Hallo Antje, das war ja eine schöne Pleite! Ich bewundere aber immer wieder, wie gut Ihr mit Frustrationen dieser Art umgehen könnt! Afrikaerprobt! Viele Grüße Friederike
TIAANS......Heike wollte schon im Oktober 2016 aussteigen und war nicht glücklich...
wer will es Ihr verdenken, dass Sie keine Lust mehr auf Investitionen hatte......Ihr
Geschäftspartner machte Ihr Sorgen.........offenbar konnte Sie den Knoten "lösen" 🙂 🙂 🙂
TIAANS ist nach wie vor eine (preiswerte ) Oase in der näheren Umgebung und liegt strategisch perfekt.....
lg.....BMW
freshy3'883 Beiträge · seit 201118. Mai 2018 · #103
Vielen Dank, Antje, für diese enttäuschende Information. Mit Kindern sieht man Vieles mit anderen Augen. Es tut mir leid für euch! Wir haben das Camp für unsere Reise im Herbst wieder gebucht, weil wir von dort aus einen Tag am Boteti verbringen wollen. ScHADE; Dass das mit Heike nicht geklappt hat, sie war wohl die Seele des Camps. Nun werde ich unsere Agentin auf diese Änderung hinweisen, denn es ist ja möglich, dass wir im Herbst gar nicht dort ankommen können.
Darauf war ich schon sehr gespannt - auf Deine Schilderung von Tiaan's, Antje! Schade für Euch. Nun - wir haben das Camp definitiv von unserer Liste gestrichen für nächstes Jahr.
Gruß Doro, die sich auf die Fortsetzung freut. 🙂
~ Africa is a feeling ~
RehemaThemenstarter546 Beiträge · seit 201819. Mai 2018 · #105
Danke für all Eure Rückmeldungen!
Eigentlich wollte ich noch hinzufügen, habe es dann vergessen: Ja, eben so wie Du sagst, freshy, es kommt darauf an, für was man ein Camp haben will.
Da möchte ich fairer Weise sagen: wenn man ein Camp braucht, wo man "auf dem Weg" übernachtet, weil man entweder von der Etappe her eine Nacht braucht, oder weil man einen Tag an den Boteti will, dann ist Tiaan's echt o.k. Wir hatten uns nur darunter einfach was anderes vorgestellt, da ich auch Empfehlungen aus dem Forum bekam, dort doch unseren freien Tag zu verbringen. Und DAFÜR war es einfach nichts für uns!
Ich in da auch mal rumgelaufen, und habe versucht, es mit anderen Augen zu betrachten: wenn man zu zweit unterwegs ist, einfach einen Ort braucht, wo man abhängt, evtl. mit einem Buch usw... Sieht es dann für mich und Volker anders aus? Ein wenig, ja. Ich würde immer noch einen schönen Blick vermissen. Oder eine gemütliche, schöne Sitzecke (die gab es im Senyati, und die gab es im Planet Baobab!). Das wäre uns persönlich wichtiger als warme Duschen.
Auch sind die Camping - PLÄTZE groß und durch "Hecken" abgetrennt von den Nachbarn - auf dem PLATZ wo man sein Zelt/Auto aufstellt, hat man also im Tiaan's etwas mehr sein "eignes Reich" als im Planet Baobab. Vielleicht zählt das für einige Leute.
Auch: es ist wirklich reichlich Wasser, (und WARM Wasser) vorhanden, man kann Wäsche waschen (haben wir dann nicht getan, aber wäre gut möglich gewesen), und durch die Umzäunung braucht man sich nicht vor Löwen etc. zu fürchten.
Deshalb, Flori: überlegt einfach nochmal, wofür Ihr das Camp braucht! Für einen Zwischentag an einem "schönen" Ort wäre es nicht unseres - aber für eine Übernachtung auf der Reise, würde ich es evtl. wieder machen. (ich weiß nicht, wie die Alternativen IM Makgadikgadi sind- da gibt es ja auch Camps).
Für Heike tut es mir auch leid - auch wenn wir sie nicht kennen gelernt haben. Ihr Mann ist ja gestorben, bevor sie Ihr gemeinsames Projekt in Angriff nehmen konnten. Und dann fehlte da womöglich der passende Partner, mit dem es was hätte werden können! Sie war mutig, und hat es trotzdem versucht! Dass es so ausging, muss ihr weh tun!
freshy, ich hatte nicht den Eindruck, dass das ganze da gleich zusammenbricht. Klar, frag lieber nochmal nach. Aber ich denke schon, dass es Tiaan'S erst mal weiter geben wird. Aber wie, in welcher Form, wer sich da um was kümmert (oder auch nicht), das wird sich wohl in der folgenden Zeit zeigen.
Vielleicht hilft das nochmal zu einer "runderen" Einschätzung, und gibt ein etwas umfassenderes Bild, als meine im vorigen geschilderte "gefühlsbetonte" Einschätzung! Antje
RehemaThemenstarter546 Beiträge · seit 201821. Mai 2018 · #106
Donnerstag, 05.04.2018: Von Tiaan’s nach Maun (Rest Camp): Oder: Kühe, ein Blechschaden, und dann doch noch ein schöner Tagesabschluß!
Man könnte jetzt natürlich gemäß Albert Einstein darüber philosophieren, ob es mit INTELLIGENZ zu tun hat (oder einfach nur eine sinnvolle Notwendigkeit ist), wenn man sich auf diese „Veränderung“ (change of plan) einläßt…?
Wie immer man das beurteilen mag: Es fällt uns allen jedenfalls nicht schwer, uns auf unseren geänderten Plan umzustellen, und wir stehen alle fröhlich und mit neuem Tatendrang auf! Diese Entscheidung, heute hier abzureisen, war die einzig richtige, denn so hält der Frust keinen Einzug bei uns! Und wir sind gespannt auf Maun!
Es hat tatsächlich nachts geregnet, und wir danken Tiaan’s für das StoffSegel, denn es hat unsere Zelte einigermaßen trocken gehalten! Wir werfen nochmal einen Blick vom Restaurant-Deck auf den hier trostlos wirkenden Boteti, und da es weiter nichts Neues zu sehen gibt, holen wir uns statt dessen nochmal die vielen Elefanten ins Gedächtnis! Mit diesen Bildern im Kopf verabschieden wir uns von diesem schönen Fleckchen Erde – Makgadikgadi würde uns bei einer erneuten Botswana-Reise sicher wieder sehen!
Der Tracks4Africa-Karte nach hatte ich erwartet, dass die Straße von Tiaan‘s zur Hauptstraße hoch rough road ist und entsprechend mehr Zeit einkalkuliert. Nun sind wir ganz überrascht, dass alles schöne Teerstraße ist! Dann allerdings geht es eine ganze Weile über üble Potholes – und so ein klein wenig fragt man sich schon, warum der Staat es nicht hinbekommt, solche Hauptverkehrsstraßen besser instand zu halten, wenn Botswana doch angeblich so weit entwickelt ist und auch über monitäre Resourcen verfügt? Warten sie etwa auch lieber auf die Chinesen? 😐
Auf dieser Strecke denken wir wieder ein wenig über das Land nach, und versuchen nochmal, etwas mehr Gefühl dafür zu bekommen. Klar, das bleibt weiterhin ein mini Ausschnitt, doch können wir nicht nur mit dem „Wildlife-Blick“ durch ein solches Land fahren, und fragen uns einfach, was sonst noch so in diesem Land läuft oder auch nicht läuft, wie die Menschen wirklich leben, u.v.m. Unterwegs sehen wir unendlich viele Kühe – immer wieder Kühe! Ansonsten viel leeres, flaches Land – so wie eigentlich seit Kasane die ganze Zeit schon. Gibt es hier eigentlich auch Menschen??? Wir haben bisher mehr Kühe als Menschen gesehen. Nun, Kuhhaltung ist seit je her ein wichtiger Bestandteil botswanischen Lebens, und Joel hatte recherchiert, dass es in Botswana ca. 2 Mio Kühe gibt. „Das wäre also eine Kuh pro Kopf!“, bemerkt Hannes sofort, der sich die Bevölkerungszahl von ca. 2 Mio gemerkt hatte (na gut, das war jetzt keine besonders hohe mathematische Leistung…. 😄 ). Den „Tier-Sichtungen“ des heutigen Tages nach erschient diese Zahl jedenfalls durchaus plausibel! (Nein, wir haben natürlich keine 2 Mio 🤩 Kühe gesehen! Aber wenn man das, was wir auf unserer heutigen Strecke sahen, mal hoch rechnet…)
Kleiner Exkurs Wahrnehmungen, Gedanken, Fragen zu Land und Leuten: Vor kurzem war der botswanische Präsident, Ian Khama, bei uns hier in Blantyre zu Besuch. Na ja, was heißt „bei uns“ – natürlich nicht bei UNS, sondern bei „unserem“ malawischen Präsidenten. Leider habe ich ihn nicht gesehen. Wobei das sicherlich auch kein Verlust ist. Jedenfalls erkennt man auswärtigen Hoheitsbesuch immer daran, dass neben dem üblichen ohnehin schon völlig abgefahrenen Bimbamborium in der Kolonne zusätzlich noch WEIß gekleidete Polizisten auf Motorrädern unterwegs sind. Auch wenn diese Show in den meisten afrikanischen Ländern ähnlich ist, so ist sie in Malawi schon sehr extrem. Wie handhabt das der botswanische Präsident in seinem eigenen Land, frage ich mich? Denn Botswana scheint sich schon abzuheben von den meisten Ländern auf diesem Kontinent? Zumindest liest man das. Von Daten, und Fakten her. Das mit dem Personenkult um die Hoheiten herum, ist ja schon so ein eigenes Ding. Gut, um das englische Königshaus wird auch ein Personenkult betrieben – es scheint da etwas in uns Menschen zu geben, dass wir gerne jemand anderes verehren und anbeten!? Dennoch ist der in Afrika betriebene Personenkult schon nochmal eine andere Dimension. Ich erinnere mich, wie ich in Kenya in meinen TeenagerJahren immer Angst hatte, wenn der Präsident vorbei kam, und mein Vater nicht sofort am Straßenrand anhielt. Denn man hörte, dass die dann schießen! Zumindest auf die Reifen. Aber man weiß ja nie…. 😣 Gleichzeitig: In Nairobi habe ich nie erlebt, was man hier in Blantyre regelmäßig erlebt: wenn der Präsident durch die Stadt fährt, kommt für eine halbe Stunde lang der gesamte Verkehr zum erliegen. Eine halbe Stunde vorher erkennt man das daran, dass entlang der gesamten Strecke Unmengen an Polizisten aufgestellt sind. Dann weiß man schon: oh, ich schau mal besser, dass ich meine Sachen schnell erledigt kriege! Aber meist hat man dann doch Pech und steht irgendwo in der Sperre für eine halbe Stunde…. Alle, ALLE Menschen, müssen aufhören mit dem, was sie gerade tun! Das ist schon heftig! Und noch interessanter: als Volker das zum ersten Mal erlebte, war seine Reaktion so ganz anders als meine, obwohl wir dazu ja eigentlich die gleiche Meinung haben: Er schüttelte den ganzen Tag lang den Kopf darüber, was da eigentlich abgeht, und wieso das jeder mit macht, und was das für Auswirkungen hat auf ein Volk usw. Ich fand das erst mal völlig „normal“, und hatte eher Angst, eine falsche Bewegung zu machen. Und das, obwohl ich ja doch die selben „westlichen“ Überzeugungen habe wie er. Daran wurde mir bewußt, wie prägend es ist, mit was man aufwächst, von was man ständig umgeben ist. Denn so hatte ich das als Kind und Teenager erlebt: wenn der Präsident vorbei fährt, hält man an und hält die Klappe! Vielleicht erklärt das ein wenig die Untätigkeit der Menschen hier, auch wenn sie eigentlich nicht viel von ihrem Präsidenten halten – dennoch, so ist das eben: wenn er kommt, hat man stramm zu stehen. Sonst – sonst……. weiß man auch nicht, was geschieht….. Man fragt sich einfach nicht, ob das sinnvoll ist, dass es so ist. Man fragt sich auch nicht, ob das fair ist. Man fragt sich auch nicht, ob das hilfreich ist – und man fragt sich noch weniger, ob man das ändern könnte. Es ist so. Es war immer so, und man hat zu spuren!
Ich vermute, dass es in Botswana anders ist, denn Botswanas Präsidenten haben sich seit der Unabhängigkeit (im Gegensatz zu den meisten anderen afrikanischen Präsidenten) nicht endlos nur selbst bereichert, sondern das gesamte Land voran gebracht. Dennoch, wie man sich anhand der schlechten Straße nach Maun fragen kann; wie viel ist da wirklich dran? Vielleicht kannst Du, Sabine (kalahricalling), uns hier ein wenig mehr Aufschluß geben? Vielleicht gibt es auch noch den ein oder anderen Botswana Erfahrenen stillen Leser hier, der sich dazu mal äußern mag? Mich würde da einiges interessieren.
Es tut mir Leid, dass ich Euch für den heutigen Tag auch nicht mit Bildern beglücken kann. Heute haben wir einfach „gelebt“, das in uns aufgesogen, was in und um Maun auf uns wirkte, und ich hoffe, dass ich diesen Abschnitt dennoch nicht zu langweilig gestalten kann! Im Moremi können wir uns dann vor Tierbildern wieder nicht mehr retten, also müsst Ihr Euch jetzt noch ein wenig die Mühe machen, zu lesen – „Bildergeschichten“ kommen dann später wieder! 😉
Es war ein guter Tag, und es tat uns gut, etwas mehr Zeit für Maun zu haben – bis auf den Einschub „Blechschaden“, von dem ich noch berichten werde….
KarstenB2'398 Beiträge · seit 201121. Mai 2018 · #107
Hallo Antje, da kommen wieder Erinnerungen hoch. Ich zitiere mal aus meinem RB von 2013 folgendes Erlebnis aus Dar-Es-Salaam: "Als wir wieder von der Tankstelle runter wollen, hören wir Sirenen. Eine Kavalkade von "Blauen Mäusen" und Autos mit diversen Standern, Tanzania und US, donnert vorbei. Wohl die Generalprobe für morgen, wenn Obama kommt 😐 ?! Wir warten, bis nichts mehr kommt, und fahren dann auf die Straße, wo wir sogleich von 2 Polizisten rausgewunken werden. - Führerschein und Fahrzeugpapiere. - Waren in Ordnung. - Warum wir nicht gewartet hätten? - Häää??? - Ob wir in Deutschland keinen Präsidenten hätten? - Doch, schon ... - Langer Rede, kurzer Sinn - wir hätten 5 min. warten müssen nach Durchfahrt der Kolonne. Jetzt müssten wir mit auf die Wache und eine Anzeige aufnehmen und vor Gericht ... jedenfalls 100 US$ Strafe müssten sein. - O:k., ich bräuchte aber eine Quittung mit Namen. - Man könnte sich ja auf 50 US$ einigen?! - O, lieber nicht, ich möchte keinen Ärger bekommen wegen Korrumpierens eines Polizeibeamten. - Gequältes Gelächter: Nein, natürlich, er wollte uns ja auch nur einen Rat geben: Nächstes Mal 5 Minuten warten ... 😣 😂" Ich lese Deinen erfrischenden Bericht weiterhin mit großem Vergnügen, Danke dafür! LG aus dem sonnigen und warmen HH, Karsten
Liebe Antje! Jetzt habe ich mal ein bisschen in meinem Gedächtnis gekramt und darüber nachgedacht wie das in Gaborone so war: Nein, wenn der Präsident da rumfährt, das bekommt mal normalerweise nicht mit. Aber Gaborone hat ja auch mehrspurige Straßen und nur etwas mehr als 200.000 Einwohner. Ein Verkehrschaos gibt es dort nicht und die normale Präsidenten Kolonne bewegt sich da einfach so mit im Verkehr. Nur wenn ausländischer Staatsbesuch kam, wurde die Straße abgesperrt und man stand da herum und wartete bis der Staatsbesuch vorbei fuhr (das habe ich in Deutschland aber auch schon erlebt). Im letzten Jahr habe ich in Freetown gelebt, weil mein Mann hier arbeitet und hier ist es schon so, dass die Präsidentenkolonne sich an allen vorbei quetscht und der restliche Verkehr dann stehen bleiben muss. Allerdings sind die Straßen hier auch wirklich sehr eng und oft nur einspurig und man würde wohl zu nichts kommen (als Staatsoberhaupt), wenn man sich da hinten in die Schlange einreihen würde. In Nairobi, das klingt ja echt wild! Auf die Reifen schießen, wow! Wir hatten hier neulich Besuch von Sicherheitsberatern, die in Kenia leben und da haben wir auch wilde Geschichten zu hören bekommen. Verkehrschaos gibt es in Gaborone, wenn es regnet, weil die Kanalisation die Menge an Wasser nicht verarbeiten kann, die da runter kommt und nie dafür angelegt war. Dann ist alles überschwemmt und Autos bleiben liegen (ein bisschen wie Winterbeginn und erster Schneefall in Deutschland). Es regnet zwar nicht oft, aber wenn, dann heftig. Das ist sicherlich auch bei den Straßen im Norden so, dass die regelmäßig unterspült werden. Was die generelle Qualität der Straßen angeht, dazu kann ich nichts sagen. Aber ich schätze, die müssen einfach mal ab und an erneut werden. Ja, ich denke schon, dass es in Botswana anders und besser läuft als anderswo. Die Mehrheit der Bewohner gehört den verschiedenen Tswana Stämmen an und das macht es schon mal einfacher, als wenn man wie z. B. wie in Nigeria 371 Stämme, verschiedene Religionen und über 500 Sprachen versuchen muss, unter einen Hut zu bringen. Außerdem herrscht in Botswana eine Konsensgesellschaft, bei der alles lange und sehr ausführlich diskutiert wird, bevor dann, wenn auch wirklich alles von allen von jeder Seite beleuchtet wurde, vielleicht eine Entscheidung getroffen wird. Oder vielleicht auch nicht. Die Kgotla Kultur der Gemeinschaftsversammlungen in den Dörfern ist lebendig und nicht unterbrochen worden durch Eingriffe von außen und auch die Gerichtsbarkeit unterliegt in den einfachen Fällen direkt den Gemeinden und nur bei schwereren Vergehen greift ein System nach englischem Vorbild. Selbstbestimmung ist wichtig. Wenn in einem Dorf ein paar Jugendliche randalieren, dann wird gemeinschaftlich in einer Versammlung über die Strafe entschieden, z. B. ein paar Stockhiebe. Ehrlich gesagt, habe ich darüber bislang noch gar nicht so intensiv nachgedacht, aber ich denke der Erfolg von Botswana kommt daher, dass gewachsene gesellschaftliche Systeme nicht zerstört wurden. Chiefs brauchen den Rückhalt der Gemeinschaftsversammlungen, um gewählt zu werden und fühlen sich auch verpflichtet, der Gemeinschaft zu dienen. Grundbedürfnisse der Menschen sind zwar überall auf der Welt ähnlich, aber die Kulturen sind schon sehr unterschiedlich. Im Herz der Tswana Kultur steht die Viehhaltung, das Land und die Familie. Rinder haben lange das Überleben gesichert und ihre Bedeutung geht weit über die Nahrungsversorgung hinaus. Ein botswanischer Kollege von mir in Gaborone meinte, ein Mann, der keine Rinder hat, wüsste nicht worüber er mit anderen Männern reden sollte! Daran erkennt man die gesellschaftliche Bedeutung der Viehhaltung in Botswana. Sie ist vergleichbar mit dem Stellenwert der Arbeit in Deutschland als Mittel zur Identifikation und Sinnstiftung. Und natürlich ist es wichtig, wie und wo man aufwächst und das prägt einen ungemein. Eltern und die Gesellschaft prägen. Religion ist in Botswana sehr wichtig und nicht religiös zu sein, manchmal eine regelrechte Bedrohung. Das Bedürfnis nach etwas Größerem als man selbst ist sehr ausgeprägt und als unsere Tochter in der Schule in Gaborone in der ersten Klasse gefragt wurde, ob sie an Gott glaube, hat sie versucht etwas über Dinosaurier zu erzählen (sie wollte wohl die Evolutionstheorie wiedergeben, von der sie am Küchentisch gehört hatte) und die anderen Kinder fingen alle an zu schreien und redeten auf sie ein, bis die Lehrerin sagte, dass die Kinder unterschiedlichen Glauben respektieren sollten! Aber es hat die Kinder sehr gestresst, mit einer anderen Sichtweise als der bisher bekannten konfrontiert zu werden und alle haben das wiedergegeben, was sie von zu Hause kannten. So, jetzt komme ich mal zu einem Ende! Das waren sehr bereichernde Jahre für mich (die Welt wird so viel größer und bunter und es gibt so viel Möglichkeiten ein und dieselbe Sache zu betrachten) und es ist auch schön, mal darüber zu reflektieren…. Ian Khama ist übrigens vor ein paar Wochen zurückgetreten am Ende der höchstmöglichen Amtszeit und hat das Amt an einen Parteikollegen abgetreten. Der neue Präsident heißt Mokgweetsi Masisi. Liebe Grüße aus Freetown sendet Stefanie (nicht Sabine, ist ja auch ein schöner Name, aber nicht der meine)
5 Jahre in Botswana, 3 Jahre in Sierra Leone, 1 Jahr in Lesotho
außerdem Reisen in Namibia, Südafrika, Mozambique, Eswatini, Tansania und Äthiopien
www.kalahari-calling.com
Coole Reaktion, das mit der Frage nach der Quittung! 😄
5 Jahre in Botswana, 3 Jahre in Sierra Leone, 1 Jahr in Lesotho
außerdem Reisen in Namibia, Südafrika, Mozambique, Eswatini, Tansania und Äthiopien
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Ich wusste gar nicht, dass Khama zurückgetreten ist. Mag es nicht auch sein, dass Botswana so relativ wenig Probleme hat ( außer der Stammeszugehörigkeit ), dass der Vater von Ian K. eine Weiße geheiratet hatte? Dass es weniger Rassentrennung gab? Dadurch mehr Toleranz?
----------------
Was die kaputte Straße zwischen Maun und Nata angeht - da waren doch letztes Jahr diese extremen Überflutungen, selbst Planet Baobab war betroffen. Dadurch hat sich bestimmt etliches verschlimmert, bzw. dauern die Reparaturen an - vermute ich mal.
Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
freshy3'883 Beiträge · seit 201122. Mai 2018 · #111
Hallo Stefanie und Antje, vielen Dank für die Eindrücke, die ihr schildert. Als durchreisender Touri kann man natürlich nicht so intensive Eindrücke erhalten. Mir fällt (ganz oberflächlich) auf, dass die Menschen in BOT selbstbewusster sind als die (normale) schwarze Bevölkerung in SA und NAM ist und zwar auf ganz sympathische Art: Freundlich und gleichzeitig distanziert. Das ist angesichts der Geschichte nicht verwunderlich. Die riesigen Banner: Wir sind stolz, Botswaner zu sein!, sind mir noch gut im Gedächtnis. Wenn wir Hilfe brauchten, gaben sich die Menschen viel Mühe, wollten kein Trinkgeld! und blieben so lange in unserer Nähe, bis wir Hilfe bekamen. Ich meine jetzt nicht das Personal in den Resorts, sondern die allgemeine Bevölkerung, "den Mann 😉 " auf der Straße. Wir sind nach meiner Erinnerung nie angebettelt worden. Außer von Grenzbeamten, die zu einem horrenden Kurs Pula tauschen wollten und scharf auf unsere Kulis waren. Trotz der Antikorruptionsplakate an der Wand. Auf unserer letzten Tour wurden wir auf unserem letzten Aufenthalt in NAM vor der Grenze nach BOT angebettelt und nach dem Grenzübertritt zurück in NAM sogleich wieder. Parkplätze vor den Malls in BOT tragen Hinweisschilder, dass es nicht erlaubt sei, gegen Geld auf die Autos der Touristen aufzupassen, das würde überwacht. Vor allem in NAM haben wir diese Hawkers teilweise lästig bis unverschämt erlebt.
Wie geschrieben, sind das sehr oberflächliche Eindrücke. Auch die Menschen in BOT sind so gut oder schlecht wie andere. Ihr unterschiedliches Verhalten zu den Menschen in NAM und SA hängt aus meiner Sicht hauptsächlich mit den Nachwirkungen der Apartheit und der Behandlung durch die Weißen zusammen, die die Länder für sich vereinnahmt hatten. @Antje: Ja , die Chinesen bauen auch in BOT Straßen, wo sie sie brauchen. Z.B. Richtung Schürfgebiete. Die Maisfelder zwischen Kasane und Nata sind stabil umzäunt, Schilder zeigen an, dass sie Chinesen gehören. Ihrem "Charme" unterliegt demnach auch diese Regierung. LG freshy
Danke für eure Rückmeldung! Ruth Khama ist bestimmt eine positive Identifikationsfigur gewesen in Botswana als erste weiße First Lady dort. Sie ist ja auch nach dem Tod von Seretse Khama in Botswana geblieben bis zum Ende Ihres Lebens und war, denke ich, sehr beliebt in Botswana. Aber die Botswaner habe auch schon vor Ruth Khama Leute aufgenommen, z. B. einen Trupp Buren, die vor den Engländern geflohen sind während der burischen/englischen Kriege. Denen haben sie Land gegeben in der Nähe von Ghanzi und die Nachfahren leben bis heute dort. Normalerweise schicken sie niemanden zurück in die Wüste (im übertragenen Sinn) in Botswana. Die Nachfahren der Herero, die die Flucht durch die Wüste (vor General Trotha in Namibia) überlebt haben, siedeln bis heute in Maun.
Natürlich hat Freshy recht, wenn sie sagt, die Menschen in Botswana sind nicht besser oder schlechter als anderswo. Intelligenz ist normalverteilt, genauso wie Schönheit und alle anderen Attribute der Menschen, das ist überall gleich. Aber die Kulturen und Werte sind schon teilweise sehr unterschiedlich. Man merkt selber erst, wie sehr man eigentlich von der eigenen Kultur und den Werten der Gesellschaft, in der man aufgewachsen ist, beeinflusst ist, wenn man einmal in einer anderen Kultur lebt. Wenn Menschen aus einer anderen Kultur Freunde werden und man sie verstehen möchte, dann fängt man an, auch über die eigene Kultur nach zu denken. Zumindest ging mir das so.
Ich denke, für vieles was passiert, im Privaten wie auch im Gesellschaftlichen gibt es tieferliegende Gründe. Antje war ja sehr interessiert, z. B. auch Dinge zu erfahren, die in Botswana nicht so gut laufen. Da nehme ich jetzt mal die HIV Epidemie, die ist in Botswana stärker verlaufen als irgendwo anders. Das ist keine Zufall gewesen, denn es gibt viele traditionelle Regeln, die das Fremdgehen befördern, Sprüche wie: „Ein Mann kann nicht in einem Kral glücklich sein“ oder „Frag Deinen Mann nicht, wo er gewesen ist“. Als wir in Botswana gelebt haben, wurde gerade Gaborone plakatiert von der Regierung mit Sprüchen wir „Wer ist in Deinem sexuellen Netzwerk?“ oder „Frag Deinen Mann, wo er gewesen ist!“ um der Ausbreitung von HIV entgegen zu wirken. Viele Männer in Botswana haben auch noch 2 oder 3 illegitime Familien neben der Hauptfamilie und weitere Nebenbeziehungen aus denen vielleicht nicht noch Kinder hervor gegangen sind. Das ist aber nicht offiziell (wie vielleicht in manchen Kulturen) sondern heimlich. Man nennt das dann zweites oder drittes „Haus“ jeder weiß es, es wird aber nicht zugegeben und die heimlichen Kinder haben auch keine Rechte und bekommen Ihre Väter kaum zu sehen. Es gab mal einen Vorschlag im Parlament, dass die Namen der Väter auf dem Geburtsschein stehen sollten und das wurde abgeschmettert mit der Begründung „das würde Familien zerstören“. Die Situation ist mittlerweile viel besser, hauptsächlich weil die Betroffenen sich nicht mehr schämen (das war oft so obwohl zeitweise jede/r dritte betroffen war) sondern sich behandeln lassen und Antiretrovirals nehmen, es gibt ja umsonst Medikamente für jeden und trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis die Leute angefangen haben, sich behandeln zu lassen. Wenn man richtig eingestellt ist medikamentös kann man andere nicht anstecken und deswegen steigt die Lebenserwartung in Botswana wieder. Und es wurde natürlich viel Aufklärungsarbeit geleistet.
Über HIV habe ich viel gelernt in Botswana. Wusstest Ihr, dass es eine Pille danach gibt gegen HIV? In den 24 Std. nach einem Kontakt mit infiziertem Blut zerstört diese Pille zu 99,9 % das Virus im Körper. Würde man in einen Autounfall geraten und mit Blut in Kontakt kommen oder wenn man ungeschützten Sex hätte kann man diese Pille nehmen. Ich hatte vor Botswana noch nie davon gehört. Ich wusste auch nicht, dass man ein gesundes Kind bekommen kann, auch wenn man HIV positiv ist.
So, ich wünsche euch einen schönen Tag und viel Spaß bei Lesen, Planen, Reisen und Entdecken!
Liebe Grüße, Stefanie
5 Jahre in Botswana, 3 Jahre in Sierra Leone, 1 Jahr in Lesotho
außerdem Reisen in Namibia, Südafrika, Mozambique, Eswatini, Tansania und Äthiopien
www.kalahari-calling.com
RehemaThemenstarter546 Beiträge · seit 201827. Mai 2018 · #113
Vielen Dank Euch allen für Eure Beiträge - v.a. Dir, Stefanie (danke, dass Du meinen Namens-Verdreher so locker genommen hast! 🤨 ) Nun bin ich doch etwas in Pack-Planungen und Geburtstags-und Kinder-Good-By-Parties versumpft (alle unsere 4 Männer haben jetzt innerhalb von 5 Wochen auch noch Geburtstag.....).
Nun schreibe ich aber gerade weiter an meinem Maun-Bericht, und hoffe, den morgen einzustellen! Bis dahin, Antje
kalaharicalling schrieb:...... Sprüche wie: „Ein Mann kann nicht in einem Kral glücklich sein“ oder „Frag Deinen Mann nicht, wo er gewesen ist“.............
Die Herumschlaferei der afrikanischen Herren der Schöpfung, die ständige Anbaggerei, die sugar daddies für junge Mädchen, erlaubte Polygamie etc. sind einfach eine Katastrophe für diese Länder. Für Botswana, das hier das Thema ist, habe ich auf die Schnelle diese alten Zahlen gefunden, aber in den anderen Ländern ist es genauso schlimm und wird ärger.
Table 3: Pregnancy Dropouts by Form Year Form 1 Form 2 Form 3 Form 4 Form 5 Total 1998 265 499 238 136 131 1259 1999 196 407 496 195 179 1473 2000 219 405 540 238 257 1659 2001 200 351 426 228 263 1468 2002 178 327 391 220 253 1369 Total 1058 1989 2091 1017 1073 7228
Zig Kinder wachsen ohne Väter oder Versorgung auf. Die Mädchen sind von Schulbildung ausgeschlossen oder können diese nicht mehr nachholen. In ländlichen Gebieten wurden schon Schulklassen geschlossen, weil zu viele Schülerinnen schwanger waren etc. Eine Katastrophe für die Entwicklung der Länder, deren Existenz und Gründe kaum in den Medien thematisiert wird.
...In Angola hält sich der erfolgreiche Mann eine(?) Catorzinha. Das sind im Schnitt 14jährige. Das ist dort so "Kultur"*...
HIV ist dort weder in der Presse noch sonst irgendwo Thema. Nada.
Dagegen sind Namibia und Botswana vorbildlich, wenn auch nicht besonders erfolgreich... - ..."kulturell" bedingt... 🙁
Herzlichen Dank, Rehema, für deine vielseitigen Reisebericht und deine interessanten "Ausflüge" ins "Innere" Afrikas! Und wie man sieht, seid ihr geübt und flexibel genug euch spontan umzuentscheiden. Dass es euch bei Tiaan's nicht für 2 Tage "gereicht" hat, können wir gut verstehen! - Allerdings zur unverschämt teueren (50US$pP) Khumaga Campsite ist es immer noch eine gute Alternative, für eine Nacht, - man sieht ja im Dunkeln eh nix mehr und die Duschen sind gut.
Grüßle
* - und um Missverständnissen zu entgehen: Natürlich bin ich der Meinung, dass alle diese Völker eine wertzuschätzende Kultur und Traditionen haben - allerdings zähle ich den Kindesmissbrauch an 12-14jährigen durch Rolex-behangene SugarDaddies nicht dazu. Damit gehe ich konform mit kritischen Stimmen in den jeweiligen Ländern, die es durchaus gibt ...dies zu den einschränkenden Tüddelchen um die "Kultur"
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
loser schrieb: Die Herumschlaferei der afrikanischen Herren der Schöpfung, die ständige Anbaggerei, die sugar daddies für junge Mädchen, erlaubte Polygamie etc. sind einfach eine Katastrophe für diese Länder. Für Botswana, das hier das Thema ist, habe ich auf die Schnelle diese alten Zahlen gefunden, aber in den anderen Ländern ist es genauso schlimm und wird ärger.
Da die "afrikanischen Herren der Schöpfung" ja nicht untereinander "herumschlafen" hat auch der weibliche Teil einen nicht unerheblichen Anteil daran. Erlaubte Polygamie ist immer noch besser als heimliche, da wird dann immerhin Verantwortung übernommen. Und das "Einstiegsalter" für Schwangerschaften hängt auch mit der Lebenserwartung zusammen, schließlich sollten die Kinder vor dem eigenen Ableben aus dem gröbsten raus sein. Wenn Verhütungsmittel besser verfügbar wären, würde auch dass die Anzahl der jungen Mütter wohl verringern (und umgekehrt deren Nichtverfügbarkeit bei uns die Anzahl deutlich erhöhen)
Das viele Kinder in Botswana ohne Eltern aufwachsen ist auch eher HIV zuzuschreiben als Teenagerschwangerschaften. Abgesehen davon wird die "Familie" dort auch sehr viel weiter gefasst als bei uns. Es ist dort nicht ungewöhnlich wenn Kinder (zeitweise) bei Verwandten leben, auch wenns den Eltern gut geht.
Das die gegenwärtigen Moralvorstellungen westlicher Industrienationen nicht unbedingt zu denen anderer Kulturkreise passen sollte jetzt nicht so überraschen, schließlich ändern die sich andauernd und immer öfter. Ich würde daraus aber nicht die westliche Überlegenheit ableiten, die oben angedeutet wird. Auch bei uns waren frühe Schwangerschaften vor noch nicht allzulanger Zeit nicht ungewöhnlich und auch unsere neuerdings so wichtige christliche Tradition beruht ja im Grunde auf der Vergewaltigung einer ca. 12-14 Jährigen, zumindest wird heutzutage das Alter der historischen Figur bei der Schwangerschaft so angenommen.
Es gibt viele Gründe für die Probleme in Afrika, Sex ist eher nicht das Hauptproblem.
RehemaThemenstarter546 Beiträge · seit 201829. Mai 2018 · #117
Bevor ich meinen "Maun-Tag" einstelle, ein Danke für Eure Ausführungen. Ja, da will ich jetzt nicht zu tief einsteigen. Da sollten wir uns alle lieber auf ein Glas Wein treffen, denn diese Themen sind schier unerschöpflich... Botswana und HIV/AIDS: kurz, von dem Wenigen, was ich mir angelesen habe (damit bin ich auch abhänig davon, was mir die Medien präsentieren): Es war das erste Land "in der Region" ( was auch immer das heißen mag?), das kostenlos Antiretrovirale Medikamente einführte. Das half auch (hat es Botswana evtl. vor dem Ruin gerettet?). Dennoch: selbst heute steht es mit der HIV-Prävalenz mit ca. 24 % immer noch weltweit an 3. Stelle!!! (nach Lesotho und Swasiland - oder muss ich jetzt eSwatini sagen?). Was wohl viele kúlturelle Gründe hat. Das Sexualverhalten dieser Völker (was u.a. auch mit den tiefen Ängsten vor Geistern zu tun hat) spielt da sicherlich schon eine große Rolle. Im Übrigen scheint auch im Fortgeschrittenen Botwana leider die Gewalt an Frauen recht hoch zu sein. Nun aber versuche ich mal, meinen Text über Maun und die wenigen Bilder noch zusammen zu basteln!
RehemaThemenstarter546 Beiträge · seit 201829. Mai 2018 · #118
Fortsetzung Maun, 05.04.2018: The Botswanan „Spirit of Humantity“ – and the „Spirit of Egoism“:
Wir sind gespannt auf Maun – ob es ähnlich wie Kasane hauptsächlich ein Touristen-Nest ist? Und dann sind wir überrascht, wie „normal“ afrikanisch sich Maun präsentiert. Klar, mit einem deutlich touristischen Einschlag. Aber das geht ja auch nicht anders, als „Tor zum Okavangodelta“! Bei Joels Nachforschungen war ich übrigens erstaunt, dass das Okavangodelta erst 2014 in die Liste der “UNESCO World Heritage“ aufgenommen wurde – und zwar als Nr.1000 ! Nachdem es 2013 in Arusha als eines der „Seven Natural Wonders of Africa“ erklärt wurde, Ja, der Airstrip, und hier und dann v.a. auf den Parkplätzen der Supermärkte reihenweise 4x4 Mietwagen, wie ich sie sonst noch nirgends in einer solchen Dichte gesehen habe! Aber ansonsten ist es doch ein recht normales Städtchen, mit verschiedenen kleinen „Businesses“ hier und da, Autowerkstätten, Strassenbuden (o.k., die sind wohl hauptsächlich für die Touristen) und wenig Prunk und auch nicht schnieges Hotel an Hotel. Zumindest wirkt es so auf uns, und wir stellen fest: das gefällt uns! Irgendwie tut es uns gut, das zu erleben, und ein wenig „normales“ botswanisches Leben damit zu erfühlen. Es ist endlich nicht mehr so menschenleer (findet v.a. Volker, der irgendwie die ganze Zeit nach „Beziehungen“ zu Menschen suchte in der Einsamkeit, durch die wir die letzten Tage gefahren sind), das Leben pulsiert in einem angenehmem Ausmaß.
Wir fahren gegen 12 Uhr Mittag über die Thamalakane-Brücke in das „Innenstadt“–Viertel. Wir wollen als erstes zum Maun Rest Camp, um sicher zu stellen, dass wir einen Platz für die Nacht haben, und dann noch einkaufen und nach einem schönen Ort für ein gemütliches Abendessen suchen. Aber da Maun ja recht klein ist, wollen wir bewußt mal auf der westlichen Flußseite entlang fahren, wo sich ja das meiste abspielt. Und wir merken uns unterwegs, wo der Spar ist, wo es welche Tankstellen und Geldautomaten gibt.
Das Maun Rest Camp befindet sich ja am nördlichen Zipfel, kurz bevor man wieder über den Thamalakane River zurück fährt, und Dank „maps.me“ sind wir auch stets mit allen kleinen Sträßchen orientiert! (wer auch immer mir den Tipp gegeben hatte: Danke! „maps.me“ war alles was wir brauchten, auch später im Moremi!). Das Maun Rest Camp gefällt uns auf Anhieb gut – es sieht sehr gepflegt aus, die grünen Wiesen und die kleinen Häuschen. Und wir werden an der Rezeption sehr freundlich empfangen! Plätze mit Blick auf den (ziemlich verlandeten, von Seerosen und Schilf überdeckten) kleinen Thamalakane kosten 110 Pula pro Person. Die anderen, weiter hinten gelegenen nur 80 Pula pro Erwachsenen. Da suchen wir und einen aus und sind schon mal glücklich! Wir vertreten uns hier noch etwas die Füße, erkunden das Gelände und Essen dann noch zu Mittag, was das Auto noch so her gibt (Brötchen, Biltong, Äpfel und die letzten SchokoKuchenstücke von zu Hause). Hier gibt es einen Tisch und Bänke, was uns sehr entgegen kommt, da wir keine Campingstühle und auch keinen Tisch haben (das müsste dann alles auch immer auf dem Dach verzurrt werden, und war uns bisher zu viel Geschleppe). Meist suchen wir uns ein paar Steine zum Sitzen, oder freuen uns eben, wenn ein CampingPlatz uns sogar einen Tisch mit Sitzgelegenheit bietet!
Nun haben wir noch Zeit, unsere Sachen in Ruhe zu erledigen – und dazu gehört außerdem noch der Kauf eines botswanischen Korbes! Das ist Joels spezieller Wunsch. Denn er mußte sein „Projekt“ (das 70-DIN-A4-Seiten-Werk) zwar vor den Osterferien abgeben, aber am Ende des Schuljahres kommt dann immer noch der „International Day“, an dem jeder „sein“ Land vorstellt! Das ist jedes Jahr neu zum Staunen – denn die Schulhalle verwandelt sich (naja, nicht von selbst…. Eltern, Schüler und Lehrer müssen da schon auch ranklotzen….) in ein unglaublich buntes Theater! Jeder hat Tische, es wird nach Ländern und Länder-Gruppen sortiert, und dann soll jeder seinen Tisch gestalten. Mit Deko und mit landestypischem Essen! So sah das z.B. vor 2 Jahren bei Benjamins Klasse aus:
Damals mußten wir Deutschland vertreten (das hatte Benjamin gewählt). Diesmal wird des Botswana sein, und ich bin mir nicht so sicher, was denn einfacher ist! Denn das eigene Land ist auch nicht so einfach…. Zumindest konnte ich hier in Malawi nicht Sauerkraut oder Brezeln kaufen….. Also haben wir die Brezeln selber gemacht! Aber was ich für Botswana auftischen werde, weiß ich noch nicht so recht. Biltong – das geht wenigstens! Und wir könnten natürlich auch einfach Maispampe kochen (in Ostafrika „Ugali“, in Malawi „Nsima“), und dann nennen wir es einfach botswanisch „Pap“! 😄 Nun ja. Aber EIGENTLICH will Joel am liebsten frittierte Mopane-Würmer! Doch den Gefallen werde ich ihm wohl nicht tun! 🤢 Also, was dann? Immerhin, haben wir beschlossen, können wir einen original botswanischen Korb als Deko kaufen. Das haben wir ihm versprochen, und Maun scheint dafür unsere beste Gelegenheit zu sein!
Vom Rest Camp wollen wir auf der anderen Seite vom Fluß zurück in die Stadt fahren, weil wir einfach einmal im Kreis fahren wollen. Kurz vor der Thamalakane-Brücke im Norden ruft Joel begeistert: „Da! Körbe! Papa, Du musst zurück fahren! Bitte! Ich will doch noch einen Korb kaufen!“ Wir haben zwar nichts gesehen, aber Joel und Tabea bestehen darauf, ein Schild mit „Botswanan Baskets“ gesehen zu haben, und so fahren wir zurück – und Recht haben sie! Etwas unscheinbar, aber gut ausgeschildert. Wir biegen in den kleinen Sandweg ein und finden auch kurz darauf ein kleines, recht schmuck bemaltes Häuschen. Als wir es betreten, staunen wir: Oh! So viele wunderschöne, verschiedene Körbe! Und eine Frau mit einem einladenden Lachen begrüßt uns freudig! Ich frage sie einiges, z.B. welche Stämme diese Körbe herstellen, denn ich habe mir von Joels Werk gemerkt, dass v.a. die Hambukushu Korbflechter sind. Sie ist offenbar ganz begeistert, dass wir so interessiert sind und zeigt uns gleich einen Katalog, in dem die ganzen verschiedenen in die Körbe geflochtenen Muster abgebildet und erläutert sind. Ja, die Hambukushu wohl, aber auch andere Stämme, sagt sie. Hier arbeiten mehrere Frauen verschiedener ethnischer Gruppen zusammen. Sie haben eine kleine Frauenarbeit gegründet, denn viele Frauen, so sagt sie, sind sehr abhängig von ihren Männern und tun nichts als ihre Arbeit zu Hause. Mit dem Körbe flechten können sich viele etwas Geld dazu verdienen und ihre Zeit sinnvoll nutzen. Sie arbeiten zusammen und leiten junge Frauen an, damit sie in ihrer Zukunft etwas haben, auf das sie sich stützen können. Davon hatten Joel und ich viel gelesen, und es ist schön, nun ein „lebendes Beispiel“ hier vor sich zu haben! Und ein so begeistertes und einladendes noch dazu! Leider habe ich von dem kleinen Verkaufsladen auch kein Bild gemacht – aber Joel hat noch einige Bilder von den Pflanzen gemacht, mit denen sie die Korbmaterialien einfärben. Das hatte er sich nämlich ganz genau gemerkt: braun wird aus „Magic Guarri“ gewonnen, Rottöne vom „Bird Plum Tree“, Lila aus der „Indigo Dye Plant“ und gelb vom „Red Star Apple“.
Als er sich darüber mit ihr unterhält, ist sie noch mehr aus dem Häuschen und nimmt ihn gleich mit hinter ihre Hütte, um ihm die jeweiligen Pflanzen zu zeigen! Da hat er schnell mein SmartPhone geschnappt und die Pflanzen geknipst! Sie kann es kaum fassen, dass ein 10-JJähriger so viel Bescheid weiß, und ist ganz gerührt von dem Interesse an ihrer Kultur! Es ist so schön, so lebendige und freundliche Menschen zu erleben, dass wir um so zufriedener sind mit unserer Entscheidung, heute statt Tiaan’S etwas mehr von Maun zu erleben!
Als wir dann aber einen Korb aussuchen wollen, schlucken wir doch sehr angesichts der Preise! Dass wir hier gesalzene TouristenPreise zahlen, hatten wir schon erwartet – aber dass sich die Preise vom kleinsten bis zum größten Korb zwischen 200 und 9000 Pula (also 20 bis 900 Euro!!!) bewegen, schockt uns jetzt schon! Sie erläutert uns, dass eine Frau an manchen Körben 3 bis 6 Monate beschäftigt ist. Wenn man genau hin guckt, läßt es sich dann doch nachvollziehen, denn die botswanischen Körbe sind extrem fein verarbeitet. Hier unser neuer Brotkorb, für den wir uns am Ende (für ca. 35 Euro) entschieden haben:
Das Muster erläutert sie als „Forehead oft the Zebra“ (nun laßt mal Eure Phantasie ein bisschen spielen!!!), welches von verschiedenen Stämmen verwendet wird und allseits eine royale Symbolik darstellt.
Sie sind also schon sehr viel feiner verarbeitet als die meisten diversen Körbe, die ich aus anderen Ländern kenne. Dennoch erscheinen mir die Preise ziemlich übertrieben. So wissen wir bis heute nicht, wie botswanisch oder wie touristisch diese Preise wirklich waren – aber falls jemand von Euch mal wieder nach Maun kommt, und einen schönen Korb und außerdem eine wirklich nette Begegnung sucht: diesen kleinen Laden können wir weiter empfehlen!
Dann fahren wir auf die andere Fluß-Seite und schauen uns noch das „Old Bridge Backpackers“ an, ob das ein Platz für ein Abendessen wäre. Also, die Preise sind recht „harmlos“ (zwischen 50 und 120 Pula gibt es allerlei, was lecker klingt), und recht hübsch ist es dort auch – aber wir merken doch, dass dies hier ein junges Backpacker Klientel ist, und Volker und ich werden uns plötzlich unseres fortgeschrittenen Alters bewusst… 😵 Irgendwie, so ganz passen wir hier doch nicht rein…. Aber: falls wir nichts anderes finden sollten, was uns gefällt, ist das auf jeden Fall eine Lösung für unser Abendessen! Auf dem Parkplatz sehen wir den Mietwagen eines jungen deutschen Pärchens, das wir erstmals im Tiaan’s getroffen haben, und dessen Auto uns nun ständig begegnet: auf dem Spar Parkplatz, im Maun Rest Camp, hier… und später noch im Moremi. Allerdings sind sie nicht wirklich zugänglich, und es kommt bisher nirgends zu einem kleinen Gespräch. Als wir wieder auf die Hauptstraße biegen, sieht Volker ein Schild zum „Crocodile Camp“ – mit Restaurant. Da fahren wir hin in der Hoffnung, ob uns das für ein Abendessen gefallen könnte. Die Kinder maulen, warum wir uns so viele Restaurants angucken – wir könnten doch einfach in „Debonaire’s“ Pizza essen gehen. Aber Papa bestimmt eisern, dass heute MAMA aussuchen darf 🤩 , denn die kümmert sich pausenlos um das Essen und soll es jetzt einmal auf dieser Fahrt so haben dürfen, wie es IHR gefällt! Tja, und ich will heute kein Fast-Food (auch wenn ich Pizza mag), sondern einen schönen Ort, wo wir bei gemütlicher Atmosphäre sitzen und was Leckeres essen können! Leider wird das Crocodile Camp gerade renoviert und ist deshalb geschlossen - von dem was wir sehen, hätte es uns sehr gut gefallen! Schade! 🙁
Nun fahren wir wieder nach Süden, zum „Eingang“ von Maun. Auf dieser Strecke gibt es nicht viel – das meiste der Stadt scheint sich doch auf der anderen FlußSeite abzuspielen. Aber wir sehen das von den Kindern heiß ersehnte Schild „Hockey Rink“. Wir haben zwar keine Zeit, hier Hockey auf Rollerblades zu spielen, aber damit wird Maun nochmal etwas lebendiger für uns. Das muß ich Euch jetzt erklären: Als Botswana Anfang des Jahres für uns in Sicht kam, zogen die Kinder ein Buch aus dem Regal, dass sie vor einigen Jahren mal von Opa und Oma geschenkt bekamen: „The Lion Children“, von 3 Kindern geschrieben und illustriert. Vielleicht kennt der eine oder andere es von Euch – falls nicht: eine lohnenswerte Anschaffung für alle Botswana-Fans:
Der Naturforscher Richard Dawkins sagt, es wäre eines seiner Lieblingsbücher! Wir haben es dann nochmal gemeinsam gelesen – diesmal konnte ich es auf Englisch vorlesen. Vor 4 Jahren konnten sie alle noch kein Englisch, da musste ich es „simultan übersetzen“. Diesmal wurde ich hin und wieder sogar verbessert (z.B. „Mama, es heißt nicht predator. Es heißt predator!“ 😊 ). Ein kurze Zusammenfassung: Kate Nichols, Schauspielerin und Biologin, zieht kurzentschlossen 1995 mit ihren 5 Kindern nach Botswana. In Maun schlägt sie sich mit verschiedenen jobs 2 Jahre lang durch, lernt dann den Löwenforscher Peter kennen, zu dem sie alle dann etwas später in ein Buschcamp am Gomoti River ziehen. Gemeinsam forschen sie an den Löwen des Okavangodeltas – das bis dahin größte Löwenforschungsprojekt Afrikas überhaupt. Die Kinder sind neben Schulunterricht im Zelt täglich in die Löwenforschung eingebunden. Ein einzigartiges Buch – über einzigartige Menschen, in einem einzigartigen Umfeld!
Und in diesem Buch ist erwähnt, dass der soziale Treffpunkt von Kindern in Maun der „Hockey Rink“ sei! Von daher fahren wir u.a. auch durch Maun immer ein wenig mit dem Blick, das Buch damit für uns noch lebendiger werden zu lassen! „An diesen Orten lebten sie“ – und damit bekommt das Ganze ein etwas greifbareres, echteres Gesicht!
Wieder in der Innenstadt suchen wir einen ATM auf und erledigen im Spar unsere Einkäufe für die kommenden Tage in der Abgeschiedenheit. Wenn wir morgen Maun verlassen, haben wir 4 bis 5 Tage vor uns, bevor wir wieder in der „Zivilisation“ in Kasane eintreffen werden. Dann erhandele ich mit den Kindern noch einige der wunderschönen botswanischen (Wand-)Batiken an einem der vielen Stände neben der Hauptstraße.
Auch dieses werden wir wohl als Deko hinter Joels Botswana-Tisch verwenden!
Ich gerate an einen ebenso angenehmen Verkäufer, mit dem wir uns ein wenig unterhalten. Die Kinder lernen nun noch „danke“ auf Kalanga („Maisa basa“ – und wiederholen das die kommenden Tage endlos, damit sie es nicht vergessen…), und dann wollen wir noch an der Shell in der Nähe des Maun Rest Camps tanken, bevor wir dort noch einen Blick ins „Sedia Hotel“ werfen, ob uns das vielleicht für unser besonderes Abendessen gefallen könnte.
Es ist ca. 5 Uhr nachmittags, als wir an der Shell Tankstelle ankommen. Also sind wir gut in der Zeit – ein eigentlich perfekter Tag! Doch da passiert es: Der Tankwart bittet Volker, an eine andere Säule zu fahren. Beim rückwärts stoßen schreien die Kinder einen Augenblick zu spät – es kracht! Wo kam der denn jetzt her? Da steht ein kleiner Stationwagon ungünstig quer hinter uns, der einige Augenblicke zuvor noch nicht da gewesen war – und Volker hatte ihn in der blendenden Abendsonne in den Spiegeln nicht gesehen. 😣 Miste! Wenn man doch mal eben mit einem Finger-Schnippen Dinge ungeschehen machen könnte! Aber es hilft ja alles nichts – let’s face it… Auch wenn der Tankwart sich sofort auf unsere Seite stellt und sagt, dass man dort auch nicht parken könne – wer rückwärts fährt ist nun mal Schuld, Wir vermuten, das wird leider auch in Botswana so sein…
Volker steigt aus, der Fahrer des anderen Autos ist immerhin halbwegs beherrscht. Erst sagt er: „Let’s talk!“ – dann entscheidet er sich jedoch gleich anders und meint: „Let’s call the police“. In seiner hinteren Stoßstange ist in der Ecke eine ordentliche Beule – unser Rafiki hingegen zeigt nicht einen Kratzer. Tja, der ist halt doch stabil gebaut…. Nun, wir lassen uns auf die Polizei ein, da wir denken, dass es sich dann gut regeln läßt. Außerdem haben wir ja an der Grenze eine botswanische Versicherung gekauft. Meinen wir. Wir sollten jedoch von anderem belehrt werden! Der Typ vom anderen Auto versucht, die Polizei anzurufen (denken wir – oder keine Ahnung, ob er das alles absichtlich hinauszögert, oder wie es nun wirklich war…). Ewig behauptet er, er erreiche niemand. Dann sagt er irgendwann (nach einer halben Stunde), er habe seine Frau erreicht. Die würde die Polizei jetzt schicken. Wer aber kommt, ist nicht die Polizei. Sondern seine Frau, die die kleine Tochter schon mal mit nimmt. Weiterhin trifft ein anderes Fahrzeug ein, mit einer älteren Dame (die Tante?) und weiteren Menschen, die alle meinen, mitreden zu müssen. Inzwischen haben zig Menschen die Stoßstange begutachtet, und meinen jetzt auch noch, das Rücklicht wäre ebenfalls von uns beschädigt. Also, es hat einige „cracks“, aber es kann von der Höhe her unmöglich von unserem Auto getroffen worden sein. Auch die Theorie, dass Scherkräfte es so zugerichtet haben, passen Volkers und meiner Physik nach nicht wirklich. Außerdem hat das Auto auch vorne und an andren Stellen Beulen. Also….. Hm….!? Im Moment hoffen wir noch, dass die Polizei faire Klarheit reinbringen wird. Aber da haben wir uns leider getäuscht…. Ich bleibe mit einigen Kindern im Auto sitzen, während Volker und manche unserer Kinder sich draußen die Beine in den Bauch stehen. Der Uhrzeiger rückt stetig vorwärts. Es ist 6 Uhr…. Immer noch keine Polizei…. Joel verliebt sich aus Langweile in dem kleinen Souvenirs Shop an der Tankstelle in ein türkis farbenes Kikoi – aber Papa ist gerade stur und will von Kaufen nix wissen.
Es beginnt langsam zu dämmern… Wir überlegen, ob ich eben zu Fuß ins Sedia Hotel laufe (das ist ja grad um die Ecke), und mir das schon mal an gucke. Da aber kommt tatsächlich ein Polizeiwagen gefahren! Zunächst wirken die beiden (ein Mann und eine Frau) sehr angenehm. Doch schon bald stellen wir fest, dass wir hier nichts gewinnen werden, sondern der klassische Fall von „als Ausländer in Afrika Pech gehabt“ vorliegt…. Man nutzt aus, dass wir uns nicht auskennen usw. 😈 Die Polizei erklärt Volker gleich, dass die an der Grenze gekaufte „Third Party Insurance“ keine third party insurance ist. Was es ist, können sie uns aber auch nicht erklären. Na Toll! Wir wissen bis heute nicht, was es ist – vielleicht eine Road Tax. Gewundert hatten wir uns – zumal wir auch keinen Kleber für die Windschutzscheibe bekommen hatten. Volker hatte an der Grenze explizit nachgefragt, da es ihm ferner (im Vergleich zu Versicherungen in Zambia, Kenya und Tanzania) sehr billig erschien, und der Grenzbeamte hatte ihm versichert, dass dies eine Third Party Insurance wäre! Eine Schar von Leuten (vermutlich alle Verwandte des Autofahrers) redet neben der Stoßtange stehend wild durcheinander – jeder hat Gründe, warum wir auch das Rücklicht mit bezahlen müssen. Zwischendurch stehe ich auch mal mit dabei, und wir versuchen, allen gegenüber freundlich zu bleiben. Die „Tante“ nimmt Tabea freundschaftlich in den Arm und schäkert mit ihr herum – und DAS stört mich nun wirklich! (und Tabea ist es auch unangenehm). Du brauchst nicht so zu tun, wenn Du andererseits hier großes Bohei machst, damit wir noch mehr Geld löhnen! Denke ich mir, und gehe mit Tabea wieder ins Auto…
“We have the spirit of humanity!”, klingt es uns von BG noch in den Ohren. Jaja, und die Herren und Damen da vor uns lassen diesen Satz nun jedoch recht sarkastisch erscheinen…. Er gilt eben nirgends für ein gesamtes Volk! Und auch wenn wir bisher doch sehr viele angenehme „botswanische“ Begegnungen hatten (von BG über die Rezeptionistin im Planet Baobab und den beiden Händlern in Maun - die Korb-Frau und der Batik-Mann), so zeigt dieses Erlebnis hier, dass der „Spirit of Egoism“ in Botswana auch nicht kleiner ist als in sonst einem anderen Land….
Dann kommt Joel ans Auto – ich denke schon, die Sache sei geklärt, da sehe ich, dass er mit den Tränen kämpft. Auf meine Frage erklärt er mir: „Wir müssen das Auto komplett ausräumen und über Nacht auf der Polizei Station stehen lassen!“. Ich denke, ich höre nicht recht und frage mich, ob mein Sohn in der Aufregung nun Dinge durcheinander wirft? Also gehe ich nochmal zu Volker, und versuche Klarheit zu bekommen. Er sagt mir, alle beharren darauf, dass wir auch noch das Rücklicht bezahlen. Die Alternative sei, wie von Joel geschildert. Auf der Polizeistation würde dann ein Gutachten am nächsten Tag stattfinden. Wie bitte? Wir wollen morgen in den Moremi, und nicht ein unbeschädigtes und voll ausgeräumtes Auto von der Polizei begutachten lassen…? 😠 Außerdem: wo soll denn unser ganzer Krams bitteschön hin über Nacht? Neben die Zelte????
Das alles ist ein klarer Fall afrikanischer Abzocke. Wären wir wenigstens in Malawi, hätten wir einen anderen Stand. Außerdem stünden wir nicht unter Zeitdruck, und könnten uns in Ruhe mit Polizei und Gegnern rumschlagen. Aber so???? Wir haben wohl keine Chance. Volker sagt auch, dass die Polizisten inzwischen für ihn völlig daneben seien. Der Polizist habe mit einem Lachen gesagt, dass wir uns den Moremi morgen getrost abschminken könnten! 😈 😈 😈 Also einigen Volker und ich uns darauf, doch anzubieten, dass der Fahrer seinen Panel-beater ruft und uns einen Kostenvoranschlag nennt, und dann zahlen wir ihm das hier und jetzt. Keine schöne Lösung, aber sicher die für uns glimpflichste (und vermutlich die, die sie alle wollten). Eigentlich war die Rede von dem Panel Beater schon in den ersten 5 Minuten gewesen. Aber geholt hat er ihn dann doch nicht. Hier wurde wohl auch absichtlich auf Zeit gespielt, um Druck aufzubauen. Schließlich war es inzwischen 7 Uhr abends, und jeder der anderen wußte, dass wir hier nicht ewig Zeit haben…. Dann kam der Panel beater an – der sich freundschaftlich mit dem Fahrer und mit allen begrüßte (und die Polizei wollte uns dann noch klar machen, dass dies ja eine unabhängige Partei wäre….). Der behauptet nun, 1000 Pula für die Stoßstange (wir wissen, für wieviel ungefähr man das in Malawi richten lassen könnte… das wäre weitaus weniger…), „because it’s a special colour“ (jaja, erzählt uns noch mehr Märchen!) und weitere 600 für das Rücklicht. Letzteres entspannt mich, da ich hier nun eigentlich was ganz anderes erwartet hatte (wir mussten neulich ein komplettes Licht an unserem Nissan X-Trail austauschen, und dieses Ersatzteil lag in ganz anderen Dimensionen!). Volker und ich einigen uns zähneknirschend, ihm das Geld zu geben – denn die Version mit der Polizei Station würde uns alles kaputt machen – neben dem, dass ich nicht erwarte, dass wir am Ende nach dieser Prozedur irgendwie besser da stehen würden!!! Also drückt Volker dem Fahrer 1600 Pula in die Hand (wir waren ja erst am ATM gewesen, und hatten uns für die nächsten Tage für Parkeintritte usw. etwas geholt…), die Polizistin zählt das Geld ganz wichtig nach, dann sagt sie mit autoritärer Stimme: „The case is settled, you may now go home!“ – und weg sind sie alle….
Uns durchfließt eine Mischung aus Aufatmen und Zähneknirschen… 🙂 😠 Okavangodelta, wir kommen doch noch!!!! 🤩
Die Kinder waren echt klasse, wie sie das durchgehalten haben! Und auch sie sind jetzt ebenfalls wieder um eine Lebenserfahrung reicher! Und dazu gehören bekanntlich gute sowie schlechte Dinge!
Wir fahren ins Sedia Hotel und merken sofort: Hier ist es schön! Gemütliche, friedliche Atmosphäre, hübsch gedeckte Tische, aber kein Pomp (Plastikstühle), und die Preise auf der Karte sind sogar viel manierlicher als erwartet (Hauptgerichte um die 10 Euro!). Wir fahren nochmal ins Camp, ziehen uns alle für den kühler werdenden Abend um, und fahren dann, sehr viel später als geplant, noch nicht ganz entspannt aber immerhin doch wieder fröhlicher – zu einem schönen Abendessen! Und: Benni bekommt hier sogar noch seine gewünschte Hawaii-Pizza!!!! Und sie schmeckt vermutlich sogar besser als bei „Debonaire’s Pizza“!
Es dröhnt keine aufdringliche Musik, und nach viel Hin und Her hat dann auch jeder etwas nach seinem Geschmack bestellt. Es ist etwas afrikanisch geworden mit der Bestellung, aber wir nehmen’s mit Humor: Hannes' Steak wurde eine längere Prozedur: „We no longer have filet.“. Na, dann eben Lamb Chops! Auch die gibt es nicht. Vielleicht was anderes? Und vielleicht gleich noch eine Alternative dazu, falls es das dann auch nicht gibt? Am Ende bekommt er Pork Chops, und die schmecken auch! Bei Tabea geht das ähnlich mit dem Getränk: Eine Fanta haben wir leider nicht mehr. Na, dann eben auch eine Sprite? Ach, die sind jetzt alle ausgegangen (nachdem 3 Brüder eine bestellt haben). Hm, dann vielleicht einen Apfelsaft? Ach nein, den haben wir gerade auch nicht. Am Ende wird’s ein Orangensaft, und Tabea ist zufrieden! 🙂
Anfangs drückt der Blechschaden noch etwas aufs Gemüt, und Volker sagt, ihn fuchsen weniger die 160 Euro, als das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein. Das kann ich verstehen… Man hat bei sowas auf diesem Kontinent oft kaum eine Chance…. Doch dann genießen wir wirklich endlich ein besonderes Abendessen, und sind alle fröhlich!!!
Wir schauen uns das Gelände noch an, und entdecken eine riesige, schöne Wiese am Thamalakane, die als Campingplatz dient – wir haben uns nicht nach Preisen erkundigt, aber vermutlich ist das Sedia also auch zum Campen ein guter Tip!
Sehr spät aber fröhlich und mit viel Vorfreude auf den Moremi kriechen wir nachher in unsere Zelte! 🙂 😉 😏 😄 🤪 😁
Hallo, Antje, beim Lesen des letzten Beitrages mußte ich doch mehrmals schlucken - einmal vor Begeisterung darüber, wie lebhaft und bildhaft Du schreibst, aber doch öfter vor Bestürzung über den teuer bezahlten Blechschaden...... Viele Grüße Friederike