Reisebericht: Mit Fahrrad, Bus und Zug durch Kuba

Reisebericht 121 Antworten · 17,4k Aufrufe · gestartet 29. Juli 2020 von Gu-ko
Themenstarter275 Beiträge · seit 201429. Juli 2020 · #1
Dass es im Namibia-Forum auch interessante Reiseberichte gibt, die nicht direkt von Namibia oder Afrika handeln, finde ich cool 😎.

Mit Fahrrad, Bus und Zug durch Kuba – Der Osten

In den letzten Jahren war Kuba eines meiner Lieblingsreiseziele außerhalb Afrikas. Ich habe den Inselstaat mehrfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Zug Sammeltaxi, LKW) und mit dem Fahrrad bereist. Immer selbstorganisiert und ohne festen Zeit- oder Streckenplan. Das ermöglicht mir ein Maximum an Flexibilität und Spontanität, auch wenn ich manchmal morgens noch nicht genau weiß, wo ich abends aufschlagen werde.


Tropisches Ostkuba bei Baracoa

Also, wer sich für Kuba interessiert, oder für unkonventionelles Reisen, oder fürs Radeln, oder sogar für alles zusammen, ist herzlich eingeladen, an meiner Kuba-Radel-Safari 🙂 teilzunehmen. 


Ausläufer der Sierra Maestra – Ostkuba

Radreisen gehören für mich zu den spannendsten Reisearten. Nicht immer und nicht überall, aber in Kuba sind die Voraussetzungen sehr gut. Zwar gibt es kaum Radwege, oder eine spezifische Radverkehrsinfrastruktur, dafür aber verkehrsarme Landstraßen, die den Radfahrer durch einsame Gegenden und tolle Landschaften führen. Und wenn man unterwegs mal Probleme hat, trifft man überall auf freundliche und hilfsbereite Menschen.

So jedenfalls meine Erfahrung.


Und auch ziemlich cool 😎 , man darf als Radfahrer auf die Autobahn.


Camión – Für Personentransport umgebauter LKW: preisgünstig, unbequem, authentisch.


Lechero - Kubanischer Bummelzug

Zugfahren ist in Kuba (noch) etwas Besonderes. Diesmal hatte ich die Gelegenheit mit dem Lechero (Bummelzug) von Guantanamo nach Holguin zu fahren. Für die 170km lange Strecke benötigt er stolze sieben Stunden. Trotz, oder gerade wegen der Langsamkeit kann ich solche Zugfahrten genießen. Ein kubanischer Bummelzug ist immer ein Erlebnis. Der Weg ist das Ziel.

Aber davon später mehr.

Die Route



---- Fahrradstrecke
---- Bus/Sammeltaxi
---- Zug

Für eine große Kartenansicht HIER klicken

Meine Radsafari beginnt in Santiago de Cuba. Santiago gilt als die afrikanischste aller kubanischen Städte. Sie ist bekannt für ihre afrokubanische Kultur, für ihre Musikszene, für ihre Revolutionsgeschichte und für ihre prächtigen Kolonialbauten. Während viele kubanischen Provinzstädte recht verschlafen wirken, ist in Santiago immer etwas los.

Zunächst werde ich von Santiago entlang der Küste Richtung Westen radeln, dann in einem großen Bogen um die Sierra Maestra herum wieder zurück nach Santiago. Die Küstenstraße zwischen Santiago und Pilon ist so etwas wie eine Traumstrecke für Radfahrer. Sie führt durch eine touristisch kaum frequentierte Landschaft mit einsamen Stränden, schroffen Bergen (Sierra Maestra) und extrem wenig Verkehr.

Meine Tour verlief allerdings nicht immer traumhaft… aber auch dazu später mehr.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 08. Aug. 2020
1'059 Beiträge · seit 200630. Juli 2020 · #2
Oh, wie cool, endlich mal wieder ein Bericht von dir! Die sind immer was ganz besonderes und daher bin ich natürlich sehr gerne dabei. Schaut ja schon mal sehr vielversprechend aus und macht Appetit auf mehr!

Liebe Grüsse
Sam
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1'543 Beiträge · seit 201330. Juli 2020 · #3
Hallo Guko,
dein Intro ist schon einmal sehr vielversprechend. Kuba kenne ich ganz gut, denn wir waren schon zweimal dort, beim letzten Mal knapp das legendäre Konzert der Stones verpasst 🙁 . Da wäre ich sehr gerne dabei gewesen.
Ein Urlaub auf Kuba ist immer was ganz Besonderes, denn trotz aller Widrigkeiten sind die Kubaner so herrlich entspannt. Wir waren allerdings mit einer alten Klapperkiste unterwegs. Es war wohl ein russisches Modell. In Havanna und Umgebung hat uns ein Kubaner zusammen mit seiner hochschwangeren Frau, die er wohl nicht zu Hause lassen wollte, herumgefahren. Das war extrem gesellig. Unterwegs haben wir immer Menschen mitgenommen, denn das macht man dort wohl und dabei viel über Land und Leute erfahren Gewohnt haben wir in einfachen Casas Particulares, sehr preiswert.
Ich freue mich auf deinen Bericht 🙂 !

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
zuletzt bearbeitet 30. Juli 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201431. Juli 2020 · #5
kalachee schrieb:Oh, wie cool, endlich mal wieder ein Bericht von dir! Die sind immer was ganz besonderes und daher bin ich natürlich sehr gerne dabei. Schaut ja schon mal sehr vielversprechend aus und macht Appetit auf mehr!

Liebe Grüsse
Sam
Ich war längere Zeit nicht mehr im Forum und auch meine letzte Afrikareise liegt drei Jahre zurück. Ich hoffe, nächstes Jahr wird es wieder möglich sein. Dein Appetit auf mehr Kuba wird gestillt 🙂
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201431. Juli 2020 · #6
Old Women schrieb:Hallo Guko,
... Kuba kenne ich ganz gut, denn wir waren schon zweimal dort,
[...]
Ich freue mich auf deinen Bericht 🙂 !

Herzliche Grüße
Beate
Danke für dein Interesse. 🙂 Wenn du Kuba schon selbst erlebt hast, wirst du bestimmt einiges wiedererkennen, so wie ich in deimem Patagonienreisebericht, der mich übrigens inspiriert hat, auch mal einen Reisebericht einzustellen, der nicht von Afrika handelt.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201431. Juli 2020 · #7
picco schrieb:Hoi Guko

Auch wenn Kuba bisher noch nicht auf meiner ToDo-Liste war bin ich gern dabei!
Strampel mal los! 😎
Was nicht ist, kann ja noch werden. 😉 Kuba ist tatsächlich ein tolles Land und ein bisschen Afrikaflair findet man dort auch.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201431. Juli 2020 · #8
Ankunft in Holguin und Fahrt nach Santiago


Internationaler Flughafen "Frank País" in Holguin

Die meisten Touristen, die nach Ostkuba fliegen, landen auf dem internationalen Flughafen "Frank País" in Holguin. Holguin liegt etwa 60km von dem Feriengebiet Guardalavaca entfernt, dessen Sandstrände vor allem von Pauschalurlaubern besucht werden. Mein Ziel, Santiago de Cuba, liegt in der entgegengesetzten Richtung, etwa 170 km südlich von Holguin.

Wie schon bei früheren Einreisen werde ich an der Passkontrolle zunächst fotografiert, dann muss ich ein paar Fragen nach dem Grund meines Aufenthaltes beantworten und meistens wollen sie noch wissen, wo man zu wohnen gedenkt. Verboten ist das Übernachten bei Privatpersonen, Freunden oder Bekannten. Man muss also entweder ein Hotel angeben, oder eine Casa Particular, eine staatlich lizenzierte Privatunterkunft.

Nachdem ich alle Fragen beantwortet habe, komme ich ohne größere Verzögerungen durch die weiteren Zollformalitäten. Vielleicht liegt es daran, dass ich nur ein einziges Gepäckstück dabeihabe. Die Zöllner konzentrieren sich auf die Reisenden, die mit Bergen von Koffern, Kartons und Reisetaschen ankommen. So wie z.B. die Kubanerinnen auf Heimaturlaub, die Gepäckwagen vor sich herschieben, auf denen sie ihre Habe zu mehreren Metern hohen Türmen gestapelt haben. Sie werden zu den seitlich stehenden Tischen gewunken und nach gründlicher Inspektion geht das Gefeilsche um die Höhe des zu entrichtenden Zolls los... 😉

Vom Flughafen bringt mich ein Sammeltaxi nach Santiago. Es ist ein gigantischen US-Oldtimer aus vorrevolutionären Zeiten, eine "Maquina", wie die Kubaner diese Gefährte nennen. Der Wagen ist so breit, dass auf den Sitzbänken locker fünf Personen nebeneinander Platz hätten. In einer Maquina nach Santiago zu fahren vermittelt gleich zu Beginn Kubafeeling. Kubafeeling vermitteln allerdings auch die stinkenden Camiones (LKWs), hinter denen wir herfahren und die den Innenraum zeitweise in eine Gaskammer verwandeln, bis der Fahrer endlich überholt.


Zuckerrohr

Ich sitze am offenen Fenster und lasse mir den warmen Fahrtwind um die Ohren streichen. Dunkle Gebäude huschen vorbei, später Dörfer mit kleinen Häusern, staubigen Straßen und spinnennetzartig gespannten Stromleitungen. Dann, bis zum Horizont, Weideland und Zuckerrohrfelder. Das weiche Licht der Abendsonne lässt die Gegend schöner aussehen, als sie tatsächlich ist.

Als wir nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt die ersten Häuser Santiagos sehen, ist es längst dunkel.


Es ist dunkel, als wir in Santiago ankommen


Santiago

Schließlich setzt mich der Fahrer des Sammeltaxis vor einem unscheinbaren Haus unweit des Zentrums ab. Das Haus, die Casa Tita, ist eine Casa Particular, also eine private Zimmervermietung. Die Casas Particulares sind eine preisgünstige Alternative zu den staatlichen Hotels und da man direkt bei Kubanern zuhause wohnt, ergeben sich oft interessante und hilfreiche Kontakte. In der Regel bekommt man ein sauberes Zimmer mit Doppelbett, Dusche und WC, Aircondition, oft auch Kühlschrank und TV. Das kostet je nach Saison und Ort zwischen 12 - 25 CUC. (1 CUC, oder Peso Convertible genannt, entspricht 1 USD)

Ich habe mein Zimmer in der Casa Tita für die ersten drei Nächte über Airbnb reserviert. Ich plane drei Tage in Santiago zu bleiben. Übermorgen bekomme ich mein Fahrrad, das ich von Deutschland aus bei „Profil-Cuba-Reisen“ gemietet habe. Ich hätte, wie schon auf früheren Touren, mein eigenes Rad mitbringen können, aber diesmal habe ich mich entschieden eins zu mieten, hauptsächlich aus Bequemlichkeit, so spare ich die Mühen der Verpackung und des Transports.


Santiago de Cuba


Santiago de Cuba

Trotz der späten Stunde werde ich herzlich begrüßt. Mein Zimmer ist klein, fensterlos, fast ein bisschen düster, aber es hat einen Zugang zu einer Terrasse mit Tischchen und Stühlchen und üppigen tropischen Pflanzen, die aus rostigen Dosen und Plastikbehältern wachsen.

Aber das einzige, was ich heute noch brauche, sind eine Dusche und ein Bett.
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zuletzt bearbeitet 31. Juli 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. Aug. 2020 · #9
In Santiago de Cuba


Santiago de Cuba

Es ist noch dunkel, als der Hahn des Nachbarn zu krähen beginnt. Befreundete Hähne antworten aus allen Himmelsrichtungen, dann ist es für ein paar Minuten ruhig, aber sobald ich wieder eingeschlafen bin, geht die Kräherei von vorne los.
Das ist grausam. Bald gebe ich es auf schlafen zu wollen, setze mich auf meine kleine Terrasse und warte auf den Morgen.

Ab etwa 6 Uhr tauchen Händler auf der Straße auf. Man hört ihre singenden Rufe lange bevor man sie sieht:

„Huevos, el huevo, pan, mantequilla“. („Eier, Brot, Butter!)

Manche haben eine Trillerpfeife dabei um auch noch die letzten Schlafmützen zu wecken. An die kubanische Geräuschkulisse werde ich mich erst noch gewöhnen müssen.

Inzwischen knurrt mein Magen gewaltig. Meine letzte Mahlzeit war das dürftige Abendessen im Condor-Flugzeug. In den meisten Casas Particulares kann man Frühstück bekommen, aber Zadis, die außer Zimmervermieterin auch noch Ärztin ist, ist im Krankenhaus bei ihrer Arbeit. Also muss ich mir selbst etwas organisieren.

Als ich im Jahre 2001 das erste Mal nach Kuba kam, war es außerhalb der Touristenresorts manchmal schwierig, etwas Anständiges zu essen zu finden. Es gab nur staatliche Geschäfte und Restaurants und deren Angebot war oft von schlechter Qualität, oder schlichtweg ausverkauft. Vor ein paar Jahren wurde den Kubanern erlaubt, private Kleinunternehmen zu gründen. Daraufhin entstanden überall Cafeterias, Pizzerias und kleine Restaurants, sodass die Verpflegung heute kein Problem mehr ist. Und auch die Qualität ist deutlich gestiegen.


Cafeteria Kenia

Es dauert nicht lange, bis ich eine Cafeteria entdecke. Durch ein vergittertes Fenster kann man von der Straße aus Bocaditos (belegte Brötchen), Tortilla, Sandwiches, Café, Pizza und Getränke bestellen. In den Cafeterias bezahlt man in Moneda Nacional (CUP), nicht zu verwechseln mit dem Peso Convertible, dem CUC.

Zu den Besonderheiten Kubas gehört das Zweiwährungssystem. Zum einen gibt es die „Moneda Nacional“ (MN), auch „CUP“ genannt und parallel dazu den „Peso Convertible“ auch „CUC“, oder „Devisa“ genannt. Für Ausländer ist es am Anfang recht verwirrend, da man oft nicht weiß, ob die Preise in CUC oder CUP ausgezeichnet sind.

Umgerechnet wird wie folgt: 1 CUC = 24 CUP = 1USD = ca. 0,85 €

Mein Frühstück, Brötchen mit Rührei, 4 Cafecitos und ein Batido de Guayaba (Guaven-Smoothie) kostet gerade mal 20 Pesos MN, also etwa 0,75€. Ich frage mich, wie die Leute bei solchen Preisen Gewinn erwirtschaften können.


Santiago – Im Morgenlicht ist Santiago am schönsten (zum Fotografieren)


Geiler Oldtimer vor meiner Casa in der Calle Santo Tomás


Santiago wurde auf vielen Hügeln erbaut
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zuletzt bearbeitet 02. Aug. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. Aug. 2020 · #10
Santiago Sightseeing


Revolutionäres Santiago

Da ich mein Fahrrad erst morgen bekomme, habe ich einen Tag Zeit, durch Santiago zu streifen. Santiago ist eine lebhafte und auch eine hübsche Stadt. Ich verliere mich gerne in den schmalen, bisweilen steilen Sträßchen und Gassen der auf Hügeln gebauten Altstadt. Man kann stundenlang umherbummeln, historischen Gebäude und Kolonialhäuser bewundern und Musikkneipen besuchen, die die Straßen nach Sonnenuntergang mit den Rhythmen der Live-Bands erfüllen.

Mit den Motorradtaxis kommt man überall hin, und das schnell und für wenig Geld. Allerdings braucht man gute Nerven, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit durch die löchrigen und verkehrsreichen Straßen brettern. Die engen Straßen der Innenstadt sind mehr oder weniger schachbrettartig angeordnet, die Kreuzungen unübersichtlich. Die Fahrer scheinen sich darauf zu verlassen, dass alle Verkehrsteilnehmer die Vorfahrtsregeln einhalten und rasen, ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren, über nicht einsehbare Kreuzungen. Das ist manchmal gruselig.


Parque Cespedes - Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción

Der zentrale Platz von Santiago ist der Parque Cespedes. An seiner Südseite steht die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción, an seiner Nordseite das Ayuntamiento (Rathaus), von dessen Balkon aus Fidel Castro einst den Sieg der kubanischen Revolution verkündete. Leider fegte Hurrican Sandy im Jahre 2012 fast alle Bäume des Parks weg, sodass man dort kaum noch ein schattiges Plätzchen findet.


Parque Cespedes - Ayuntamiento

Den besten Blick über den Parque Cespedes, und über weite Teile der Altstadt bis hinunter zum Hafen, hat man von der Dachterrasse des Hotels Casa Granda.

Ich lasse jetzt, ohne viel zu kommentieren, ein paar Fotos folgen, die auf meinen Streifzügen durch Santiago entstanden:


Santiago - Palacio Provincial


Santiago – Motorrad-Taxis


Santiago


Santiago


Santiago


Santiago


Kubaner sind leidenschaftliche Dominospieler


Santiago


Santiago


Enramadas – Die zentrale Einkaufsstraße Santiagos


Santiago
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201402. Aug. 2020 · #11
Santiago – Ich bekomme mein Fahrrad


Santiago - Hafen

Am nächsten Tag bringen die kubanischen Angestellten von Profil-Cuba-Reisen mein Fahrrad in die Casa. Leider erst nachmittags, sodass der erste bezahlte Tag für meine Tour verloren ist.

Das Fahrrad ist technisch in Ordnung und macht den Eindruck, als würde es die geplante Strecke durchhalten. Ich mache gleich eine Testrunde, die Schaltung schaltet perfekt, die Bremsen tun auch was sie sollen. Lediglich die Reifen hätte ich mit etwas dicker gewünscht. Noch ein Kritikpunkt ist der Flaschenhalter, er ist zu klein für die kubanischen 1,5 Liter Wasserflaschen.

Im Eingangsbereich der Casa, zwischen Topfpflanzen und Schaukelstühlen, bereite ich das Fahrrad für meine Tour vor. Sattel- und Lenkertaschen, Werk- und Flickzeug habe ich aus Deutschland mitgebracht. Die Lenkertasche macht etwas Probleme, weil die Maße der Halterung nicht mit den Maßen des Lenkers übereinstimmen. Aber nach einigem hin- und her passt auch das.

Ich werde nur das Nötigste mitnehmen. Alles was ich nicht direkt für die Tour brauche, kann ich in der Casa zur Aufbewahrung zurücklassen.

La Abuela (die Oma) sitzt wie gewohnt in ihrem Schaukelstuhl neben der Eingangstür und beobachtet mein Tun. Natürlich will sie wissen, was ich vorhabe. Als ich ihr erzähle, dass ich alleine mit dem Fahrrad die Sierra Maestra umrunden will, sagt sie kopfschüttelnd:

„Ay, ay, madre mia, que cosa“. („Meine Güte, was für eine Sache“)

Dann schlurft sie in eines der hinteren Zimmer und kommt mit einem alten Hut zurück. Er erinnert an einen dieser Fischer- oder Anglerhüte, mit einer breiten Krempe ringsherum. Sie reicht mir den Hut mit den Worten:

„Pa‘que el sol no te queme“. („Damit dich die Sonne nicht verbrennt.“)

Und damit keine Missverständnisse aufkommen fügt sie noch hinzu:

„Prestado, no regalado“ („Nur geliehen, nicht geschenkt.“)

Der Hut ist alt, hässlich und fleckig, aber ich nehme ihn gerne. Ein Sonnenschutz für den Kopf fehlt mir tatsächlich noch.

Zu diesem Zeitpunkt ahne ich nicht, dass dieser Hut für eine dramatische Wendung meiner Radtour verantwortlich sein wird.


Sanriago - Catedral Basílica de Nuestra Señora de la Asunción

Einen letzten Sundowner nehme ich auf der Dachterrasse des Hotels „Casa Granda“ ein. Der Blick über den Parque Cespedes bis zum Hafen ist immer wieder schön, vor allem abends, wenn das Licht der untergehenden Sonne den Himmel und die Stadt golden färbt. Während es langsam dunkel wird, kann ich einen ersten Blick auf die Ausläufer der Sierra Maestra werfen, die in der Ferne im Dunst versinken.

Morgen kann es losgehen. 🙂

Hasta Mañana.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
1'543 Beiträge · seit 201303. Aug. 2020 · #12
Hallo Guko,

ich bin begeistert. Du hast es tatsächlich geschafft, mit ein paar Fotos Santiago de Cuba und seine Bewohner treffend zu beschreiben. Die Menschen sind bitterarm, aber immer gerne bereit zu teilen, und ich bin mir sicher, dass, wenn du dein Fahrrad nicht in Eigenregie hättest für die Tour vorbereiten können, mindestens 10 Männer sich angeboten hätten zu helfen. Und mit allerlei Sammelsurium hätte man das auch sicher hinbekommen. Wir waren 4 Nächte in Santiago und keine Nacht vor 3.00 Uhr im Bett: zum einen wegen der fast unerträglichen Hitze, zum anderen wegen der Musikkneipen, in denen die wahnsinnigsten Rhythmen a la "Buena Vista Social Club" gespielt werden. In dieser Stadt wohnen überwiegend Farbige, die sich wirklich auf "anständige" Musik verstehen. Lebensfreude pur!
Ich bin schon gespannt auf die Fotos, wie du auf einem Fahrrad inmitten von alten Fahrzeugen und Ochsenkarren 😗 über die Autobahn radelst. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber ist nicht in Guantánamo Schluss mit der "Herrlichkeit" 😕 ?

Ich freue mich auf die Fortsetzung!
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
zuletzt bearbeitet 03. Aug. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201403. Aug. 2020 · #13
Old Women schrieb:Hallo Guko,

ich bin begeistert. Du hast es tatsächlich geschafft, mit ein paar Fotos Santiago de Cuba und seine Bewohner treffend zu beschreiben. Die Menschen sind bitterarm, aber immer gerne bereit zu teilen, und ich bin mir sicher, dass, wenn du dein Fahrrad nicht in Eigenregie hättest für die Tour vorbereiten können, mindestens 10 Männer sich angeboten hätten zu helfen. Und mit allerlei Sammelsurium hätte man das auch sicher hinbekommen. Wir waren 4 Nächte in Santiago und keine Nacht vor 3.00 Uhr im Bett: zum einen wegen der fast unerträglichen Hitze, zum anderen wegen der Musikkneipen, in denen die wahnsinnigsten Rhythmen a la "Buena Vista Social Club" gespielt werden. In dieser Stadt wohnen überwiegend Farbige, die sich wirklich auf "anständige" Musik verstehen. Lebensfreude pur!
Ich bin schon gespannt auf die Fotos, wie du auf einem Fahrrad inmitten von alten Fahrzeugen und Ochsenkarren 😗 über die Autobahn radelst. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber ist nicht in Guantánamo Schluss mit der "Herrlichkeit" 😕 ?

Ich freue mich auf die Fortsetzung!
Beate
Danke fürs Feedback, so weiß ich, dass jemand mitliest. 🙂

Du hast recht, Santiago ist eine tolle Stadt und gefällt mir persönlich besser als Havanna, wenn auch schwer vergleichbar, schon alleine wegen des Größenunterschieds. Auch was die Hilfsbereitschaft der Menschen angeht, stimme ich dir völlig zu. Ich hatte einmal, auf einer anderen Fahrradtour, einen Platten, irgendwo mitten in der Pampa, noch bevor ich mein Werkzeug richtig ausgepackt hatte, standen drei Kubaner um mein Fahrrad und haben den Reifen geflickt. Ich durfte nicht mal mehr helfen. Bevor sie weitergingen lud mich einer ein ihn zu besuchen, falls ich zu seinem Wohnort komme. Das habe ich dann später tatsächlich gemacht, da es in diesem Ort damals keine ofizielle Übernachtungsmöglichkeit gab und er mir sein Gästezimmer anbot.

P.s. Mit was meinst du ist in Guantanamo Schluß?
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298 Beiträge · seit 200703. Aug. 2020 · #14
Hallo Guko,
ich lese auch mit großer Begeisterung mit. Deine Reiseberichte und Fotos sind immer ganz besonders. Auch wenn es jetzt nicht um ein afrikanisches Land geht, ist es sehr interessant und macht Lust, auch mal was Anderes zu sehen. Die Art zu reisen wäre nicht meine, gerade deshalb ist dein Bericht so interessant. Wir älteren Leute brauchen etwas mehr Komfort, ein gutes Bett und Sicherheit.

Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Liebe Grüße
Silvy
1'543 Beiträge · seit 201303. Aug. 2020 · #15
Hallo Guko,
P.s. Mit was meinst du ist in Guantanamo Schluß?
damit meine ich, dass ich denke, dass die Autopista in Guantánamo endet, wobei man eigentlich nicht von einer Autobahn im herkömmlichen Sinne sprechen kann, denn was einem da so entgegenkommt, das ist schon sehr speziell 😐 . Radfahrer, Coco-Taxis, Ochsenkarren, Pferde und Esel samt Reiter 😗 , Wir fanden es sehr unterhaltsam.

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. Aug. 2020 · #16
Silvy schrieb:Hallo Guko,
ich lese auch mit großer Begeisterung mit. Deine Reiseberichte und Fotos sind immer ganz besonders. Auch wenn es jetzt nicht um ein afrikanisches Land geht, ist es sehr interessant und macht Lust, auch mal was Anderes zu sehen. Die Art zu reisen wäre nicht meine, gerade deshalb ist dein Bericht so interessant. Wir älteren Leute brauchen etwas mehr Komfort, ein gutes Bett und Sicherheit.

Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Liebe Grüße
Silvy
Danke fürs Lob. 🙂
Der jüngste bin ich auch nicht mehr und ich weiß, dass Fahrradreisen nicht jedermans Sache sind. Ich würde mich auch eher als Genußradler bezeichnen, keinesfalls gehöre ich zu den "Kilometerfressern", die ich manchmal unterwegs traf und die das Radfahren als sportliche Herausforderung zu Höchstleistungen sehen.

Mir gefällt die relative Langsamkeit des Radreisens, man befindet sich im ständigen, direkten Kontakt zu seiner Umwelt. Dadurch nimmt man vieles wahr, was man im Auto, oder im Bus sitzend, einfach übersehen hätte. Und man kann überall spontan anhalten, was dem Fotografieren sehr entgegenkommt. Natürlich spielt auch der sportlichen Aspekt eine Rolle, es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man eine Strecke aus eigener Kraft geschafft hat.
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Themenstarter275 Beiträge · seit 201404. Aug. 2020 · #17
Santiago de Cuba - Chivirico

Um 6 Uhr klopft es an meine Zimmertüre.

„Desayuno“ (Frühstück)

Ich habe so fest geschlafen, dass mich nicht einmal der Hahn in Nachbars Garten wecken konnte.

In der Küche erwartet mich ein Frühstück, das ausgereicht hätte, eine Kleinfamilie satt zu machen. Normalerweise habe ich um diese Zeit noch keinen Hunger, aber heute haue ich rein was geht, wer weiß, wann es wieder etwas zu essen gibt.

Als ich vor Sonnenaufgang die Casa verlasse, sind Santiagos Straßen noch dunkel und fast menschenleer. Das Fahrrad ist beladen wie ein Packesel und ich muss mich erst noch an das veränderte Fahrverhalten gewöhnen. Ich frage mich, ob ich nicht doch zu viel Gepäck dabeihabe, allerdings machen schon die 6l Wasser einiges an Gewicht aus. Ein Wasserverbrauch von 6-7 Litern an einem heißen Fahrradtag ist nicht ungewöhnlich.

Unterwegs ist es manchmal schwierig, an unbedenkliches Trinkwasser zu kommen. Zwar kann man an jeder Hütte um Wasser bitten, aber man weiß nie, aus welchen Tanks oder Kübeln dieses geschöpft wird. Zur Sicherheit habe ich einen Vorrat an Micropurtabletten (Wasserdesinfektion) dabei.

Die Straße Richtung Chivirico ist leicht zu finden. Inzwischen sind schon ein paar Camiones und Pferdekutschen unterwegs, beladen mit Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Noch ist die Luft angenehm kühl. Die ersten Strahlen der Morgensonne tauchen die Landschaft in ein sanftes Licht. Ich freue mich auf den Tag.


Zwischen Santiago und Chivirico

Kubanische Camiones ziehen gerne fettige, schwarze Rauchfahnen hinter sich her. Vor allem, wenn sie in den unteren Gängen beschleunigen. Vermutlich ist der Diesel von schlechter Qualität, oder die Motoren zu versifft, um eine halbwegs saubere Verbrennung zu erreichen. Jedes Mal, wenn mich so ein Luftverpester überholt, werde ich minutenlang in eine Rußwolke eingehüllt. Ich versuche dann die Luft anzuhalten, bis sich der schlimmste Gestank verzogen hat. Beim Radfahren kann man die Luft allerdings nicht lange anhalten…😳

Doch schon wenige Kilometer hinter Santiago gehört mir die Straße praktisch alleine. Immer seltener tauchen Fahrzeuge auf, der Verkehr wird ländlicher, gelegentlich eine Maquina, Pferdegespanne, oder Reiter.


Küstenstraße zwischen Santiago und Pilon

Ich komme gut voran, das Fahrrad läuft wie von selbst. Ich überhole Radfahrer und Pferdekutschen, ab und zu winkt mir ein Campesino hinterher. Kleine Gehöfte und bunte Holzhäuschen flitzen vorbei. Schlanke Palmen, die in Gruppen beieinanderstehen, setzen hübsche Akzente in die Landschaft. Und dann sehe ich endlich das Meer. Tiefblau und glitzernd liegt es vor mir.

Die Straße führt jetzt entlang der Küste, vorbei an kleinen Stränden, die Playa Bueycabon, Playa El Frances oder Mar Verde heißen. Diese Strände sind nicht vergleichbar mit den Touristenstränden in Varadero oder Guardalavaca. Sie sind dunkel, oft steinig, dafür fast immer menschenleer.


Die Küstenstraße zwischen Santiago und Pilon ist einsam und verkehrsarm, eine Traumstrecke für Radfahrer

Gegen 10 Uhr mache ich an der Playa El Frances eine erste Pause. Der Strand ist sandig und es gibt knorrige Bäume, die Schatten spenden. Es könnte ein hübscher Ort sein, wenn nicht reichlich Plastikmüll, zerdrückte Bierdosen und Glasscherben herumlägen. Vermutlich wird der Strand an Wochenenden von Santiagueros besucht und es gibt niemand, der anschließend saubermacht.

Ich futtere ein paar Kekse und einen Schokoriegel. Dann springe ich ins Wasser und wasche mir den Schweiß von den Knochen. So langsam wird es warm und die erste 1,5l Wasserflasche ist bereits leer.

Als ich weiterfahre, es ist später Vormittag, wird es richtig heiß. Es kommen ein paar Anstiege, die zwar nicht besonders steil sind, aber durch die Hitze, die zudem von der Straße reflektiert wird, ist es sehr schweißtreibend. Es gibt kaum Wind, stellenweise fahre ich wie durch einen Backofen. Zum Glück habe ich den Hut von La Abuela dabei. Ohne ihn hätte ich einen ordentlichen Sonnenbrand im Nacken und auf der linken Gesichtshälfte bekommen.

Schon gegen Mittag erreiche ich das Motel Guama. Das Motel liegt wenige Kilometer von Chivirico, meinem Tagesziel, entfernt. Die Lage ist toll, man hat von den Chalets einen schönen Ausblick auf die Bucht mit ihren Mangroveninseln. Der Standort und der günstige Preis (15 CUC) machen es zu einem Übernachtungs-Tipp auf dieser Küstenstrecke.


Motel Guama

Spontan beschließe ich die Nacht dort zu verbringen. Das Motel Guama ist, wie praktisch alle kubanischen Hotels, staatlich. Es ist für kubanische Touristen konzipiert, Ausländer dürften hier in der Minderheit sein. Die Angestellten solcher Hotels sind oft schlecht ausgebildet, unmotiviert und hoffnungslos unterbezahlt.

In der Rezeption sitzt eine gelangweilte Angestellte. Sie ist gerade dabei, ihre Fingernägel zu maniküren, als ich eintrete. Ohne ihre Tätigkeit zu unterbrechen, oder mich zu begrüßen, sagt sie:

„Todo completo“ (alles belegt)

Das ist irgendwie seltsam, denn ich sehe weder Autos noch Menschen auf dem Gelände. Keines der Chalets sieht bewohnt aus.

Ich frage deshalb mehrmals nach, ob nicht doch ein Zimmer frei sei, aber die Rezeptionistin bleibt dabei:

„Todo completo“

Schließlich meint sie, sie könne mir helfen, eine andere Unterkunft zu finden. Es gäbe in Chivirico eine Casa Particular, dort könne ich ein Zimmer bekommen. Sie drückt mir die Visitenkarte der Casa in die Hand und beschreibt den Weg.

Ich fahre enttäuscht weiter.


Ich bin nicht der einzige Radfahrer

Chivirico

Also fahre ich weiter bis Chivirico. Chivirico (ca. 5000 Einwohner) ist der letzte größere Ort bis Pilon. Es gibt zwei oder drei Casa Particulares, einen Laden, eine Bank, ein CUC-Restaurant und ein Peso-Restaurant.

Kaum sehe ich die ersten Häuser von Chivirico spricht mich ein Kubaner an. Er stellt sich als Casa-Besitzer vor und möchte mir ein Zimmer vermieten. Wie sich herausstellt, hat die Rezeptionsangestellte vom Motel bei ihm angerufen und meine Ankunft angekündigt.

Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Natürlich war das Motel nicht ausgebucht. Es ist in Kuba üblich, dass die Casa-Besitzer für die Vermittlung eines Gastes eine Provision bezahlen. Die Motelangestellte bekommt für jeden weitergeschickten Touristen 5 CUC/Nacht Vermittlungsbebühr. Damit verdient sie wahrscheinlich mehr, als mit ihrem regulären Gehalt. Und sie hat weniger Arbeit im Hotel. Auch das ist typisch für Kuba.

Viel zu tun gibt es in Chivirico nicht. Im kleinen Peso-Dorfrestaurant an der Hauptstraße esse ich zu Abend. Das einzige Gericht ist Oveja en Salsa, Arroz und Tostones (Schafbraten mit Soße, Reis und frittierte Bananenscheiben) für 33 CUP (ca. 1.60€). In den staatlichen Peso-Restaurants macht man nicht immer die besten Erfahrungen, aber hier haben sie das Essen wirklich lecker hingekriegt. Ich bestelle gleich noch eine zweite Portion.

Auch heute gehe ich früh schlafen. Meine Casa liegt im Zentrum Chiviricos. Alle Nachbarn haben ihre Fernseher, oder Musikanlagen, auf Anschlag gedreht, dazu mischt sich das Kläffen der Hunde und das allgemeine Geschnatter und Geschrei kubanischer Barios. Trotzdem schlafe ich schnell ein. Vielleicht habe ich mich schon etwas an die kubanische Lärmkulisse gewöhnt.
Guko Reiseberichte: Reisebericht: Bilder einer Äthiopienreise Reisebericht: Mit Bus, Matatu und Liemba durch Ostafrika Reisebericht: Mit Öffis durch Ostafrika u. Ost-Kongo Reisebericht: Mit-Fahrrad Bus-und Zug durch-Cuba
zuletzt bearbeitet 05. Aug. 2020
2'396 Beiträge · seit 201104. Aug. 2020 · #18
Hallo Gu-ko,
jetzt musste ich mich doch mal wieder im Forum anmelden, denn Dein RB weckt zu starke Erinnerungen und Emotionen, die muss ich einfach loswerden.
Ich war 2x auf Cuba, das erste Mal 1979 mit einer organisierten Gruppenreise. Anders waren Reisen nach Cuba damals nicht möglich. Das war eine wunderschöne Tour, die lediglich durch das Verhalten einer Mitreisenden etwas beeinträchtigt wurde. Überwältigt hat mich damals die spontane, herzliche Art der Cubaner, auf die ich wegen meiner beschränkten Spanischkenntnisse nicht so eingehen konnte, wie ich es gern gewollt hätte. Damals hatte ich beschlossen, wenn ich wieder nach Cuba komme, dann muss ich gut Spanisch sprechen. Die meisten guten Vorsätze setzt man (also jedenfalls ich) ja nicht um, diesen aber schon.
So flog ich also 1989 das 2. Mal nach Cuba, diesmal mit der Frau, die ich bei meinem 2. Spanischintensivkurs in Santander kennengelernt hatte. Der erste Teil war wieder eine organisierte Tour durch den Westen Cubas, ohne besondere Vorkommnisse. Anschließend haben wir einen Mietwagen genommen und sind auf eigene Faust von La Habana nach Santiago de Cuba. Damals gab es nur die staatlichen Hotels, und diese waren so überhaupt nicht auf Individualreisende eingestellt. Es war jedes mal ein Kampf, ein Zimmer zu bekommen. In Trinidad war es besonders schlimm, die Rezeptionistin war nicht zu erweichen. Kein Zimmer frei! Da ist meine Frau (die normalerweise die Ruhe in Person ist) explodiert. Das hat die Angestellte doch so beeindruckt, dass sie uns gebeten hat, auf den Manager zu warten, der gerade beim Mittagessen sei. Der kam denn auch irgendwann zu uns, um uns zu fragen: Wie viele Zimmer brauchen sie denn? 🤩
Und selbst wenn man ein Zimmer zugewiesen bekommen hat, ist man immer noch nicht am Ziel der Wünsche. Mal war das Zimmer (genauer: das Bett) noch belegt, als wir reinwollten, ein anderes Mal kam eine Putzfrau, als wir gerade das Zimmer aufschließen wollten, auf uns zu und zeterte. Wir verstanden schließlich, dass das Zimmer noch nicht gemacht war und sie auch nicht daran denken würde, es zu machen, da es nicht auf ihrem Putzplan für den heutigen Tag stand. Ein Anruf bei der Rezeption klärte dann die Sache: ja, die Putzfrau hätte recht, wir sollten ein anderes Zimmer in einem anderen Stockwerk bekommen. 🤨 😐
Diese, aber auch schönere Erinnerungen sind durch Deinen RB wieder hochgekommen; vielen Dank dafür!
LG,
Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
8'672 Beiträge · seit 201004. Aug. 2020 · #19
Hi Gu-Ko,

ehrlich gesagt hab ich eben nur deshalb in deinen Bericht reingeschaut, weil ich völlig platt war, dass Karsten mal wieder was von sich hören lässt. Der hat wohl mitbekommen, dass wir letzte Woche, als ich mit ein paar Fomis zusammen saß, von ihm gesprochen haben 🤩

Aber dann hab ich deinen tollen Bericht von vorne gelesen und bin mal wieder total begeistert von deinen Fotos! Tolle Farben und Stimmungen! Vielen Dank dafür!
Gu-ko schrieb:
Zu diesem Zeitpunkt ahne ich nicht, dass dieser Hut für eine dramatische Wendung meiner Radtour verantwortlich sein wird.
🤩 Und jetzt bin ich natürlich ziemlich gespannt!

LG Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 04. Aug. 2020
Themenstarter275 Beiträge · seit 201405. Aug. 2020 · #20
KarstenB schrieb:Hallo Gu-ko,
jetzt musste ich mich doch mal wieder im Forum anmelden, denn Dein RB weckt zu starke Erinnerungen und Emotionen, die muss ich einfach loswerden.
Ich war 2x auf Cuba, das erste Mal 1979 mit einer organisierten Gruppenreise. Anders waren Reisen nach Cuba damals nicht möglich. Das war eine wunderschöne Tour, die lediglich durch das Verhalten einer Mitreisenden etwas beeinträchtigt wurde. Überwältigt hat mich damals die spontane, herzliche Art der Cubaner, auf die ich wegen meiner beschränkten Spanischkenntnisse nicht so eingehen konnte, wie ich es gern gewollt hätte. Damals hatte ich beschlossen, wenn ich wieder nach Cuba komme, dann muss ich gut Spanisch sprechen. Die meisten guten Vorsätze setzt man (also jedenfalls ich) ja nicht um, diesen aber schon.
So flog ich also 1989 das 2. Mal nach Cuba, diesmal mit der Frau, die ich bei meinem 2. Spanischintensivkurs in Santander kennengelernt hatte. Der erste Teil war wieder eine organisierte Tour durch den Westen Cubas, ohne besondere Vorkommnisse. Anschließend haben wir einen Mietwagen genommen und sind auf eigene Faust von La Habana nach Santiago de Cuba. Damals gab es nur die staatlichen Hotels, und diese waren so überhaupt nicht auf Individualreisende eingestellt. Es war jedes mal ein Kampf, ein Zimmer zu bekommen. In Trinidad war es besonders schlimm, die Rezeptionistin war nicht zu erweichen. Kein Zimmer frei! Da ist meine Frau (die normalerweise die Ruhe in Person ist) explodiert. Das hat die Angestellte doch so beeindruckt, dass sie uns gebeten hat, auf den Manager zu warten, der gerade beim Mittagessen sei. Der kam denn auch irgendwann zu uns, um uns zu fragen: Wie viele Zimmer brauchen sie denn? 🤩
Und selbst wenn man ein Zimmer zugewiesen bekommen hat, ist man immer noch nicht am Ziel der Wünsche. Mal war das Zimmer (genauer: das Bett) noch belegt, als wir reinwollten, ein anderes Mal kam eine Putzfrau, als wir gerade das Zimmer aufschließen wollten, auf uns zu und zeterte. Wir verstanden schließlich, dass das Zimmer noch nicht gemacht war und sie auch nicht daran denken würde, es zu machen, da es nicht auf ihrem Putzplan für den heutigen Tag stand. Ein Anruf bei der Rezeption klärte dann die Sache: ja, die Putzfrau hätte recht, wir sollten ein anderes Zimmer in einem anderen Stockwerk bekommen. 🤨 😐
Diese, aber auch schönere Erinnerungen sind durch Deinen RB wieder hochgekommen; vielen Dank dafür!
LG,
Karsten


Hallo Karsten, dein Interesse an Kuba und an meinem Reisebericht freut mich. 🙂 Was euch damals in den Hotels widerfuhr kann man heute immer noch erleben. Im staatlichen Dienstleistungssektor gibt es oft viel zu viele Angestellte mit viel zu geringer Motivation. Bei den geringen Löhnen (ca. 25-35 CUC/Monat) kann ich sogar verstehen, wenn sie nur so tun als würden sie arbeiten. Inzwischen gibt es viele private Kleinunternehmen z.B. die Casas Particulares, oder auch im Gastrobereich und da stimmen plötzlich Qualität und Service.

Mit der Zeit habe ich gelernt, das kleine Zuwendungen (Geschenke, Trinkgelder etc.) die Arbeitsmoral stark fördern können. Kubaner machen das auch so. Geschenke, oder Beziehungen, oder beides. Geht man auf ein Amt, oder zum Arzt, oder braucht man ein Busticket, dann beschleunigen kleine Geschenke die Wartezeiten ungemein.

Kuba ist ein Land, in dem man unglaublich viel Schönes erleben kann, aber es gibt auch immer wieder Situationen, wo man nur verwundert den Kopf schüttelt. 😄
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