THEMA: SA - KTP - NAM 2017 - Die große Runde
17 Mär 2020 15:56 #583103
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  • fidel am 17 Mär 2020 15:56
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Liebe FoMis,

da in diesen schwierigen Zeiten Unterhaltung und Ablenkung für manch einen nicht unwichtig werden und viele von uns (hoffentlich nur) dieses Jahr auf Reisen nach Afrika verzichten müssen, halte ich es für eine gute Gelegenheit, lange gehegte Reiseberichtserstellungspläne nunmehr mit Leben zu erfüllen. Da ich mich im Rahmen meiner Promotion auch mit der Frage beschäftigt habe, wieso Menschen bereitwillig eigenes Wissen, Erfahrungen etc. kostenlos und „einfach so“ für die Welt ins Internet posaunen, weiß ich, dass ich mit dem Erstellen eines Reiseberichts nicht primär fremde, sondern eigene Bedürfnisse befriedige. Zudem bietet die Erstellung eines Reiseberichts ja auch immer für den Schreiber selbst die Möglichkeit, eigene Erfahrungen nochmal zu durchleben, das Erlebte weiter zu erzählen und die mit zu viel Ausrüstung, Schweiß und Entbehrungen erkämpften Bilder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen - „nur“ auf Festplatte und Fotobuch ist vielleicht manchmal zu schade. Zudem meine ich mich zu erinnern, mehr als einmal einen Reisebericht versprochen zu haben..

Die Entscheidung, einen Reisebericht einzustellen wurde stets verkompliziert durch das Luxusproblem, von welcher Reise man denn einen Bericht erstellen sollte oder in welcher Reihenfolge. Wir schätzen uns glücklich, dass wir seit 2016 insgesamt fünf Reisen ins Sub-Sahara-Afrika unternehmen konnten (Nr. 6 fiel nunmehr Corona zum Opfer), jeweils mit unterschiedlichen Ecken und Schwerpunkten. Dies macht es nicht einfach, mit einem Bericht anzufangen – fängt man mit dem spektakulärsten an, mit dem ersten oder letzten? Was interessiert mehr? Will jemand den fünften Bericht zum KTP überhaupt noch lesen?

Ich habe mich schließlich dazu entschlossen, hier nahezu chronologisch vorzugehen und zunächst einen Bericht unserer zweiten Reise im Herbst 2017 vorzustellen, da diese auch im Rückblick auf weitere Reisen als besonders gelungen in Erinnerung geblieben ist und man nun mal irgendwo anfangen muss. Auch wenn dieser somit nicht mehr ganz taufrisch ist, denke ich dass er hoffentlich gute Unterhaltung und vielleicht die ein oder andere für jemand anderes nützliche Information beinhalten wird. Welche potentiellen Reiseberichte noch kommen könnten, mag ich lieber nicht Spoilern, auch um mir selbst nicht zu viel Druck zu machen.. ich weiß ja noch nicht mal, ob ich es schaffe, einen Bericht zu Ende zu schreiben. Ich verspreche aber, mir größte Mühe zu geben.

Da dies mein erster eigener Reisebericht werden wird, bitte ich um Nachsicht bzgl. etwaiger Anfängerfehler und hoffe, dass diese im Laufe der Zeit ausgebügelt werden können.

Nach so viel Vorrede nun zur Sache – 24 Tage Südafrika, Botswana und Namibia.

Der Reisebericht ist "gesonnt" - wer also nur den Bericht ohne Kommentare lese möchte, klicke auf die Sonne rechts oben.

Da ich im Frühjahr 2017 einen neuen Job mit anfänglicher Urlaubssperre begonnen hatte und wir im Herbst 2016 eine wunderbare Tour quer durch Namibia und in den Caprivi als Ersttäter absolviert hatten, wurde klar, dass wir gegen Ende 2017 dringend einen längeren Urlaub benötigen würden. Glücklicherweise waren unsere Arbeitgeber (und Vertreter) bereit, uns für 3,5 Wochen gehen zu lassen, so dass wir volle 24 Tage vor Ort zur Verfügung hatten – für jeden von uns der bis dahin längste Urlaub am Stück.

Aufgrund der vielen Berichte über den KTP wurde dieser zunächst als wesentliches Element der Route auserkoren. Da es sogar noch ein paar Verfügbarkeiten gab, war die Entscheidung, wohin es gehen sollte, nahezu gefallen. Auch hatten uns die Game Drives im Jahr zuvor in Etosha so gut gefallen, dass klar war, dass der Besuch von Nationalparks der Schwerpunkt werden müsste. Es blieb die Frage, was man mit KTP kombinieren könnte und ob man besser von Windhoek oder aus Johannesburg aus eine passende Route zimmern könnte. Irgendwann fiel die Entscheidung, dass wir von und nach Johannesburg fliegen würden und noch einige Ziele in Südafrika mit einbauen wollen. Da uns auf unserer Ersttätertour im Jahr zuvor jedoch der gesamte südliche Teil Namibias mit Ausnahme des Sossusvleis entgangen war, war der Wunsch, diesen Teil ebenfalls noch miteinzubauen, sehr groß. Herausgekommen ist am Ende eine Route mit einer nicht unerheblichen Gesamtkilometerzahl, die jedoch hauptsächlich auf einige recht lange Fahrtage sowie exzessive Game Drives entfielen. Im Ergebnis – so viel sei vorweg genommen – war die Route trotz der Fahrtage (jedenfalls in der Retrospektive) ziemlich perfekt.

Heraus kam nach diversen Umbuchungen in der KTP-Buchungslotterie am Ende folgende Route:

19.10. Flug MUC – JNB mit SAA
20.10. Thabazimbi - Marula Cottage
21.10. Marakele NP Bontle Campsite
22.10. Marakele NP Bontle Campsite
23.10. Pilanesberg Bakgatla Resort
24.10. Pilanesberg Bakgatla Resort
25.10. Kuruman – Red Sands Country Lodge
26.10. KTP – Rooiputs
27.10. KTP – Rooiputs
28.10. KTP – Urikaruus
29.10. KTP – Kieliekrankie
30.10. KTP – Nossob
31.10. KTP – Nossob
01.11. KTP – Kalahari Tented Camp
02.11. KTP – Kalahari Tented Camp
03.11. Mesosaurus Fossil Camp
04.11. Koiimasis
05.11. Namtib Little Hunters Rest
06.11. Fish River – Hobas Camp
07.11. Augrabies Falls NP
08.11. Augrabies Falls NP
09.11. Mokala NP – Motswedi Campsite
10.11. Mokala NP – Motswedi Campsite
11.11. Mokala NP - Lilydale Chalet
12.11. Rückflug JNB – MUC mit SAA
13.11. Ankunft MUC




Insgesamt fuhren wir laut unserem unbestechlichen (und vortrefflichen) Navi 5.833km.

Als Fahrzeug diente uns ein Hilux Bushcamper von Bushlore (gebucht über Kwenda), der uns nach anfänglichen Schwierigkeiten ohne Probleme durch die gesamte Zeit begleitete. Der professionelle Service und die besonders gute Campingausstattung im Vergleich zur Konkurenz erkennt man immer nur dann, wenn man andere Anbieter im Vergleich hat. Allein das Vorhandensein eines Schubladensystems und Küchenfachs stellten für uns schon einen nie geahnten Luxus dar, den ich nie mehr missen wollen würde. Auch die Campingstühle sind bisher unerreicht.

Nach so viel Text ist es an der Zeit, einen kleinen visuellen Vorgeschmack zu geben auf das was noch kommen wird.

















Viele Grüße
fidel
Letzte Änderung: 03 Apr 2020 12:51 von fidel.
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17 Mär 2020 16:09 #583104
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  • Stubsi am 17 Mär 2020 16:09
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Hallo Fidel,

auch „nostalgische“ Reiseberichte sind gerade Balsam für die Seele. Super, dass Du den wortwörtlichen Anfang gemacht hast.

Liebe Grüße
Stubsi
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17 Mär 2020 16:15 #583106
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  • Kaeptn Haddock am 17 Mär 2020 16:15
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Hallo Fidel !

Da hast Du ja ein ganzes Bündel an guten Gründen für Deinen Reisebericht.

Ich will Dir da gerne als interessierter Mitleser helfen.

Freue mich schon auf viele weitere tolle Bilder und Erlebnisse, die Ihr bestimmt hattet.

Die liegende Giraffe finde ich spannend, bei unserer Reisen hatten wir das noch nie Live, das Ausstehen
würde ich gerne mal sehen.

Grüße, Burkhard
Letzte Änderung: 17 Mär 2020 16:17 von Kaeptn Haddock. Begründung: Ergänzung
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17 Mär 2020 17:06 #583115
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Tag 1 – 20.10.2017 Thabazimbi Marula Cottages

Nach unendlich langer Wartezeit mit insgesamt über 10 Monaten ohne einen einzigen Urlaubstag und umfangreicher Vorbereitung in Sachen Planung, dem Erwerb immer neuer unersetzlicher Ausrüstungsgegenstände und viel Vorfreude brachte uns SAA unspektakulär und bequem nach Johannesburg. Eine Schande, dass es diese Strecke nicht mehr gibt. Den Flughafen kannten wir von unserer Reise im Vorjahr, anders als damals ging es nun jedoch nicht in den Transit, sondern Richtung Immigration. Dort ging aller Horrormeldungen zum Trotz alles recht zügig voran, so dass wir kurz darauf im Eingangsbereich verzweifelt nach unserem Abholer von Bushlore suchen konnten – was nach mehrfacher Umrundung aller wartenden Abholer schließlich gelang.

Bereits auf dem Weg zur Bushlore-Zentrale fiel uns der extreme Kontrast zwischen Namibia und Südafrika auf. Wir kannten mit Ausnahme der nordafrikanischen Staaten in Afrika bisher nur Namibia mit seinem doch überschaubaren Verkehr und zur Auswahl stehenden Straßen. Hier war nunmehr keinerlei Unterschied zu jeder x-beliebigen Großstadt weltweit zu erkennen. Es ging über Autobahnkreuze und mehrspurige Straßen. All dies schreckte uns zunächst auch von einer Reise nach Südafrika ab – die Sorge, alles sei zu europäisch, wie zuhause, mit geteerten Straßen und ohne jeglichen Funken „Abenteuer“. Wie sich herausstellen sollte, waren unsere Sorgen sämtlich unbegründet und wir haben Südafrika und seine Reize und Vorteile inzwischen sehr schätzen gelernt.

Bei Bushlore angekommen erhielten wir nach umfangreicher Einweisung unseren gebuchten Hilux (hierzu habe ich im Eingangspost bereits einiges geschrieben). Er war nicht mehr der jüngste, aber offenbar gut gewartet. Interessant waren ein paar größere Dellen vorne am Anfang des Daches bzw. am Übergang dazu – die Geschichte ihrer Entstehung wurde uns leider nicht präsentiert. Sie sorgten jedoch immer wieder für interessierte Blicke.

Nach Übergabe ging es zunächst in den nächst gelegenen Supermarkt um eine Basisgrundausstattung an Snacks und Getränken zu erwerben, um den heutigen Tag zu überstehen. Anschließend machten wir uns über Brits und die R511 auf den Weg von Midrand nach Thabazimbi am Rande des Marakele Nationalparks. Überall war es für unsere Augen im Vergleich zu Namibia erstaunlich grün – was sowohl am späteren Reisezeitraum als auch den grundsätzlich höheren Niederschlagsmengen in der Gegend lag – jedoch eine sehr nette Abwechslung darstellte. Ob diese Route oder die Strecke über die N1 und Bela Bela schneller ist, blieb im Vorfeld offen – die Strecke über Brits ist jedoch landschaftlich interessanter und weniger eintönig – durchaus ein Vorteil nach einem Nachtflug.

A propos Nachtflug: 2016 waren wir nach einem Nachtflug um 11:45 Uhr in Windhoek gelandet und mussten nach Wagenübernahme und Großeinkauf noch bis zum Lake Oanob fahren – das fanden wir mit ungewohntem Wagen, Hitze etc. derart ermüdend, dass wir vor hatten, davon künftig Abstand zu nehmen. Da wir nun jedoch bereits morgens gelandet waren, keinen Einkauf tätigen mussten und abends in ein festes Bett fallen konnten, erschien uns die Fahrtstrecke nach Thabazimbi machbar – was sie rückblickend auch war.

Die Unterkunft liegt etwas außerhalb der Stadt auf dem Weg in Richtung des Nationalparks und ist über einen leicht sandigen Zufahrtsweg zwischen lauter Zäunen hindurch erreichbar.

Dort gegen 15:00 Uhr angekommen, wurden wir schließlich von ein paar Hunden und der (deutschsprachigen) Gastgeberin Monika freundlichst begrüßt und in unser Zimmer geführt. Schön eingerichtet und gemütlich mit Terrasse und leicht diesigem Blick übers Tal.







Anschließend machten wir uns ans Umpacken unserer Taschen und machten es uns mit Fernglas und Kamera auf vor dem Zimmer gemütlich um die Vielzahl der vorbeikommenden Vögel zu beobachten. Sehr gefreut haben wir uns über ein Pärchen von Paradise Flycatchern, die leider nicht willig waren, für ein Bild still zu halten. Wir hatten nun erstmals eine Vogel-App installiert und den Willen, jeden Vogel, der uns begegnet, auch zu bestimmen und in der App zu markieren, ohne dabei zu exzessiv zu werden wie manch andere :-)

Sollte ein Vogel falsch benannt sein - bitte nicht vor alternativen Vorschlägen zurückschrecken!


Red-Headed Weaver / Rotkopfweber


Southern Masked Weaver / Maskenweber

Insgesamt lohnte sich der Aufwand jedoch sehr – wir kamen am Ende des Urlaubs auf eine für uns vorher nicht vorstellbare Zahl von 84 verschiedenen Vögeln (erfahrene Birder dürfen an dieser Stelle schmunzeln – auch unsere Liste ist zwischenzeitlich glücklicherweise gut gewachsen). Unsere Säugetier-App bescherte uns 46 verschiedene Säugetiere – eine Zahl die auch in künftigen Urlauben nicht mehr erreicht wurde.




Kennt jemand zufällig den Namen dieser interessanten Pflanze?

Abends gab es, gemeinsam mit einer deutschen Familie die hier letzte Nacht ihres Urlaubs verbrachte, sehr leckere Nudeln sowie das erste Bier des Urlaubs.

Die nächsten Tage wird das Verhältnis von Text zu Bildern besser, versprochen.
Letzte Änderung: 17 Mär 2020 17:07 von fidel.
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17 Mär 2020 17:10 #583117
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Liebe Stubsi, lieber Burkhard,

vielen Dank für Euer Interesse - ich hoffe die Erwartungen erfüllen zu können :P

Die Giraffe hat sich - meiner Erinnerung nach - während unserer Anwesenheit nicht zum Aufstehen bequemt (oder anders gesprochen, wir haben sie glücklicherweise nicht aufgescheucht).

Viele Grüße,
fidel
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17 Mär 2020 18:06 #583126
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Schöne Idee :) Da bin ich dabei - und schreib auch selbst gleich weiter.

Liebe Grüße,
Bettina

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