THEMA: Namibia im Sommer 2020: Khaudum und was sonst?
17 Jan 2020 19:32 #577607
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Nun ist es also so weit, nach 18 Jahren gehe ich mal wieder alleine nach Namibia. Ansonsten war immer meine Freundin, die dann zur Ehefrau wurde, die Frau und Kinder bzw. nur die Kinder dabei. Aber das Leben ändert sich, die Frau arbeitet in Deutschland und kann nicht mehr so viel nach Afrika, die Kinder werden größer und wollen nicht mehr die ganzen Sommerferien mit, sind nun aber groß genug, dass ich länger von zu Hause weg sein kann.
Seit 2001, also nun im 20ten Jahr, arbeite ich als Verhaltensbiologe und Ökophysiologe in Südafrika, habe hier auch 5 Jahre permanent gewohnt, und bin dann von der Uni in Zürich (2006-2012) bzw. dem CNRS in Strasbourg (seit 2012) jedes Jahr mehrere Monate im Jahr zu meiner Forschungsstation gegangen (stripedmouse.com oder stripedmouse Facebook Gruppe). Neben der Arbeit habe erst 16 Jahre lang mit meinem Defender ca. 220 000km im südlichen Afrika im Busch verbracht, seit 2018 mit einem Hilux 2.5, den ich von Bushlore gebraucht und ausgestattet gekauft und danach an meine Bedürfnisse angepasst habe.
Dieses Jahr bin ich also zum ersten Mal seit langem alleine, d.h. ohne Familie, gegangen. Die letzten Jahre war ich im Januar / Februar 2-3 Wochen zum Arbeiten da, dieses Jahr die ganzen zwei Monate! Und da ist dann auch Zeit, zwei Wochen lang zu verreisen. Und wohin? Natürlich dorthin, wo es mir wegen der Wildheit am meisten gefällt, meiner Frau wegen des Staubs am wenigsten: Khaudum! Was danach noch kommt, weiss ich noch nicht, Etosha, Namib und Kgalagadi sind Möglichkeiten. Da niemand in Europa oder Südafrika Ferien hat, habe ich nichts gebucht und überall sollte Platz sein.
Der Hilux war in Springbok in Südafrika (ich arbeite dort im Naturreservat Goegap) von zwei Garagen gecheckt und auch von Toyota geservict worden. Dürfte also eigentlich nicht viel schief gehen?

Tag 1, Donnerstag 16. Januar:
Um 5:20 aufgestanden, Feldarbeit bis 9:00, Auto fertig gepackt, letzte Emails geschickt, um 13:00 Meeting mit allen Studenten an meiner Forschungsstation. Dann geht es los, in Springbok noch schnell Marmelade und Eis für die Kühlbox gekauft. Es ist heute extrem heiß, 38 Grad, und es geht am Richtersveld vorbei zur Grenze in Violsdrift, der heißesten Gegend Südafrikas. Doch der Hilux hält mich schön kühl, so dass ich an der Grenze fast einen Schock bekomme, als ich in der Hitze aussteige. Da Donnerstagmittag um 15:00 sonst niemand über die Grenze will, bin ich so schnell wie noch nie in Namibia. Als erstes an der Engen billiges Namibia Diesel tanken: 110l für 1700NAM. Ist doch ne Stange Geld.
Wie immer kaufe ich im Tankstellenshop eine MTC Sim Karte und die Leute dort helfen mir, alles einzurichten. Gleich den Tarif Aweh Gig drauf, 1GB Daten für eine Woche für nur 40 NAM. Dann Weiterfahrt in Richtung Keetmanshoop.

Letzte Änderung: 17 Jan 2020 19:39 von CarstenS.
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17 Jan 2020 20:41 #577619
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Tag 2, Freitag 17. Januar

Bei der Arbeit bin ich immer um 5:15 aufgestanden, aber es sind ja Ferien. Also schlafe ich aus bis 5:30. Kurz nach 6:00 verlasse ich das Camp mit einem schönen Kaffee neben mir. Um 8:00 in Mariental. Keiner der 3 Reifenplätze hat Reifen in meiner Größe . 225/75/16R schein sehr außergewöhnlich zu sein. Immerhin bekomme ich bei Toyota einen neuen Wagenheber. 1600 NAM! Heute wird ein besonders teurer Tag werden! Kurz vor 9:00 verlasse ich Mariental, ohne viel erreicht zu haben.
11:15 in Windhoek. Selbst hier hat erst niemand Reifen in der richtigen Größe! Estt bei der 4ten Adresse, TrentTyre (die hatten in Mariental nichts, weshalb ich erst woanders gesucht habe), endlich doch.
Wenn ein Reifen kaputt geht, ersetze ich immer gleich zwei, die aufs Auto kommen, und nehme die besten alten als Ersatzreifen. Zwei Reifen (Goodyear) kosten 5300 NAM! Schock, Schwerenot, und noch weiß ich nicht, dass der Tag noch teurer werden wird!
Meine Reifen sind 2017 produziert, Discover Cooper. Obwohl ich sie bereits 18 000km gefahren bin, haben sie noch sehr viel Profil (deutlich über 1cm, wohl 15mm). Aber 100km vor Otjiwarango platzt der nächste, genauso wie gestern: Ein Knall, erst nichts zu sehen, dann höre ich es pfeifen, und als ich unters Auto schau, ist an der Innenseite wieder ein großes Stück außen abgerissen. Es ist wieder hinten rechts, denn die neuen Reifen habe ich nach Vorschlag von TrentTyre vorne montieren lassen. Der Reifen ist schnell gewechselt, aber nun habe ich nur einen Ersatzreifen für Khaudum!
In Otjiwarango hat ein Ort tatsächlich einen Reifen in der richtigen Größe. Aber nur einen, und der ist von Hifly. Ich zahle die 2400 NAM und nehme ihn als Ersatzreifen. Man verspricht mir, einen zweiten identischen zu bekommen. Auf dem Rückweg werde ich den kaufen und dann kommen zwei neue Reifen hinten drauf. Immerhin habe ich jetzt zwei Ersatzreifen für Khaudum. Aber ich schätze, nach 1500km auf kochendem Teer auf der B1 werde ich im Sand von Khaudum keinen Ersatzreifen brauchen!
Die Fahre heute war gekennzeichnet von: Alles war grün und voller Schmetterlinge! Überall flogen sie umher, über die Straße, und es war unmöglich, ihnen auszuweichen. Ich habe heute sicher mit dem Auto mehr Schmetterlinge gekillt als in Deutschland in einem Jahr. Diese Menge macht glücklich, das Gemetzel den Magen flau. Teilweise sah es aus, als würden weiße Konfetti auf der Straße liegen. Aber das waren alles Schmetterlingsflügel! Es waren zum größten Teil kleine Weißlinge, aber auch mehr farbenfrohe, orangene dabei. Ansonsten sah ich neben und auf der Straße Paviane, Fuchsmangusten, Erdhörnchen, eine Kalahri tent turtle (Schildkröte) und eine überfahrene Wildkatze.














Kurz nach 18:00 Uhr kam ich bei der Kalkfontein Guest Farm hinter Grootfontain an. Etwas früher als gestern,, so dass ich mehr Zeit für alles hatte, u.a. diesen Bericht. Und immerhin bin ich heute gut 900km gefahren und habe 2 Stunden an Garagen verbracht wegen der Reifen. Den Geparden Nandi gibt es hier nicht mehr, da sie vom Cheetah Conservation Project geholt wurde, was sicher richtig ist. Aber alles hier ist sehr sauber und schön, die Leute sehr nett. Und morgen werde ich richtig ausschlafen, denn bis Sikereti in Khaudum ist es nicht mehr weit, und es mach keinen Sinn, dort um 10:00 anzukommen.
Anhang:
Letzte Änderung: 22 Jan 2020 13:14 von CarstenS.
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17 Jan 2020 23:04 #577630
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Guten Abend, CarstenS,
da Du ja leider ohne Begleitung durch den/in den Khaudum fahren mußte, nehme ich mal virtuell neben Dir Platz. Neben ein paar anderen Orten gefällt es mir dort nämlich außerordentlichen gut!
Erwartungsvoll grüßt
Friederike
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19 Jan 2020 11:20 #577731
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Tag 3, Samstag 18, Januar
Ich wollte ja ausschlafen, doch wachte ich automatisch um 5:15 wie zur Arbeit auf, schlief wieder ein bis zum Wecker um 5:30, probierte weiter zu schlafen, gab um 5:45 aber auf. Gemütlich packte ich das Camp zusammen, frühstückte, und machte mich um 6:45 auf den Weg.
Die Schotterpiste nach Tsumkwe, etwas über 200km, war in erstaunlich gutem Zustand. Alles war sehr grün und ich wunderte mich, warum es hier keine Schmetterlinge gab. Aber sobald es wärmer wurde, waren sie da, tausende säumten überall den Straßenrand. Ein paar Meter über dem Auto sausten immer wieder riesige Brummer umher, große Mistkäfer. An einem Hasen road kill saßen schließlich hunderte Schmetterlinge und tranken den salzigen Todesgetrank, und auch ein paar Mistkäfer waren hier am Werk.
Durch Fotopausen kam ich erst 9:45 in Tsumkwe an. Die Tankstelle lief und das Auto konnte nochmals getankt werden. Zudem bekam ich hier sogar Wassereis für meine Kühlertasche. Ich habe immer zwei Kühlertaschen dabei, eine, in welcher das Bier und andere Getränke im Eiswasser schwimmen und dann herrlich kalt sind. Allerdings habe ich nicht gerne Eiswasser im Gemüse und der Margararin, weshalb ich hierfür eine zweite kleine Kühlertasche habe, mit Kühlaggregaten. Ein Paar ist in der Tasche, das andere im Caminggefrierer, und morgens werden sie dann immer ausgetauscht.
Die Schotterpiste nach Tsumkwe, etwas über 200km, war in erstaunlich gutem Zustand. Alles war sehr grün und ich wunderte mich, warum es hier keine Schmetterlinge gab. Aber sobald es wärmer wurde, waren sie da, tausende säumten überall den Straßenrand. Ein paar Meter über dem Auto sausten immer wieder riesige Brummer umher, große Mistkäfer. An einem Hasen road kill saßen schließlich hunderte Schmetterlinge und tranken den salzigen Todesgetrank, und auch ein paar Mistkäfer waren hier am Werk.
Durch Fotopausen kam ich erst 9:45 in Tsumkwe an. Die Tankstelle lief und das Auto konnte nochmals getankt werden. Zudem bekam ich hier sogar Wassereis für meine Kühlertasche. Ich habe immer zwei Kühlertaschen dabei, eine, in welcher das Bier und andere Getränke im Eiswasser schwimmen und dann herrlich kalt sind. Allerdings habe ich nicht gerne Eiswasser im Gemüse und der Margararin, weshalb ich hierfür eine zweite kleine Kühlertasche habe, mit Kühlaggregaten. Ein Paar ist in der Tasche, das andere im Caminggefrierer, und morgens werden sie dann immer ausgetauscht.

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19 Jan 2020 11:22 #577733
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Auch die ansonste recht holprige Piste zum ersten Camp in Khaudum, Sikereti, war in erstainlich gutem Zustand. Auf dem Weg machte ich noch beim Living Hunter Museum der San halt. 2018 hatten wir dort eine Tour gemacht. Ich sagte nur kurz hallo und zeigte Bilder von 2018. Außerdem hatte ich einige alte aber noch gute Klamotten dabei, die ich ihnen geben wollte. ALlerdngs tauschte ich die gegen Halsketten ein, da ich es immer gut finde, eine Gegengabe zu bekommen, so daß die Leute nicht wie Bettler dastehen. Und sie schienen mit dem Tausch sehr zufrieden zu sein, für eine Halskette konnten sie sich zwei Kleidungstücke aussuchen. Zum Schluß ab ich ihnen da noch einige weitere dazu. Den Rest wede ich dem San Dorf in Nyae Nyae geben.
Nun bin ich also zum fünften mal in Khaudum. Das erste Mal war 2005 mit meiner späteren Frau, als wir von Botswana kommend (Chobe und Moremi) von Nord nach Süd Khausum durchfuhren. Ich fand es herrlich wild und nach Botswana unglaublich billig, meine Frau fand e unglaublich staubig. Durch die Ritzen des Land Rovers kam der Staub auch wirklich überall rein. Das zweite Mal war 2007, mit meiner Frau und unserem damals 1 ½ jährigen Sohn. Das war das einzige Mal, als wir dort im Sand stecken blieben. Aber durch Entladen des Landis und Äste unter den Reifen waren wir nach 30 Minuten draußen. Das dritte Mal war 2010, diesmal zu viert, neben mir und meiner Frau waren mein Sohn (4 Jahre) und meine Tochter (10 Monate) dabei. Und schließlich 2018 ich mit meinen beiden Kindern.

Wir hatten nie Probleme in Khaudum gehabt, obwohl wir immer nur mit einem Auto unterwegs waren. Trotzdem möchte ich allen davon abraten, nach Khaudum zu fahren! Es besteht nämlich die Gefahr, dass ihr dort meine Ruhe stört. Geht lieber nach Etosha!
Das Argument, es wäre so gefährlich und man müssen unbedingt zwei Autos haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wer den Reifendruck senkt auf 1,2 Bar und im Low Range vorausschauend im 3ten oder 4ten Gang fährt und nicht ständig umschaltet, wird nicht stecken bleiben. Und wer stecken bleibt muß halt die Reifen freischaufeln, Äste unterlegen, und das Auto leichter machen, anstatt sich panisch tiefer in den Sand einzugraben, indem man mit aller Gewalt rausfahren will. Und wenn das Auto so kaputt ist, dass nichts mehr geht? Das ist überall scheiße und kostet überall viel Geld. Aber wenn man sich richtig anmeldet, wissen die Ranger, wo man sein sollte, und werden einen suchen, falls man nicht mehr fahren kann. Kann zwar ein paar Tage dauern, aber passieren kann nichts, wenn man Genug Getränke dabei hat. Wenn man hingegen mit zwei Autos fährt passiert das folgende: Man hat nicht nur seinen eigenen Urlaub, sondern auch den der anderen ruiniert! Trotzdem kann ich natürlich nachvollziehen, dass das für viele zu riskant ist. Ich hoffe, es bleibt dabei, und Khaudum bleibt s einsam und verlassen, wie ich es immer erlebt habe!
Als ich mich in Sikereti anmelde, sehe ich erfreut – und wie erwartet -, dass außer mir keine anderen Touristen im Park sind, zumindest nicht hier vom Süden her (evtl. kommen welche aus dem Norden). Die letzten sind vor 2 Tagen abgereist. Ich unterhalte mich einige Zeit mit dem Ranger und sage ihm meine Route: Heute Sikereti, morgen für 2 Nächte nach Khaudum Camp, dann nochmals Sikereti. Er sagt, ich solle mich unbedingt abmelden, wenn ich aus dem Park gehe, nicht, dass man nach mir suche. Sollte ich nicht auftauchen, würden die Range von Sikeret den Süden absuchen, die von Khaudum den Norden. Aber ich gehe mal davon aus, dass das nicht notwendig sein muss.
Sikeretit Camp ist immer noch verfallen und ohne Infrastruktur, so dass man hier umsonst campen kann. Ich suche mir einen Platz aus und fahre dann gegen 12:00 los Richtung Wasserloch Soncana, dass 6km entfernt ist. Es ist hier so unglaublich grün, ich war bisher ja nur in der Trockenzeit da. Um Soncana ist eine dichte, ca. 30cm hohe stark duftenden Blumenwiesen (eine Art Klee, Wicken und anderes). Darauf zehntausende von Schmetterlingen, es ist wie im Wunderland! Alleine das war die Reise hierher wert! Beim Laufen durch die Blumenwiese heben neben den Heerscharen von Tagfaltern auch viele sehr große Nachtfalter ab. Das Spektakel ist wirklich unglaublich.
Am Wasserloch sind Strauße mit Jungen, zwei Weißstörche (bin also doch nicht der einzige Tourist hier) und zwei stattliche Kudbullen. Ich mache einen Salat zum Mittagessen, genieße das Ambiente, und fahre dann langsam zum Wasserloch Tsoana Fountein.
Ich fahre wirklich sehr langsam, denn es gibt so viel zu sehen: 8-10 Scharlachspinte (Bienenfresser) in einem Baum neben der Straße, ein Paar Gauckler, ein Baum voller Milane, eine große Gruppe Klaffschnabel, eine schwarze Storchenart. Es gibt in den Senken viel Wasser und dadurch viele Wasservögel. Am Wasserloch selber ist dann ein noch größerer Schwarm Klaffschnäbel da, ich zähle gut 200 Stück! Warzenschweine gibt es auch einige zu sehen, mit Jungen. Ich mache eine Stunde Pause, schreibe dabei mein Tagebuch, und esse herrlichen Zitronenkuchen. Den hatte ich in Goegap, wo ich arbeit, gebacken und dann eingefroren. Er diente mir nun zwei Tage als zusätzliche Kühlaggregat und nun als herrliche Speise.
Wild kam keines nach Tsoana, dabei hatte ich immer gedacht, an diesem Wasserloch wären immer Elefanten. Aber das gilt wohl nur für die Trockenzeit. Jetzt, in der Regenzeit, ist das Wild weit verteilt, die Elefanten sind zum großen Teil aus Khaudum nach Caprivi und sogar Angola gewandert. Heute wird der erste Tag sein, an dem ich in Khaudum keine Elefanten sehe. Und das Wild, das da ist, muß nicht zu den Wasserlöchern, dann im Feld gibt es genug Wasser. Der Weg von Tsoana nach Sikereti führt fast an einem langen See entlang, denn überall in den Senken steht das Wasser.
Dann gibt es aber doch noch ein Highligt, ein first timer für mich in 20 Jahren: Im Baum über dem Hochstand entdecke ich ein Nest der Gelbschnabeltokos. Die Eltern sind emsig dabei, Insekten zu fangen, was zu dieser Jahreszeit nicht schwierig ist, denn es fliegen genug um das Nest herum. Alle paar Minuten kommen sie zu einem kleinen Spalt einer Baumhöhle hoch oben im Baum, und ich höre das aufdringliche Betteln der Jungen, die gefüttert werden. Sehen kann ich die Jungen in der Baumhöhle nicht. Während Tokos natürlich zu den charakteristischen Vögeln vieler Campingplätze gehören, hatte ich bisher doch noch nie ein Nest gesehen.






Letzte Änderung: 19 Jan 2020 14:07 von CarstenS.
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19 Jan 2020 19:52 #577787
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Tag 4, Sonntag19. Januar
Gestern schrieb ich noch, wer vorausschauend fährt, bleibt auch nicht stecken. Heute stecke ich um 7:00, nach einer Stunde Fahrt, im Schlamm fest, kurz nach Omuramba. Zwei elementare Grundregeln hatte ich missachtet: 1. Vermeide Schlamm IMMER (auch wenn es wie hier nur nach ner größeren Pfütze ausschaut)!, 2. Fahre vorausschauend! Anstatt um das kleine, harmlos ausschauende Schlammloch drum herum zu fahren, fuhr ich mitten hinein, und das auch noch im High Range. Als ich im Schlamm umschalten wollte, war es vorbei. Ich versuchte ein bisschen vor und zurück, gab dann aber auf, aus Angst, mich dadurch noch tiefer einzugraben.
Also raus und als erstes alles aus dem Auto hinten raus, um es leichter zu machen. Nur 2 Meter vor dem Auto war es wieder trocken, also nicht weit zu tragen. Half aber nicht. Schlammmatten unter die Räder. Reichte auch nicht. Highlift Jack raus. Mein Auto ist ein ex-rental und hat leider keine high-lift points, so dass ich mit Hacken am rechten Hinterrad, das tief im Schlamm steckt, ran musste, um es hochzuheben. Habe zwar einen professionellen Stand für den High Lift Jack dabei, aber alles versinkt so im Schlamm, dass der Jack ungerade wird und das Hochheben unmöglich. Nach 3 Versuchen gebe ich auf. Also mehr graben, die Matten gut unter die Räder, und diesmal versuche ich es hinten raus. Doch es geht nicht, ich glaube der Ersatzreifen unter dem Auto blockt. Mehr Graben. Es bewegt sich was, aber nicht genug. Also die Greenhorn Methode, die mich womöglich noch tiefer eingraben wird: vor, zurück, vor, zurück, vor, zurück….und endlich raus, die zwei Meter sind geschafft. Ich auch und meine Klamotten voller Schlamm. Aber es waren eh Wegwerfklamotten, derart voller Flecken, dass dies ihr letzter Trip werden sollte.
Mit Aus- und Einpacken habe ich fast eine Stunde verloren und ein gutes Stück Selbstbewusstsein. Es war echt dumm, hier stecken zu bleiben. Aber solche kleinen Abenteuer gehören zum Busch dazu, und es geht weiter. Doch schon sind die nächsten Hindernisse da: Elefanten haben mehrere kleine Bäume über die Straße gelegt. Die meisten kann ich einfach zur Seite schieben / tragen, aber der größte lässt sich nicht bewegen, ist links und rechts von anderen Bäumen eingeklemmt, die Wurzel noch tief in der Erde. Zum Glück habe ich eine 23 Jahre alte Machete aus Malaysia mit dabei, die noch erstaunlich scharf ist. Nach 5 Minuten Hacken ist die Krone des Baumes in ihre Einzelteile zerlegt und ich kann vorbeifahren.
An den Wasserlöchern sehe ich fast kein Wild. Eine Herde Gnus bei Soncana, 14 Giraffen und eine Herde Kudus in der Nähe von Tari Kora, Strauße, ein paar einzelne Roans (Pferdeantelopen). Aber alles ist herrlich grün. Um 10:00 bin ich bei Leeupan und frühstücke Marmeladenbrote, mache einen Kaffee. Hier ist die grüne Blumenwiese wieder so satt in Farben, Geruch, und Schmetterlingen, dass einem die Sprache weg bleibt. Kurz vor Tsau rennen dann drei Geparden über die Straße, aber verschwinden so schnell, dass ich kaum etwas sehen kann.
Gestern hatte ich den Reifendruck bereits von 2,5 auf 1,8 Bar reduziert, heute auf 1,4 Bar. Damit lassen sich die Sandpisten problemlos befahren. Selbst die schlimme Piste zwischen Taus und Khaudum Camp an Burkea vorbei. 2007 waren wir hier stecken geblieben, und seitdem hatte ich die Piste vermieden, aber es geht problemlos. Es ist zwar heißer als in der kühlen Trockenzeit, aber eben nicht trocken, und der feuchte heiße Sand ist sehr hart und lässt sich sehr leicht befahren. Es gibt auch überhaupt keinen Staub, der in der Trockenzeit alle Ritzen durchdringt.
Bei Burkea sehe ich eine schöne Herde Roans recht nahe, und dann macht es plötzlich komische Geräusche im Auto: Mein Handy hat Empfang und mitten in Khaudum bekomme ich Messages. Ich kann sogar mit meinen Kindern daheim in Deutschland über WhatsApp reden, und das mit Video! Eine halbe Stunde später finde ich heraus, dass es im Khaudum Camp seit Ende 2018 einen Masten für Handyempfang gibt. Es ist also nicht mehr so abgeschieden hier wie früher. Aber doch einsam, ich bin der einzige Tourist im Camp und buche zwei Nächte. Es sind sonst nur noch zwei Männer da, die das Camp leiten und nur gebrochen Englisch reden. Sie freuen sich, als ich Ihnen 6 Äpfel und eine Gurke schenke; frische Nahrungsmittel bekommen sie nur 1x im Monat geliefert! Die Lodge steht, bestehend aus vielen schönen kleinen Hütten, ist aber noch nicht offen. Angeblich soll erst noch eine Solaranlage für den Strom aufgebaut werden. Aber alles scheint gut im Schuss zu sein!
Ich nehme Camp zwei. Von hier habe ich einen herrlichen Blick über den Kaudom Omuramba. Die Camps sind sehr groß, haben eine überdachte Plattform zum Sitzen, Dusche, Klo, Waschbecken, Grillplatz, also alles, was man braucht. Ich schreibe mein Tagebuch, lese, koche einen Hühnchenpoiky mit Kartoffeln und Tiefkühlgemüse aus dem Campinggefrierer, und fahre um 17:00 nochmals los.
Nahe am Camp sehe ich eine schöne Herde Roans, die nicht so scheu ist wie die anderen. Gemsböcke, noch mehr Roans, Warzenschweine, und viele Gnus sehe ich auf der Abendfahrt. Auch hier sind die Senken häufig voll mit Wasser, das Gras steht hoch, und alles ist grün. Zurück am Camp füttere ich die Frankolins, Stare und einen Toko mit trockenem Brot, und esse selber vom Poiky, der hervorragend schmeckt.


Anhang:
Letzte Änderung: 31 Jan 2020 08:08 von CarstenS.
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