Rage, rage against the dying of the light!

18 Antworten · 3’090 Aufrufe · gestartet 15. Mai 2021 von busko
Bilder klein
Antworten
Themenstarter808 Beiträge · seit 201815. Mai 2021 ·
Guten Tag zusammen!

Ich möchte diejenigen die mir folgen möchten mal auf eine kleine Reise mit nehmen, wobei für mich der Weg an sich hilft Gedanken zu sortieren und zu verarbeiten die vielleicht, auch bei den einen oder anderen „Mitreisenden“, eine Resonanz auslösen könnte.

Wo soll ich beginnen?

Ich beginne mal mit der römischen Arena ca. im Jahre 50 nach Beginn unserer Zeitrechnung:
Das Publikum sitzt angespannt in den Rängen, unterhält sich aufgeregt, isst Popcorn und Erdnüsse (Bestimmt nicht!....dafür aber, was auch immer es damals in den Arenen gegeben haben mag?) und wartet gespannt auf die „Show“! Der „Showmaster“ tritt in die Arena, verbeugt sich vor Cäsar; es wird still, totenstill, während der Ankündigung des Programms;
Highlight des Abends ist der Kampf zwischen asiatischem Löwen und anatolischem Braunbär gefolgt durch den zwischen nubischem Sklaven und dem Gewinner der vorigen Runde.
In vielen fällen geht das so aus, dass der Löwe, nach langem, blutigem Kampf den Bären tötet und anschließend den Sklaven; das Publikum kreischt vor Begeisterung, die Menschen gehen alle zufrieden und erfüllt nach Hause.

Alle? Nein, nicht alle!
Schon damals muss es Menschen gegeben haben die solche Spektakel gemieden haben oder, wenn sie dann doch mal aus welchem Grund auch immer, und sei es bloß dem bis Heute noch sehr starken „peer pressure“, eine solche Veranstaltung beigewohnt haben, diese angeekelt, enttäuscht (hauptsächlich mit sich selbst, wie ich denke!) und zutiefst betrübt verlassen haben!
Es ist vielleicht die bewusste Realisation, der nach innen gerichtete Einblick in den ewigen Kampf zwischen den dunklen Untiefen der „Heironymus Bosch`schen“ Unterwelt auf der einen und der hellen „Menschlichkeit“ auf der anderen Seite die diese Gefühle auslösen kann!?.....und vor allem das Bewusstsein (wieder mal) auf die "dunkle Seite" gerutscht zu sein!

Ganz ähnlich ist es Heute, wenn ein Rudel Raubkatzen in Afrika ein Ur-Rind angreift und dieses über (gefühlt) Stunden qualvoll tötet!

Natürlich? Absolut, aber die Natur ist, wie fast jeder gemerkt haben wird, oft grausam!

Und an dieser Stelle setzt der innere Kampf ein: Auf der einen Seite, der Voyeurismus (nicht im negativsten Sinne des Wortes!), auf der anderen das vielleicht einzige was Homo Sapiens von anderen Spezies trennt; die „Menschlichkeit“!

Bei mir persönlich gewinnt (fast) immer die letztere Kraft: Ich möchte ein solches Spektakel (obwohl ich natürlich auch die viszerale Anziehung spüre) so wenig sehen wie ich schreckliche Szenen nach Unfällen auf der A2 sehen möchte, denn das Mitgefühl für das arme Opfer obsiegt bei mir (fast) immer.

Natürlich? Absolut! Man weiß, dass diese Vorgänge dauernd stattfinden, muss sie aber (und das ist für mich das entscheidende) nicht unbedingt sehen wollen!

Es ist vielleicht der Respekt vor der unendlichen Kluft zwischen Leben und Tod, vor der alles andere in die Nichtigkeit jenseits von Raum und Zeit verblasst!

Wenn ich dann doch mal so eine Szene mit bekomme, wundert mich fast immer eines: Die anscheinend annähernde Kampflosigkeit mit denen die Opfer ihr Schicksal hinzunehmen scheinen!
Dazu fallen mir immer wieder die sehr passenden (wenn auch nicht in diesem Kontext gedichteten), wunderbaren Zeilen des wallisischen Dichters Dylan Thomas (1914-1953) ein:

Do not go gentle into that good night
Old age should burn and rave at close of day
Rage, rage against the dying of the light


Liebe (nachdenkliche) Grüße,
busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
zuletzt bearbeitet 15. Mai 2021
761 Beiträge · seit 201015. Mai 2021 ·
Klingt spannend!
So nach Art der 'Hunger Games'? 😉
Tribute von Panem ? Daran musste ich jedenfalls sofort denken.

Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
7’316 Beiträge · seit 200615. Mai 2021 ·
busko schrieb:
Ich beginne mal mit der römischen Arena ca. im Jahre 50 nach Beginn unserer Zeitrechnung:
Das Publikum sitzt angespannt in den Rängen, unterhält sich aufgeregt, isst Popcorn und Erdnüsse (Bestimmt nicht!....dafür aber, was auch immer es damals in den Arenen gegeben haben mag?)

Es gab damals Otternasen, Finkenlebern und Ozelotohrläppchen.

Das weiß doch jeder, der "Life of Brian" gesehen hat.

Deine Beiträge haben immer einen sehr genialen philosophischen Einschlag. Diesmal war ich ein bisschen enttäuscht ob der Unkenntnis der damaligen Snacks. 😉

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
4’984 Beiträge · seit 201615. Mai 2021 ·
Hi alle,

nun, da schließe ich mich mit der Studie jener unterschiedlicher Reaktionen,
welche die "Vorfälle" in unserem Goldfischteich (neusprachlich: Biotop) hervorrufen, an.
Zu den Bewohnern zählen neben den Goldfischen (eh klar), auch Frösche und Ringelnattern.
Letztere fressen am liebsten Frösche, und am zweitliebsten Goldfische.
Durch jahrelang geschultes Gehör, können wir nun bereits am Quaken erkennen, ob es wieder einmal soweit ist,
und ein Frosch bereits im Maul einer Ringelnatter gefangen ist.
Da ich nicht nur in Afrika gerne fotografiere, renne ich bei diesem ganz bestimmten "Quak", mit Kamera los zum Goldfischteich.
Letzten Sommer habe ich so eine Fotoserie,mit dem reißerischen Namen, auf Leben und Tod, zusammengestellt,
und an die Verwandtschaft verschickt.
Nun zu den Reaktionen:
Meine Mutter: Wie kannst du dir so etwas nur anschauen? Pfui, na mir brauchst sowas nicht mehr schicken!
Meine Tochter: Na hättest du den Frosch nicht retten können; du bist ja sonst so tierlieb?! Der Arme! Aber coole Bilder!
Mein Sohn: Wahnsinn! Und wie lange hat das gedauert? Und war der Frosch dann tot? Siehst du, drum mag ich kein Haus mit Garten.

Persönlich sehe ich das so: Frösche gabs hier in den Donauauen schon bevor es uns hier gegeben hat, Ringelnattern auch.
Also darf die Schlange die Frösche fressen. Wenn aber Nachbars Hauskatze an unseren Teich kommt um Fische zu angeln,
da seh ich rot! 😈


DSCN1392.JPG


Gruß Gina
1’545 Beiträge · seit 201316. Mai 2021 ·
Hallo Uli,

wo du schon den wunderbaren Dylan Thomas zitierst........
das sind so positive, so Lebens bejahende Verse, ganz, ganz wunderbar geschrieben: solange noch ein Fünkchen Leben in uns ist, auch wenn wir alt, krank oder schutzlos und am Boden liegend sind, können wir kämpfen, lohnt es sich zu kämpfen.
Den Kampf selbst hab ich schon oft sehen müssen, sehen "dürfen" (ja, Uli, richtig gelesen: ich betrachte es manchmal sogar als "Privileg", so komisch das auch klingen mag), das ist ganz normal in einem gewissen Alter. Sterben ist "untrennbar" mit dem Leben verbunden. Es gehört dazu, und eigentlich sollte man nicht wegschauen. Am Ende ist der Tod immer "Erlösung", der Körper entspannt sich, alles ist friedlich. Ein tröstlicher Gedanke!
Bei mir persönlich gewinnt (fast) immer die letztere Kraft: Ich möchte ein solches Spektakel (obwohl ich natürlich auch die viszerale Anziehung spüre) so wenig sehen wie ich schreckliche Szenen nach Unfällen auf der A2 sehen möchte, denn das Mitgefühl für das arme Opfer obsiegt bei mir (fast) immer.
Das möchte ich auch nicht unbedingt sehen, schrecklich ist das, wenn jemand im Straßengraben liegt, stark verwundet ist oder gar stirbt oder ein Tier in der Massai Mara von einem Rudel Löwen attackiert wird, aber beim Menschen würde ich schauen ob ich erste Hilfe leisten kann, denn darin bin ich relativ geübt, beim bedauernswerten Tier würde ich mir wahrscheinlich am liebsten die Ohren zuhalten wollen (ich könnte ja auch nicht helfen, das würde mir nicht gut bekommen 😐 ) jedoch vermutlich auch meine Kamera heiß glühen lassen.
Ich weiß, Uli, beides passt nicht wirklich zusammen.

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
zuletzt bearbeitet 16. Mai 2021
Themenstarter808 Beiträge · seit 201816. Mai 2021 ·
Hallo zusammen!

Ich sehe (und es freut mich) das dieses Thema auch andere umtreibt!

@BikeAfrika:
Lieber Wolfgang, ja, "always look on the bright side of life".....schon oft gesehen und gehört, aber nie so detailliert, dass ich hätte sagen können welche "Snacks" es bei den alten Römern gegeben hat.....Respekt!

@Old Women:
Liebe Beate, ja, das sind wahrhaftig zeitlose Zeilen; minimalistisch, präzise und messerscharf! Danke für deine Gedanken dazu, die ich alle gut nachvollziehen kann.

@GinaChris:
Liebe Gina, du hast natürlich Recht.....Die Beförderung von Lebewesen vom Leben in den Tod zwecks Verzehr und somit Aufnahme der darin beinhalteten Energie ist ein absolut natürlicher Prozess, aber.....

@Alle:
Es geht mir nicht darum, ob es gut oder schlecht ist Tiere zu töten um sie anschliessend zu verspeisen.
Alle Tiere verzehren Lebewesen! Wir (Tiere) können nun mal nicht photosynthesieren! Das können nur die Pflanzen, die wirklich aus toten (anorganischen) Stoffen wie CO2, Wasser, Nitrate, Phosphate, Kalium und andere Mineralien unter Nutzung der Sonnenenergie, durch Photosynthese sich ernähren, wachsen und fortpflanzen können.
Alle Tiere hingegen töten Lebewesen um sich letztendlich der von den Pflanzen hergestellten Energie einzuverleiben.
Manche (die Herbivore) direkt, andere (Carnivore) indirekt über andere Tiere! Wenn man es genau nimmt ist dies nur ein Gradunterschied.....alle Tiere "töten" Lebewesen!

Nein, mir geht es vielmehr um den kognitiven Prozess der darauf, auf letztere Erkenntnis, aufbaut; der dort ansetzt.

Nochmal: "Man muss das nicht alles sehen wollen, nur weil es absolut natürlich ist!"

Wir sind Menschen, denken, fühlen und, ganz, ganz wichtig, wir können uns dadurch auch gegen unsere Urinstinkte entscheiden, wenn wir denn wollen!

Liebe Grüsse,
busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
zuletzt bearbeitet 17. Mai 2021
2’400 Beiträge · seit 201116. Mai 2021 ·
Hallo busko,
ich sehe, dass Dich das Thema wirklich beschäftigt, verstehe aber nicht so recht wieso.
In Deinem Eingangsbeitrag vermischt Du so einiges, was man redlicherweise nicht vermengen sollte:
- Die Tiere (und Menschen) in der römischen Arena waren nicht freiwillig dort, sondern zum Zwecke der "Unterhaltung" des Publikums dorthin verbracht worden. Das ist schlicht und einfach Tierquälerei (bzw. Mord).
- Die Gaffer an der A1 verletzen die Menschenwürde der Unfallopfer (und behindern tw. die Rettungsarbeiten). Ich bin nicht der Meinung, dass durch das Beobachten oder Filmen eines Büffelkills durch Löwen die Würde eines der Beteiligten verletzt wird.
Durch diese Gleichsetzung versuchst Du, das Beobachten und Filmen in ein moralisch fragwürdiges Licht zu rücken. Das ist mir etwas sauer aufgestoßen.
Es ist Dir natürlich unbenommen, für Dich selbst solche Berichte zu meiden - denn natürlich ist der Vorgang grausam und berührt wohl jeden, der so etwas einmal erleben konnte.
LG aus Puerto de la Cruz,
Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
568 Beiträge · seit 201417. Mai 2021 ·
Hi busko, KarstenB und Alle,
erstaunlich, wie verschieden die Gedanken sein können, die ein reflektierender Beitrag auslöst!
Womit das Wichtigste schon mal erreicht ist: Menschen denken selbst. Schön, dass es das noch gibt!

Auf Karstens Idee, busko argumentiere "unredlich" und er müsse sich "solche Berichte nicht anschauen" wäre ich z.B. nie gekommen. Meiner Auffassung nach ging es ihm um viel elementarere Betrachtungen über die Funktionen unseres Gehirns und was es mit uns anstellt! Er spricht da ja viele Dinge an, z.B. die graduellen Unterschiede zwischen "Lebewesen", wie wir sie einteilen. Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikrorganismen...alles was wir als "organisch" definieren.
Wir alle befinden uns sozusagen irgendwo zwischen Kannibalen und Frutariern. Je nachdem, wo wir stehen empfinden wir die Tötung anderer Lebewesen als mehr oder weniger statthaft. Die meisten von uns halten das "Schlachten" eines Salatkopfs für unproblematisch. Der Frutarier z.B. nicht...

Interessanterweise sind viele Tiere "Frutarier", denn sie knabbern nur nachwachsende Teile. Was sie nicht unbedingt davon abhält, ihre Artgenossen zu töten, wenn das Testosteron mit ihnen durchgeht. Alles nicht so einfach in Gut und Böse zu scheiden...

Wie kommen wir also zu unseren Urteilen? Warum kommen sie uns manchmal (wie ich busko vertehe) selbst merkwürdig unausgegoren vor? In meinen Augen gibt es da keine Wahrheit, kein Gut oder Böse, nur unterschidliche kulturelle Prägungen.
Die sind beim Löwen anders als beim Borkenkäfer, bei der Biene anders als beim Elefanten und beim homo sapiens selbst innerhalb der Gattung höchst verschieden...

Danke, busko, für die geistige Anregung!
Grüßle an alle
Randfontein
Gast17. Mai 2021 ·
gelöscht wegen Themenverfehlung
zuletzt bearbeitet 18. Mai 2021
7’316 Beiträge · seit 200617. Mai 2021 ·
loser schrieb:
Am Beispiel der Empathie für Tiere:
Die gab es nie und gibt es erst seit kurzem ansatzweise in ein paar „Hochkulturen“ und das auch nur punktuell. „Naturvölker“, also die, die mit der Natur leben, kennen dieses Konzept nicht, der „edle Wilde“ ist (diesbezüglich) ein Ethnokitsch. Die Basarwa im Moremi haben den bei Treibjagden erbeuteten „Überschusstieren“, die sie nicht gleich verzehren konnten, die Läufe gebrochen, um so ein paar Tage länger „Frischfleisch“ zu haben.

Selbst Tiere gehen bisweilen ähnlich vor:
https://www.mainpost.de/regional/main-spessart/fuchs-vergraebt-ente-bei-lebendigem-leib-art-5509967
Und bei Spinnen ist es eigentlich auch üblich. Da bleibt das Beutetier durch den Biss gelähmt oder im Netz eingewickelt, bis es benötigt wird.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter808 Beiträge · seit 201817. Mai 2021 ·
Hallo zusammen!

@Randfontein, Loser, BikeAfrika & Old Women:
Danke für eure guten, weiterführenden Diskussionen/Beiträge!
Ich sehe daran, dass ihr verstanden habt worum es mir hier geht.
Ich schrieb ja eingehend, dass es sich um eine Reise handelt, wobei der Weg, also die Beschäftigung damit und Fassung in (halbwegs) verständlicher, schriftlicher Form helfen würde um die Gedanken etwas besser zu ordnen. Nun, die "Reise" geht weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.....

Ich ahne allerdings zwei Dinge:
1. Die Antwort liegt "jenseits von Gut und Böse",
2. Könnte es sein, dass unser Mitgefühl/(Menschlichkeit) schlicht und ergreifend aufkommt "weil wir es uns leisten können"!?..... ähnlich wie auch Umweltbewusstsein nur aufzukommen scheint in Gesellschaften die nicht existenzielle probleme haben!
(Letzteres (2.) wäre für mich persönlich sehr enttäuschend, denn ich habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass wir vielleicht doch auf den Weg in eine humanitäre, "menschliche" Zukunft sind!)

Liebe Grüsse,
busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
389 Beiträge · seit 202118. Mai 2021 ·
Lieber busko, auffällig ist, dass Dein Beitrag entstanden ist im zeitlichen Zusammenhang mit der Löwen-Büffeljagd im Reisebericht von Bebbl zur Masai Mara. In diesem aktuellen Reisebericht wird über knapp 80 Fotos das Erlegen des Büffels detailliert bebildert. Vielleicht erklärst Du Dich mal, ob dieser Bericht der Anlass für deinen Beitrag war.

Ich ziehe jedenfalls jetzt mal diese Querverbindung und gestehe, dass dieser Reisebericht und die Fotos mich faszinieren. Das Erleben eines Kills in Action (hab ich allerdings noch nicht erlebt) von großen Säugetieren ist etwas, was wir hier in unserem zivilisierten Europa in freier Wildbahn idR kaum mehr erleben können. Evtl sehen wir zufällig, wie sich ein Bussard auf der heimischen Ackerwiese auf eine Maus stürzt, das wäre hier noch beobachtbar. Ansonsten ist Fressen und Gefressen werden für uns kaum noch erlebbar, auch wenn wir Menschen selbst die grausamsten Carnivore sind. Einen Bolzenschuss, den der Schlachter einem Rind verpasst, habe ich auch noch nie miterlebt. Nichts desto Trotz ist Fressen und Gefressen werden ein immanenter Teil des natürlichen Kreislaufs, und der Natur wegen fahre ich gerne nach Afrika. Daher kann ich Deinen philosophischen und lyrischen Gedanken dazu nicht wirklich folgen.

Der Vergleich mit den Gaffern an einer Unfallstelle - puh, muss ich überlegen. Das Negative an den Gaffern ist ja, dass sie 1. nicht helfen, 2. den Rettungskräften den Weg versperren. Das Begaffen eines Kills in Action ist davon verschieden: 1. ein Helfen (wem - dem Büffel oder den Löwen?) wäre ein nicht hilfreicher Eingriff in die Natur, 2. das Safari-Auto steht idR dem Kampf nicht im Weg. Bleibt evtl. 3. das Erlaben bzw. das Gruseln an der Szenerie, das möglicherweise vergleichbar sein könnte, oder 4. die Neugier daran. Zumindest die Neugier scheint in der menschlichen (und auch tierischen) Natur zu liegen, so zumindest sagt dies ein Lehrbuch zu den Grundlagen der Psychologie, das ich gerade lese. In diesem Lehrbuch gab es tatsächlich als Bebilderung zu dem Thema Neugier eine Gruppe Gaffer bei einem Hafen-Schíffsunglück. Da Neugier ein natürlicher Trieb ist, sollten wir dazu stehen und sie nicht beschämt verleugnen. Dieser Trieb ist allerdings an einer menschlichen Unfallstelle zu unterdrücken, wegen oben beschriebener 1. und 2, jedenfalls wenn man nicht plant den Verunfallten zu helfen. Ich jedenfalls schaue nicht hin, wenn ich an einer bereits polizeilich gesicherten Unfallstelle vorbei fahre, das würden meine Nerven nicht aushalten.

Dies ist mein Beitrag zur Diskussion. Bei Bedarf gerne mehr.
zuletzt bearbeitet 18. Mai 2021
Gast18. Mai 2021 ·
....... gelöscht, wegen Themenverfehlung..... stehen bleibt folgend

Die Frage, ob und warum saturierte Europäer einen Kick beim Betrachten eines „kills“ in der afrikanischen Steppe kriegen ist mE dabei ein ziemlich nebensächliches Luxusproblem einer Miniminiminderheit. Wenn man sich durch sowas „geerdet“ fühlt, sollte man über ganz Anderes in seiner persönlichen Entwicklung reflektieren.

Aber, wie schon oben gesagt, löst das von dir angestoßene Thema ganz unterschiedliche Gedankengänge und Resonanzen aus.
Grüße
zuletzt bearbeitet 18. Mai 2021
3’883 Beiträge · seit 201118. Mai 2021 ·
loser schreibt:
"Die Frage, ob und warum saturierte Europäer einen Kick beim Betrachten eines „kills“ in der afrikanischen Steppe kriegen ist mE dabei ein ziemlich nebensächliches Luxusproblem einer Miniminiminderheit. Wenn man sich durch sowas „geerdet“ fühlt, sollte man über ganz Anderes in seiner persönlichen Entwicklung reflektieren."

Danke loser, diesen Kick verstehe ich auch nicht, mich packt das Entsetzen, wenn jemand begeistert von so einem Erlebnis schreibt.

LG freshy
Reiseberichte und Videos Video:Bootsafari auf dem Kwando 2018 Forum(2016): Südafrika & KTP Forum(2013): Zwei Gruftys in Botswana Forum(2013): Fünf Tage in Johannesburg Web:Namibia & Botswana 2017 Video:Sani Pass 2015 Web:Südafrika & Lesotho 2015 Web:Auf Pad im südl. Afrika 2014 Video:Elefanten im Senyati Safari Camp 2013 Web:Namibia 2011
4’385 Beiträge · seit 201518. Mai 2021 ·
Tja, Ihr Lieben, dieser Thread löst bei mir sehr zwiespältige Gefühle aus - ich frage mich seither, warum ich mit einer gewissen Gleichgültigkeit registriere, wenn eine Katze eine Maus fängt, aber ausflippe, wenn dasselbe Tier sich an Vögel heranschleicht....
Den Beitrag bzw. die BIlder des endlos scheinenden Todeskampf des Büffels, der dort auch mit retardierenden Momenten dargeboten wurde, wohl u.a. Auslöser dieser Diskussion, konnte ich mir irgendwann nicht mehr ansehen. Ob aus Ekel oder aus Scham über voyeuristische Ansätze - bin mir da nicht sicher. Es ist jedenfalls ein Erlebnis - mich würden diese Bilder, hätte ich sie in Natura gesehen, nächtelang verfolgen - aber ich hätte auch nicht so lange hingeschaut...
Ein Unterschied besteht meiner Ansicht nach darin, daß Tiere andere Tiere töten um nicht Hungers zu sterben - der Mensch aber andere Menschen aus ganz anderen Motiven umbringt.....
Schöne Grüße
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
Gast18. Mai 2021 ·
Hallo busko, nur an dich gerichtet, also bitte keine Kommentare.
Nach den Hinweisen und Kommentaren bin ich auf den „Auslöser“ deiner TE gestoßen und sehe, dass alles was ich geschrieben habe, totale Themenverfehlung ist und lösche daher meine Beiträge.
Zu meiner Entlastung will ich sagen, dass ich nur wenige Reiseberichte lese und die mit solchen Titeln schon gar nicht (mein Vorbehalt hat sich dabei bestätigt). Und das nicht, weil mich das Gezeigte schockiert (ich weiß schon Bescheid, dass das so ist), der Umgang des TE damit und einiger Kommentare dazu gehen mir aber auf die Nerven.
In diesem Sinn und aus diesem Grund bin ich hier raus
Grüße
zuletzt bearbeitet 18. Mai 2021
7’316 Beiträge · seit 200619. Mai 2021 ·
busko schrieb:
Natürlich? Absolut, aber die Natur ist, wie fast jeder gemerkt haben wird, oft grausam!

Und an dieser Stelle setzt der innere Kampf ein: Auf der einen Seite, der Voyeurismus (nicht im negativsten Sinne des Wortes!), auf der anderen das vielleicht einzige was Homo Sapiens von anderen Spezies trennt; die „Menschlichkeit“!

Bei mir persönlich gewinnt (fast) immer die letztere Kraft: Ich möchte ein solches Spektakel (obwohl ich natürlich auch die viszerale Anziehung spüre) so wenig sehen wie ich schreckliche Szenen nach Unfällen auf der A2 sehen möchte, denn das Mitgefühl für das arme Opfer obsiegt bei mir (fast) immer.

Natürlich? Absolut! Man weiß, dass diese Vorgänge dauernd stattfinden, muss sie aber (und das ist für mich das entscheidende) nicht unbedingt sehen wollen!

Nachdem ich jetzt weiß, wie dieser Thread entstand und diesen auch gelesen habe, möchte ich mich nochmal dazu äußern.

Ich war lange Jahre Vielfahrer auf der Autobahn und habe manch üblen Unfall -auch mit tödlichem Ausgang- gesehen. Das will man nicht sehen, aber kann man sich manchmal halt nicht aussuchen. Ich war zum Glück nie als Ersthelfer am Unfallort, sondern immer nach Eintreffen der Rettungskräfte.
Da käme ich nicht auf die Idee, durch Gafferei den Verkehr aufzuhalten (aber leider ist das der Normalfall), Fotos zu machen und mit solchem Verhalten die Rettungskräfte zu behindern.
Mir reichen da die Erzählungen eines ehemaligen Nachbarn, der bei der Berufsfeuerwehr ist. Dass der überhaupt noch schlafen kann, wundert mich … dafür muss man geboren sein.

Wenn ich jetzt aber ein Löwenrudel bei der Jagd erleben würde, wüsste ich nicht, wie ich reagieren würde. Ich glaube, da ist man selbst so von Adrenalin geflutet, dass alles, was man sich vorher denkt, plötzlich nicht mehr gilt. Vielleicht würde ich dann auch da stehen und Fotos machen. Vielleicht würde ich auch weiterfahren, weil es mir zu heftig wäre. Aber ich würde jetzt nicht behaupten wollen, ich würde auf eine bestimmte Weise reagieren. Da ich es noch nicht erlebt habe, denke ich, ich kann mein Verhalten in einer solchen Situation nicht realistisch einschätzen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7’316 Beiträge · seit 200619. Mai 2021 ·
JP K schrieb:
Einen Bolzenschuss, den der Schlachter einem Rind verpasst, habe ich auch noch nie miterlebt.

Ich habe es mal als Erstklässler mit sechs Jahren bei einem Schwein miterlebt. Das ist mit heute noch präsent. Mir scheint es dennoch besser als die Methoden in den Großschlachtereien.
Und während meines Studiums lag auf der anderen Straßenseite eine Großschlachterei. Wann immer da ein Lkw mit Rindern ausgeladen wurde, hörte man die Tiere so laut, dass ich mir sicher bin, sie wussten, was ihnen bevorstand.

Ich jedenfalls schaue nicht hin, wenn ich an einer bereits polizeilich gesicherten Unfallstelle vorbei fahre, das würden meine Nerven nicht aushalten.

Manchmal kann man kaum anders. Ich wurde mal in besserem Schritttempo an einer Unfallstelle vorbeigeleitet, an der noch jede Menge Trümmer lagen und es war nur einspurig. Ein Lkw-Führerhaus war auf einen Sattelschlepper geprallt und der Fahrer war schwer verletzt. Zwischen den beiden Lkw lag -auf Größe eines Aktenkoffers komprimiert- ein Pkw. Das sieht man einfach auch aus den Augenwinkeln, selbst wenn man nicht will. Zumindest ist es so, wenn man Sport betrieben hat, bei dem dieses peripheres Sehen wichtig war.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
552 Beiträge · seit 201619. Mai 2021 ·
CuF schrieb:Tja, Ihr Lieben, dieser Thread löst bei mir sehr zwiespältige Gefühle aus - ich frage mich seither, warum ich mit einer gewissen Gleichgültigkeit registriere, wenn eine Katze eine Maus fängt, aber ausflippe, wenn dasselbe Tier sich an Vögel heranschleicht....

Schöne Grüße
Friederike
Guten Morgen Friederike,

ähnliche Gedanken hatte ich auch schon häufig. Wir klassifizieren wohl alle irgendwie. Essen zwar Rind/Huhn/Schwein, sind aber entsetzt wenn irgendwo auf der Welt, Hunde und Katzen gegessen werden. Was unterscheidet den Hund vom Schwein ... was die Maus vom Vogel?

Zum Thema Voyeurismus kann ich nicht viel schreiben. Ich habe erst einmal einen Riß erlebt (zwei Löwen jagten ein Kudu) und ja, ich habe zugesehen. Fotos habe ich keine gemacht. In dieser Situation war ich so gebannt, einerseits wünschte ich mir, dass das Kudu eine Möglichkeit findet zu entkommen, andererseits wollte ich auch, dass die Löwen was zu Essen bekommen. Verurteilen kann ich das nicht. Ich esse ja selber Fleisch, nicht viel, aber gerne. Und da mache ich gedanklich durchaus den Sprung zu elendlangen Tiertransporten unter furchtbaren Bedingungen, Hühner immer noch in Knasthaltung usw. Das empört mich sehr viel mehr, als wenn jemand einen Löwenriß faszinierend findet und dabei zusieht. Was die Moral betrifft, scheinen die Definitionsmengen halt sehr unterschiedlich zu sein.
Für mich ist diese Situation in keinster Weise vergleichbar mit Gaffern an Unfallstellen.

viele Grüße
Elke
Menschen, mit denen man lachen und weinen kann, sind die Menschen, die das Leben ausmachen.