EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200617. Dez. 2022 ·
Bevor wir gegen halb fünf wieder aufbrachen, duschten wir. Dann ging es für eine kleine Runde zu den Paradise Pools. Jetzt war die Zeit der Elefantenbullen. Den ersten entdeckten wir bereits in der Nähe des Flugfeldes, wo er sich die trockenen Gräser schmecken ließ.
An ein paar kleineren Teichen mit vielen Waterlilies vorbei fuhren wir zu den Pools.
Dort angekommen watete ein beeindruckender Elefant mit mächtig Geplantsche geradewegs auf uns zu. Bevor er uns zu nah kam, gaben wir den Weg frei und ließen ihn ziehen.
Wir entdeckten noch ein paar Moorantilopen
und einige spannende Vögel, darunter einen Glockenreiher. Diesen beobachteten wir bei seiner besonderen Jagdtechnik. Und tatsächlich war er nach einer Weile auch erfolgreich.
Mit Purpurreiher im Hintergrund
Wir standen lange an den einzelnen Tümpelchen und sahen den Vögeln beim Picken und Hin- und Herlaufen zu.
Kampfläufer
Dreibandregenpfeifer
Es passierte nichts Außergewöhnliches, entschleunigte uns aber ungemein. Außerdem faszinieren uns die abgestorbenen Bäume und die Landschaft dort immer wieder.
Bereits auf dem Rückweg kam ein weiterer alter Elefantenbulle gemütlich auf uns zu spaziert. Er war völlig entspannt, schlackerte ein wenig mit den Ohren und schlenkerte seinen Rüssel hin und her.
Wir stellten die Autos so, dass wir ihm nicht im Weg waren und hofften, dass er das genauso empfinden würde. Wer weiß schon so genau, zu welchem Zeitpunkt einem Elefanten der Rücken juckt und er sich dringend an einem Baum schubbern muss, anstatt seine einmal eingeschlagene Richtung beizubehalten? Er war wirklich ein wunderschönes Tier mit beeindruckenden Stoßzähnen.
Unsere Augen und auch die unserer Mitreisenden im anderen Auto wurden immer größer, je näher er kam. Als er direkt an uns vorbeilief, gab es dann auch keine Fotos, sondern nur noch Luftanhalten und Sich-Totstellen.
Das wäre sicher nicht nötig gewesen, denn der alte Herr bewegte sich weiterhin völlig entspannt, zupfte hier und dort mal ein Blatt, wendete ein Stöckchen und nahm direkt vor uns noch ein ausgiebiges Staubbad.
Wir drehten noch eine letzte Runde durch die Pools
und fuhren dann zurück. Unmittelbar vor dem Camp ging gerade die Sonne unter.
Wir mögen diesen kurzen Augenblick mit seiner dazugehörigen Lichtstimmung sehr. Trotzdem schaffen wir es oft nicht, ihn noch ein wenig mehr zu feiern. Egal wie oft wir es uns vornehmen, den eigentlichen Sundowner gibt es bei uns häufig erst dann, wenn die Sonne bereits untergegangen ist. Das klappt meist nur, wenn uns jemand an die Hand nimmt. (Grüßle!) Zurück im Camp machte Martin Feuer, Katrin kochte Kartoffeln und Ruth schnibbelte einen gemischten Salat. Dazu grillten wir das letzte Fleisch aus dem Eros-Markt. Zwischendurch saß kurz eine Scops Owl über uns im Baum, flog aber leider schnell wieder davon. Das Essen war sehr lecker. Wir spülten und setzten uns noch ein wenig ans Feuer, weil es mit 23 Grad zum Glück nicht mehr so heiß war wie tagsüber. Jetzt konnte man es gut draußen aushalten. Im Schilf neben unserem Stellplatz blinkten viele Glühwürmchen. Heute Abend war es sehr ruhig, nur manchmal rief eine Nachtschwalbe. Aber auch hier holte uns schnell die Müdigkeit ein. Daher beendeten wir das Programm „Glühwürmchen-Schauen“ und krochen in die Zelte.
Kilometer: ? (GPS-Aufzeichnung wurde überschrieben)
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200626. Dez. 2022 ·
Tag 7 – Freitag, 15. Oktober – Tiere, Tiere
Xakanaxa, Moremi
Heute Morgen war es mit über 17 Grad recht warm. So gab es auch nachts keinen Grund, zu frieren – ganz im Gegenteil. Wir standen wie immer mit der ersten Morgendämmerung gegen 5:30 Uhr auf
und packten alle Dinge, die nicht affensicher waren, zusammen. So blieben nur Tisch und Stühle sowie ein Bündel Brennholz auf der Campsite zurück.
Gegen 6 Uhr waren wir ein paar Minuten vor unseren Freunden startklar und fuhren schon mal los.
Wir nahmen noch einen kleinen Umweg über die Campsite 1, da Ruth dort einen Trupp Papageien entdeckt hatte, der eifrig auf dem Boden herumpickte. Leider flogen die meisten von ihnen davon, als wir langsam mit dem Auto heranrollten.
Goldbugpapagei
Bis wir das Gate von Xakanaxa erreichten, hatte der Rest der Gruppe uns auch schon wieder eingeholt. Wir entdeckten viele Spuren von Wildhunden auf dem Weg und folgten ihnen. Leider verloren wir sie schon bald, als sie von der Pad ins Gestrüpp abbogen. An einem der ersten Wassertümpel stand ein junger Sattelstorch. Ohne seinen charakteristisch rot-schwarz gebänderten Schnabel und seinen gelben Sattel auf der Schnabelwurzel sah er noch recht grau und unspektakulär aus.
Wir fuhren eine gute Stunde kreuz und quer durch die Paradise Pools, sahen aber wie am Vorabend kaum größere Tiere dort.
Wir fanden keine Elefanten, keine Letschwes und erst recht keinen Leo, obwohl wir natürlich trotzdem an unserem „Leo-Baumstumpf“ vorbeischauten. Geht es euch auch so, dass man einfach nachschauen muss, wenn man Jahre zuvor an einer Stelle eine besondere Sichtung hatte? Noch nie hat sich ein besonderes Erlebnis auch nur ansatzweise wiederholt. Wir schauen trotzdem immer wieder an solchen Stellen vorbei. Vielleicht tut man das auch nur, um sich gemeinsam zu erinnern: Weißt du noch, hier hatten wir 20XX … Heute Morgen entdeckten wir eine kleine Herde Zebras, teils mit blinden Passagieren
Gelbschnabelmadenhacker
und einige Impalas, die in Ruhe auf ein paar trockenen Halmen herumkauten.
Auf die gefiederten Freunde war natürlich auch Verlass.
Afrikanischer Wiedehopf
Nilgans im Ausguck
Schlangenhalsvogel beim Trocknen seiner Schwingen
Da es noch zu früh für eine Pause war, kehrten wir den Paradise Pools den Rücken und fuhren in Richtung Luigis Pools. Es blieb ruhig an diesem Morgen. Ein paar Glanzstare, ab und an ein Drongo oder ein paar Tauben und schließlich zu unserer besonderen Freude eine Zimtracke, die wir dann aber hörten, bevor wir sie entdeckt hatten.
Eine knappe Viertelstunde später wurde es dann doch noch spannend: Wie üblich war das Wasser an vielen Stellen der Pools bereits ausgetrocknet, aber auf manchen Flächen standen noch kleinere Seen. Am Rand der Pools warteten zwei Safarifahrzeuge, und es dauerte nicht lange, bis wir den Grund dafür ausgemacht hatten. Ein Rudel Wildhunde hatte hier wohl vor kurzem ein Impala gerissen. Die Köpfe der Hunde waren noch mehr oder weniger blutverschmiert. Wir zählten sieben Tiere, die nach der Mahlzeit satt und zufrieden neben dem Tümpel herumlagen und sich ausruhten.
Die größte Action hatten wir wahrscheinlich gerade verpasst, bedauerten aber nicht, die letzten Sekunden des armen Impalas nicht mitbekommen zu haben. Die Hunde schnupperten noch ein wenig an den wenigen übrig gebliebenen Resten, liefen zum Trinken oder rollten sich von einer auf die andere Seite.
Einer von ihnen hatte im Kampfgetümmel durch die Antilope oder einen Artgenossen eine blutende Wunde am linken Hinterlauf davongetragen und hinkte ein wenig.
In den umliegenden Bäumen saßen einige Greifvögel, die sich ein paar kleinere Fleischstücke geschnappt hatten.
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200626. Dez. 2022 ·
Fast noch mehr als über die Wildhunde freuten wir uns über einen Streifenschakal, der ebenfalls ein paar Happen des Impalas abbekommen wollte. Er strich am Rande des Gebüschs entlang und war sofort zur Stelle, sobald der letzte Wildhund von den Resten seiner Beute abgelassen hatte.
Viel war von der Antilope nicht mehr übrig. Ein paar angenagte Beinknochen, ein Fetzen Fell, einige Hufe und ein blutiger Teil des Schädels lagen im Gras verteilt.
Der Schakal lief eilig im Zickzack umher und sammelte ein, was noch zu finden war. Wir freuten uns sehr über die Sichtung, da wir diese Art bisher recht selten und auch nur in der Dämmerung in weiter Entfernung gesehen hatten. Heute hatten wir sie am helllichten Tag fast eine halbe Stunde für uns, da die Wildhunde für alle anderen interessanter waren. So beobachteten wir in aller Ruhe, wie der Streifenschakal auf den Knochen herumkaute, das verbliebene Fleisch von den Splittern nagte und sich schließlich davon machte.
Dann überlegte er es sich noch einmal anders, kehrte zu uns zurück und schnappte sich den Schädel, den er stolz davontrug.
Die Wildhunde hatten sich mittlerweile auch in den Wald zurückgezogen, und wir versuchten nach diesem schönen Erlebnis, die Pools westlich zu umfahren. Um es vorwegzunehmen: Wir fanden keinen passierbaren Weg. Mal mehr, mal weniger in der Nähe des Wassers ging es über gewundene, enge Pfade durch lichten Wald, Gestrüpp und kleine Wasserpfützen. Auf einem umgestürzten Baum entdeckten wir diese kleine, graue Kreatur, die auf ihren riesigen Füßen herumstolperte. Irgendwie musste man ja gleich Mitleid mit dem gerupften Vögelchen bekommen. Sehen so vielleicht die Küken des Black Crake aus?
Wir mäanderten den Wasserarm entlang. Jeder Weg endete in einer Sackgasse oder an einer Wasserdurchfahrt, bei der wir uns nicht sicher waren, ob wir sie queren konnten. Mit detektivischem Scharfsinn hatten wir geschlossen, dass hier wohl unlängst einige Autos hindurchgefahren waren, da die Spur in beide Richtungen nass war. Trotzdem wollten wir lieber kein Risiko eingehen, da Ruth beim Versuch, auf die andere Seite zu waten, im Matsch einsank.
Also fuhren wir weiter. Als wir an einem Stretchpoint vorbeikamen, stiegen wir aus und vertraten uns ein wenig die Beine.
Es tat gut, sich ein wenig zu bewegen und mal aus dem engen Auto herauszukommen. Von einem abgebrochenen dicken Ast aus hatte man einen guten Blick über das Wasser mit einigen Nil- und Sporengänsen, verschiedenen Reihern und Schlangenhalsvögeln.
Außerdem fanden wir einen gutgelaunten Leo im Baum.
Auch nach unserer Pause hatten wir kein Glück bei der Routenwahl. Wie schon zuvor endeten alle Spuren im Nichts,
oder wir standen vor einer Wasserdurchfahrt. Zumindest entdeckten wir noch ein paar Vögel. Einen Karminspint,
der ausnahmsweise so lange sitzen blieb, bis wir umständlich den Fotoapparat hervorgekramt hatten und ein paar Sporengänse.
Viel weiter kamen wir dann nicht mehr. An der nächsten Wasserquerung stand bereits ein Südafrikaner, der Wassertiefe und Bodenbeschaffenheit ausgiebig erkundet hatte. Er erklärte uns, dass der Tümpel nur schwer einzuschätzen sei und er deswegen dort eher nicht durchfahren werde. So wendeten wir mal wieder, dieses Mal endgültig und fuhren teils auf unserer eigenen Spur, die das GPS aufgezeichnet hatte, wieder aus dem Wirrwarr unterschiedlicher Wege zurück nach Xakanaxa. Wir trafen noch auf ein paar Zebras und Giraffen, bevor wir gegen 11 Uhr im Camp eintrafen und uns auf eine lange Mittagspause freuten.
Zunächst aßen wir Müsli und Brötchen, weil unser Weißbrot leider angeschimmelt war. Das tat uns sehr leid, aber hier war nichts mehr zu machen.
Dann wuschen wir einige Kleidungsstücke,
spülten,
und Ruth bekam Besuch von einer kleinen Libelle mit merkwürdigen roten Auswüchsen an der Seite des Körpers.
Dann spannten wir die Hängematte auf. Ruth döste schnell ein, Uwe sicherte noch sämtliche Fotos, dann legte er sich ebenfalls ins Dachzelt, um ein wenig zu schlafen. Wir hatten wieder mal 35 Grad, und die Hitze schaffte uns, so dass früher oder später alle dasselbe taten wie Löwen, nämlich ein ausgiebiges Mittagsschläfchen zu halten. Zumindest Ruth hoffte, dass die Löwen dies heute taten, als sie wieder erwachte und feststellte, dass sie die einzige war, die unbeobachtet außerhalb des Zeltes geschlummert hatte. Wenn man so zuverlässige Freunde hat …
Hallo Muskels! Weil du fragst ob wir auch manchmal versuchen an uns bekannten Stellen eine Sichtung zu wiederholen. Und ob! Genau so geht es uns vor allem im Krüger. Es heißt immer wieder, “remember when we saw here XYZ? Man schwelgt dann in Erinnerungen und das tut der Seele sehr wohl. Ich kann mich erinnern mal innert ein paar Tagen zweimal eine Leopardin auf dem gleichen Ast im gleichen Baum gefunden zu haben. Mal hatte sie einen Kill und mal nicht. Und natürlich schaut man bei jedem Vorbeifahren ob sie noch dort liegt. Ist doch klar! Eine Ausnahme machen die Löwen an einem Kill. Wir hatten heuer in Krüger das Gute Glück über drei Tage die gleichen Löwen an einem Giraffen Kill zu beobachten. Aber… gestunken hat es jeden Tag immer mehr. Dieser Schakal fehlt mit noch in der Sammlung. Heißt der side-striped Jackal? Es ist ein schöner Kerl und scheint größer zu sein als sein Genosse der Black-striped Jackal. Nicht? Mal sehen ob wir ihn Ende August finden können. Es verwundert mich wie Ruth in der Hitze so “ganz alleine” auf der campsite schlafen kann….es könnte ja ein Vögelchen vorbei kommen! Danke und mit lieben Grüßen und besten Wünschen für ein Happy New Year 2023. Katrin
Champagner8’791 Beiträge · seit 201027. Dez. 2022 ·
Guten Morgen Ihr Lieben,
ich finde es genial, wie ich gerade in den Ferien von allen Seiten mit Botswana-Berichten zugeballert werde - genau mein Ding in dieser Jahreszeit! Viiielen Dank dafür 😘 !
Eulenmuckel schrieb:
🤩 Das kann man getrost als Once-in-a-lifetime-Sichtung bezeichnen! Glückwunsch zu diesem Erlebnis!
Bin gespannt auf mehr (stelle nämlich gerade fest, dass ich eigentlich alles, was Ihr mir schon erzählt und gezeigt habt von dieser Tour, bereits vergessen habe 😮 ) - in diesem Sinne wünsche ich ein fröhliches Weiterschreiben und sende liebe Grüße!
Bele
P.S.: Und wie Ihr das mit dem Weißbrot besser hinbekommt, wisst Ihr ja jetzt auch, gell 😗 😎 ?!
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200627. Dez. 2022 ·
@Katrin: Während derselben Reise oder sogar an aufeinander folgenden Tagen an der gleichen Stelle nach Tieren zu schauen, ist ja vernünftig. Aber nach Jahren zu erwarten, dort noch einmal den Leo o. ä. zu finden, ist wohl ziemlich unwahrscheinlich. Trotzdem macht man es. Ja, der Streifenschakal ist der side-striped Jackal. Während uns der etwas kleinere Schabracken-Schakal (black-backed Jackal) eher an einen Fuchs erinnert, sieht der Streifenschakal ein bisschen mehr wie ein Wolf aus. Ruth war von der Hitze einfach so schlapp, dass sie ausnahmsweise mal nicht auf Vogelsuche war. Die guten Wünsche für 2023 möchten wir gerne erwidern.
@Bele: Bestimmt kommst du schon durcheinander zwischen den vielen Botswana-Berichten. 😉 Ja, die Sichtung eines UIT ist ziemlich selten. 😉 Zum Gedächtnis: Am besten merkst du dir jetzt auch nichts. Dann kannst du den Reisebericht demnächst nochmal lesen. 😉 Dein Brot-Anti-Schimmel-Kniff ist wirklich so genial wie einfach. 🙂
Die Tiere sind natürlich allesamt total spannend - besonders gut gefällt mir der Schakal! Aber die reinen Landschaftsbilder stehen in Nichts nach. Wunderschöne Szenerie!
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200627. Dez. 2022 ·
Tag 7 – Freitag, 15. Oktober – Tiere, Tiere – Teil 2
Xakanaxa, Moremi
Nach 15:00 Uhr kam langsam wieder etwas Leben in unser Camp. Wir duschten, nahmen die bereits trockene Wäsche ab und saßen beieinander. Dabei tranken wir Tee und Kaffee und aßen ein paar Muffins. Gegen viertel nach vier brachen wir zur Nachmittagsrunde auf. Kurz hinter dem Camp grasten noch immer die Zebras.
Unser erster Plan war, über die Fourth Bridge und dann noch ein Stück weiter südlich zu fahren. Aber nach ein paar Kilometern verwarfen wir diesen Plan, um uns nicht zu weit von Xakanaxa zu entfernen, um später keinen Stress mit der Rückfahrt zu haben. Stattdessen wollten wir uns ein wenig treiben lassen und nicht so weit fahren. So dümpelten wir herum, sahen einer Horde Meerkatzen beim Spielen zu,
hielten auch mal für einen Swainsonfrankolin
und für ein paar Wasserböcke.
Obwohl wir uns viel Zeit ließen, gerieten wir immer weiter südlich, und als wir etwas entfernt eine Elefantenherde im Wasser stehen sahen und näher an diese heranfuhren, waren wir bereits doch kurz vor der vierten Brücke.
Wir rollten langsam und mit entsprechendem Gerumpel über die Balken der Brücke und stellten schon von dort aus fest, dass die Elefanten ebenfalls das Wasser durchquerten und zielstrebig in unsere Richtung zogen.
So fuhren wir nach der Brücke nur noch ein kurzes Stück und mussten nicht lange warten.
Danke an Katrin für die Fotos
Das Licht wurde immer toller, aber noch besser war, dass von allen Seiten neue Elefanten herbeiströmten. Auf dem nächsten Kilometer entlang des Wassers kamen immer mehr Dickhäuter aus allen Richtungen. Wohin wir schauten, von überall bewegten sich große Elefantenherden auf uns zu. Scheinbar stand das große Elefanten-Meeting unmittelbar und ganz in der Nähe bevor. Und wir waren mittendrin. Einzeln
und in kleineren Gruppen
kamen sie herbeigeströmt.
Wir wussten gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollten. Kleine Übersprunghandlung: zwischendurch mal ein Scherenschnabel-Kind zur Abwechslung
Wir standen einfach nur auf der Stelle und staunten. Die Herde, die vor uns die Pad kreuzte, bewegte sich schräg auf uns zu, bevor die einzelnen Tiere langsam ein paar Meter vor unserem Auto an uns vorüberzogen.
Man konnte gut erkennen, bis zu welcher Höhe die Elefanten durch das Wasser gewatet waren. Die Kleinsten unter ihnen mussten wohl geschwommen sein. Es waren auch viele Jungtiere unter ihnen, die von ihren Müttern begleitet wurden.
Die meisten Elefanten waren sehr entspannt und friedlich. Nur einige wenige schüttelten ihre Ohren in unsere Richtung oder trabten ein wenig schneller an uns vorbei, wenn sie ein Junges bei sich führten.
Sobald eine Gruppe vorbeigezogen war, erschien schon die nächste.
Ein solches Spektakel hatten wir noch nicht erlebt.
Stelzenläufer
Scherenschnäbel
Und noch ein letztes:
Nachdem der Elefantenzug nachgelassen hatte und die nächste Herde noch etwas entfernt war, nutzen wir unsere Chance, umzukehren und die Brücke zu überqueren. Mittlerweile war es recht spät geworden, und wir hatten uns zwischenzeitlich schon Sorgen gemacht, da rund um die Brücke immer wieder neue Dickhäuter aufgetaucht waren. Es ist besser, die Tiere auf sich zukommen zu lassen, als sie direkt anzusteuern, weil man an ihnen vorbei muss. Daher fuhren wir auf dem schnellsten Weg zurück ins Camp.
Die Sonne war bereits untergegangen, und es war fast dunkel, als wir dort eintrafen. Alle waren noch beeindruckt und völlig geflasht von diesem intensiven Elefantenerlebnis. Wir bauten unser Lager auf, Martin machte Feuer, und wir kochten Kartoffeln. Heute grillten wir Springbock. Es war das mit Abstand beste Fleisch bisher. Dazu machte Ruth einen Bohnensalat. Im Schein unserer Stirnlampen entdeckten wir eine kleine Kröte,
und als aus einem Baum unmittelbar über uns das vertraute Trillern der Afrikanischen Zwergohreule ertönte, war der Abend gleich doppelt so schön.
Mit dem restlichen Holz machten wir ein großes Feuer und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Dazu blinkten die Glühwürmchen, die Riedfrösche klinker-klonkerten, und wir fühlten uns rundum glücklich.
Kilometer: > 44 (GPS-Aufzeichnung wurde teilweise überschrieben)
fotomatte2’524 Beiträge · seit 200928. Dez. 2022 ·
Liebe Ruth, lieber Uwe,
das sieht ja Alles sehr schön aus, und auch für mich ist es wie für Bele komplett neu. 😗 😕
Zu den roten Punkten an der Libelle: das könnten Milben sein, ich kenne solche Kameraden an Schmetterlingen, allerdings nicht in dieser Dichte. Und der Frosch sieht mir sehr verdächtig nach einer Kröte aus...
Hallo Zusammen, auch ich bin schwer beeindruckt von eurer Elefantensichtung! Unvergesslich so was. LG Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana
franzicke2’085 Beiträge · seit 201229. Dez. 2022 ·
Liebe Eulenmuckels, jetzt hatte ich mal richtig was nachzulesen - und es ist mal wieder ein echter Genuss! Es ist einfach ein traumhaft schönes Fleckchen mit enormem Suchtpotenzial!!! Wenn es um die Favoriten bei euren Fotos geht, kann ich wirklich sagen: Am liebsten mag ich alle! Und am allerliebsten wohl den entspanntesten Leo ever. So ein deutliches Lächeln konnte ich tatsächlich noch nie erkennen, da hattet ihr wirklich großes Sichtungsglück! Beim zweiten Teil des Tages kommt dann doch deutlich der Gedanke an einen Elefantenkalender auf. Was für ein tolles Erlebnis. Und ja, ich glaube auch, dass ihr gutes Licht hattet. Viele Grüße mit viel Sonne Ingrid
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200631. Dez. 2022 ·
Tag 8 – Samstag, 16. Oktober – Weiter zum Khwai – Teil 1
Xakanaxa, Moremi – Magotho Camp, Khwai
Nach unserem eingespielten Morgenritual wollten wir zunächst noch einmal zu Luigis Pools fahren. Aber wie fast immer nahmen wir irgendeinen falschen Abzweig und gelangten auf die Westseite des Wassers, wo wir eigentlich gar nicht hingewollt hatten. Aber so richtig falsch kann man ja eigentlich auch nicht sein! 😉 Der Morgen war ruhig. Wir sahen ein paar Wasserböcke
Meerkatzen,
und viele Wasservögel.
Goldschnepfe
Langzehenkiebitz
Wie gestern versuchten wir auf dem Weg nach Süden immer wieder, zurück nach Osten zu kommen. Aber die Wege endeten – wie wir ja bereits rausgefunden hatten – entweder im Nirgendwo oder vor einem Tümpel. Als wir wieder einmal umkehren mussten, entschieden wir uns etwas später für eine kleine Wasserdurchfahrt, die kein Problem darstellte.
Ein Stück weiter südlich der Pools meldete sich plötzlich unser Funkgerät. Wir waren vorangefahren und studierten gerade ein paar Wasserböcke.
Im anderen Auto benötigte man Hilfe bei der Tierbestimmung. Bei den Malusakas säße so ein schöner roter Vogel. Na was sollte das wohl sein? Rotbauchwürger kam die Vermutung von uns, vielleicht ein Halsbandbartvogel? Nein, nein, der Vogel sei komplett rot, nicht nur der Kopf. Dann wahrscheinlich ein Karminspint. Martin verneinte auch das. Seine Beschreibung wurde genauer. Eher so rostrot und etwas größer. Aha! Klarer Fall: ein Blaustirnblatthühnchen. Doch kein Huhn! -? Schließlich erledigte Sarah die Bestimmung selbst: Bei ihnen hüpfte ein Paradise-Flycatcher im Gebüsch herum. Was!? Du ahnst es nicht! In unserem Auto wurde es hektisch. Wo seid ihr? Ist der Vogel noch da? Wir kommen. In Windeseile wurde gewendet. Ruth war ganz aus dem Häuschen, weil wir diesem Vogel schon seit Jahren hinterher sind. Zu unserer üblichen Reisezeit im Juli ist es leider so gut wie ausgeschlossen, ihn zu erwischen. Und da stehen wir tiefenentspannt bei den Wasserböcken, während unsere Freunde den Paradiesschnäpper vor der Nase haben. Wir ihr es schon habt ahnen können, war dieser längst über alle Berge – falsch – Büsche verschwunden, bis wir die Stelle erreichten, an der das andere Auto stand. So sehr wir auch mit dem Fernglas ins Gestrüpp starrten, wir konnten nicht einmal eine Feder entdecken. Ruth haderte noch eine ganze Weile mit ihrem Schicksal. Als kleiner, zugegebenermaßen sehr kleiner Trost blieb da nur ein Nimmersatt.
Durch die Irrfahrten war es schon spät, und wir versuchten, unserem Tagesziel im Osten etwas näher zu kommen.
Goldbugpapagei
Hippos zu Lande und zu Wasser
Auf den nassen Ebenen sahen wir Letschwes und viele Vögel: Nil- und Sporengänse, Schlangenhalsvögel und Blatthühnchen, Witwenenten, Kormorane, Graufischer, Ibisse, Madenhacker und Schreiseeadler – aber keinen Paradiesschnäpper.
Schlangenhalsvogel
Schreiseeadler
Nimmersatt auf der Jagd. Es kam uns so vor, als würde der Vogel ähnlich wie die Glockenreiher versuchen, mit seinem Flügel Schatten zu erzeugen, denn er hielt diesen die ganze Zeit über weit vom Körper abgespreizt.
Wir passierten einen Trupp Paviane auf Futtersuche. Ein paar Tiere passten gut auf, während die anderen in den Hinterlassenschaften der Elefanten herumporkelten.
Als wir endlich wieder das Xakanaxa-Gate erreicht hatten, standen dort zwei große Elefantenbullen. Einer angelte sich mit dem Rüssel Zweige von sehr weit oben aus einem Baum.
Auf einmal kam ein Impala in großen Sätzen an uns vorübergesprungen. Als wir weiterfahren wollten, entdeckten wir einen Wildhund auf der Fahrbahn und einen weiteren im Gebüsch.
Die Hunde wirkten ein wenig orientierungslos. Offensichtlich war ihnen das Impala entkommen, und so trabten sie ohne große Motivation und ohne Ziel weiter vor uns her. Wir folgten ihnen noch ein Stück, bis sie nach rechts von der Straße abbogen. Am Rande einer kleinen Lichtung rotteten sie sich mit ein paar Kameraden zusammen und legten sich versteckt in ein Gebüsch. Wir machten uns nun endgültig auf den Weg Richtung Khwai.
Auf der Verbindungsstraße kamen wir schnell vorwärts. Zum Dombo Hippo Pool nahmen wir wieder mal zu früh einen Abzweig und mussten umkehren, weil der See gut gefüllt war und man die Spur am Rand nicht fahren konnte. Es gab einige kleinere Wasserquerungen zu meistern, die jedoch nicht schwierig waren.
Am Hide machten wir eine Frühstückspause mit Müsli und Brötchen. Wieder war es sehr heiß geworden. In der prallen Sonne war es eigentlich kaum auszuhalten, aber wir genossen die Zeit außerhalb des Autos an diesem schönen Platz trotzdem. Ein paar Nilpferde dümpelten im Wasser und ließen ab und zu ein lautes Prusten vernehmen.
Überall auf dem Boden wimmelte es von kleinen Libellen. Die meisten von ihnen hatten große dunkle Flecken auf ihren Flügeln.
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200602. Jan. 2023 ·
Tag 8 – Samstag, 16. Oktober – Weiter zum Khwai – Teil 2
Xakanaxa, Moremi – Magotho Camp, Khwai
Die restliche Strecke zum North Gate brachten wir schnell hinter uns. Ruth hing bereits etwas in den Seilen und nickte immer mal wieder ein, da sie die Hitze draußen und die Schaukelei im Wagen müde machten. Kein Wunder also, dass wir an sämtlichen Leoparden vorbeifuhren. Am Gate checkten wir aus und verließen den Moremi über die Holzbrücke über den Khwai.
Im Ort wollten wir Wasser kaufen, denn wir hatten wegen der Hitze deutlich mehr Wasser verbraucht als eingeplant. Der ehemalige Colgate-Shop hatte weder Wasser noch andere Getränke. Der zweite Laden, ein auffälliges grünes Haus, war zwar ein kleiner Supermarkt, aber Wasser konnten oder wollten wir dann doch nicht kaufen. Das Getränkeangebot bestand nämlich aus einer Sammlung an Flaschen, die nicht mehr original verschlossen waren und eine durchsichtige Flüssigkeit enthielten. Wahrscheinlich handelte es sich tatsächlich um Wasser, woher dieses kam, war jedoch mehr als undurchsichtig und uns daher unheimlich. Süßgetränke in schreienden Farben waren auch nicht so unseres. Und als Katrin eine Flasche Cola aus der Kühltruhe nehmen wollte, wurde ihr mitgeteilt, dass diese schon verkauft sei. Ah ja! Also kehrten wir wieder um. Der nächste Shop am Ortseingang pries per Schild zwar Getränke an, verkaufte aber nur Brot. Da es gerade frisch aus dem Ofen kam, kauften wir eben ein paar Laibe davon. Man muss zuschlagen, wenn die Gelegenheit günstig ist.
Mit der Lösung unseres Wasserproblems waren wir noch immer nicht vorangekommen. Dafür schoss Ruth aber ihr Lieblingsfoto des Urlaubs. Während die anderen Brot kauften, hatte sie gefragt, ob sie die Kinder, die in der Nähe des Shops standen, fotografieren dürfte. Hierfür bekam sie grünes Licht. Da es aber gerade bei Kinderfotos sehr aufwändig ist, im Netz auf der sicheren Seite zu sein und wir die Eltern natürlich diesbezüglich nicht gefragt haben, verzichten wir hier auf das Bild. Beim vierten Stopp waren wir schließlich erfolgreich. Wir bekamen Wasserkanister, ein paar kalte Getränke und Feuerholz. Bestens versorgt fuhren wir nun auf der Umgehungsstraße einen großen Bogen um die Khwai Concession.
Erst gegen Ende bogen wir nach Süden zum Fluss ab.
Da keine Campsite-Nummer, sondern lediglich „Reserve“ auf unserem Voucher stand, wussten wir nicht, welchen Stellplatz wir ansteuern sollten. Es waren bereits einige besetzt. Wir fragten uns durch und erhielten beim Staff-Camp eine Campsite zugeteilt. Diese lag zwar nicht am Fluss, war aber groß und hatte unter einigen hohen Bäumen viel Schatten zu bieten. Dort machten wir Pause und aßen von dem Brot, das so frisch noch richtig lecker war. Dann ruhten wir ein wenig aus. Alle hingen nur so auf ihren Stühlen, und jede Bewegung war schon zu viel.
Ruth versuchte, die heiße Zeit ein wenig damit herumzukriegen, Vögel zu fotografieren, und Uwe ging duschen.
Büffelweber
Rotschnabeltoko
Gegen vier Uhr brachen wir wieder auf. Vom Staff hatten wir erfahren, dass in der Nähe von Campsite Nummer 13 Löwen zu finden seien. Und tatsächlich entdeckte Martin die Katzen dort neben einem Busch im Schatten liegen. Mit ihnen war genauso viel los wie mit uns in den letzten zwei Stunden, nämlich gar nichts. Natürlich schliefen alle. Wir postierten die Autos, damit wir sie gut beobachten konnten und warteten. Auf was wir warteten, wussten wir selbst nicht so genau. Die Highlights bestanden darin, dass das ein oder andere Tier mal ein wenig den Kopf hob und träge in unsere Richtung schaute.
Danach kugelte man sich wieder völlig erschöpft auf den Rücken und streckte alle Viere von sich.
Da, da! Der eine hat die Augen geöffnet.
Und der da am Rand schleckt sich einmal quer durchs Gesicht.
Mehr Action war beim besten Willen nicht zu erwarten. Wir beratschlagten, was wir tun sollten. Wir könnten einfach ein Stück weiter fahren. Und dann? – Vielleicht Löwen suchen?! – Aber die haben wir doch schon hier. – Na dann eben Löwen suchen und keine finden. Macht auch nicht wirklich Sinn. Wir fühlten uns ähnlich schlapp wie die Löwen und beschlossen, unser kleines Safari-Burnout einfach an Ort und Stelle auszukurieren und für heute nicht mehr weiter zu fahren. Wir kühlten uns ein wenig ab, indem wir Eiswürfel lutschten, von denen wir zum Glück massenhaft in unserem Tiefkühler hatten und vertrieben uns die Zeit damit, sie hinüber zum anderen Auto zu werfen, wo Lukas sie auffing. Zwischenzeitlich überschlugen sich die Ereignisse, als eine kleine Gruppe Kudus vorbeilief. Sie hatten die Löwen unter den Büschen erspäht und gaben Alarm.
Danach kehrte wieder Ruhe ein. In die andere Richtung war auch nicht viel mehr los.
Insgesamt blieben wir gut zwei Stunden bei den Löwen. Erst als die Sonne fast untergegangen war, wurden sie ein bisschen munterer. Sie gähnten, streckten sich, standen auch mal auf und liefen ein paar Meter.
Aber dann legten sie sich doch wieder ins Gras, und wir entschieden, zurück ins Camp zu fahren. Martin machte Feuer, wir rangierten das Auto ein paar Mal hin und her, bis es hinten ein wenig höher und vor allem nicht im Rauch des Feuers stand. Ruth machte einen Salat mit Gurken, Tomaten, Feta und Oliven. Dazu grillten wir Oryx-Steaks, die ganz hervorragend waren. Nach dem Essen spülten wir, und Ruth telefonierte kurz nach Deutschland, um bei ihren Eltern ein Lebenszeichen abzugeben.
Wir spülten, und während wir ins Zelt stiegen, brüllte aus recht naher Entfernung ein Löwe. Ups! War das Rudel von vorhin etwa unbemerkt im Dunklen an uns vorbeimarschiert? Denn dieses Brüllen kam ganz offensichtlich aus der entgegengesetzten und nicht aus der Richtung von Campsite 13. Das Gute-Nacht-Konzert war heute sehr abwechslungsreich. Hippos grunzten vom Fluss herauf, ein Nightjar und eine Zwergohreule trällerten, und ab und zu riefen sogar ein paar Schakale.
Kilometer: ? (GPS-Aufzeichnung wurde mal wieder überschrieben 😈 )
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200613. Jan. 2023 ·
Liebe Tinochikas,
was ihr so alles entdeckt! Ja, das Eulenshirt ist zwar schon ein wenig ausgewaschen und verblichen, aber zur Feier des Tages hatte der Pavian es nochmal aus dem Schrank geholt. Es zeigt übrigens seine Lieblingseule, eine Schleiereule. 🙂
EulenmuckelThemenstarter2’118 Beiträge · seit 200613. Jan. 2023 ·
Tag 9 – Sonntag, 17. Oktober – Löwen! – Teil 1
Magotho Camp, Khwai
Heute Morgen standen wir bei 20 Grad und leicht bewölktem Himmel auf. Es wehte ein kühler Wind, und wir hofften auf etwas weniger Hitze am Tag als gestern. Wir waren ein bisschen schneller fertig als unsere Freunde und fuhren schon gegen 6 Uhr los entlang des Flusses nach Norden.
Zuerst tuckerten wir am Khwai entlang, sahen aber keine Tiere. Und als wir dann doch einen Milchuhu entdeckten, der am Ufer saß, reagierten wir so verschlafen, dass der große Vogel längst auf und davon war, bis wir begriffen hatten, um was es sich da direkt vor uns neben der Pad handelte und wir den Fotoapparat in Anschlag gebracht hatten. Schade drum. Wir grämten uns ein wenig wegen der versäumten Gelegenheit. Außer ein paar sehr vereinzelten Wasservögeln war es heute Morgen sehr ruhig am Khwai.
Mangrovenreiher
Nilgans
Kein Schreiseeadler im Ausguck, kein Hippoohr an der Wasseroberfläche, kein Impala auf der Gasse, nicht einmal ein Letschwe am gegenüberliegenden Flussufer.
Die Party musste heute wohl irgendwo anders stattfinden. Gut 20 Minuten mussten wir uns noch gedulden, bis es dann losging. Zuerst sahen wir eine große Herde Büffel. Finster – wie gewohnt – beäugten uns die einzelnen Tiere, als wir langsam an ihnen vorüberfuhren.
Und dann entdeckten wir ein Stück weiter flussabwärts eine ganze Autoansammlung. Neugierig fuhren wir näher und suchten uns eine Lücke, durch welche wir durch die haltenden Autos spähen konnten. Aha! Löwen! Keine Ahnung, um wie viele Tiere es sich handelte, aber hinter einem Totholz ragte eindeutig das Bein einer Katze in die Luft, und man konnte ab und an einen Kopf einer Löwendame mit ein paar Ohren erkennen. Kleines Déjà vu von gestern Abend, aber egal. Mittlerweile war auch der Rest unserer Reisegruppe eingetroffen. Wir hatten die anderen per Funk hierher gelotst. Gemeinsam stellten wir uns in die Nähe und warteten. Kleines Déjà vu von gestern Abend, aber egal. Trotzdem wollten wir hier eigentlich nicht wieder mehrere Stunden mit schlafenden Löwen verbringen, die heute noch nicht mal ganz zu sehen, sondern nur hinter ihrem Versteck zu erahnen waren. Das dachten sich wohl auch die anderen Touristen in den Autos um uns herum. Eines nach dem anderen gab auf. Einige versuchten, im Bogen ein wenig um die Löwen herumzufahren und ihr Glück von der anderen Seite zu versuchen. So richtig erfolgreich schienen sie aber auch nicht zu sein, denn kein Auto verweilte besonders lange an einem Platz. Immer wieder wurde umgeparkt, und es wurde ein wenig hektisch, als einige plötzlich sehr zielstrebig in eine Richtung davon fuhren. Kurz bildeten wir uns nach einem Blick durch das Fernglas ein, in einiger Entfernung ein Löwenmännchen gesehen zu haben. Dennoch harrten wir weiter aus. Unsere Freunde versuchten ihr Glück ebenfalls auf der anderen Seite.
Danke an Katrin für das Foto
Uwe wollte bereits ebenfalls die Position wechseln, um die Löwen wenigstens von vorne zu sehen. Die ganze Zeit auf einen liegenden Baumstamm zu starren, war auch nicht besonders spannend, aber Ruth wollte lieber mit der Sonne im Rücken stehen bleiben. Dies erwies sich letztendlich als die richtige Entscheidung, denn irgendwann standen die Löwen doch auf, und wir wurden für unsere Geduld belohnt. Zwei Löwendamen und drei Jungtiere reckten und streckten sich. Es wurde gegähnt und geschmust. Der Trupp wurde so langsam ein wenig lebendig, und man beobachtete die Umgebung.
Angeführt von einer Löwin beschloss die kleine Gruppe, uns einen Gefallen zu tun und kam genau auf uns zu.
Auch die Junglöwen waren mit dabei. Sie legten sich sogar für eine kurze Zeit unmittelbar neben unser Auto.
Im Gegensatz zu gestern hatte sich die Warterei gelohnt. Wir freuten uns auch über die schwachen Sonnenstrahlen, die mittlerweile zwischen den Wolken hindurchschienen. Auf dieser Seite waren wir im Moment das einzige Auto und hatten die Tiere direkt in unserer Nähe. Nach einer Weile erhoben sich die Katzen wieder, verabschiedeten sich noch brav mit einem letzten Blick und trollten sich dann in Richtung der großen Büffelherde.
Ein Stück verfolgten wir das kleine Rudel noch im Pulk mit anderen Fahrzeugen, dann drehten wir ab und suchten uns neue Ziele. An einer Furt durchquerten wir den Fluss, nachdem ein Safarifahrzeug demonstriert hatte, wie tief die Stelle war. Nach einer etwas größeren Schleife wählten wir einen Weg zurück zum Fluss und fanden uns plötzlich inmitten der riesigen Büffelherde wieder. So gut es ging hielten wir Abstand.
Büffel auf der einen Seite des Autos, Büffel auf der anderen. Vorsichtig und sehr langsam rollten wir weiter.
Während die meisten Tiere grasten, behielten uns einige besonders stattliche Exemplare wachsam im Auge. Nach unserer Löwenstudie konnten wir uns nun in Büffelportraits versuchen.
Viele Kuhreiher und Madenhacker begleiteten die Büffel.
Während wir noch ganz versunken in die unterschiedlichen Hornformen und die grimmigen Minen der einzelnen Büffel waren, galoppierten alle Tiere wie auf ein unsichtbares Signal hin plötzlich los. Das Geräusch von hunderten Hufen, das Brechen von Zweigen und der aufgewirbelte Staub waren sehr eindrücklich. Zum Glück standen wir der Herde nicht im Weg. Wer mag schon ein paar dieser Kolosse unvermittelt auf der Rückbank wiederfinden? Ruth war außerdem gar nicht neidisch, das Schauspiel nur aus der zweiten Reihe zu erleben. Malusakas Auto war als Puffer zwischen uns und den galoppierenden Büffeln gar nicht so übel.