Der achte Kontinent - Madagaskar 2026

Reisebericht 106 Antworten · 5’278 Aufrufe · gestartet 16. Aug. 2026 von H.Badger
780 Beiträge · seit 201705. Okt. 2026 ·
Hallo Sascha, du beschreibst eure Madagaskar-Reise sehr eindrücklich. Es macht mich zum Teil nachdenklich. Die Menschen müssen zum Teil sehr arm sein. Ich bin gerne auch im zweiten Teil mit dabei. 

Liebe Grüsse Caroline 

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Themenstarter1’879 Beiträge · seit 201607. Okt. 2026 ·
@caroline 

Hallo Caro,

schön, dass ihr noch hier dabei seid! Ich kann verstehen, dass dein Sohn nach Madagaskar möchte. Auch ich würde gern noch einmal hin... Aber auch Südostasien wäre tatsächlich mal eine Reise wert - allein schon wegen der Orang Utans. Mit der Fossa werden wir uns Mühe geben... 😉


@yp-travel-photography 

Liebe Yvy,

wir haben den Tag in Antananarivo als sehr interessant erlebt. Ich fand aber gut, dass wir (auch wegen der Kinder) hier einen Guide bei uns hatten.

Den Südwesten möchte ich auch nochmal irgendwann sehen. Die klassische Route auf der N7 gen Süden steht noch auf der Bucket List. Ich freue mich dann aber erstmal auf deine Eindrücke! 

Der Westen der Insel vereint auf jeden Fall einige der absoluten Highlights unserer Reise. 


@Nacho 

Hallo Silvia,

wir empfanden das auch so: Die Tierwelt ist etwas ganz Besonderes.


@Enilorac65 

Hallo Caroline,

ich freue mich, dass dir der Bericht ein anschauliches Bild vermitteln konnte. Teilweise ist es eine echte Zeitreise, in Madagaskar unterwegs zu sein. Gerade in den kommenden Kapiteln über den ländlichen Westen wird deutlich werden, dass die Menschen dort unter sehr einfachen Bedingungen leben müssen. Die Armut auf der Insel ist wirklich groß.


@ all

Danke auch fürs Button-Drücken. Es ist immer schön zu sehen, dass ein Bericht gelesen wird.


Lieber Gruß

Sascha


Website: www.picturesgonewild.de Aktuell im Forum: Madagaskar 2026 https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307123-der-achte-kontinent-madagaskar-2026 SA, Namibia, Mauritius 2016 / Kruger NP 2016, 2018, 2021, 2023, 2025 / Namibia 2017 / Sri Lanka 2018 / Namibia und Botswana 2019 / Costa Rica 2022 / Namibia 2022 / Norwegen 2024 / Indien 2025 / Madagaskar 2026 Alle Reiseberichte unter: https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/304512-h-badger-reiseberichte.html
Themenstarter1’879 Beiträge · seit 201608. Okt. 2026 ·

Kapitel 9: Im Land der Baobabs

Um drei Uhr in der Früh durchschneidet das schrille Lärmen des Handyweckers die nächtliche Ruhe. Das kann doch nicht wahr sein! Aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, gehört nicht in die Top-Ten der besten Urlaubserlebnisse. Schlaftrunken und individuell mehr oder weniger grummelig machen wir uns abreisefertig und nehmen an der Rezeption riesige Frühstückspakete entgegen: Keine Ahnung, wie wir diesen Nahrungs- und Getränkeberg nun sinnvoll verstauen sollen.

Viertel vor vier brechen wir mit einem Hotelshuttle zum nahegelegenen Flughafen auf. Um diese Zeit herrscht naturgemäß kein Verkehr und so sind wir ruckzuck am Ziel angelangt.

Dort kommen sofort einige Helfer auf uns zu, die unbedingt unser Gepäck für uns schieben möchten. Gern ermöglichen wir ihnen diesen kleinen Job. Neben einem Trinkgeld verteilen wir auch große Teile des Hotelproviants an die Anwesenden. Alles wird gern genommen.

Am Flughafen ist – welch Überraschung! – wenig los. Eigentlich wollten wir neues Bargeld ziehen, bevor wir in den ländlichen Westen aufbrechen. Leider ist aber der ATM außer Betrieb.

Der Check-In und die Sicherheitskontrollen gehen schnell von der Hand. Auf das Gewicht unseres Handgepäcks (höchstens fünf Kilo!) wird zum Glück nicht so genau geachtet und so kommt auch die Fotoausrüstung heute problemlos mit an Bord, deren Rucksack-Zuhause mehr als das Doppelte auf die Waage bringt.

In der Abflughalle ist nun Geduld gefragt. Gut eineinhalb Stunden möchten noch verdöst werden, bis unser Flug abheben wird. Gefühlt ist der Zeitraum aber deutlich länger.

Allen Unkenrufen gegenüber Madagascar Airlines zum Trotz wird unser Flug überpünktlich starten. Mit etwas Vorlauf öffnen sich die Türen der Wartehalle und es geht über das Rollfeld in Richtung Flugzeug. Mit der ATR 72 erwartet uns eine große Turboprop-Schulterdecker-Maschine. Von außen macht sie auf den Laien einen flugfähigen Eindruck, von innen auch. Trotzdem sitzen wir hier mit einer gewissen Anspannung im Angesicht der bisherigen staatlichen Infrastruktur-Erfahrungen und diverser Reisebericht-Erzählungen.

Der rund einstündige Flug verläuft dann aber zum Glück ruhig. Es gibt sogar leckere Snacks und die Blicke aus den (leider nicht fototauglich-sauberen) Fenstern zeigen uns l’île rouge im schönen Morgenlicht in ihrer ganzen Pracht. Regelmäßig sind bereits aus der Luft riesige Affenbrotbäume zu entdecken. Die Vorfreude auf den Westen wächst, die Flugsorgen sind glücklicherweise vergessen.

Die Landung am winzigen Flughafen von Morondava gelingt vorbildlich. Das Gepäck ist schnell wieder in unserem Besitz und bald treffen wir auf unseren neuen Driver-Guide. Félestin stellt sich als ein hochgewachsener Mann in seinen Sechzigern heraus. Und für uns als absoluter Glückstreffer. Denn er ist nicht nur ein versierter 4x4-Fahrer, sondern auch ein sehr guter Reiseführer und einfach ein absolut liebenswerter Mensch. Nach der gemeinsamen Zeit gehört er gefühlt mit zur Familie. 🙂

Bald ist das Gepäck in unser neues Auto verladen. Die vier Koffer passen gerade so in den Gepäckraum. Rucksäcke müssen wir auf dem Schoß tragen. Hier werden wir uns unbedingt noch etwas einfallen lassen müssen, denn in diesem Modus können wir nicht zehn Stunden und mehr auf schlechten Pisten unterwegs sein.

Durch das morgendliche Morondava fahren wir (mit Zwischenhalt an dem einzigen Geldautomaten der gesamten Region!) zum Maison Charette – unserer Unterkunft für die heutige Nacht. Dieses kleine und noch recht neue Hotel liegt etwas außerhalb der Stadt und besteht nur aus einer Handvoll Zimmer. Die Besitzerfamilie ist österreichisch-madagassisch. Alles ist hier sehr gepflegt und persönlich. Wir laden Félestin zu einem gemeinsamen Frühstück ein, um uns besser kennenzulernen und verabreden uns mit ihm für den Nachmittag, um zur berühmten Baobab-Allee zu fahren, die eine knappe halbe Stunde nördlich von hier liegt.

Die Stunden bis zur Abfahrt verbringen wir in unserer geräumigen Familieneinheit, die aus zwei Zimmern besteht. Hier haben wir genug Platz und die gemütlichen Betten locken mit der Aussicht auf einen Ausgleich zur arg verkürzten Nacht. Nach einer langen Ruhephase organisieren wir außerdem unser Gepäck um, damit wir einen großen Koffer im Hotel lassen können. Da wir vor dem Rückflug nach Tana wieder hier übernachten werden, bietet sich diese Maßnahme an. Und so ist genug Platz im Kofferraum für unsere Rucksäcke geschaffen.

Am späten Nachmittag holt uns Félestin ab. Über eine kleine Dirtroad geht es zuerst zurück nach Morondava, um dann auf asphaltierter Straße bis zum Abzweig nach Norden zu fahren. Von dort aus gibt es nur noch eine Sandpiste, die jedoch in Stadtnähe in einem ziemlich guten Zustand ist.

Links und rechts der Straße wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Auch hier sind immer wieder Menschen bei der kräftezehrenden Handarbeit zu beobachten.

Wenige Kilometer hinter Morondava halten wir an ersten beeindruckenden Exemplaren der Baobabs. Es handelt sich hier um Granddidier-Baobabs, die bis zu 25 Meter hoch werden können. Im warmen Licht des Nachmittags leuchtet ihr Stamm wirklich schön. Die Fahrer der Fahrrad-Rikschas, die hier immer wieder unterwegs sind, beneiden wir auf dieser recht weichen Sandpiste nicht.

Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir – und dabei vor allem unser Nachwuchs– von einer ganzen Schar einheimischer Kinder umringt. Ihre Blicke sind ganz ohne Scheu, bald kommt es zu Berührungen. Für unsere Kids ist das (nachvollziehbar) schnell zu viel und sie ziehen sich auf die Rückbank zurück.

Hier hören wir zum ersten Mal den Gruß: „Salut Vazaha!“. Diese Formel wird uns die nächsten Tage begleiten. „Vazaha“ nennen die Madagassen hellhäutige Fremde oder Europäer. Das Wort ist keineswegs böse oder abwertend gemeint, sondern eine ganz normale, alltägliche Bezeichnung im Land.

Einige Kilometer weiter nördlich erreichen wir schließlich die Allée des Baobabs. Hier gibt es einen größeren Parkplatz am Rand eines kleinen Dorfs. Die aus Naturmaterialien gezimmerten Hütten sind typisch für das ländliche Madagaskar – genau wie die kleinen Solarpaneele, mit denen die Bewohner vornehmlich ihre Telefone und Lampen laden. Denn Strom (und fließendes Wasser) gibt es hier nicht.

Am Eingang zur Allee finden sich einige Souvenirstände und Garküchen. Außer uns sind ein paar weitere Touristen unterwegs. Im stets wärmer werdenden Licht spazieren wir zwischen den riesigen Bäumen herum und sind beeindruckt von diesem Ort. Die schiere Anzahl der Affenbrotbäume bietet dem Betrachter ein einzigartiges Bild. Einst waren die Bäume Teil eines dichten Trockenwalds. Heute sind sie die einzigen Überbleibsel dieser Vegetation, da sie unter strengem Schutz stehen. Der Rest der Wälder wurde über die Jahre abgeholzt.

Mitten durch die Ansammlung der Baobabs führt die Nationalstraße 8 – wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine einfache Sandpiste, auf der vor allem Fußgänger und Zebu-Karren unterwegs sind. Daher kostet die Baobab-Allee auch (abgesehen von einer Parkplatzgebühr) keinen Eintritt. Es gibt jedoch Pläne, die N8 zu verlegen und den Abschnitt mit der Allee zu einer gebührenpflichtigen Attraktion zu machen.

Da die große Ansammlung der Affenbrotbäume nur wenige hundert Meter Straße umfasst, haben wir genug Zeit, herumzuschlendern, bis sich Sonne und Horizont anschicken, sich anzunähern.

Der Sonnenuntergang ist der Höhepunkt eines jeden Baobab-Allee-Tages. Und daher füllt sich der Parkplatz nun auch mit recht zahlreichen Autos, die Hotelgäste aus Morondava pünktlich zum Beginn des Ereignisses abliefern. Ganz allein erlebt man den Sundowner hier also nicht, auch wenn das Besucheraufkommen zum Glück noch weit entfernt davon ist, das Prädikat „Massentourismus“ tragen zu müssen.

Der beste Blick auf die untergehende Sonne bietet sich vom Rand eines kleinen Sees aus, dessen morastige Uferzone vom Gros der Besucher gemieden wird. Hat man also gutes Schuhwerk an den Füßen, kann man sich von der Mehrzahl der Anwesenden ganz gut separieren und das asiatisch geprägte Insta-Spektakel erfolgreich ausblenden.

So richtig rot glühen, wie wir es immer wieder auf den bekannten Fotos der Allee gesehen haben, mag der Himmel heute nicht. Trotzdem ist der Blick auf die Schattenrisse der Baumriesen im Gegenlicht der untergehenden Sonne mitsamt dem wechselvollen Farbenspiel einfach wunderschön. Die Kamera klickt im Akkord und man muss sich zwingen, die Momente nicht nur durch den Sucher zu erleben.

Schnell leert sich das Areal, sobald sich die Sonne verabschiedet hat. Wir bleiben noch ein wenig und sehen u.a. den Kindern dabei zu, wie sie den dicken Stamm eines Baobabs umarmen.

Als es bereits ganz finster ist, gehen wir sehr zufrieden zurück zum Auto und werden von Félestin sicher zurück zum Maison Charette gebracht.

Den Tag beenden wir bei einem guten Abendessen im Hotel. Es gibt hier drei Menüs zur Auswahl. Alles stellt sich als sehr schmackhaft heraus. Und die Katze des Hauses bietet für die Kids einen willkommenen Streichelanlass.

Hundemüde fallen wir bald in die Betten. Morgen früh geht es bereits wieder zurück zur Baobab-Allee. Denn wir werden der N8 bis in den Kirindy Wald folgen. Hier haben wir bezüglich nachtaktiver Lemuren und Votsotsas, der Vogelwelt und nicht zuletzt der Sichtung einer Fossa (zu?) große Erwartungen, denn Kirindy gilt oft als „die“ Wildlife-Destination im westlichen Madagaskar.

Stay tuned. 😉

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zuletzt bearbeitet 08. Okt. 2026
Themenstarter1’879 Beiträge · seit 201610. Okt. 2026 ·
Unlängst darüber gestolpert:

Für die Abonnenten von Disney+ unter euch vielleicht interessant:

Es gibt seit ein paar Tagen eine neue National Geographic Doku-Reihe über die Tierwelt des afrikanischen Kontinents: Wilde Erde Afrika. Die deutsche Audiospur ist etwas anstrengend - die Bilder bieten aber teilweise außergewöhnliche Einsichten.

Folge 3 behandelt schwerpunktmäßig Madagaskar: tanzende Sifakas, jagende Mausmakis, paarende Fossas. Ich fand es sehr sehenswert.


Schönes Wochenende!

Sascha

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zuletzt bearbeitet 10. Okt. 2026
780 Beiträge · seit 201711. Okt. 2026 ·
Wow, wunderschön diese Baobabs im Licht der untergehenden Sonne!
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Themenstarter1’879 Beiträge · seit 201611. Okt. 2026 ·
@Enilorac65 

Ja, absolut. Die Baobabs bilden eine nahezu perfekte Kulisse für einen schönen afrikanischen Sonnenuntergang. 

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Themenstarter1’879 Beiträge · seit 201612. Okt. 2026 ·

10. Kapitel: Schöner wohnen im Kirindy Wald

Nach einem leckeren Frühstück geht es mit reduziertem Gepäck gen Norden. Wir verlassen Morondava und folgen der Nationalstraße 8 bis zur Baobab-Allee.

Am frühen Morgen ist hier touristisch noch nichts los und es herrscht eine viel ruhigere Atmosphäre als gestern Abend. Und so können wir diesen schönen Ort nochmal ganz anders genießen. Wir lassen den Wagen auf dem zu dieser Uhrzeit kostenfreien Parkplatz stehen und spazieren zuerst um den kleinen See. Wie anders wirken die Bäume im Morgenlicht!

Ein bisschen Birding-Beifang ergibt sich außerdem. Neben dem abgelichteten Kuhreiher sind auch einige Madagaskarspinte unterwegs. Leider verweigern sich die schönen Bee-eater aber einem vorzeigbaren Foto.

Natürlich wandeln wir auch noch ein wenig unter den Baobabs auf der N8. Bis auf einige Locals sind wir die einzigen Menschen hier. Und so ist dieser zweite Besuch bei den Bäumen ein rundum gelungener Auftakt des heutigen Tages.

Nachdem wir unsere Fahrt fortgesetzt haben, halten wir bereits wenig später erneut, denn wir entdecken im Gebüsch nahe der Straße einen weiblichen Madagaskar-Paradiesschnäpper. Wir pirschen dem nervösen Vogel ein wenig hinterher und können zu unserer Freude ein Foto ergattern.

Unser treues Geführt wartet derweil auf der Piste auf uns.

Weiter nach Norden fahrend wird die Landschaft deutlich waldiger: Wir nähern uns dem Kirindy Forest. Auf der rechten Straßenseite ist die Landschaft geschützt. Hier herrscht dichte Vegetation und hoher Baumbestand. Auf der linken Seite befindet sich jedoch kommunales Land. Hinter einem schmalen Buschstreifen ist alles gerodet und Trockensavanne herrscht vor. Wir halten die Daumen, dass der Schutzstatus des Waldes ihn noch lange vor diesem Schicksal bewahren möge…

Die Piste wird nun zusehends schlechter. Es gibt ausgeprägte Bodenwellen und immer wieder tiefe Auswaschungen. In der Regenzeit bleiben im Schlamm der Straße wohl regelmäßig Fahrzeuge stecken. Dieses Problem stellt sich uns heute natürlich nicht, aber auch das stetige Auf und Ab ist nicht ganz unanstrengend. Laut Félestin ist das aber noch gar nichts im Vergleich zu der Pistenqualität, die wir auf dem Weg zu den Tsingys noch erleben werden.

Südlich des Dorfes Kirindy findet sich ein Abzweig zu zwei Baobab Amoureux –Affenbrotbäumen, deren Stämme miteinander verschlungen sind. Ein netter Zwischenstopp, der dazu einlädt, bei den ansässigen Souvenirständen Baobabs im Miniaturformat zu erstehen: Das typische Souvenir der Region und wirklich sehr dekorativ.

Etwas nördlich des Dorfes zweigt eine schmale Piste nach Osten ab, die tief in den Kirindy-Wald führt. Dieser folgen wir für einige Kilometer. Hier wechseln Bodenwellen mit tiefsandigen Passagen und ich bin ganz froh, das Fahren Félestin überlassen zu können.

Bald erreichen wir die Kirindy Lodge und damit die einzige Unterkunft, die direkt im Schutzgebiet liegt. Im Dorf Kirindy gibt es noch das schickere Hotel Relais de Kirindy. Dies ist aber eben eine halbe Autostunde entfernt und für uns daher keine echte Alternative – auch wenn unsere Agentur deutlich dazu geraten hat, dort zu übernachten…

Die Kirindy Lodge ist nämlich (freundlich gesagt) überaus rustikal.

Sie ist an ein Forschungszentrum des Deutschen Primatenzentrums angeschlossen und besteht aus einem Gebäude mit Schlafsälen, einigen im Halbkreis im Wald angeordneten und durch schmale Pfade miteinander verbundenen, sehr einfachen Holzhütten und einem offenen Restaurantbereich.

Dabei macht die Restaurantplattform einen netten Eindruck. Und auch das begrenzte Vepflegungsangebot ist dort völlig in Ordnung.

Die Hütten jedoch sind teilweise in einem bedauernswerten Zustand. Einige werden augenscheinlich gar nicht mehr vermietet und fristen halb verfallen ihr Dasein. Wir bekommen die einzige Family-Unit: Ein kleines Betongebäude mit nicht mehr ganz trittfester Holzveranda. 

Erscheint das Haus von außen schon wenig einladend, so ist das Innere noch um einiges – nun ja – rustikaler. Der Schlafraum wurde vor Jahren einmal weiß getüncht – seitdem aber nie mehr gestrichen und ist entsprechend „abgerockt“. Die Zimmerdecke besteht aus einer einfachen Plane. Die Möbel sind abgewetzt und äußerst einfach. So entsteht ein recht liebloser Eindruck. Ganz sauber ist es leider auch nicht: Das betrifft die Zimmerecken, aber auch Matratzen und Wolldecken. Insgesamt wirkt der Raum eher wie eine Stallung, als wie ein Hotelzimmer.

Das angeschlossene (ebenfalls rustikale) Badezimmer weist zwar Toilette, Dusche und Waschbecken auf. Jedoch wäre es ein Euphemismus, hier vom Vorhandensein fließenden Wassers zu sprechen.

Die Kinder möchten hier eigentlich nicht bleiben. Unsere Retter sind nun die mitgebrachten Moskitozelte, die einen sauberen „Safe-Space“ entstehen lassen, mit dem sich der Nachwuchs arrangieren kann. Dass es hier keinerlei Netzabdeckung gibt, wird dann beinahe schon schulterzuckend zur Kenntnis genommen…

Einen Preis für „Schöner Wohnen“ wird die Kirindy Lodge wahrlich nicht gewinnen. Aber aus diesem Grund haben wir allen Warnungen zum Trotz auch nicht darauf bestanden, hier zwei Tage zu verbringen. Denn hier zählt allein Lage, Lage, Lage. Und da ist die Unterkunft wirklich konkurrenzlos in der Region, denn man ist mitten im Geschehen, sobald man einen Fuß aus seinem „Zuhause“ setzt.

Bereits bei unserer Ankunft können wir schon einige Riesencouas aus nächster Nähe beobachten. Diese etwa 60 Zentimeter großen Vögel, die vor allem auf dem Waldboden unterwegs sind, finden wir wirklich beeindruckend.

Außerdem treffen wir am Rand des Camps bald auf eine Gruppe Larvensifakas. Die weißen Lemuren mit ihrer schwarzen Kappe und den leuchten orangenen Augen sind ein echter Hingucker. Mit erstaunlicher Leichtigkeit springen die Tiere von Baum zu Baum und wir sind ganz begeistert, als ein Familienmitglied auch mal auf Augenhöhe zu uns herunterhüpft.

Bei solchen Campgästen schlafe ich gern mal in einer Baracke. Hoffentlich sehen das die Kinder auch noch irgendwann ähnlich… 😉

Nachdem wir uns ein wenig umgesehen und unseren ersten Eindruck von unserer Hütte verarbeitet haben, lernen wir Heri kennen, der uns während unserer Kirindy-Zeit als Guide betreuen wird. Er stellt sich als sehr kundiger und auch an der Vogelwelt interessierter Zeitgenosse heraus, der uns begeistert bei Tag und Nacht über die Waldpfade führen wird. Ein echter Glücksfall! Wir verabreden uns für den Nachmittag zu einer ersten Exkursion.

Bis dahin verbringen wir die Hitze des Tages auf der Restaurantterrasse bei kühlen Getränken. Die Kinder ziehen sich irgendwann mit ihrer „Switch“ in die saubere Weiße des Moskitozelts zurück, während die Eltern auf Vogelpirsch gehen. Hier stellt sich das Camp als ein richtig guter Ort heraus. Der lichte Wald versteckt seine Bewohner lange nicht so intensiv wie der Regenwald im Osten der Insel.

Auf den kleinen Streifzügen können wir eine ganze Reihe verschiedener Arten fotografieren.

Ganz besonders freuen wir uns über die Sichtung eines Madagaskar-Wiedehopfs.

Der Star des frühen Nachmittags ist aber unangefochten ein männlicher Madagaskar-Paradiesschnäpper, der mit seinem langen Federschwanz beeindruckt und wie ein kleiner Blitz von Baum zu Baum huscht.

Ein häufiger Vertreter der lokalen Vogelwelt ist der Madagaskardrongo mit seinem charakteristischen Schopf über dem Schnabelansatz.

Auch der Madagaskardajal ist hier ein regelmäßiger Anblick – hier in der weiblichen Version.

Bald ist es auch schon Zeit für unseren Aufbruch in den Wald. Wir sind gespannt, was wir außerhalb des Camps entdecken werden. Dazu dann mehr im nächsten Kapitel.

Website: www.picturesgonewild.de Aktuell im Forum: Madagaskar 2026 https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307123-der-achte-kontinent-madagaskar-2026 SA, Namibia, Mauritius 2016 / Kruger NP 2016, 2018, 2021, 2023, 2025 / Namibia 2017 / Sri Lanka 2018 / Namibia und Botswana 2019 / Costa Rica 2022 / Namibia 2022 / Norwegen 2024 / Indien 2025 / Madagaskar 2026 Alle Reiseberichte unter: https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/304512-h-badger-reiseberichte.html
zuletzt bearbeitet 12. Okt. 2026