SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201715. Dez. 2024 · #1
Liebe Fomis,
am 20.11. sind wir von einer dreiwöchigen Caprivi-Tour zurückgekommen. Bisher habe ich immer ein wenig gehadert, ob ich mal einen Reisebericht verfassen soll. Nun, nach unserer fünften Reise nach Namibia, will ich es doch mal wagen. Da wir schon von vielen Reiseberichten anderer Fomis hier für unsere zweite, dritte und auch die vierte Tour enorm profitiert haben, wollte ich gerne mal etwas beisteuern. Warum also eigentlich nicht mal einen eigenen Reisebericht, auch wenn wir natürlich den vielen Photo-Fexen hier im Forum nicht das Wasser reichen können und vielen hier die meisten Unterkünfte bestens bekannt sein dürften.
Wir (m60 und w64) sind überzeugte Lodge-Hopper und waren 2016 auf einer klassischen Ersttäterroute unterwegs, dann in 2017 auf einer Namibia-Botswana-Runde, in der wir aber den Caprivi von BOT kommend nur „gestreift“ haben, dann in 2018 eine große Runde durch die Nordhälfte über Epupa und Etosha-West und schließlich in 2022 eine Runde mit Schwerpunkt Caprivi (die wir eigentlich für 2020 schon komplett gebucht hatten, die aber dann aus bekannten Gründen ausgefallen ist 😠) mit finalem Abstecher an die Spitzkoppe. Die 2022er Runde hatte ich wieder komplett selbst zusammengestellt, dann aber erstmals über eine hier gut bekannte Agentur mit Sitz in Swakopmund buchen lassen. Alles aus einer Hand, man hat sich wirklich um alles gekümmert. Würde ich nie mehr anders machen und so haben wir auch für die diesjährige Reise wieder alles über die genannte Agentur buchen lassen, einschließlich Fahrzeug. Das haben wir wieder – wie schon 2022 – bei SCR gebucht.
Da wir uns nach den tollen Erfahrungen aus 2022 in diesem Jahr für den Caprivi besonders viel Zeit lassen wollten (meine Holde wollte Tiere, Tiere, Tiere), haben wir im Vorfeld mit SCR geklärt, dass wir das Auto in Katima Mulilo übernehmen können und sind dann am Tag nach unserer Ankunft in Windhoek mit Zwischenlandung in Maun nach Katima geflogen, so dass wir quasi „one way“ aus der Zambezi-Region nach Windhoek zurückfahren konnten.
Der Flug hat uns rund 170,00 EUR pro Person gekostet. Dazu kommen umgerechnet rund 650 EUR „Einweggebühr“ für den Fahrzeugtransfer. Rechnet man von der Summe den eingesparten Sprit wieder runter (Windhoek - Katima Mulilo 1.245 km, Durchschnittsverbrauch real nach fast 3.000 km etwa 11 l / 100 km, also rund 150 EUR), so hat uns der Spaß insgesamt also rund 850 EUR „on top“ gekostet. Das würden wir aber trotzdem wieder so machen, denn so konnten wir uns gleich zu Beginn auf die Flüsse-Region konzentrieren und hatten so die Möglichkeit, gleich mehrfach 3 Nächte an einem Ort zu verbringen und mussten natürlich auch nicht den öden Caprivi-Highway hin und zurück fahren.
Und warum „Fünf Flüsse“-Tour? Nun, vom Zambezi zum Chobe, dann an den Linyanti, dann an den Kwando (auch wenn 2-4 nur ein Fluss ist 😊) und schlussendlich noch an den Kavango. Doch genug der Vorrede, los geht´s. Und so sah die Runde dann aus:
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201715. Dez. 2024 · #2
Tag 1: Dienstag, 29.10.2024
Nach all den Schreckensnachrichten über Discover in den Monaten vor unserer Reise hab ich dem Abflugdatum entgegengefiebert, aber was soll ich sagen: Pünktlich wie die Maurer, tadelloses Fluggerät, die reservierten "more legroom"-Plätze haben wir auch bekommen und sind überpünktlich gelandet.
Blick auf die Etosha-Pfanne
Ankunft in Windhoek
Einreise im neuen Terminal zügig und freundlich (!) und der Fahrer für den Transfer zur Progress Guestfarm wartete auch schon. Dort erwartete uns ein überaus freundlicher Empfang und ein großzügiges Zimmer. Hier wollten wir eigentlich erstmal nur „ankommen“, ein wenig faulenzen, uns vom Flug erholen und vorbereiten auf die Weiterreise am nächsten Morgen nach Katima Mulilo. So verbrachten wir den Tag überwiegend mit Lesen am Pool und der Jagd auf gefiedertes und nicht gefiedertes Kleingetier.
Gartenanlage der Progress Guestfarm
Blisterkäfer (Mylabris oculata)
Guineataube (Speckled Pigeon)
Akaziendrossel (Groundscraper Trush)
Kapstelze (Cape Wagtail)
Am Abend in der Boma trafen wir ein sehr junges deutsches Pärchen, die Berufspraktika in Namibia gemacht hatten und am nächsten Tag nach Kapstadt weiterreisen wollten sowie ein „älteres“ 😊 Pärchen ca. Mitte 60 aus der Schweiz, die auf der Farm ihren eigenen Landcruiser abgestellt hatten und sich auf eine mehrwöchige Reise nach Angola vorbereiteten. Respekt! Ein interessantes Gespräch zum Diner und ein leckeres Eland-Stew.
Fazit Progress Guestfarm (1 Nacht) Unterkunft: 3 von 5 Essen: 3 von 5 Service: 5 von 5 Preis-Leistungsverhältnis: 3,5 von 5 Zusammenfassung: Nicht umwerfend, aber ok. Nettes Ambiente, sehr persönlicher Service. Das Garten- und Poolmobiliar ist etwas in die Jahre gekommen und lädt nicht wirklich zum entspannten Faulenzen ein. Dennoch ein guter Stopover für den Start oder auch das Ende einer Rundreise.
Melanie1982636 Beiträge · seit 202315. Dez. 2024 · #3
Ein neuer Reisebericht, da bin ich doch glatt dabei. Noch dazu eine Tour, die ich sehr interessant finde. Die Guestfarm gefällt mir von den Bildern her sehr gut. Habe ich mir trotz deiner nicht ganz perfekten Bewertung mal vorgemerkt 🙂
Ich bin gespannt, wie es weitergeht und freue mich auf viele Bilder und den Bericht.
Lg, Melanie
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201715. Dez. 2024 · #4
Tag 2: Mittwoch, 30.10.2024
In der Nacht bzw. am frühen Morgen weckte uns das laute Gegacker der Frankoline in der Savanne. Wir frühstückten gemütlich um 07:00 Uhr, und um 08:00 Uhr brachte uns der Farmer zum Flughafen. Die Fahrt dauerte rund 15 Minuten. Der Farmer erzählte sehr eindrucksvoll von der Dürre und deren Folgen für seine Farm und die Agrarwirtschaft in Namibia im Allgemeinen. Er meinte, er wisse auch nicht, ob das mit dem Klimawandel alles so stimme und ob das die Ursache für die Dürre sei – aber klar sei, wenn sie noch so ein Jahr hätten wie 2024, dann wisse er nicht, wie es mit dem Farming in Namibia weitergehen solle. Ein wenig Nachdenklichkeit machte sich breit …. Pünktlich um 08.15 Uhr waren wir am Flughafen und checkten direkt ein am Terminal für die nationalen und regionalen Flüge. Alles sehr flott und smart. Pünktlich konnten wir dann boarden und bestiegen „unsere“ Embraer ERK 145 für 45 Passagiere: Die Maschine war nur etwa halb voll. Vorne saßen die wenigen Passagiere, die in Maun ausstiegen, hinten die, die weiterflogen nach Katima. Vor dem Start wurden wir mit einem üblen was-auch-immer-Spray eingenebelt. Wenige Monate vor unserer Reise wurde der Flugplan dahingehend geändert, dass der Flug 4Z8937 nicht mehr wie bisher ab Eros, sondern ab Hosea Kutako ging und zudem zunächst bis Ende Oktober 24 mit Zwischenlandung in Maun, vorher war es ein Direktflug. Danke an Christian, dass er immer regelmäßig die Flugpläne hier einstellt! So mussten wir unsere ursprünglich in der Heinitzburg gebuchte erste Nacht noch rasch umbuchen auf eine Unterkunft in der Nähe des HKIA. Schade, in der Heinitzburg waren wir schon zweimal und hatten uns schon sehr darauf gefreut, aber die Progress Guestfarm war eine gute Wahl für die erste Nacht und so konnten wir auch etwas länger schlafen.
Auf dem Landeanflug auf Maun konnte man rechter Hand sehr gut den völlig trockengefallenen Ngami-See sehen: Nach dem erneuten Start in Maun konnte man auf der linken Seite sehr schön das Delta und später dann den Verlauf von Kwando, Linyanti und Chobe erkennen. Im Osten sah man Savuti und zahlreiche kleinere Rauchsäulen, vermutlich von lokalen Feuern. Alles sah furztrocken aus:
Und schon ging es nach etwa 30 Minuten wieder runter nach Katima. Die „große“ Embraer sah hier völlig fehl am Platze aus, der Flughafen wirkte sehr rustikal. In der Empfangshalle wartete auch schon der Fahrer von SCR und schon ging es in die Einweisung des Fahrzeugs. Der Hilux mit Baujahr 2022 hatte gute 115.000 km auf der Nabe, wirkte aber taufrisch. Der Fahrer, dessen Namen wir leider nicht mehr genau erinnern, wollte dann allen Ernstes mit dem Taxi nach Katima fahren. Natürlich haben wir ihn mitgenommen und im Zentrum von Katima zum Busbahnhof gebracht, was für ihn offenbar nicht ganz selbstverständlich war. Auf der kurzen Fahrt erzählte er von der Fahrt von Windhoek nach Katima. Er hatte in Grootfontein eine Nacht in einem Guesthouse verbracht und ist dann von dort nach Katima gefahren. Seine Rückfahrt würde er noch am gleichen Tag mit einem Bus antreten. Insgesamt hatten wir jedoch den Eindruck, dass ihm der Trip in den Norden, der ja wahrscheinlich nicht ganz alltäglich war, sehr gefallen hat.
Das waren die ersten 53 km unserer Runde:
Am Zambezi Mubala Camp stellten wir das Auto ab und luden unser Gepäck aus, um dann mit dem Boot zur Lodge gebracht zu werden. Das Procedere kannten wir ja schon aus 2022. Hier würde der Wagen jetzt erstmal drei Tage stehen. Im Nachhinein hätten wir den Wagen auch erst ab Tag 4 mieten können, wenn wir z. B. mit einem Taxi zum Zambezi Mubala Camp gefahren wären. Nachher ist man immer schlauer. An der Rezeption des Camps dann ein erster kleiner Schockmoment. Unsere Buchung für drei Nächte ab heute war in deren System eine Buchung für zwei Nächte ab morgen. Kein Problem aber, das Chalet war eh frei, also nix wie hin. Die Details klärten dann NCAT und Gondwana untereinander. Wir waren schlussendlich gegen 16:00 Uhr in der Lodge und chillten den Rest des Tages mit Savannah dry. Das Abendessen war wie bekannt vorzüglich!
Das ist ja mal ein etwas anderer Einstieg mit Flug via Maun und ein interessanter Vergleich zum Start mit Auto
ab WH....................... 🙂 🙂 🙂
LG...................BMW
Enilorac65768 Beiträge · seit 201715. Dez. 2024 · #7
Hallo Sangwali, da bin ich gerne auch dabei. Liebe Grüsse, Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201716. Dez. 2024 · #8
@ Melanie, Sue, BMW, Caroline und die stillen Mitfahrer: danke für´s Begleiten!
Tag 3: Donnerstag, 31.10.2024 Für heute hatten wir uns den Boat Cruise zur Karminspint-Kolonie vorgenommen und am Vortag für den Nachmittag statt für den Morgen gebucht, so dass wir den Vormittag damit verbrachten, noch ein wenig zu entspannen, zu lesen und dem einen oder anderen Federvieh hinterherzujagen. Fiskalwürger (Common Fiscal) Sumpfwürger (Swamp Boubou) - Danke Matthias! Halsbandbartvogel (Black-collared Barbet)
Auch konnten wir ein paar grüne Meerkatzen dabei beobachten, wie sie das eine oder andere „mitgehen“ ließen 😉 .
Am Nachmittag ging es dann pünktlich um 15:00 Uhr mit unserem Guide Masule los. Nicht nur, dass wir glücklicherweise alleine mit ihm auf dem Boot waren, er erwies sich auch als äußerst kundiger Guide. Wir entdeckten viele Vögel, darunter Rotkappenschwalben (Wire-tailed Swallow)
Dann näherten wir uns einer ersten Gruppe Hippos (später erfuhren wir am Kwando, dass die Gruppen auch als „pond“ bezeichnet werden).
Auf den Sandbänken flussaufwärts sahen wir Schlangenhalsvogel (African Darter)
Kampfläufer (Ruff, Erstsichtung) und
Zwergblatthühnchen (Lesser Jacana, ebenfalls Erstsichtung, leider nur etwas unscharf, da weit entfernt und ständig in Bewegung 😠 ).
Pygmäengänse sahen wir auch, aber leider flog der Schwarm auf, als die Kamera gerade bereit war 🙁 . Auch einen Malachit Kingfisher sahen wir leider nur noch von hinten … Nach der Umfahrung einer großen Insel fuhren wir dann stromabwärts auf dem Kanal, der wieder an dem Camp vorbeifließt. Dort hatten wir dann tatsächlich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem stattlichen Krokodil eine Schaden am Anlasser.
Beäugt von dem nur wenige Meter entfernten Tier versuchte Masule, den Anlasser wieder flott zu bekommen. Es fehlte jedoch am passenden Werkzeug. Zum Glück kam dann von dem in Rufweite gelegenen Zambezi Mubala Camp ein anderer Bootsführer und der Schaden war dann schnell behoben. Blöd, wenn das weiter stromaufwärts passiert wäre …
Schließlich erreichten wir die Stelle, von wir dann zu Fuß zur Karminspint-Kolonie laufen konnten, nach meiner Erinnerung exakt die gleiche Stelle wie vor zwei Jahren. Hier nur eine kleine Auswahl an Photos.
Auf dem Rückweg sahen wir dann neben einem Juvenilen Schreiseeadler (African Fish Eagle) noch einen
Weißrückenreiher (White-backed Night Heron, leider nur in Beweisphoto-Qualität) und einen
Nachtreiher (Black-crowned Night Heron).
Die Rückfahrt war dann sehr stimmungsvoll.
Abendstimmung auf dem Zambezi.
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201716. Dez. 2024 · #9
sorry, der Nachtreiher wollte nicht mit ...
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201716. Dez. 2024 · #10
man übt noch ...
Daxiang5'050 Beiträge · seit 201416. Dez. 2024 · #11
Hallo Sangwali,
ich bin auch noch schnell aufgesprungen und bin gespannt, wass ihr auf eurer Tour so alles gesehen und erlebt habt.
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201716. Dez. 2024 · #13
@ Konnie und Jens: Welcome on board!
Tag 4: Freitag, 01.11.2024
Eigentlich hatten wir für den heutigen Tag im Vorfeld eine Tagesausflug zu den Ngonye Falls nach Zambia geplant und auch über NCAT zuvor bei Caprivi Adventures fest gebucht. Die Victoria-Fälle hatten wir in 2017 schon einmal besucht. Leider ging es meiner Gefährtin in der Nacht nicht sehr gut (Magen-Darm), so dass sie sich entschlossen hatte, nicht mitzufahren. So stand ich dann vor der Entscheidung, entweder alleine zu fahren oder doch lieber bei meiner Frau in der Lodge zu bleiben. Natürlich habe ich mich dann (aber schweren Herzens) entschieden, auch in der Lodge zu bleiben und bin dann in der Früh zum Anleger, von wo aus Masule uns zum Camp hinüberbringen wollte, wo uns der Fahrer von Caprivi Adventures abgeholt hätte. Masule kannte zum Glück die Durchwahl des Fahrers und konnte ihn direkt informieren, dass der Trip ausfallen würde. Sehr schade, aber nicht zu ändern. Den Tag verbrachten wir dann wieder mit Abhängen in der Lodge, hauptsächlich mit dem Beobachten des sambischen Alltags auf der gegenüberliegenden Flussseite, viele Bilder sind an dem Tag nicht entstanden.
Geschäftiges Treiben auf dem sambischen Zambezi-Ufer
Graulärmvogel (Grey Go-away-Bird)
Zwergspint (Little Bee-Eater)
Abendstimmung
Zum Glück ging es meiner Frau am Abend schon wieder deutlich besser.
Tag 5: Samstag, 02.11.2024
Am Morgen dann noch ein Highlight, leider ohne Photobeweis. Schon am Vortag hatte ich das Gefühl, ich hätte einen Turako in den Baumwipfeln gesehen, war mir aber nicht sicher. Doch ja, nach dem Frühstück auf dem Weg zum Chalet sahen wir ihn wieder. Jeder Versuch, ihn auf Zelluloid zu bannen, war jedoch zum Scheitern verurteilt. Er hüpfte pausenlos in der obersten Etage umher und flog schließlich zu einem weiter entfernten Baum, wobei wir jedoch seine Turacin-roten Schwungfedern bewundern konnten. Nach dem Verbreitungsgebiet müsste es sich um einen Schalow´s Turako gehandelt haben.
Da wir heute nur eine sehr kurze Fahrt zum Chobe River Camp vor uns hatten, ließen wir uns alle Zeit der Welt und entschlossen uns, uns erst 11:00 Uhr zum Camp hinüberfahren zu lassen.
Panorama
Zambesi-Impression
Fazit Zambezi Mubala Lodge (3 Nächte) Unterkunft: 5 von 5 Essen: 5 von 5 Service: 5 von 5 Preis-Leistungsverhältnis: 5 von 5 Zusammenfassung: Da wir schon 2022 hier waren, wussten wir, was uns erwartet. Die Atmosphäre könnte „afrikanischer“ sein, zugegeben, die Chalets könnten auch in Bremerhaven stehen, bieten aber allen Komfort und der Blick auf den Zambezi und hinüber nach Zambia ist umwerfend. Das Personal ist äußerst aufmerksam und top geschult! Der Boat Cruise zu den Karminspinten hat wieder weit mehr geboten als "nur" die Bienenfresser. Wenn man zur Zeit der Karminspint-Brut in der Zambezi-Region unterwegs ist und etwas Interesse an Vögeln hat, sollte man sich das nicht entgehen lassen.
Als wir dann unser Fahrzeug bepackt hatten und starten wollten die nächste Überraschung: Die Batterie war tot. Das Fahrzeug hatte einen Engel, der an einer zweiten Batterie hing, den hatten wir aber komplett abgeschaltet, da wir keinen Kühlschrank brauchten. Daran lag´s also nicht. Ich vermutete zunächst, womöglich das Radio angelassen zu haben (der Lichtschalter war auch off) – wie auch immer – wir lernten einen neuen Fachbegriff im Englischen: Jump Start. Ein übelgelaunter Camp-Mitarbeiter stellte uns kurz seinen laufenden Motor zu Verfügung (er hatte offenbar anderes vor …) und wir konnten losfahren. Zunächst ging es nochmal hoch nach Katima, denn wir wollten den Tank komplett voll machen (bei der Übernahme bekommt man den Wagen nur mit dem ersten gefüllten Tank, also rund 80 Liter. Danach ging es dann wieder zurück auf der B8 Richtung Goma Ngoma:
Eigentlich hatte ich wegen der zur Verfügung stehenden Zeit und wegen der kurzen Entfernungen vorgehabt, von Bukalo aus den Schlenker über die D3507 zum Lake Liambezi zu nehmen, aber aufgrund der extremen Trockenheit und dem vermutlich ebenfalls wasserlosen See entschieden wir uns stattdessen, noch am Nachmittag einen ersten Gamedrive an der Chobe Riverfront zu machen. So bezogen wir also zunächst unser flammneues Zelt-Chalet. Alle alten Zelte, die wir noch aus 2017 kannten, werden aktuell gegen deutlich geräumigere Zelt-Chalets ausgetauscht, mit separatem Bad, Klimaanlage du allem Zipp und Zapp. Platz genug jedenfalls hatte es.
Wir waren ja vorgewarnt und wussten schon im Vorfeld, dass es keine Boat Cruises geben würde wegen des extrem niedrigen Wasserstandes. Aber so hatten wir es nicht erwartet. Es war kein Fluss mehr da. Was wir von der Lodge aus sahen, waren nur noch Rest-Tümpel:
Das letzte bisschen Chobe
Im Camp hieß es, dass der Zufluss vom Linyanti komplett trockengefallen war.
Im Vergleich: So sah es im Mai 2017 aus:
Nun ja, wir machten uns also auf den Weg nach Botswana: der Grenzübertritt war schnell erledigt. Vom Ngoma Gate fuhren wir zunächst den direkten Weg auf der Tiefsandstrecke runter zum „Ufer“, nur leider gab es kein Ufer mehr. Statt dessen eine dystopische Landschaft mit vielen Knochen, sehr mageren und auch vielen toten Tieren.
Der Geier hatte etwas symbolisches ...
Panther-Schildkröte
Im Hintergrund das Chobe River Camp
Da nicht mehr allzu viel Zeit war und der Grenzübergang um 18:00 Uhr schließen würde, sind wir nur bis Ihaha gefahren und dann den gleichen Weg zurück. Auf der vorgelagerten Terrasse des Camps war dennoch eine schöne Stimmung und an den Tümpeln konnten wir noch den einen oder anderen Vogel ablichten:
Dennoch waren wir etwas deprimiert und fragten uns, was denn die zwei nächsten Tage (beide waren geplant an der Chobe Riverfront) wohl bringen würden. Dazu später mehr, vermutlich aber erst am Wochende ...
Pascalinah2'772 Beiträge · seit 200616. Dez. 2024 · #14
Wir waren im September dort. Hat sich am Wasserstand nichts geändert. Ehrlich gesagt, die Sambezi Mubala Lodge hat uns nicht so sehr vom Hocker gehauen. Die Aufmachung passt einfach nicht zu Afrika. Wie du schon schreibst - eher zu Bremerhafen. Und groß etwas unternehmen kann man dort auch nicht. Von der Karminspintkolonie einmal abgesehen. Gruß Pascalinah
fotomatte2'516 Beiträge · seit 200916. Dez. 2024 · #15
Hallo Robert,
ich lese deinen Bericht interessiert mit, da ich die von euch besuchten Ecken recht gut kenne. Da muss ich aber gleich reingrätschen, denn dein "Common Fiscal" ist ein Swamp Boubou. 😉
Und Glückwunsch zum Zwergblatthühnchen, das habe ich damals, vor über fünf Jahren, auch dort in der Ecke gefunden.
HEHella171 Beiträge · seit 202016. Dez. 2024 · #16
Eine attraktive Route. Schön, dass du diesen Bericht schreibst. Deine Bilder vom Chobe River Camp machen mich traurig. Das sieht ja furchtbar aus.
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201717. Dez. 2024 · #17
Pascalinah: "Ehrlich gesagt, die Sambezi Mubala Lodge hat uns nicht so sehr vom Hocker gehauen. Die Aufmachung passt einfach nicht zu Afrika. Und groß etwas unternehmen kann man dort auch nicht. Von der Karminspintkolonie einmal abgesehen." In Teilen gebe ich Dir Recht. Wenn wir nicht den Ausflug nach Sambia in der Planung gehabt hätten, wären wir auch nur 2 Nächte dort geblieben, denn die Karminspinte hat man natürlich in einem Tag geschafft. Die Lodge leidet ein wenig darunter, dass kein Nationalpark in der Nähe ist und die Anreise mit dem Fährshuttle doch immer ein wenig mühsam ist. Wohlgefühlt haben wir uns aber dennoch allemal. Was ich besonders mag, ist die Weite des Zambezi, und sei es nur, dass man den ganzen Tag die Fischer und die Kühe beobachtet ... 😉
Matthias: "Da muss ich aber gleich reingrätschen, denn dein "Common Fiscal" ist ein Swamp Boubou." Danke für´s Reingrätschen, Expertenmeinung ist immer willkommen! Bei dem Würger (immerhin!") war ich mir fast sicher, aber bei genauerem Hinschauen in Robert´s Bird Guide (nein, nicht von mir 😗) muss ich dir recht geben. Aber die Unterscheidung ist echt knifflig. Ich würde es an der Schnabelform, an der Schwanzfederlänge und der Ausdehnung der Weißfärbung an der Kehle festmachen wollen, aber auf den ersten Blick sehen die zwei für mich erstmal - nun - seeehr ähnlich aus.
Hella: "Schön, dass du diesen Bericht schreibst." Vielen Dank! Schön, dass Du dabei bist!
LG Robert
Lotusblume1'933 Beiträge · seit 200919. Dez. 2024 · #18
Moin Sangwali, ui, fast hätte ich Deinen schönen Reisebericht verpasst. Danke fürs Teilen, aber manche Bilder machen mich auch traurig. Erschreckend wie trocken es im Caprivi sein kann. Wir haben es so ganz anders kennengelernt. Virtuell begleite ich Euch gerne weiter und bin auf weitere Abenteuer gespannt.
SangwaliThemenstarter311 Beiträge · seit 201721. Dez. 2024 · #19
Lotusblume: "Virtuell begleite ich Euch gerne weiter und bin auf weitere Abenteuer gespannt." Auch an Dich ein herzliches Willkommen!
Tag 6: Sonntag, 03.11.2024
Heute ging es wieder über die Grenze und zum Ngoma-Gate. Der Plan war, heute die Riverfront von West nach Ost bis zum Sedudu-Gate zu durchfahren und morgen dann umgekehrt. Da wir am Vortag aber bergauf im Tiefsand auf der direkten Zufahrt schwer zu kämpfen hatten 😉, erkundigten wir uns nach der Alternativzufahrt über die Route 17. „Kein Problem“ meinte der freundliche Ranger am Gate und erklärte uns kurz, wie die Einfahrt von der Transitstrecke aus zu erkennen sei. So fuhren wir also zunächst exakt 8,2 km Richtung Kasane. Dann ging es auf einer im Vergleich zur Zufahrt am Ngoma-Gate sehr angenehm zu fahrenden Piste Richtung „Ufer“. Unterwegs sollten wir etwa auf halber Strecke zwischen Simwanza und der Uferstrecke auf einen Giraffenkadaver achten, die Löwen, die die Giraffe gerissen hatten, seien auch noch in der Nähe. Trotz sehr detaillierter Beschreibung der mutmaßlichen Fundstelle durch den Ranger entdeckten wir aber weder den Kadaver noch die Beutegreifer. Lediglich lebenden Giraffen begegneten wir – auch nicht schlecht.
ich sehe niemand und niemand sieht mich 😗
Auch Kudus sahen wir
und Tokos
sowie eine Gabelracke Spatelracke (Racket-tailed Roller - Dank an Bele!)
Unten am „Fluss“ angekommen, nahmen wir die Piste immer am „Ufer“ entlang. Gelegentlich gab es Tümpel. In einem konnten wir dann eine Gruppe Hippos im Salat beobachten, die mehrere Kleine dabei hatten.
In der Nähe des Wassers waren immer ein paar Tiere zu sehen:
Afrikanischer Klaffschnabel
Schakal im falschen Rudel
Eine Herde Büffel unter einem großen Baobab
Zebras an der Tränke
beobachtet von zwei ziemlich lässigen Pavianen
braune Sichler
Dann kam uns ein Fahrzeug mit einem jungen Pärchen entgegen, die uns anzeigten anzuhalten und erzählten, dass sie etwa 200 Meter weiter zwei Löwenmädchen gesehen hätten und erklärten uns genau den Weg und die Stelle. Wir haben sie dann auch sofort gefunden und waren lange Zeit mit den beiden alleine 😛. Sie waren wohl etwas vollgefressen, denn sie hatten kürzlich ein geschwächtes Elefantenkalb gerissen. Dessen Kadaver haben wir aber dann erst am nächsten Tag gesehen.
Die beiden Löwinnen hechelten vor sich hin und suchten gelegentlich nach mehr Schatten. Dabei ließen sie sich keinen Deut von uns stören. Wir waren sicher eine gute Stunde mit den zweien allein, bevor wir dann weiterfuhren Richtung Sedudu. Auf dem Weg dorthin sahen wir noch viele badende Büffel und im Hintergrund etliche Kühe, die am frühen Morgen auf der namibischen Seite Richtung „Fluss“ getrieben worden waren.
Später entdeckten wir dann noch einen Elefantenkadaver, auf den uns der Ranger eines Lodgefahrzeugs aufmerksam gemacht hatte. Dort in der Nähe befänden sich ebenfalls Löwen. Tatsächlich haben wir dann noch eine weitere Löwin im Busch entdeckt, von ihr aber nicht viele Photos machen können, da sie sehr versteckt lag und vom Rest ihres Rudels war auch nichts zu sehen.
So fuhren wir dann mit einer Überdosis Löwe weiter Richtung Sedudu und entdeckten noch lebende, aber sehr magere Elefanten, die sich schützend um ihre Kleinsten gruppierten
einen stattlichen Rappenantilopenherrn
und dann – kurz vor dem Abzweig von der Uferpiste Richtung Sedudu-Gate – zwei Gamedrive-Fahrzeuge an einem Busch. Was da wohl im Busch war?
Unser erster "freilebender" Leo. Auch wenn wir kaum gute Photos machen konnten, weil er sich ziemlich bedeckt hielt in seinem schattigen Versteck, so waren wir doch sehr happy.
Nebenan noch ein schönes Schopffrankolin (Crested Francolin)
und kurz vor dem Sedudu-Gate noch eine sehr magere Eli-Mutter mit ihrem Kalb. Es wunderte uns nicht, dass wir heute zwei Elefantenrisse gesehen haben, die Tiere müssen schon sehr geschwächt gewesen sein von der Dürre.
Nach der Ausfahrt haben wir in Kasane noch schnell ein paar Flaschen Wasser gekauft. Die Rückfahrt über die Transitroad war ebenso unspektakulär wie der erneute Grenzübertritt. Am nächsten Tag wollten wir die Riverfront dann auf umgekehrten Wege durchfahren.
Champagner8'684 Beiträge · seit 201021. Dez. 2024 · #20
Hallo Robert,
ich lese hier auch mit Vergnügen mit 😉 und muss jetzt schnell zwischen zwei Blechen Lebkuchen reingrätschen:
Sangwali schrieb: sowie eine Gabelracke
Das ist keine Gabelracke, sondern eine Spatelracke!