auch wenn's schon recht voll ist hier, bin ich gerne dabei. Madagaskar ist ein interessantes Reiseziel, mit dem ich mich bisher noch kaum beschäftigt habe.
Ich habe gerade nochmal sehr aufmerksam deinen Indien Bericht gelesen und hoffe, dass sich in Büsnau die Gelegenheit ergibt, euch die eine andere Frage dazu zu stellen ☺️
H.BadgerThemenstarter1'828 Beiträge · seit 201624. Aug. 2026 ·
Liebe Leute!
Ich bin total begeistert davon, dass sich so viele von euch hier mit Interesse gemeldet haben! Das motiviert dazu, bald loszulegen. Zu zwei Dritteln sind die Fotos bereits gesichtet. In den nächsten Tagen wird die Reise hier also irgendwann beginnen können.
Toll, dass so viel Interesse an Madagaskar zu bestehen scheint. Die Insel hat es verdient (und dringend nötig...).
H.BadgerThemenstarter1'828 Beiträge · seit 201627. Aug. 2026 ·
Kapitel 1: Willkommen in und auf Madagaskar!
Es ist nicht ganz so einfach, von Deutschland aus nach
Madagaskar zu gelangen. Direktflüge gibt es keine. Ein knappes Jahr im Voraus
haben wir unsere Flüge mit Ethiopian Airlines gebucht. Die Preisgestaltung (vor
allem in den Schulferien) zeigte uns eindrucksvoll, dass auf der Strecke nach
Antananarivo nicht sehr viel Konkurrenz unterwegs ist. Wir haben für
Flugtickets bisher noch nie mehr Geld ausgeben müssen. Dafür sind die
Flugzeiten ganz okay. Der Flug von Frankfurt nach Addis Abeba startet kurz nach
22 Uhr und bietet damit Gelegenheit zu einem kleinen Nickerchen. Das ist in
Vorbereitung auf den Stopp in Äthiopien sehr willkommen, denn von circa vier
Uhr früh bis acht Uhr morgens müssen wir am internationalen Terminal ausharren.
Zu dieser Tageszeit ist das eine durchaus quälende Erfahrung, die dadurch nicht
besser wird, dass hier Nahrung, Getränke und auch alles andere zu Mondpreisen
in US-Dollar zu haben ist. Ein Snickers für 11 Dollar ist wohl
rekordverdächtig. Ein zuhause vergessenes Kontaktlinsenplastikdöschen können
wir immerhin für fünf Dollar erstehen. 🙃
Irgendwann geht zum Glück aber auch die längste Warterei
ihrem Ende entgegen und so schleppen wir uns mehr oder weniger müde und
grummelig ins Flugzeug, das uns in Richtung Terra incognita bringen soll.
Nach einigen Stunden ruhigen Weiterflugs können wir aus dem
Fenster erste Blicke auf Madagaskar werfen. Es dominiert das für den Südwinter
typische Braun. Die weitgehende Entwaldung der Insel ist bereits aus der Luft
eindrucksvoll zu erkennen. Unterbrochen wird die Trockenheit von glänzenden
Reisfeldern, die sich im Anflug auf Antananarivo (im Folgenden den
Einheimischen nacheifernd silbensparend-zärtlich auch Tana genannt) unserem
Blick präsentieren.
Sanft setzt das Flugzeug auf der Landebahn auf. Und trotzdem
versteife ich mich in diesem Moment. Alles also wie immer – Fliegen und ich
werden keine innigen Freunde mehr werden.
Das Einreiseprozedere ist dann ein wenig stressig. Wir
marschieren zum Empfangsgebäude. Dort gibt es eine lange Zentralschlange, in
die wir uns müde einreihen. Bald wird deutlich, dass von jedem Wartenden Einreisekärtchen
auszufüllen sind. Gern hätten wir das in Ruhe an einem Tisch oder gar bereits
im Flugzeug erledigt. So müssen wir dies mit Zeitdruck in einer Menschenmenge
erledigen, die dem Drängeln leider gar nicht abgeneigt ist. Dies nach einer
sehr kurzen und nicht gerade bequemen Nacht… Die Nerven liegen schnell ein
wenig blank. Denn die Kärtchen wünschen sich dummerweise ausführliche
Informationen zu Passdaten, Herkunft, Beruf, Impfstatus (Gelbfieber und
Covid!), Aufenthalt in Madagaskar… Mit Hilfe von Rücken und Reiseführer sind die
nötigen Informationen gerade vor Erreichen der ersten Kontrollstelle mehr oder
minder leserlich zusammengetragen. Puh.
Der gesundheitsbezogene Teil des Blättchens wird an der
ersten Schalterstation kurzerhand abgetrennt und fachmännisch in einen großen
Karton geworfen. Nun denn.
Dann folgt alsbald das Visa-Prozedere an zwei Schaltern.
Hier (und fürderhin an vielen Stationen unserer Reise) hilft es ungemein, dass
meine Frau sehr gut Französisch spricht. Das Visum schlägt derzeit mit 35
Dollar pro Person zu Buche, die problemlos per Kreditkarte gezahlt werden
können. Nach der Transaktion sind schnell die Stempel in den Pass gedrückt, ein
Lächeln gibt es gratis dazu und endlich sind wir ganz wirklich in Madagaskar
eingereist.
In der Eingangshalle werden wir bereits von Onisoa erwartet,
mit der wir die Reise im Vorfeld gemeinsam geplant haben. Nach einer intensiven
Austauschzeit via WhatsApp sind wir gespannt, uns nun persönlich
kennenzulernen. Schnell sind am ATM des Flughafens noch erste Bündel der
Landeswährung Ariary gezogen – viele Scheine mit noch mehr Nullen. Bargeld ist
bei einer Reise über die Insel im Vergleich zu anderen Ländern elementar. Nur
an wenigen Orten (und Hotels!) ist eine Bezahlung per Kreditkarte möglich.
Auf dem Parkplatz vor dem Flughafengebäude lernen wir
unseren Fahrerguide Alain kennen, der uns im ersten Segment der Reise begleiten
wird. Der drahtige Madagasse mit gewinnendem Lächeln macht auf uns einen sehr
sympathischen Ersteindruck.
Ein Kleinbus wird mit unserem Gepäck beladen, während wir
sogleich von einer Traube bettelnder Menschen umringt werden. Nicht zum letzten
Mal wird uns die Armut weiter Teile der madagassischen Bevölkerung schmerzlich
bewusst. So unvermittelt sind wir ein wenig überfordert mit der Situation – vor
allem für die Kinder sind die entgegengestreckten Hände eine schwierige
Erfahrung. Soll man etwas geben? Wenn ja: Wie viel? Und jedem? Oder nur der
Mutter mit dem Säugling auf dem Arm? Was löst das aus? Hält man den Blickkontakt
aus? Ist ein stoisches Wegsehen eine rüde Kapitulation? Wir sind froh, als wir
die Autotüren schließen können.
Die Fahrt führt uns vom Flughafen ins Zentrum Antananarivos.
Vorbei an Reisfeldern werden Bebauung und Verkehr immer dichter. Der Trubel ist
ein erster Vorgeschmack darauf, warum man in Madagaskar nur im Ausnahmefall
entspannt am Steuer sitzen kann.
Nach etwa vierzig Minuten erreichen wir unser erstes Hotel: Le
Chalet des Roses. Beim Aussteigen kommen sofort Straßenverkäufer mit
Musikinstrumenten und Stofflemuren auf uns zu. Eine Erfahrung, die wir zum
Glück nur hier und heute in Tana machen werden.
Beim Chalet des Roses handelt sich um ein solides Stadthotel
ohne viel Schnickschnack. Unser Familienzimmer im dritten Stock ist eher klein,
erfüllt für eine erste Übernachtung aber seinen Zweck. Über das enge
Treppenhaus werden unsere Koffer nach oben gewuchtet. Für die Gäste gibt es
sogar einen kleinen Aufzug. Rückblickend ist so etwas in Madagaskar eher eine
Besonderheit. Und auch der Fakt, dass es hier zuverlässig und schnell warmes
Wasser gibt, erscheint uns zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erwähnenswert.
Blick ins Zimmer
Blick aus dem Fenster
Nachdem wir in der kleinen Lobby des Hotels mit Onisoa und
Alain den Plan für den kommenden Tag besprochen haben, fragen wir die beiden,
ob es eine gute Idee wäre, am fortgeschrittenen Nachmittag noch ein wenig auf
eigene Faust das Zentrum Tanas zu erkunden. Die Blicke und zögerlichen
Antworten lassen uns von dieser Idee aber Abstand nehmen – auch wenn uns gesagt
wird, dass dies ohne Mitnahme von Wertsachen generell möglich wäre. Man sollte
nur bei Tageslicht unbedingt zurück im Hotel sein.
Als Madagaskar-Neulinge überwiegt heute bei uns noch die
Sorge. Wir verbringen also einige entspannte Stunden im kleinen Zimmer
(schwierig, wenn man in neuen Ländern am Beginn einer Reise immer eher „Hummeln
im Hintern“ hat).
Dem Hotel ist eine kleine Pizzeria angeschlossen, in der wir
nach Einbruch der Dunkelheit (und diese kommt im Südwinter bekanntlich früh und
schnell) ein schmackhaftes und gut bezahlbares Abendessen einnehmen. Es ist auch
Zeit für die erste Dosis unserer Malariaprophylaxe, die wir glücklicherweise
ohne jede Nebenwirkung vertragen werden. Unsere Kleine schluckt die Tablette
routiniert. Unsere Große wächst an der Aufgabe.
Früh geht es gut gesättigt in die Betten. Die Flugzeugnacht
steckt uns noch in den Gliedern und so fallen schnell die Augen zu. Am nächsten
Morgen steht ein früher Start an: Wir werden weit nach Osten zum Canal des
Pangalanes fahren, wo das Palmarium Reservat – und damit erste
Lemurenbegegnungen – unser Ziel sein werden. Die Fahrt über die geteerte Nationalstraße
2 wird uns rund 270 Kilometer durch das Hochland führen. Für die Strecke sind
mit Pausen rund neun Stunden veranschlagt.
gerne fahre ich auch noch mit, wenn ich darf. Sowohl dein Intro, als auch dein erstes Kapitel lassen die Neugier auf Madagaskar bei mir wachsen... ein Reiseziel, das ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Von daher lasse ich mich hier gerne inspirieren und freue mich auf viele Bilder.
H.BadgerThemenstarter1'828 Beiträge · seit 2016gestern 21:53 ·
@ Anke und Peter
Herzlich willkommen an Bord!
Es freut mich, dass auch ihr mit uns durch Madagaskar touren mögt. Ich zeige gern ganz viele Bilder und hoffe, euch die Insel so ein wenig näherbringen zu können.
Trotz so mancher Herausforderung lohnt sich eine Reise dorthin nämlich auf jeden Fall.
BikeAfrica7'311 Beiträge · seit 2006gestern 23:16 ·
Hallo Sascha,
da Du die Problematik des schwindenden Lebensraumes für
Tiere angesprochen hast, habe ich mal einen Buchtipp für Dich – „Die Letzten
ihrer Art“ von Douglas Adams.
Der Autor ist ja bekannt für seinen skurrilen Humor, aber es
gibt auch zwei Bücher mit einem ernsthaften Hintergrund. Das genannte ist eines
davon. Für dieses Buch war er mit einem Zoologen weltweit unterwegs, um vom
Aussterben bedrohte Tierarten aufzuspüren. Den Anfang macht der Aye-Aye (oder
Fingertier) aus Madagaskar. Der Autor schafft es aber, das ernste Thema mit
seinem bekannten Schreibstil zu verbinden.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...