Tadoba Teil VI: Abschied von Tiger und Co.
Über den nach dem Patzer der Agentur ausgefallenen Gamedrive
ärgerten wir uns nicht mehr lange. Es gefiel uns, morgens ausnahmsweise etwas länger
zu schlafen und einfach Urlaub zu machen. Thomas schwamm einige Bahnen im
großen Pool beim Restaurant-Bereich, während ich mal wieder auf die Pirsch
ging.
Common Tailorbird
Ashy Prinia
Spotted Dove
Ich liebe daran, dass man in Bewegung ist und praktischerweise
dabei auch noch Schönes entdecken kann. Überall um mich herum huschten Vögel durch
die Büsche und gaben ihr Morgenkonzert, während mich die Languren von ihren
Hochsitzen in den Baumkronen und auf den Dächern der Bungalows argwöhnisch im
Auge behielten. Ich forderte sie lieber nicht allzu sehr heraus, sie waren klar
in der Überzahl und sicher auch bereit, ihr Refugium zu verteidigen, wenn ich
scheinbar Anspruch darauf erhob.
Yellow-throated Sparrow
Später gesellte sich Thomas zu mir und wir spazierten noch
einmal zum See um die Ecke. Es ist einfach eine wunderbar friedliche Gegend und
auch auf der Anlage des Irai Safari Retreat herrschte eine himmlische Ruhe. Dass
dieser Part des Tadoba nicht unbedingt ein Hotspot für große Reisegruppen ist,
machte sich in jeder Hinsicht immer wieder positiv bemerkbar.
Brahminy Starling
Small Minivet
Unsere verbliebenen Ausfahrten waren wie all ihre Vorgänger
herrlich, auch wenn wir mittlerweile viele alte Bekannte im Wald antrafen.
Common Kingfisher mit Fang
Black-winged Kite
Egret
Unter Abnutzungserscheinungen litten wir nicht, jede Fahrt
hatte einen neuen Reiz und immer wieder freuten wir uns darauf.
Brown Fish-Owl
Oriental Honey Buzzard
Nur einmal hatten wir etwas Pech, als Fahrer und Ranger ein
unmögliches Duo abgaben. Erst holte uns der Fahrer zu spät ab und dann zeigten
beide einhellig keinerlei Motivation oder Interesse an unseren Interessen.
Palavi schritt energisch ein und rettete, was kaum zu retten war, doch wir
ärgerten uns über diese ignorante Art, die uns glücklicherweise bei all unseren
Safaris tatsächlich nur dieses eine Mal begegnete. Wir mussten für Stopps
beispielsweise bei Vögeln ziemlich kämpfen, wenn es überhaupt dazu kam, weil
sie wegflogen, wenn wir an ihnen vorbeigedüst waren und schließlich
zurücksetzten. Das war neu, einmalig und auch vollkommen unverständlich.
Asian Green Bee-eater
Common Hawk-Cuckoo
Palavi, das wussten wir mittlerweile, ließ sich so etwas
nicht zweimal bieten und führte in der Mittagspause einige Telefonate. Am
Nachmittag berichtete sie uns, dass das Red Earth Tadoba nicht mehr mit diesem
Fahrer zusammenarbeiten würde und sich zudem beim Forest Department über den
Ranger beschwert habe. Ich beobachtete, wie sie die anderen Naturalisten
entsprechend briefte. Man legte sich wohl besser nicht mit ihr an. Ich mochte diese junge indische Frau, die sich auf ihrem Weg nicht beirren ließ.
Indian Pond-Heron
Yellow-wattled Lapwing
Einmal sahen wir noch Tiger, eine Tigerin mit ihren beiden
Sprösslingen.
Die kleine Familie lagerte erst relativ versteckt an einem
kleinen Bach, wo die Tiere tranken und sich die Bäuche kühlten. Mittlerweile
wussten wir, wie es lief, irgendwann würden sie weiterziehen und wie immer war
die Frage, in welche Richtung. Die Antwort lieferten sie und ziemlich schnell,
die Mutter machte die Vorhut, ...
... bevor auch die beiden Jungtiere den Weg vor uns kreuzten
und sich an ihre Fersen heftete.
Bye-bye Tiger, ihr habt uns sehr viel Freude gemacht!
Am Morgen unserer Abreise ging es ein letztes Mal in den Wald,
in der Pufferzone begegneten wir keinem anderen Auto, und so wurde es eine
herrlich friedliche Fahrt durch schöne Natur mit schönen Begegnungen.
?
Indische Weichschildkröten
Schließlich packten wir unsere Sachen und verabschiedeten
uns schweren Herzens von Palavi und diesem immer gleichen und doch so
unterschiedlichen Lebensgefühl und Rhythmus auf Safari.
Nach etwa drei Stunden erreichten wir am Nachmittag Nagpur, der
Lärm und das Chaos einer indischen Stadt wirkten fremd nach den vielen Tagen im
Wald. Vom Tuli Imperial - nicht zu verwechseln mit dem Tuli International - mit
seinen drei Landessternen hatten wir nicht allzu viel erwartet, doch es war die
letzte große positive Überraschung auf dieser Reise. In unseren dreckigen
Safari-Klamotten fühlten wir uns ziemlich fehl am Platze in der auf Hochglanz
polierten Empfangshalle, doch wahrscheinlich war man hier an den Anblick
abgerissener Natur- und Tiger-Enthusiasten gewöhnt.
Das gediegene Zimmer war so gemütlich wie komfortabel und
ich bedauerte, dass wir noch in der Nacht fortmussten. Nach einem kleinen Power
Nap und einer Dusche gingen wir zum (inkludierten) Abendessen, das uns schon
sprachlos machte, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Die riesigen Buffets waren überladen mit Köstlichkeiten aus
aller Welt, und gleich mehrere Köche bereiteten das Wunschessen ihrer Gäste
frisch vor deren Augen zu. Ich konnte mich kaum entscheiden und war zudem wie
immer bedauerlich schnell satt, aber den Luxus, der uns hier umgab, ließ ich
mir nach den Safari-Tagen ehrlicherweise sehr gerne buchstäblich schmecken. Die
italienische Pasta hatte tatsächlich was von Italien und das Thai-Food was von Thailand
- auf indisch verzichtete ich; ich liebe es, aber es hing mir langsam zu den
Ohren raus.
Später relaxten wir auf der Dachterrasse, wo schließlich immer
mehr herausgeputzte junge Inderinnen und Inder bei wummernden Bässen die Bar und
die schicken Polstermöbel belagerten. Es war Wochenende. Was für ein Kontrast
zu dem vollkommen anderen Leben in den vorangegangenen Tagen.
Schlaf bekamen wir nicht, dazu war die Nacht zu kurz. Wir dösten
etwas vor uns hin, bevor wir Schlag Mitternacht und pünktlich zu meinem
Geburtstag wieder auscheckten - mein Wiegenfest wurde an diesem Tag zur
Extended Version, denn wir reisten ja quasi in der Zeit zurück.
Selbst für diesen kurzen Transfer hatte mir unser Fahrer
zwei kleine Chipstüten bereitgelegt, ich packte sie für den Flug ein, weil das
Abendessen so unfassbar üppig ausgefallen war. Am Flughafen betrachtete ich noch
einmal die vielen überdimensionierten Tiger-Fotos an den Wänden, die ich bei
unserer Ankunft so sehnsüchtig bewundert hatte. Nun dachte ich, dass wir uns
wirklich nicht beschweren konnten. Über rein gar nichts.
Eine letzte kleine Debatte noch bei der Ausreise wegen des
mühsam errungenen Journalisten-Visums, dann stiegen wir in den Flieger und kehrten
zurück in unsere Welt, die so ganz anders ist als die indische.
Es folgt ein kleines Fazit.