Nach gut 2 Stunden erreichen wir Gondar. Unser erstes Ziel ist die wegen ihrer Wandmalereien berühmte Kirche Debre Berhan Selassie. Die Malereien stammen aus dem 17 Jahrhundert und diese Kirche ist die einzige nicht von den Anhängern des Mahdi zerstörte Kirche in Gondar. Nach dem Fall von Karthoum 1885 kam es auch am Grenzgebiet zwischen Sudan und Äthiopien immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Mahdisten und Äthiopiern, die mal von der einen, mal von der anderen Seite ausgingen. 1887 eroberten die Mahdisten schließlich Stadt und Region Gondar für kurze Zeit. Hierbei kam es auch zur Zerstörung fast aller Kirchen.
Am Eingang der Kirche stehen bewaffnete Wachen.
Die Kirche wird rund um die Uhr bewacht, da in den letzten Jahren von Moslems mehrere Brandanschläge auf diese verübt wurden. Wir werden wieder einer Leibesvisitation unterzogen und dürfen dann das von Mauern und Türmen umgebene Kirchengelände betreten.
Mit unserem örtlichen Guide betreten wir die Kirche und staunen ob der Pracht und Vielzahl der Malereien. Alle vier Wände sowie die Decke sind komplett bemalt. Die Malereien wurden auf Stoffe/Leinwände aufgebracht und diese dann an die Wände geklebt.
(Hier am unteren Absatz der Wand erkennt man dies gut)
Unser Guide erklärt uns die Bedeutung jedes einzelnen Bildes, während der anwesende Priester tief und fest auf seinem Stuhl halb sitzend, halb liegend schläft. Auch er hat die ganze Nacht hindurch aufgrund des Marien-Feiertages gebetet.
An der Stirnseite des Raumes ist zentral die heilige Dreifaltigkeit abgebildet, auf die während des Gottesdienstes die Priester schauen.
Die Gläubigen stehen sich dabei, getrennt nach Männern und Frauen, im Raum gegenüber. Die Männer schauen dabei auf die Längsseite der Kirche mit den Abbildungen des Leben Jesu, während die Frauen auf die Wand mit den Darstellungen des Lebens der Maria blicken.
Bei den Malereien im Gondarstil sind böse bzw. unwissende oder ungläubige Menschen stets im Profil mit nur einem Auge dargestellt. So ist zum Beispiel beim letzten Abendmahls nur Judas so dargestellt.
Wir sehen auf den Wänden unter anderem den abgeschlagenen Kopf von Johannes, der nach der äthiopischen Legende von Gott mit Flügeln versehen wurde und so noch Jahre weiter das Christentum verbreitete.
Auf der Marienseite sehen wir den heiligen Thomas, der zur Zeit von Marias Tod in Indien weilte und so nicht persönlich bei ihrer Himmelfahrt anwesend sein konnte, auf einer von Gott gesandten Wolke, die in doch noch zu Marias Himmelfahrt trug.
(Rechts oben Maria umringt von 5 Engeln und Thomas auf der Wolke.)
Wir hören auch, das sich laut der äthiopischen Version Maria bis zu ihrem 15. Lebensjahr in einer Klosterschule aufhielt und schwanger aus dem Kloster kam. Später soll sich Maria auch einige Zeit in Äthiopien aufgehalten haben.
Besonders beeindruckt die reich verzierte Decke, die komplett mit geflügelten Engelsköpfen bemalt ist.
Weitere Eindrücke der Malereien, die alle vier Innenwände zieren. Leider konnte ich mir zur Bedeutung nicht alles merken, was wir unserem Guide in Gondar dazu erklärt bekamen. 🙁