Liebe Grüsse Caroline
Der achte Kontinent - Madagaskar 2026
Hallo Caro,
schön, dass ihr noch hier dabei seid! Ich kann verstehen, dass dein Sohn nach Madagaskar möchte. Auch ich würde gern noch einmal hin... Aber auch Südostasien wäre tatsächlich mal eine Reise wert - allein schon wegen der Orang Utans. Mit der Fossa werden wir uns Mühe geben... 😉
Liebe Yvy,
wir haben den Tag in Antananarivo als sehr interessant erlebt. Ich fand aber gut, dass wir (auch wegen der Kinder) hier einen Guide bei uns hatten.
Den Südwesten möchte ich auch nochmal irgendwann sehen. Die klassische Route auf der N7 gen Süden steht noch auf der Bucket List. Ich freue mich dann aber erstmal auf deine Eindrücke!
Der Westen der Insel vereint auf jeden Fall einige der absoluten Highlights unserer Reise.
Hallo Silvia,
wir empfanden das auch so: Die Tierwelt ist etwas ganz Besonderes.
Hallo Caroline,
ich freue mich, dass dir der Bericht ein anschauliches Bild vermitteln konnte. Teilweise ist es eine echte Zeitreise, in Madagaskar unterwegs zu sein. Gerade in den kommenden Kapiteln über den ländlichen Westen wird deutlich werden, dass die Menschen dort unter sehr einfachen Bedingungen leben müssen. Die Armut auf der Insel ist wirklich groß.
@ all
Danke auch fürs Button-Drücken. Es ist immer schön zu sehen, dass ein Bericht gelesen wird.
Lieber Gruß
Sascha
Kapitel 9: Im Land der Baobabs
Um drei Uhr in der Früh durchschneidet das schrille Lärmen des Handyweckers die nächtliche Ruhe. Das kann doch nicht wahr sein! Aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, gehört nicht in die Top-Ten der besten Urlaubserlebnisse. Schlaftrunken und individuell mehr oder weniger grummelig machen wir uns abreisefertig und nehmen an der Rezeption riesige Frühstückspakete entgegen: Keine Ahnung, wie wir diesen Nahrungs- und Getränkeberg nun sinnvoll verstauen sollen.
Viertel vor vier brechen wir mit einem Hotelshuttle zum nahegelegenen Flughafen auf. Um diese Zeit herrscht naturgemäß kein Verkehr und so sind wir ruckzuck am Ziel angelangt.
Dort kommen sofort einige Helfer auf uns zu, die unbedingt unser Gepäck für uns schieben möchten. Gern ermöglichen wir ihnen diesen kleinen Job. Neben einem Trinkgeld verteilen wir auch große Teile des Hotelproviants an die Anwesenden. Alles wird gern genommen.
Am Flughafen ist – welch Überraschung! – wenig los. Eigentlich wollten wir neues Bargeld ziehen, bevor wir in den ländlichen Westen aufbrechen. Leider ist aber der ATM außer Betrieb.
Der Check-In und die Sicherheitskontrollen gehen schnell von der Hand. Auf das Gewicht unseres Handgepäcks (höchstens fünf Kilo!) wird zum Glück nicht so genau geachtet und so kommt auch die Fotoausrüstung heute problemlos mit an Bord, deren Rucksack-Zuhause mehr als das Doppelte auf die Waage bringt.
In der Abflughalle ist nun Geduld gefragt. Gut eineinhalb Stunden möchten noch verdöst werden, bis unser Flug abheben wird. Gefühlt ist der Zeitraum aber deutlich länger.
Allen Unkenrufen gegenüber Madagascar Airlines zum Trotz wird unser Flug überpünktlich starten. Mit etwas Vorlauf öffnen sich die Türen der Wartehalle und es geht über das Rollfeld in Richtung Flugzeug. Mit der ATR 72 erwartet uns eine große Turboprop-Schulterdecker-Maschine. Von außen macht sie auf den Laien einen flugfähigen Eindruck, von innen auch. Trotzdem sitzen wir hier mit einer gewissen Anspannung im Angesicht der bisherigen staatlichen Infrastruktur-Erfahrungen und diverser Reisebericht-Erzählungen.

Der rund einstündige Flug verläuft dann aber zum Glück ruhig. Es gibt sogar leckere Snacks und die Blicke aus den (leider nicht fototauglich-sauberen) Fenstern zeigen uns l’île rouge im schönen Morgenlicht in ihrer ganzen Pracht. Regelmäßig sind bereits aus der Luft riesige Affenbrotbäume zu entdecken. Die Vorfreude auf den Westen wächst, die Flugsorgen sind glücklicherweise vergessen.
Die Landung am winzigen Flughafen von Morondava gelingt vorbildlich. Das Gepäck ist schnell wieder in unserem Besitz und bald treffen wir auf unseren neuen Driver-Guide. Félestin stellt sich als ein hochgewachsener Mann in seinen Sechzigern heraus. Und für uns als absoluter Glückstreffer. Denn er ist nicht nur ein versierter 4x4-Fahrer, sondern auch ein sehr guter Reiseführer und einfach ein absolut liebenswerter Mensch. Nach der gemeinsamen Zeit gehört er gefühlt mit zur Familie. 🙂
Bald ist das Gepäck in unser neues Auto verladen. Die vier Koffer passen gerade so in den Gepäckraum. Rucksäcke müssen wir auf dem Schoß tragen. Hier werden wir uns unbedingt noch etwas einfallen lassen müssen, denn in diesem Modus können wir nicht zehn Stunden und mehr auf schlechten Pisten unterwegs sein.
Durch das morgendliche Morondava fahren wir (mit Zwischenhalt an dem einzigen Geldautomaten der gesamten Region!) zum Maison Charette – unserer Unterkunft für die heutige Nacht. Dieses kleine und noch recht neue Hotel liegt etwas außerhalb der Stadt und besteht nur aus einer Handvoll Zimmer. Die Besitzerfamilie ist österreichisch-madagassisch. Alles ist hier sehr gepflegt und persönlich. Wir laden Félestin zu einem gemeinsamen Frühstück ein, um uns besser kennenzulernen und verabreden uns mit ihm für den Nachmittag, um zur berühmten Baobab-Allee zu fahren, die eine knappe halbe Stunde nördlich von hier liegt.


Die Stunden bis zur Abfahrt verbringen wir in unserer geräumigen Familieneinheit, die aus zwei Zimmern besteht. Hier haben wir genug Platz und die gemütlichen Betten locken mit der Aussicht auf einen Ausgleich zur arg verkürzten Nacht. Nach einer langen Ruhephase organisieren wir außerdem unser Gepäck um, damit wir einen großen Koffer im Hotel lassen können. Da wir vor dem Rückflug nach Tana wieder hier übernachten werden, bietet sich diese Maßnahme an. Und so ist genug Platz im Kofferraum für unsere Rucksäcke geschaffen.

Am späten Nachmittag holt uns Félestin ab. Über eine kleine Dirtroad geht es zuerst zurück nach Morondava, um dann auf asphaltierter Straße bis zum Abzweig nach Norden zu fahren. Von dort aus gibt es nur noch eine Sandpiste, die jedoch in Stadtnähe in einem ziemlich guten Zustand ist.
Links und rechts der Straße wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Auch hier sind immer wieder Menschen bei der kräftezehrenden Handarbeit zu beobachten.
Wenige Kilometer hinter Morondava halten wir an ersten beeindruckenden Exemplaren der Baobabs. Es handelt sich hier um Granddidier-Baobabs, die bis zu 25 Meter hoch werden können. Im warmen Licht des Nachmittags leuchtet ihr Stamm wirklich schön. Die Fahrer der Fahrrad-Rikschas, die hier immer wieder unterwegs sind, beneiden wir auf dieser recht weichen Sandpiste nicht.


Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir – und dabei vor allem unser Nachwuchs– von einer ganzen Schar einheimischer Kinder umringt. Ihre Blicke sind ganz ohne Scheu, bald kommt es zu Berührungen. Für unsere Kids ist das (nachvollziehbar) schnell zu viel und sie ziehen sich auf die Rückbank zurück.
Hier hören wir zum ersten Mal den Gruß: „Salut Vazaha!“. Diese Formel wird uns die nächsten Tage begleiten. „Vazaha“ nennen die Madagassen hellhäutige Fremde oder Europäer. Das Wort ist keineswegs böse oder abwertend gemeint, sondern eine ganz normale, alltägliche Bezeichnung im Land.
Einige Kilometer weiter nördlich erreichen wir schließlich die Allée des Baobabs. Hier gibt es einen größeren Parkplatz am Rand eines kleinen Dorfs. Die aus Naturmaterialien gezimmerten Hütten sind typisch für das ländliche Madagaskar – genau wie die kleinen Solarpaneele, mit denen die Bewohner vornehmlich ihre Telefone und Lampen laden. Denn Strom (und fließendes Wasser) gibt es hier nicht.

Am Eingang zur Allee finden sich einige Souvenirstände und Garküchen. Außer uns sind ein paar weitere Touristen unterwegs. Im stets wärmer werdenden Licht spazieren wir zwischen den riesigen Bäumen herum und sind beeindruckt von diesem Ort. Die schiere Anzahl der Affenbrotbäume bietet dem Betrachter ein einzigartiges Bild. Einst waren die Bäume Teil eines dichten Trockenwalds. Heute sind sie die einzigen Überbleibsel dieser Vegetation, da sie unter strengem Schutz stehen. Der Rest der Wälder wurde über die Jahre abgeholzt.

Mitten durch die Ansammlung der Baobabs führt die Nationalstraße 8 – wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine einfache Sandpiste, auf der vor allem Fußgänger und Zebu-Karren unterwegs sind. Daher kostet die Baobab-Allee auch (abgesehen von einer Parkplatzgebühr) keinen Eintritt. Es gibt jedoch Pläne, die N8 zu verlegen und den Abschnitt mit der Allee zu einer gebührenpflichtigen Attraktion zu machen.

Da die große Ansammlung der Affenbrotbäume nur wenige hundert Meter Straße umfasst, haben wir genug Zeit, herumzuschlendern, bis sich Sonne und Horizont anschicken, sich anzunähern.
Der Sonnenuntergang ist der Höhepunkt eines jeden Baobab-Allee-Tages. Und daher füllt sich der Parkplatz nun auch mit recht zahlreichen Autos, die Hotelgäste aus Morondava pünktlich zum Beginn des Ereignisses abliefern. Ganz allein erlebt man den Sundowner hier also nicht, auch wenn das Besucheraufkommen zum Glück noch weit entfernt davon ist, das Prädikat „Massentourismus“ tragen zu müssen.
Der beste Blick auf die untergehende Sonne bietet sich vom Rand eines kleinen Sees aus, dessen morastige Uferzone vom Gros der Besucher gemieden wird. Hat man also gutes Schuhwerk an den Füßen, kann man sich von der Mehrzahl der Anwesenden ganz gut separieren und das asiatisch geprägte Insta-Spektakel erfolgreich ausblenden.


So richtig rot glühen, wie wir es immer wieder auf den bekannten Fotos der Allee gesehen haben, mag der Himmel heute nicht. Trotzdem ist der Blick auf die Schattenrisse der Baumriesen im Gegenlicht der untergehenden Sonne mitsamt dem wechselvollen Farbenspiel einfach wunderschön. Die Kamera klickt im Akkord und man muss sich zwingen, die Momente nicht nur durch den Sucher zu erleben.



Schnell leert sich das Areal, sobald sich die Sonne verabschiedet hat. Wir bleiben noch ein wenig und sehen u.a. den Kindern dabei zu, wie sie den dicken Stamm eines Baobabs umarmen.
Als es bereits ganz finster ist, gehen wir sehr zufrieden zurück zum Auto und werden von Félestin sicher zurück zum Maison Charette gebracht.
Den Tag beenden wir bei einem guten Abendessen im Hotel. Es gibt hier drei Menüs zur Auswahl. Alles stellt sich als sehr schmackhaft heraus. Und die Katze des Hauses bietet für die Kids einen willkommenen Streichelanlass.
Hundemüde fallen wir bald in die Betten. Morgen früh geht es bereits wieder zurück zur Baobab-Allee. Denn wir werden der N8 bis in den Kirindy Wald folgen. Hier haben wir bezüglich nachtaktiver Lemuren und Votsotsas, der Vogelwelt und nicht zuletzt der Sichtung einer Fossa (zu?) große Erwartungen, denn Kirindy gilt oft als „die“ Wildlife-Destination im westlichen Madagaskar.
Stay tuned. 😉
Für die Abonnenten von Disney+ unter euch vielleicht interessant:
Es gibt seit ein paar Tagen eine neue National Geographic Doku-Reihe über die Tierwelt des afrikanischen Kontinents: Wilde Erde Afrika. Die deutsche Audiospur ist etwas anstrengend - die Bilder bieten aber teilweise außergewöhnliche Einsichten.
Folge 3 behandelt schwerpunktmäßig Madagaskar: tanzende Sifakas, jagende Mausmakis, paarende Fossas. Ich fand es sehr sehenswert.

Schönes Wochenende!
Sascha
Ja, absolut. Die Baobabs bilden eine nahezu perfekte Kulisse für einen schönen afrikanischen Sonnenuntergang.
10. Kapitel: Schöner wohnen im Kirindy Wald
Nach einem leckeren Frühstück geht es mit reduziertem Gepäck gen Norden. Wir verlassen Morondava und folgen der Nationalstraße 8 bis zur Baobab-Allee.
Am frühen Morgen ist hier touristisch noch nichts los und es herrscht eine viel ruhigere Atmosphäre als gestern Abend. Und so können wir diesen schönen Ort nochmal ganz anders genießen. Wir lassen den Wagen auf dem zu dieser Uhrzeit kostenfreien Parkplatz stehen und spazieren zuerst um den kleinen See. Wie anders wirken die Bäume im Morgenlicht!

Ein bisschen Birding-Beifang ergibt sich außerdem. Neben dem abgelichteten Kuhreiher sind auch einige Madagaskarspinte unterwegs. Leider verweigern sich die schönen Bee-eater aber einem vorzeigbaren Foto.

Natürlich wandeln wir auch noch ein wenig unter den Baobabs auf der N8. Bis auf einige Locals sind wir die einzigen Menschen hier. Und so ist dieser zweite Besuch bei den Bäumen ein rundum gelungener Auftakt des heutigen Tages.

Nachdem wir unsere Fahrt fortgesetzt haben, halten wir bereits wenig später erneut, denn wir entdecken im Gebüsch nahe der Straße einen weiblichen Madagaskar-Paradiesschnäpper. Wir pirschen dem nervösen Vogel ein wenig hinterher und können zu unserer Freude ein Foto ergattern.

Unser treues Geführt wartet derweil auf der Piste auf uns.

Weiter nach Norden fahrend wird die Landschaft deutlich waldiger: Wir nähern uns dem Kirindy Forest. Auf der rechten Straßenseite ist die Landschaft geschützt. Hier herrscht dichte Vegetation und hoher Baumbestand. Auf der linken Seite befindet sich jedoch kommunales Land. Hinter einem schmalen Buschstreifen ist alles gerodet und Trockensavanne herrscht vor. Wir halten die Daumen, dass der Schutzstatus des Waldes ihn noch lange vor diesem Schicksal bewahren möge…
Die Piste wird nun zusehends schlechter. Es gibt ausgeprägte Bodenwellen und immer wieder tiefe Auswaschungen. In der Regenzeit bleiben im Schlamm der Straße wohl regelmäßig Fahrzeuge stecken. Dieses Problem stellt sich uns heute natürlich nicht, aber auch das stetige Auf und Ab ist nicht ganz unanstrengend. Laut Félestin ist das aber noch gar nichts im Vergleich zu der Pistenqualität, die wir auf dem Weg zu den Tsingys noch erleben werden.

Südlich des Dorfes Kirindy findet sich ein Abzweig zu zwei Baobab Amoureux –Affenbrotbäumen, deren Stämme miteinander verschlungen sind. Ein netter Zwischenstopp, der dazu einlädt, bei den ansässigen Souvenirständen Baobabs im Miniaturformat zu erstehen: Das typische Souvenir der Region und wirklich sehr dekorativ.

Etwas nördlich des Dorfes zweigt eine schmale Piste nach Osten ab, die tief in den Kirindy-Wald führt. Dieser folgen wir für einige Kilometer. Hier wechseln Bodenwellen mit tiefsandigen Passagen und ich bin ganz froh, das Fahren Félestin überlassen zu können.
Bald erreichen wir die Kirindy Lodge und damit die einzige Unterkunft, die direkt im Schutzgebiet liegt. Im Dorf Kirindy gibt es noch das schickere Hotel Relais de Kirindy. Dies ist aber eben eine halbe Autostunde entfernt und für uns daher keine echte Alternative – auch wenn unsere Agentur deutlich dazu geraten hat, dort zu übernachten…
Die Kirindy Lodge ist nämlich (freundlich gesagt) überaus rustikal.

Sie ist an ein Forschungszentrum des Deutschen Primatenzentrums angeschlossen und besteht aus einem Gebäude mit Schlafsälen, einigen im Halbkreis im Wald angeordneten und durch schmale Pfade miteinander verbundenen, sehr einfachen Holzhütten und einem offenen Restaurantbereich.

Dabei macht die Restaurantplattform einen netten Eindruck. Und auch das begrenzte Vepflegungsangebot ist dort völlig in Ordnung.
Die Hütten jedoch sind teilweise in einem bedauernswerten Zustand. Einige werden augenscheinlich gar nicht mehr vermietet und fristen halb verfallen ihr Dasein. Wir bekommen die einzige Family-Unit: Ein kleines Betongebäude mit nicht mehr ganz trittfester Holzveranda.

Erscheint das Haus von außen schon wenig einladend, so ist das Innere noch um einiges – nun ja – rustikaler. Der Schlafraum wurde vor Jahren einmal weiß getüncht – seitdem aber nie mehr gestrichen und ist entsprechend „abgerockt“. Die Zimmerdecke besteht aus einer einfachen Plane. Die Möbel sind abgewetzt und äußerst einfach. So entsteht ein recht liebloser Eindruck. Ganz sauber ist es leider auch nicht: Das betrifft die Zimmerecken, aber auch Matratzen und Wolldecken. Insgesamt wirkt der Raum eher wie eine Stallung, als wie ein Hotelzimmer.

Das angeschlossene (ebenfalls rustikale) Badezimmer weist zwar Toilette, Dusche und Waschbecken auf. Jedoch wäre es ein Euphemismus, hier vom Vorhandensein fließenden Wassers zu sprechen.
Die Kinder möchten hier eigentlich nicht bleiben. Unsere Retter sind nun die mitgebrachten Moskitozelte, die einen sauberen „Safe-Space“ entstehen lassen, mit dem sich der Nachwuchs arrangieren kann. Dass es hier keinerlei Netzabdeckung gibt, wird dann beinahe schon schulterzuckend zur Kenntnis genommen…
Einen Preis für „Schöner Wohnen“ wird die Kirindy Lodge wahrlich nicht gewinnen. Aber aus diesem Grund haben wir allen Warnungen zum Trotz auch nicht darauf bestanden, hier zwei Tage zu verbringen. Denn hier zählt allein Lage, Lage, Lage. Und da ist die Unterkunft wirklich konkurrenzlos in der Region, denn man ist mitten im Geschehen, sobald man einen Fuß aus seinem „Zuhause“ setzt.
Bereits bei unserer Ankunft können wir schon einige Riesencouas aus nächster Nähe beobachten. Diese etwa 60 Zentimeter großen Vögel, die vor allem auf dem Waldboden unterwegs sind, finden wir wirklich beeindruckend.

Außerdem treffen wir am Rand des Camps bald auf eine Gruppe Larvensifakas. Die weißen Lemuren mit ihrer schwarzen Kappe und den leuchten orangenen Augen sind ein echter Hingucker. Mit erstaunlicher Leichtigkeit springen die Tiere von Baum zu Baum und wir sind ganz begeistert, als ein Familienmitglied auch mal auf Augenhöhe zu uns herunterhüpft.


Bei solchen Campgästen schlafe ich gern mal in einer Baracke. Hoffentlich sehen das die Kinder auch noch irgendwann ähnlich… 😉
Nachdem wir uns ein wenig umgesehen und unseren ersten Eindruck von unserer Hütte verarbeitet haben, lernen wir Heri kennen, der uns während unserer Kirindy-Zeit als Guide betreuen wird. Er stellt sich als sehr kundiger und auch an der Vogelwelt interessierter Zeitgenosse heraus, der uns begeistert bei Tag und Nacht über die Waldpfade führen wird. Ein echter Glücksfall! Wir verabreden uns für den Nachmittag zu einer ersten Exkursion.
Bis dahin verbringen wir die Hitze des Tages auf der Restaurantterrasse bei kühlen Getränken. Die Kinder ziehen sich irgendwann mit ihrer „Switch“ in die saubere Weiße des Moskitozelts zurück, während die Eltern auf Vogelpirsch gehen. Hier stellt sich das Camp als ein richtig guter Ort heraus. Der lichte Wald versteckt seine Bewohner lange nicht so intensiv wie der Regenwald im Osten der Insel.
Auf den kleinen Streifzügen können wir eine ganze Reihe verschiedener Arten fotografieren.
Ganz besonders freuen wir uns über die Sichtung eines Madagaskar-Wiedehopfs.

Der Star des frühen Nachmittags ist aber unangefochten ein männlicher Madagaskar-Paradiesschnäpper, der mit seinem langen Federschwanz beeindruckt und wie ein kleiner Blitz von Baum zu Baum huscht.

Ein häufiger Vertreter der lokalen Vogelwelt ist der Madagaskardrongo mit seinem charakteristischen Schopf über dem Schnabelansatz.

Auch der Madagaskardajal ist hier ein regelmäßiger Anblick – hier in der weiblichen Version.

Bald ist es auch schon Zeit für unseren Aufbruch in den Wald. Wir sind gespannt, was wir außerhalb des Camps entdecken werden. Dazu dann mehr im nächsten Kapitel.
11. Kapitel: Vielfalt im Trockenwald: Das beste kommt zum Schluss
Am Nachmittag führt uns Heri über die Pfade des Kirindy Forest. Vom Camp aus geht zuerst ein breiter Pfad in den Wald hinein, von dem regelmäßig kleinere Pfade abzweigen. Der ganze Wald ist in der Nähe des Forschungszentrums von diesen Wegen durchzogen, auf denen wir ohne Führung hoffnungslos verlorengegangen wären.

So folgen wir aber gespannt unserem Guide, der uns pfeifend und frohen Mutes voranschreitet. Heri ist begeistert von dem Lebensraum und seinen Bewohnern und es fällt ihm leicht, uns mit seiner Freude anzustecken. Zu unserer Freude sind wir ganz allein unterwegs.
Unsere erste Sichtung ist ein weiblicher Madagassennektarvogel, der seinem deutschen Namen gerade alle Ehre macht.

Bald darauf stoßen wir auf eine Gruppe Larvensifakas, die hoch in den Bäumen unterwegs sind und uns Bodenbewohnern aufmerksame Blicke zuwerfen. Da die Bäume des Waldes zu dieser Jahreszeit nur wenig belaubt sind, können wir die Lemuren (mit der Gefahr der Nackenstarre) sehr gut beobachten.

Der Boden ist komplett von trockenen Blättern bedeckt und so rauscht es herbstlich, als wir unseren Weg durch den Wald fortsetzen.
Als nächstes können wir einen Spitzschopf-Seidenkuckuck (Crested Coua) entdecken. Vor allem die aparte Augenpartie ist ein Blickfang.

Eine ganze Weile spazieren wir auf kleinen Pfaden durch den Wald, denn Heri hat ein klares Ziel vor Augen. Als Eulenfans haben wir natürlich nach bekannten Tageseinständen gefragt und waren sehr froh zu hören, dass Heri erst vor Kurzem den Schlafplatz einer Zwergohreule entdeckt hat, zu dem er uns nun führen wird.
Am Ziel angekommen, sehen wir uns einer Torotoroka-Zwergohreule gegenüber. Anders als die Regenwald-bewohnende Madagaskar-Zwergohreule, die wir bei Andasibe entdecken konnten, zeichnet sich diese Art durch ein graues Gefieder aus. Müde blickt der schöne Vogel zu uns herab und ich bin einmal mehr selig.

Zwar wird sich die Eule – abgesehen von ihren Augenlidern – kaum bewegen, trotzdem fällt das Losreißen schwer. Es ist großartig, wie nah wir im Rahmen dieser Reise bereits zwei für uns neuen Eulenarten kommen konnten.

Bald hält der Wald ein neues Birding-Highlight bereit. Zuerst hören und dann sehen wir die Weißbrust-Stelzenralle (White-breasted Mesite). Der etwa 30 Zentimeter große und bodenbewohnende Endemit Madagaskars stand ziemlich weit oben auf der Vogel-Wunschliste für diese Reise. Und wir sind froh, dass ein Foto ganz ohne Gestrüpp gelungen ist, denn die Tiere sind scheu und verlassen nur für kurze Zeit ihre Deckung.

Und weiter geht die Wanderung, bis Heri unter einem Baum anhält und uns den Schlafplatz eines nachtaktiven Rotschwanz-Wieselmakis zeigt, der uns mit großen Augen entgegenblickt.

Die letzte Art, die uns auf der Wanderung über den Weg läuft, ist das scheue Schwarzkehl-Laufhühnchen (Madagascar Buttonquail). Leider will die scheue Familie so gar nicht stillhalten und daher sind sie im dichten Unterwuchs nur schwer zu dokumentieren.

Das Birder-Herz ist zufrieden, als wir zum Camp zurückkehren und uns mit Heri für eine Nachtwanderung verabreden.
Im Camp selbst finden wir bald nochmal den Madagaskar-Wiedehopf wieder.

Und auch ein Warzenchamäleon können wir entdecken und verzeichnen damit eine für uns neue Chamäleonart.

Wir ruhen uns ein wenig von der Wanderung aus und ich schaue am späten Nachmittag, als die Sonne langsam untergehen möchte, im Restaurant vorbei. Dort traue ich meinen Augen kaum: Im Gebälk des Gebäudes haben sich Untermieter niedergelassen: Einige Graue Mausmakis strecken vorsichtig ihre niedlichen Köpfchen hervor und machen sich bereit für die Nacht.

Die Winzlinge erinnern uns an kleine Versionen des Galagos. In Punkto Niedlichkeit stehen sie dem Bushbaby des Kontinents absolut in nichts nach. Schnell hole ich den Rest der Familie hinzu und wir beobachten die Kobolde begeistert. Die Mausmakis sind für uns ein neuer Höhepunkt dieses Kirindy-Tages.

Zu unserer Überraschung wird dieses Highlight aber kurz darauf noch einmal überboten, denn ein Mitarbeiter macht uns darauf aufmerksam, dass am Rand des Camps tatsächlich eine Fossa gesichtet worden ist. 🤩Schnell folgen wir dem Mann hinter die Quartiere der Angestellten und sehen uns bald unserer ersten Fossa gegenüber, die ganz entspannt im trockenen Laub ruht.

Nur wenige Meter trennen uns vom größten Raubtier Madagaskars – dem Fressfeind der Lemuren – dessen Kopf-Rumpf-Länge zugegebenermaßen nur rund 70 Zentimeter misst. Dazu kommt dann noch ein etwa ebenso langer Schwanz.

Ich kauere mich auf den Boden und lange können wir Auge in Auge mit der Fossa sein. Ihr Blick ist durch die senkrechten Pupillen fremdartig. Es handelt sich hier um ein weibliches Tier, das sich wohl recht regelmäßig in Campnähe zeigt, dann aber auch immer wieder tagelang verschwindet.
Irgendwann steht die Fossa auf und streift ganz entspannt zwischen den Hütten umher. In respektvollem Abstand folge ich ihr und freue mich wie ein Schneekönig darüber, das Tier so intensiv beobachten und fotografieren zu können.

Für mich gehören diese Minuten zu den besten Wildlife-Momenten der Reise und allein um das hier zu erleben, hat sich der Besuch in der Kirindy Lodge bereits gelohnt. Außerdem fällt uns nun ein Stein vom Herzen, denn ohne eine Fossa-Sichtung wären wir nur ungern nach Hause zurückgekehrt.


Als sich die Fossa schließlich ins Dickicht zurückzieht, wird es auch bald dunkel. Nicht mehr lange und es wird Zeit sein, zur Nachtwanderung aufzubrechen.
Davon aber später mehr.
Wie absolut großartig die Fotos auch sind!
Hach. Wir sind hin und weg.
Liebe Grüße,
Caro
Lieber Sascha,
ich genieße gerade eure wunderbaren Fotos und bin begeistert, was ihr an eurem ersten Tag im Kirindy Wald schon alles sichten durftet! Wirklich großartig! Die Fossa ist natürlich das absolute Highlight, aber auch die süßen Mausmakis, die Zwergohreule und insgesamt die abwechslungsreiche Vogelwelt sind einfach toll! Für solche Begegnungen hätte ich auch in einer Baracke übernachtet.😄
Ich bin sehr gespannt, was euch am zweiten Tag im Trockenwald vor die Linse gekommen ist. Und muss glaub ich mal mehr daran arbeiten, Sven von Madagaskar zu überzeugen.😉
Liebe Grüße, Tina
Wau, wau und Neid!!!
Eine Fossa!
Und dann noch so tolle Fotos davon!
Nicht dass die anderen Tiere uninteressant wären, aber hey: das ist eine Fossa!
In irgendeinem Zoo hab ich mal eine gesehen, die hat mich so intensiv angeschaut dass es mir kalt den Rücken hinunter lief...das hat noch keine Katze geschaft!
Gratuliere zu dieser Sichtung und gleich auch ein kleines 'danke' für diesen Reisebericht!
was für tolle Sichtungen - aber das ist man ja nicht anders von euch gewohnt! Vielen Dank für das Vogelfeuerwerk und die tollen Aufnahmen von den niedlichen Mausmakis und als krönenden Abschluss der Fossa! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und bin ich ganz gespannt, was euch bei der Nachtwanderung noch so alles über den Weg läuft, fliegt oder kriecht!
Liebe Grüße
Konni
Lieber Sascha,
jetzt will ich mich auch endlich mal wieder zu Wort melden. Einen wirklich interessanten BEricht schreibst Du da mal wieder. Zudem zeigst Du uns Tiere mit Namen, von denen ich noch niemals vorher gehört habe!
Madahaskar wird es wohl nicht auf unsere Reiseliste schaffen. Trotzdem lese ich hier sehr gerne mit!
Liebe Grüße
Carsten
nachdem mich der afrikanische Kontinent wieder freigegeben hat, habe ich mal bei deinem Bericht nachgelesen.
Tja, was soll ich schreiben. Die allermeisten Namen der gesichteten Vierbeiner habe ich noch nie gehört, aber mit den Vogelsichtungen hast du mich direkt "abgeholt". Klar, die Eulchen, und dann die Nachtschwalben, und der Paradiesschnäpper oder auch die Mannikins, wirklich grandios.
Ich bleibe dran, auch wenn ich wohl eher nicht auf euren Pfaden wandeln werde.
Matthias
Wow, eine Fossa! So speziell und welch schöne Fotos, danke vielmals fürs Zeigen.
Speziell fand ich auch Eure Besichtigung von Antananarivo: uns wollte unser Guide damals nicht aussteigen lassen im Stadtzentrum.
Nun bin ich gespannt, wie es Euch weitergegangen ist.
Susanne
Zum Fossa in Kirindy wurde mir erzählt, daß man ihn immer in der Nähe des Lagers antrifft. Er wird angefüttert und ist auch die Nähe der Menschen gewohnt. Ist ähnlich der Insel bei der Vakona Lodge. So nah kommt man meist nicht den Lemuren - fand ich aber richtig Klasse die Insel. Eine Ausnahme ist noch das Anja Reserve. Das Anja-Reserve ist eigentlich ein Reservat, was von den Einheimischen eingerichtet wurde und wo man die Katta-Lemuren sehen kann. Das Besondere ist, daß die Einheimischen in Symbiose mit den Lemuren leben – sprich die Lemuren werden nicht gejagt oder ähnliches und haben damit jede Scheu verloren. Das erinnerte mich an das Boabeng-Fiema Affen-Reservat in Ghana, wo die Mona-Meerkatzen als heilig gelten und man sie sehr nah sehen kann. Und dieses Reservat ist wirklich richtig gut. Die Kattas sind wirklich ohne jede Scheu. Man muß schon aufpassen, daß sie einem fast nicht über die Schuhe laufen.
Ansonsten viele tiefe Impressionen aber die Armut hat mich wirklich bedrückt. Ich dachte ich kenne Armut aus dem Kongo, Ruanda, Eritrea etc. - aber Madagaskar war auf einem anderen Niveau. Nur eins von mehreren Erlebnissen: Ich saß am Straßenrand. Auf einmal ging ein Bauer an mir vorbei. Er hatte irgendwie einen hinkenden Gang und irgendwie war auch das Gesicht etwas schmerzverzerrt. Ich schaute dann auf seine Füße - natürlich barfuß unterwegs – und sah dann die Ursache. An den Achillesfersen hatte er offene eiternde und verdreckte Wunden. Das war dann schon ein etwas schockierender Anblick. Ich habe überlegt, ob ich ihn anspreche und mich etwas um die Wunden kümmere – Verbandsmaterial, Desinfektion etc. hatte ich ja. Letztendlich habe ich aber den Gedanken verworfen. Ich hätte es zwar reinigen und verbinden können, aber eigentlich wäre dann auch mehrere Tage Schonung und auch ein Wechsel der Verbände notwendig gewesen, was aber nie möglich gewesen wäre. Die Leute müssen ja jeden Tag um ihren Unterhalt und ihr Überleben kämpfen. Das sind dann Momente, wo man sich ohnmächtig fühlt und deprimiert ist, aber auch realisiert, daß man bei der Lebenslotterie einen Hauptgewinn gezogen hat, weil man in einem reichen Land geboren wurde.
Wqs auf dem Rad auch auffällt ist die ständige Bettelei un cadeau und un bonbon. Habe dann aber auch gesehen warum. Touristen im Jeep, die eben auch Madagassen fotografieren wollen, hielten an, Fenster runter (nicht mal aussteigen), Fotos schießen, Bonbons verteilen für die lieben "Negerkinder" und weiter geht es in einer Staubwolke. Das gehörte auch zu den negativen Erlebnissen.
Aber wirklich tolle Bilder von dir!
Es freut mich, dass ihr unsere Begeisterung für die Tierwelt Madagaskars teilt. Kirindy war diesbezüglich ein ganz besonderer Ort für uns, der die sehr einfache Infrastruktur mehr als wettgemacht hat.
Die Fossa war für uns natürlich eine ganz besondere Sichtung. Direkt angefüttert werden die Tiere durch die Guides unseres Wissens nach nicht. Die Lemuren und auch die Fossa kommen aber ins Camp, weil es dort - anders als in weiten Teilen des Trockenwalds - Wasser gibt. Die Fossa tun sich darüber hinaus wohl auch an Essensresten auf der Müllhalde gütlich. Tatsächlich haben sie hierdurch über die Jahre die Scheu vor Menschen weitgehend verloren. Dadurch ist die Kirindy-Lodge wohl der beste Ort für Fossa-Begegnungen auf Madagaskar. Die Guides dort sagten uns aber auch, dass es je nach Jahreszeit vorkommen kann, dass man auch bei mehreren Tagen Aufenthalt keine Sichtung hat. Ein Vergleich mit der Lemureninsel der Vakona Lodge passt meiner Meinung nach hier aber nicht richtig, denn dort können die Tiere das Reservat nicht verlassen.
Danke @toumtoum für die anschauliche Schilderung deiner Erlebnisse. Wir haben im Westen in den kommenden Tagen ähnliche Dinge gesehen, auch wenn wir sicherlich nicht so nah am Geschehen waren wie du.
Grundsätzlich fotografieren wir keine Einheimischen am Straßenrand (und schon gar keine Kinder). Ausnahmen sind Situationen, in denen wir gemeinsame Dinge erlebt haben. Auch wir möchten ja nicht von Fremden abgelichtet werden, wenn wir unserem Alltag nachgehen.
Ich kann verstehen, dass euch der Guide nicht durch das Zentrum Tanas laufen lassen wollte. Das war zwar eine intensive Erfahrung, aber wir waren auch froh, dass nichts passiert ist.
@ all
Die Nachtwanderung wird noch einige Tage auf sich warten lassen müssen. Ich bitte um Geduld.
Liebe Grüße in die Runde
Sascha
Hallo Sascha,
also die Eindrücke vom Baobab "Wald" sind ja wirklich phantastsich schön 😎
Danke, viele Grüße und einen schönen Sonntag
Carsten