THEMA: Reisebericht: Mit Fahrrad, Bus und Zug durch Kuba
28 Sep 2020 11:42 #595575
  • loser
  • losers Avatar
  • Beiträge: 1214
  • Dank erhalten: 1911
  • loser am 28 Sep 2020 11:42
  • losers Avatar
Und weil dieses ja ein Afrika-Forum ist, noch ein Hinweis auf Lesestoff betr. südlich afrikanische Zeitgeschichte mit Kuba-Bezug. Vielleicht interessiert es Jemand.
Kuba war ja nach der Revolution bzw. während des kalten Krieges ein prominenter Player im „Dekolonisierungsprozess“, und hat dabei auch zur Verhinderung einer „westlichen“ Machtübernahme in Angola nach Abzug der Portugiesen zugunsten A. Netos und seiner MPLA militärisch interveniert. Das ist ein spannendes Stück afrikanischer Zeitgeschichte, wie Breschnew quasi aus der Zeitung erfuhr, dass sein karibischer Proxy Castro einen Krieg in Afrika begonnen hatte, obwohl er nicht ein Mal ein Flugzeug hatte, das so weit direkt fliegen konnte. Das alles hat auch einen starken Namibia-Bezug (passt daher auch in's Namibiaforum B)) , weil das Motiv für die militärische Intervention Südafrikas ja die Verhinderung einer Operationsbasis für die SWAPO in einem sozialistischen Angola war. Dies alles ist im u. a. Buch sehr gut und lesbar geschildert. Interessant ist auch, dass Führungspersönlichkeiten der SADF dem Autor sehr bereitwillig und genau Auskunft gaben, während Kuba eher zugeknöpft war.
THE CUBAN INTERVENTION IN ANGOLA, 1965–1991
From Che Guevara to Cuito Cuanavale

"In January 1965 Cuba formed an alliance with the Angolan MPLA which evolved into the flagship of its global ‘internationalist’ mission, spawning the military intervention of November 1975 and Cuba’s fifteen-year occupation of Angola. This book examines why a Caribbean country sent nearly half-a-million of its citizens to fight in Angola, and how a short-term intervention escalated into a lengthy war of attrition, culminating in Cuba’s spurious ‘victory’ at Cuito Cuanavale. Drawing on interviews with leading protagonists, first-hand accounts and archive material from Cuba, Angola and South Africa, this book dispels the myths of the Cuban intervention, revealing that Havana’s decision to intervene was not so much an heroic gesture of solidarity, but rather a last-ditch gamble to avert disaster. By exploring the complex interplay between the fighting on the ground, the tortured peace process and the constantly shifting alliances, this book aims to explain how these forces shaped and affected Cuba’s fifteen-year intervention, propelling it towards its controversial conclusion."
Edward George
is the Cape Verde and São Tomé author for the Economist Intelligence Unit (EIU) and is a freelance writer on the politics, economics and history of Latin America and sub-Saharan Africa. This book is based on research carried out for his PhD, which was awarded by the University of Bristol.

Das Buch gibt es noch im on-line Handel, hier gratis als download.
www.academia.edu/524...tervention_in_Angola
Letzte Änderung: 28 Sep 2020 11:44 von loser.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: speed66, Old Women
28 Sep 2020 16:16 #595603
  • CuF
  • CuFs Avatar
  • Beiträge: 2939
  • Dank erhalten: 4653
  • CuF am 28 Sep 2020 16:16
  • CuFs Avatar
Hallo Gu-Ko,
Du siehst, welches Interesse Dein Bericht gefunden hat und welche Fragen und Anregungen sich daraus ergeben. Auch dafür herzlichen Dank !
Beste Grüße
Friederike
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
29 Sep 2020 11:10 #595650
  • Gu-ko
  • Gu-kos Avatar
  • Testtext
  • Beiträge: 275
  • Dank erhalten: 1185
  • Gu-ko am 29 Sep 2020 11:10
  • Gu-kos Avatar
Hola Compañer :) s,
das Interesse am Thema Kuba freut mich sehr. Ich werde sobald wie möglich auf die Kommentare eingehen.
Danke!
Gu-Ko
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
29 Sep 2020 11:52 #595661
  • Martina56
  • Martina56s Avatar
  • Beiträge: 568
  • Dank erhalten: 1306
  • Martina56 am 29 Sep 2020 11:52
  • Martina56s Avatar
Hallo Guko,
Auch von mir nochmals ein herzliches DANKE für diesen super Bericht mit vielen interessanten Einblicken in die Kultur und die Menschen. Ich möchte auch nochmal nach Kuba...
GLG Martina
2020: Februar/März Kuba und mehr martinasreisen.blog/
2019 Mai/Juni: Botswana - Caprivi - Vic Falls hier im Forum www.namibia-forum.ch...-okavango-delta.html
2018 Sizilien, Äolische Inseln, La Reunion und mehr: martinasreisen.blog/
2018 Ost-Sizilien und Liparische Inseln Reisebericht: www.umdiewelt.de/mTravelogue.php?t=9215&m=p
2017 Island - Spitzbergen - Nordkap - Norwegen Reisebericht: www.umdiewelt.de/Eur...-9019/Kapitel-0.html
2016 Vietnam Reisebericht: www.vivien-und-erhar...isebericht/&pageNo=1
2015 Namibia Reisebericht: www.namibia-forum.ch...-2015-ein-traum.html
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
30 Sep 2020 13:23 #595731
  • Gu-ko
  • Gu-kos Avatar
  • Testtext
  • Beiträge: 275
  • Dank erhalten: 1185
  • Gu-ko am 29 Sep 2020 11:10
  • Gu-kos Avatar
KarstenB schrieb:
Hallo Guko,
auch von mir ein dickes Danke für Deinen plastischen RB einer spannenden Reise. Für mich war natürlich der Unterschied zu meinen Reisen früher besonders interessant. Nicht nur so spektakuläre wie die Existenz privater Zimmervermietungen (das habe ich natürlich durch die Medien mitbekommen), sondern auch die kleinen Veränderungen. Besonders entsetzt war ich über die Abholzung des Parque Céspedes in Bayamo. Ich habe, obwohl inzwischen 31 Jahre her, eine so positive Erinnerung daran, unter den schattigen Bäumen Erholung von der schwül-heißen Luft gefunden zu haben. Unglaublich, was sich die Verantwortlichen gedacht haben?
[...]
LG aus HH,
Karsten

Hallo Karsten,
auch zwischen meinem ersten und meinem letzten Kubabesuch liegen rund 20 Jahre. Daher habe ich Einblick in die Entwicklungen, bzw. Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte bekommen. Es geht zwar langsam voran in Kuba, aber vieles ist deutlich besser geworden.
Das fängt bei der Lebensmittelversorgung an, geht weiter beim Transport, also den ÖPV, bis hin zu den Cuentapropistas, den legalen Kleinunternehmern, die es seit ein paar Jahren gibt. Ich habe auch den Eindruck, dass sich in Kuba eine Art Mittelschicht entwickelt hat, die doch recht gut leben, sei es durch Zuwendungen aus dem Ausland, oder durch eigene Geschäftstätigkeiten.
Bei meinem ersten Besuch im Jahre 2001, gab es in dem Stadtviertel, in dem ich wohnte nur ein einziges Telefon (Telefono Publico) und wenn jemand angerufen wurde, kam ein Bote (Mensajero) ins Haus und teilte dem Angerufenen mit, dass jemand ihn sprechen wollte. Heute haben viele Kubaner Handy und Internet über die Wifi-Parks.
Oder in den kleineren Dörfern oder Stadvierteln gab es im Parque einen Holzkasten mit einem Fernseher drinn, der wurde abends aufgeschlossen und die Leute versammelten sich davor um die abendliche Telenovela anzuschauen. Heute ist ein TV-Gerät fast Standard in kubanischen Häusern.
Inzwischen gibt es auch neue, aus China importierte Züge auf der Strecke Havanna - Santiago/Guantanamo, ich bin die noch nicht gefahren, aber laut Berichten soll es eine deutliche Verbesserung sein. (Wenn auch nicht mehr so romantisch, wie die alten Bummelzüge)
Trotzdem gibt es immer noch viele Menschen, die keinen Zugang Devisen oder größeren Extraeinnahmen haben und die in ziemlicher Armut leben. Auch wenn die Armut in Kuba nicht vergleichbar mit dem lebensbedrohlichen Elend in manchen Teilen Afrikas ist. Es gibt keine ausgedehnten Slums, Zugang zu sauberem Wasser und eine gewisse medizinische Grundversorgung sind gegeben, niemand verhungert in Kuba.
All das ist sehr weit entfernt von "ideal", aber doch besser als nichts.
Grüße
Gu-Ko
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.
Folgende Benutzer bedankten sich: KarstenB, loser
30 Sep 2020 13:41 #595732
  • Gu-ko
  • Gu-kos Avatar
  • Testtext
  • Beiträge: 275
  • Dank erhalten: 1185
  • Gu-ko am 29 Sep 2020 11:10
  • Gu-kos Avatar
Gabi-Muc schrieb:
Hallo Guko,

auch von mir ein herzliches DANKE für den tollen ungewöhnlichen Bericht. Besonders spannend auch die Episode mit Deinem Fahrradunfall. Ich hoffe, dass inzwischen alle Wunden geheilt sind. Wie schon mal geschrieben, wäre diese Reise nichts für mich, dazu bin ich zu unsportlich. Aber auch die einfachen Unterkünften wären nichts für mich. Umso interessanter ist es zumindest virtuell auf so eine Reise zu gehen.

Falls Du noch mehr solcher Erlebnisreisen auf Lager hast, ich bin gerne dabei. Dein Schreibstil gefällt mir auch ausgezeichnet.

LG

Gabi
Gabi Danke! :)

Bei den Campismos gebe ich dir recht, die sind meistens sehr einfach. Was die Casas Particulares, oder Casas de Renta angeht, so sind die gar nicht so schlecht. Da die Zimmervermietung staatlich kontrolliert wird, müssen die Vermieter einen gewissen Standard einhalten um die die Lizenz zu bekommen. Jedes Zimmer hat AC, Bad/WC, viele haben TV und einen Kühlschrank. Manchmal fehlt es zwar ein wenig an Privatsphäre, da man quasi bei einer kubanischen Familie wohnt, aber oft hat man auch eine Etage für sich, oder einen eigenen Eingang. Ich mag diese Art der Übernachtung recht gerne, da man immer jemand hat, den man bei Fragen und Problemen kontaktieren kann.

Meine Wunden sind geheilt, das ganze ereignete sich Ende 2018, ein paar Narben werden wohl bleiben. Ich habe Ende 2019 noch eine längerer Radreise in Kuba unternommen, wenn Interesse besteht, könnte ich auch darüber berichten. Ich hatte bislang nur das Gefühl, dass hier im Forum der Interessensschwerpunkt doch eher in Afrika liegt?

Grüße
Gu-Ko
Letzte Änderung: 30 Sep 2020 13:41 von Gu-ko.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.