H.Badger schrieb: Liebe Tina, auf den Besuch des Taj Mahal könnt ihr euch freuen! Macht ihr das eigentlich auf eigene Faust oder nehmt ihr einen Guide mit? Ich habe mir gestern die Website eurer Lodge am Chambal angeschaut. Das ist ja wirklich eine tolle Location! Rückblickend schade, dass ich das gar nicht auf dem Schirm hatte. Die dort angebotenen Safaris klingen alle sehr interessant. Schön, dass ihr dort sicher Saruskraniche sehen werdet! Die Ausflüge zu den Blackbucks und natürlich die Bootsfahrten könnten mich schon davon überzeugen, irgendwann nochmal in die Region Agra zurückkehren zu wollen.
Lieber Sascha,
den Besuch des Taj Mahal unternehmen wir - genauso wie ihr - mit einem Guide. Wir haben einen für den ganzen Tag in Agra und starten auch vor dem Frühstück mit dem Taj Mahal. Das scheint wohl der Klassiker zu sein, da es alle so machen. 😉 Ich bin schon gespannt, wie Euer Besichtungstag dort weiter geht! Die Blackbuck-Safari von der Chambal Safari Lodge hätte mich ansonsten auch sehr interessiert. Leider sind wir nur zwei Tage da und zusammen mit den anderen Aktivitäten, würde das zu viel werden. Aber wer weiß, vielleicht gibt es noch einen zweiten Indien-Besuch, wenn der erste uns gefällt. Das klingt bei Dir ja auch so, dass Du gerne nochmal wiederkommen möchtest.
Hallo Sascha, wir haben den Ranthambhore-Nationalpark besucht, inkl. Tigersichtung 😄 VG Jirka
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201619. Juni 2025 ·
@ Tina76 Liebe Tina, ja - das scheint das bewährte Standardprogramm in Agra zu sein. Wir haben die Anwesenheit des Guides aber in jedem Fall als Gewinn empfunden. Einer zweiten Reise gegenüber bin ich tatsächlich gar nicht abgeneigt - aber erstmal ruft Afrika laut nach uns...
@ jirka Hallo Jirka, wie schön! Nach Ranthambhore kommen wir auch noch. Herzlichen Glückwunsch zur Tigersichtung dort! 🙂
Gleich geht es hier mit dem nächsten Kapitel weiter.
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201619. Juni 2025 ·
11. Kapitel: Ein Nachmittag in Agra
Die glühend heißen Stunden der Mittagszeit verbringen wir im Radisson Blu. Unser Zimmer ist gut heruntergekühlt und die Betten sind nach dem frühen Aufstehen und intensiven Besichtigen einladende Orte. Aber auch der Pool, der sich auf dem Dach des Hotels befindet, lädt zu einem Besuch ein. Während die Kinder im kühlen Nass herumplanschen, zerfließe ich im knappen Schatten, der sich hier oben bietet. Belohnt wird man jedoch mit schönen Blicken über Agra in Richtung Taj Mahal, ohne das die Skyline der Stadt zugegebenermaßen recht wenig zu bieten hätte.
Am Nachmittag geht die Besichtigungstour weiter. Als ersten Programmpunkt besuchen wir (unangekündigt 😈 ) eine Marmorwerkstatt. Eigentlich lehnen wir solche „Butterfahrt-Programmpunkte“ ab, aber Agra ist noch immer bekannt für dieses Kunsthandwerk und so möchten wir einen Blick riskieren. Bei der als Parchin Kari bekannten Kunstform werden Edel- oder Halbedelsteine wie Lapislazuli oder Jade per Hand so in Marmor eingearbeitet, dass florale und geometrische Muster entstehen. Wir werden freundlich empfangen, in klimatisierte Räume geführt und bekommen Kaltgetränke serviert. Das ist in Anbetracht der draußen herrschenden Temperaturen schonmal schön. Auch die Demonstration der Einlegearbeiten ist interessant: Eine zeitaufwändige Fingerspitzen- und Geduldsübung für die Kunsthandwerker.
Im Anschluss geht es in den unvermeidlichen Verkaufsraum. Hier wird psychologisch geschickt vorgegangen, denn in diesem Raum sind vor allem große Produkte ausgestellt: Tischplatten, Hocker… Das alles hat natürlich seinen Preis und wir können uns kaum vorstellen, dass der Durchschnittstourist einfach mal spontan einen neuen Esszimmertisch erwirbt. Wir lehnen also höflich dankend ab, müssen aber zugeben, dass das ein oder andere Stück wirklich sehr schön anzusehen ist. Solche Situationen sind uns einfach immer unangenehm… 😵 Und auf dieses schlechte Gewissen baut der zweite Verkaufsraum, in dem eine Vielzahl kleinerer Produkte ausgestellt ist. Hier gibt es Zierteller, Glasuntersetzer, Döschen… Und auch hier ist vieles schön anzusehen, aber die aufwändige Handwerkskunst hat auch im Kleinformat ihren recht stolzen Preis. Trotzdem wechseln nach einigem Hin- und Herüberlegen ein paar Souvenirs den Besitzer. So ganz ohne Parchin Kari Kunstwerke wollen wir Agra dann doch nicht verlassen, auch wenn wir dies eine Stunde zuvor noch nicht wussten… 😛
Weiter geht es nun zum Hauptprogrammpunkt des Nachmittags, dem Roten Fort, einer Festungs- und Palastanlage aus der Mogulzeit. Es diente im 16. und 17. Jahrhundert mit Unterbrechungen als Residenz der Mogulherrscher. Der Bau wurde 1565 unter Akbar dem Großen, der die Hauptstadt von Delhi nach Agra verlegen ließ, aufgenommen und unter seinen Nachfolgern, vor allem unter Shah Jahan, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert.
Bereits vor dem Eingangstor ist der Anblick des gewaltigen Forts mit seinen mächtigen roten Mauern beeindruckend.
Die ältesten Teile des Forts sind aus rotem Sandstein gefertigt. Wir durchschreiten mit nur wenigen anderen Besuchern großzügige Höfe, betrachten schmuckvolle Verzierungen.
Dabei entdecken in einer dunklen Halle einige Fledermäuse, die sich durch ihr Fiepen und vor allem durch den Geruch ihrer Hinterlassenschaften verraten. Ein beeindruckendes Gebiss haben diese kleinen Kerle!
Vom Roten Fort aus bieten sich schöne Ausblicke auf das Taj Mahal.
Dessen Erbauer Shah Jahan wurde 1658 nach der Machtergreifung durch seinen Sohne bis zu seinem Tode hier unter Hausarrest gestellt. Aus der Ferne konnte er also das Grabmal seiner liebsten Frau bis zu seinem eigenen Ende betrachten.
Grund für die Entmachtung soll gewesen sein, dass Shah Jahan beabsichtigte, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Yamuna ein aus schwarzem Marmor gefertigtes Mausoleum als Gegenstück zum Taj Mahal für sich selbst zu errichten. Diese Unternehmung hätte die Staatskasse weiter geschröpft und so wurde der sehnsuchtskranke Vater kurzerhand entmachtet und unter dauerhaften Hausarrest gestellt.
Besonders prächtig sind die Gebäudeteile, die während der Herrschaftszeit von Shah Jahan entstanden sind.
Hier dominiert weißer Marmor mit aufwändigen Intarsien. Umgeben sind die Bauten von geometrisch angelegten Gärten. In der Mogularchitektur ist wenig dem Zufall überlassen.
Diwan-i-Khas mit privater Audienzhalle
Khas Mahal – ein Palast für die zwei Lieblingstöchter des Shah Jahan
Auch Rhesusaffen finden es hier schön. Und wir finden den Anblick wunderbar exotisch.
Die riesige Audienzhalle Diwan-i-Am beeindruckt mit luftigen Bogengängen.
Besonders schön ist aber der bereits unter Akbar erbaute Jahangir Palace, der Wohnstätte der Königinnen war.
Viel Zeit kann man in diesem riesigen Gebäudekomplex verbringen. Uns hat die Besichtigung trotz der hohen Temperaturen richtig gut gefallen.
Zum Sonnenuntergang fahren wir auf die gegenüberliegende Seite des Yamuna. Hier bietet sich von einem Aussichtspunkt der Agra Developement Authority (A.D.A.) ein schöner Blick auf das Taj Mahal. Auf dem Weg dorthin begegnet uns die ein oder andere Kuh.
Während das Licht des Tages immer schwächer wird, genießen wir von einer Bank aus schöne Blicke auf das Taj Mahal. Ein gelungener Tagesausklang und Abschied von der Mogularchitektur Agras.
Auf dem Rückweg zu unserem Auto geschieht dann leider noch unangenehm Aufregendes. Wir passieren eine kleine Kuhherde, als plötzlich Unruhe entsteht. Eine Kuh stürmt an uns vorbei, eine andere aber senkt den Kopf und geht mit hoher Geschwindigkeit unvermittelt zum Angriff über. 😵 Hier dehnen sich in der Erinnerung die Sekunden. Reflexartig packt jedes Elternteil eine Tochter und wir springen hinter eine Straßenabsperrung, die glücklicherweise gerade zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Die Kuh bremst vor dem Stahlgitter ab und rennt davon, ohne uns aufgespießt zu haben. Das ist gerade nochmal gutgegangen. Der Schreck bei einigen Familienmitgliedern sitzt jedoch tief. Vor allem eine unserer Töchter möchte hier keinen Schritt mehr zu Fuß gehen. Zum Glück kann unser Guide ein Tuktuk heranwinken, in das wir uns dankbar flüchten und so durch die einsetzende Dunkelheit jeder noch so heiligen Kuh davonbrausen.
Zurück im Hotel können wir einmal mehr den aufwändigen Vorbereitungen einer Hochzeit beiwohnen.
Während in der Lobby lautstark gefeiert und getanzt wird, schleichen wir uns nach dem Abendessen kurz in ein bereits verlassenes Trauzimmer und besehen uns die bunte Dekoration aus der Nähe. Spannend.
Und auch aus dem Fenster unseres Zimmer können wir später Hochzeitsprozessionen beobachten, die mit viel Musik und beleuchteten Wagen tanzend durch die Straßen ziehen. Die Hochzeitskultur in Indien ist schon sehr besonders.
Am nächsten Tag werden wir Agra bereits wieder verlassen. Der legendäre Ranthambhore Nationalpark in Rajasthan erwartet uns. Ob sich die Tiger auch hier wieder so erfolgreich vor uns verstecken werden? 😕
Old Women1'543 Beiträge · seit 201319. Juni 2025 ·
Am nächsten Tag werden wir Agra bereits wieder verlassen. Der legendäre Ranthambhore Nationalpark in Rajasthan erwartet uns. Ob sich die Tiger auch hier wieder so erfolgreich vor uns verstecken werden? 😕
So, Sascha, jetzt muss ich mich, der ich bislang ja nur stiller Begleiter war, auch einmal zu Worte melden. Ich hatte dir ja berichtet, dass wir anfangen, uns mit dem Reiseland Sri Lanka auseinanderzusetzen. Haben wir auch gemacht, und noch einmal lieben Dank für deine Hilfe, gebucht haben wir jedoch eine ganz andere Destination, nämlich für den kompletten Februar 2026 Indien. Reinhard wollte da immer schon einmal hin, und in diesem Land kann man ja wunderbar Kultur und Safari mischen, eine sehr reizvolle Kombi wie ich finde. Ich will doch stark hoffen, dass ihr im Ranthambore Nationalpark Tiger vor die Linse bekommen habt. Wir haben dort mehrere Tage eingeplant und freuen uns auf alles, was uns vor die Linse kommt. Die meisten Touristen können sich ja nur für die großen Tiere begeistern, bei uns ist das anders, wir mögen auch Vögel und anderes Kleinvieh. Daher haben wir mehrere Privatsafaris gebucht, das ist für alle Beteiligten mit Sicherheit komfortabler. Auf Tiger würden wir uns natürlich auch freuen 🙂 ! Interessant ist deine Beschreibung der örtlichen Toiletten: "Wannen" benennst du die, vermutlich meinst du den guten alten "Donnerbalken", der früher überall auf den Raststätten der französischen Autobahn zu finden war 😐 . Keine guten Aussichten, aber den habe ich früher auch überlebt. Agra scheint ja himmlisch zu sein. Wir haben dort 2 Nächte gebucht, und fast scheint mir das zu wenig, die Möglichkeiten dort sind mehr wie vielfältig. Wir werden sehen.
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201621. Juni 2025 ·
@ Old Woman Liebe Beate, das sind ja tolle Neuigkeiten! Und einen ganzen Monat habt ihr euch Zeit genommen - das wird bestimmt eine tolle Reise. Ich könnte da auch schon wieder hin... Die Kombination von Kultur und Natur ist in Indien wirklich ideal.
Ranthambhore wird euch bestimmt gefallen. Wir hatten dort wirklich schöne Ausfahrten - auch jenseits von Tigern. Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, sich im Vorfeld nicht zu sehr auf die gestreiften Katzen zu versteifen, denn dann droht die Gefahr, dass man andere Sichtungen nicht mehr so gut wertschätzen kann.
Tatsächlich sind meine "Wannen" deine "Donnerbalken". Die Herausforderung hielt sich bei uns aber in Grenzen, da wir immer an auch westlichen Toilettenanlagen gehalten haben.
Agra ist tatsächlich toll. Vielleicht nicht als Gesamtstadt, aber auf jeden Fall von den Sehenswürdigkeiten her. Ich denke, dass ihr mit zwei Nächten dort gut bedient seid, um die wichtigen Orte in Ruhe ansehen zu können.
nach unserer Rückkehr aus Norwegen habe ich Deinen tollen Bericht endlich einmal "nachgelesen". Es macht wirklich Spaß, Euren Kultur- Naturmix mitzuerleben.
Wir realisieren: Wir sind tatsächlich hier. Wie cool ist das denn!
Das istd as Gefühl, für das wir alle reisne, oder? Und als wir in 2007 am Aj Mahal standen, empfanden wir es genauso. In Ranthambore hatten wir damels einen Briten mit im AUto. Er machte Vogelfotos...... 🤩 und wir amüsierten uns ein wenig über diesen seltsamen Menschen 😊 😉
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201622. Juni 2025 ·
@ Casimodo Lieber Carsten, wie schön, dass du nach der Rückkehr von eurer tollen Norwegentour hier weiter mit Spaß mitliest. Uns ging es vogelbezogen damals auch so. Auf unseren ersten Safaris waren es vor allem die großen Säuger, die uns interessiert haben. Und heute werden wir wohl von vielen genauso belächelt, wie es einst der Brite wurde. 😄 Liebe Grüße an euch zwei! Sascha
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201623. Juni 2025 ·
12. Kapitel: Willkommen in Ranthambhore!
Ein letztes Mal genießen wir das Fünf-Sterne-Frühstück in Agra, bevor wir uns auf den Weg zum circa 300 Kilometer entfernten Ranthambhore Nationalpark machen. Die Fahrt ist mit rund fünf Stunden angesetzt, wird aber bedeutend länger dauern, denn gar nicht weit von unserem Ziel entfernt kommt es auf einer Brücke, die sich über eine Ortschaft zieht, zu einem schier unauflösbaren Verkehrsinfarkt. 😣 Ein LKW ist auf der zweispurigen Fahrbahn liegen geblieben. Zum Glück für uns steht er auf der Gegenfahrbahn. Aber kurz bevor wir die Stelle erreichen, springen einige Männer auf die Straße, um unsere Spur zu blockieren und es unserem Gegenverkehr endlich zu ermöglichen, an dem LKW vorbeizufahren. Das sehen einige Fahrzeuge hinter uns aber so gar nicht ein und so werden wir hupend und brüllend überholt, was dazu führt, dass der Gegenverkehr, der gerade auf unserer Spur unterwegs ist, von den uns überholenden Fahrzeugen geblockt wird. In alle noch so kleinen Lücken flitzen sogleich zahllose Mopeds und bilden damit den Mörtel in diesem Kuddelmuddel. Schachmatt! 😵 Jetzt geht für lange Zeit außer dem Quäken zahlloser Hupen gar nichts mehr. Und draußen liegen bei rund 40 Grad die Nerven immer blanker… Es wird wild gestikuliert und geflucht. Irgendwann fasst sich unser Fahrer ein Herz und steigt aus. CB übernimmt das Steuer. Mr Satdev in seinem blütenweißen Hemd bahnt sich den Weg zum Kern des Verkehrsknäuels. Mit einer enormen Gemütsruhe und Selbstsicherheit versucht er, das Schiebepuzzle aufzulösen und CB nutzt die freiwerdenden Räume, um unser Auto Meter für Meter vorwärtszubewegen. Der ganze Prozess dauert bestimmt eine Stunde. Und immer wieder muss ich tief durchatmen, um in dieser Enge und dem Geschrei vor unseren Fenstern keine Panik in mir aufsteigen zu lassen. 🙄 Als wir schließlich irgendwann den gröbsten Schlamassel hinter uns gelassen haben, schöpfen wir auch wieder Hoffnung, unsere Nachmittagssafari noch antreten zu können...
Gegen 13 Uhr erreichen wir schließlich unser Hotel für die kommenden drei Nächte. Wir werden im Mount Valley Resort in der Nähe des Parkeingangs wohnen. Hierbei handelt es sich um ein kleineres Vier-Sterne-Hotel, das zur Zeit unseres Besuchs kaum belegt ist. Erstaunlicherweise haben wir keine Außenaufnahmen des Hotels gemacht. Daher „leihe“ ich hier eine Aufnahme von der Website des Hotels, die aber einen realistischen Eindruck liefert.
Es gibt einen kleinen Pool, der jedoch als rechteckiges und schattenloses Betonbecken direkt neben dem Haupthaus keinen großen Charme versprüht. Zur mittäglichen Abkühlung genügt das kühle Nass unseren Kindern jedoch vollumfänglich. Unser Zimmer im ersten Stock ist nett im Kolonialstil eingerichtet und bietet über ein großes Fenster einen Blick auf den Dschungel von Ranthambhore, der sich jahreszeitenbedingt vor allem in verschiedenen Brauntönen präsentiert. Wir fühlen uns hier durchaus wohl. Anders als Katrin in ihrem Reisebericht beschrieben hat, haben wir Glück. Alles in Zimmer und Bad ist sauber und funktioniert einwandfrei.
Wir gönnen uns ein schnelles Mittagessen im kleinen Restaurant des Hotels. Hier sind wir die einzigen Gäste, was uns der ungeteilten Aufmerksamkeit des vier- bis fünfköpfigen Servicepersonals sicher sein lässt. 😉 Die Speisen sind auch hier sehr schmackhaft, aber allzu viel können und wollen wir in Anbetracht der Temperatur und der gleich anstehenden Safari nicht zu uns nehmen.
Viel Zeit bleibt sowieso nicht, denn gegen 14 Uhr brechen wir zu unserer ersten Safari in den nahen Ranthambhore Nationalpark auf. Insgesamt werden wir in den kommenden Tagen sechs private Ausfahrten im Gypsy unternehmen. Dabei sind uns die Zonen eins, zwei, vier, fünf und zehn zugewiesen worden. Die Zonen 1 bis 5 befinden sich im Kerngebiet des Nationalparks und bieten insgesamt wohl deutlich höhere Chancen auf eine Tigersichtung.
Morgens und nachmittags dürfen insgesamt maximal 140 Fahrzeuge für dreieinhalb Stunden in alle zehn Safarizonen einfahren. Dabei ist in jeder Zone eine gleich hohe Zahl von Gypsys und Cantern erlaubt, so dass maximal 14 Fahrzeuge gleichzeitig in einer Zone unterwegs sind. Gefühlt waren es bei uns aber zum Teil eher deutlich weniger. Die Pisten jeder Zone umfassen dabei jeweils rund 25 Kilometer. Das zugewiesene Areal zu verlassen, ist strikt verboten – auch wenn eventuell ein Tiger in der Nachbarzone gesichtet wurde. Und daran wird sich penibel gehalten, denn der gesamte Park steht unter Videoüberwachung und Verstöße werden empfindlich geahndet. Das alles schränkt natürlich die Freiheit deutlich ein, aber es sorgt eben auch dafür, dass die Tiere nicht über Gebühr bedrängt werden und man als Besucher keine ausufernden Wagenburg-Erlebnisse haben sollte. Alles also etwas anders als in afrikanischen Nationalparks.
Bei jeder Ausfahrt werden wir von einem anderen Fahrer direkt am Hotel abgeholt. Mit dabei ist jeweils ein wechselnder Forestguide. Diese zwei besetzen die erste Reihe des Fahrzeugs. In Reihe zwei nehmen meine Frau und die Kinder Platz, CB und ich machen es uns in der hinteren Reihe gemütlich. Alles also so, wie im Corbett Nationalpark bereits eingespielt.
Nur wenige Minuten Fahrt sind es bis zum Parkeingang – das ist einer der großen Vorteile unseres Hotels. Die Einreiseformalitäten am Hauptgate sind schnell erledigt. Von hier aus führt eine geteerte Straße in die Tiefen der 282 Quadratkilometer großen Kernzone des Schutzgebiets, die nur zu einem Teil für den Tourismus geöffnet ist. Um die einzelnen Safari-Zonen im Kerngebiet des Parks zu erreichen, folgen alle Fahrzeuge dieser einen Straße bis zum Singhdwar Checkpost. An dieser kleinen Hütte zweigen sternförmig die Zonen eins bis fünf ab.
Hier werden erneut die Zugangspapiere kontrolliert und kurz darauf fahren wir in Zone 2 des Nationalparks ein. Ranthambhore präsentiert sich uns als zerklüftete Landschaft, die von lichtem Trockenwald dominiert wird. Je nach Zone gibt es größere Seen, Flussläufe und Ruinen aus der Mogulzeit zu sehen. Zone 2 gehört im April in weiten Teilen zu den eher trockenen Bereichen, jedoch gibt es hier einige gut einsehbare Wasserstellen, die die Zone für allerhand Getier auch in der Trockenzeit als Lebensraum attraktiv bleiben lassen.
Voller neuer Hoffnung auf schöne Begegnungen rumpeln wir über die Pisten der Zone und sind dabei oft weitestgehend allein unterwegs. Wir begegnen immer wieder den „üblichen Verdächtigen“, die sich hier durch den lichten Unterbewuchs auch dann beobachten lassen, wenn sie nicht direkt an der Piste stehen. Auch in Ranthambhore gibt es sehr viele Pfauen.
Und auch hier sind unter den Huftieren die Axishirsche die am meisten zu sehenden Vertreter.
An einer Böschung begegnet uns eine ganze Kette von Dschungelwachteln (Jungle Quail) unterschiedlichen Alters, die wegen ihrer geringen Größe und dem Unterbewuchs gar nicht leicht zu fotografieren sind. Ein Beweisfoto gelingt dann aber zum Glück doch.
Weiter geht die Fahrt entlang eines mehr oder weniger trockenen Flussbetts. Durch das Geröll huscht plötzlich ein schlankes Etwas. Bei näherer Betrachtung stellt es sich als indische Rotmanguste (Ruddy Mongoose) heraus. Wieselflink ist das Tier unterwegs und ich bin froh, dass die Manguste für wenige Sekunden innehält, um uns einen Blick zuzuwerfen. Dann wird emsig weitergewuselt.
Dort wo der Fluss noch Restwasser führt, finden sich immer wieder Tiere, die ihren Durst stillen möchten. Und so können wir einen schönen Sambarhirsch einmal ganz unverstellt betrachten.
Bald darauf erreichen wir einen kleinen See, an dessen Ufer wir uns eine Weile aufhalten. Da wir auf beiden Kameras Teleobjektive montiert haben, gibt es nur wenige Fotos der schönen – aber eben sehr trockenen – Landschaft. Hier beobachten wir einige Axishirsche und können zu CBs Freude eine Braunbauch-Kielralle (Brown Crake) entdecken, die nach seiner Aussage nicht sehr oft so gut zu beobachten ist.
Fortgesetzt wird die Fahrt mit noch weiteren schönen Vogelsichtungen.
Dschungeldrossling (Jungle Babbler)
Dajalschama (Oriental magpie robin)
An einer weiteren Wasserstelle entdecken wir einen jungen Schwarzstorch, der wenig scheu vor uns posiert.
Wenig später kommt es zum Höhepunkt des heutigen Nachmittags. Während wir durch ein lichtes Waldstück fahren, werden Alarmrufe hörbar. Wir halten an und spähen in die Umgebung. Schnell gesellen sich einige Fahrzeuge hinzu und es dauert nicht lange, da rennt unser erster indischer Leopard (Panthera pardus fusca) in vielleicht fünfzig Metern Entfernung an uns vorbei. 🤩 Jetzt geht alles ganz schnell und unser Fahrer versucht hektisch, mit dem Tier Schritt zu halten. Wegen des rumpeligen Wegs und des ständigen Wechsels von Anhalten und Anfahren ist an Fotos hierbei gar nicht zu denken und so verschwindet der Leopard, ohne dass wir ihn ablichten konnten. Schade. 😏
Aber was ist das? In der Richtung, aus der unser Leopard kam, erscheint noch ein zweiter. 😁 Dieser ist viel bulliger als die erste Katze und damit auf den ersten Blick als ein ausgewachsener Kater zu erkennen. Auch er ist zielstrebig unterwegs. Aber da unser Auto nun in einer guten Position steht, können wir den Leoparden mehr oder weniger entspannt – wenn man davon bei dem einschießenden Adrenalin überhaupt sprechen kann – bei seinem Weg durch den Wald beobachten und sogar einige Fotos schießen, wenn er mal nicht zu sehr von Baum oder Strauch verdeckt wird. Und als er uns dann noch einen Blick zuwirft, ist der Fotograf happy. 😎
Da Leopardensichtungen im Ranthambhore nicht so sehr auf der Tagesordnung stehen, sind wir schonmal sehr zufrieden mit dieser Begegnung auf unserer ersten Safari. Flecken: Check! 😁 Bleiben noch die Streifen… 😗
Nach der schönen Leopardensichtung steuern wir eine nicht weit entfernte Wasserstelle an. In der Gegend lagert wohl eine Tigerin mit ihrem schon recht erwachsenen Nachwuchs. Vielleicht waren die Leoparden deshalb in so großer Eile unterwegs. Früher oder später – so ist die Hoffnung – würde einer der Tiger seinen Durst an dieser Wasserstelle stillen wollen. Wir warten also eine ganze Weile gemeinsam mit einigen anderen Fahrzeugen und können dabei immerhin einen Indienpirol (Indian Golden Oriole) entdecken: ein leuchtender Farbklecks im Braun des Trockenwalds.
Die Tiger haben aber leider gerade keine Lust, ans Wasser zu kommen und so fahren wir ohne eine Sichtung weiter. Schließlich können wir aber dennoch mindestens zwei der Tiger im dichten Gebüsch in einiger Entfernung der Piste erahnen. An vorzeigbare Fotos ist hier natürlich mal wieder nicht zu denken. Die Tiere liegen hinter Gestrüpp flach auf dem Boden. Immer wieder hebt eine der Katzen ihren Kopf und man kann dann recht gut Gesicht und Ohren erkennen. Irgendwann stehen die Katzen dann sogar auf und setzen sich in Bewegung. Aber leider marschieren sie in die falsche Richtung davon und so bleibt es einmal mehr bei einer fotografisch hochgradig unbefriedigenden Situation. So ein Pech. 🙁 So kann es aussehen, wenn ein Tiger zwar anwesend ist, sich aber im Wald nicht so recht den geneigten Reisenden präsentieren mag:
Zum Glück hatten wir die Leoparden. Und so verlassen wir in der Abenddämmerung Zone 2 mit einem Lächeln und kehren zufrieden ins Hotel zurück. Hier genießen wir wieder den ungeteilten Service der gesamten Restaurantbelegschaft, während wir ein schmackhaftes Dinner verputzen. Wir bestellen hier à la carte: Die Kinder freuen sich über Pasta mit leckerem Pesto, die Erwachsenen bleiben bei indischen Speisen. Auch in diesem Restaurant wird der Würzegrad wieder gut an unsere Gaumen angepasst. Alles wird in kleinen Schalen aufgetragen und am Tisch mit Zangen und Löffeln von den Kellnern akribisch auf unsere Teller verteilt. An so viel Aufmerksamkeit müssen wir uns erst noch gewöhnen… 😉
Morgen müssen wir wieder einmal vor fünf Uhr aus den Federn heraus: Es steht die nächste Safari im Nationalpark an. Wir sind gespannt!
ich freue mich jedes Mal darauf, ein neues Kapitel von Dir zu lesen. 🙂 Aufregend, so eine Safari, auch in Indien. Und mit dem unerwarteten Leo auf Eurer ersten Tour im Ranthambore hattet Ihr wirklich einen tollen Start! Dazu auch wieder viele interessante Vogelsichtungen. Besonders der leuchtend gelbe Pirol hat es mir angetan. Nur die langen Transferfahrten klingen schon ziemlich nervenaufreibend. Wie gut, dass Ihr nun drei Nächte bleibt und ausgiebig Safari machen könnt. Ich bin schon mehr als gespannt, wie es weiter geht.
hab grad wieder a bisserl nachgelesen und bin schon schwer beeindruckt. Da habt Ihr eine grandiose Reise unternommen. Vielleicht habt Ihr schon was drüber geschrieben, aber ich hoffe, dass Ihr wohlbehalten durch den Urlaub gekommen seid. Damit meine ich Magen und Darm, die es ja grad in Indien oft nicht leicht haben.
Persönlich bin ich kein Indienfan, aber das liegt wohl auch ein bisschen am Alter, denn da musst Du schon 100% fit sein. Trotzdem lese ich gerne mit, es ist absolut spannend und interessant.
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201624. Juni 2025 ·
Guten Abend in die Runde!
@Tina76 Liebe Tina, vielen Dank! Das geht mir mit deinem Sri Lanka - Bericht aktuell auch so! Die Leoparden auf dem ersten Gamedrive in Ranthambhore waren wirklich ein tolles Willkommensgeschenk, mit dem wir so gar nicht gerechnet hatten. Es sind so schöne Raubkatzen, deren Beobachtung immer wieder ein Höhepunkt einer jeden Safari ist - egal ob auf dem afrikanischen Kontinent, in Sri Lanka oder jetzt in Indien. 🙂 🙂 🙂 Über den indischen Pirol habe ich mich auch sehr gefreut. Vor allem auch, weil ich es in Deutschland bisher nie geschafft habe, einen Pirol abzulichten. Ich höre sie immer nur... Die Transferfahrten waren tatsächlich immer wieder langwierig. Ich war sehr froh, dass wir hier weitestgehend entspannen konnten und dass die Kinder diese langen Autofahrten so klaglos mitgemacht haben. Wir haben einfach tolle Reisekinder! 😎
@ bayernschorsch Lieber Claus, wie schön, dass du dich hier zu Wort meldest und uns durch Indien begleitest, auch wenn es dich dort so gar nicht hinziehen will. Mit Fahrer, Guide und guten Unterkünften muss man meines Erachtens für eine solche Tour nicht superfit sein. Indien ist zwar immer wieder etwas herausfordernd, aber unsere Art zu reisen hat dafür gesorgt, dass wir alle vier das gut und mit viel Freude meistern konnten. Das könntet ihr sicher auch - wenn ich euch aber auf jeden Fall eine weniger heiße Jahreszeit empfehlen würde. Aber ihr seid ja auch nicht feriengebunden. Magen und Darm haben sich übrigens (mit leichten Abzügen in der B-Note meine Person betreffend) tapfer geschlagen - aber wir waren auch nicht so mutig, in Garküchen zu essen und haben die Mahlzeiten stets für uns angemessen gewürzt serviert bekommen. Daher haben wir auch kein Gramm abgenommen... 😗
@ all Danke an alle fürs Mitlesen, Danke-Drücken und vor allem für eure interessierten und wertschätzenden Kommentare. Es macht mal wieder Spaß!
Champagner8'706 Beiträge · seit 201026. Juni 2025 ·
Guten Morgen Sascha,
ich bin nun auch wieder auf dem Laufenden und insgeheim positiv erstaunt, was eure Töchter alles mitmachen - es sind ja nicht unbedingt jugendrelevante Themen bzw. Locations, die Ihr da beackert 😎 - alle Achtung!
Selber reise ich mit großen Augen mit, da ich keinerlei Erfahrungen mit Indien habe (außer dass ich indisches Essen sehr gerne mag 🤪 ) und sauge alles sehr interessiert auf. Den großen Drang, selber dorthin zu fliegen, verspüre ich allerdings nicht, was aber natürlich nicht an deinem Bericht liegt. Tiger & Co. stehen - warum auch immer - nicht auf meiner Wunschliste. Zum Glück, muss ich sagen - denn wo würde das sonst hinführen? 🤩 Bin schon ein bisschen von Sri Lanka angefixt, aber selbst das werde ich wohl nicht auf die Reihe kriegen 🙄 😊 😉 .
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201626. Juni 2025 ·
@ Champagner Guten Morgen liebe Bele, das Essen gehörte für uns auf jeden Fall auch zu den Höhepunkten der Reise. Wenn ich an Butter Naan, Paneer Masala, Lassi und Co denke, dann läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Kulinarisch war das eine ganz wunderbare Reise. Was unsere Kids angeht: Die Transferfahrten waren für sie natürlich auch lang(weilig). Aber dank Musik, Büchern und Switch ging die Zeit vorüber. Die Pools in den Hotels haben die Aufenthalte dort auf jeden Fall für sie aufgewertet. Und davon abgesehen finden es die Kinder auch spannend, Neues zu erkunden. Die Safaris im offenen Jeep hatten für sie einen Reiz und da die Tierwelt so anders ist als in Afrika, fanden sie das Beobachten oft auch weitaus spannender. Tatsächlich war der Trip nicht die kindgerechteste Reise, die wir je unternommen haben. Aber bald stehen ja die Sommerferien an und da wird ganz nach Kindergeschmack geurlaubt: Inklusive einer Woche Hausboot auf der Peene.
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201626. Juni 2025 ·
13. Kapitel: Eine Morgenausfahrt in Zone 1
Es dämmert schwach, als wir mit Müdigkeit in den Knochen das Hotel verlassen und vor dem Haupteingang auf unseren Gypsy warten. Nach wenigen Minuten erscheint unser heutiges Team gemeinsam mit CB und wir nehmen die bewährte Sitzaufteilung ein. Und schon geht die Fahrt durch das fahle Licht des Morgens los und wir werden durch den erfrischenden Fahrtwind schnell munterer.
Es dauert nicht lange, bis wir schlagartig ganz wach sind: Bereits vor unserer Ankunft am Gate sehen wir auf der Landstraße, die neben der Grenze zum Nationalpark verläuft, einige Gypsys stehen und erfahren schnell, warum es zu dieser Ansammlung gekommen ist. „Balou!“ hören wir es immer wieder raunen. 🤩 Und tatsächlich: Im Gebüsch links von der Straße sind eine große und eine etwas kleinere schwarze Fellkugel unterwegs: eine Lippenbärmutter mit ihrem Nachwuchs. Kurz nachdem wir angehalten haben, rennen die beiden Bären auch schon in hohem Tempo direkt vor unserem Auto über die Straße. Die Kameras sind noch gar nicht bereit und die Tiere sind für die montierten Brennweiten auch viel zu nah. Und so entsteht hier nur ein schlechtes und unscharfes Belegfoto des Crossings.
Mutter Bär klettert sogleich behände die gut zwei Meter hohe Steinmauer herauf, die den Nationalpark umspannt. Nach einigen Anläufen schafft es auch der tapsige Nachwuchs auf die Mauerkrone. Und wenige Augenblicke später sind die zwei Bären auf der anderen Seite der Mauer verschwunden. Schließlich öffnet der Park gleich seine Pforten und man will ja nicht zu spät bei der Arbeit erscheinen… 😛 Leider beobachten wir diese tolle Kletteraktion nur durch Geäst hindurch und können daher nicht fotografieren. Die Vegetationslücke, die sich wenige Meter vor uns öffnet, entdecken wir erst, als wir weiterfahren… 😈 Aber auch ohne Fotos ist das natürlich ein schöner Safaribeginn und eine ebensolche Erinnerung.
Nachdem die Einreiseformalitäten wieder ruckzuck erledigt sind, geht es auf der Teerstraße einmal mehr in Richtung Singhdwar Checkpost. Bereits auf dem Weg dorthin können wir die schöne Sichtung eines Perlspornhuhns (Painted Spurfowl) verzeichnen.
Die heutige Morgenausfahrt führt uns in Zone 1 des Nationalparks. Die enge Piste verläuft dabei durch Waldgebiete hin zu einem größeren See als Schlusspunkt. Die Fahrt gestaltet sich weitestgehend ruhig und wir dürfen uns vor allem über Vogelsichtungen freuen.
Gleich zu Beginn kommen wir als Eulenfreunde voll auf unsere Kosten, denn wir können eine hübsche Halsband-Zwergohreule (Collared Scops Owl) in ihrem Tageseinstand entdecken, die uns ein paar müde Blicke zuwirft. Über eine neue Eulenspezies auf der Liste freue ich mich immer ganz besonders.
Bald darauf wird CB auf die Rufe von Brahmakäuzen (Spotted Owlet) aufmerksam und wir steuern einen nahen Baum an. Hier entdecken wir zwei adulte Käuzchen und zu unserer Freude auch einen Jungvogel, der uns interessiert aus seiner Baumhöhle heraus beobachtet. Dieses süße Kerlchen ist für uns das eigentliche Highlight der Morgenausfahrt.
Ganz in der Nähe lässt sich auch ein Braunliest (White-breasted Kingfisher) entdecken. Wieder einmal ein schöner Farbtupfer in der weitgehend ausgedörrten Umgebung.
Die weitere Fahrt bis zum See verläuft bis auf die obligatorische Sichtung einiger Axis- und Sambarhirsche ereignislos.
Und auch am See selbst ist nicht viel los. Einzig eine Zwergscharbe (Little Cormorant) schafft es auf die Speicherkarte. Es sind zwar auch Krokodile unterwegs, diese lassen aber nur ihre wenig Körperfläche aus dem Wasser ragen. Wir verzichten daher auf Fotos.
Plötzlich hören wir aus dem Wald einige Alarmrufe. Da hier die Grenze zu Zone 6 verläuft, können wir jedoch nicht weiter in die Richtung der Schreie vordringen. Und so hoffen wir, dass der Grund der Unruhe sich auf uns zu bewegen wird. Zuerst hat das auch den Anschein, denn die Alarmcalls werden lauter. Aber als nach längerer Wartezeit das Rufen schließlich verstummt, vermuten unsere Führer, dass sich das Raubtier niedergelegt haben wird. Ohne Tigersichtung setzen wir also unsere Fahrt fort. 😵
Nach einigen Kilometern stoßen wir auf drei Canter, die den engen Waldweg vollständig versperren. Hier wird es wohl etwas Besonderes zu sehen geben! Als wir den Roadblock erreichen, können wir auch gleich erspähen, dass die Insassen der Fahrzeuge einen Lippenbären beobachten, der gerade eine Böschung hinaufwandert. Aber hinter den Cantern haben wir keine Chance auf eine gute Position und so können wir nur etwas frustriert wahrnehmen, dass der Bär sich bald aus dem Blickfeld verabschiedet, um nicht wieder aufzutauchen. Und erneut blutet das Fotografenherz bei einer Bärensichtung. Schade.
Wir steuern eine kleine Wasserstelle an und haben auch dort wieder schöne Vogelbeobachtungen. Faszinierend (und etwas grausam) ist es dabei zuzusehen, wie ein Wollhalsstorch eine etwas zu ambitioniert dimensionierte Beute vertilgen möchte. Der arme Frosch wird minutenlang malträtiert, bevor es dem Storch schlussendlich tatsächlich gelingt, den großen Brocken hinunterzuschlucken.
Schöner anzusehen ist da natürlich der prächtige Hainparadiesschnäpper (Asian Paradise Flycatcher).
Und auch ein Halsbandsittich (Ring-necked Parakeet) gibt sich die Ehre und erinnert uns an unsere rheinische Heimat, wo diese Art als Neozoon in großer Zahl anzutreffen ist und immer wieder unser Futterhäuschen plündert.
Schließlich können wir noch einen Bengalenspecht (Lesser Goldenback) beobachten.
Es wird immer heißer und so suchen auch die Huftiere Abkühlung im Dickicht oder in Wasserstellen und Suhlen. Ohne Kopfbedeckung und ausreichend Wasser sollte man im April keinesfalls auf Safari gehen. Und auch unsere feuchten Outdoor-Handtücher leisten uns wieder gute Dienste. Der Sambarhirsch dagegen muss sich zur Abkühlung in den Schlamm legen.
Als wir den Nationalpark am Ende der Safari verlassen, freuen wir uns rückblickend vor allem über die Sichtung der kleinen Eulen. Natürlich war es auch toll, drei Lippenbären zu sehen, aber hier nagt es dann doch an uns, dass keine guten Fotos entstanden sind. Und wer weiß, ob wir nochmal das Glück einer Slothbear-Sichtung haben werden? Und auch der Tigerdruck wird nach der morgendlichen Flaute so langsam wieder spürbar. Aber zum Glück haben wir ja noch vier Versuche übrig… 😏
Nach unserer Rückkehr ins Hotel lockt ein gutes Frühstück, das wir uns nach Gusto zusammenstellen können. Dem Personal wäre es am liebsten, wenn wir die ganze Karte herauf und herunterbestellen würden – leider haben wir aber jeweils nur einen Magen. Nach genussvoller Nahrungsaufnahme folgen schlummern, lesen, schwimmen und schließlich auch schon das Mittagessen, bevor es am frühen Nachmittag erneut in den Nationalpark gehen wird. Mal sehen, was uns in Zone 5 begegnen wird.
Champagner8'706 Beiträge · seit 201026. Juni 2025 ·
H.Badger schrieb: Und wenige Augenblicke später sind die zwei Bären auf der anderen Seite der Mauer verschwunden. Schließlich öffnet der Park gleich seine Pforten und man will ja nicht zu spät bei der Arbeit erscheinen… 😛
😄 🤪
Also ich weiß nicht, irgendwie kann ich mit diesen Hirschen und Bären nicht so viel anfangen (von daher wäre ich auch überhaupt nicht frustriert gewesen) , aber die Vögel sind schon der Knaller! Und das junge Käuzchen herzallerliebst! 😘 (Wobei ich den strengen Blick von dem einen Elternteil auch sehr beeindruckend finde 🤩 ).
Lieber Sascha, Ich freue mich sehr über jedes neue Indien Kapitel und kann genau nachvollziehen wie es euch auf Safari so geht… Ich erfreue mich an deinen treffenden Beschreibungen, denn “Fellkugel” für den Sloth Bear ist wirklich ein köstlicher Volltreffer. Wie schon mal gesagt, freue ich mich so aussergewöhnlich gutes Deutsch zu lesen, da ich sonst immer nur Englisch lese und denke, und als Schweizer sind wir da ja immer im Nachteil! 😄 Ich bin auch sehr froh dass euch das Mountain View Hotel gefallen hat und alles im Schuss war. Wie du bemerkt hast, war das bei uns überhaupt nicht der Fall. Aber das Personal war sehr freundlich und bemüht, speziell der Oberkellner. Nun bin ich gespannt ab der kommenden Tiger Sichtung, ob es eventuell die Tigerin mit den drei Halbwüchsigen ist, die wir damals and einem Sambar kill sahen? (Bären und Hirsche sind für uns sehr interessant wenn man sie auf unserem Kontinent findet. Einige tolle Grizzly Bären und viele Hirsche (nebst Bison) Sichtungen haben wir direkt hinter uns da wir nun den Yellowstone NP verlassen haben). Liebe Grüsse und besten Dank and den fleißigen Schreiber und tollen Fotograf von Katrin
ich kann mich Bele nur anschließen. Die Eulensichtungen und natürlich Deine Bilder davon sind einfach genial! Besonders der süße, kleine Brahmakauz gefällt mir. Aber auch die Altvögel hast Du toll eingefangen mit Ihrer Mimik.
Nun bin ich sehr gespannt, ob es bei der nächsten Nachmittags-Safari den von Dir so sehr erwünschten Tiger gibt. Es macht weiterhin große Freude, virtuell mit Dir zu reisen.
bei all dem Federvieh - allen voran den Eulen und Käuzen - muss sich der Lippenbär wohl mit einer Statistenrolle zufrieden geben! Vielen Dank fürs Zeigen!
H.BadgerThemenstarter1'825 Beiträge · seit 201628. Juni 2025 ·
Guten Tag in die Runde!
@ Champagner Liebe Bele, die Bären finde ich schon ziemlich klasse - und so hofften wir zu diesem Zeitpunkt noch auf eine dauerhaftere Sichtung. Aber die Eulen betreffend teile ich deine Meinung absolut. Diesbezüglich ist Indien eine ganz tolle Destination. So viele Eulen haben wir vorher fast noch nie gesehen.
@ Sadie Liebe Katrin, vielen Dank für die Blumen! 😊 Bei uns war in dem Hotel tatsächlich alles prima. Es hat nicht den gleichen Standard wie die Fünf-Sterne-Paläste in den großen Städten, aber den haben wir hier auch nicht erwartet. Den Service fanden wir aber auch auffällig gut. Eure Tigerin mit ihren drei Cubs - Arrowhead war das nach CBs Aussage - haben wir während der ersten Safari durch das dichte Buschwerk erahnen können. Später haben wir sie nicht mehr entdecken können. Grizzlybären in Yellowstone und Co habe ich auch immer gern beobachtet. Hier fand ich neben Alaska vor allem den Glacier NP in Montana sehr gut. Das ist einer meiner liebsten Parks in den USA.
@ Tina76 Liebe Tina, dir als Eulenfreundin wird es in den indischen Nationalparks sehr gut gefallen. Die Guides kennen verlässlich die Tageseinstände von so einigen Exemplaren. Ob es mit dem Tiger am Nachmittag klappt, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Unsere Sichtungsfee hat es während der Reise genossen, uns auf die Folter zu spannen... 😗
@ Daxiang Liebe Konni, die Eulen sind klasse und haben zu Recht die Hauptrolle gespielt. Wir warten trotzdem noch gespannt auf den großen Lippenbärauftritt. 😉
Weil ihr euch über die Eulen gefreut habt, hänge ich ein paar meiner Lieblingsbilder aus meiner Eulensaison 2025 in Deutschland an. Safari vor der Haustür. 🙂