"Social distancing" mit Gorillas

Reisebericht 35 Antworten · 9'152 Aufrufe · gestartet 25. Apr. 2020 von Carsten Möhle
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200625. Apr. 2020 · #1
20191226_103845(2).jpg

Social distancing mit Gorillas – Lockdown im Dschungel

20191226_111604.jpg


In einer Zeit, in der die Welt im nächsten Supermarkt an den Regalen für Nudeln und Klopapier endet, gilt es weiterzusehen auf ein paar verschwindende Horizonte.
Aufgrund des aktuellen, gewaltsamen Überfalls auf eine Zivilisten begleitende Gruppe von Nationalpark- Rangern freue ich mich über jeden, der diesen Bericht liest und ein wenig Geld locker machen kann für die Unterstützung von Mitforikern angeschobenen Hilfsprojekte Kanyaruchinya Primary School oder Gorilladoctors.

Eine Zumutung und aktueller Reisebericht von einer Reise Ende Dezember 2019 zu den Berggorillas in der Demokratischen Republik Congo.

„Social distancing“ und Kontaktkontrollen wurde ja schon immer beim Besuch von Berggorillas angewandt und haben eine Erfolgsgeschichte zur Arterhaltung ausgelöst:

20191226_103743.jpg


Der Bestand der im Virunga-Vulkan-Gebiet lebenden Tiere hat sich dadurch in den letzten drei Jahrzehnten auf über 600 Exemplare mehr als verdoppelt. Insgesamt gibt es jetzt wieder mehr als 1.000 freilebende Berggorillas.

kartevirunga.jpg


Die Kombination aus länderübergreifenden Absprachen für aufwendige Schutzbemühungen, Integration von Nichtregierungsorganisationen, Veterinärbegleitung und hochpreisigem Tourismus mit Investitionen in Gemeinschaftsprojekte vor Ort und medialer Öffentlichkeit sind die Grundsteine für die erfolgreichen Bemühungen nachhaltig dieses Habitat zu schützen.

20191226_105133.jpg



Die frühen Begegnungen von Menschen und Menschenaffen waren nicht immer so harmonisch. Immerhin hat der Berggorilla einen deutschen Nachnamen.

Wie ist es dazu gekommen?
In einer Zeit, als es Deutsche Bananen gab und der Kilimanjaro der höchste Berg Deutschlands war, führte der Verbindungsoffizier zum ruandischen König, Hauptmann Friedrich Robert von Beringe, eine Expedition durch, um einen der Virunga-Vulkane zu besteigen. Mit dabei war Chefarzt Dr Engeland, der eigentlich in einem Lungensanatorium in den Usambara Bergen in Wugiri stationiert war, 5 Askaris und die notwendigen Träger.
Am 17. Oktober 1902 starteten sie und es kam zu einer ersten Begegnung, die Beringe im Deutschen Kolonialblatt mit folgenden Worten schildert: „Von unserem Lager aus erblickten wir eine Herde schwarzer, großer Affen, welche versuchten, den höchsten Gipfel des Vulkans zu erklettern. Von diesen Affen gelang es uns, zwei große Tiere zur Strecke zu liefern, welche mit großem Gepolter in eine nach Nordosten sich öffnende Kraterschlucht abstürzten. Nach fünfstündiger, anstrengender Arbeit gelang es uns, ein Tier angeseilt heraufzuholen.“ Es handelte sich um einen männlichen, großen, menschenähnlichen Affen mit einer Körperlänge von 1,5 m und einem Gewicht von mehr als 200 Pfund. Er hatte keine Brustbehaarung, aber riesige Hände und Füße. „Es war mir leider nicht möglich, die Gattung des Affen zu bestimmen“, bedauerte der Hauptmann. Denn wegen der Größe des Tieres konnte es nach seiner Ansicht kein Schimpanse sein, und das Vorkommen von – aus dem Flachland bekannten – Gorillas im Gebiet um die ostafrikanischen Seen war bis dahin „nicht festgestellt worden“. Robert von Beringe beschloss deshalb, seinen Fund zur Untersuchung an das Zoologische Museum in Berlin zu schicken. Zwar wurden die Haut und eine Hand des Affen auf der Rückreise nach Usumbura von einer Hyäne gefressen. Doch anhand des Schädel und eines Teils des Skelettes, die unversehrt in Berlin ankamen - und heute noch dort im Museum für Naturkunde ausgestellt sind - , klassifizierte der am Museum tätige Professor Paul Matschie (1861–1926) das Tier als neue Gorilla-Art, die er nach ihrem Entdecker Gorilla beringei nannte.

Beringe2.jpg


Baam!Baam! So ging Forschung damals und es war noch ein langer Weg vom ausschließlichen Wert als Jagdtrophäen zu einem Forschungsobjekt von Dian Fossey, von "King Kong" zu den "sanften Riesen".

Eine DVD des Enkels von Hauptmann Beringe auf den Spuren seines Großvaters und zur Geschichte des sich entwickelnden Naturschutzes im Virunga Vulkangebiet kann hier eingesehen, geliehen und gekauft werden.
oder für ANNICK auf französisch hier.

Großvatern.jpg



... wird fortgesetzt mit Start in Kigali
zuletzt bearbeitet 25. Apr. 2020
1'523 Beiträge · seit 201125. Apr. 2020 · #2
Guten Tag Carsten,

...seit unserem zufällig abendlichen Treffen im Restaurant der Arebbusch Anfang November

ist so VIELES passiert, was eigentlich NIE vorstellbar war.................!!!!!

LG..................................BMW
zuletzt bearbeitet 25. Apr. 2020
4'382 Beiträge · seit 201526. Apr. 2020 · #4
Hallo Carsten,
auch ich bin sehr interessiert an diesem Bericht.
Beste Grüße
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
4'382 Beiträge · seit 201527. Apr. 2020 · #5
Hallo Carsten, unter Deinem link kann man die DVD nur leihen.........
Gruß
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200627. Apr. 2020 · #6
Warum Congo?
Namibia ist die Afrika Grundschule, manchmal auch nur Kita, Botswana und Sambia die Realschule für Afrikareisende, aber Congo ist das Afrika-Abitur, Heimat des flexiblen, individuellen Reisens.
Hier kann man das Gorilla-Trekking mit der Besteigung des Nyiragongo-Vulkans kombinieren und im Congo bei Kabara begann Dian Fossey mit ihrem Landrover „Lily“ 1966 mit Ihren wissenschaftlichen Gorilla Forschungen.

Leider ist der Ostteil des Congos seit den 90er Jahren für Touristen nur eingeschränkt bereisbar. Herrlich schlechte Straßen, keinerlei Infrastruktur für Massentourismus, immer ein bisschen undurchschaubarer Bürgerkrieg, statt grenzüberschreitender „Peace Parks“ haben sie dort grenzüberschreitende „War Parks“ etabliert. Seit kurzem noch gesteigert durch Ebola, und noch viel tödlicher, Masernausbrüche. Impfgegner sind mir dort nicht begegnet.

Ein stetiger Blick auf die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ist notwendig.
Die Region um Goma und der südliche Teil des Virunga Nationalparks war im Zeitfenster Februar 2019 bis März 2020 mit Einschränkungen möglich. Zurzeit ist wegen Gefährdung der Berggorillas mit Covid-19 der Virunga Park geschlossen.

Ich war bereits mehrere Male zu Land, Wasser und Luft im Congo, verfüge also über eine gewisse Ortskenntnis und zeitweise sprach ich auch ganz gut Lingala und Swahili. Kurze Hosen konnte ich damals nur eingeschränkt.

LacKivu(2).jpg

auflandy.jpg

congoboat.jpg


Da ich in den nächsten Jahren mehrere Reisen in den Congo (Forschung und Touristik) plane, suchte ich nach einem Veranstalter vor Ort, der meine Wünsche umsetzten kann. Empfehlung durch picco sowie dem deutschen Militärattaché im Congo führten zu Jean Bosco von Virunga Amani Tours.

jeanbosco.jpg


Jean Bosco verkörpert geradezu einen Berggorillabesuchsveranstalter. Nach namibischen Maßstäben ist er ebenfalls ein Vegetarier.

Man kann die permits, transfers und Unterkünfte auch direkt buchen und mit Kreditkarte bezahlen.
3 Wochen Minimum Vorlauf ist notwendig, um das Sondervisum ( 105 US$ pro Person ) aus Kinshasa rechtzeitig genehmigt zu bekommen.
Ich empfehle trotzdem jedem den Congo mit einem Reiseveranstalter zu bereisen, der im Congo und in Ruanda lizensiert ist, denn nur so kann man kostengünstig und flexibel auf Planänderungen im Verbund mit Sach- Personen und Ortskenntnis reagieren. Unabhängig davon wäre ein Schriftverkehr mit congonesischen Behörden zur Erlangung eines Sondervisums nutzlos aufgewendete Lebenszeit.
Als Vorsichtsmaßnahme habe ich für die geplante Dauer des Aufenthaltes bei der Deutschen Botschaft in Kigali und in Kinshasa meine Reise- und Kontaktdaten hinterlegt.
Ich bin kein Hasardeur, habe eine ganze Menge Expedition- und Einsatzerfahrung und hielt zu diesem Zeitpunkt das Risiko für vertretbar. Ich habe 3 Jahre Recherche und Abstimmung mit meinen Kontakten für diese Einschätzung gebraucht und dann das Zeitfenster genutzt.
Auch ich möchte nicht die Bundesrepublik Deutschland in die Lage bringen, erpresst zu werden und das KSK zum Abholen schicken zu müssen. (Kleiner Tipp aus der Praxis: Das KSK braucht in solchen Lagen einen Hinweis, dass man sich 48 Stunden an einem Platz aufhält, dann klopfen die an)

Von Windhoek geht es mit Air Ruanda unkompliziert und unglaublich günstig (229 Euro) via Johannesburg nach Kigali. Multiple Entry Visa 70 US$ / 63 € bei Ankunft am Flughafen mit Kreditkarte. Den Koffer habe ich in Windhoek einschweißen lassen. Ich hoffte, so dem Plastikverbot in Ruanda zu entgehen. Klar, wer kein Shampoo für krause Haare im Koffer transportieren muss, braucht auch keine Plastiktüten.
In der Empfangshalle händigte man mir dann unaufgefordert ein Teppichmesser aus, um die Plastikverpackung abzuschälen.
Abholung vom Flughafen um 22:10 Uhr durch das Yambi Guesthouse (Einzelzimmer 50 US$ / Doppelzimmer 30 US$ pro Person)
Yambi.jpg


Zur Akklimatisierung empfehle ich mindestens 3 Tage in Kigali oder am Lake Kivu.
Es wird mittlerweile erstaunlich viel englisch geredet und verstanden.
Das reiseberichte ich aber ein andermal und nicht in diesem an Aus- und Abschweifungen reichhaltig gefülltem Füllhorn.

Von Kigali nach Gisenyi
Abholung durch Jean Bosco. Von Kigali geht es auf guten Teerstraßen durch hügelige Landschaften zur Grenze nach Goma.
160 km. 5 Stunden gemütliche Fahrt.
schnellstraße.jpg

Manchmal ergeben sich Mitfahrgelegenheiten

Bei YouTube ansehen ↗

In den Dörfern herrscht mehr Verkehr. Bewölkt und bevölkt.

Bei YouTube ansehen ↗

Auffällig auch im Vergleich zu vor 30 Jahren ist, dass es kaum noch traditionelle Rundhütten gibt, sondern fast ausschließlich quadratische Steinbauten.
Quadrathütte.jpg


Abzweig nach rechts zum Ruanda Eintrittstor zum Virunga Nationalpark. Mit Wikingerschiff. Yara! Habe ich wohl doch 1991, bei meinem ersten Gorillabesuch in den Mondbergen einen Eindruck hinterlassen.
eintritt-park-ruanda.jpg


1991 kostete das Gorilla Permit auch schon 350 US$ pro Person für eine Stunde bei den Gorillas. Ruhengeri war durch ein wenig Bürgerkrieg schon schwer erreichbar. 40 Straßenblockaden auf dem 95 km Weg von Kigali.
Dian Fossey war gerade erst 5 Jahre zuvor ermordet worden. Der Film Gorillas im Nebel erst 3 Jahre alt. Die Grabstätte fand touristisch nicht statt. Ruanda schmückte sich damals nicht mit dieser einsamen alten merkwürdigen Frau.
Die Hauptbesucher Amerikaner und Belgier. Man musste antreten, wurde auf Fieber und Erkältungskrankheiten befragt und angeschaut, Nasen-Mundschutz gab es noch nicht. Wer hustete, blieb unten und hatte in den nächsten Tagen Gelegenheit noch einen freien Platz zu bekommen.
Maximal 10 Personen pro Besuchsgruppe.
Damals waren erst 3 Gruppen für Besuche mit Touristen habitiert. Heute sind es 70% der Berggorillas, die gelegentlich einen Menschen zu Gesicht bekommen.
1991.JPG

1991a.jpg

Eine Linkskurve in der man rechts abbiegen möchte
linksrechtskurve.jpg

Ruanda hat in den letzten Jahren massiv Tee für den Export und Reis für den Eigenbedarf angebaut.
"Grün sehen" ist für einen in Namibia Lebenden eine viel zu seltenes Hobby.
grünsehen2.jpg

grünsehen.jpg

Abwarten und Tee trinken ist durchaus eine afrikanische Verhaltensweise. Tipp: Einen vierminuten-Tee acht Minuten ziehen lassen und dann richtig ungeduldig eskalieren an der Grenze.

Selbstfahrer können für einige Tage Ihr Fahrzeug z.B. im „Discover Rwanda Gisenyi Beach Hostel“ oder beim „Palmgarden Hotel“ abstellen, wenn man nur einen 2-5 Tagesausflug in den Congo macht.

Der Grenzübergang „Grande Barriere“
Der Grenzübergang darf natürlich nicht von außen und innen photographiert werden. Aber unser Abholerfahrzeug, welches keine Straßen braucht, stand bereit.
Unimog.jpg

Bereits außen vor sind Handwaschbecken mit desinfiziertem Wasser. Auch olfaktorisch gewinnt man. Beim Betreten des Gemeinschaftsgrenzübergangsgebäudes wird man mit einem Wärmemeßgerät geprüft. Gleich rechts ist dann das Ausstempeln aus Ruanda und danach in die nächste Warteschlange beim Congo-Eintritt einreihen.
Beim Ausstempeln aus Ruanda wurden bei anderen Reisenden das Ostafrikavisum entwertet, so dass man an der Grenze zu Ruanda bei der Rückreise ein neues Visum kaufen musste.
Ein Meter Abstand zwischen den Personen war befohlen. Wenn man in der Schlange steht. Eher Diskretions- als Gesundheitsabstand.
Dann Gelbfieberimpfung im Impfpass über die Theke und das Genehmigungsschreiben aus Kinshasa für das vorab bezahlte Sondervisum.
Jean Bosco hat sie besorgt und uns gegeben. Wir haben das Dokument dann gleich photographiert mit Handykamera und richtiger Kamera, falls es mal „verloren geht“. Wir photographieren jedes Dokument und laden es gleich in die Cloud hoch.
congovisa.jpg

Man zittert immer ein wenig, wenn man ein Dokument im Congo vorholt.
Vielleicht war auch nur meine Erinnerung ein wenig verschwommen.
Im Grenzgebäude ist auch ein Büro des Virunga Nationalparks. Hier wird man auch in Listen erfasst, Namen verglichen, und es wird ein permit gemalt. „Ausgestellt“ beschriebe nicht angemessen die Geschwindigkeit dieses Vorgangs.
Nun noch unser Gepäck komplett kontrollieren lassen. Es wurde durch ein Röntgengerät gefahren und es musste von uns geöffnet und zum Teil ausgeräumt werden. Wenigstens hier traut man uns Waffenschmuggel zu.
Raus aus dem Gebäude und wir waren im Congo.
„Demokratische Republik Kongo“
358 Beiträge · seit 201327. Apr. 2020 · #7
Hi Carsten,

schön, dass du den Reisebericht doch schreibst.
Werde in meinem Homeoffice auf jeden Fall Zeit finden, um eure Abenteuer zu verfolgen!
Lg, Adriana
2018: Uganda, Ruanda, DR Kongo
6'369 Beiträge · seit 201128. Apr. 2020 · #8
Hoi Carsten
Carsten Möhle schrieb:Empfehlung durch picco sowie dem deutschen Militärattaché im Congo führten zu Jean Bosco von Virunga Amani Tours.
🙄 Hoppla Schorsch! 🤩
Dass ich mal in einem Atemzug mit einem Militärattaché genannt werde hätt ich auch nicht gedacht 🤩
Aber ich habs gern empfohlen und freu mich auf Deine Einladung mit dem Schnellboot über den Lake Kivu zu sausen und nebst der Lodge Coco in Bukavu auch den Parc national de Kahuzi-Biega zu besuchen... 😉 😎 😄
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200628. Apr. 2020 · #9
Fahrt zum Nationalpark Eingang
Von Goma bis Rumangabo 44 km, 2 Std Fahrt

1Googlemaps_LI.jpg

Quelle Google Maps
1 Rumangabo 2 Mont Mikeno Vulkan 3 Nyiragongo Vulkan

Direkt vom Grenzgebäude geht es ohne Einkaufsmöglichkeit durch die Innenstadt des 2 Mio. Einwohner Molochs Goma zum kongolesischen Hauptquartier des Virunga Parks bei Rumangabo.
Geldwechsler warteten direkt hinter dem Grenzgebäude mit ihren Geldpacken. Ist natürlich illegal, aber das Geld liegt dort tatsächlich direkt auf der Straße. Es gab keinen besonderen Schwarzmarktkurs. Für einen Euro gab es 1.850 Congo Franc CDF. Die kleinste Note ist 1 CDF, die größte mittlerweile 10.000 CDF.
Kleine Mittagssnacks kosteten 3 Euro, ein warmer Maiskolben am Straßenrand 0,25 Euro. Kalt auch.

2Goma1parisdecor.jpg

Beim Durchfahren fühlt man sich nicht unbedingt in die Seine-Metropole versetzt.

3Goma1.jpg

Aber es sieht auch nicht aus wie bei Hempels. Dazu vermisst man die Mischung aus Staub, Dreck, vergossenem Bier und einer verlorenen Fernbedienung, die von sozial Schwachen Sofa Eremiten hervorgerufen werden. Für viele ist das Sofa mittlerweile eine neue Heimat während des „lockdowns“ geworden.

Schuhverkäufer, Safarischuhverkäufer, Lebendige Märkte, durch Wasserkraft gefüllte Stromleitungen, Motorradtaxis und Lastenträger mit Holzfahrädern. Rechtsverkehr und Fußgänger auf der Straße. Alles was eine afrikanische Großstadt ausmacht.

4Goma2schuhgeschaeft.jpg


5Goma2safarischuhgeschaeft.jpg


6Goma3strom.jpg


7goma4markt.jpg


8lastesel.jpg


9Goma4kleidung.jpg


10motorbikes.jpg


Die Tribünen sehen aus wie in der Bundesliga.
11Goma2Fußball.jpg


Beim Vulkanausbruch des Nyiragongo am 27.01. 2002 ergoss sich ein Lavastrom durch einige Dörfer bis in die 250.000 Einwohner Stadt Goma in den Kivu See und machte ca. 120.000 Leute obdachlos.
Mittlerweile hat Goma 2 Mio. Einwohner und ein Großteil der Stadt ist wiederaufgebaut. Aus dem Basalt werden Mauer- Steine und Rollsplitt für den Straßenbau hergestellt.
12Goma3basalt.jpg


13rollsplit.jpg


„Eines der Centre de Traitement de la maladie a virus Ebola“
(Leeres) Seuchenbekämpfungskrankenhaus im Außenbezirk von Goma. Man war aktuell gerade am 13.04.dabei, den Ostcongo als Ebolafrei zu erklären, als drei Tage vor der Verkündung durch die WHO – ein Kürzel, welches man heutzutage nicht mehr erklären muss – eine neue Infizierte Person bekannt wurde.

14Gomakrh.jpg


15Gomakrh2.jpg


Der Ruf von Ebola ist genauso schlecht wie der vom Congo. Bei Erkrankten treten zuerst ähnliche Symptome wie bei einem grippalen Infekt auf, aber dann kommt es zu inneren Blutungen.
Als bevorzugte Wirtstiere werden vor allem Flughunde oder Makakenäffchen angenommen. Ein Übertritt der Artengrenze auf dem Menschen erfolgt schließlich entweder durch Biss oder Verzehr von ungenügend gekochtem und befallenen Tierfleisch.

In der gediegenen westlichen Küche passiert so etwas natürlich nicht, hier passt der Küchenchef selbstverständlich gut auf, dass das Essen hygienisch einwandfrei zubereitet wird.
In der traditionellen afrikanischen oder chinesischen Cousine sieht die Sache gänzlich anders aus. Hier gilt eine sich rekelnde Baummade als Delikatesse und lauwarmes Flughundgehirn mit Pangolinhaschee ist ein beliebtes Gericht. Wie hörte man zeitgleich im Dezember im chinesischen Wuhan: Kunde: „Ich habe es eilig, geben sie mir die Fledermaus? so mit!“ Bräter: „Die?ist aber noch nicht ganz durch“ Kunde: „Ach, davon wird die Welt schon nicht untergehen.“

16GomaUNlager.jpg


Blauhelmstation mit heimeligen NATO-Draht.
Die Demokratische Republik Kongo (auch Herz-Infarkt Afrikas genannt, oder République Déspotique du Congo EDC abgekürzt) ist ein Musterbeispiel für den gescheiterten Versuch, 200.000 verschiedene Ethnien unter einen Hut zu bringen, die sich alle aus irgendeinem Grund abgrundtief hassen.
Pro Krieg mischen üblicherweise fünf bis sieben radikale Rebellengruppen mit, welche alle Namen wie Demokratische Volksnationalbefreiungsarmeefront in mehr oder weniger abgewandelter Form tragen.
Der Ansatz, den diese Gruppen verfolgen, ist freilich ein ungewöhnlicher; so gehen die meisten Rebellenführer offenbar davon aus, dass das Volk sich am besten dadurch befreien lässt, dass man möglichst große Teile davon systematisch vergewaltigt, ausraubt und ermordet.
Weitere Teilnehmer sind die Armeen der DRK sowie von diversen Nachbarstaaten, welche allesamt im Grunde dieselbe Strategie verfolgen wie die Rebellengruppen, jedoch meist schlechter ausgerüstet sind.

In vielen verschiedenen Friedensmissionen im Congo haben die Vereinten Nationen versucht, Stabilisierungsmaßnahmen durchzuführen, um die Bevölkerung einigermaßen zu schützen. Die aktuelle Mission hat den Namen MONUSCO.
Die Hauptaufgabe der Blauhelme ist Zeuge zu sein. Man hat zwar Waffen, darf die aber in der Regel außer zum Selbstschutz nicht einsetzen, ohne dass mindestens 30 Bürokraten auf den Antrag gepupst haben. Diese Restriktion macht die Soldaten vor Ort leider sehr unglaubwürdig und die örtliche Bevölkerung protestiert zunehmend, da sie nicht gegen die verschiedenen Milizen geschützt werden (dürfen).
3 Wochen vor unserer Reise gab es größere Demonstrationen im 550 km entfernten Bunia. Deshalb waren die Blauhelme immer noch in Alarmbereitschaft und die Aussichtstürme der Feldlager waren besetzt.
Aber für den Congo sterben?


17bwanaUN.jpg


Finde den Bwana

wird fortgesetzt
zuletzt bearbeitet 28. Apr. 2020
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200629. Apr. 2020 · #10
18ebolacheckpoint.jpg

Am Stadtrand von Goma ist einer von 2 Ebola – Checkpoints auf dem 38 km Rest-Weg zum Nationalparkeingang. Photographierverbot.
Hier steigen alle aus, gehen zu einem Handwaschbecken mit Seife und Desinfektionsmittel zum Händewaschen, dann in eine Schleuse, werden dort durch ein Fenster mit einer Fiebermesspistole an der Halsseite abgetastet.
Ohne erhöhte Temperatur geht man zum Ende der Schleuse und dann, nachdem der Fahrer den Unimog nachgeholt hat, steigt man wieder auf und es geht weiter.
Auf Nachfrage, was bei erhöhter Temperatur geschieht wird auf ein Sanitätszelt hinter der Station gezeigt.
Wenn man Glück hat, hat man sich trotz der beschriebenen Symptomatik nur eine harmlose Malaria, Pest, Lepra oder Syphilis eingefangen.
Ein wunderschöner Platz für eine Quarantäne. Sollte man denjenigen zeigen, die schon das Vollfressen auf dem eigenen Sofa vor dem Fernsehgerät als „Quarantäne-Hölle“ beklagen. Sicher, diejenigen sind auch durch galoppierende Arschlappenfäulnis besonders gefährdet und werden schon von Tierfängern gesucht. Dabei könnte bei diesen Exemplaren Mensch schon durch die Behandlung mittels einer einfachen Fäkaltransplantation zu Linderung der Magen-Darm-Symptomatik führen.
(spätestens jetzt ahnt man, warum es gut ist, dass ich nicht so häufig Reisebereichte schreibe, aber Sie erinnern sich, am Anfang, es ist für einen guten Zweck, das etwas bei den wirklich Bedürftigen ankommt)

Die Kontrolle wird in beide Richtungen durchgeführt, der Checkpoint ist zu Tageslichtzeiten mit mindestens 3 Personen besetzt. Nachts ist eine Ausgangssperre, allerdings nicht dem Virus geschuldet.
Raucher müssen mit 2 Meter Abstand von der Station qualmen, um sich vor einer ggf. todbringenden Lungenkrankheit zu schützen. Hä?

19sicherung.jpg

Ranger, die nicht gerade glücklich aussehen - aber wer tut das schon im Kongo?

Außerhalb der Stadtgrenze von Goma koppeln wir mit einem Rangerfahrzeug der Nationalparkbehörde. Der Auftrag ist Begleitschutz zum Nationalparkhauptquartier für den Unimog mit den 10 Reisegästen zu fahren. Hmm, das zuverlässigste, geländegängige Fahrzeug der Welt soll von einem Landrover begleitet werden?

Es ist überall zu lesen, dass diese Ranger durch Sondereinheiten paramilitärisch ausgebildet wurden. Das Konzept der „grünen Krieger“, dass man Naturschutz militärisch durchdrückt, wird zuweilen auch kritisch gesehen.
Zumindest war die Ausrüstung vollständig und zweckmäßig, die Magazintaschen gefüllt. Das Auftreten war diszipliniert, der Zustand der Kalaschnikows gepflegt.
Warum eine Panzerfaust (Russische RPG7) durch die Verteidiger mitgeführt wird, erschloss sich mir nicht.
20Begleitranger.jpg

Nur wie wollen die uns schützen, wenn sie ständig hinterherfahren? Wer hat denen das so beigebracht. In dieser Formation können die uns nur rächen aber nicht schützen!
21sicherunghinten.jpg

Bis kurz nach dem Abzweig zur Rangerstation am Vulkan ist die Straße geteert, mit Fahrbahnmarkierung und Fahrrad- bzw. Fußgängerweg versehen.
Dann geht es auf Basalt-Gravelroad weiter, die ortsüblichen afrikanischen Überhohlvorgänge eingeschlossen.

22Teerstraße.jpg


23Teerstraße.jpg


24mitverkehr.jpg


https://youtu.be/zWXbOEa9Izk https://youtu.be/wRJTZVQGYwo ↗



25gegenverkehr.jpg

Wir Zielscheiben, formerly known as tourists, wurden von den Kindern und auch vielen Erwachsenen bewunken. Irgendwie scheint Tourismus doch was Schönes zu sein. Einige der älteren unter Ihnen erinnern sich sicher noch, als man damals individuell reisen konnte.
Es ist fast wie auf einer Stadtrundfahrt mit Bwana Tucke-Tucke in Katutura, wenn hier nur nicht die Farbe Grün so aufdringlich wäre.
Die Schilder im Hintergrund deuten auf eine durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau unterstützte Schule hin. Oder auf Swahili: „shule“. Hatte die damalige deutsche Kolonialzeit doch etwas gebracht, wenn es davor kein Wort für diese Einrichtung gab?
26Winker.jpg



27Landschaft.jpg

Außerhalb des ertragreichen Korruptionssektors verdingen sich die meisten Einwohner als Freiberufler und Ich-AG´s in Landwirtschaft und Bergbau. Fast jeder Berg wird bis an die Spitze landwirtschaftlich genutzt. Einige haben sich auf das artengeschütztem schreddern von Tropenholz spezialisiert oder machen Luxusholzkohle draus.
28Landschaft.jpg

Vor 30 Jahren war hier viel mehr Dschungel, jetzt nur gelegentlich Sekundärwald. Immerhin hat man dadurch freies Schussfeld. Hier eine der Horch- und Guckposten des Militärs.
29Landschaft.jpg


30Holzhaus-mikeno.jpg

Das Holzhaus ist nicht unser Hotel, aber im Hintergrund ist der Mont Mikeno -im Nebel. Dort wartet Morgen eine Gorillagruppe auf uns. Die Guerillagruppe ist derzeit eher rechts davon.

Die Mikeno Lodge
Aus Sicherheitsgründen wurden wir kurzfristig auf die Mikeno Lodge umgebucht, mit 350 US$ für das Zimmer die teuerste Unterkunft in der Gegend.

31Mikeno-Lodge-Room.jpg

32Mikeno-Lodge-Bar.jpg

33Mikeno-Lodge-Campfire.jpg


Das Kibumba Tented Camp (150 US$ pro Zimmer) ist dichter dran am Einstiegspunkt für das Gorillatrekking.
Die Mikeno Lodge ist auf dem umzäunten und streng bewachten Gelände der Nationalparkverwaltung.
Es gibt ein Gorillababy-Waisenheim, das Senkwekwe Zentrum was durch die preisgekrönte „Virunga“ Dokumentation von Netflix prominent geworden ist. Ein Dschungelcamp mit echten Affen, die sich nicht zum Affen machen lassen.
https://www.youtube.com/watch?v=QBm2bSNZJpg
https://www.youtube.com/watch?v=P9RcR-XcQ1g

Auf dem Gelände ist auch eine Coltan Mine. Neben populären afrikanischen Exportprodukten wie Blutdiamanten, Blutgold und Blutkupfer ist hierbei der Zusatz- „Blut“- nicht notwendig, da es ein Grundstoff ist, der es verwöhnten Modernitätsgewinnern ermöglicht, z.B. diese Reiseberichte auch auf dem Handy unterwegs zu lesen.
Ein Vorteil auf dieser Lodge untergebracht zu werden ist, dass man in der Parkverwaltung vorbeischauen kann und einem die Arbeitsweisen, Aufgaben und Abläufe im Nationalpark nahegebracht werden. Man kann die Ranger abends an die Lodge-Bar einladen.

34Speisekarte.jpg

Das Weihnachtsessen ist auf dieser Karte zusammengefasst. Von den 259 Buchstaben für das Essen sind lediglich 13 Buchstaben (Duck Liver, Duck), die fleischliche Nahrung, also Nahrung bezeichnen. Das ist ein Anteil von 0,05 oder 5% (Ok, der Salat kann auch Spuren von Nüssen und Insektenteilen enthalten).
Eine carnivorische Frechheit!

Merry Christmas! Das Essen wird gemümmelt.

35vegetarieressen.jpg



der Bericht fortgesetzt.
zuletzt bearbeitet 29. Apr. 2020
1'933 Beiträge · seit 200930. Apr. 2020 · #11
Guten Morgen Carsten,
gerne folge ich deinem interessanten Bericht.
Carsten Möhle schrieb:l
17bwanaUN.jpg

Finde den Bwana
Und natürlich habe ich dich gefunden: 2 Reihe, 6. von Rechts (oder 3. von Rechts - die Truppe steht nicht ganz in Reihe, dadurch vermischt sich die 2. und 3. Reihe) bzw. die rechte Ecke der UN-Flagge zeigt auf dich. (Eine Persönlichkeit wie dich vergisst man nicht, auch wenn unser Treffen, auf den Monat genau, 10 Jahre zurück liegt.)
Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
zuletzt bearbeitet 30. Apr. 2020
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200601. Mai 2020 · #12
Hallo Lotusblume,
ja. Genau richtig.
Ich hatte damals schon eine unprätentiöse Kopfbedeckung.
Herzlichen Dank!

Mit sonnigen Grüßen aus Feldatal
Carsten Möhle
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200601. Mai 2020 · #13
Das Gorillatrekking
Die Anreise
Nach einem frühen frustrierenden frugalen Frühstück für Frutarier (diese Wortwahl ist der Bedeutung geschuldet, nicht der Alliteration, form follows function; es gibt auch kein Photo, ich hatte meine Makrolinse nicht dabei) ging es zum Unimog und die Fahrt in Richtung Mont Mikeno, der Gegend für dieses Gorilla-Trekking begann.

Die Sicherheitslage auf dieser Strecke war eindeutig besser. Nur 6 Ranger und jeder der Ranger hatte nur ein Magazin in seinen Magazintaschen.
Wir erhöhten die Sicherheit, in dem wir Heiko für einen Teil der Strecke mit auf den Begleitlandy gesetzt haben.
1Heikoauffz.jpg


Aber es wurde wieder nur hinterhergefahren und das auch noch mit unzweckmäßigen Sicherheitsabständen. GRRR!
2Abstand.jpg


Aber der Mount Mikeno kam schon in den Blick

3Fahrtzummikeno.jpg


Der 4.437 m hohe Mont Mikeno ist der zweithöchste Vulkan in den Virungas. Es ist ein schlafender Vulkan – letzter Ausbruch im Pleistozän - und heißt „arm“ übersetzt, weil er wegen der steilen Hänge „arm“ an Menschen und landwirtschaftlichen Anbauflächen ist.

4Mikeno.jpg


5Mikeno4.jpg


6Mikeno3.jpg


Ein reicher Berg auf fruchtbaren Vulkanboden wird so mit Bohnenwald bewirtschaftet:
7Bohnen.jpg


7bBohnen.jpg


Video Bohnenwald
https://youtu.be/ySJS58Nm740

Der Nyiragongo kam in den Blick.

8Nyiragongoblick.jpg


9Mikenoundbegleiter.jpg


Die Rangerstation
Das Rangerbüro „Bukima Patrol Post“ im Mikeno-Bereich ist nach 1 ½ Stunden erreicht.
Auf der Karte sieht man gut das Dreiländereck Congo-Ruanda-Uganda. Die Gorillas sind in echt nicht so groß, wie auf der Karte dargestellt. Das stammte wohl noch aus King-Kong Zeiten.

10Mikenoparkgebiet.jpg


Wir werden vom Chefranger Daniel im Briefing-Raum begrüßt.

11Briefer.jpg


Hier machen wir den Affenschein, die Sicherheits- und Näherungseinweisung für den Besuch der Gorillas: Touristengruppen nicht größer als 6 Personen, ein Ranger vorneweg, ein Ranger hintendran, bei der Annäherung an die Gorilla - Gruppe nicht laut reden, nicht dichter als 7 Meter ran, wenn ein Affe auf einen zukommt, nicht bewegen, ein paar Hinweise zum Verhalten der Gorillas…

Dann trägt man sich in eine Teilnehmer - Liste ein.

12Anwesenheitsliste.jpg


13Tagesregister.jpg


Das war sie nun, die Tagesausbeute des Congo-Tourismus am 26.12.2019: 10 Touristen für das Gorilla Trekking und zeitgleich 8 Touristen, die auf den Nyriagongo Vulkankrater hochbegleitet wurden.
Gegenüber Gestern mit 4 Gorilla Besuchern eine Steigerung von 250%.
Läuft!

Beim Umsehen entdeckt man eine versteckte Spendenquittung an der Wand.

14snackkarte.jpg


Die Gorillagruppenübersicht- das Affentheater

Die Gorillagruppen sind nach Namen von im Dienst gefallenen Nationalpark- Rangern benannt. Aus diesem Datenpool könnte man mittlerweile leider über 100 Gruppen benamsen. Schöner wäre, man könnte sie nach Jahreszeiten benennen.

15Affentheater.jpg


SB Silverbacks = Silberrücken, in der Regel alle älter als 15 Jahre
BB Black Backs = Männliche Durchschnittstypen, hierarchische Mitläufer
ADF Adult Female = erwachsene, empfängnisfähige Damen
SUB Sub Adults = Halbstarke
JUV Juveniles = Jugendliche
BEBES = Babies

Aus den Zahlen geht hervor, dass im Congo 50 % der Gorillas an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind.
Auf unsere affenscheinpflichtigen Frage, wie wir uns den Gorillas nähern sollten, war die Antwort, dass wir kurz vor Erreichen der Gruppe einen Mund-Nasenschutz aufsetzen müssen.
Was hatten wir uns vorher nur für unnötige Gedanken gemacht.

16BananaPower.jpg


17Gorillaannäherungskostüm.jpg


Dann werden die Hände desinfiziert und die Gesichtsmasken verteilt und wir werden in eine 6er Belgier-Gruppe und meine deutsch-türkische 4er - Gruppe eingeteilt.

Belgien ist ein Land in Mitteleuropa, das sich mit aller Macht weigert, zu den Niederlanden zu gehören und gleichzeitig selbst für Frankreich zu provinziell ist. Außerdem wollen sie uns Deutschen den Völkermordrekord mit des belgischen Königs Leopold II. Privatkolonie Congo streitig machen. Er gab den Kongolesen mit der Gummiernte alle Hände voll zu tun. Wer dabei in den 16-Stunden-Schichten nicht effizient genug war, verlor sie dann auch gelegentlich. Der Reisebericht des Nicht-Forikers Joseph Conrad in das vielberedete Herz der Finsternis lässt nur wenige Details aus.

1960 hatte Belgien keine Lust mehr, sich Tag für Tag das genozitäre Elend im Belgischen Kongo anzusehen, und entließ das Land in die Unabhängigkeit. Auch heutzutage sind viele der Congo - Besucher aus Belgien.

Da haben wir uns ganz schnell social distanced und uns als erste abmarschbereit gemacht.

18Aufstiegquerfeldein.jpg


Um die Gorilla-Gruppen vom Rangerbüro aus zu erreichen sind 1-4 Stunden Wanderung notwendig, je nachdem, wo sich die Gruppe am Berg aufhält.
Bei Voranmeldung kann man Träger arrangieren, die für 30 US$ einen Rucksack mit Regenzeug, Handtuch, Kamerazubehör, Reserve-Akkus, Brillenputztücher, Schokoriegel und 3-4 Liter Wasser tragen.

Bwana Tipp: Sich dem dienstgradhöchsten Ranger anschließen. Der will als schnellster wieder zurück im Büro sein und hat sich eingeteilt, um die Touristen zur nächstgelegenen Gruppe zu führen.

Durch vielfaches Anraten hat man mir empfohlen, eine lange Hose zu tragen. Im Dschungel gäbe es so viel Viechzeug, dass man dort nicht mit schlanken, wohlgeformten, muskulös definierten, unrasierten Beinen blank hindurchschreiten solle.
Mit Viechzeug benannte man auch hier alle Art von Tieren, aus denen man kein Biltong herstellen konnte.
Normale Wanderschuhe, die einem Halt um das Abschlussstück des Beines geben, reichen völlig aus. Die Ranger nutzen Gummistiefel.
Hobbitschuhe oder spezielle Frauenschuhe sind nicht notwendig.

19ModellVeronasSafari.jpg


20Hobbitschuhe.jpg


(Teleskop-) Wanderstöcke sind eingeschränkt hilfreich, da es in den Regenwaldetappen durch den engen Busch geht. Allerdings gibt es ein wenig Halt auf dem regenassen Urwaldboden.
Man kann für 10 US$ handgeschnitzte Wanderstöcke leihen.
Ich empfehle individuell einstellbare Teleskopstöcke, um je nach Steilheit und Neigung die Stöcke um 5 bis 10 cm zu kürzen (bergauf) oder zu verlängern (bergab).
Am Nyiragongo braucht man sie sowieso, um den Bewegungsapparat und vor allem die Knie zu entlasten.

Und los geht’s durch blühende Landschaften!

21Aufstieg4.jpg
zuletzt bearbeitet 01. Mai 2020
749 Beiträge · seit 200602. Mai 2020 · #14
vielen Dank für den Reisebericht .............

das hat mich jetzt inspiriert die Fotos meiner Reise 1990 nach Rwanda und (damals) Zaire
herauszuholen .............
Gorillatrekking im Kahuzi-Biega - Besteigung des Nyiragongo und Ruwenzori.
Nach so langer Zeit sind einige Details verloren gegangen, man hat vergessen wie abenteuerlich das war ................

lg Wüstenfee
2'779 Beiträge · seit 200702. Mai 2020 · #15
wüstenfee schrieb:vielen Dank für den Reisebericht .............

das hat mich jetzt inspiriert die Fotos meiner Reise 1990 nach Rwanda und (damals) Zaire
herauszuholen .............
Gorillatrekking im Kahuzi-Biega - Besteigung des Nyiragongo und Ruwenzori.
Nach so langer Zeit sind einige Details verloren gegangen, man hat vergessen wie abenteuerlich das war ................

lg Wüstenfee
Mir geht es genau gleich Wüstenfee!
Danke Carsten, suche gerade meine Diapositive von 1989, Zaire, vorallem um deine Landschaftsbilder im Speziellen bezüglich Baumbestand, Plantagen, etc mit meinen zu vergleichen...
Gruss Leona
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200602. Mai 2020 · #16
Hallo Wüstenfee, hallo La Leona,

feinfein. Bitte mit einstellen. Ich komme füe die alten Jahrgänge nicht an mein Archiv, da ich noch in Nordhessen gestrandet bin.

mit sonnigen Grüßen aus Feldatal, dem Khaudom von Nordhessen.
Carsten Möhle
Themenstarter1'287 Beiträge · seit 200602. Mai 2020 · #17
Die Gorillastunde

22Aufstiegquerfeldein2.jpg


Die Parkgrenze ist von den landwirtschaftlich genutzten Flächen durch eine Mauer oder Riesenbordsteinkante abgetrennt. Hinter der Mauer beginnt der Regenwald. Vor der Mauer ist intensiv genutzte Kulturlandschaft. Ein krasser Übergang.

23Aufstieg0.jpg


24Aufstieg1.jpg


25Aufstieg6.jpg


Erst mal Strecke machen, um an den Regenwaldbereich zu kommen, wo sich „unsere“ Gorillagruppe aufhält.
Das ist Landschaft. Ganz schön viel auf einmal - also lieber zweimal gucken!

26Aufstieg.jpg


27Aufstieg2.jpg


28Aufstieg45.jpg


29Aufstieg3.jpg


Die Giftspritzer sind auch hier schon im Einsatz. Ein Modernitätsgewinner, aber wahrscheinlich auch kein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz.

30Aufstieggiftspritzer.jpg


Dann geht es in den Regenwald. Sieht ein wenig dichter aus als die Obi Gartenabteilung.
31BlickinDschungel.jpg

Man überschreitet den Weg von Kultur zur Natur, von Licht zu Dunkelheit, zum Ort des Kampfes Baum gegen Baum. Verachtungswürdige Massenbaumhaltung.
32Lichtgrenze.jpg

Auf glitschigen Dschungelpfaden bergauf. Der ungefähre Aufenthaltsort der Gorillagruppe wird von der täglichen Rangerablösung an die Station gemeldet. Daher weiß man schon, wenn man startet, wie lange man ungefähr unterwegs sein wird, um an das Ziel der Wanderung zu gelangen.
33Waldausgang.jpg


34Dschungel1.jpg


Und dann Mundschutz auf, wir sind jetzt schon ganz nah. Der Vor-Ort Ranger macht ein kurzes Ablösegespräch mit unserem Begleiter-Ranger und dann
Vorhang auf für ein kleines bisschen Gorillaschau!

35Cliffhanger.jpg
zuletzt bearbeitet 02. Mai 2020
1'651 Beiträge · seit 201403. Mai 2020 · #18
Carsten Möhle schrieb:
mit sonnigen Grüßen aus Feldatal, dem Khaudom von Nordhessen.
Hallo Carsten,

Feldatal liegt nur ein paar Kilometer von uns entfernt.

Wir sind Oberhesse. ( Nordhessen ab Kassel ) 😗


Viele Grüße
Hartwig
ONS LEWE BEGIN WAAR DIE TEERPAD EINDIG Den Wolken zwei Tage voraus, Fiffi zeigt Tinochika Heimat, Rock and Roll mit Tinochika 2016, Tinochika, Waltzing Mathilda KTP 17,Mit Tinochika vom Kaokoveld in Löwenwelt,Tinochika mit dem Rollenkoffer,Tinochika, 32 Tage im KTP, Die Tinochikas! Hier parkste richtig.
749 Beiträge · seit 200603. Mai 2020 · #19
hallo Carsten, hallo La Leona,

damals war ja nichts digital .......
ich habe mal versucht ein paar Fotos abzufotografieren .......
die Qualität ist dementsprechend schlecht ....... sorry

auf dem Weg zum Mount Mutumba


IMG_3681.jpg


und natürlich auch eine Teeplantage


IMG_3682.jpg

l
749 Beiträge · seit 200603. Mai 2020 · #20
in Cyangugu musste unser alter Toyota in die
Werkstatt

da haben wir die Gelegenheit genutzt für ein fröhliches Haarewaschen
an der Tankstelle .............
IMG_3683.jpg


IMG_3684.jpg