zunächst bin ich dir noch eine Antwort schuldig, warum wir kein Chimp-Trekking gemacht haben.Die Antwort ist ganz lapidar, wir haben es beide nicht so mit Affen. Zu frech, wuselig, kreischig/laut und ja, da haben wir (leider?) auch Schimpansen mit einbezogen. Daher war ziemlich schnell klar, dass wir uns auf die Gorillas beschränken wollten.
Zurück zum Murchison Falls NP. Wir fanden die breit ausgebaute, recht stark befahrene Hauptstraße mitten durch den Park auch gewöhnungsbedürftig. Besonders am Morgen, wenn die Safarifahrzeuge zunächst an der ewig langen Schlange der auf Öffnung wartenden LKW vorbeifahren, nur um wenig später bei einer der doch zahlreichen Sichtungen direkt an der Straße von selbigen, die nun hinter dir vorbeidonnern, wieder überholt zu werden 😵 Aber, da bin ich ganz bei dir, abseits der Hauptstraße ist es ein wirklich schöner Park, der tolle Sichtungen bietet. Wir hatten an beiden Tagen das Glück, Elefanten, Büffel, Leos und Löwen (einmal sogar Honeymooners) zu entdecken, neben den vielen anderen Vierbeinern und Vögeln. Dabei kam es nur ein einziges Mal zu einer dieser unschönen Ansammlungen von Fahrzeugen, die wir auf unseren Wunsch hin auch wieder sehr zügig verlassen haben, ansonsten waren selbst bei Löwen- oder Leosichtungen nie mehr als 3-4 Autos vor Ort.
Die Bootsfahrt zu den Falls haben wir auf meine dringende Bitte hin freiwillig umgebucht auf eins der größeren Boote mit Toilette - aus Gründen 😗 . Glücklicherweise wurde diese dann zwar nicht benötigt, aber sicher ist sicher. Wir hatten einen sehr engagierten, jungen Guide an Bord, der viel und gut erklärt hat und Sichtungen gab es ebenfalls reichlich. Dazu die imposanten Fälle, was will man mehr. Übrigens fanden wir auch, dass die schiere Urgewalt der Wassermassen mit Blick von oben irgendwie noch eindrücklicher rüberkommt. Wegen der starken Strömung müssen die Boote ja auch respektvollen Abstand halten.
Ich bin gespannt wie es bei euch weitergeht. Wir sind ja vom Murchison Falls NP aus weiter in den Queen Elizabeth NP sowie in den Ishasha Teil desselben gereist, die ihr ja aus eurer Tour gestrichen habt.
Ganz liebe Grüße Kordula 🙂
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201628. Aug. 2024 ·
Guten Morgen zusammen,
Gabi-Muc schrieb:Auch wenn ich mich noch nicht geoutet habe, bin ich natürlich bei Deinem Reisebericht dabei.
🙂 🤪 Herzlich willkommen, Gabi!
Gabi-Muc schrieb:Wir sind gestern erst aus unserem Alaska-Urlaub wiedergekommen
Von Alaska träumen wir auch noch. War bestimmt toll?! Dann weiß ich ja, wen ich ggf. fragen kann. 😎
casimodo schrieb:also wenn ich das so lese und die Vogelbilder begeistert betrachte........
Hallo mein Lieber, wir haben tatsächlich beim "Birding light" ein paarmal an euch denken müssen!
casimodo schrieb:Ab jetzt bin ich live dabei!
Das freut mich sehr!
Dandelion schrieb:zunächst bin ich dir noch eine Antwort schuldig, warum wir kein Chimp-Trekking gemacht haben.Die Antwort ist ganz lapidar, wir haben es beide nicht so mit Affen. Zu frech, wuselig, kreischig/laut und ja, da haben wir (leider?) auch Schimpansen mit einbezogen.
Ah, verstehe. Die Schimpansen sind allerdings in aller Regel eher ruhige Gesellen. Bei uns chillten sie meistens am Boden oder in den Bäumen oder lausten sich gegenseitig. Aber man muss ja auch nicht immer alles machen und mögen, nur weil man gerade da ist. Das ist schon auch konsequent.
Dandelion schrieb:Wir fanden die breit ausgebaute, recht stark befahrene Hauptstraße mitten durch den Park auch gewöhnungsbedürftig. Besonders am Morgen, wenn die Safarifahrzeuge zunächst an der ewig langen Schlange der auf Öffnung wartenden LKW vorbeifahren, nur um wenig später bei einer der doch zahlreichen Sichtungen direkt an der Straße von selbigen, die nun hinter dir vorbeidonnern, wieder überholt zu werden.
Da hat euch der MFNP ja verwöhnt, sehr schön! Aber oje, Kordula, was du da schilderst, entspricht dem Schreckensszenario, das wir uns ausgemalt hatten. Bei uns gab es noch keine Schlangen am Eingang, die Straße war bis auf eine Handvoll Gamedrive-Wagen verwaist. Aber man ahnte, was kommt, und nun ist das wohl der neue Normalzustand. Das klingt überhaupt nicht gut. Und ist wahrscheinlich immer noch nur der Anfang von etwas. Das ist wirklich so traurig. 🙁
Ich hoffe, nachher geht es weiter. Ich bleib dran. 🙂 Und ihr hoffentlich auch. Ich freue mich sehr über eure Begleitung, so macht das großen Spaß! Ein dickes Dankeschön!
Von Alaska träumen wir auch noch. War bestimmt toll?! Dann weiß ich ja, wen ich ggf. fragen kann. 😎
Ja, es war toll. Wir waren 3 Nächte in Vancouver, sind dann 14 Tage mit dem Schiff nach Seward gefahren und waren noch 10 Tage mit dem Mietauto in Alaska unterwegs. Das Wetter auf dem Schiff war bombastisch, an den Landtagen dann wechselhaft (ein Tag gut, ein Tag mäßig, 1 Tag schlecht).
Alaska ist landschaftlich ein Traum. Bei 100.000 Gletschern könnte sich Thomas fotografisch so richtig austoben. Aber es braucht gutes Wetter, das ist in Afrika meistens einfacher zu bekommen. Und das Essen in den USA - naja. Aber ansonsten unbedingt zu empfehlen.
LG Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201628. Aug. 2024 ·
5.1.24: Das Nildelta
Wieder ein Tag, der um kurz nach Fünf begann. Ein schnelles Frühstück im Morgengrauen, dann kam schon unser Boot. Es legte direkt unten bei der Lodge an, ein letzter Schluck Tee, dann hastete ich den kleinen Abhang hinunter.
Wir stiegen zu unserem Guide Ismael in die flache Nussschale, ein kleines Boot und eine Privattour, beides hatten wir nicht gewusst und waren freudig überrascht.
Wir legten ab, leider im Nebel, der Osprey, die erste Sichtung des Morgens, geriet noch ziemlich daneben.
Diesmal fuhren wir flussabwärts, die Tour zum Delta am Lake Albert war ein Tipp unserer Agentur gewesen und wie maßgeschneidert für uns, das merkten wir gleich. Das kleine Boot war ganz nach unserem Geschmack, wir schipperten nah entlang der Uferböschung, wo es jede Menge zu entdecken gab.
Woodland Kingfisher
Northern Carmine Bee-eater - im Gegensatz zum südlichen Exemplar mit vollständig blauem Gesicht
Wirklich Meter machten wir nicht. Ismael zeigte uns gleich reihenweise "Badds", ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, was er meint, und fahndete anfangs fälschlicherweise nach Fledermäusen.
Als sich die Information schließlich auch bei mir gesetzt hatte, waren es so viele "Birds", dass ich kaum hinterherkam. Man muss Vögel schon mögen für diese Tour - aber wenn das so ist, dann ist es der Himmel.
African harrier-hawk
Die grünen Ufer wirkten wie Regenwald, einige Elefanten stapften durchs Unterholz. In den Bäumen über uns froren die Colobus-Affen, doch es dauerte nicht lange, da zog ich meine Jacke aus. Es war ein warmer, windstiller Tag.
Pflanzenteppiche trieben gemächlich an uns vorbei, vor den Bruthöhlen in den Uferwänden saßen die Pied Kingfisher gleich scharenweise. Nicht weit davon hatte ein Woodland Kingfisher fette Beute gemacht.
Nun kämpfte sich auch die Sonne durch, Ismael war ein hervorragender Bootsführer und Guide, kenntnisreich und engagiert. Wir waren allein auf dem Nil, das perfekte Idyll, gerade einmal zwei Fischer trafen wir unterwegs.
Die Landschaft änderte sich, weniger Bäume, dafür ein Papyrussumpf, das erinnerte uns an Botswana.
Kronenkraniche, der Nationalvogel Ugandas, mit Nachwuchs
Dann erreichten wir das Delta, es öffnet sich zum Albertsee. Wieder eine tolle Landschaft, die Bergketten drumherum lagen leider im Dunst, sie gehören schon zum Kongo.
Wir drehten eine große Runde, auch auf der Suche nach dem Schuhschnabel.
Wir drehten um, leider kein Schuhschnabel im Delta - aber dann, weit weg, saß tatsächlich einer im Baum.
Wir freuten uns sehr über die Sichtung, anders als ein Schreiseeadler, der gar nicht begeistert war von dem ungeliebten Konkurrenten bei der Jagd nach Fisch. Wie aus dem Nichts blies er zum Angriff, wir wussten kaum, wie uns geschah.
Der Adler war unerbittlich und attackierte mit den Krallen voran, doch der Schuhschnabel wich nicht von seinem Ast - und gewann. Was für eine Szene, wir kriegten uns kaum mehr ein, alle drei...
Auf dem Rückweg fuhren wir dieselbe Strecke durch die unberührte Flusslandschaft zurück, dem Papyrus folgten wieder mehr Bäume...
... und schließlich dichtes Buschland.
Mein Wunsch nach einem Red-throated bee-eater aus der Nähe erfüllte sich erst relativ spät, aber dafür spektakulär.
Wir schipperten vorbei an der noblen Nachbarlodge, Betten auf der Veranda und freistehende Badewannen, schon alles sehr schick, und Militärboote zur Bewachung des Präsidentensohnes.
Nach gut vier Stunden legten wir bei unserer Lodge an, Peter nahm uns in Empfang im blauen Joggingdress, er will einen Marathon laufen und hatte trainiert. Was dieser Mann so alles treibt...
Er war begeistert von unserer Begeisterung, diese Fahrt zum Nildelta hatte uns noch besser gefallen als die zu den Murchison Falls. Wir verabschiedeten uns von Ismael, er war ein toller Guide gewesen, und bezogen glücklich unsere Lieblingscouchecke oberhalb des Nils. Einige Tiere leisteten uns Gesellschaft.
Cordon-Bleu-Mädchen
Unser Permit für den Park war abgelaufen und wäre für nur einen Nachmittags-Gamedrive kostspielig gewesen. Ein bisschen Ruhe tat uns ohnehin gut und so verbrachten wir den Rest des Tages am Pool, dösten, lasen und holten uns ein paar Mückenstiche ab, also ein richtig entspannter Nachmittag.
Abends zogen wir Bilanz. Drei Tage hatten wir in der Murchison River Lodge verbracht. Es hätte gut noch einer mehr sein dürfen. Die Bootsfahrt zum Delta hätten wir sofort wiederholt. Auch ein, zwei weitere Gamedrives im Park hätten wir gerne unternommen. Doch nun stand Neues an. Auch darauf freuten wir uns schon.
Tinochika1'651 Beiträge · seit 201428. Aug. 2024 ·
Hallo Betti, wow, was für Fotos, wir sind begeistert !!! Liebe Grüsse die Chikas
ONS LEWE BEGIN WAAR DIE TEERPAD EINDIG
Den Wolken zwei Tage voraus, Fiffi zeigt Tinochika Heimat, Rock and Roll mit Tinochika 2016, Tinochika, Waltzing Mathilda KTP 17,Mit Tinochika vom Kaokoveld in Löwenwelt,Tinochika mit dem Rollenkoffer,Tinochika, 32 Tage im KTP, Die Tinochikas! Hier parkste richtig.
Hallo Betti, seit Monaten sehnsüchtig erwartet: dein Reisebericht.
Und jetzt schaue ich täglich ins Forum und freue mich wenn es etwas Neues gibt. Und jedes Mal bin ich aufs Neue begeistert von deiner "Beschreibung" eurer Erlebnisse, dabei geraten die super Bilder schon fast etwas in den Hintergrund. Danke dafür und natürlich beneide euch schon etwas um euer fotografisches Auge.
Viele Grüße aus dem Süden und natürlich Danke. Simone
10/25 Masai Mara/ Naboisho; 8/25 KNP/Sabi Sands; 9/24 KNP, 2/24 Western Cape, 9/23 Kenia, Meru, Samburu/ Masai Mara; 4/22 KNP/ Sabi Sand, 9/21 Namibia; 11/20 KNP/Sabi Sands und Kapstadt; 1/20 Gardenroute; 10/19 Hluhluwe, KNP, Sabi Sands und KTP; 9/18 Simbabwe; 09/17 Tansania; 09/16 Uganda/Masai Mara; 12/14 Gardenroute mit Freunden; 1/14 Gardenroute; 9/13 Botswana/Sambia; 10/12 SA NorthernCape und KTP, 09/11 Kenia, 11/10 Krüger und Kapstadt, 10/08 Namibia, 11/06 Krüger, Eastern Cape und Kapstadt,
Wir legten ab, leider im Nebel, der Osprey, die erste Sichtung des Morgens, geriet noch ziemlich daneben.
Dies ist kein Foto, dies ist ein Gemälde! Und Ihr mäkelt daran herum! 🤩 Normale Knipser wie ich würden sonstwas dafür geben. LG gerade aus Bayreuth zurück Karsten
Beatnick schrieb:Der Adler war unerbittlich und attackierte mit den Krallen voran, doch der Schuhschnabel wich nicht von seinem Ast - und gewann. Was für eine Szene, wir kriegten uns kaum mehr ein, alle drei...
Wie schon im FB geschrieben, eine Hammersichtung!!! Neid sei Euch gewiss!!!
Und ja, die Bootsfahrt zum Delta im kleinen Bötchen ist schon was Tolles, ich erinnere mich noch gut daran...
Oh wie schade, dass der Murchison NP nun so stark befahren wird. 🙁 Wäre es eine gute Idee vielleicht in die Pakuba Safari Lodge auszuweichen oder ist die nicht so gut wie die Murchison River Lodge?
yp-travel-photography schrieb:Wäre es eine gute Idee vielleicht in die Pakuba Safari Lodge auszuweichen oder ist die nicht so gut wie die Murchison River Lodge?
Sie ist zumindest betreffend GameDrives gut gelegen, aber mir hats in der Murchison River Lodge besser gefallen, obwohl ich nur in einem der kleinen Zelte abseits des Nils war. Wir waren im Februar 2018 in der Pakuba Lodge, im Reisebericht findest Du Bilder und meine Eindrücke.
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201630. Aug. 2024 ·
Hallo ihr Lieben,
Tinochika schrieb:wow, was für Fotos, wir sind begeistert !!!
Hallo ihr zwei beiden, 1000 Dank für das tolle Kompliment und liebe Grüße!
pleinete schrieb:Und jedes Mal bin ich aufs Neue begeistert von deiner "Beschreibung" eurer Erlebnisse, dabei geraten die super Bilder schon fast etwas in den Hintergrund.
Wow, Simone, vielen Dank, das ehrt mich sehr! Ich werde Thomas nichts davon verraten. 😉
KarstenB schrieb:Dies ist kein Foto, dies ist ein Gemälde! Und Ihr mäkelt daran herum!
😄 Ach Karsten... 🙂
Daxiang schrieb:was für ein Vogelfeuerwerk, mit dem "Revierfight" zwischen Schuhschnabel und Adler als Highlight!
Vogelfeuerwerk trifft es wohl, so haben wir es auch empfunden. Eine tolle Sache, diese Delta-Tour und wohl auch eher so eine Art Geheimtipp, weil sich eben sehr viele nicht für Vögel interessieren.
picco schrieb:Wie schon im FB geschrieben, eine Hammersichtung!!!
Danke, picco! Auch für deine Einschätzung zur Pakuba Safaro Lodge, zu der ich nichts sagen kann.
yp-travel-photography schrieb:Oh wie schade, dass der Murchison NP nun so stark befahren wird.
Ja, das ist es. Allerdings muss man auch sagen, zumindest für den Moment ist es eben nur die eine Straße, in weiten Teilen geht es im Park beschaulich zu.
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201631. Aug. 2024 ·
6.1.24: Von der Savanne in den Regenwald
Ein letztes Frühstück oberhalb des Nil, dann verließen wir gegen halb Acht die Murchison River Lodge. Knapp 300 Kilometer lagen vor uns, aber Peter kalkulierte viel Zeit ein für die Strecke. Konkrete Pläne hatten wir für diesen Tag nicht - außer natürlich, im Kibale National Park anzukommen -, aber mal wieder war der Weg das Ziel.
Der Norden Ugandas ist ursprünglicher als der Süden, viel Landwirtschaft und kleine Dörfer, Touristen sind noch eine relative Seltenheit. Anfangs holperten wir über kleine Lehmpisten und waren vor allem für die Kinder eine echte Attraktion. " Mzunguuuuuuu", riefen sie aufgeregt, wenn sie uns entdeckten. Mit der Schule ist es oft nicht weit her, die Perspektiven sind zu schlecht und die Eltern brauchen die Kinder daheim.
Schon die Kleinsten arbeiten hart, auch Peter hatte als Knirps täglich Wasser schleppen müssen und mutmaßte, deshalb nicht größer gewachsen zu sein. Manche spielten mit fransigen Knäueln Fußball. Ich wünschte, ich hätte ein paar Bälle aus Deutschland mitgebracht.
Irgendwann landeten wir wieder auf einer makellosen, autobahnähnlichen Straße, gebaut für das Öl, sie wirkte wie schon im Murchison Falls NP fehl am Platze. Ich überlegte laut, ob sie der Bevölkerung nicht einen Nutzen bringen könne, doch Peter widersprach sofort: Die Einheimischen können sich weder Autos leisten, um die Straße überhaupt zu befahren, noch werden sie vom Handel mit dem Öl profitieren, der lediglich einzelne Reiche noch reicher macht. Ressourcen- und Kulturverlust statt allgemeinen Wohlstands - das klang alles ebenso einleuchtend wie frustrierend.
Anfänglich fuhren wir einigermaßen zügig durch die sattgrüne Landschaft, doch dann ging Peter, mittlerweile ganz im Birding-Modus, vom Gas. In den Gräsern und Büschen neben uns wimmelte es von Vögeln, manchmal kamen wir nur noch im Schritttempo voran oder blieben gleich mehr oder minder mitten auf der Straße stehen. Was egal war, denn es waren praktisch keine anderen Autos unterwegs.
Red-headed Lovebird
Long-crested Eagle
Speckled Mousebird
Wir hatten Peter schon zu Beginn der Reise gesagt, dass wir keinen gesteigerten Wert auf Mittagessen legen - er nahm uns erfreulicherweise beim Wort, denn das entsprach nicht nur seinem eigenen Rhythmus, sondern ließ uns auch zeitlichen Spielraum. Oft ließen wir uns einfach treiben oder nahmen uns mehr Zeit für Dinge, die uns der Zufall bescherte - wie an diesem Tag.
White-browed Coucal
Denn plötzlich zog Peter auf die andere Straßenseite und hielt vor einer einzelnen Hütte. Er hatte etwas Bestimmtes im hohen Gras dahinter landen sehen und wollte der Sache auf den Grund gehen.
Der Besitzer des Häuschens staunte nicht schlecht, als wir ihn fragten, ob wir uns umsehen dürften. Er führte uns nach hinten und quer durch das sumpfige Gelände, Schuhe und Strümpfe waren sofort pitschnass. Egal. Denn Peter sollte Recht behalten. Da war er also, der Schuhschnabel. Leider weit weg, schon stand das Wasser zu tief zum Weitergehen. Aber was für eine Überraschung!
Der Mann berichtete, er habe zuletzt häufiger Shoebills zu Besuch gehabt. Leider wohl nur ein temporäres Glück. Durch den vielen Regen hatten sich in den vergangenen Monaten Sumpflandschaften gebildet, wo eigentlich gar keine sind.
Wir gingen zurück zum Auto, wo seine Teenager-Kids ein Geschäft gewittert und das Auto bewacht hatten. Wir drückten ihnen etwas Trinkgeld in die Hand und fuhren weiter nach Süden. Peter strahlte und war sehr zufrieden mit sich und seinem unverhofften Fund.
Mir war klar, wir näherten uns der Gegend, in der es wiederholt terroristische Anschläge gegeben hatte. Bislang hatte ich mich sehr sicher gefühlt. Von neuerlichen Attacken hatten wir nichts mehr gehört. Ich dachte laut, doch Peter schüttelte bedauernd den Kopf. Gerade erst Ende Dezember waren zwei Dörfer südlich des Kibale-Nationalparks angegriffen und mehrere Einheimische mit Macheten ermordet worden.
Das war ein Schock. Peter versuchte zu beruhigen, die Gegend sei 60 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Doch allein der Gedanke, dass nicht weit von uns ganze Dörfer trauerten, setzte uns zu. Da halfen auch nicht die vielen Kontrollpunkte an den Straßen und die enorme Militärpräsenz.
Einschub:Tatsächlich waren diese beiden Attacken wohl die zumindest bis dato letzten. Wir haben nichts mehr von weiteren Vorfällen gehört oder gelesen, und auch auf der Seite des AA sind es die beiden letzten verzeichneten Vorkommnisse.
Die Landschaft änderte sich, mehr Wald und mehr Hügel, in den Bäumen thronten Colobus-Affen und guckten neugierig zurück, als wir von unten so guckten.
Die Baboons, wie immer nicht gerade schüchtern, ...
... hatten sich einfach mitten auf die Straße gehockt.
Peter fuhr einige Schlenker und wir cruisten durch eine stille, wunderschöne Landschaft voller Teeplantagen.
Wir durchquerten den Kibale Forest, es war Nachmittag geworden und die Sonne stand schon einigermaßen tief.
Ein letzter Stopp, ...
... dann waren wir da. Die Turaco Treetops Lodge gefiel uns auf Anhieb und war am Ende eine von zwei herausragenden Unterkünften auf dieser Reise. Die herrliche Lage im Regenwald, die entspannte Stimmung, der moderne, klare Stil, die freundlichen Mitarbeiter, das hervorragende Essen - hier passte alles.
Die acht Bungalows liegen mit großem Abstand voneinander im Wald, wir bekamen die Nummer sechs, der Weg vom Hauptgebäude war etwas weiter, doch er lohnte sich. Wir hatten noch die Nummer vier in Augenschein genommen, doch die Aussicht war eingeschränkter und die sechs mit ihrem Panoramablick ungeschlagen.
Riesiges Zimmer, riesiges Bett, riesige Fenster und vor allem - ein riesiges Deck auf Stelzen. Von der Terrasse in den "Treetops" war ich hin und weg.
Nur die Geräusche der Natur und ab und zu tierische Besucher. Sunbirds, Riesenturakos, die der Lodge ihren Namen geben, und Affen mit roten langen Schwänzen, die direkt in die Palme vor meiner Nase plumpsten. Weiter hinten machten sich die Colobus-Affen schon bereit für die Nacht.
Red-chested Sunbird
Olive Sunbird
Das Essen im offenen Restaurant war ein Gedicht, später setzten wir uns an den Kamin. Nicht, weil es kühl, sondern so gemütlich war. Im Bett lauschten wir dem nächtlichen Dschungel-Konzert, wir hörten es durch die geschlossene Tür. Wieder andere Eindrücke, wieder ein anderes Afrika - und alles zusammen gefiel uns ziemlich gut.
boah, was hattet ihr ein Glück mit euren Schuhschnabelsichtungen 🤩 Ganz klasse, das freut mich sehr für euch.
Ansonsten decken sich eure Erfahrungen größtenteils mit den unseren und auch haben wir ähnliche Gespräche mit unserem Guide in Bezug auf Straßenbau, Sicherheit im Land usw. geführt. Wir haben noch nie so vielen Menschen, nicht nur Kindern, auch Erwachsenen, zugewinkt wie auf dieser Reise. Nur ganz vereinzelt wurde gebettelt. Wiederholt haben sich Menschen für unser Interesse an ihrem Land und unsere Entscheidung, dieses zu bereisen und unser Geld hier auszugeben, bedankt. Auch das war neu für uns.
Das Thema „Schulbesuch contra Kinderarbeit“ wurde besonders deutlich als wir Richtung Lake Bunyonyi auf staubigen Pisten an mehreren Steinbrüchen vorbeikamen. Wir waren erschüttert wie viele kleine Kinder im Grundschulalter hier im trostlosen Staub sitzend die Tage mit Steine klopfen verbringen. Unser Guide meinte, es gibt zwar eine Schulpflicht, aber bei vielen Eltern ist der Wert von Bildung einfach noch nicht angekommen, zudem fehlen auch finanzielle Mittel.
Die Vorfälle aus dem vergangenen Jahr wurden natürlich auch wiederholt thematisiert und alle unsere Gesprächspartner zeigten sich zuversichtlich, dass die Regierung durch erhöhte Kontrollen und Militärpräsenz sowie hartes Durchgreifen gegen Verbrechen die Probleme erfolgreich bekämpft. Ein gewisses mulmiges Gefühl auf unserer Seite blieb trotzdem unterschwellig.
Schmunzeln mussten wir beim Foto des „Kochbananen Transporters“. Wir fanden es einfach erstaunlich, was alles auf Fahrrädern bzw. den allgegenwärtigen Bodabodas transportiert wurde: Familien mit bis zu 6 Personen, Federvieh, Schweine, alle möglichen Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens um nur Einiges zu nennen. Besonders schräg fanden wir den Transport eines Sarges 😗
An dieser Stelle wieder einmal ganz lieben Dank für euren tollen Bericht und das Teilen eurer Erinnerungen.
Schönen Sonntag und herzliche Grüße Kordula 🙂
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Sept. 2024 ·
Moin moin Kordula,
erst einmal vielen Dank für deine immer sehr interessanten Ergänzungen und Eindrücke! Ich bin schon immer neugierig, ob sie sich decken oder sehr unterschiedlich sind, bislang kommen wir ja zu sehr ähnlichen Schlüssen. 🙂 Ich merke, dass ich (unfreiwillig) lange gewartet habe mit dem Reisebericht, viele Erinnerungen sind nicht mehr ganz frisch und ich mache mir auch nie Notizen. Insofern sind deine Beiträge doppelt wertvoll.
Dandelion schrieb:boah, was hattet ihr ein Glück mit euren Schuhschnabelsichtungen
Ich war vor allem froh darüber, dass man sie nicht nur an den üblichen Stellen vorfindet, also dass es unterm Strich doch ein paar mehr gibt als die 20 bei Entebbe...
Dandelion schrieb:Das Thema „Schulbesuch contra Kinderarbeit“ wurde besonders deutlich als wir Richtung Lake Bunyonyi auf staubigen Pisten an mehreren Steinbrüchen vorbeikamen. Wir waren erschüttert wie viele kleine Kinder im Grundschulalter hier im trostlosen Staub sitzend die Tage mit Steine klopfen verbringen.
Puh, ja, diese Bilder habe ich auch sofort wieder vor Augen.
Dandelion schrieb:Besonders schräg fanden wir den Transport eines Sarges
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Sept. 2024 ·
7.1.24, Vormittag: Vogelflut in Bigodi
Draußen war es noch dunkel, als wir aufstanden und uns für den Tag fertigmachten. Doch die Vögel waren schon wach und veranstalteten ein Heidenspektakel. Was für eine Geräuschkulisse, aber wir fühlten uns nicht nur wie im Dschungel, wir waren es ja auch.
Wir frühstückten im Restaurant und stiegen dann zu Peter ins Auto. Das Dorf Bigodi war gleich um die Ecke, dort hatten wir eine private Birding- und Swamp-Walk-Tour im Bigodi Wetland Sanctuary gebucht.
Wir waren die ersten Gäste des Tages und probierten uns durch eine ganze Reihe von Gummistiefeln, die kostenfrei gestellt werden und auch nötig sind. Als wir losgingen, schloss sich Peter uns an, außerdem ein junger, agiler Guide, sein Assistent und ein bis unter die Zähne bewaffneter Soldat. Seine Begleitung war einer Neuerung nach den tödlichen Attacken im QENP, ich war nicht überzeugt von der Sinnhaftigkeit und er schien auch nicht besonders erfüllt von seinem neuen Job zu sein.
Ich hatte aus dem Namen der Tour messerscharf geschlossen, dass wir zu einem Sumpfgebiet marschieren würden, doch das war erst einmal nicht der Fall. Tatsächlich begann die Aktivität direkt neben dem Haus in der dichten Böschung und in den Bäumen neben der Straße.
Der imposante Black and White Casqued Hornbill war ein denkbar guter Start, wir hatten schon am Vortag welche gesehen, allerdings in schlechtem Licht.
Mousebirds turnten in Scharen durch die Büsche, ...
... und auch bei ihren Nachbarn war Frühstückszeit.
Brown-headed Parrot
In unserem Rücken flogen krächzend zwei Graupapageien vorbei, die einzigen Exemplare ihrer Art, die wir auf dieser Reise sahen.
Es war das reinste Vogelfeuerwerk auf kleinstem Raum und wir liefen begeistert hin und her und kreuz und quer, auch auf die andere Seite der glücklicherweise kaum befahrenen Straße. Die Sümpfe hatte ich längst ins Reich der Fabel verwiesen, eine halbe Stunde war rum und wir hatten uns kaum 200 Meter vom Fleck bewegt.
Mannikin
Pin-tailed Whydah
Firefinch
Wir hatten Glück mit dem Wetter, fast immer war es morgens sehr diesig gewesen, doch nun erwischten wir endlich einen klaren Tag. Mit dem Slogan "Home of the Great Blue Turaco" wirbt das kleine Ökotourismus-Projekt im Bigodi Wetland Sanctuary, und da war er nun auch, der prachtvolle Vogel, schon am Morgen herausgeputzt und perfekt frisiert.
Wir bogen in einen Feldweg ab, wo sich ein Hornbill-Pärchen einträchtig und fast schon medaillenverdächtig synchron über eine Bananenstaude hermachte.
Wir freuten uns sehr über diese Vögel, die nach allen Regeln der Kunst und im Eiltempo eine Banane nach der anderen verputzten. Einmal mehr fragte ich mich, wie sie mit diesem riesigen Schnabel überhaupt die Balance halten können, ohne mit dem Gesicht voran in den Bananenbrei zu kippen.
Währenddessen war von uns unbemerkt ein Double-toothed Barbet in einem Baum hinter uns gelandet. Peter versuchte uns von den Hornbills loszueisen, was ihm zunächst nicht gelang. Als wir uns endlich umdrehten, war er schon zwei Etagen höher gezogen. Merke: Auf seine Guides sollte man besser hören!
Diesen schönen Vogel haben wir nur ein einziges Mal auf der gesamten Reise gesehen.
Wir gingen weiter und an einigen Gärten vorbei. In Uganda bewirtschaftet fast jeder kleine private Flächen und Felder mit Gemüse, Mais und Früchten, die es überall an den Straßen aus Eimern oder kunstvoll gestapelt an Ständen zu kaufen gibt.
Wir kamen uns ein wenig albern vor, wie wir da so im Kreis liefen und uns die Hälse verrenkten, doch die Einheimischen, die uns begegneten, waren an den Anblick offenbar gewöhnt. Sie grüßten freundlich, fragten, was wir schon gesehen hatten und hatten sogar manchmal noch Tipps auf Lager. Die Touren werden von der Community organisiert und durchgeführt und kommen somit dem Dorf direkt zugute.
Copper Sunbird
Baglafecht Weaver?
?
Collared Sunbird
Fast zweieinhalb Stunden waren vorbei, dann gingen wir schließlich unter Bäumen hindurch und in das Sumpfgebiet hinein. 4,5 Kilometer ist der Rundweg lang, mehr als 200 Vogelarten, acht verschiedene Affenarten und Antilopen beherbergt der wichtige Korridor für Kibale.
Wir gingen weg vom Weg und tiefer in den Wald hinein, die Suche nach Affen war eine echte Herausforderung.
Red colobus
Red-tailed Monkey
Als wir sie schließlich fanden, brauchte es viel Geduld, um sie auch in guter Position zu erwischen.
Wir verstreuten uns im Wald. Ich folgte vor allem den Red-tailed Monkeys mit ihren putzigen Gesichtern, Peter und der Guide waren aufgeregt einer Antilope auf der Fährte, die sie kurz und zum ersten Mal überhaupt in diesem Wald gesichtet hatten. Offenbar ein Duiker.
Es war gar nicht so leicht, nach oben zu gucken und durchs Unterholz zu laufen, ohne auf die Nase zu fallen. Aber es machte einen Riesenspaß.
Schließlich trommelte uns der Guide wieder zusammen, der uns mit seinem Engagement und seiner Expertise sehr gut gefiel, und führte uns über morsche Holzstege zwischen meterhohem Papyrus durch den Sumpf und zurück zum Ausgangspunkt. Kurz vor Ende der Tour zersplitterte eine der Latten im Steg und er brach so weit ein, dass ihm das Wasser oben in die Gummistiefel lief. Zum Glück war das Ziel nah und auch nichts weiter passiert.
Nach vier Stunden war der Walk vorbei. Wir hatten keinerlei Erwartungen daran gehabt und kehrten nun völlig begeistert zur Lodge zurück. Wir aßen eine Kleinigkeit und sortierten uns dann in unserem schönen Bungalow. Thomas machte Platz auf den Speicherkarten, doch ganz reichte die Zeit nicht dafür, denn die nächste Aktivität stand schon in den Startlöchern.
was hattet für tolle Sichtungen auf der Swamp-Walk-Tour! Wir wurden dort auf halber Strecke von einem heftigen Gewitter mit Starkregen überrascht und ans Fotografieren war dann nicht mehr zu denken. Wenigstens hatten wir morgens beim Schimpansen-Tracking Glück mit dem Wetter. Umso mehr freue ich mich jetzt über eure tollen Bilder und bin ganz gespannt auf eure Erlebnisse bei den Schimpansen.
ich bin gerade ganz begeistert von Euren tollen Vogelsichtungen und Bildern davon auf dem Walk! Aber auch die unterschiedlichen Affenarten (die ich beide nicht in Uganda zu Gesicht bekommen habe) sind spannend zu sehen. Die Bigodi-Tour hatte ich damals auf meiner ersten kurzen Uganda-Reise auch gebucht. Leider aber ging es mir an dem Morgen nicht gut und ich musste sie absagen. So weiß ich nun immerhin, was ich verpasst habe. Herzlichen Dank fürs Zeigen und Berichten. 🙂
BeatnickThemenstarter1'718 Beiträge · seit 201602. Sept. 2024 ·
Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für eure Kommentare! Und das bei dem schönen Wetter! 🙂
Daxiang schrieb:was hattet für tolle Sichtungen auf der Swamp-Walk-Tour! Wir wurden dort auf halber Strecke von einem heftigen Gewitter mit Starkregen überrascht und ans Fotografieren war dann nicht mehr zu denken.
Apropos Wetter - da kann man einfach echt nix machen. Lotterie. Wir hatten ja beileibe auch nicht immer nur Glück. Aber das war wirklich ein sehr schöner Morgen. Vielleicht kommt ihr ja nochmal hin. 🙂
tina76 schrieb:Die Bigodi-Tour hatte ich damals auf meiner ersten kurzen Uganda-Reise auch gebucht. Leider aber ging es mir an dem Morgen nicht gut und ich musste sie absagen. So weiß ich nun immerhin, was ich verpasst habe.
Oh schade, Tina, das ist natürlich Pech. Du warst doch schon mehrfach in Uganda? Vielleicht ja auch noch einmal?...