Reisebericht

Badger's Birding-Tours II - Indien-Edition

von H.Badger · begonnen 06. Mai 2025 · 23 Teile

Teil 106. Mai 2025
Liebe Forumsgemeinde,

Indien stand schon lange auf unserer Bucket-List, rutschte aber aus verschiedensten Gründen – beispielsweise das noch zu zarte Alter unserer Kinder, die eher ungünstige Vereinbarkeit von deutschen Schulferien und guter Reisezeit vor Ort, diverse Befürchtungen bezüglich der großen Anzahl dort lebender Menschen und diesbezüglicher Begleiterscheinungen – immer wieder nach unten.

Im April 2025 sollte es dann aber endlich so weit sein. Mit gutem Vorlauf wurde der Entschluss gefasst und eine (osterferienbedingt leider nur) zweiwöchige Tour durch Nordindien geplant. Dabei haben wir uns mit gutem Gefühl in die Hände der Agentur „Comfort Bird Tours India“ begeben. Deren Inhaber – C.B. Singh – wurde uns auf Basis von zwei Reiseberichten wärmstens empfohlen und bereits der Erstkontakt verhieß Gutes. Recht schnell waren wir uns einig über unser Zwei-Wochen-rundum-sorglos-Paket.

Das erste Mal seit unserer Reise nach Sri Lanka 2018 würden wir nun wieder mit Fahrer und Guide unterwegs sein. Für uns rückblickend eine goldrichtige Entscheidung. Und das aus mehrerlei Gründen. Zuvorderst wollte ich in Indien unter keinen Umständen selbst hinter dem Steuer sitzen. Meine europäisch geprägten Fahrkünste haben mir zwar bereits an vielen Orten der Erde gute Dienste geleistet – in Indiens Städten wäre ich aber ganz sicher bereits nach wenigen hundert Metern (und das ist positiv geschätzt!) gescheitert. Und auch Überlandfahrten hätte mein Nervenkostüm wahrscheinlich nicht ganz unbeschadet überstanden. Mit unserem Fahrer war das Reisen dagegen durchweg entspannt und wir fühlten uns stets uneingeschränkt sicher: Ob scheinbar hoffnungslos im dicksten Verkehrsknäuel verstrickt oder beim (aus unserer Perspektive mutigen) Gegenverkehr-Überholmanöver auf dem Highway.

Außerdem war es eine sehr gute Sache, mit C.B. Singh einen wirklich fantastischen Guide mit an Bord zu haben, der die Reise sehr professionell organisiert und begleitet hat und der dazu noch ein überaus netter Mensch ist. Und als Wildlife-Guide ist C.B. als passionierter Birder wahrscheinlich schwer zu schlagen. Die für uns in weiten Teilen ganz neue Vogelwelt Indiens wurde uns mit scharfem Blick, Ohr und Sachverstand nahegebracht. Und so konnten wir am Ende über 70 Arten vorzeigbar ablichten und weitere ohne Belegfoto beobachten oder hören. Aber auch für Säugetiere hatte C.B. immer ein gutes Gespür.

Für unsere erste Indienreise hatten wir uns den Norden des riesigen Staats ausgesucht – und von diesem auch nur einen verschwindend kleinen Teil. Und trotzdem waren die Transferfahrten zwischen den einzelnen Etappenzielen nicht gerade kurz: Reisen auf dem Landweg durch Indien bedeutet immer wieder weite Wege und oft nur langsames Vorankommen durch eine immens hohe Verkehrsdichte in den Ballungsräumen, Baustellen und manchmal auch die ein oder andere Kuh auf der Fahrbahn.

Folgende Stationen haben wir in unseren zwei Wochen bereisen können:

Tag 1: Die Stadt Delhi mit ihren Sehenswürdigkeiten
Tag 2 bis 4: Der Corbett Nationalpark mit seinen Säugern und vor allem seiner Vogelwelt
Tag 5: Die Umgebung der Stadt Greater Noida mit dem Dhanauri Wetland
Tag 6 bis 7: Die Stadt Agra mit ihren Sehenswürdigkeiten
Tag 8 bis 10: Der Ranthambore Nationalpark mit seiner Vogelwelt und vor allem seinen Säugern
Tag 11 bis 12: Die Stadt Jaipur mit ihren Sehenswürdigkeiten
Tag 13: Das Jhalana Leopard Reserve mit anschließender Rückkehr nach Delhi

Die Reise bot uns also eine dichte und recht ausgewogene Mischung aus Kultur und Natur – und beides wusste uns zu begeistern. Neben dem Taj Mahal, dem Amber Fort und anderen ikonischen Höhepunkten der Architektur Nordindiens waren es natürlich in erster Linie die Safaris, die uns ins Land gelockt haben. Einen Tiger in freier Wildbahn wollten wir unbedingt einmal erleben. Daher haben wir uns vier private Ausfahrten im Corbett NP gegönnt und sechs weitere im Ranthambore Nationalpark. Zählt man einen Gamedrive im Jhalana Reserve hinzu, so kamen wir auf insgesamt elf Ausfahrten – die wahren Preistreiber einer Indienreise… 😈 Aber die recht hohe Anzahl hat sich am Ende tigerbezogen auch als durchaus notwendig herausgestellt… Zum Glück weiß die Fauna Indiens über den Tiger hinaus zu begeistern – und wir freuen uns eben auch sehr über ungestreifte Bewohner jeglicher Größenordnung – befiedert oder unbefiedert. Wobei wir den lästigen Tiger-Sichtungsdruck, der uns befallen hat, nicht leugnen wollen… 😗

Dass Safaris in Indien anders aussehen als im südlichen oder östlichen Afrika, brauche ich wahrscheinlich nicht mehr zu betonen. Ich werde in den diesbezüglichen Kapiteln genauer darauf eingehen. Nur so viel vorneweg: Durch die strengen Regulierungen und die damit zusammenhängende beschränkte Anzahl erlaubter Fahrzeuge in jeder „Safari-Zone“ kam es nie zu ungesteuerten Massenaufläufen – wie wir es im Vorhinein befürchtet hatten. Im Einzelfall haben wir uns eine Sichtung vielleicht mit maximal zehn anderen Fahrzeugen teilen müssen. Oft ging es aber bedeutend ruhiger zu. Und das fanden wir gut.

Der April hielt für uns erwartungsgemäß hohe Temperaturen bereit. Das Thermometer bewegte sich je nach Ort zwischen Mitte 30 (Corbett) und Anfang 40 Grad (Jaipur). Es galt also vor allem die Randstunden der Tage zu nutzen. Die trocken-heißen Anteile haben wir zumeist in den gut klimatisierten Hotels verbracht, die wunderbare lokale Küche genossen und uns von den wahnsinnig früh beginnenden Morgensafaris ausgeruht („Was sind denn das für Ferien!?“). Oder wir waren auf Transferfahrt im genauso gut klimatisierten Auto unterwegs. Einzig im Amber-Fort und im Observatorium Jaipurs wurde es uns tatsächlich einmal fast zu heiß. Ansonsten war es überraschend gut zu ertragen.

Das sei nun aber genug der einführenden Worte.

Es gibt also noch immer nichts Neues von uns aus Afrika. Ich würde mich aber umso mehr freuen, wenn ihr uns stattdessen auf unserer ersten Indienreise begleiten würdet. Und ich richte vorab schonmal meinen Dank an Katrin (Sadie), Christa (botswanadreams) und Elisabeth (sphinx) für die reiseberichtinduzierte Inspiration und Ermutigung, diese wunderbare Tour in Angriff zu nehmen.

Zum Schluss als kleiner Vorgeschmack ein fotografischer Gruß aus der Küche:

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Herzlich
Sascha
Teil 211. Mai 2025
Kapitel 1: Delhi

Von Frankfurt aus starten wir auf einen etwa achtstündigen Nachtflug mit Air India nach Delhi. Ohne weitere Vorkommnisse landet der Flieger rund eine Stunde zu früh am Indira Gandhi International Airport. Das ist ein enorm großer Flughafen, von dessen Professionalität wir beeindruckt sind. Alles ist übersichtlich organisiert und der Weg zur Immigration und deren Durchführung gehen schnell über die Bühne.
Im Vorfeld der Reise mussten wir über eine Website der indischen Regierung eine Electronic Travel Authorization (eTA) beantragen und zahlen. Das war im Gegensatz zur eigentlichen Einreise, bei der man Fingerabdrücke abgeben und für diverse Fotos in eine Kamera schauen muss, tatsächlich etwas aufwändiger. Denn auf der (nicht immer stabil laufenden) Website erwartet den Indienreisenden in spe ein etwa sechsseitiger Fragebogen, der so ziemlich alles in den Blick nimmt, was man sich irgendwie vorstellen kann und der es trotzdem schafft, noch ein paar Überraschungen bereitzuhalten: Welchen Bildungsabschluss haben Sie? Wer ist Ihr Arbeitgeber? Wie lautet seine Adresse? Welche Länder haben Sie in den letzten zehn Jahren besucht? Wer sind Ihre Eltern? Haben Sie Wurzeln in Pakistan? Dazu muss noch das Ausweisdokument hochgeladen werden und ein Passfoto zur Verfügung gestellt werden.
Wie gesagt: Hat man das alles geschafft und steigt aus dem Flieger, geht die eigentliche Einreise sehr zügig und freundlich von statten. Das Gepäck ist ruckzuck auch wieder in unserem Besitz und so schieben wir uns zielstrebig zum Ausgang, wo bereits viele Menschen mit Pappschildern auf Neuankömmlinge warten. Unseren Namen können wir in all dem Trubel noch nicht entdecken – wir sind aber ja auch noch sehr früh dran. Vielleicht erwartet uns unser Guide CB aber auch vor dem Gebäude? Wir gehen also hinaus, nur um festzustellen, dass man, wenn man einmal draußen ist, nicht mehr hineingelassen wird. Nun warten wir also statt in der klimatisierten Halle in der Wärme des anbrechenden Tages. Aber zum Glück nicht lang: Bald treffen CB und unser Fahrer, Mr Satdev, ein. Es gibt ein kurzes und herzliches Hallo. Es ist immer spannend, wenn Menschen sich plötzlich in Fleisch und Blut gegenüberstehen, die bereits über digitale Wege intensiv in Kontakt gewesen sind. Aber die Chemie scheint auch abseits von Messengerdiensten zu stimmen und wir werden guten Mutes zu unserem fahrenden Zuhause für die nächsten zwei Wochen geleitet. Unser strahlend weißer Toyota Crysta bietet auf drei Sitzreihen für uns sechs Personen genug Raum und ist in einem top gepflegten Zustand. Es ist Ehrensache, dass Mr Satdev das Auto penibel sauber halten und stets frisches Wasser anbieten wird. Auch werden uns die Autotüren immer höflich aufgehalten, was dazu geführt hat, dass wir zuhause jetzt immer etwas ratlos vor unserem verschlossenen Wagen stehen. 😉 Da nicht das gesamte Gepäck in den Kofferraum passt, werden unsere großen Trolleys kurzerhand auf das Dach geschnallt. Bald beginnt unsere etwa halbstündige Fahrt vom Flughafen ins Hotel Eros. Da heute Sonntag ist, hält sich der Verkehr in Delhi tatsächlich in Grenzen und wirkt auf uns ziemlich normal und gesittet. Das wird sich an anderen Wochentagen extrem ändern...
Bald erreichen wir das Hotel. Wir haben uns im Vorfeld der Reise kaum um die Auswahl der Unterkünfte gekümmert und CB hier gänzlich freie Hand gelassen und seinen Vorschlägen vertraut. Und er hat für uns tatsächlich eine sehr gute Auswahl getroffen und Häuser zusammengestellt, die oftmals etwas über dem liegen, was wir unterkunftstechnisch von unseren Reisen in anderen Teilen der Welt gewohnt sind. Als wir nach einem kurzen Sicherheitscheck die Lobby des Hotels Eros betreten, sind nicht nur die Kinder etwas baff: Was ist das für ein schicker Palast!?

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Wir haben eine knappe Stunde, um anzukommen und uns ein wenig zu regenerieren. Zum Glück können wir nach kurzer Wartezeit in der prächtigen Marmorlobby, während der CB für uns die Eincheckformalitäten erledigt und meine Frau dabei unterstützt, an einem nahen ATM Rupien zu ziehen, auch schon unser Zimmer beziehen. Dieses bietet uns neben bequemen Betten einen schönen Ausblick auf den Lotustempel, ein Bauwerk, das wir später unbedingt aus der Nähe betrachten wollen.

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Und so treffen wir an nach kurzer Pause auch bereits unseren Cultural Guide in der Lobby. Die Reise ist so organisiert, dass CB uns bei den naturbezogenen Aktivitäten betreuen wird. Wenn es um Baudenkmäler geht – also hier in Delhi und später in Agra und Jaipur – hat CB jeweils einen ortskundigen Führer organisiert. Unser Fahrer begleitet uns dabei jedoch durchgehend und wird uns mit aller Gemütsruhe von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fahren.
Da der sonntägliche Verkehr nicht mit dem Alltagschaos auf den Straßen Delhis vergleichbar ist, schaffen wir es, am heutigen Tag eine beachtliche Zahl an Stationen zu besuchen. Laut Guide kommt es an Wochentagen vor, dass man sich staubedingt auf etwa zwei Sights beschränken muss…

Den Anfang machen wir am Red Fort. Zuerst halten wir auf dessen Rückseite, da man von hier einen Blick auf einige Gebäudeteile werfen kann, die sich sonst hinter der hohen Frontmauer verstecken. Steigt man aus dem klimatisierten Auto, empfängt einen eine veritable Backofenhitze – wir werden uns dran gewöhnen.

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Während wir den Palast betrachten, flitzt auf der Straße ein Bollywood-Drehteam an uns vorbei. Auf einer Fahrzeugladefläche ist ein weiteres Fahrzeug montiert, in dem eine Autofahrszene gedreht wird. Das Ganze wird von weiteren Fahrzeugen mit Kameras umschwirrt. Ein toller Anblick. Bollywood soll anscheinend jede Woche einen neuen Film hervorbringen - eine Wahnsinnsquote!

Auf der Vorderseite des riesigen Gebäudekomplexes des Roten Forts steigen wir erneut aus und spazieren ein wenig an der Mauer entlang. Wir werden das Rote Fort nicht von Innen besichtigen – laut Guide sind die meisten Besucher von dem, was man dort sehen kann, enttäuscht und es sei nicht mit den Palästen in Agra oder Jaipur zu vergleichen, die wir später auf der Reise noch sehen werden. Und so bleibt es hier bei einer dezenten Außenbesichtigung.

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Das Rote Fort ist eine Festungs- und Palastanlage aus der Epoche des Mogulreiches. Sie wurde zwischen 1639 und 1648 für den Mogulkaiser Shah Jahan erbaut und gehört seit 2007 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihren Namen erhielt sie von der charakteristischen roten Farbe des für die Festungsmauern verwendeten Sandsteins. Die Erklärungen unseres lokalen Führers sind knapp, aber informativ. Für ausschweifende Reden wären wir hier auch nicht am rechten Ort. Dass Mogul im Englischen wie Muggel gesprochen wird, sorgt aber bei unseren Potter-affinen Kindern für wiederkehrende Erheiterung.

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Während wir das alte Gemäuer betrachten, werden auch wir von allen Seiten beäugt. Und wiederholt werden vor allem die blonden und hellhäutigen Familienmitglieder gebeten, für Familienfotos und Selfies mit einheimischen Touristen zu posieren. Das ist bei der Hitze zwar nicht unanstrengend, wird aber immer mit einem herzlichen Lächeln belohnt.

Nach diesem ersten Stopp fahren wir vom verwinkelten Alt Delhi ins am Reißbrett geplante Neu Delhi zum Connaught Place, einem riesigen Ringstraßen-Ensemble, das eines der Zentren der Stadt ist und von Kolonialarchitektur geprägt wird. Hier besuchen wir ein kleines Restaurant und haben in schöner und gepflegter Atmosphäre ein erstes Mittagessen in Indien. Die gesamte Verpflegung haben wir in unserem Reisepaket mitgebucht. Wir bestellen nach Herzenslust aus der Karte und genießen das superleckere indische Essen. Alles hier wird nach Wunsch für den europäischen Gaumen entschärft. Und auch der fantastische Lassi, den es überall gibt, sorgt für weitere Abmilderung. Die Befürchtung, dass wir am Ende nur von Brot und Reis leben müssen, wird an dieser ersten Station schonmal auf das beste widerlegt.

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Nach dieser willkommenen Pause führt uns der Weg durch das überraschend grüne Delhi vorbei am Indian Gate, einem großen Triumphbogen im Regierungsviertel, zu dem unbestrittenen Höhepunkt unserer heutigen Tour: Wir besuchen das Humayun-Mausoleum.

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Es handelt sich hier um den Grabbau von Nasiruddin Muhammad Humayun (1508–1556), dem zweiten Herrscher des Großmogulreiches von Indien. Seit dem Jahr 1993 ist der Baukomplex als Weltkulturerbestätte der UNESCO anerkannt. Seine Architektur weist auf das noch prächtigere Taj Mahal in Agra voraus.

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Der geometrisch angelegte Park, in dem das Gebäude liegt, der Hauptbau und auch die Nebengebäude beeindrucken uns sehr. An diesem Ort zu sein, ist für uns ein ganz tolles Erlebnis, an das wir beste Erinnerungen haben. So schön, friedlich und in seiner Gestaltungsharmonie vor allem für meine Frau tief berührend.

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Heute geht es Schlag auf Schlag: Nach einer eindrucksreichen Fahrt durch von zahlreichen Menschen und kleinen Verkaufsständen gesäumte Straßen legen wir den nächsten Stopp am Lotustempel ein. Dieser ist der zweitjüngste der weltweit acht Bahai-Tempel. Er wurde vom iranisch-kanadischen Architekten Fariborz Sahba entworfen und am 24. Dezember 1986 eröffnet.

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Hier ist heute sehr viel los. Bereits vor dem Eingangstor hat sich eine lange Schlange gebildet, an der wir uns als ausländische Touristen jedoch nicht anstellen müssen – dafür bezahlen wir in allen kulturellen Stätten aber auch ein Vielfaches des Eintrittsgeldes. So gelangen wir schnell auf das riesige Areal des Tempels. Dort ist man auf den Wegen erwartungsgemäß in einer einzigen Prozession aus unzähligen Menschen unterwegs. Wer ein Problem mit großen Personenansammlungen hat, könnte hier an seine Grenzen kommen. Es ist zwar alles friedlich, aber eben auch ziemlich beengt und so achten wir genau darauf, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren. Der Versuch wegen eines Fotos sich gegen den Strom zu bewegen, ist dann auch ein Erlebnis der besonderen Art. Der Blick auf die wunderschön schlichte Tempelarchitektur entschädigt aber unbedingt für diesen Trubel – der an sich natürlich auch ein prägendes Reiseerlebnis ist.

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Immer wieder sind wir davon verblüfft, wie Mr Satdev uns nach unseren Besichtigungen zielsicher wiederfindet. Bei all dem Trubel, der außerhalb der Sehenswürdigkeiten herrscht – zahllose Straßenhändler, Tuktuks, Mofas, heilige Kühe – bleibt uns das ein immerwährendes Rätsel.

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Die letzte Station des heutigen Tages erreichen wir nach einer weiteren Transferfahrt durch Delhi erst am späten Nachmittag. An den Ampelkreuzungen kommen wir immer wieder mit bettelnden Menschen – oft Frauen mit ganz kleinen Kindern – in Kontakt. Dem Rat unseres Guides folgend, ignorieren wir das Klopfen an die Fensterscheiben unseres Autos – auch wenn uns das nicht so leichtfallen will.

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Das Qutb Minar ist ein Sieges- und Wachturm sowie ein Minarett. Es gilt als frühes Meisterwerk der indo-islamischen Architektur und zählt zu den höchsten Turmbauten der islamischen Welt. Die exakte Bauzeit des Qutb Minar ist nicht bekannt. Der Grundstein wurde wahrscheinlich Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts nach dem Sieg der Moslems über die Hindus gelegt. Seit 1993 ist es als Teil des Qutb-Komplexes als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Eine Besteigung ist für Besucher nicht mehr erlaubt, seitdem im Jahr 1981 bei einem Stromausfall und einer nachfolgenden Massenpanik 45 Menschen ums Leben kamen…

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Wir schlendern gemeinsam mit vielen anderen Touristen über das weitläufige Areal und lassen uns von dem hohen Turmbau, seinen Inschriften und den umliegenden Gebäuden beeindrucken. Ein schöner Abschluss dieses so reichhaltigen Tages.

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Auf einen angebotenen Besuch bei Teppichhändlern aus Kaschmir verzichten wir dankend und verabschieden uns alsbald von unseren City-Guide, der auf dem Rückweg zum Hotel an einer Bahnhaltestelle aussteigt.

Geplättet und über den Rand gefüllt mit neuen Eindrücken erreichen wir nach Einbruch der Dunkelheit unser Hotel und genießen ein Fünf-Sterne-Abendbuffet. Sowohl Auswahl, Anrichtung als auch Qualität der Speisen können hier auf ganzer Linie überzeugen. Die Kinder springen noch in den nächtlichen Pool und wir spazieren ein wenig durch die gepflegte Anlage.

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Dann fallen wir endlich todmüde in die Betten. Was für ein erster Tag!
Teil 315. Mai 2025
2. Kapitel: Von Delhi zum Jim-Corbett-Nationalpark

Ähnlich gut wie das Abendessen ist auch das Frühstück im Eros Hotel. Mit gut gefüllten Bäuchen treffen wir CB und Mr. Satdev in der Lobby des Hotels. Schnell werden unsere Koffer wieder auf das Autodach gewuchtet und sicher vertäut. Und dann verlassen wir Delhi. Das ist ein sehr kurzer Satz für einen länger andauernden Prozess. Denn heute ist Montag und auch zu recht früher Stunde ist der Verkehr bereits um einiges lebendiger als am Vortag. Dazu kommt, dass sich Delhi natürlich extrem ausdehnt und so fahren wir noch eine ganze Weile vorbei an quirligem Leben und riesigen Hochhauskomplexen. So gibt es immer etwas zu sehen.

Die Fahrt von ca. 270 Kilometern Länge wird insgesamt etwa sechs Stunden dauern. Zuerst folgen wir einem gut ausgebauten Highway, später wird es über kleinere Straßen durch vielerlei Siedlungen gehen. Mittagsrast machen wir an einer Dharma. Das ist eine typische Raststätte, von denen sich zahlreiche an den großen Straßen Indiens finden. CB hat für uns heute die Shiva-Dharma ausgewählt. Das Lokal ist gut gepflegt, es gibt leckeres Essen und wir probieren zum ersten Mal den typischen würzig-süßen Chai. Und auch die Waschräume der Raststätte sind u.a. westlich ausgestattet und dazu noch blitzsauber – das wird übrigens bei allen Orten, an denen wir eine Pause einlegen, so sein. Eine schöne Unterbrechung des langen Wegs.

Durch landwirtschaftlich geprägte Gegend (mit der Vorbeifahr-Sichtung unserer ersten Nilgauantilopen auf den die Straße säumenden Feldern) legen wir den weiteren Weg bis zu unserem Ziel am Rand des Jim-Corbett-Nationalparks zurück. Die Fahrt zieht sich dabei durchaus.

Der Corbett-Nationalpark liegt im indischen Bundesstaat Uttarakhand am Fuß des Himalaya, dessen hohe Gebirgszüge man aber von dort nicht sehen kann. Er ist nach dem britischen Jäger und Naturschützer Jim Corbett benannt, der 1936 maßgeblich daran beteiligt war, dass dieser erste Nationalpark in Indien eingerichtet wurde.
Wir wohnen die nächsten drei Nächte im River Edge Resort, einer kleinen Hotelanlage direkt am Ufer des Kosi-Flusses.

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Die Unterkunft umfasst etwa zehn Zimmer, die in fünf zweistöckigen Häusern über ein kleines Gartenareal verteilt sind. Dazu gibt es einen Pool (ganz wichtig für die Kids!) und ein wirklich exzellentes Restaurant, das optisch zwar eher schlicht daherkommt, kulinarisch aber mit zum Besten auf unserer Reise gehört. Wir haben hier Vollpension und können gar nicht so viel essen, wie uns hier zu drei Mahlzeiten am Tag angeboten wird… 😛

Nachdem wir unser schlichtes Zimmer bezogen haben, möchten die Kinder unbedingt den Pool erkunden. Dieser ist jedoch aktuell fest im Besitz einer Rhesusaffenfamilie, die immer wieder auf einen etwa drei Meter hohen Baum am Rand des Schwimmbeckens klettert, um dann wie von einem Sprungbrett aus mit lautem Klatschen ins kühle Nass zu springen. Was sind die verspielten Makaken doch für überraschend geschickte Schwimmer! Wir beobachten höchst amüsiert. Als wir aber endlich die Kameras aus dem Zimmer geholt haben, ist der Affen-Badespaß leider beendet und wir können die Tiere nur im Ruhezustand ablichten.

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Nachdem die Makaken von der Bildfläche verschwunden sind, machen schließlich unsere Kinder den Pool unsicher. Bei der herrschenden Hitze des Nachmittags ist das Wasser eine wirklich willkommene Abkühlung. Da kann man die Affen schon verstehen.

Nach dieser Pause unternehmen wir am fortgeschrittenen Tag noch einen lohnenswerten Ausflug zum nahen Garjia Tempel, der sich inmitten des Kosi-Flusses auf einem schroffen Felsen erhebt.

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Der kleine Tempel liegt absolut malerisch. Um ihn herum ist eine Menge los. Es gibt bunte Stände, an denen die Pilger diverse Devotionalien kaufen können. Und Pilger gibt es hier zahlreich. Es wird im Fluss gebadet und geduldig angestanden, um die steilen Stufen zum Tempel hinaufzusteigen.

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Mittendrin trotten heilige Kühe umher. Wir sind die einzigen Westler und werden entsprechend beäugt.

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Das zu dieser Jahreszeit weitgehend trockene Flussbett nutzen wir zu einem kleinen Birding-Spaziergang. Wir hoffen auf Ibisbills, können die schönen Vögel aber leider nicht entdecken. Dafür zeigen sich Common und White-Breasted Kingfisher. Über unseren Köpfen fliegen Great Hornbills hinweg. Was sind das doch für riesige und schöne Tiere! Leider sind die genannten Vögel entweder weit weg oder sitzen im schlimmsten Gegenlicht. Die fotografische Ausbeute ist daher etwas schmaler. Immerhin ein paar andere Vögel können wir im Flussbett jedoch festhalten.

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River Lapwing (Flusskibitz)

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White-browed Wagtail (Weißbrauenstelze)

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Common Greenshank (Grünschenkel)

Bis zum Sonnenuntergang bleiben wir hier und genießen die Vogelwelt und das lebendige Treiben rund um den kleinen Tempel.

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Gern würden die Kinder eines der Tücher als Souvenir erwerben, die von den Gläubigen als Opfergabe im Tempel dargebracht werden. Da aber keines der Stoffstücke im Rahmen der reichhaltigen Verzierung aus nachvollziehbaren Gründen auf die Swastika als religiöses Glücksymbol verzichtet, sehen wir aus ebenso nachvollziehbaren Gründen von einem Kauf ab.

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das River Edge und genießen zum Tagesabschluss ein wunderbares Dinner. Hier wird ganz authentisch nordindisch gekocht. Masala Paneer und Co wissen auf ganzer Linie zu überzeugen und sind so gewürzt, dass auch der sensible Mitteleuropäer mit Genuss speisen kann.

Bald geht es dann in die bequemen Betten, denn um kurz vor fünf wird die Nacht bereits wieder vorbei sein. Wir werden zu unserer ersten indischen Safari in den Corbett-Nationalpark aufbrechen.
Teil 419. Mai 2025
3.Kapitel: Erste Morgensafari im Corbett-Nationalpark

Unbarmherzig schrillt der Handywecker durch das noch stockdunkle Zimmer. Okay – es ist kurz vor fünf und damit Zeit aufzustehen. Wir sind schließlich im Urlaub. Zuerst unterziehen sich die Erwachsenen einer Katzenwäsche, dann werden die Kinder geweckt. Das ist schon etwas brutal. Unsere Siebensachen haben wir zum Glück bereits am Vorabend gepackt: Fleecejacken für die ganz frühen Stunden liegen bereit, die Kameras sowieso und dazu noch eine Tasche mit Snacks und feuchten Outdoor-Handtüchern, die Wunder wirken, wenn man sie sich in der Tageshitze um die Handgelenke legt oder um den Nacken breitet.

Kurz vor halb sechs marschieren wir gut bepackt zum Rezeptionsgebäude. Dort wartet bereits unser Gypsi auf uns – das sind in Indien die Geländewagen-Modelle, mit denen die Privatsafaris durchgeführt werden. Hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz befinden sich zwei Sitzbänke für jeweils drei eher schlanke Personen. Ein Dach gibt es nicht. Alles ist äußerst offen. Alternativ hätte man (etwas preiswerter) auch eine Canter-Safari buchen können. Diese findet dann gemeinsam mit rund zwanzig anderen Leuten auf der umgebauten Ladefläche eines LKW statt. Canter haben wir erst in Ranthambhore gesehen und sind rückblickend äußerst froh, nicht diese Art des Gamedrives gebucht zu haben… 😗

Wir werden heute und morgen auf unseren insgesamt vier Ausfahrten immer denselben Fahrer haben. Dazu kommt noch ein Forest-Guide, der bei jeder Safari wechseln wird. Fahrer und Guide sind motiviert bei der Sache, CB sowieso.
Im Zwielicht des anbrechenden Tages nehmen die Damen in der ersten Sitzreihe Platz, CB und ich besetzen die Rückbank. Diese Konstellation werden wir die ganze Zeit über beibehalten.

Einige Kilometer gilt es zurückzulegen, bis wir das Gate erreichen, das zu der uns für den heutigen Morgen zugewiesenen Zone des Nationalparks führen wird. Wir werden die nächsten Stunden in der Dhela-Zone verbringen, die eine Mischung aus dichtem Wald und offener Graslandschaft bereithält.

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Am Tor ist bei unserer Ankunft noch nicht viel los. Insgesamt werden vielleicht zehn Autos mit uns gemeinsam zu früher Stunde einfahren. Das hatten wir uns viel rummeliger vorgestellt. Wir müssen unsere Pässe vorzeigen, alle Daten werden mit unserer Buchung abgeglichen, die schon einige Monate zurückliegt. In Indien ist Safari eine stark regulierte Angelegenheit. In jedem Zeitfenster – also morgens oder nachmittags – darf nur eine klar begrenzte Autoanzahl in den Park einfahren. Je Zone sind das vielleicht zwanzig Fahrzeuge. Es ist dabei streng untersagt, die zugewiesene Zone zu verlassen oder länger als erlaubt im Park zu bleiben. Die Autos im Corbett sind allesamt getrackt. Den Fahrern drohen bei Missachtung der Regeln empfindliche Strafen. Ein positiver Effekt dieser Strenge ist natürlich, dass die Tierwelt nicht über Gebühr belästigt wird. Wagenburgen von dreißig oder mehr Autos wird man hier zum Glück vergeblich suchen.

Als das Tor sich öffnet, steigt unser Forest-Guide hinzu und die Fahrt in den indischen Dschungel beginnt. Was sind wir gespannt!
Bereits auf der Zufahrtsstraße haben wir im noch schummerigen Licht unsere ersten Sichtungen.

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Indian Grey Hornbill (Indienhornvogel)


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Grey Francolin (Wachtelfrankolin)

Nach vielleicht zwei Kilometern Fahrt sind aus dem dichten Bewuchs, der sich rechts und links der Straße befindet, deutliche Warnrufe zu hören. Hier sind es wohl Axishirsche, die laut schnauben und damit auf die Präsenz eines Tigers hinweisen. Da der Dschungel äußerst dschungelig ist, sind diese akustischen Indikatoren beim Auffinden von Tigern elementar. Mehr als wenige Meter kann man selten ins Dickicht blicken. Solange ein Tiger in Bewegung ist, werden die Warnrufe anhalten und dabei – so die Hoffnung – die Richtung preisgeben, in die die Raubkatze zieht. Immer wenn solche Rufe erschallen – entweder aus den Kehlen der Axishirsche oder von Sambarhirschen oder Languren ausgestoßen – wird das Auto gestoppt und es wird gewartet und in die dichte Vegetation gestarrt. Das verlangt durchaus Geduld und diese wird auch längst nicht immer belohnt.
Heute früh ist es aber anders, denn bereits nach kurzer Zeit kreuzt tatsächlich ein Tiger in mittlerer Entfernung hinter unserem Auto den Weg. So schnell wie er kam, ist er jedoch auch wieder im Dickicht verschwunden. Leider hat die Katze es augenscheinlich richtig eilig. Und an ein Foto ist leider gar nicht zu denken. Wie schade!

Aber wir geben die Hoffnung nicht auf, denn der Tiger scheint eine Richtung eingeschlagen zu haben, in der ein weiterer Waldweg liegt. Diesen steuern wir nun an und warten. Die warnenden Hirsche bleiben aktiv und tatsächlich zeigt sich der Tiger nach einigen Minuten erneut beim Queren des Wegs – nur leider taucht er weiter entfernt auf als gedacht und ist wieder mit enormer Geschwindigkeit unterwegs. So entsteht auch hier nur unscharfes Bildmaterial, das nicht mal als Sichtungsbeweis taugen will. Das Fotografenherz blutet etwas, während wir von der ersten Tigersichtung eigentlich euphorisiert sein sollten. Der Forest-Guide meint, dass es sich bei der Tigerin, die wir kurz gesehen haben, um eine der scheuen Katzen des Corbett handelt. Schon wenige Autos seien ihr nicht geheuer und so meide sie die Wege, die durch den Park führen. Aber immerhin: Noch keine Stunde auf Safari und eine erste Tiger-Sekunden-Sichtung.

Wir verlassen den dichten Wald und fahren durch offenes Grasland. Der Forest-Guide kennt einen Nistbaum von Brahma-Käuzen. Diesen steuern wir nun an – CB weiß schließlich, dass wir große Eulenfreunde sind. Auch das ist ein Vorteil von Privatausfahrten. Denn Canter-Safaris sind die ganze Zeit über eigentlich nur auf Tigersuche unterwegs und für anderes Wildlife – dabei gar Vögel – wird kaum gehalten.
Wir genießen im schönen Morgenlicht ausgiebig den Blick auf den kleinen Brahmakauz. Wieder eine neue Eulenart auf der Liste!

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Nach langer Eulenbetrachtung umkreisen wir das Grasfeld und hören dabei erneut Warnrufe. Da diese grob aus der Laufrichtung unserer flotten Tigerin kommen, warten wir. Die Rufe sind dieses Mal richtig nah, aber leider will sich die Katze nicht zeigen. Wahrscheinlich sieht sie uns aus dem Dickicht heraus und zieht es vor, im Verborgenen zu bleiben. Irgendwann verstummen die Rufe und wir machen uns wieder auf den Weg. Schade.

Dafür kommt uns kurz nach der Weiterfahrt ein Goldschakal entgegen. Ein schönes Tier!

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Und wenig später treffen wir auf unsere ersten asiatischen Elefanten seit 2018. Eine kleine Familiengruppe ist an einer Wasserstelle unterwegs. Einige Kühe und Jungtiere lassen sich beim Trinken und Herumstromern beobachten.

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Als eine junge Kuh übermütig auf den Weg spaziert, genießen wir eine richtig schöne Beobachtung.

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Im schönsten Sonnenlicht können wir alsbald einige Brahminy-Starlings (Pagodenstar) entdecken. Das Schöne am Birden in unbekannten Gefilden ist, dass sich Erstsichtung an Erstsichtung reiht.

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Später zeigt sich uns noch ein riesiger Elefantenbulle. Leider ist das Licht hier nicht optimal. Und so langsam wird es auch richtig heiß.

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Eine Rhesusmakake mit Jungtier kreuzt unseren Weg.

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Und dann warten wir – zum Glück im Schatten der dichten Bäume – einmal mehr an einer Tiger-Verdachtsstelle, ohne dass sich der Tiger zeigen möchte. Dafür zeigt uns CB aber einen Asiatischen Paradiesschnäpper in seiner ganzen Pracht, der sich unweit von uns flink durch die Bäume bewegt, zu unserem Glück aber bald für lange Augenblicke malerisch verharrt. Eine so schöne Beobachtung war uns bezüglich seines afrikanischen Vetters trotz vieler Reisen noch nicht vergönnt. Entsprechend erfreut ist das Fotografenherz, auch wenn der Tiger noch auf der Speicherkarte fehlt.

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Bald ist es an der Zeit, den Park zu verlassen – wie gesagt: Die Zeiten werden genau kontrolliert. Auf der Teerstraße, die hinausführt, begegnet uns noch ein Bankivahuhn als Abschiedssichtung. Erneut ein wirklich schöner Vogel.

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Und das war sie auch schon: Unsere erste Safari in Indien. Ein Tiger, kein Foto. Aber es folgen ja noch einige Chancen. Dafür aber Elefanten, ein Goldschakal und jede Menge uns begeisternder Vögel. Kein schlechter Start.

Durch die Hitze des Vormittags fahren wir zurück ins Hotel. Der Fahrtwind ist bei diesen Temperaturen sehr willkommen.
Im River Edge Resort wartet ein gutes Frühstück auf uns, die Betten rufen nach dem frühen Aufstehen lautstark und laden zu einer Siesta ein. Und natürlich möchte auch der Pool ausgiebig genutzt werden.

Am Nachmittag geht es zurück in den Park. Wir werden die Jhirna-Zone erkunden.
Teil 520. Mai 2025
4. Kapitel: Ein Nachmittag in der Jhirna-Zone

Die Stunden zwischen den Gamedrives haben wir gut genutzt. Neben einem leichten Mittagessen (sehr lecker – aber: Wer soll so viel essen?) und Poolzeit kam auch das Birding auf dem Hotelgelände nicht zu kurz.

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Gangesbrillenvogel (Oriental White-eye)

Gegen 14.30 Uhr ist unsere Pause aber vorbei. Der Gypsy wartet an der Einfahrt zum Hotel und voller freudiger Erwartungen nehmen wir die angestammten Plätze ein. Der Weg führt uns heute Nachmittag zum selben Eingangstor wie am frühen Morgen. Um die Jhirna-Zone zu erreichen, muss man die Hauptpiste der Dhela-Zone bis zu ihrem Ende fahren.
Am Gate ist wieder erstaunlich wenig los. Es sind mehr Graue Languren als Jeeps vor Ort.

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Nach einem kurzen Stopp am Brahmakauz-Baum, dessen Bewohner sich aber nachvollziehbarerweise in den Schatten zurückgezogen hat, erreichen wir bald den Zugang zur Jhirna-Zone.

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Heute Nachmittag werden wir oft ganz allein über die Pisten des Parks fahren. Die wenigen Autos, die mit uns in die Zone einfahren, verteilen sich nach kurzer Zeit. Das ist schonmal schön.
Weniger schön ist, dass sich die Sichtungen während der Ausfahrt in Grenzen halten werden. Wenn ich mich recht erinnere, gab es während der nun anbrechenden gut zweieinhalb Stunden nicht mal Alarm-Call-Stopps.

Die Jhirna-Zone besteht mehrheitlich aus schönem, aber eben auch sehr dichtem Dschungel. Da freut man sich, wenn mal ein Spotted Deer in einem lichteren Bereich unterwegs ist.

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Unterbrochen wird der dichte Bewuchs durch einige Flussbetten. Hier hat man naturgemäß einen weiteren Blick und es ergibt sich sogleich die schöne Sichtung eines stattlichen Elefantenbullens.

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Lange halten wir oberhalb einer steilen Böschung und beobachten vielerlei Vögel. In einiger Entfernung sitzen Schneegeier (Himalayan Vulture) am gegenüberliegenden Felsen.

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Viel näher sind wir aber einer Kolonie von Blauschwanzspinten (Blue-tailed Bee-eater), unter sie sich auch ein Bronzescheitel-Smaragdspint (Green Bee-eater) gemischt hat.

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Hier gelingen schöne Beobachtungen.

Ein Haubenschlangenadler (Crested Serpent Eagle) lässt sich auch blicken.

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Und es kommt zu einer gegenseitigen Beobachtung zwischen uns und Rhesusaffen. Hier pulsiert das Leben und die Landschaft ist absolut malerisch. Richtig schön.

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In einem anderen Flussschleife steht ein weiterer Elefantenbulle. In Punkto Elefanten wird der Corbett NP seinem Ruf gerecht.

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Weiter geht es durch dichte Vegetation mit wenig bis gar keinen Sichtungen. Wenn ein Tier nicht auf oder direkt neben dem Weg steht (und es keine Warnrufe gibt), würde man wahrscheinlich achtlos vorbeifahren. 😵

Erst an einem kleinen Wasserloch sehen wir wieder tierisches Leben.

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Ein Bronzescheitel-Smaragdspint (Green Bee-eater)

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Eine Pfauendame

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Und ein Weißhaubenhäherling (White-crested Laughingthrush), den ich mit seinem ausgeprägten weißen Schopf sehr sehenswert finde. Einer meiner Lieblingsvögel aus dem Corbett.

Nach einer längeren Weile treffen wir auch auf Säugetiere. Zwei Muntjaks sind im Gehölz neben der Piste unterwegs, dabei aber nur schwer zu fotografieren. Erst als sie den Weg queren, gelingt ein buschfreies Foto des Weibchens.

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Der Rest der Fahrt in der Jhirna-Zone verläuft ereignislos und in mir beginnt es sich langsam einzudunkeln. Tiere sehen wir wenige – und wenn, dann sind sie hinter Ästen verborgen. Und auch die Vogelwelt fliegt gern schnell weiter, wenn wir unser Auto stoppen. 🙁
Ein kleiner Höhepunkt ist da die Sichtung von zwei Doppelhornvögeln (Great Hornbill), auch wenn sich die beeindruckend riesigen Vögel wenig fotogen präsentieren mögen. Aber hier ist zum Glück eine Wunschsichtung erfüllt, die sich auf Basis unseres eigens erstandenen Vogelbestimmungsbuchs ergeben hat.

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Als letzter nennenswerter Vogel zeigt sich uns ein Schwarzstorch weit oben im Wipfel eines großen Baums.

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Als wir den Rückweg über die Dhela-Zone antreten, kommt es unverhofft dann doch noch zu einigen schönen Sichtungen.
Auf der Piste sind ein paar Elefanten unterwegs. Da hier erstmal kein Weiterkommen ist, können wir ganz entspannt beobachten, wie eine große Kuh genüsslich einen Busch zerlegt.

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Als es schließlich weitergeht, halten wir noch bei einigen kapitalen Axishirschen und können gegenüber in einer Senke den zweiten Goldschakal des heutigen Tages beobachten.

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Ein schöner Sonnenuntergang beschließt unseren heutigen Safaritag.

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Trotz dieser malerischen Szenerie kann ich nicht verhehlen, dass ich etwas enttäuscht bin. Und so hadere und grummele ich auf der Rückfahrt in mich hinein. 😵 Irgendwie hatte ich ziemlich falsche Erwartungen und auch darüber ärgere ich mich, denn ich bin ja kein Safari-Neuling mehr. 😗 Aber der vermaledeite Tiger-Sichtungsdruck ist leider deutlich spürbar und konnte durch die Sekundensichtungen am Morgen nicht erkennbar gelindert werden. Das verleidet mir die Freude an den kleinen Dingen. Und ich ärgere mich schon wieder über mich. Denn auch nicht auf jeder Drei-Stunden-Runde durch Etosha, Kruger und Co würde ich davon ausgehen, dass sich Löwen oder gar Leoparden in fotogensten Posen zeigen. Aber hier in Indien erwarte ich irgendwie, dass die Tiger nur so auf der Straße oder an jeder Wasserstelle liegen. Und das ist in Anbetracht der überschaubaren Gesamtzahl dieser Tiere von weniger als 3700 Tieren im ganzen Land wahrlich wenig wahrscheinlich. Und wenn dazu noch der dichte Dschungel mit seiner begrenzten Sichtweite kommt… Ich weiß auch nicht: Jedenfalls grummele ich darüber nach, warum die Tigersuche bei anderen (oder in diversen Reiseberichten) so einfach aussieht und bei uns noch nicht richtig erfolgreich war. Was bleibt, ist erstmal ein schales Gefühl. Eigentlich blöd, wenn man bedenkt, dass wir erst einen Safaritag hinter uns haben. Aber in der Situation selbst erschien mir das alles jedenfalls höchst ungerecht zu sein und erst im Rückblick kann ich altersweise darüber schmunzeln.

Das Abendessen ist wie am Vortag fantastisch und bald geht es in Richtung Betten. Mitten in der Nacht werden wir von lautem Getöse aus dem Schlaf gerissen. Ein mächtiges Gewitter tobt direkt über unseren Köpfen. Es blitzt und donnert in schneller Taktung. Dazu fällt ein sintflutartiger Regen, dass es nur so rauscht. Damit hatten wir im trocken-heißen April Indiens überhaupt nicht gerechnet und so hoffen wir, als wir uns wieder in die Betten kuscheln, dass das Gewitter bis zum frühen Morgen weitergezogen sein wird – sonst wird die Ausfahrt so ganz ohne Dach eine ziemlich nasse Angelegenheit… 😣
Teil 625. Mai 2025
5. Kapitel: Die Bijrani-Zone

Vor Sonnenaufgang hat sich das Gewitter zum Glück verzogen. Was bleibt ist eine angenehme Kühle und ein vom feuchten Dunst verhangener Himmel. Im Zwielicht des frühen Morgens verlassen wir unser Zimmer und finden CB bereits auf der Aussichtsplattform am Flussufer. Dort sind wenige Meter entfernt einige Sambarhirsche in der Dunkelheit zu erahnen. Einer von ihnen stößt immer wieder deutliche Warnrufe aus. Wittert er ein Raubtier? Ist er nur durch die menschliche Präsenz schräg über ihm alarmiert? Wir warten kurz und müssen dann – etwas hin und hergerissen –zum Gypsy gehen, schließlich wollen wir pünktlich am Gate sein.

Zum Eingang der Bijrani-Zone, die wir heute erkunden dürfen, ist es nicht weit. Nach wenigen Fahrminuten sind wir bereits da. Auch hier ist überraschend wenig los und so fahren wir nach kurzem Einreiseprozedere mit nur wenigen anderen Autos in den Nationalpark ein. Bijrani ist eine der beliebten Zonen im Corbett-NP. Sie ist geprägt von malerischem Wald, steilen Berghängen und breiten Flussbetten. Landschaftlich ist das die schönste Zone, die wir hier besuchen werden.

Von den Sichtungen her ist der Vormittag aber leider wenig ergiebig… 😵

Nicht lange nach der Einfahrt kreuzen wir ein erstes Flussbett. Hier und in dessen Umgebung haben wir schöne Vogelbeobachtungen im schummrigen Morgenlicht.

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Eisvogel (Common Kingfisher)

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Rosen-Mennigvogel (Rosy Minivet)

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Rotlappenkiebitz (Red Wattled Lapwing)

Letzterer brütet auf der Piste und muss sorgsam umfahren werden.

Bald darauf führt die Fahrt durch dichten Wald. Ein Stork-billed Kingfisher fliegt vorbei und wir sind verblüfft von der Größe dieses Eisvogels.
Bald können wir ein Muntjak-Pärchen entdecken, das sich ganz entspannt auf und neben der Straße bewegt. Eine längere Zeit können wir es beim Äsen beobachten. Das wird unsere schönste Muntjak-Beobachtung werden.

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Pfauen sind im Wald omnipräsent.

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Der Weg führt entlang eines weitestgehend ausgetrockneten Flussbetts. Plötzlich sind Warnrufe deutlich zu vernehmen. Also halten wir an. Nun heißt es: warten, spähen und hoffen. Zuerst bewegt sich nichts, aber die Warnrufe ertönen regelmäßig. Bald zeigen sich die Verursacher: Zwei Sambarhirsche betreten zögerlich das Flussbett und queren es in unsere Richtung.

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Vorsichtig laufen die beiden hinter unserem Wagen über die Piste und verschwinden schnell wieder im Dickicht.

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Vom Auslöser der Warnrufe findet sich auch nach weiterer Wartezeit leider keine Spur und so fahren wir irgendwann unverrichteter Dinge weiter. 🙁

Auch wir queren das Flussbett und rumpeln über Geröll. Ohne 4x4 ginge es spätestens hier nicht weiter.
Am gegenüberliegenden Ufer windet sich der Weg an einem Berghang entlang. Hier haben wir das Glück ein Bankivahuhn (Red Jungle Fowl) sehr fotogen anzutreffen. Was für ein farbenprächtiger kleiner Geselle!

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Wenig später lässt sich als Neuzugang für die Vogelliste ein Mohrenschwarzkehlchen (Pied Bush Chat) ablichten.

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Dann gibt es an einer steilen Böschung wieder Warning-Calls. Hier sind schon einige Jeeps anwesend und man wartet geduldig oder fährt ein wenig hin und her, um im dichten Wald den Auslöser der Schreie auszumachen. Als diese nach einiger Zeit verhallen, können wir tief im Gebüsch ruhende Sambarhirsche entdecken. Das ist kein gutes Zeichen bezüglich der Anwesenheit eines Prädatoren. Und so haben wir auch hier Pech – denn einige Zeit vorher hat sich der hier nur akustisch angekündigte Tiger Erzählungen gemäß in dem offenen Flussbett gezeigt, das wir nun durchrumpeln. So schade!

Immer wieder kommt es zu Sichtungen der „üblichen Verdächtigen“. Axishirsche lassen sich in allen Zonen des Parks regelmäßig beobachten.

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Und auch einen weiteren Muntjak können wir entdecken. Dieses Mal gut versteckt in einer kleinen Höhlung des Berghangs.

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Und so bleibt auch diese Rundfahrt durch den Park tigerlos – aber einen Abschlusshöhepunkt hält sie doch noch für uns bereit.
Neben einem Flussarm, in einem satt begrünten Baum sitzend, präsentiert sich uns ein Fischuhu (Brown fish owl). Den Anblick dieser großen Eule hatte ich mir im Vorfeld der Reise unbedingt gewünscht. Und so kommt am Ende der Ausfahrt dann doch eine kleine Euphorie auf. Der Fischuhu sitzt recht frei im Geäst des Baums und wirft uns immer wieder müde Blicke zu. Was will man mehr? 🙂

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Und so endet der landschaftlich wirklich schöne Drive mit einer versöhnlichen Sichtung. Das ist gut fürs Gemüt.

Als wir zurück im Hotel sind, erzählt uns einer der Angestellten, dass, nachdem wir zur Safari aufgebrochen sind, tatsächlich ein Tiger zum Trinken ins Flussbett kam. Die Warnrufe galten also tatsächlich nicht uns. 😣 Das ist nun aber wirklich gemein! 😈 Wir versuchen uns zu trösten, indem wir uns sagen, dass das vorhandene Restwasser in weiter Entfernung von unserem Ufer fließt und das Licht beim Auftritt des Tigers bestimmt auch noch gaaaanz schlecht war. Wir fragen aber lieber nicht weiter nach… 😏

Nach einem guten Frühstück genießen wir die Annehmlichkeiten der kleinen Hotelanlage. Die Kinder spielen Fotoshooting im Garten, die Erwachsenen spazieren bei großer Hitze durch das nun tiger- und schattenlose Flussbett und beobachten einige Vögel, die sich am Restfluss aufhalten. Neben Kormoranen und Flusskiebitzen, die sich aber nicht anständig fotografieren lassen, können wir diese zwei Arten ablichten.

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Rotlappenkiebitz (Red Wattled Lapwing)

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Flussregenpfeifer (Little ringed plover)

Dann ruft der erfrischende Pool und lockt mit unserem mitgebrachten Ball und dem als Wurfziel gebrauchten Rettungsring mit Spiel und Spaß. Dank Vollpension wartet auch ein leckeres Mittagessen auf uns, für das aber kaum Platz in unseren Bäuchen ist – man will sich vor einem Nachmittagsgamedrive mit eingeschränktem Washroom-Angebot ja auch nicht über Gebühr den Bauch vollschlagen.

Um 14.30 Uhr werden wir ein letztes Mal in Richtung Corbett-Nationalpark aufbrechen. Es wird erneut in die Dhela-Zone gehen, also den Bereich, den wir auf unserem ersten Gamedrive bereits befahren durften. Ob es am Ende doch noch für ein Tigerfoto im Corbett reichen wird? Ich habe da so meine Zweifel… 😐
Teil 728. Mai 2025
6. Kapitel: Letzter Gamedrive im Corbett-Nationalpark

Gegen 14.30 Uhr brechen wir zu unserer letzten Ausfahrt auf – wir sind gespannt darauf, was uns der Corbett-Nationalpark noch zeigen möchte.
Wieder geht es in die Dhela-Zone. Nach der Einfahrt biegen wir gleich auf Nebenpisten ab und fahren durch dichten und hohen Wald. Immer wieder zeigen sich Axishirsche und einmal sogar ein Elefantenbulle. Jedoch fällt das Fotografieren durch das dichte Geäst schwer. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wir haben ja schon einige Aufnahmen dieser Tiere "im Kasten".

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Viel Zeit verbringen wir an einer der wenigen Wasserstellen des Gebiets. Für den geneigten Birder ist es hier paradiesisch: Um uns herum zwitschert, flötet und trommelt es unablässig und immer wieder lassen sich vielfältige Vögel am Wasser nieder, um in der Nachmittagshitze ihren Durst zu stillen.

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Braunliest (White-throated Kingfisher)


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Rotohrbülbül (Red-whiskered Bulbul)

Besonders freuen wir uns über einen Vogel, der ziemlich weit oben auf der Sichtungswunschliste stand:

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Orienthornvogel (Oriental Pied Hornbill)

Und CB ist ganz begeistert, als er ein Pärchen selten zu sehender Spechte ausmachen kann.

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Schuppengrünspecht (Scaly-bellied Woodpecker)

Nach ausgiebiger Vogelbeobachtung setzen wir die Fahrt fort. Einmal mehr zeigt sich viel Bewuchs und dazwischen einer der niedlichsten Bewohner des Dschungels: Ein Axishirschkalb.

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Wir kommen an einem Baum vorbei, in dem ein Great Hornbill seinen Nistplatz hat. Hornvögel schlüpfen zur Eiablage in eine Baumhöhle und verschließen den Eingang bis auf einen kleinen Spalt, damit kein Beutegreifer an Mutter und Jungtiere herankommen kann. Während der Brutzeit versorgt das Männchen seine Familie durch den verbliebenen Schlitz.

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An einer weiteren Wasserstelle im Grasland der Zone ist unter der heißen Sonne des voranschreitenden Tages nichts los. Einzig ein juveniler Haubenadler (Changeable Hawk Eagle) lässt sich hier beobachten.

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Und so entfliehen auch wir bald der großen Hitze und kehren in den dichten Wald zurück. Auf dem Weg dorthin setzt sich die Vogelparade fort.

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Pagodenstar (Brahminy Starling)

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Pflaumenkopfsittich (Plum-headed Parakeet)

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Bengalenspecht (Lesser Goldenback)

Wir steuern erneut die Wasserstelle im Wald an und erleben dort ein ornithologisches Highlight. Nicht weit entfernt fliegt ein Asiatischer Paradiesschnäpper (Indian Paradise Flycatcher) immer wieder das kühlende Nass an. Dieses Mal handelt es sich jedoch um die weiße Morphe: Ein wunderschöner Vogel!

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Flankiert wird er im gleichen Farbton: Dajalschama (Oriental magpie robin)

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Während die schönen Graukappen-Glanztauben (Emerald Dove) sich am Rand des Wasserlochs aufhalten.

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Erneut verlassen wir den kleinen Teich und fahren einen weiteren Waldweg.

Hier treffen wir bald auf eine große Makakenfamilie. Mehrere Generationen sitzen hier beisammen und tun das, was Affen eben so tun.

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Dabei haben es uns natürlich vor allem die Babys angetan. Nicht nur den Kindern entfährt unwillkürlich ein „Oh – wie süß!“

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Wir lauschen dem Ruf des Puderspechts (Great slaty woodpecker), können den größten Vertreter der Spechte aber leider nicht erblicken.

Dafür raschelt es bald darauf im trockenen Laub und ein Bengalenwaran betritt die Bühne. Züngelnd sucht sich die große Echse ihren Weg über die Piste. Ein willkommener Neuzugang auf unserer Sichtungsliste.

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Nur einer fehlt erneut… 😈 Und der Tag neigt sich schon gefährlich seinem Ende entgegen. Da erhält unser Fahrer einen Tipp und wir brausen mit hoher Geschwindigkeit hinaus ins offene Buschland. Ein Tiger wurde gesichtet!

Nach einigen Minuten haben wir unser Ziel erreicht – das ist unverkennbar. Denn hier stehen bereits fünf andere Autos, deren Insassen angestrengt zu einer Seite starren. Wir gesellen uns also dazu und starren mit. Nur dauert es etwas, bis wir das Objekt unserer Begierde ausmachen können. Denn der Tiger lagert zwar gar nicht weit entfernt von uns, aber leider ist ein offener Blick auf die Katze nicht möglich: Dichtes Buschwerk trennt uns von dem Tier. Wir suchen einen Winkel, in dem das Gesicht des Tigers nicht vollständig von Geäst verdeckt ist – das ist aber fast unmöglich. Aber immerhin: Unser erster Tiger, den wir in freier Wildbahn länger als zwei Sekunden ansehen dürfen! Wir sind allesamt ganz schön aufgeregt. Und zufrieden. Auch wenn es fotografisch noch viel Luft nach oben gibt. Aber es soll ja noch etwas für den Ranthambhore-Nationalpark übrig bleiben… 😉

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Viele Minuten sehen wir uns den ruhenden Tiger an und sind ziemlich froh. Die Sonne geht unter und wir müssen den Park endgültig verlassen.

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Was für eine Dramaturgie: Ein Sekundentiger ganz zu Beginn und nun schließt ein (zwar ziemlich verbuschter) Tiger den Rahmen. Dazwischen viel Hoffen, Bangen sowie zahlreiche schöne Sichtungen von Elefanten, Schakalen und vor allem überaus vielen wunderschönen Vögeln. Für Birder ist Corbett ein großartiger Ort.

Kaum aus dem Park heraus, empfängt uns nach wenigen Kilometern das pralle indische Leben. Nachdem die Hitze des Tages ein Ende hat, wird es an und auf den Straßen quirlig.

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Und teilweise auch richtig chaotisch.

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Mit etwas gelindertem Sichtungsdruck lässt sich das tolle Abendessen des Hotels noch besser genießen und wir fallen bald müde in die Betten.

Morgen steht ein Transfertag gen Greater Noida an – das bedeutet einige Stunden im Auto. Doch bevor wir auf große Fahrt gehen, wollen wir die frühen Morgenstunden noch für einen kleinen Birding-Ausflug in die Berge am Rand des Nationalparks nutzen.
Teil 802. Juni 2025
7. Kapitel: Vom Corbett-Nationalpark nach Greater Noida

Den heutigen Tag beginnen wir als Familie ausnahmsweise getrennt. Während meine Frau und die Kinder wohlverdient noch ein wenig ausschlafen und dann den Pool nutzen möchten, fahre ich in den frühen Morgenstunden mit Mr. Satdev und CB auf eine kleine Birding-Tour in die Berge am Rand des Nationalparks.

Bereits im Hotelgarten sichte ich einen Purpurnektarvogel (Purple Sunbird). Trotz des noch schummrigen Tageslichts glitzert das Gefieder des kleinen Gesellen wunderschön. Und als er für wenige Momente für eine Nahaufnahme stillhalten mag, freue ich mich umso mehr über die Begegnung.

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Das eigentliche Ziel des heutigen Ausflugs ist das Auffinden des Himalayafischuhus. CB kennt zwei Tageseinstände in der Gegend. Leider sind beide heute verwaist. So ein Pech: CB meint, dass der Verkehr hier in letzter Zeit zugenommen habe und die Eulen sich vielleicht dadurch gestört fühlen. Aber auch ohne den Anblick einer Tawny Fishowl ist der Ausflug eine richtig schöne Sache. Wir parken das Auto am Straßenrand und streifen ein wenig durch die Gegend. Dabei achten wir einerseits auf das reiche Vogelleben, dürfen aber auch den spärlichen und durchaus rasanten Verkehr nicht gänzlich aus den Augen verlieren, der nicht mit zwei Vogelverrückten am Straßenrand rechnet. Das Birden wird sonst mit einem hohen Preis bezahlt. 😵

Es begegnen uns allerhand alte Bekannte aus den letzten Tagen. Aber auch einige Erstsichtungen sind für mich zu verzeichnen.

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Großer Feuerrückenspecht (Greater Goldenback)


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Glanzspitzendrongo (Hair-crested Drongo) – man beachte die eleganten Schwanzfedern

Am meisten freue ich mich als Eulenfreund jedoch über die Sichtung eines Kuckuckszwergkauzes (Asian Barred Owlet). Zuerst singt der kleine Kobold hoch oben in den Wipfeln und ändert regelmäßig seinen Standort, ohne dabei an Höhe zu verlieren.

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Irgendwann hat er aber zum Glück ein Einsehen mit mir und verharrt für wenige Momente fast auf Augenhöhe, bis ein um die Kurve bretternder Bus ihn endgültig vertreibt.

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Für mich war diese Begegnung ein richtig schöner Ersatz für den fernbleibenden Fischuhu.

Nach unserer Rückkehr ins Hotel heißt es mal wieder Koffer packen und frühstücken. Rundum schön war es im River Edge Resort. Am späten Vormittag ist das Gepäck auf dem Autodach verschnürt und wir brechen auf.

Vor uns liegt nun eine stundenlange Transferfahrt nach Greater Noida, wo wir eine Zwischenübernachtung im Radisson Blu haben werden – einem schicken 5-Sterne-Hotel zum Wohlfühlen. Die Fahrt wird nur durch eine Mittagspause an einer der typischen Raststätten unterbrochen. Auch hier finden wir wieder Speisen, die schmackhaft sind und die wir gut vertragen können. Und erneut fragen wir uns, wo wir das viele Essen eigentlich hinstecken sollen… 😉

Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir schließlich unser Ziel. Bevor es aber ins Hotel geht, schlägt CB einen weiteren Stopp vor. Er kennt einen Parkwächter, der in einer der großen Grünanlagen der Stadt arbeitet. Dieser würde uns nach Toresschluss aufs Gelände lassen, damit wir noch ein wenig ungestört birden können. Da sage ich natürlich nicht nein und so durchstreifen wir nach langer Fahrt das schöne Parkgelände, das an einem großen See liegt. CB möchte mir gern eine Indian Scops Owl zeigen. Es bleibt jedoch bei einer Hörbeobachtung. Die Eule ist schüchtern und mag sich nicht zeigen.
Aber auch dem Auge wird auf der kleinen Exkursion einiges geboten.

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Weißbrust-Kielralle (White-breasted Waterhen)

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Nachtreiher (Black-crowned Night Heron)

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Kuckuck (Eurasian Cuckoo)

Auch Nilgauantilopen sind hier unterwegs, lassen uns aber nicht allzu nah an sich herankommen, bevor sie die Flucht ergreifen.

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Der unbestrittene Sichtungshöhepunkt ist eine Schwarzdommel (Black Bittern), die man wahrlich nicht jeden Tag vor die Linse bekommt.

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Zurück im Hotel wartet ein sehr gutes Buffet auf uns. Und auch das schöne Hotelzimmer mit bequemen Betten verspricht eine gute Nacht. Hier gibt es nichts zu beanstanden. 🙂

Morgen geht es in einem nahen Feuchtgebiet auf die Suche nach dem Saruskranich, dem größten Kranich der Welt. Hoffentlich ist er nicht so schüchtern wie die Indian Scops Owl. 😉
Teil 910. Juni 2025
Nachdem es aufgrund eines akuten Krankenhausaufenthalts zu größeren Verzögerungen auf unserer virtuellen Reise durch Nordindien gekommen ist, geht es hier nun endlich weiter...

8. Kapitel: Birding im Dhanauri Wetland

Früh beginnt auch der heutige Morgen, den wir einmal mehr getrennt verleben werden, da die Kinder lieber ein wenig ausschlafen möchten und der eigentliche Vogelnarr wohl ich bin…

Noch vor dem Frühstück werden CB und ich von Mr Satdev zum nahen Dhanauri Wetland gefahren. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt an einem kleinen Hindu- Tempel. Hier ruhen regelmäßig Schleiereulen in den Turmfenstern. Als wir ankommen, sind sie jedoch nicht zu sehen. CB ist verwundert, ist dies doch ein ziemlich sicherer Spot. Ich bin nur ein wenig enttäuscht, denn Schleiereulen konnte ich schon einige Male beobachten und das morgendliche Leben in einem völlig untouristischen Tempel zu verfolgen, ist für mich ein mindestens genauso wertvolles Erlebnis: Immer wieder kommen Menschen mit Opfergaben in die kleinen Schreine, es wird gebetet, alles ist wunderbar friedlich. Es ist eine Frage des Respekts, dass die Kamera hier weitgehend in der Tasche bleibt.

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Im Anschluss geht es weiter ins Dhanauri Wetland. Wir müssen nicht lange fahren und erreichen ein landwirtschaftlich genutztes Gelände, das mit einigen Tümpeln durchsetzt ist. Das Gebiet ist 98 Hektar groß und ist akuter Bedrohung ausgesetzt. Es wird zu viel Wasser abgezweigt, so dass viele Feuchtflächen zu trocken fallen. Außerdem lastet enormer Baudruck auf dem Land. Das Gebiet wartet noch immer vergeblich auf einen offiziellen Schutzstatus – ist es doch einer der wichtigsten Orte der Region für den Saruskranich, den bedrohten Wappenvogel von Uttar Pradesh. Rund 120 Tiere sollen hier regelmäßig anzutreffen sein. Man muss die Daumen drücken, dass dieses Feuchtgebiet und damit der wertvolle Lebensraum in den nächsten Jahren nicht komplett verschwinden wird.

Aktuell ist das Dhanauri Feuchtgebiet sogar in der ausgeprägten Trockenheit des Aprils ein wahres Paradies für Vogelbeobachter. Wir parken das Auto auf einem Feldweg und marschieren zu zweit los. Die Vögel erleben wir heute Morgen zu Fuß und trotzdem aus geringer Distanz. Die Tiere sind völlig entspannt und lassen sich wunderbar beobachten. Die nächsten zwei Stunden gehören damit unbedingt zu den Birding-Highlights der gesamten Reise.

Neben den überall präsenten Silber- und Mittel- und Kuhreihern zeigt sich unseren Blicken eine enorm vielfältige Vogelwelt.

Zahlreich unterwegs ist hier das Purpurhuhn (Purple Swamphen), über das ich mich in Südfrankreich oder auch am Okavango immer besonders gefreut habe.

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Zwei Streifengänse (Bar-headed Goose) lassen sich in einiger Entfernung entdecken.

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Ein Höhepunkt ist für mich die Beobachtung von einigen Purpurreihern (Purple Heron) – teilweise sogar bei der erfolgreichen Jagd.

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Auch der Asien-Wollhalsstorch (Woolly-necked Stork) ist mit einigen Vertretern vor Ort.

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Der Schwarzkopfibis (Black-headed Ibis) ist immer ein schöner Anblick.

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Ein absoluter Höhepunkt ist für mich die Beobachtung von zwei Riesenstorchen (Black-necked Stork), die uns ganz nah an sich herankommen lassen. Was für enorm große Vögel! Das männliche Tier hat ein schwarzes Auge, während der Blick des Weibchens mit leuchtendem Gelb fasziniert.

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Als nächste Erstsichtung kann ich den Warzenibis (Red-naped Ibis) verzeichnen.

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Paddy-Reiher (Indian Pond Heron) sind hier überall unterwegs.

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Und auch der asiatische Verwandte des afrikanischen Nimmersatts, der Buntstorch (Painted Stork), fliegt irgendwann ein.

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Der unbestrittene Höhepunkt der Exkursion ist aber natürlich die Beobachtung der riesigen Saruskraniche (Sarus Crane) mit ihren prächtig roten Köpfen. Rund 1,50 Meter sind diese Vögel groß – besonders große Exemplare bringen es sogar auf 1,70 Meter! Während CB sich für ein Päuschen ins Gras setzt, pirsche ich mich geduckt Schritt für Schritt immer näher an ein Paar heran. In guter Fotodistanz lasse ich mich schließlich auf meine Knie nieder und genieße die Anwesenheit der Kraniche, die unbeeindruckt von mir im nahen Sumpf stehen und immer wieder ihr Trompeten hören lassen. Das sind ganz tolle Minuten!

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Auf dem Rückweg zum Auto kommen uns noch einige Neusichtungen vor die Linse.

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Black Kite (Schwarzmilan)

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Orientspornpiper (Paddyfield Pipit)

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Königsdrongo (Black Drongo)

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Common Stonechat (Schwarzkehlchen)

Und auch weitere Saruskraniche – dieses Mal mit Nachwuchs – lassen sich blicken.

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Von der Artenvielfalt und auch von der Beobachtungsqualität her war das eine ganz tolle Exkursion und ich bin froh, mich bei der Planung für diesen Programmpunkt entschieden zu haben.

Nach einem reichhaltigen Frühstück und einem gemütlichen Vormittag werden wir unsere Zelte in Greater Noida abbrechen und nach Süden gen Agra fahren. Am heutigen Tag steht noch der Vorläufer des legendären Taj Mahals auf unserem Plan: Das Mausoleum von I'timād-ud-Daulah – touristisch gern als Baby-Taj vereinfacht. Dazu dann mehr im nächsten Kapitel: Buildings instead of birds.
Teil 1013. Juni 2025
9. Kapitel: Ankunft in Agra

In den späten Morgenstunden verlassen wir das Radisson Blu in Greater Noida in Richtung Agra. Beide Städte sind durch einen modernen Highway miteinander verbunden, so dass man für indische Verhältnisse recht zügig vorankommt. Nur die Warteschlangen an den Mautstationen bremsen uns immer wieder aus. Unterbrochen wird der Transfer durch die schon obligatorische Mittagsrast. Heute stoppen wir an einem Foodcourt, in dessen Halle diverse Fastfoodanbieter versammelt sind. Hier finden sich KFC, Subway und Co neben indischen Regionalmatadoren. Vor allem die Kinder freuen sich über Pizza-Hut-Pizzen: Not spicy at all. Überhaupt ist es ziemlich spannend, die indischen Variationen von Subs und Burgern zu begutachten. Am Ende bleibe ich aber bei einem leckeren Mangolassi, der an sich schon eine eigene Mahlzeit ist.

In den Nachmittagsstunden erreichen wir Agra, einen der kulturellen Höhepunkte der Reise, und steuern als erstes unser Hotel für die kommenden zwei Nächte an: Wieder werden wir in einem westlich-eleganten Radisson Blu wohnen. An den Standard könnten wir uns gewöhnen: Alles ist picobello gepflegt: Von der weitläufigen marmornen Lobby, über den auf dem Dach befindlichen Pool bis zu den großzügigen Zimmern. Und auch das Hotelrestaurant mit seinem umfangreichen Buffetangebot lässt keine Wünsche offen.

Wir haben ein wenig Zeit, uns von der Reise zu erholen. Dann wartet aber bereits unser Cultural Guide in der Lobby. CB hat einmal mehr ein gutes Händchen bewiesen: Unser Führer ist uns auf Anhieb sympathisch und wird sich als ein angenehmer und vor allem kenntnisreicher Begleiter herausstellen.

Den späten Nachmittag werden wir heute mit einem Besuch des Mausoleums von I'timād-ud-Daulah verbringen, einem Gebäudekomplex, der etwas abseits der touristischen Hauptpfade in Agra liegt.
Sicher lotst uns Mr Satdev durch den dichten Verkehr der Metropole – wieder gleicht der Blick aus den Fenstern einer Vielzahl parallel an uns vorbeiziehender Filme – und bald können wir vor den Toren des Monuments aussteigen und werden von unserem Guide durch ein Spalier von Souvenirhändlern geleitet.
Während die meisten Besucher den Ort bereits verlassen, beginnen wir mit der Besichtigung. Der Park, in dem das Mausoleum liegt, ist zu dieser Tageszeit eine Oase der Ruhe.

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Zu unser aller Freude sind hier einige Kleine Mungos (Small Indian Mongoose) unterwegs. Nur leider haben wir unsere Monument-Objektive montiert – auf interessantes Wildlife sind wir fotografisch gar nicht vorbereitet.

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Der unangefochtene Star des Nachmittags bleibt aber natürlich das Mausoleum selbst. Das Grab des Humayun in Delhi hat uns ja bereits einen Vorgeschmack auf die Pracht der Grabmäler der Mogulzeit gegeben, aber dieses Kleinod entfaltet nochmal einen größeren Reiz. Selten haben wir ein derart harmonisches Bauwerk gesehen, das mit seinem rein-weißen Understatement erst bei näherer Betrachtung den kunstvoll-kostbaren Schmuck aus Edelsteinintarsien offenbart.

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Das Mausoleum wurde in den Jahren zwischen 1622 und 1628 von Nur Jahan, der Hauptfrau des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater Mirza Ghiyas Beg errichtet. Dieser stammte aus Persien und erhielt wegen seiner Verdienste als Schatzmeister und später als Wesir des Reiches den Ehrentitel I'timād-ud-Daulah („Stütze des Staates“). Mirza Ghiyas Beg war der Großvater von Mumtaz Mahal, der Frau des fünften Mogul-Herrschers Shah Jahan, die am nächsten Tag der Reise noch eine Hauptrolle spielen wird.

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Lange spazieren wir rund um das Gebäude herum und genießen dabei seine Symmetrie und strahlende Reinheit. Aus jedem Winkel weiß das Mausoleum uns aufs Neue in seinen Bann zu ziehen. Vor allem meine Frau ist tief berührt von der Wirkung des Gebäudes. Zu diesem Augenblick möchte man sagen: Verweile doch, du bist so schön.

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Der Besuch des Mausoleums von I'timād-ud-Daulah ist für uns eine absolut friedliche und damit überaus intensive Erfahrung – ein Programmpunkt der Reise, an den wir immer gern zurückdenken. So exklusiv und damit intensiv werden wir das Taj Mahal am nächsten Morgen wohl kaum erleben.

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Die Abendstunden verbringen wir bei gutem Essen im Hotel. Heute finden hier zwei Hochzeiten statt. Bereits die Vorbereitungen sind spannend zu beobachten, denn in diesem Zusammenhang lassen es Inder so richtig krachen. Und auch im weiteren Verlauf des Abends spielen wir gern Mäuschen und sind beeindruckt von den festlich gekleideten Gesellschaften, die u.a. mit Live-Video-Übertragungen auf eine Großleinwand ihren Freudentag zelebrieren.

Bald geht es dann auch in Richtung Bett. Morgen steht zwar keine Safari an, aber auch der Besuch des Taj Mahals – ein lange gehegter Traum – soll bereits wieder um 5:30 Uhr beginnen. Indien ist definitiv kein Reiseland für Langschläfer…
Teil 1116. Juni 2025
10. Kapitel: Das wahrscheinlich schönste Gebäude der Welt

Es ist noch stockdunkel, als wir uns aus den Betten quälen. Aber die Vorfreude besiegt die Müdigkeit schnell: Gleich geht es zum Taj Mahal. Wir können es kaum glauben.
Unser Cultural Guide erwartet uns bereits in der Lobby, CB bleibt dem Ausflug heute fern.
Wenn man das Taj besuchen möchte, muss man sein Gepäck vorher bewusst zusammenstellen: Einzig Wasser ist auf dem Gelände erlaubt. Essen ist verboten, Stative und Sitzkissen ebenso. Und die Einhaltung der Regeln wird tatsächlich genau überprüft.

Mr Satdev fährt uns zu einem Parkplatz in der Nähe des Taj Mahal. Hier müssen wir aus- und auf einen Elektrobus umsteigen. Die unmittelbare Umgebung des Mausoleums ist eine verkehrsberuhigte Zone. Die Aufregung steigt, als wir bemerken, wie viele Menschen trotz des gerade anbrechenden Tages hier bereits unterwegs sind. 🤪

Nach kurzer Fahrt steigen wir erneut aus und gelangen zum eigentlichen Eingang des Gebäudekomplexes. Hier findet eine genaue und geschlechtergetrennte Sicherheitskontrolle statt. Alle Besucher werden abgetastet und das Gepäck wird durchleuchtet. Ist das Abtasten sehr gut organisiert, lässt die Taschenkontrolle aber sehr zu wünschen übrig. Alle Rucksäcke landen nach dem Röntgenvorgang bei einer Handvoll Bediensteter, vor deren Tischen sich eine überforderte und zunehmend genervt-aggressiv agierende Menschentraube bildet. Es dauert eine ganze Weile, bis die eigene Tasche zurück bei ihrem Besitzer ist und diverse Streitfälle bezüglich der Auslegung der strengen Regeln beigelegt sind.

Als wir alle wieder beisammen sind, bin ich schon fix und fertig. Aber es bleibt keine Zeit zum Ausruhen, denn es geht zu Fuß nun direkt weiter zum Taj Mahal.

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Von außerhalb des Mauerrings, der das Mausoleum umgibt, ist das Gebäude nicht zu sehen. Die hohen Mauern und die großen Torburgen versperren dem neugierigen Besucher den Blick. Und so empfängt das Taj Mahal seine Besucher erst mit voller Wucht, wenn man die Torburg gemeinsam mit einer Vielzahl anderer Menschen durchschreitet.

Plötzlich ist der Rummel für einen Moment vergessen. Der Blick heftet sich auf das in ein paar hundert Metern Entfernung thronende Gebäude. Zahllose Fotos hat man von diesem Ort gesehen und doch ist der erste eigene Blick auf das weltberühmte Bauwerk ein ganz besonderer Moment. Wir realisieren: Wir sind tatsächlich hier. Wie cool ist das denn!

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Das Taj Mahal im Dunst des anbrechenden Tages

Hier am Eingang sammelt sich die Besuchermasse. Das wird im weiteren Verlauf des Besuchs besser werden, denn das Parkgelände des Taj Mahal ist sehr weitläufig und sobald man die klassische Blickachse verlässt, trifft man nur noch auf vereinzelte Besucher.

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Vom Eingang aus ist der Blick auf das Taj jedoch besonders schön. Und so warten wir geduldig auf einen zentralen Fotospot. Unser Guide ist uns hierbei eine unbezahlbare Hilfe. Vor dem Himmel freigestellt erhebt sich der fantastische Bau. Trotz des Massenandrangs Gänsehaut.

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Der Großmogul Shah Jahan ließ das Taj Mahal zum Gedenken für seine im Jahre 1631 verstorbene Frau Mumtaz Mahal erbauen. Neben seiner Frau, die im Zentrum des Mausoleums ruht, ruht auch Shah Jahan selbst im Inneren. Das Taj Mahal ist damit vielleicht das prachtvollste Zeugnis einer den Tod überdauernden Liebe. Und das hat sich der Mogulherrscher einiges kosten lassen: Der Bau des Taj Mahal wurde sechs Monate nach dem Tode Mumtaz Mahals im Jahr 1632 begonnen, und das Gebäude 1648 fertiggestellt. Beteiligt waren über 20.000 Handwerker aus vielen Teilen Süd- und Zentralasiens und verschiedene Architekten. Sie verschmolzen persische Architektur mit indischen Elementen zu einem herausragenden Werk der indo-islamischen Baukunst. Die Baumaterialien wurden aus Indien und anderen Teilen Asiens mit Hilfe von ca. 1000 Elefanten herangeschafft.

Nachdem die ersten Bilder im Kasten sind, spazieren wir auf das Mausoleum zu und können die Augen kaum von dem schönen Gebäude lassen. Immer wieder halten wir und machen Fotos. Und ständig lädt uns unser Guide dazu ein, vor dem Gebäude zu posieren. Hier ist eine schöne Bank, dort ein schöner Winkel, hier sitzen Staatsgäste normalerweise für ihre Fotoaufnahmen. Hier saß in Abgrenzung dazu einst Prinzessin Diana… Lächelnd (im Falle unserer Teenie-Tochter mehr und mehr gequält) lassen wir uns immer wieder ablichten. Das ist am Ende ziemlich anstrengend und unserem Guide viel wichtiger als uns selbst. Überhaupt scheint es der Mehrzahl der Besucher vor allem darum zu gehen, sich vor dem Taj ablichten zu lassen – hier ist die Selfie-Kultur der Gegenwart in all ihren Facetten zu studieren. Ich posiere, also bin ich. 🤪
Ich finde am Ende, dass das Taj Mahal ohne uns im Vordergrund das schönere Fotomotiv ist.

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Blick zurück auf das Eingangstor

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Und auch zum Birden bleibt etwas Zeit. 😄

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Kuhreiher (Cattle Egret) im Prachtkleid

Um Zugang zu der Plattform zu bekommen, auf der sich das Mausoleum erhebt, müssen wir unsere Schuhe mit Überziehern versehen. Durch den überschaubaren Innenraum schiebt man sich mit zahlreichen anderen Menschen. Hier sind prächtige Schmuckarbeiten rund um die Grabmäler zu besichtigen, Wächter achten dabei darauf, dass niemand Fotos macht. Wegen der Vielzahl der Menschen ist es eng und stickig. Besonders forsche Mitbesucher werden zu allem Überfluss nicht müde, die Echofähigkeit der Kammer auszuloten. 😣 Das sorgt als Gesamtpaket dafür, dass die Innenbesichtigung zu den weniger erbaulichen Momenten des Taj-Besuchs zählt und wir ganz froh sind, nach einigen Minuten wieder an der vergleichsweise frischen Luft zu sein. 😏

Wir umrunden das Taj Mahal. Besehen das Gästehaus und die Moschee, die das Hauptgebäude flankieren und staunen darüber, wie sehr der Sonneneinfall den Charakter des Mausoleums verändert, verwandelt er das reine Weiß doch in ein strahlendes Goldgelb.

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Moschee

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An den Seiten des Gebäudes hält sich der Besucherandrang in Grenzen und wir können alles ganz entspannt ansehen.
Einige Stunden bleiben wir im Garten des Taj Mahal und wollen uns gar nicht verabschieden. Trotz des Besucherandrangs, der aber auch nicht größer ist als gegenwärtig in diversen europäischen Metropolen, war das ein ganz tolles Erlebnis für uns alle.

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Noch ein Blick zurück: Eines meiner Lieblingsfotos vom Taj:

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Randvoll mit Eindrücken besteigen wir erst den Elektrobus und dann unser Auto und kehren ins Hotel zurück. Hier wartet ein spätes Frühstück auf uns. Dann beginnt eine längere Mittagspause mit Pool- und Ruhezeit. Am Nachmittag soll dann der Besuch des roten Forts auf dem Programm stehen.
Teil 1219. Juni 2025
11. Kapitel: Ein Nachmittag in Agra

Die glühend heißen Stunden der Mittagszeit verbringen wir im Radisson Blu. Unser Zimmer ist gut heruntergekühlt und die Betten sind nach dem frühen Aufstehen und intensiven Besichtigen einladende Orte. Aber auch der Pool, der sich auf dem Dach des Hotels befindet, lädt zu einem Besuch ein. Während die Kinder im kühlen Nass herumplanschen, zerfließe ich im knappen Schatten, der sich hier oben bietet. Belohnt wird man jedoch mit schönen Blicken über Agra in Richtung Taj Mahal, ohne das die Skyline der Stadt zugegebenermaßen recht wenig zu bieten hätte.

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Am Nachmittag geht die Besichtigungstour weiter. Als ersten Programmpunkt besuchen wir (unangekündigt 😈 ) eine Marmorwerkstatt. Eigentlich lehnen wir solche „Butterfahrt-Programmpunkte“ ab, aber Agra ist noch immer bekannt für dieses Kunsthandwerk und so möchten wir einen Blick riskieren. Bei der als Parchin Kari bekannten Kunstform werden Edel- oder Halbedelsteine wie Lapislazuli oder Jade per Hand so in Marmor eingearbeitet, dass florale und geometrische Muster entstehen. Wir werden freundlich empfangen, in klimatisierte Räume geführt und bekommen Kaltgetränke serviert. Das ist in Anbetracht der draußen herrschenden Temperaturen schonmal schön. Auch die Demonstration der Einlegearbeiten ist interessant: Eine zeitaufwändige Fingerspitzen- und Geduldsübung für die Kunsthandwerker.

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Im Anschluss geht es in den unvermeidlichen Verkaufsraum. Hier wird psychologisch geschickt vorgegangen, denn in diesem Raum sind vor allem große Produkte ausgestellt: Tischplatten, Hocker… Das alles hat natürlich seinen Preis und wir können uns kaum vorstellen, dass der Durchschnittstourist einfach mal spontan einen neuen Esszimmertisch erwirbt. Wir lehnen also höflich dankend ab, müssen aber zugeben, dass das ein oder andere Stück wirklich sehr schön anzusehen ist. Solche Situationen sind uns einfach immer unangenehm… 😵
Und auf dieses schlechte Gewissen baut der zweite Verkaufsraum, in dem eine Vielzahl kleinerer Produkte ausgestellt ist. Hier gibt es Zierteller, Glasuntersetzer, Döschen… Und auch hier ist vieles schön anzusehen, aber die aufwändige Handwerkskunst hat auch im Kleinformat ihren recht stolzen Preis. Trotzdem wechseln nach einigem Hin- und Herüberlegen ein paar Souvenirs den Besitzer. So ganz ohne Parchin Kari Kunstwerke wollen wir Agra dann doch nicht verlassen, auch wenn wir dies eine Stunde zuvor noch nicht wussten… 😛

Weiter geht es nun zum Hauptprogrammpunkt des Nachmittags, dem Roten Fort, einer Festungs- und Palastanlage aus der Mogulzeit. Es diente im 16. und 17. Jahrhundert mit Unterbrechungen als Residenz der Mogulherrscher. Der Bau wurde 1565 unter Akbar dem Großen, der die Hauptstadt von Delhi nach Agra verlegen ließ, aufgenommen und unter seinen Nachfolgern, vor allem unter Shah Jahan, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert.

Bereits vor dem Eingangstor ist der Anblick des gewaltigen Forts mit seinen mächtigen roten Mauern beeindruckend.

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Die ältesten Teile des Forts sind aus rotem Sandstein gefertigt. Wir durchschreiten mit nur wenigen anderen Besuchern großzügige Höfe, betrachten schmuckvolle Verzierungen.

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Dabei entdecken in einer dunklen Halle einige Fledermäuse, die sich durch ihr Fiepen und vor allem durch den Geruch ihrer Hinterlassenschaften verraten. Ein beeindruckendes Gebiss haben diese kleinen Kerle!

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Vom Roten Fort aus bieten sich schöne Ausblicke auf das Taj Mahal.

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Dessen Erbauer Shah Jahan wurde 1658 nach der Machtergreifung durch seinen Sohne bis zu seinem Tode hier unter Hausarrest gestellt. Aus der Ferne konnte er also das Grabmal seiner liebsten Frau bis zu seinem eigenen Ende betrachten.

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Grund für die Entmachtung soll gewesen sein, dass Shah Jahan beabsichtigte, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Yamuna ein aus schwarzem Marmor gefertigtes Mausoleum als Gegenstück zum Taj Mahal für sich selbst zu errichten. Diese Unternehmung hätte die Staatskasse weiter geschröpft und so wurde der sehnsuchtskranke Vater kurzerhand entmachtet und unter dauerhaften Hausarrest gestellt.


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Besonders prächtig sind die Gebäudeteile, die während der Herrschaftszeit von Shah Jahan entstanden sind.

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Hier dominiert weißer Marmor mit aufwändigen Intarsien. Umgeben sind die Bauten von geometrisch angelegten Gärten. In der Mogularchitektur ist wenig dem Zufall überlassen.

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Diwan-i-Khas mit privater Audienzhalle

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Khas Mahal – ein Palast für die zwei Lieblingstöchter des Shah Jahan

Auch Rhesusaffen finden es hier schön. Und wir finden den Anblick wunderbar exotisch.

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Die riesige Audienzhalle Diwan-i-Am beeindruckt mit luftigen Bogengängen.

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Besonders schön ist aber der bereits unter Akbar erbaute Jahangir Palace, der Wohnstätte der Königinnen war.

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Viel Zeit kann man in diesem riesigen Gebäudekomplex verbringen. Uns hat die Besichtigung trotz der hohen Temperaturen richtig gut gefallen.

Zum Sonnenuntergang fahren wir auf die gegenüberliegende Seite des Yamuna. Hier bietet sich von einem Aussichtspunkt der Agra Developement Authority (A.D.A.) ein schöner Blick auf das Taj Mahal. Auf dem Weg dorthin begegnet uns die ein oder andere Kuh.

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Während das Licht des Tages immer schwächer wird, genießen wir von einer Bank aus schöne Blicke auf das Taj Mahal. Ein gelungener Tagesausklang und Abschied von der Mogularchitektur Agras.

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Auf dem Rückweg zu unserem Auto geschieht dann leider noch unangenehm Aufregendes. Wir passieren eine kleine Kuhherde, als plötzlich Unruhe entsteht. Eine Kuh stürmt an uns vorbei, eine andere aber senkt den Kopf und geht mit hoher Geschwindigkeit unvermittelt zum Angriff über. 😵 Hier dehnen sich in der Erinnerung die Sekunden. Reflexartig packt jedes Elternteil eine Tochter und wir springen hinter eine Straßenabsperrung, die glücklicherweise gerade zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Die Kuh bremst vor dem Stahlgitter ab und rennt davon, ohne uns aufgespießt zu haben. Das ist gerade nochmal gutgegangen. Der Schreck bei einigen Familienmitgliedern sitzt jedoch tief. Vor allem eine unserer Töchter möchte hier keinen Schritt mehr zu Fuß gehen. Zum Glück kann unser Guide ein Tuktuk heranwinken, in das wir uns dankbar flüchten und so durch die einsetzende Dunkelheit jeder noch so heiligen Kuh davonbrausen.

Zurück im Hotel können wir einmal mehr den aufwändigen Vorbereitungen einer Hochzeit beiwohnen.

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Während in der Lobby lautstark gefeiert und getanzt wird, schleichen wir uns nach dem Abendessen kurz in ein bereits verlassenes Trauzimmer und besehen uns die bunte Dekoration aus der Nähe. Spannend.

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Und auch aus dem Fenster unseres Zimmer können wir später Hochzeitsprozessionen beobachten, die mit viel Musik und beleuchteten Wagen tanzend durch die Straßen ziehen. Die Hochzeitskultur in Indien ist schon sehr besonders.

Am nächsten Tag werden wir Agra bereits wieder verlassen. Der legendäre Ranthambhore Nationalpark in Rajasthan erwartet uns. Ob sich die Tiger auch hier wieder so erfolgreich vor uns verstecken werden? 😕
Teil 1323. Juni 2025
12. Kapitel: Willkommen in Ranthambhore!

Ein letztes Mal genießen wir das Fünf-Sterne-Frühstück in Agra, bevor wir uns auf den Weg zum circa 300 Kilometer entfernten Ranthambhore Nationalpark machen. Die Fahrt ist mit rund fünf Stunden angesetzt, wird aber bedeutend länger dauern, denn gar nicht weit von unserem Ziel entfernt kommt es auf einer Brücke, die sich über eine Ortschaft zieht, zu einem schier unauflösbaren Verkehrsinfarkt. 😣 Ein LKW ist auf der zweispurigen Fahrbahn liegen geblieben. Zum Glück für uns steht er auf der Gegenfahrbahn. Aber kurz bevor wir die Stelle erreichen, springen einige Männer auf die Straße, um unsere Spur zu blockieren und es unserem Gegenverkehr endlich zu ermöglichen, an dem LKW vorbeizufahren. Das sehen einige Fahrzeuge hinter uns aber so gar nicht ein und so werden wir hupend und brüllend überholt, was dazu führt, dass der Gegenverkehr, der gerade auf unserer Spur unterwegs ist, von den uns überholenden Fahrzeugen geblockt wird. In alle noch so kleinen Lücken flitzen sogleich zahllose Mopeds und bilden damit den Mörtel in diesem Kuddelmuddel. Schachmatt! 😵 Jetzt geht für lange Zeit außer dem Quäken zahlloser Hupen gar nichts mehr. Und draußen liegen bei rund 40 Grad die Nerven immer blanker… Es wird wild gestikuliert und geflucht. Irgendwann fasst sich unser Fahrer ein Herz und steigt aus. CB übernimmt das Steuer. Mr Satdev in seinem blütenweißen Hemd bahnt sich den Weg zum Kern des Verkehrsknäuels. Mit einer enormen Gemütsruhe und Selbstsicherheit versucht er, das Schiebepuzzle aufzulösen und CB nutzt die freiwerdenden Räume, um unser Auto Meter für Meter vorwärtszubewegen. Der ganze Prozess dauert bestimmt eine Stunde. Und immer wieder muss ich tief durchatmen, um in dieser Enge und dem Geschrei vor unseren Fenstern keine Panik in mir aufsteigen zu lassen. 🙄
Als wir schließlich irgendwann den gröbsten Schlamassel hinter uns gelassen haben, schöpfen wir auch wieder Hoffnung, unsere Nachmittagssafari noch antreten zu können...

Gegen 13 Uhr erreichen wir schließlich unser Hotel für die kommenden drei Nächte. Wir werden im Mount Valley Resort in der Nähe des Parkeingangs wohnen. Hierbei handelt es sich um ein kleineres Vier-Sterne-Hotel, das zur Zeit unseres Besuchs kaum belegt ist.
Erstaunlicherweise haben wir keine Außenaufnahmen des Hotels gemacht. Daher „leihe“ ich hier eine Aufnahme von der Website des Hotels, die aber einen realistischen Eindruck liefert.

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Es gibt einen kleinen Pool, der jedoch als rechteckiges und schattenloses Betonbecken direkt neben dem Haupthaus keinen großen Charme versprüht. Zur mittäglichen Abkühlung genügt das kühle Nass unseren Kindern jedoch vollumfänglich.
Unser Zimmer im ersten Stock ist nett im Kolonialstil eingerichtet und bietet über ein großes Fenster einen Blick auf den Dschungel von Ranthambhore, der sich jahreszeitenbedingt vor allem in verschiedenen Brauntönen präsentiert. Wir fühlen uns hier durchaus wohl. Anders als Katrin in ihrem Reisebericht beschrieben hat, haben wir Glück. Alles in Zimmer und Bad ist sauber und funktioniert einwandfrei.

Wir gönnen uns ein schnelles Mittagessen im kleinen Restaurant des Hotels. Hier sind wir die einzigen Gäste, was uns der ungeteilten Aufmerksamkeit des vier- bis fünfköpfigen Servicepersonals sicher sein lässt. 😉 Die Speisen sind auch hier sehr schmackhaft, aber allzu viel können und wollen wir in Anbetracht der Temperatur und der gleich anstehenden Safari nicht zu uns nehmen.

Viel Zeit bleibt sowieso nicht, denn gegen 14 Uhr brechen wir zu unserer ersten Safari in den nahen Ranthambhore Nationalpark auf. Insgesamt werden wir in den kommenden Tagen sechs private Ausfahrten im Gypsy unternehmen. Dabei sind uns die Zonen eins, zwei, vier, fünf und zehn zugewiesen worden. Die Zonen 1 bis 5 befinden sich im Kerngebiet des Nationalparks und bieten insgesamt wohl deutlich höhere Chancen auf eine Tigersichtung.

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Morgens und nachmittags dürfen insgesamt maximal 140 Fahrzeuge für dreieinhalb Stunden in alle zehn Safarizonen einfahren. Dabei ist in jeder Zone eine gleich hohe Zahl von Gypsys und Cantern erlaubt, so dass maximal 14 Fahrzeuge gleichzeitig in einer Zone unterwegs sind. Gefühlt waren es bei uns aber zum Teil eher deutlich weniger. Die Pisten jeder Zone umfassen dabei jeweils rund 25 Kilometer. Das zugewiesene Areal zu verlassen, ist strikt verboten – auch wenn eventuell ein Tiger in der Nachbarzone gesichtet wurde. Und daran wird sich penibel gehalten, denn der gesamte Park steht unter Videoüberwachung und Verstöße werden empfindlich geahndet. Das alles schränkt natürlich die Freiheit deutlich ein, aber es sorgt eben auch dafür, dass die Tiere nicht über Gebühr bedrängt werden und man als Besucher keine ausufernden Wagenburg-Erlebnisse haben sollte. Alles also etwas anders als in afrikanischen Nationalparks.

Bei jeder Ausfahrt werden wir von einem anderen Fahrer direkt am Hotel abgeholt. Mit dabei ist jeweils ein wechselnder Forestguide. Diese zwei besetzen die erste Reihe des Fahrzeugs. In Reihe zwei nehmen meine Frau und die Kinder Platz, CB und ich machen es uns in der hinteren Reihe gemütlich. Alles also so, wie im Corbett Nationalpark bereits eingespielt.

Nur wenige Minuten Fahrt sind es bis zum Parkeingang – das ist einer der großen Vorteile unseres Hotels. Die Einreiseformalitäten am Hauptgate sind schnell erledigt. Von hier aus führt eine geteerte Straße in die Tiefen der 282 Quadratkilometer großen Kernzone des Schutzgebiets, die nur zu einem Teil für den Tourismus geöffnet ist. Um die einzelnen Safari-Zonen im Kerngebiet des Parks zu erreichen, folgen alle Fahrzeuge dieser einen Straße bis zum Singhdwar Checkpost. An dieser kleinen Hütte zweigen sternförmig die Zonen eins bis fünf ab.

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Hier werden erneut die Zugangspapiere kontrolliert und kurz darauf fahren wir in Zone 2 des Nationalparks ein.
Ranthambhore präsentiert sich uns als zerklüftete Landschaft, die von lichtem Trockenwald dominiert wird. Je nach Zone gibt es größere Seen, Flussläufe und Ruinen aus der Mogulzeit zu sehen. Zone 2 gehört im April in weiten Teilen zu den eher trockenen Bereichen, jedoch gibt es hier einige gut einsehbare Wasserstellen, die die Zone für allerhand Getier auch in der Trockenzeit als Lebensraum attraktiv bleiben lassen.

Voller neuer Hoffnung auf schöne Begegnungen rumpeln wir über die Pisten der Zone und sind dabei oft weitestgehend allein unterwegs.
Wir begegnen immer wieder den „üblichen Verdächtigen“, die sich hier durch den lichten Unterbewuchs auch dann beobachten lassen, wenn sie nicht direkt an der Piste stehen.
Auch in Ranthambhore gibt es sehr viele Pfauen.

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Und auch hier sind unter den Huftieren die Axishirsche die am meisten zu sehenden Vertreter.

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An einer Böschung begegnet uns eine ganze Kette von Dschungelwachteln (Jungle Quail) unterschiedlichen Alters, die wegen ihrer geringen Größe und dem Unterbewuchs gar nicht leicht zu fotografieren sind. Ein Beweisfoto gelingt dann aber zum Glück doch.

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Weiter geht die Fahrt entlang eines mehr oder weniger trockenen Flussbetts. Durch das Geröll huscht plötzlich ein schlankes Etwas. Bei näherer Betrachtung stellt es sich als indische Rotmanguste (Ruddy Mongoose) heraus. Wieselflink ist das Tier unterwegs und ich bin froh, dass die Manguste für wenige Sekunden innehält, um uns einen Blick zuzuwerfen. Dann wird emsig weitergewuselt.

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Dort wo der Fluss noch Restwasser führt, finden sich immer wieder Tiere, die ihren Durst stillen möchten. Und so können wir einen schönen Sambarhirsch einmal ganz unverstellt betrachten.

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Bald darauf erreichen wir einen kleinen See, an dessen Ufer wir uns eine Weile aufhalten. Da wir auf beiden Kameras Teleobjektive montiert haben, gibt es nur wenige Fotos der schönen – aber eben sehr trockenen – Landschaft. Hier beobachten wir einige Axishirsche und können zu CBs Freude eine Braunbauch-Kielralle (Brown Crake) entdecken, die nach seiner Aussage nicht sehr oft so gut zu beobachten ist.

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Fortgesetzt wird die Fahrt mit noch weiteren schönen Vogelsichtungen.

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Dschungeldrossling (Jungle Babbler)


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Dajalschama (Oriental magpie robin)

An einer weiteren Wasserstelle entdecken wir einen jungen Schwarzstorch, der wenig scheu vor uns posiert.

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Wenig später kommt es zum Höhepunkt des heutigen Nachmittags. Während wir durch ein lichtes Waldstück fahren, werden Alarmrufe hörbar. Wir halten an und spähen in die Umgebung. Schnell gesellen sich einige Fahrzeuge hinzu und es dauert nicht lange, da rennt unser erster indischer Leopard (Panthera pardus fusca) in vielleicht fünfzig Metern Entfernung an uns vorbei. 🤩 Jetzt geht alles ganz schnell und unser Fahrer versucht hektisch, mit dem Tier Schritt zu halten. Wegen des rumpeligen Wegs und des ständigen Wechsels von Anhalten und Anfahren ist an Fotos hierbei gar nicht zu denken und so verschwindet der Leopard, ohne dass wir ihn ablichten konnten. Schade. 😏

Aber was ist das? In der Richtung, aus der unser Leopard kam, erscheint noch ein zweiter. 😁 Dieser ist viel bulliger als die erste Katze und damit auf den ersten Blick als ein ausgewachsener Kater zu erkennen. Auch er ist zielstrebig unterwegs. Aber da unser Auto nun in einer guten Position steht, können wir den Leoparden mehr oder weniger entspannt – wenn man davon bei dem einschießenden Adrenalin überhaupt sprechen kann – bei seinem Weg durch den Wald beobachten und sogar einige Fotos schießen, wenn er mal nicht zu sehr von Baum oder Strauch verdeckt wird. Und als er uns dann noch einen Blick zuwirft, ist der Fotograf happy. 😎

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Da Leopardensichtungen im Ranthambhore nicht so sehr auf der Tagesordnung stehen, sind wir schonmal sehr zufrieden mit dieser Begegnung auf unserer ersten Safari. Flecken: Check! 😁 Bleiben noch die Streifen… 😗

Nach der schönen Leopardensichtung steuern wir eine nicht weit entfernte Wasserstelle an. In der Gegend lagert wohl eine Tigerin mit ihrem schon recht erwachsenen Nachwuchs. Vielleicht waren die Leoparden deshalb in so großer Eile unterwegs. Früher oder später – so ist die Hoffnung – würde einer der Tiger seinen Durst an dieser Wasserstelle stillen wollen. Wir warten also eine ganze Weile gemeinsam mit einigen anderen Fahrzeugen und können dabei immerhin einen Indienpirol (Indian Golden Oriole) entdecken: ein leuchtender Farbklecks im Braun des Trockenwalds.

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Die Tiger haben aber leider gerade keine Lust, ans Wasser zu kommen und so fahren wir ohne eine Sichtung weiter. Schließlich können wir aber dennoch mindestens zwei der Tiger im dichten Gebüsch in einiger Entfernung der Piste erahnen. An vorzeigbare Fotos ist hier natürlich mal wieder nicht zu denken. Die Tiere liegen hinter Gestrüpp flach auf dem Boden. Immer wieder hebt eine der Katzen ihren Kopf und man kann dann recht gut Gesicht und Ohren erkennen. Irgendwann stehen die Katzen dann sogar auf und setzen sich in Bewegung. Aber leider marschieren sie in die falsche Richtung davon und so bleibt es einmal mehr bei einer fotografisch hochgradig unbefriedigenden Situation. So ein Pech. 🙁
So kann es aussehen, wenn ein Tiger zwar anwesend ist, sich aber im Wald nicht so recht den geneigten Reisenden präsentieren mag:

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Zum Glück hatten wir die Leoparden. Und so verlassen wir in der Abenddämmerung Zone 2 mit einem Lächeln und kehren zufrieden ins Hotel zurück. Hier genießen wir wieder den ungeteilten Service der gesamten Restaurantbelegschaft, während wir ein schmackhaftes Dinner verputzen. Wir bestellen hier à la carte: Die Kinder freuen sich über Pasta mit leckerem Pesto, die Erwachsenen bleiben bei indischen Speisen. Auch in diesem Restaurant wird der Würzegrad wieder gut an unsere Gaumen angepasst. Alles wird in kleinen Schalen aufgetragen und am Tisch mit Zangen und Löffeln von den Kellnern akribisch auf unsere Teller verteilt. An so viel Aufmerksamkeit müssen wir uns erst noch gewöhnen… 😉

Morgen müssen wir wieder einmal vor fünf Uhr aus den Federn heraus: Es steht die nächste Safari im Nationalpark an. Wir sind gespannt!
Teil 1426. Juni 2025
13. Kapitel: Eine Morgenausfahrt in Zone 1

Es dämmert schwach, als wir mit Müdigkeit in den Knochen das Hotel verlassen und vor dem Haupteingang auf unseren Gypsy warten. Nach wenigen Minuten erscheint unser heutiges Team gemeinsam mit CB und wir nehmen die bewährte Sitzaufteilung ein. Und schon geht die Fahrt durch das fahle Licht des Morgens los und wir werden durch den erfrischenden Fahrtwind schnell munterer.

Es dauert nicht lange, bis wir schlagartig ganz wach sind: Bereits vor unserer Ankunft am Gate sehen wir auf der Landstraße, die neben der Grenze zum Nationalpark verläuft, einige Gypsys stehen und erfahren schnell, warum es zu dieser Ansammlung gekommen ist. „Balou!“ hören wir es immer wieder raunen. 🤩 Und tatsächlich: Im Gebüsch links von der Straße sind eine große und eine etwas kleinere schwarze Fellkugel unterwegs: eine Lippenbärmutter mit ihrem Nachwuchs. Kurz nachdem wir angehalten haben, rennen die beiden Bären auch schon in hohem Tempo direkt vor unserem Auto über die Straße. Die Kameras sind noch gar nicht bereit und die Tiere sind für die montierten Brennweiten auch viel zu nah. Und so entsteht hier nur ein schlechtes und unscharfes Belegfoto des Crossings.

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Mutter Bär klettert sogleich behände die gut zwei Meter hohe Steinmauer herauf, die den Nationalpark umspannt. Nach einigen Anläufen schafft es auch der tapsige Nachwuchs auf die Mauerkrone. Und wenige Augenblicke später sind die zwei Bären auf der anderen Seite der Mauer verschwunden. Schließlich öffnet der Park gleich seine Pforten und man will ja nicht zu spät bei der Arbeit erscheinen… 😛
Leider beobachten wir diese tolle Kletteraktion nur durch Geäst hindurch und können daher nicht fotografieren. Die Vegetationslücke, die sich wenige Meter vor uns öffnet, entdecken wir erst, als wir weiterfahren… 😈 Aber auch ohne Fotos ist das natürlich ein schöner Safaribeginn und eine ebensolche Erinnerung.

Nachdem die Einreiseformalitäten wieder ruckzuck erledigt sind, geht es auf der Teerstraße einmal mehr in Richtung Singhdwar Checkpost. Bereits auf dem Weg dorthin können wir die schöne Sichtung eines Perlspornhuhns (Painted Spurfowl) verzeichnen.

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Die heutige Morgenausfahrt führt uns in Zone 1 des Nationalparks. Die enge Piste verläuft dabei durch Waldgebiete hin zu einem größeren See als Schlusspunkt.
Die Fahrt gestaltet sich weitestgehend ruhig und wir dürfen uns vor allem über Vogelsichtungen freuen.

Gleich zu Beginn kommen wir als Eulenfreunde voll auf unsere Kosten, denn wir können eine hübsche Halsband-Zwergohreule (Collared Scops Owl) in ihrem Tageseinstand entdecken, die uns ein paar müde Blicke zuwirft. Über eine neue Eulenspezies auf der Liste freue ich mich immer ganz besonders.

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Bald darauf wird CB auf die Rufe von Brahmakäuzen (Spotted Owlet) aufmerksam und wir steuern einen nahen Baum an. Hier entdecken wir zwei adulte Käuzchen und zu unserer Freude auch einen Jungvogel, der uns interessiert aus seiner Baumhöhle heraus beobachtet. Dieses süße Kerlchen ist für uns das eigentliche Highlight der Morgenausfahrt.

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Ganz in der Nähe lässt sich auch ein Braunliest (White-breasted Kingfisher) entdecken. Wieder einmal ein schöner Farbtupfer in der weitgehend ausgedörrten Umgebung.

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Die weitere Fahrt bis zum See verläuft bis auf die obligatorische Sichtung einiger Axis- und Sambarhirsche ereignislos.

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Und auch am See selbst ist nicht viel los. Einzig eine Zwergscharbe (Little Cormorant) schafft es auf die Speicherkarte. Es sind zwar auch Krokodile unterwegs, diese lassen aber nur ihre wenig Körperfläche aus dem Wasser ragen. Wir verzichten daher auf Fotos.

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Plötzlich hören wir aus dem Wald einige Alarmrufe. Da hier die Grenze zu Zone 6 verläuft, können wir jedoch nicht weiter in die Richtung der Schreie vordringen. Und so hoffen wir, dass der Grund der Unruhe sich auf uns zu bewegen wird. Zuerst hat das auch den Anschein, denn die Alarmcalls werden lauter. Aber als nach längerer Wartezeit das Rufen schließlich verstummt, vermuten unsere Führer, dass sich das Raubtier niedergelegt haben wird. Ohne Tigersichtung setzen wir also unsere Fahrt fort. 😵

Nach einigen Kilometern stoßen wir auf drei Canter, die den engen Waldweg vollständig versperren. Hier wird es wohl etwas Besonderes zu sehen geben! Als wir den Roadblock erreichen, können wir auch gleich erspähen, dass die Insassen der Fahrzeuge einen Lippenbären beobachten, der gerade eine Böschung hinaufwandert. Aber hinter den Cantern haben wir keine Chance auf eine gute Position und so können wir nur etwas frustriert wahrnehmen, dass der Bär sich bald aus dem Blickfeld verabschiedet, um nicht wieder aufzutauchen. Und erneut blutet das Fotografenherz bei einer Bärensichtung. Schade.

Wir steuern eine kleine Wasserstelle an und haben auch dort wieder schöne Vogelbeobachtungen. Faszinierend (und etwas grausam) ist es dabei zuzusehen, wie ein Wollhalsstorch eine etwas zu ambitioniert dimensionierte Beute vertilgen möchte. Der arme Frosch wird minutenlang malträtiert, bevor es dem Storch schlussendlich tatsächlich gelingt, den großen Brocken hinunterzuschlucken.

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Schöner anzusehen ist da natürlich der prächtige Hainparadiesschnäpper (Asian Paradise Flycatcher).

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Und auch ein Halsbandsittich (Ring-necked Parakeet) gibt sich die Ehre und erinnert uns an unsere rheinische Heimat, wo diese Art als Neozoon in großer Zahl anzutreffen ist und immer wieder unser Futterhäuschen plündert.

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Schließlich können wir noch einen Bengalenspecht (Lesser Goldenback) beobachten.

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Es wird immer heißer und so suchen auch die Huftiere Abkühlung im Dickicht oder in Wasserstellen und Suhlen. Ohne Kopfbedeckung und ausreichend Wasser sollte man im April keinesfalls auf Safari gehen. Und auch unsere feuchten Outdoor-Handtücher leisten uns wieder gute Dienste. Der Sambarhirsch dagegen muss sich zur Abkühlung in den Schlamm legen.

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Als wir den Nationalpark am Ende der Safari verlassen, freuen wir uns rückblickend vor allem über die Sichtung der kleinen Eulen. Natürlich war es auch toll, drei Lippenbären zu sehen, aber hier nagt es dann doch an uns, dass keine guten Fotos entstanden sind. Und wer weiß, ob wir nochmal das Glück einer Slothbear-Sichtung haben werden? Und auch der Tigerdruck wird nach der morgendlichen Flaute so langsam wieder spürbar. Aber zum Glück haben wir ja noch vier Versuche übrig… 😏

Nach unserer Rückkehr ins Hotel lockt ein gutes Frühstück, das wir uns nach Gusto zusammenstellen können. Dem Personal wäre es am liebsten, wenn wir die ganze Karte herauf und herunterbestellen würden – leider haben wir aber jeweils nur einen Magen. Nach genussvoller Nahrungsaufnahme folgen schlummern, lesen, schwimmen und schließlich auch schon das Mittagessen, bevor es am frühen Nachmittag erneut in den Nationalpark gehen wird. Mal sehen, was uns in Zone 5 begegnen wird.

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Teil 1529. Juni 2025
14. Kapitel: Zone 5

Unsere Nachmittagssafari führt uns in Zone 5 des Nationalparks, die uns landschaftlich überaus gut gefällt. Die Piste folgt in einem weiten, bewaldeten Tal zumeist einem trockenen Flussbett, das nach einigen Kilometern zu einem größeren See führt. Von dort aus verengt sich das Tal zunehmend. Hier wird die Landschaft deutlich grüner und auch der Fluss führt sichtbar mehr Wasser.
Wir fahren gemeinsam mit nur wenigen anderen Gypsys in diese Zone ein. Auf der gesamten Fahrt werden uns insgesamt nicht mehr als fünf andere Autos begegnen. Canter sind keine unterwegs. „Verkehrstechnisch“ ist die Nachmittagssafari also eine sehr entspannte Angelegenheit.

Die Ausfahrt hält schöne Sichtungen für uns bereit. Gleich zu Beginn können wir an einer Wasserstelle kleinere Sumpfkrokodile beim Sonnenbad beobachten.

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Auf der Fahrt durch den Wald folgt dann eine erste Nahbegegnung mit einem Nilgaubullen. Diese Antilopen mit ihrem blau-grau schimmernden Fell beeindrucken durch ihre Größe und Masse.

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Bald darauf macht uns der Forestguide auf den Schlafbaum eines Fischuhus (Brown Fish Owl) aufmerksam. Als wir anhalten, stockt uns kurz der Atem, denn der große Vogel sitzt quasi direkt neben uns im niedrigen Geäst und lässt sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht beeindrucken. Eine ganz tolle Begegnung!

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Nachdem wir uns von dem wunderbaren Vogel verabschiedet haben und noch keinen Kilometer weitergefahren sind, entdeckt Adlerauge CB nicht weit entfernt einen großen Komorandeluhu (Dusky Eagle Owl), der uns aufmerksam beäugt. Anders als der Fischuhu ist diese Eule nicht so entspannt im Angesicht unserer Anwesenheit und zieht sich bald zurück.

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Nach Zwergohreule und Brahmakauz am Morgen nun diese zwei großen Arten. Heute ist definitiv ein guter Tag für Eulenfans. 🙂

Die weitere Fahrt führt uns an einem Tempel vorbei, der auch heute noch von Pilgern aufgesucht wird. Wir finden es erstaunlich, dass sich in einem Wildschutzgebiet mit dieser (Raub-)Tierdichte Menschen außerhalb von Fahrzeugen aufhalten dürfen. Und tatsächlich kommt es selten zu Zwischenfällen. Nicht lange vor unserem Besuch wurde ein siebenjähriger Junge nach einem Tempelbesuch im Nationalparkgebiet von einem Tiger attackiert und getötet. 🙁

Im lichten Wald rund um den Tempel treffen wir heute auf eine große Rotte Wildschweine. Die Tiere liegen links und rechts der Piste und dösen in der Hitze des Nachmittags.

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Wanderbaumelstern (Rufous Treepie) – eine in der Gegend weit verbreitete und wenig scheue Vogelart – nutzen das Schweinelager zur Parasitensuche.

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Selbstverständlich lassen sich auch hier Axishirsche beobachten.

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An dem großen See in Zone 5 angekommen, lassen wir den Blick über die schöne Landschaft schweifen. Sambarhirsche lieben die Wasserpflanzen in solchen Seen und können daher oft am Uferbereich beobachtet werden.

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Und auch die weitere Fahrt durch den Wald hält so manche Sambarbegegnung für uns bereit.

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Am Flussufer können wir in einiger Entfernung zwei indische Weichschildkröten ausmachen, die ein Sonnenbad nehmen.

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In einem trockenen Bereich des Flussbetts begegnet uns schließlich auf kurze Distanz eine Rotmanguste. Endlich gelingt ein überzeugendes Foto dieses schönen kleinen Räubers. 🙂

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Als Neuzugang auf unserer Birdingliste präsentiert sich uns bald darauf ein männliches Exemplar der Haubenammer (Crested Bunting).

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Und auch als sich das Flusstal weiter verengt und der Wald dichter und grüner wird, lassen sich interessante Vögel entdecken.

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Paddyreiher (Indian Pond Heron)

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Schopfwespenbussard (Oriental Honey Buzzard)

Als wir einen mit hohem Uferbewuchs bestandenen Teil des Flusses erreichen, stehen dort bereits zwei Fahrzeuge. Wir erfahren, dass nicht lange zuvor ein Tiger die Piste gequert hat und nun irgendwo im dichten Gras des Flussbetts lagert. Unser Puls wird schneller: So nah waren wir einem Tiger bisher noch nie – nur wenige Meter trennen Piste und dichte Vegetation voneinander. Und trotzdem können wir keinen Fitzel der Katze entdecken… 😏

Also warten wir eine Weile und werden schließlich tatsächlich belohnt. Der Tiger erhebt sich und kommt durch den dichten Bewuchs genau auf uns zu. 😁

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Ganz aufgeregt sind wir jetzt. Wir rechnen damit, dass er in wenigen Momenten aus dem hohen Gras heraustreten wird und bringen die Kameras in Position. Jedoch tut der Tiger uns diesen Gefallen nicht. 😣 Nach wenigen Schritten lässt sich das Tier im Dickicht des Ufergrases wieder nieder und entzieht sich damit unseren Blicken erneut vollständig. 😵
Gemeinsam mit fünf anderen Fahrzeugen warten wir nun eine weitere Weile, während sich der Nachmittag so langsam seinem Ende zuneigt. Als erfahrene Löwenbeobachter wissen wir natürlich, dass eine Raubkatze, wenn sie einmal liegt, gern auch mal länger liegenbleibt… 😏

Während wir hier stehen, warten und hoffen, wird es in den offenen Fahrzeugen rings um uns herum immer lauter. Menschen unterhalten sich ungedämpft von Gypsy zu Gypsy. So etwas kennen wir aus Afrika eher nicht und wir zweifeln, dass sich der Tiger bei dieser Geräuschkulisse zeigen mag. Und erst als unser Forestguide schließlich interveniert, wird das unangemessene Palaver leiser.

Während wir auf das gnädige Erscheinen des Tigers warten, können wir zum Glück das ein oder andere Tier beobachten. So wird die Zeit nicht zu lang.
Wir freuen uns über Wachtelfrankoline (Grey Francolin) mit Nachwuchs, die direkt neben unserem Fahrzeug herumwuseln.

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Außerdem landet irgendwann ein Storchschnabelliest (Stork-billed Kingfisher) in den Bäumen am anderen Flussufer und präsentiert sich uns in bestem Licht. Ein beeindruckend großer und schöner Vogel!

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Ein zum Trinken kommender Sambarhirsch wittert den nahen Tiger und stößt in Habachtstellung laute Warnrufe aus.

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Nur der Tiger mag sich nicht erheben. Von unserer Position aus haben wir keine Chance ihn im dichten Grün zu entdecken. Als einige Fahrzeuge in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit aufgeben und die Rückfahrt antreten – schließlich befinden wir uns hier fast am Endpunkt der Zone 5 – können wir umparken und haben einen weitaus besseren Blick auf die Lagerstelle des Tigers.
Er liegt mit erhobenen Kopf in vielleicht fünf Metern Entfernung im Gras und blickt immer wieder aufmerksam in unsere Richtung. Viel mehr als seine Augen und Stirn können wir aber nicht erkennen. So nah und von unseren Traumfotos doch noch meilenweit entfernt.

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Als wir am Ende fast allein mit dem Tiger sind, wechseln wir erneut die Position und können aus erhöhter Warte die nun flachliegende Katze portraitieren. Auch hier ist das hohe und dichte Gras nicht hilfreich. Den Gefallen aufzustehen, tut uns der Tiger leider nicht.

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Aber wir wollen nicht meckern: Dies war unsere bisher beste Tigersichtung – auch wenn ich nicht behaupten kann, dass wir am Ende wirklich befriedigt sind. Zu sehr wünschen wir uns eine unverstelltere Begegnung und bessere Fotogelegenheiten.

Auf der Rückfahrt machen wir ganz kurz Halt am See. Zu schön ist das Licht hier gerade.

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Aber die weit fortgeschrittene Zeit mahnt in Person unseres Fahrers zum Aufbruch. Wir müssen unbedingt pünktlich den Park verlassen haben!

Trotzdem dürfen wir bei der Sichtung eines Schwarznackenhasens kurz anhalten.

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Als wir schließlich am Schlafbaum des Fischuhus vorbeikommen, finden wir diesen verwaist vor. Der Vogel hat sich bereits zur Jagd ans nahe Flussbett aufgemacht. Dort sitzt er nun noch fotogener als am frühen Nachmittag und wirft uns aus seinen leuchtend gelben Augen aufmerksame Blicke zu. Eine Minute zur Eulenbeobachtung ist zum Glück noch drin… 😎

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Im Dämmerlicht verlassen wir über einen Umweg den Park. Das Hauptgate ist heute Abend auf Grund von Protesten der lokalen Bevölkerung wegen des von dem Tiger getöteten Jungen nicht passierbar. Und so werden wir etwas unsanft aus unserer „Safariblase“ in die Probleme und Schrecknisse der „echten“ Welt zurückgeholt. So etwas macht nachdenklich und wirft Fragen auf, wie Wildtierschutz und menschliches Leben bei steigendem Bevölkerungsdruck in Zukunft miteinander vereinbar sein sollen.

Zurück im Hotel führt uns ein erneut rundum gutes Dinner zurück in den Urlaubsmodus. Drei von sechs Safaris im Ranthambhore Nationalpark liegen nun hinter uns –und unsere Traum-Tigersichtung lässt leider noch auf sich warten. Und so hat meine Frau die Idee, nach dem Abendessen noch Whisky und Martini zu ordern, um die Sichtungsfee zu bestechen. 🙂

Wir stoßen also an, auf dass das Safariglück uns am folgenden Tag hold(er) sein soll. Und die Sichtungsfee seufzt erleichtert: „Na endlich – warum denn nicht gleich so?“
Teil 1602. Juli 2025
15. Kapitel: Ein perfekter Safari-Morgen im Ranthambhore

Same procedure as last day: Zu Sonnenaufgang stehen wir mehr oder weniger müde parat, um unser neues Gypsy-Team zu begrüßen. Dieses Mal bekommen wir einen Fahrer, der schon diverse Filmteams betreut hat. Wenn das keine gute Voraussetzung für eine gelungene Ausfahrt ist!
Wir nehmen unsere Stammplätze ein und los geht die Fahrt. Wie schon gestern Morgen, so kommen wir auch heute nicht ohne Unterbrechung am Gate an. Wieder stehen einige Gypsys an der Landstraße. Ob es erneut Lippenbären zu sehen gibt? Als wir aber hören, was heute dort in den Büschen unterwegs sein soll, sind wir noch mehr euphorisiert: Eine Streifenhyäne wurde gesichtet! 🤩 Sobald unser Fahrer die Hyäne im dichten Gebüsch erspäht hat, beweist er seine Vorausschau und biegt mit hoher Geschwindigkeit auf einen nahen Feldweg ein. Jetzt heißt es festhalten! Einige Sekunden später sind wir strategisch günstig am Rand einer Lichtung positioniert. Und tatsächlich tritt die Hyäne nach kurzer Zeit aus den Büschen heraus. Auch CB ist jetzt ganz aus dem Häuschen und betont, dass dies wahrlich ein seltenes Sighting sei. Streifenhyänen sind als nachtaktive Einzelgänger auf den Safaris in den Nationalparks kaum zu entdecken. Was so eine Sichtungsfee-Bestechung doch alles erreichen kann! 🙂
Begeistert beobachten wir die Hyäne, wie sie entspannt (und ganz unverbuscht!) an uns vorbeitrottet und einen alten Kuhkadaver ansteuert. Hier wird ausgiebig geschnüffelt. Was für ein beeindruckendes Tier!

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Schließlich verabschiedet sich die Hyäne wieder in die dichten Büsche, die die Lichtung umgeben und entschwindet damit bald unserem Blick. Wir sind selig – eine Streifenhyänensichtung hatten wir gar nicht auf unserem Wunschzettel. Und dass dieses Mal auch unser Fotobedürfnis befriedigt wird, lässt die vergangenen Momente zu den unangefochtenen Safarihöhepunkten der Reise werden. 😁

Mit einem breiten Lächeln in den Gesichtern fahren wir wenig später in den Nationalpark ein. Heute Morgen ist uns erneut Zone 2 zugewiesen worden, an die wir wegen der Leopardensichtung gute Erinnerungen haben.
Wegen der Hyänensichtung sind die anderen Besucher der Zone bereits unterwegs und so sind wir zu Beginn der Ausfahrt ganz allein unterwegs. Nach kurzer Zeit treffen wir aber bereits auf einen Gypsy, der mitten auf der Piste steht. Was wohl der Grund ist?
Als wir näherkommen, entdecken wir einen Lippenbären, der gerade den Weg quert. Das geht ja heute Schlag auf Schlag! 🤩

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Der Bär marschiert die Böschung neben der Straße herunter und verharrt für einige Momente direkt unterhalb unseres Fahrzeugs. Zeit genug, um einige Portraits dieses spannenden Zeitgenossen zu machen.

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Als er unten in der Talsohle angekommen ist, wird es aber noch besser. Balou setzt sich gemütlich auf sein Hinterteil und beginnt damit, spielerisch auf einem Stock herumzugnaulen.

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Und dann wird sich ausgiebig gekratzt und geschubbert. Der Bär sieht dabei so drollig aus und präsentiert uns seinen prächtigen schneeweißen Kragen. Ein schöner Kontrast zu seinem tiefschwarzen Zottelfell.

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Einige Minuten können wir den Bären bei Fellpflege und beim Faulenzen beobachten, dann setzt er seinen Weg fort und wir lassen ihn glücklich ziehen. Das Lächeln auf unseren Gesichtern wird noch breiter. Der Sichtungswilli-Ersatz lebe hoch! 😁

Wir steuern als nächstes eine Wasserstelle an. Unser Forestguide weist uns auf dem Weg dorthin auf den Tageseinstand einer weiteren Halsband-Zwergohreule (Collared Scops Owl) hin.

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Nicht weit entfernt warten bereits einige Fahrzeuge, denn im dichten Busch soll sich ein Tiger verbergen, den wir beim besten Willen nicht erkennen können. Unsere Guides vermuten, dass das Tier bald zum Trinken gehen wird uns so positioniert unser Fahrer das Auto am Rand eines kleinen Flusslaufs.
Und dieses Mal dauert es nicht lange, bis sie ihren Auftritt hat: Noori (T-105), eine 2016 geborene Tigerin, tritt aus dem Dickicht heraus und kommt genau auf uns zu.

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Wieder hat unser Fahrer den richtigen Riecher bewiesen. Endlich dürfen wir einen Tiger gänzlich frei von Buschwerk in freier Wildbahn betrachten. Was sind wir aufgeregt und euphorisiert!

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Ganz entspannt quert Noori vor unserem Fahrzeug die Piste und steigt ins Flussbett hinunter.

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Hier können wir sie durch Gebüsch hindurch beim Trinken beobachten. Als sie sich nach einigen Minuten in die uns abgewandte Richtung bewegt, antizipiert unser Safari-Team erneut treffsicher ihren Weg. Mit recht hoher Geschwindigkeit setzen sich die anwesenden Gypsys in Bewegung und umfahren das Waldstück, in dem der Tiger verschwunden ist.
Nach kurzer Wartezeit tritt Noori aus dem Dickicht und präsentiert sich erneut unseren begeisterten Blicken. Ab jetzt können wir sie für eine ganze Zeit auf ihrem Revierspaziergang begleiten.

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Dabei können wir spannendes Tigerverhalten beobachten, denn nachdem die Katze zuerst entspannt durch ihr Territorium stolziert ist, verändert sich ihre Körpersprache plötzlich deutlich. Noori hat in den Jagdmodus umgeschaltet. Langsam und geduckt pirscht der Tiger durch den dichten Bodenbewuchs.

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Plötzlich beschleunigt Noori und rennt in ins Dickicht, aus dem unvermittelt bestimmt zwanzig Axishirsche herauspreschen. Wenig später wird auch die etwas bedröppelt wirkende Jägerin wieder sichtbar: Der Jagdversuch war nicht von Erfolg gekrönt. Wegen der Schnelligkeit des Angriffs und des dichten Bewuchses gelingen hier leider keine vorzeigbaren Fotos. Zum Glück hat aber CB alles auf Video festhalten können.

Wir begleiten Noori weiter auf ihrem Weg.

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Bald können wir sie dabei beobachten, wie sie ihr Revier markiert.

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Ein Bengal-Tigerweibchen beansprucht ein etwa 23 Quadratkilometer großes Revier. Das Streifgebiet männlicher Tiere ist in etwa drei Mal so groß.

Sie quert nicht weit von uns die Piste und wir können sie beobachten, wie sie einen Hang entlangspaziert. Immer höher schreitet sie hinauf, bis sie schließlich aus unserem Blickfeld entschwindet.

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All der Druck, der sich über die bisherigen Safaris aufgebaut hat, fällt nun ab. Mit diesen Tigerfotos kehren wir gern nach Hause zurück. 😁

Ganz entspannt fahren wir noch ein wenig durch Zone 2 und statten dabei der Zwergohreule einen zweiten Besuch ab.

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Am fortgeschrittenen Morgen steht das Licht viel besser auf ihrem Tageseinstand und wir können die kleine Eule lange bei der Gefiederpflege beobachten.

Bald darauf macht eine weitere Vogel-Erstsichtung die Ausfahrt noch eine Spur besser. Neben der Piste sind zwei Goldschulterspechte (White-naped Woodpecker) unterwegs und emsig damit beschäftigt, ihren Appetit zu stillen. Das Männchen erkennt man an der tiefroten und das Weibchen an seiner gelben Krone.

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Ein besonderes Highlight für unsere kleine Tochter ist ein Rad schlagender Pfau. Eigentlich erstaunlich, dass dies bei so vielen Pfauen auf all den Ausfahrten die erste Sichtung dieser Art ist.

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Ein wenig später treffen wir noch auf einen Keiler, der unlängst eine Halbkörper-Schlammpackung genossen hat.

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Und nachdem der Tigerdruck sich gänzlich verflüchtigt hat, finden wir auch mal die Zeit, das auf dem Berg thronende Fort ausgiebig zu betrachten.

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Nun ist es einmal mehr Zeit, den Park zu verlassen und so rumpeln wir glücklich mit Hyänen-, Bären- und Tigersichtung im Gepäck Richtung Gate.
So einfach lässt uns eine milde gestimmte Sichtungsfee jedoch nicht davonkommen… Denn plötzlich – gar nicht weit von der Zonengrenze entfernt – erblicken wir erst einen Gypsy, der auf dem Weg steht und dann erneut Noori, wie sie auf einem Felsen über der Piste entlangmarschiert. Manchmal hat man als neu Dazukommender einfach Glück, denn die Tigerin hält genau auf unser Fahrzeug zu. Schräg über uns erscheint in wenigen Metern Entfernung die prächtige Raubkatze – das ist in dem ringsum offenen Gefährt gleichsam faszinierend und beunruhigend. Meine Frau ist froh, dass sie durch den Sucher ihrer Kamera schauen kann – so wird wenigstens eine kleine Illusion von Distanz erzeugt.

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Zum Glück hat der Tiger aber kein Interesse daran, neben uns auf der Gypsy-Sitzbank Platz zu nehmen und dreht an der Felskante, die uns überragt, ab, um wenige Meter hinter unserem Fahrzeug die Böschung herabzuklettern und die Piste zu queren.

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Das ist alles viel zu nah für vorzeigbare Fotos und wir sind einmal mehr froh, dass CB ein Video von dieser Nahbegegnung aufgezeichnet hat. Als Noori, nicht ohne uns auf Armeslänge entfernt noch intensive Blicke zuzuwerfen, bald im Dickicht des Dschungels verschwindet, sind wir uns sicher, dass dies einer der besten Gamedrives war, den wir jemals erleben durften. 🙂

Selig und tiefenentspannt kehren wir ins Hotel zurück. Das Frühstück schmeckt mit diesen Erlebnissen im Gedächtnis gleich nochmal doppelt so gut und überhaupt ist die Welt gerade ein schöner Ort. 😎

Nach der obligatorischen Pool- und Chill-Pause geht es am Nachmittag wieder zurück nach Ranthambhore. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe.
Teil 1707. Juli 2025
16. Kapitel: Tyger, Tyger, burning bright

Im Tagesablauf stellt sich Routine ein: Erfrischt von Pool und Nickerchen nehmen wir gegen 14 Uhr einmal mehr unsere Plätze auf einem Gypsy ein. Heute Nachmittag wurde uns Zone 4 des Nationalparks zugeteilt und die ist Neuland für uns.

Wieder geht die Fahrt zuerst zum Singhdwar Checkpost. Hier warten wir ein wenig vor dem noch verschlossenen Tor zur Safari-Zone. Ein professionelles Filmteam darf bereits vor uns einfahren, wir beobachten derweil einige Languren.

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Wenige Minuten später öffnet sich auch für uns das Tor. Und einmal mehr haben sich davor nur wenige Autos versammelt. 🙂
Die Zonen vier und fünf teilen sich das Eingangstor und den ersten Teil der Strecke. Nach einigen Kilometern zweigt dann die Piste zur vierten Zone nach rechts ab und führt durch sehr lichten Wald zu großen Seen. Der Blick auf das Wasser erfüllt uns mit Staunen – die Landschaft ist wunderschön und friedlich stehen zahlreiche Sambars knietief im Wasser. Hier wollen wir natürlich anhalten und verweilen, aber unser Safari-Team signalisiert uns deutlich, dass wir das später noch machen könnten. Das klingt ganz so, als hätten sie einen Plan. 😎

Auf der Fahrt erzählen sie uns von der Tigerin Riddhi, die mit ihrem bereits weitgehend erwachsenen Nachwuchs in diesem Revier lebt. Drei junge Tiger sollen es sein. Und die Familie habe einen Riss in der Nähe des Seeufers, der jedoch nicht von der Piste aus zu sehen sei. Mit recht hohem Tempo wird unsere Fahrt also fortgesetzt.
Nach wenigen Minuten erreichen wir ein Flussbett, das gut fünf Meter unterhalb einer bewaldeten Böschung neben der Piste entlangführt. Als CB nach schräg unten schaut, meldet er fröhlich: Tiger! 😁 Und tatsächlich: Durch dichtes Geäst können wir einen Tigerrücken erspähen. Wir bleiben jedoch nur wenige Momente an diesem Ort, denn die Piste führt bald zum Flussbett herab, um es zu queren und dahinter wieder die Böschung hinaufzuführen. Als wir unten angekommen sind, sehen wir, dass das Filmteam bereits neben der Piste auf einem Felsen geparkt hat. Wir finden daneben einen ebenso guten Spot in der ersten Reihe. Und damit sind die Premiumplätze auch bereits vergeben.

Vor uns eröffnet sich der Blick in ein weitgehend trockenes Flussbett, dessen Restwasser sich in kleineren Tümpeln sammelt. Landschaftlich ist das sehr schön, aber unsere Blicke heften sich natürlich sogleich an die zwei hier anwesenden Tiger.
Ein Weibchen liegt vielleicht 15 Meter von uns entfernt auf den Felsen und döst in der Nachmittagshitze vor sich hin.

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Ein wenig weiter entfernt hat es sich im Schatten eines Baums ein männlicher Tiger gemütlich gemacht.

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Das müssen zwei von Riddhis Cubs sein. Sie sind rund zwei Jahre alt und damit quasi ausgewachsen. Deutlich wird auch der Unterschied in Größe und Statur zwischen den Geschlechtern. Das Männchen ist trotz seiner jungen Jahre schon ziemlich bullig.

Die nächste Zeit verbringen wir damit, auf die herumliegenden Katzen zu starren. Viel passiert dabei nicht. Ein ab und an mal angehobener Kopf ist das höchste der Gefühle.

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Dazu kommt, dass es zu dieser Tageszeit noch richtig heiß ist und wir in der prallen Sonne stehen. Ohne Hüte und Kühltücher hätten wir das nicht so lange aushalten können.
Abwechslung bieten einige Rufous Treepies, die wenig scheu die nahen Bäume und sogar die zwei Gypsys bevölkern, die sich in zweiter Reihe eingefunden haben. Irgendwann landet eine der Wanderbaumelstern sogar auf meinem Hut – was zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. 🤪

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Oberhalb der Böschung stehen nun auch zwei Canter, auch wenn man von dort aus kaum einen guten Blick auf die Tiger hat. Und so sind wir gerade sehr froh, dass wir nicht darauf bestanden haben, am schönen Seeufer einen Stopp einzulegen. Der Kater steht nach einiger Zeit tatsächlich auf und sucht sich einen neuen Lagerplatz auf einer Wiese. Leider wendet er uns dabei stets den Rücken zu, sodass hier keine schönen Fotos entstehen.

Nach langen und heißen Minuten lagert sich schließlich auch die Tigerin endlich um. Sie steht kurz auf und lässt sich einige Meter weiter im flachen Nass am Rand des Tümpels wieder nieder. Jetzt ist sie deutlich aktiver.

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Es wird herzhaft gegähnt.

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Ausgiebig geputzt.

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Es werden uns intensive Blicke zugeworfen. (Übrigens eines meiner Lieblingsfotos.)

Irgendwann steht die Katze dann endgültig auf. Was ist das für ein schönes Tier!

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Sie macht sich schließlich daran, die felsige Böschung zu erklimmen, was dazu führt, dass die anwesenden Fahrzeuge in Aktion geraten. Alle möchten einen guten Platz haben, wenn die Tigerin zum nahen Seeufer schreitet. Und auch wir möchten unser Glück versuchen, denn ihr Bruder schläft augenscheinlich tief und fest. Unsere fantastische Position im Flussbett sorgt natürlich dafür, dass wir jetzt das Nachsehen haben und so fahren wir, als sich oberhalb der Böschung ein Kuddelmuddel aus Fahrzeugen bildet, einen Stichweg direkt zum Seeufer. Auch hier ist es landschaftlich wieder überaus schön. Noch schöner ist jedoch, dass wir am gegenüberliegenden Ufer einen umherstreifenden Lippenbären entdecken können.

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Aus der Ferne können wir wahrnehmen, dass die Tigerin gar nicht vorhat zum Ufer zu kommen und sich weiter durch den Wald entfernt. Also beschließen wir, schnell ins Flussbett zurückzukehren, bevor ein anderes Fahrzeug unseren Premiumplatz einnehmen kann. Das gelingt zum Glück, denn nur das Filmteam ist an Ort und Stelle geblieben. Ein kurzer Blick in die Szenerie offenbart, dass unser Tigermännchen Gesellschaft bekommen hat: Sein Bruder ist während unserer Abwesenheit aufgetaucht und nun liegen beide auf der Uferwiese herum.

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Ganz verzückt sind wir, als einer der beiden aufsteht und Kontakt zum anderen sucht. Es wird geschnüffelt und bald ausgiebig geschleckt. Ein toller Anblick bei diesen riesigen Katzen.

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Während einer der Brüder sich wieder auf die Seite fallen lässt, um weiterzuschlafen, steht der andere auf, um seinen Durst zu stillen.

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Danach kommt er direkt auf uns zu.

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Schließlich ändert er seine Laufrichtung und klettert die Böschung hinauf. Wieder fahren wir mit rasanter Geschwindigkeit („Hold tight!“) zum Seeufer, um ihn dort zu erwarten. Hier haben sich nun auch schon einige andere Autos strategisch günstig positioniert. Unser Fahrer ist aber so versiert, dass wir immer einen guten Platz finden.
Bald erscheint er aus dem Dickicht: Ein Prachtkerl im warmen Licht des späten Nachmittags. Begeistert klicken unsere Kameras. Jetzt entstehen meine absoluten Lieblingsportraits. 😁

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Der Tiger nähert sich dem Seeufer, legt sich dabei immer wieder nieder und setzt nach einigen Minuten seinen Weg fort.

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Während er herumliegt, lassen wir unsere Blicke schweifen und können eine Goldschnepfe (Greater Painted Snipe) entdecken. Es handelt sich um ein Weibchen. Ungewöhnlich für die Vogelwelt ist, dass bei den Goldschnepfen das Weibchen das farbenprächtigere Geschlecht ist.

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Bald wird unsere Aufmerksamkeit aber wieder von dem Tiger gefesselt, denn die Katze hat sich nun höchst fotogen auf einer kleinen Landzunge drapiert. Hier scheint es ihr zu gefallen, denn von nun an rührt sie sich nicht mehr vom Fleck. Das ist uns ganz recht, denn wir haben erneut einen sehr guten Beobachtungsplatz und können den Tiger im warmen Licht anschauen und fotografieren.

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Zwischendurch nähert sich von hinten ein Sambarhirsch und stößt laute Warnrufe aus.

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Unsere Kinder möchten keine Tiger sein. Sie finden es nicht erstrebenswert, ein Lebewesen zu sein, vor dem beim ersten Anblick gewarnt und geflohen wird. Man stelle sich das mal in der Schule vor: Wie gemein! 😉

Wir genießen unsere letzten Minuten in der Nähe des Tigers, denn schon bald müssen wir den Nationalpark verlassen.

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Dass wir an diesem Nachmittag stundenlang auf Tiger starren dürfen, hat unsere Erwartungen weit übertroffen – die Sichtungsfee muss wirklich auf dem Trockenen gesessen haben… 😄

Tief zufrieden verabschieden wir uns vor dem wunderschönen Tiger: What immortal hand or eye could frame thy fearful symmetry?

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Einmal halten wir noch kurz am Seeufer, um eine weitere Vogel-Erstsichtung zu dokumentieren: Ein Bronzeblatthühnchen (Bronze-winged jacana).

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Auf dem Rückweg kommt es dann noch zu einem weiteren Highlight für uns. In einem Baum neben der Piste haben Dschungelnachtschwalben (Jungle Nightjar) ihren Schlafplatz.

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Die Tiere müssen sich hier regelmäßig aufhalten, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wir der Forestguide sie während der Fahrt trotz perfekter Tarnung entdecken konnte. Zwei Tiere können wir beobachten. Das ist für uns ein perfekter Abschluss eines perfekten Safaritags.

Nach unserer Rückkehr gibt es wieder ein gutes Trinkgeld für Fahrer und Forestguide. Ein letztes Mal genießen wir das sehr gute Abendessen des Hotels und fallen danach hundemüde in die Betten.

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

Ob wir von Tigern träumen werden?
Teil 1810. Juli 2025
17. Kapitel: Abschied von Ranthambhore

Heute ist Mittwoch. Und das ist aus zweierlei Gründen bedauerlich. Erstens haben wir damit nur noch drei Nächte in Indien vor uns. Zweitens haben mittwochs die Kernzonen des Nationalparks geschlossen und der letzte Gamedrive in Ranthambhore muss damit in einer der Buffer-Zones 6-10 stattfinden, deren Eingangstore verstreut um den Kernbereich des Parks herum liegen. Uns ist Zone 10 zugeordnet worden und diese steht im Vergleich zu manch anderem der heute geöffneten Bereiche in einem guten Ruf.

Nach dem so erfolgreichen Vortag beschließt der Rest der Familie heute früh auf die Ausfahrt zu verzichten und so fahre ich allein mit CB und unserem neuen Fahrer/Forestguide-Gespann im Morgengrauen gen Zone 10.
Wir durchfahren die Stadt Sawai Madhopur, die zu dieser frühen Stunde noch weitestgehend vor sich hinschlummert, und sind bestimmt gut zwanzig Minuten unterwegs, bevor wir das Tor zum Nationalpark erreichen.

Heute sind wir fast allein hier: Nicht mehr als zwei andere Gypsys sehen wir auf der gesamten Ausfahrt. Und auch das vergleichsweise große Pistennetz der Safari-Zone trägt zum Gefühl der Einsamkeit bei.
Diesen Pluspunkten stehen aber auch deutliche Nachteile gegenüber: Zone 10 ist im Vergleich mit den bisher besuchten Arealen des Nationalparks stark verbuscht. Oft fühlt es sich an, als würde man auf dem Rhino-Drive im Etosha oder im dichten Mopanebusch des Kruger unterwegs sein – wer die Pisten kennt, weiß was ich meine. 😵
Außerdem sind die Dirtroads über weite Strecken in einem schwierigen Zustand. Dicke Steinbrocken sorgen immer wieder dafür, dass die Fahrt zu einer echten indischen Massage wird. Balanciert man dabei zwei Kameras auf dem Schoß, wird das auf die Dauer ganz schön anstrengend. 😏

Neben dem dichten Buschwerk gibt es bergige Strecken und auch einige Wasserstellen. Landschaftlich kann das Gebiet meiner Ansicht aber nicht mit der Schönheit der Kernzonen, ihren lichten Wäldern, malerischen Seen und Ruinen mithalten. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass zu dieser Jahreszeit hier alles derart ausgedörrt ist.
Sichtungen sind in diesem dichten Buschwerk naturgemäß vergleichsweise schwierig – gute Fotos sowieso – und daher bin ich gar nicht enttäuscht, dass auf der gesamten Fahrt kein Tiger gehört oder gesehen wird. Nach den wunderbaren Erlebnissen des Vortags bin ich diesbezüglich sowieso extrem tiefenentspannt.
Und so nutze ich die Ausfahrt ohne jeden Erwartungsdruck zum Lebewohlsagen. Das heftige Geruckel lindert dabei zusätzlich erfolgreich den Abschiedsschmerz… 😉

Direkt an der Piste begegnen wir einem Nilgau-Bullen. So nah an dieser massigen Antilope zu sein, ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis.

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Und dann passiert lange nicht viel. Wir sehen manches Mal Vertreter der „üblichen Verdächtigen“ – dies aber immer recht verbuscht.
An einer Wasserstelle können wir aus der Ferne tatsächlich Lippenbär Nummer 6 erspähen. Schon erstaunlich, dass wir auf unseren Ausfahrten so viele dieser Pelzkugeln zu Gesicht bekommen haben.

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Die rumpelige Fahrt beschert mir in ihrem Verlauf noch einige Neusichtungen für meine indische Vogel-Liste.

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Shikra

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Rotschulterwürger (Bay-backed Shrike)

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Indienpirol (Indian Oriole) – Weibchen

Es wird Zeit, sich von den Huftieren und Affen des Parks zu verabschieden. Ein letztes Mal fotografiere ich Nilgau, Sambar- und Axishirsch. Die Pflanzenfresser zu beobachten, macht ohne Tiger-Sichtungsdruck gleich nochmal so viel Freude.

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Vor allem ist es schön, ein wenig länger an einer Languren-Horde zu halten und ihnen beim Herumtollen zuzuschauen.

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Auf der weiteren Fahrt bieten sich noch einige schöne Vogelsichtungen.

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Graufischer (Pied Kingfisher)

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Heckenkuckuck (Greater Coucal)

Meine persönlichen Highlights kommen aber erst ganz kurz vor Ende der Safari.
Auf mein Stoppsignal hin halten wir ganz nah an einem Brahmakauz, der uns auf Augenhöhe aufmerksam betrachtet. Hier entsteht mein Lieblingsfoto dieser possierlichen Eulenart. 😎

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Wenig später können wir dann noch eine für mich neue Säugetierart beobachten: Eine indische Gazelle, auch Chinkara genannt. Dieses filigran wirkende Tier setzt einen schönen Schlusspunkt unserer Safaris im Ranthambhore Nationalpark.

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In der Hitze des Vormittags verlassen wir schließlich das Schutzgebiet und fahren zurück durch die nun zum Leben erwachte Stadt zu unserem Hotel.
Nach dem Frühstück und der herzlichen Verabschiedung von dem ungemein freundlichen und liebenswerten Hotelpersonal brechen wir gen Jaipur auf: Rund 180 Kilometer sind zu fahren, circa dreieinhalb Stunden werden wir dafür benötigen. Zwischendurch wird wieder eine Mittagsrast an einem guten Restaurant eingelegt. So lässt es sich entspannt reisen.

Der Besuch des Ranthambhore Nationalparks war für uns einer der großen Höhepunkte dieser an Eindrücken nicht gerade armen Reise. Und ich denke, dass unsere sechs Ausfahrten eine gute Zahl waren, um die Vielfalt des Schutzgebiets intensiv erleben zu können. Dass wir am Ende auf vier Eulenarten, zwei Leoparden, sechs Lippenbären, eine Streifenhyäne und vier Tigersichtungen – von denen zwei wirklich außerordentlich schön waren – zurückblicken dürfen, sorgt auch beim Schreiben dieser Zeilen noch für ein Gefühl tiefer Zufriedenheit. 🙂

Nach all den Gamedrives ist nun aber wieder Zeit für Kultur: Jaipur wartet mit seinen Sehenswürdigkeiten im nächsten Kapitel auf euch.
Teil 1912. Juli 2025
18. Kapitel: Jaipur I

Nachdem wir Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans erreicht haben, steuern wir zuerst unser Hotel für die kommenden zwei Nächte an: Das Shahpura House – ein Heritage Hotel, das in einem Palast aus dem neunzehnten Jahrhundert untergebracht ist.

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Bereits die Eingangshalle empfängt uns mit einer unglaublichen Pracht aus Marmor, Einlegearbeiten und Golddekor. Streift man durch die Gänge des Hotels, fragt man sich immer wieder, ob man auf einer Besichtigungstour unterwegs ist oder tatsächlich hinter diesen Mauern wohnt. Shahpura House gehört sicher zu den schönsten Hotels, in denen wir je genächtigt haben.

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Wir bekommen die Maharaja-Suite und haben damit viel Platz in eleganter Atmosphäre.

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So lässt es sich gut leben!

Auch hier wird von den Kindern der Pool unsicher gemacht, bevor wir am späten Nachmittag noch zu einer kleinen Ausfahrt aufbrechen. Unser neuer Cultural Guide und CB möchten uns Jaipur bei Nacht zeigen. Leider ist das leichter gesagt als getan, denn der von Natur aus dichte Großstadtverkehr ist heute noch um einiges krasser. Es sind wegen des Besuchs des amerikanischen Vizepräsidenten, der zeitgleich mit unseren Jaipur-Tagen stattfindet, wichtige Verkehrsachsen gesperrt und daher stehen wir oft mehr als dass wir fahren. 😣
Kurzerhand schlägt unser Guide vor, auszusteigen und die Stadt ein wenig zu Fuß zu erkunden. Am nächsten Kreisverkehr könnten wir dann auf unser Auto warten. Gesagt, getan: Außerhalb des klimatisierten Schutzraums auf vier Rädern empfängt uns das pralle Leben. Überall sind Menschen unterwegs, es ist laut und stickig und für mich persönlich durchaus fordernd.

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Nachdem wir uns einen Teil des Fleischmarktes angesehen haben, treffen wir nach einiger Zeit auf unser Fahrzeug, das Mr Satdev seelenruhig durch das Verkehrschaos manövriert hat.
Langsam quälen wir uns weiter durch die engen Gassen Jaipurs. Als es bereits dunkel ist, geht die Fahrt besser voran: Wir haben das Zentrum der Stadt verlassen und nähern uns dem Amber Fort. Hier findet allabendlich (?) eine Lichtshow statt, die den wehrhaften Palast in bunteste Farben taucht. Vom Ufer des am Fuße des Forts gelegenen Sees sehen wir uns den regelmäßigen Farbwechsel, der von pompöser Musik und Soundeffekten begleitet wird, an. Das ist durchaus beeindruckend. Für das mitteleuropäische Auge aber erscheinen die gewählten Farben teilweise doch etwas gewagt.

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Auf der Rückfahrt legen wir einen Stopp am Hawa Mahal, dem Palast der Winde ein, einem der Wahrzeichen der Stadt.

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Der Bau ist Teil des riesigen Stadtpalasts und wurde 1799 errichtet – dabei ist der Palast der Winde nur fünf bis acht Meter tief. Sein Zweck war es einzig und allein, den Haremsdamen eine Möglichkeit zu geben, das Geschehen auf der Straße und vor allem Festumzüge zu beobachten, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Bereits im Kunstlicht ist die Schmuckfassade mit ihren 953 kleinen Fensteröffnungen ein prächtiger Anblick. Am nächsten Tag wollen wir uns das Bauwerk aber unbedingt noch im natürlichen Licht ansehen.

Unser letzter Stopp – was sind wir müde! – findet am Albert Hall Museum ein, das in der Nacht besonders prächtig beleuchtet wird.

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Zurück im Hotel kommen wir gerade noch rechtzeitig zu einem späten Dinner und fallen danach bald in die gemütlichen Betten. Es heißt Kraft sammeln, denn am nächsten Tag werden wir viele Stunden auf Sightseeing-Tour in Jaipur verbringen – und es soll gut über 40 Grad heiß werden. 🙄
Teil 2013. Juli 2025
19 Kapitel: Jaipur II

Nach einem ausgesprochen guten Frühstück im noblen Ambiente des Shahpura House brechen wir zu unserer heutigen Besichtigungstour auf. Damit es nicht zu heiß für uns wird, beginnt die Tour bereits am frühen Morgen.

Zuerst legen wir einen kurzen Stopp am Palast der Winde ein, um eines der für Jaipur typischen Stadttore und natürlich die Schmuckfassade des Hawal Mahals im schönen Morgenlicht zu betrachten.

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Unser Guide schlägt vor, noch einen Halt am Blumenmarkt einzulegen, um ein wenig vom Alltagsleben in Jaipur mitzubekommen. Da sagen wir natürlich nicht nein. Auf dem Markt tobt das Leben. Überall sind Menschen unterwegs, die ver- oder einkaufen. Und wir sind mittendrin und werden von den vielfältigen visuellen und olfaktorischen Eindrücken einmal mehr beinahe überwältigt. In dem ganzen Rummel treffen wir zufällig den Besitzer des Restaurants, das wir heute Mittag besuchen werden. Nach einem kurzen Plausch nimmt er gern unsere Wünsche für marktfrisches Gemüse entgegen. 🙂

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Wir halten wie am gestrigen Abend am Ufer des Maota-Sees mit schönem Blick auf das Amber-Fort. Die Morgensonne taucht auch das Fort in ein warmes Licht.

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Auf dem Parkplatz buhlen zwei Schlangenbeschwörer um die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Der Versuchung, auf Einladung eine der Kobras zu berühren, kann ich mit Leichtigkeit trotzen.

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Nach einigen Minuten dezenter Außenbesichtigung setzen wir unsere Fahrt in Richtung Palast fort. Unser nächstes Ziel ist Panna Meena ka Kund, ein beeindruckender Stufenbrunnen. Viele Stufen führen im Zickzackmuster hinunter zum Wasser. Die Symmetrie dieses Ortes fasziniert uns sehr.

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Bald geht es weiter hinauf zum Amber-Fort, der Hauptattraktion der Stadt. Das Fort ist der ehemalige Hauptsitz der Kachchwaha-Dynastie. Es wurde im Auftrag von Raja Man Singh I. (reg. 1589–1614), einem Feldherrn des Großmoguls Akbar, in den Jahren um 1590 aus rotem Sandstein und Marmor auf einem Bergkamm des Aravalli-Gebirges erbaut. Wir fahren mit dem Auto bis zum Eingangstor. Alternativ kann man sich einen anderen Weg auf dem Rücken von Elefanten herauftragen lassen. Aus Gründen des Tierschutzes ist das nicht unser Weg.
Die gelben Mauern und Höfe sind in ihren Ausmaßen beeindruckend. Die Hitze ist es ebenso, denn die steinerne Umgebung sorgt bereits früh am Tag für einen krassen Backofeneffekt. Man beachte auf den folgenden Fotos, wo sich die Menschen mehrheitlich aufhalten... 😉

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Nachdem man den Paradeplatz überquert hat, erreicht man durch ein großes Tor den nächsten Hof mit der großen Audienzhalle.

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Von dort aus gelangt man durch das prächtige Ganesha-Tor in die privaten Bereiche des Palastes.

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Am eindrucksvollsten ist hier der Sheesh Mahal, der Spiegelpalast.

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Aber auch darüber hinaus ist das Amber Fort ein beeindruckender Ort: Z.B. im Charbagh Garden.

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Unser Rundgang endet im Hof der Damen, den in historischer Zeit nur der Herrscher als einziger Mann betreten durfte, denn hier hatten seine Frauen und Konkubinen ihre Gemächer.

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Trotz der großen Hitze ist die Besichtigung des Forts ein weiterer Höhepunkt der Reise.

Durchaus erschöpft fahren wir zurück in Richtung des Zentrums von Jaipur. Einen kurzen Halt legen wir am Jal Mahal ein, der sich inmitten eines Sees erhebt. Hier sind auch einige Wasservögel zu entdecken. Wir haben aber mal wieder nur unser Kultur-Objektiv montiert und so bleiben die Pelikane auf dem Foto in weiter Ferne. Wenig überraschend ist auch das Licht am späten Vormittag alles Andere als schmeichelhaft.

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Die letzte Station am Vormittag ist eine Blockdruck-Werkstatt. Hier wird uns das Handwerk präsentiert. Die Kinder dürfen mitmachen und einen Stoffstreifen mit Elefantenmuster bedrucken. Danach geht es natürlich in den obligatorischen Shop. Ganz entgegen meiner Erwartungen werden wir hier fündig und die Kinder erstehen maßgeschneiderte Stoffhosen, die am Abend in unser Hotel geliefert werden.

Zur Mittagsrast steuern wir das kleine Lokal „The Grand Peacock“ an. Freundlich werden wir vom uns bereits bekannten Eigentümer begrüßt. Kulinarisch ist der Besuch unter den Highlights der Reise. Es gibt typische Gerichte Rajasthans – so raffiniert gewürzt, dass wir selbst in der Erinnerung an den Gaumenschmaus noch ins Schwärmen geraten. Wenn wir mal wieder in Jaipur sein sollten, würden wir dieses Restaurant auf jeden Fall ein zweites Mal besuchen.

Nach dem Mittag ist es so richtig heiß geworden und unser letztes Besichtigungsziel liegt weitestgehend in der unbarmherzigen Sonne. Wir besuchen das größte Observatorium Jantar Mantar, das von 1727 bis 1733 im Auftrag des Maharadschas Jai Singh II. errichtet wurde. Es beherbergt 14 nach astronomischen Gesichtspunkten entworfene Bauwerke. Diese dienen unter anderem der Messung der Zeit, der Voraussage von Sonnenfinsternissen und der Beobachtung der Planetenbahnen. Das größte Bauwerk auf dem Gelände ist das Samrat Jantar, eine Sonnenuhr mit einer Höhe von 27 m, die die Zeit auf etwa 2s genau anzeigen kann. Das ist schwer beeindruckend. Wenn nur die Hitze nicht so enorm wäre… 😵

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Nach diesem umfangreichen Programm geht es zurück ins Shahpura House. Wir nehmen Abschied von unserem wieder einmal sehr kompetenten Cultural Guide und genießen den Rest des Tages in dem schönen Hotel. Es kommt zu einer Irritation, weil ein anderer Hotelgast unsere Töchter im Pool mit seinem Smartphone filmt und sich – alkoholisiert wie er ist – dabei keines Fehltritts bewusst ist. Aber auch hier hilft später CB dabei, die Lage zu sortieren.

Für unser letztes Abendessen in Jaipur laden wir Mr Satdev und CB zum Dinner in unser Hotel ein. Ersterer lehnt die Einladung leider höflich ab und so verbringen wir immerhin zu fünft einen vergnüglichen Abend bei sehr gutem Essen.

Morgen müssen wir noch einmal sehr früh aufstehen. Am Stadtrand von Jaipur wartet bereits um 5:45 Uhr unsere letzte Safari auf uns. Wir besuchen das Jhalana Leopard Reserve am Fuße des Aravalligebirges.

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