterschiedliche Charaktere. Der Introvertiertere hielt sich sehr im Hintergrund, der Extrovertierte machte auf Chef, war extrem neugierig und setzte sich so in Position, dass er das allgemeine Geschehen auf jeden Fall im Blick behielt.
Es schien keine Frage, wer wohl irgendwann das Regiment in diesem Teil des Waldes übernehmen würde.
Als sich die Familie häuslich eingerichtet hatte, lotsten Palavi und die anderen Naturalisten alle Jeeps per Handzeichen zu geeigneten Plätzen. Davon gab es einige, denn der Weg war glücklicherweise genau an dieser Stelle breit genug. Millimeterarbeit blieb es trotzdem, wir hätten unseren Nachbarn leicht die Hände reichen können.
Es war großartig, die kleine Familie zu beobachten, irgendwas passierte immer irgendwo. Die Tochter blieb anhänglich und holte sich Schmuseeinheiten bei Mama ab, die innige Verbundenheit rührte uns.
Es herrschte Frieden im Wald. Nur eine indische Dame direkt in meinem Rücken zeterte vor sich hin und motzte schließlich Palavi an. Die antwortete so forsch, dass ich kurzfristig sogar von den Tigern abgelenkt war. Da ich kein Wort verstand, drehte ich mich nichtsahnend um und strahlte die Dame an. Kein böser Wille. Ich dachte wirklich nicht, dass etwas dieses Erlebnis trüben könnte.
Später fragte ich Palavi, worum es denn eigentlich gegangen sei? Die Dame - ebenfalls Gast in unserem Hotel - hatte a) gefunden, dass unser Jeep auf dem Weg selbigen hätte freigeben sollen - Rücksicht auf Tiger hin oder her.
Und b) war sie empört, dass wir nun in der ersten Reihe standen und sie "nur" dahinter. Mit ihrem Handy konnte sie nun nicht die Bilder machen, die ihr vorschwebten. Allein, an ihrer Position und dem halben Meter mehr lag es nun beim besten Willen nicht. Alle hatten - soweit es das Unterholz zuließ - freien Blick auf das schöne Geschehen.
Palavi sprach ein letztes Machtwort, und die Dame verstummte - nicht ohne vorher noch entschieden anzumerken, Palavi müsse als Inderin schließlich vorrangig die Interessen der indischen Gäste im Blick haben und nicht unsere. Rassisten gibt es überall.
Ich ahnte von alldem noch nichts und genoss einfach den Moment, und als sich die Tiger nach einer guten Dreiviertelstunde etwas weiter in den Wald zurückzogen, waren wir euphorisiert bis in die Haarspitzen.
Auch deshalb empfanden wir es nicht als Katastrophe, dass sich mittags der Himmel zusehends zuzog und es schließlich auf dem Weg zum Nachmittagsdrive zu regnen begann. Am Gate stellten wir uns unter, bei Gewitter durfte eh niemand rein, doch der Regen wurde immer heftiger. Wir hatten wenig Verlangen, uns auf dem Auto nassregnen zu lassen, und kehrten unverrichteter Dinge zur Unterkunft zurück.
Wir holten Schlaf nach, und als es viel später aufklarte, setzten wir uns erst auf unserer Terrasse und gingen dann im Garten auf die Pirsch.
Black-naped Monarch
Oriental Magpie-Robin
Alles trocknete schnell und die Vögel waren besonders aktiv, als sich die Sonne wieder zeigte.
Paradise Flycatcher (female)
Ashy Prinia
Weil es so schön war und wir uns nach dem vielen Sitzen bewegen wollten, bummelten wir in wenigen Minuten zu einem kleinen See, der beim Hotel direkt um die Ecke liegt.
Ich überlegte, dass es schön sein könnte, auch morgens einmal hierherzukommen. Dass sich die Gelegenheit unfreiwillig tatsächlich ergab, ahnte ich da noch nicht.
Am Abend suchte und fand uns Palavi beim Abendessen, mit bekümmerter Miene teilte sie uns mit, dass der Gamedrive am nächsten Morgen ausfiele, weil die lokale Agentur bei der Buchung einen Fehler gemacht habe.
Ich rief sofort dort an, was war da los? Der Mitarbeiter versuchte mich erst einmal davon zu überzeugen, dass wir schließlich als Ausgleich bereits eine Ausfahrt geschenkt bekommen hatten. Aber die, so argumentierte ich, sei doch tatsächlich ein Geschenk gewesen - und damit zusätzlich? Schließlich gab er zerknirscht zu, dass sie schlichtweg verbaselt hatten, für diese geplante Fahrt ein Permit zu buchen. Und nun war keins mehr zu bekommen. Immerhin war er nun ehrlich.
Zu machen war da nichts. Die Permits vor allem für die Kernzonen sind oft Monate im Voraus weg. Zum Ausgleich gab es immerhin (meiner etwas getrübten Erinnerung nach) einen Gamedrive am letzten Morgen in der Pufferzone.
Wir trösteten uns damit, dass wir am nächsten Morgen immerhin einmal nicht um 5 Uhr aus den Federn kriechen mussten. Und natürlich mit der tollen Erinnerung an die Tiger-Familie.
Beatnick schrieb: Und b) war sie empört, dass wir nun in der ersten Reihe standen und sie "nur" dahinter. Mit ihrem Handy konnte sie nun nicht die Bilder machen, die ihr vorschwebten.
Hmm, etwas mehr Dankbarkeit und weniger Gezeter hätte der Dame gut zu Gesicht gestanden - schließlich hätte sie auch KEINE Tiger sehen können 😎
Zu niedlich - wie das Tigerkind liebevoll „gewaschen“ wird. Mein Lieblingsbild in diesem Abschnitt - toll sind alle Bilder ausnahmslos! 🙂
ich freue mich jedes Mal sehr, wenn Du ein neues Kapitel Deines spannenden Indien-Safari-Reiseberichts einstellst. Eine echte Tigerflut durftet Ihr da bisher erleben. Aber die kleinen Tiger sind nochmal ein absolutes Highlight. Was für eine schöne und besondere Sichtung!!! Ich bin total begeistert von Euren Bildern davon! Super süß, wie die Kleine sich von der Mama abschlecken lässt. Das da noch jemand die Zeit findet herumzumeckern und unzufrieden zu sein, da fehlen einem wirklich die Worte...Ansonsten finde ich auch Eure vielfältigen Vogelsichtungen ganz toll. Manchmal ist so ein Nachmittag oder morgen Zeit fürs Birden doch auch ein schöner Ersatz für eine ausgefallene Safari. Mir ging es so, dass ich da wegen den ganzen Safaris kaum zu gekommen bin in der Lodge. Aber der nächste Indien-Urlaub ist mit mehr Muße fürs Birden geplant. Wenn man erstmal einen Tiger gesehen hat, lässt der schlimme Druck nach. 😉
Ich bin gespannt, wie es in den restlichen Tagen weiter geht.
ich bin hin und weg von euren Erlebnissen und den Fotos ! Bin gespannt, wie es weiter geht ....
Liebe Grüße
Makra
fotomatte2'519 Beiträge · seit 200914. Aug. 2026 · #100
Hallo Betti,
wirklich (wie von euch gewohnt) phantastische Fotos, obwohl ich den Tigerhype jetzt nicht so ganz nachvollziehen kann.
Aber sag mal, heißt der kleine blaue Vogel wirklich "Black-naped Monarch"? Oder sind das die Schmetterlinge auf dem Folgefoto. 😉 Ich frage für einen Freund. 🤭