EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200628. Nov. 2022 · #21
Tag 2 – Sonntag, 10. Oktober – 1. Etappe nach Osten
Casa Piccolo, Windhoek – El Fari Bushcamp, Ghanzi
Wir schliefen wie Steine bis zum Sonnenaufgang. Draußen war die Luft noch frisch, als wir aufstanden, duschten und ein paar Sachen ins Auto brachten. Bei unseren Reisegefährten war noch alles ruhig. Spontan fuhren wir kurz in die Innenstadt, um einen schönen, lila-blühenden Jacaranda und auf dem Rückweg die Christuskirche zu fotografieren. Wer weiß, ob der Baum in zwei Wochen noch so herrlich leuchten würde? Außerdem wollten wir die Geduld unserer Reisepartner nicht überstrapazieren, indem wir neben jedem Vögelchen auch noch jeden Baum fotografieren. Am Sonntagmorgen war kaum etwas los auf den Straßen. Lediglich vereinzelte Autos und ein paar Jogger waren unterwegs.
Pünktlich um acht waren wir wieder in der Pension und frühstückten mit Katrin und ihrer Familie. Außer uns gab es keine Gäste im Casa Piccolo.
Nach Rührei mit Speck und Kaffee räumten wir die restlichen Sachen in die Autos. Dann wollte Uwe das bestellte Fleischpaket aus der Gefriertruhe holen. Leider hatte uns die Klein-Windhoek-Schlachterei nur die Hälfte der bestellten Steaks geliefert. Nun fehlte uns ein Großteil unseres Abendessens. Von Claudias Vertretung bekamen wir den Tipp, es beim Eros Meat Market zu versuchen. Dieser Supermarkt in unmittelbarer Nähe zu Joe’s Beerhouse hatte nicht nur geöffnet, sondern auch Rauchfleisch und vakuumiertes Wildfleisch in der Kühltheke. Wir kauften die fehlenden Steaks und noch ein paar Brötchen. Um die Ecke war auch eine Tankstelle, wo wir die Autos füllten und Eiswürfel bekamen. Voll bepackt starteten wir nach diesem kleinen Umweg nach Osten. Viertel vor zehn verließen wir Windhoek, fuhren am Flughafen vorbei und immer geradeaus. Die Sonne schien, und das Thermometer kletterte schnell auf über 25 Grad. Hinter Gobabis machten wir eine kurze Pause, und nach insgesamt 300 Kilometern erreichten wir die Grenze.
Die Ausreise aus Namibia vollzog sich schnell wie immer. Auf botswanischer Seite hielten wir zuerst an einem Schalter, an dem unsere negativen PCR-Tests zusammen mit unseren Passdaten geprüft und aufgenommen wurden. Als Ergebnis erhielt jeder ein kleines Scheinchen. Um zum botswanischen Grenzposten zu gelangen, mussten wir einen Moment warten, denn alle Fahrspuren waren von Lastwagen blockiert. Es gab keine Durchfahrt. Als wir schon zu Fuß gehen wollten, machte einer der Trucks die Durchfahrt frei. Bei der Einreise war sehr wenig Betrieb, und wir füllten die Formulare aus. Der Grenzbeamte kontrollierte ebenfalls die PCR-Tests. Am separaten Schalter bezahlten wir die Straßengebühren. Der Uniformierte am abschließenden Gate kontrollierte die Laufzettel und ließ uns passieren. Das war’s, wir waren in Botswana.
Mittlerweile war die Temperatur auf über 30 Grad gestiegen. Daher suchten wir uns einen Baum mit ausreichendem Schatten am Straßenrand, hielten und stellten einen Tisch zwischen die Autos für ein kleines Picknick. Es gab Brot mit Käse und Salami und das halbe Stück Apfelkuchen von gestern.
Weiter ging die Fahrt entlang der A2. Ab und zu standen Kühe, Esel oder Ziegen am Straßenrand und veranlassten uns zu bremsen. Ansonsten war die Fahrt nur wenig abwechslungsreich. Lange Zeit fuhren wir auf eine Rauchwolke am Horizont zu, bis wir das Feuer, das sie verursachte, im Abstand von wenigen Kilometern passierten. Schwarzer Qualm stieg an mehreren Stellen in den Himmel. Die Feuer selbst konnten wir nicht erkennen.
Nach dem Abzweig nach Norden übernahm Ruth das Steuer und fuhr die restliche Strecke bis Ghanzi und dann zum El-Fari Bushcamp. Dort trafen wir gegen halb sechs ein. Erfreulicherweise hatten wir die gesamte Campsite für uns alleine. Wir bekamen Feuerholz und bereiteten das Abendessen vor. Während das Feuer herunterbrannte, ging Uwe zum Duschen. Ruth schnippelte Salat für alle, und später legten wir Oryx- und Giraffensteaks auf die Glut. Während unser Oryx zwar etwas dünn geschnitten war, aber lecker schmeckte, schien die Giraffe etwas zäh zu sein. Grillbrote mit Knoblauch und Butter rundeten das erste selbst gemachte Abendessen ab.
Es blieb den ganzen Abend über schön warm. Mehrere Zwergohreulen riefen im Wechsel, ein Perlkauz und eine Schleiereule ließen sich ebenfalls hören. Als der Sternenhimmel schon gut zu sehen war, und nachdem wir gespült hatten, gab Ruth eine kleine Einführung in die Taschenlampenmalerei. Es dauerte nicht lange, und wir sprangen mit unseren Lampen auf dem ganzen Platz herum. Wie gut, dass wir hier alleine waren!
Besonders Martin zeigte sich ehrgeizig und stellte sich bald als Naturtalent heraus. Wahrscheinlich hatte er heimlich zu Hause geübt, denn an seinem professionellen Tausendfüßer war tatsächlich nichts mehr zu verbessern.
Erst gegen 23 Uhr stiegen wir spät in den Camper und gingen schlafen.
hansilein181 Beiträge · seit 202028. Nov. 2022 · #22
Guten Abend, ich habe mal eine Frage,darf man denn Fleisch aus Namibia mit nach Botswana nehmen?Ich dachte immer das sei verboten. Mfg
picco6'376 Beiträge · seit 201128. Nov. 2022 · #23
Hoi zämä
Ist zwar selten, aber es kommt vor dass ich Reiseberichte aus dem südlichen Afrika lese, so wie den hier! Erst recht wenn die erste Unterkunft sich ja beinahe gleich nennt wie ich mich nenne... 😉 😄
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200628. Nov. 2022 · #24
Hallo Hansilein,
du hast völlig Recht. Es ist verboten. Wir hatten Glück und wurden nicht kontrolliert. Wir wissen natürlich, dass es nicht erlaubt ist, rohes Fleisch über die Grenze mitzunehmen und hatten auch ein wenig Bauchschmerzen dabei. Daher würden wir das auch niemandem empfehlen. Da wir das Fleisch, das wir schmuggeln, auch grillen und essen, sind wir uns recht sicher, keine Maul- und Klauenseuche einzuschleppen und vertreten das so vor unserem Gewissen. Prinzipiell ist es natürlich nicht in Ordnung, die Gesetze des Gastlandes zu missachten.
hansilein181 Beiträge · seit 202028. Nov. 2022 · #25
Da stimme ich Euch zu,es ist nicht in Ordnung die Gesetze des Gastlandes zu missachten.Man kann sich natürlich alles schönreden um sein Gewissen zu beruhigen
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200629. Nov. 2022 · #26
picco schrieb:Hoi zämä
Ist zwar selten, aber es kommt vor dass ich Reiseberichte aus dem südlichen Afrika lese, so wie den hier! Erst recht wenn die erste Unterkunft sich ja beinahe gleich nennt wie ich mich nenne... 😉 😄
Hallo Picco,
dann wissen wir die Ehre deiner Anwesenheit hier besonders zu schätzen. 😉
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200629. Nov. 2022 · #27
Tag 3 – Montag, 11. Oktober – Endlich im Moremi
El Fari Bushcamp, Ghanzi – South Gate, Moremi
Die Nacht war deutlich kühler, als wir erwartet hatten. Unter unseren dünnen Schlafsäcken froren wir ein wenig. Trotzdem fühlte sich die Nacht im Dachzelt wieder sehr vertraut an und war muckelig und gemütlich. Die Sonne war bereits aufgegangen, als wir aufwachten und aufstanden. Während wir ein wenig herumräumten, erklang aus dem Nachbarwagen die Hupe. Irgendjemand hatte sich auf den Schlüssel gelegt oder eine Tür geöffnet, bevor der Wagen entsichert worden war. Wie schön, dass anderen das auch passiert! Spätestens jetzt waren alle wach. Wir kochten Wasser für Kaffee und Tee to go, denn das Frühstück wollten wir heute ausfallen lassen, da ein Besuch bei Hilary’s Coffee Shop in Maun lockte. Wir packten langsam unser ganzes Geraffel ein, und während unsere Reisefreunde ihre Zelte einklappten, entdeckte Ruth in den Büschen und Bäumen des El-Fari Camps ein paar Vögel.
männlicher Priritschnäpper
und die Dame dazu
Graukopfsperling
Rotbauchwürger
Die Vier hatten in beispielhafter Teamarbeit ihre Zelte verstaut und waren nicht nennenswert langsamer als wir mit unserem Buschcamper, obwohl sie doch deutlich weniger Übung hatten.
Gegen viertel vor acht machten wir uns auf den Weg nach Maun. Die Vier fuhren vor und wir hinterdrein.
Immer wieder kreuzten Kühe die Fahrbahn. Einmal konnte Uwe gerade noch rechtzeitig bremsen, als sich ein Rind anders entschied und wieder umkehrte. Mit den zunehmenden kleinen Ortschaften näherten wir uns der Stadt. Natürlich war es dort viel voller und rummeliger als auf dem Land, aber nichts verglichen mit den vergangenen Jahren. Die Holztische vieler Verkaufsstände lehnten unbenutzt am Straßenrand. Nur wenige Verkäufer boten ihre Waren neben der Straße an. Wir durchquerten die Innenstadt, bogen am Flughafen links ab und parkten vor unserem Lieblingsrestaurant in Botswana. Hilary war da, und wir bekamen einen großen Tisch im Schatten. Uwe ging zehn Meter weiter zum Büro von Botswana Footprints und holte dort unsere Original-Voucher für Moremi, Khwai und Savuti ab. Die Damen im Büro waren sehr nett und brachten uns später sogar noch den Differenzbetrag ins Café, der bei der Umbuchung einer Nacht entstanden war. Dann riefen wir Diteko an, den Guide von Bushways, für den wir von unserer Freundin Bele und ein paar ihrer Bekannten Handys mitgebracht hatten. Er kam zusammen mit seinem Kollegen KD kurz vorbei und nahm die Geschenke entgegen.
Wir unterhielten uns ein wenig mit Hilary, aßen Jumbo-Sandwiches und tranken selbstgemachte Zitronenlimonade. Uwe bestellte sich anschließend noch ein Stück Pekanusskuchen mit Kaffee. Diesen seltenen Besuch hier mussten wir wieder einmal voll auskosten, und daher ließen wir uns Zeit.
Pappsatt ging es weiter zur Tankstelle. Während unser Landcruiser schnell befüllt war, dauerte es bei Martin ewig. Irgendwann ließ sich der Diesel nur noch in Zeitlupe einfüllen. Daher brach er den Tankvorgang ab, und wir fuhren zum Supermarkt und deckten uns mit Wasser und frischem Brot ein. Ein Parkwächter war so nett, unsere Scheiben zu putzen. Anschließend versuchte es Martin noch einmal an der Tankstelle. Wir warteten so lange im Schatten, denn es war wieder sehr heiß. Ruth hatte mit Schatten wahrscheinlich irgendetwas falsch verstanden. Sie brutzelte lieber munter in der Sonne vor sich hin.
Irgendwann hatte wohl auch das zweite Auto genug Diesel, und wir starteten Richtung Moremi. Hinter Shorobe kauften wir wie üblich Feuerholz, und bei dem Souvenirladen fand Ruth noch eine schöne Tischdecke. Bald können wir Daheim auch einen Verkaufsstand aufmachen.
Die Teerstraße endete und wurde ruppig. Wir ließen Luft aus den Reifen, um etwas ruhiger weiterzurollen.
Auf den letzten Kilometern vor dem Park stellten wir fest, dass viel Vegetation den Elefanten zum Opfer gefallen war. Überall waren Bäume umgekippt und starke Äste heruntergebrochen. Es dauerte nicht lange, bis wir die Übeltäter erblickten. Ein kleiner Trupp stand mit fächelnden Ohren an der Seite im Busch. Außerdem begrüßten uns schon vor dem Park Zebras, Giraffen und Kudus. Das ging ja schon vielversprechend los.
Schlangenadler
Am Gate checkten wir für die kommenden fünf Nächte im Moremi ein und sahen im Registrierungsbuch, dass ein Bekannter bereits gestern angekommen war. Mal schauen, ob wir ihm in den nächsten Tagen begegnen. Über die beiden Zimtracken freuten wir uns ganz besonders, denn auf Grund unserer üblichen Reisezeit im Sommer bekommen wir sie sonst nicht zu Gesicht.
Die Freude war uns jedoch schon bald vergangen, denn als wir unsere explizit reservierte Campsite Nummer 7 erblickten, stand dort bereits ein Fahrzeug. Sofort waren wir etwas angenervt – falsch: maximal genervt! Denn wer bei dieser Art Besetzung Ärger gewohnt ist, weiß, wann Ärger bevor steht. So waren wir auch nicht überrascht, als das österreichische Paar gutgelaunt verkündete, sich den schönsten Platz ausgesucht zu haben, und das auch gleich für drei Tage. Nein, eine Reservierung hatten sie nicht, aber sie hätten der Dame am Gate Bescheid gegeben, und die sei mit der Stellplatzwahl einverstanden gewesen. Wir zeigten unsere Buchung und erklärten, diesen Platz bereits vor über einem Jahr reserviert zu haben. Nun wären wir nicht nur enttäuscht, sondern auch verärgert darüber, dass unser Spot schon besetzt sei. Hatten wir auf Verständnis gehofft, so hatten wir uns geirrt. Der Herr erklärte, dass er gerne mit uns die Dame im roten Kleid aufsuchen würde, damit sie uns bestätigen könne, was er uns zuvor erklärt habe. Außerdem sei der Platz Nummer 9 ja auch ganz nett. Nett schon, aber leider auch voll sonnig. Ruth setzte auf einen Kompromiss. Die beiden sollten heute auf dem Platz bleiben, morgen würden wir ihn dann bekommen. Die Österreicherin machte uns alles andere als freundlich klar, dass sie die Stellung nicht mehr räumen werde, weder gleich, noch morgen. Wir konnten natürlich nachvollziehen, dass die beiden in ihren Augen auch keinen Fehler gemacht hatten. Das Versäumnis lag ganz eindeutig bei der Dame von Kwalate Safaris. Trotzdem wollten wir den Platz unter dem einzig schattigen Baum nicht so einfach aufgeben. Der Mann wies darauf hin, dass sie ihr Lager schon aufgebaut hatten, Martin erwiderte aus Spaß, dass wir aber mehr Leute seien. Kurz schien die Situation eskalieren zu wollen, denn Spaß verstand man überhaupt nicht. Die beiden wurden richtig sauer, das sei ja mal wieder typisch deutsch. Bisher hätten wir uns ja wie normale Leute verhalten, aber nun würden wir unser wahres Gesicht zeigen. Was auch immer sie damit meinten. Martin entfernte sich zügig aus der Gefahrenzone, nicht ohne jetzt auch als Feigling betitelt zu werden. Wie gut, dass der liebe Martin so ein friedfertiger Mensch ist! Aber mit Ruth konnte man ja noch reden. Und die kann auch ganz schön stur sein und hat kein Problem, ihr Anliegen immer und immer wieder vorzubringen. Ja, ich verstehe, ABER … Zu guter Letzt schlug die Österreicherin vor, einfach am nächsten Tag die Plätze zu tauschen. Ups, hatten wir nicht genau das schon vor 15 Minuten vorgeschlagen? Egal! Freudig nahmen wir ihr Angebot an und wurden sogar noch für den Abend auf ein Bier eingeladen. Martin sollte dann allerdings nur ein warmes bekommen. Zack! Dem hatten sie es aber gezeigt! Wir waren trotzdem froh, zumindest einen Teilerfolg verzeichnet zu haben und verzogen uns auf die Campsite Nummer 9. Während einer kurzen Pause besuchten uns Tokos und Braundrosslinge.
Hier mussten MaLuSaKa zum ersten Mal amüsiert und staunend feststellen, was es heißt, wenn Ruth mit den Vögeln auf Augenhöhe geht und sich vor lauter Ehrfurcht gleich ganz in den Sand wirft.
Dann fuhren wir noch eine kleine Runde in Richtung der Black Pools. Plötzlich flog ein Milchuhu über die Straße und verschwand zwischen den Ästen einiger entfernt stehender Bäume. Sofort stoppten wir und versuchten die Eule wiederzufinden, doch sie blieb unsichtbar. Wir drehten und wollten es von der anderen Seite der Kreuzung noch einmal versuchen. Seltsamerweise teilten die Insassen des anderen Autos unsere Begeisterung nicht ganz. Hektisches Wenden und Suchen mit dem Fernglas für einen Vogel, noch dazu für einen, der gar nicht mehr zu sehen war, ist nicht für jeden nachzuvollziehen. So fuhren sie bereits weiter, während wir keine Ruhe gaben, bis wir das begehrte Zielobjekt endlich wiedergefunden hatten. Der Milchuhu saß in einer Gabelung eines Baumes und schaute uns an.
Es dauerte nicht lange, und das Funkgerät quakte: Wenn wir denn genug von unserer Eule haben, dann hätten die Malusakas alternativ zwei Löwenmännchen zu bieten. Auch nicht schlecht! Also fuhren wir weiter und erblickten schon bald die beiden Löwenkater, die vor einem Gebüsch lagen. Sie blinzelten zu uns herüber, ließen sonst aber keine Aktivität erkennen.
Eine Weile blieben wir noch bei ihnen stehen und freuten uns über diese erste Katzensichtung. Die Sonne ging bereits unter, als wir umkehrten, um nicht zu spät zurück ins Camp zu kommen.
Martin startete das Feuer, und wir gingen duschen. Dann machte Ruth Salat, und Uwe sicherte Fotos. Auf den Grill kamen heute zwei große Boerewors und Grillbrote. Neben uns kam eine kleine Maus aus ihrem Loch herausgehuscht und hoffte auf ein paar Krumen.
Als wir aßen, starteten die Hyänen ihr abendliches Konzert. Ihre langgezogenen Uuuuob-Rufe hallten durch die Dunkelheit, und ein wenig später schlich auch eine um unser Camp. Zwei Elefanten kamen ebenfalls im großen Bogen um den Platz gelaufen. Zum Spülen gingen wir daher gemeinsam und danach auch bald ins Zelt. Martin wollte wohl doch kein warmes Bier aus Österreich mehr. Für ihren ersten Abend im Nationalpark ohne Zäune hatten die Vier ja auch schon eine Menge erlebt.
GinaChris4'984 Beiträge · seit 201629. Nov. 2022 · #28
"So sind wir nicht!" ... Zitat unseres österr. Bundespräsidenten zu einem Thema das nichts zur Sache tut, welches hier aber zutreffend ist! Ihr seid bestimmt auf eine Minderheit oder Randgruppe getroffen; der Durchschnittsösterreicher serviert NIEMALS warmes Bier (und besetzt auch keine campsites!) Das musste jetzt schon einmal gesagt werden! 😉
Bin mit Begeisterung dabei; danke! Gruß Gina
Champagner8'705 Beiträge · seit 201029. Nov. 2022 · #29
Eulenmuckel schrieb: Dann riefen wir Diteko an, den Guide von Bushways, für den wir von unserer Freundin Bele und ein paar ihrer Bekannten Handys mitgebracht hatten. Er kam zusammen mit seinem Kollegen KD kurz vorbei und nahm die Geschenke entgegen.
Nur kurz, damit es keine Missverständnisse gibt: es handelte sich dabei um gebrauchte Smartphones, die bei mir und meinen Bekannten schon lange in irgendwelchen Schubladen rumgammelten. Diteko hatte im Sommer erwähnt, dass für solche Handys, die bei uns schon lange ausgemustert sind, in Botswana großer Bedarf bestehe. KD hatte zum Beispiel nur so ein uraltes Mobiltelefon, das nicht internetfähig war, als wir mit ihm unterwegs waren. Seit der Handylieferung, die Ruth und Uwe freundlicherweise übernommen haben, schreibt er mir nun ab und zu auch eine Nachricht über Whatsapp und treibt sich auch auf Facebook rum.... 😉 .
Zurück zum Bericht: die Priritschnäpperfotos gefallen mir am besten, dicht gefolgt von den Löwen unterm Baum im wunderschönen Licht! Tut gut an einem Tag voll kaltem Nieselregen!
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200629. Nov. 2022 · #30
GinaChris schrieb:Ihr seid bestimmt auf eine Minderheit oder Randgruppe getroffen
Da sie nur zu zweit waren, handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Minderheit. 😉 Keine Sorge, wir würden diese Begegnung niemals auf alle Österreicher verallgemeinern, zumal wir ganz besonders liebe Freunde dort haben (Grüße an Karin und Peter). 🙂 Trotzdem vielen Dank für deine Klarstellung. 😉
da steige ich doch auch noch schnell zu und schaue mir mal an was ich dieses Jahr im Moremi alles verpasst habe. Leider hat es meinen Aufenthalt dort dieses Jahr völlig verregnet. Kein Spaß wenn der Campingplatz unter Wasser steht und man ein Bodenzelt hat. Am nächsten Tag sind wir 'geflüchtet' und haben es tatsächlich geschafft auf dem Weg von Kwai zum South gate genau 2 Antilopen zu sehen. Sonst kein einziges Tier.
Liebe Grüße, Kati
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200629. Nov. 2022 · #32
Hallo Kati,
oh je, das hört sich nicht gut an. Die Verbindungsstrecke zwischen North Gate und South Gate ist wirklich nicht sehr gut für einen Gamedrive geeignet. Da würde es mich nicht wundern, wenn ihr kaum Tiere gesehen habt. Aber was du dieses Jahr im Moremi verpasst hast, kannst du in diesem Reisebericht nicht sehen. 😉 Wir waren letztes Jahr (2021) im Oktober unterwegs. Wann hat es bei euch so stark geregnet?
ich war Mitte November dort. Es hat dann leider so stark geregnet, dass selbst am nächsten Tag unsere Campsite unter Wasser stand. Nachdem wir auf eine halbwegs trockene Campsite gewechselt sind, sind wir am nächsten Tag über South gate wieder raus. An Gamedrive war nicht zu denken, die Hauptstraße bestand schon zur Hälfte aus Wasser. Ein weiteres Gewitter wollten wir dann auch lieber nicht riskieren.
Viele Grüße, Kati
fiedlix549 Beiträge · seit 201630. Nov. 2022 · #34
Eulenmuckel schrieb:Liebe Fomis, Nachdem wir im Juli unsere tiefentladenen Afrika-Akkus bereits wieder zu einem Teil gefüllt hatten, erhielten wir nun mit Botswana eine zweite Dosis Afrika – einen Booster. Innerhalb von zwei Wochen erlebten wir sehr viel Schönes.
LIebe Muckels so einen Booster nimmt man doch gerne mit 😎 Wie schön, dass ihr euch noch daran erinnert 😉 und uns daran teilhaben lasst.
liebe Grüße Elke
Menschen, mit denen man lachen und weinen kann, sind die Menschen, die das Leben ausmachen.
franzicke2'085 Beiträge · seit 201230. Nov. 2022 · #35
Das ist ja toll!!! Liebe Muckels, jetzt sind wir schon 5 Wochen in Kapstadt und so langsam kehrt auch tatsächlich ein bisschen Alltag und Routine ein - und damit kommen auch die Hummeln wieder zurück und so ganz langsam gibt es auch die ersten Reisepläne von hier aus. Es wird noch eine ganze Weile dauern bis wir sie umsetzen, aber im Kopf und in der Schublade ist auf jeden Fall ein bisschen Platz dafür. Ganz weit oben auf der Liste steht natürlich Botswana - und ihr glaubt gar nicht, wie ich mich auf eure (doch ziemlich aktuellen) Bilder und Erzählungen freue. Haut in die Tasten, bis die Tage, ganz herzlich Ingrid
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200601. Dez. 2022 · #37
Tag 4 – Dienstag, 12. Oktober – Moremi Süd – Teil 1
South Gate, Moremi
Noch bevor unser Wecker eine Chance hatte, uns aus dem Schlaf zu holen, erledigten dies die Hyänen mit ihrem Geheule. Auch die Drosslinge schnarrten bereits über unseren Platz. Da es außerdem angenehm warm war, hielt uns nichts mehr in den Schlafsäcken. Wir packten alles in Ruhe zusammen, tranken noch eine Tasse Tee bzw. Kaffee und machten uns dann auf.
Weißbrauen-Heckensänger
Grautoko
Auch unsere Freunde waren sehr schnell bereit, obwohl sie ja wieder zwei Dachzelte, noch dazu mit zwei verschlafenen Teenagern einzuklappen hatten. Doch von Klagen und Jammern keine Spur. Die Vier standen uns in nichts nach. Wir hatten ihnen zuvor angekündigt, etwas speziell zu sein. Erholungsurlaub würde es bei uns nicht geben, da wir das gute Fotolicht abpassen und deswegen jeden Morgen früh auf den Beinen sein wollten. Wir hätten sie aber gerne nach der ersten Runde wieder auf der Campsite eingesammelt. So war dies gar nicht nötig. Malusaka wollten nichts verpassen, und so starteten sie unmittelbar nach uns, und es ging gemeinsam wieder Richtung Black Pools. Schon kurz hinter dem Camp entdeckten wir eine kleine Gruppe Kudus. Es waren ausschließlich Bullen mit wunderschön gedrehten Hörnern.
Auf dem Boden pickte eine Schar Blutschnabelweber. Ein paar Ammern waren auch unter ihnen. Jedes Mal, wenn wir anhielten, flogen sie wieder auf und ein paar trockene Äste weiter. Wir rollten langsam vor, die Vögel starteten in eine andere Richtung. So mussten wir leider mit diesem Foto vorlieb nehmen und auf eine der schön gefärbten Ammern im Großformat verzichten. (Und falls das gar keine Ammer war, liegt es daran, dass der Vogel einfach zu weit weg war!)
In rascher Abfolge entdeckten wir verschiedenes, kleines Getier. Buschhase, Swainsonfrankolin und Zwergmanguste wuselten neben der Pad. Letztere sonnten sich auf einem alten Termitenhügel, der wohl ihr Zuhause war.
Unsere Begleiter warteten geduldig, auch wenn wir wieder nur ein Vögelchen fotografieren wollten. Und davon gab es heute Morgen wirklich viele. Ein bisschen hat man ja doch ein schlechtes Gewissen, wenn die Freunde im toten Winkel stehen und so gar nichts sehen. Da ist es gut, wenn man ein Stück später mal die Positionen tauschen kann.
Mahaliweber
Nachtflughuhn
und doch noch eine Ammer
Als wir auf die Ebene vor der Picknick-Site kamen, stand dort nicht nur Wasser, sondern eine große Menge an Tieren: Wasservögel, Zebras, Leierantilopen und Impalas. Am anderen Ufer sehr weit entfernt streunte sogar eine Meute Hyänen herum. Die Tiere liefen scheinbar planlos durcheinander, mal nach links, dann wieder nach rechts. Nur näher kommen wollten sie leider nicht. Mit den Ferngläsern waren sie gut zu beobachten, aber wir konnten auch so nicht herausfinden, was sie genau trieben.
Das Tollste waren aber sicher drei Breitmaulnashörner, die nah beieinander auf der Ebene grasten. Zum Glück fühlten sie sich durch unsere Ankunft nicht gestört und marschierten weiter schnurstracks auf uns zu.
Wir hatten im Moremi noch nie Nashörner gesehen. Und wir sind uns nicht sicher, ob es sie immer noch dort gibt. Zwischenzeitlich haben wir gehört, dass sie bereits wieder umgesiedelt wurden, um sie vor Wilderei zu schützen. Nach einiger Zeit trotteten sie an uns vorbei, und wir wendeten, um sie an der nächsten Kurve noch einmal zu sehen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, gleich drei dieser beeindruckenden Tiere ohne störendes Gestrüpp drumherum am Tag zu beobachten?
Wir begleiteten sie noch ein Stück, bis sie in den angrenzenden Büschen verschwanden. Nun war es Zeit für ein erstes, schnelles Frühstück. Am mittlerweile schon arg verfallenen Picknick Spot stellten wir die Autos in den Schatten. Von Bänken und Tischen war nicht mehr viel übrig, und in Ermangelung dieser setzten wir uns einfach mit unseren Brötchen auf die Fahrspur in den Sand und sahen den Tieren zu, die zum Trinken kamen. Ob es denn hier gar keine Löwen gäbe? Martin war ein wenig irritiert. Natürlich nicht! Die wissen schließlich, dass hier der Picknickplatz ist. Alles klar!
Während wir uns freuten, mimte Martin das Erdmännchen, welches sich fleißig im Kreis drehte und nach Feinden Ausschau hielt. Wenigstens die Kinder sollten früh genug gewarnt sein, um es bis ins Auto zu schaffen. Tatsächlich haben wir es alle überlebt, zumal das eine Erdmännchen-Kind gerade in Kenia verweilt und morgens Eindrücke aus seinem Bodenzelt versendet, die uns grün vor Neid werden lassen: Mittwochs ein Teil der Zebra-Herde, dienstags steht die Giraffe im Schlafzimmer, am Freitag schauen die Löwen vorbei … Dennoch ist es natürlich nicht verkehrt, mitten im Park Augen und Ohren offen zu halten, wenn man das Auto verlässt. An bekannten Stellen erwischen wir uns aber manchmal doch dabei, ein wenig selbstverständlicher als beim ersten Mal durch die Gegend zu spazieren. Man kennt sich ja aus!
Wir fuhren noch ein Stück weiter nach Süden zu den Hippo-Pools. Und tatsächlich lagen dort vielleicht ein Dutzend der dicken Klopse im Wasser und streckte ab und zu den Kopf über die Oberfläche. Manchmal riss auch eines sein Maul bis zum Anschlag auf. Die ganze Gruppe wirkte sehr entspannt. Es wurde getaucht und geprustet, mit den Öhrchen gewackelt und ab und zu zufrieden gegrunzt.
Eine ganze Weile standen wir dort und beobachteten Flusspferde und Krokodile, als eine Elefantenherde eintraf. Unser Timing war heute Morgen perfekt. Die Elefanten spazierten direkt vor uns zum Wasser, tranken, spritzten noch ein wenig herum und machten sich schon bald wieder auf den Weg zurück in den Busch.
Nach fünf Minuten war der Spuk vorbei, und das Wasser gehörte wieder den Nilgänsen und Hippos.
Danach fuhren wir in einem westlichen Bogen wieder nach Norden langsam zurück Richtung Camp. Ein beeindruckender Elefantenbulle genoss neben der Pad ein Staubbad. Wir warteten eine ganze Weile, bis wir an ihm vorbeifuhren. Trotzdem schüttelte er missbilligend den Kopf.
Immer wieder kamen wir an kleinen Wasserstellen vorbei, wo Vögel, Antilopen oder Elefanten anzutreffen waren. Als wir an einem sehr kleinen Wasserrest standen und einen Hammerkopf fotografierten, erhoben sich zwei männliche Löwen hinter einem Hügel und gingen gemächlich davon. Wir sind zwar nicht die großen Löwenexperten, kamen aber zum dem Schluss, dass es sich bei diesen beiden nicht um unsere Bekannten von gestern Abend handelte. Wir fanden, dass sie deutlich müder aussahen, eine andere Mähne und der eine außerdem einen recht markanten weißen Fleck unter dem rechten Auge sowie eine Schramme quer über die Nase hatte.
Die beiden schritten an uns vorüber und legten sich in großer Entfernung unter ein paar Büsche in den Schatten. Für uns ging es mit der nächsten Elefantenherde, einem übel gelaunten Hippo und einigen Wasservögeln weiter.
Höckerente
Sporengans
Rotflügel-Brachschwalbe
Um 12:00 Uhr waren wir wieder zurück am South Gate. Die Österreicher hatten Wort gehalten und unsere Campsite frei gegeben. So konnten wir die Autos unter dem großen Baum im Schatten parken. Das war wirklich viel wert, denn es war sehr warm geworden. Wir machten eine lange Mittagspause, aßen Brote, Möhren und Wildschinken und legten uns danach ein wenig ins Zelt um auszuruhen. Auch dort war es ziemlich heiß, und nur manchmal wehte ein kleines Lüftchen durch die offene Plane. Ein paar Drosslinge und Hörnchen kamen durch die offene Tür hineingesprungen und schauten sich neugierig in unserem Camper um. Auf dem Baum über uns gluckste permanent ein Gelbschnabel-Toko. Ein richtiger Mittagsschlaf kam so nicht zustande. Das war aber auch nicht weiter schlimm.
Sadie1'835 Beiträge · seit 201501. Dez. 2022 · #38
Was für ein schöner Morgen ihr doch hattet und eure Freunde waren sicher damit auch hoch zufrieden. Wir reisen nicht mehr in Begleitung, da einfach das “schlechte Gewissen” zu stark damit verbunden ist und ich so voll Stress hatte, da ich als “Reiseleiterin” die Verantwortung für unsere Freunde und deren Freude übernahm. Für uns gibt es seit 2015 nur noch Safari zu zweit. Dass es NH im Moremi gab, wusste ich auch nicht und habe noch nie welche gesehen. Schade dass du meinst die wurden irgendwohin verfrachtet. Also die picnic site in den Black Pools ist vernachlässigt?Auch schade! Und der Leo der dort wohnen soll hat euch nicht aus den Fahrspur Sitze gejagt. Haha, Risiko gibt es ja immer, aber ich sehne mich nach dieser Freiheit die wir als Selbstfahrer im Moremi (noch) haben. Danke sehr für euren Bericht! Katrin
EulenmuckelThemenstarter2'097 Beiträge · seit 200602. Dez. 2022 · #39
Hallo Katrin,
wir reisen sehr gerne in Begleitung. Und du hast schon Recht: Wenn wir jemanden mit weniger Erfahrung im südlichen Afrika auf so eine Reise mitnehmen, fühle ich mich als derjenige, der alles geplant hat, natürlich ein wenig verantwortlich. Aber es ist ja auch jedem klar, dass es keine Sichtungsgarantien gibt. Bei zwei Wochen in Botswana wird es allerdings kaum gelingen, nichts Spannendes zu entdecken. 😉 Und unsere Freunde waren ohnehin total entspannt. Sie haben sich über alles gefreut, das uns über den Weg lief und hatten selbst keine besonderen fotografischen Ambitionen.
Die Picnic-Site bei den Black Pools als vernachlässigt zu beschreiben, ist stark untertrieben. Ich würde sie Stand Oktober 2021 als nicht mehr vorhanden bezeichnen. Vom Leo wussten wir nichts. Aber vielleicht hatte Martin ja so eine Ahnung. 😉
Champagner8'705 Beiträge · seit 201003. Dez. 2022 · #40
Hallo Ihr Zwei,
also über diesen Vormittag im Moremi kann man wirklich nicht meckern 😉 . Tolles Wetter und viele Tiere! 🙂
Eulenmuckel schrieb:Wann hat man schon mal die Gelegenheit, gleich drei dieser beeindruckenden Tiere ohne störendes Gestrüpp drumherum am Tag zu beobachten?
Das ist eine sehr gute Frage 😎 😛 😄 ! Ich würde mal für meinen Fall sagen: NIE 🤩 ! Von daher geht hier ein bisschen Neid raus nach NRW.... 🤢
Zu meinen Spezialfreunden, den Hippos: ich bleibe dabei (hatte ich nämlich letztes Jahr auch schon festgestellt) , die haben Gnome im Oberkiefer 🙄 🤪 :
Bitte ganz bald mehr Botswana-Booster, es ist hier schon wieder soooo finster und kalt 😮 😵 .