SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201017. Nov. 2011 · #1
Prolog Zuerst mal einen herzlichen Dank an alle Mitglieder, welche für Erst- und Mehrfachtäter hier wertvolle Tipps weitergeben. Auch ich konnte, vorallem für Namibia, nützliche Infos aus dem Forum holen. Gerne revanchiere ich mich mit einem kleinem Reisebericht...
Im September/Oktober 2011 hiess es für drei Wochen zum ersten Mal: Afrika, ich komme! Geplant war zuerst eine reine Fotoreise. Namibia stand ganz oben auf der Liste, auf Nachfrage, ob man da viele Tiere sieht, war die Antwort, Botswana wäre dazu geeigneter. Aber der Preis dafür war dann das Killerkriterium, doch keine Fotoreise zu machen. An Botswana blieb ich jedoch dran und suchte nun nach „gewöhnlichen“ Safaris. Da es meine erste Reise auf den schwarzen Kontinent war, wollte ich keine grossen Risiken eingehen und liess mich durch eine Reisefirma beraten und organisieren (Globetrotter). Schlussendlich stand der Reiseverlauf fest: Zwei Wochen Botswana als Gruppentour (mit max. 12 Personen von internationaler Kundschaft. Ja, ich weiss, Hummeldumm, habe das Buch gelesen – vor der Abreise) und eine Woche Namibia als Selbstfahrer im 4x4 mit Dachzelt. Die Buchung der Reise war schon im November 2010 abgeschlossen und bestätigt, also gut 10 Monate vor Abreise. Die Route sah schlussendlich in etwa so aus: Botswana: Johannesburg – Maun – Moremi – Savuti – Chobe – Livingstone (vom Organisator vorgegeben) Namibia: Windhoek – Sesriem – Swakopmund – Spitzkoppe – Windhoek (meine Planung) Bis zur Reise blieb noch viel Zeit, um sich näher mit Land, Leute und Natur zu befassen und – vor allem für Namibia – die Route und Unterkünfte näher zu betrachten. Irgendwann in dieser Zeit bin ich dann auf das Forum gestossen, zuerst als stiller Mitleser, dann als angemeldeter Benutzer, um offene Fragen zu klären. Dazwischen war dann noch ein bisschen Weihnachten/Neujahr, Ostern und grüne Staatsferien, ich hatte also noch viel Zeit bis zum…
09. September – Zürich > Johannesburg Teufel, plötzlich ging es doch schnell! Der Abreisetag ist ja meist Ferientag. Da mein Flug erst nachts in den Süden startet, bleibt mir noch Zeit, im Geschäft ein paar Sachen zu erledigen und abzuschliessen, schliesslich muss der Chef nun drei Wochen ohne mich auskommen. So gegen 14:00 Uhr ist dann auch für mich Feierabend und ab geht es nach Hause. Auch daheim sind noch die letzten Sachen zu erledigen (fertig gepackt war schon am Vortag, nach drei Versuchen: „das könnte ich evtl. noch brauchen“, …., „das lass ich nun doch daheim“, …., „stimmt’s jetzt?“, ...., „was meint die Checkliste?“, …., „ok, noch einmal…“, usw. Schlussendlich musste ich feststellen, dass es für Souvenirs keinen Platz mehr haben wird). Voll beladen mit Koffer und Foto-Schultertasche laufe ich zum Bahnhof und die Bahn bringt mich pünktlich zum Flughafen Zürich. Beim Check-In fällt mir noch die Information des Safari-Organisators ein, in dem steht, dass man eine weiche Tasche mitnehmen und das Gewicht auf maximal 12kg beschränken soll. Weich war die Tasche und die Waage zeigt 18.6 kg an. Das Bodenpersonal sollte wieder mal die Waagen justieren… naja, ich denke mal, die gut 19 kg liegen im Toleranzbereich. Pünktlich um 22:45 Uhr hebt der Swiss-Airbus ab. Es wird noch ein Nachtessen serviert (Huhn, ist nicht das letzte Mal auf dieser Reise…) und ab und an begnüge ich mich mit dem Bordunterhaltungssystem, wenn ich es denn begriffen habe. Die angebotenen Inhalte reizen mich aber nicht so und ich hoffe, dass die 10.5 Stunden Flug schnell vorbei gehen. Gehen sie natürlich nicht. Das mit Schlafen in der Holzklasse ist ja so eine Sache. Es ist eng, unbequem und auch dieses Mal ist es mir nicht gelungen, eine gemütliche Schlafstellung zu finden. Zudem kriegt man Kissen und Wolldecken und weiss in der ganzen Enge trotzdem nicht, wohin mit dem Plunder.
10. September - Johannesburg Das Flugzeug landet pünktlich kurz nach 9:00 Uhr auf dem Flughafen in Johannesburg. Der Vogel ist jetzt zwar am Boden, aber das Aussteigen dauert noch eine Weile, weil keine Treppe vorhanden ist. Es fährt Auto um Auto mit Personal vor und mir scheint, als sähen die zum ersten Mal ein Flugzeug und wissen nicht, wie man die Leute da rausbringt. Und je mehr Autos da unten heranfahren, umso wichtiger sehen die Personen aus; Walkie Talkie und Natels werden rege benutzt. Aber dann kommt die Treppe doch noch angefahren und bald betrete ich nun afrikanischen Boden, was sich aber nicht speziell anfühlt, ist ja schliesslich wie bei uns asphaltiert. Mit dem Bus erreichen wir Passagiere das Terminal und nun heisst es mal anstehen für die Zollkontrolle. Unser Flugzeug ist offenbar nicht das einzige, welches gelandet ist. Wie es meine (gottgegebene) Bestimmung ist, wähle ich wieder mal die langsamste Schlange. Der Kunde vor mir hat minutenlang am Schalter, gestikuliert und diskutiert händefuchtelnd, bis der Zöllner endlich den Stempel in seinen Pass drückt. Als ich an der Reihe war, geht es aber ziemlich flott; schnell bin ich beim Gepäckband und laufe mit meinem Koffer zum Ausgang. Da sollte ein Mitarbeiter des Organisators auf mich warten, also Ausschau halten. Ein Aussichtsturm beim Ausgang wäre nicht schlecht, denn es gibt Dutzende, welche die Tafel hochhalten; der Überblick ist fürs erste verloren. Mein Abholer ist nicht in der ersten Reihe, also versteckt er sich irgendwo in der Halle. Ich laufe im Zickzack durch Abholer und „Taxi, Sir, Taxi“-Rufer und finde ihn ziemlich weit hinten. Wir warten noch auf ein Pärchen, dann fährt man uns mit dem Kleinbus zu unserem Hotel in Johannesburg. Inzwischen ist es 11:30 Uhr und wir erreichen die Rivonia Lodge in Sandton. Trotz vorgerückter Stunde ist das Zimmer noch nicht bezugsbereit, also heisst es Geduld haben (bin aber nicht der einzige, die Lobby ist voll von wartenden Gäste). Der Nachmittag steht zur freien Verfügung; da ich nichts vor habe, melde ich mich für eine geführte Tour durch Soweto an. Nach geschätzten 45 Minuten Wartezeit kann ich das Zimmer beziehen und mache mich auch gleich wieder bereit für die Tour. Der Kleinbus draussen wartet schon und ich merke, dass nicht alle Plätze belegt sind. Schön, kann man sich breit machen. Aber im letzten Augenblick stürmen 5 Frauen aus dem Hotel und entern lautstark den Bus als wär’s ein Überfall. Ein Pärchen hat wegen der Bestürmung keinen Platz und muss deswegen im Hotel zurückbleiben. Die Fahrt führt über die Autobahn und kurz vor Soweto biegen wir ab für eine kurze Stadionbesichtigung. Der Fussballtempel wurde extra für die WM gebaut, sieht mit der Fassade ziemlich futuristisch aus, passt aber irgendwie nicht in diese Gegend. Der Platz rund um das Stadion wird bewässert und ist mit Bäumen bepflanzt und ein paar Meter weiter sieht man die ungepflegten Verhältnisse, für die sich offenbar niemand interessiert. Auch wirkt das Stadion mit seiner Grösse überdimensioniert zur Umgebung. Wir fahren weiter, nun in Soweto hinein. Ab und zu laufen wir ein Stück. Die Menschen sind sehr freundlich und winken, wenn wir vorbeifahren oder -laufen, halten sich aber ziemlich zurück. Wir besuchen noch ein Museum, in dem gezeigt wird, wie sich die Einheimischen gegen die Apartheid auflehnten. Gegen späteren Nachmittag gehen wir langsam zurück, nochmals mit einem letzten Stückchen Laufen. Als wir wieder fahren, bemerken wir, dass eine Person fehlt. Das Ganze Halt, zurückfahren und suchen. Leider macht es uns die Rushhour nicht einfach, zügig zurückzukommen. Schlussendlich finden wir die Vermisste und wir fahren los. In den Bars, die in Soweto sind, versammeln sich viele Menschen mit dem Rugby-Shirt der Springböcke. Muss wohl gerade ein WM-Spiel der Südafrikaner laufen. Fotos von Soweto habe ich keine gemacht. Irgendwie kam ich mir auf dieser Tour vor wie im Zoo, statt Tiere werden Menschen zur Schau gestellt. Mir ist das Ganze irgendwie unangenehm und ich halte mich im Bus zurück. Die anderen Teilnehmer machten ihre Fotos und mir schien, unser Bus sah aus wie ein Galeere, statt Kanonen hielten die ihre Objektive raus…
Zurück im Hotel geht’s unter die Dusche, eine Erfrischung nach der langen Anreise und der Nachmittagstour wird sicher gut tun. Das Wasser plätschert jedoch nur so vor sich hin und stellt dann plötzlich ganz ab, just in dem Moment, als ich eingeseift darunter stehe. Toll… (wie ich später erfahren habe, traf ein Mitreisender das gleiche Schicksal, nicht unter der Dusche, sondern auf dem Klo. Da ging dann die Spülung nicht mehr. Shit happens, im wahrsten Sinne des Wortes). Aber offenbar ist das "halt so in Afrika", denke ich mir. Früh lege ich mich hin, denn das letzte Mal in einem Bett will ich nochmals geniessen. Da mein Zimmer jedoch nahe der Rezeption ist, wache ich nachts immer wieder auf vom Lärm. Manchmal sind es lautstarke Diskussionen, manchmal wummert der Radio durch die Gänge, etc. Aber schlussendlich geht es dann doch irgendwie mit Schlafen.
So, und jetzt an alle, die nach Bilder "schreien" 😄 : Die folgen ab nächsten Mal in grösserer Regelmässigkeit, sobald die Tour richtig beginnt. Ich bin nicht der Fototyp, der jede Niete am Flugzeug aufnehmen muss, da spar ich Akku und Speicher für wichtigere und interessantere Bilder. Aber zur Übersicht mal die Botswana-Tour, aufgenommen mit GPS und übertragen auf GoogleEarth.
Na, da freue ich mich ja schon seeehr auf deinen Bericht, da wir nächstes Jahr auch einen Teil deiner Tour fahren werden. Bin schon so gespannt, was du alles erlebt hast 🙂
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201018. Nov. 2011 · #3
11. September – Johannesburg > Khama Rhino Sanctuary Heute geht es offiziell los. 10 Minuten vor Sammlungstermin und gespannt wie eine Feder bin ich im kleinen Empfangsraum des Hotels. Neben mir warten noch gut 30 andere Gäste; die Gepäckstücke liegen verstreut herum. An ein Durchkommen ist kaum zu denken. Ich nutze die Zeit um mich mal umzuschauen und die Leute zu beobachten. Mit wem würde ich wohl die nächsten zwei Wochen verbringen? Mit den beiden? Scheinen sympathisch zu sein. Oder mit denen? Die da? Nein, die da… die tu ich jetzt mal in die Kategorie „muss-jetzt-nicht-unbedingt-sein“. Die Gedanken verschwinden, als der Chef des Safari-Unternehmens die Teilnehmer begrüsst. Heute starten drei Gruppen zu ihrer Tour, daher so viele Personen. Eine Gruppe geht in den Krüger NP, die anderen beiden nach Botswana, jedoch eine als Camper-, die andere als Lodge-Tour. Es gibt noch einen kurzen Appell, ob alle anwesend sind, danach bittet der Chef uns nach draussen. Er hätte auch gleich sagen können: „Feueralarm!“, denn nun wollen sich 30 Leute mit Gepäck durch den kleinen Eingang quetschen. Ich schaue dem Schauspiel gemütlich zu, schlendere anschliessend auch nach draussen und gehe zu meiner Botswana-Camping-Gruppe. Um es kurz zu machen: es hätte besser kommen können, aber wahrscheinlich auch schlechter. Mir gegenüber stellen sich vor: Ian + Jo, Ehepaar aus England, ca. 40-45 jährig, Andrew + Sharon, Ehepaar aus Australien, ebenfalls ca. 40-45 jährig, Stef + Uli, Pärchen aus Deutschland, gleichen Alter wie ich (die 3 schon am Rücken) und zum Schluss stossen noch 5 Französinnen dazu, Alter: würd mal sagen ab 50/55 Jahre an aufwärts – sehr weit aufwärts. Die Namen kenne ich nicht, sie halten es nicht für nötig, uns mit Handschlag zu begrüssen und sich vorzustellen (schon mal Bonuspunkte bei mir verspielt!😠 ). Na, das kann ja heiter werden mit denen... Übrigens, die fünf waren es gestern, welche den Bus gestürmt haben und Andrew + Sharon waren das „Bauernopfer“, welches zurückbleiben musste. Ian + Jo waren auch bei der Tour dabei, hielten sich aber very british vornehm zurück. Unsere Guides stellen sich als Adrian und Rebecca vor, wobei Adrian der Tätschmeister und Rebecca zum ersten Mal dabei ist. Nach dem Gepäckverlad (zu meinen fast 19kg sagt niemand was) starten wir in einem geschlossenen kleinen Truck zur langen Reise in Richtung Norden. Die Fahrt ist nicht sonderlich spektakulär, ich sitze neben Sharon und wir beide halten gelegentlich Smalltalk, so gut es eben bei dem Lärm geht. Und es wird langsam heiss im Bus. Wenn das Fenster offen ist, gibt es zwar schön Durchzug, es ist aber dann auch unglaublich laut. Beim Grenzübergang Südafrika zu Botswana geht alles locker und gemütlich zu und her, die südafrikanischen Zöllner haben sogar das Rugby-Shirt an und strahlen übers ganze Gesicht. Muss gestern tatsächlich ein Spiel der Springböcke gelaufen sein, offenbar mit positivem Ausgang. Den Lunch nehmen wir kurz nach der Grenze ein und auffällig wird jetzt schon, was die nächsten zwei Wochen Bestand haben sollte: unsere Gruppe teilt sich nochmals in zwei Gruppen auf: die Französinnen (ich nenn sie auch gerne Gallier, weil man einige von ihnen optisch dem Asterix und Obelix Comic zuordnen könnte) und der Rest. Im Laufe des späteren Nachmittags erreichen wir das Khama Rhino Sanctuary und gleich geht es auf zu unserer ersten Pirschfahrt. An einem Wasserloch entdecken wir schliesslich drei Nashörner, dabei scheint es sich um eine Familie zu handeln. Wir bleiben die ganze Zeit am Wasserloch um zu beobachten.
Leider ist der Tag schon weit vorgerückt und wir müssen bald abfahren, um unser Camp aufzubauen. Auf dem Weg zur Campsite sehen wir noch Kudus und Impalas. In der Campsite angekommen schnappt sich jeder ein Zelt und los geht‘s mit dem Aufbau. Nachdem Adrian uns vorgezeigt hat wie es geht sind wir an der Reihe. Das Aufstellen wäre an sich nicht so schwierig, mein Vorgänger hat jedoch das Gestänge so durcheinandergebracht, dass diese ineinander verhaken, dankeschön! Ein paar Mal entfährt mir ein „Heillanddonner“, aber dann und mit Hilfe von Rebecca klappt es. Ein grosser Vorteil für mich nun als Alleinreisender: da keine weitere gleichgeschlechtige Person in der Gruppe ist, habe ich das (Zweier)Zelt für mich allein. Luxus pur, wie ich im Verlauf der Reise feststellte! Das Nachtessen bereitet Adrian zu, es gibt so eine Art Nasi Goreng auf afrikanisch (alles was nicht bis drei auf den Bäumen ist landet im Kochtopf…), schmeckt aber sehr gut. Anschliessend ist gemütliches Ausklingen, alle sind ein wenig müde von der Fahrt, nur die Gallier reden und reden, als gäbe es kein Morgen mehr. Es ist auch schwierig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, da nur zwei einigermassen Englisch sprechen. Die sind es dann auch immer, welche Informationen vom Guide für ihre Kolleginnen ins Frankreicherische übersetzen. Als sie erfahren, dass ich aus der Schweiz komme, wollen sie mit mir nur noch Französisch sprechen. Ich ergänze: Suisse allemande! Komisch ist jedoch, dass ich kaum was verstehe, was sie sagen, mein Schulfranzösin ist offenbar nicht für die Wildnis gemacht…
Champagner8'672 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #4
Seven schrieb: mein Schulfranzösin ist offenbar nicht für die Wildnis gemacht…
Hat hier Freud zugeschlagen?? 😉
Scherz beiseite: Guten Morgen Sven, ich freue mich schon unbändig auf deinen Bericht! Vorallem lässt der Start deiner Gruppenreise schon einiges ahnen und hat mir zum Morgenkaffee ein mehrfaches Lachen beschert!
Ich wünsche dir und uns ein schreibwütiges Wochenende - liebe Grüße von Bele
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #5
Hallo
@Bele: ich habe ja deinen Reisebericht auch gelesen und mir sind da auf meiner Reise schon einige Parallelen aufgefallen. 🙂 Schreibwütiges Weekend? Puhhh, da bin ich aber gefordert, werde mir aber selbstverständlich alle Mühe geben...
@Kathy: wohin geht's denn bei deiner Tour? Aber egal, wohin es dich zieht, du wirst eine wundervolle und tierreiche Reise erleben. Freu dich drauf 😁
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200919. Nov. 2011 · #6
ich lach mich jetzt schon schummelig .. das mit den franzoesinnen wundert mich ueberhaupt nicht... das sind FRANZOSEN, das is ne besondere Gattung, die erstens von guten Umgangsformen nicht viel geheort hat, zweitens fremdsprachlich nciht sehr weit entwickelt ist und drittens mit einer natuerlichen arroganz geboren ist .. so ist .. ich kann mir vorstellen, das das noch lustig wird. gern warte ich auf weitere berichte ...
ps : was die franzosen angeht, gilt natuerlich der grundsatz : die ausnahme bestaetigt die regel !
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
Hallo Sven, klasse Dein Reisebericht und die Bilder. 🙂 Schön , das Du uns mitreisen läßt. 🙂
Miss Ellie , da stimme ich aber 100 pro zu, so sind viele "Wackese" so werden die Fransosen in die Pfalz genannt. 😄
Dises Mischung in Sven seine Reise kann ja noch Heiter werden. 🤩 Liebe grüße Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
Champagner8'672 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #8
Miss Ellie schrieb:
ps : was die franzosen angeht, gilt natuerlich der grundsatz : die ausnahme bestaetigt die regel !
Das will ich aber schwer hoffen, erstens kreisen in meinen Adern ein paar Tropfen französisches Blut und zweitens entsprechen die Franzosen, die ich kenne und mit denen ich auch nächstes Jahr nach Botswana reisen werde, ganz und gar nicht deinem Klischee 😉 !
Und drittens will ich gar nicht lesen, was Annick zu deinem Post zu sagen hat, autsch! 🤩
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200919. Nov. 2011 · #9
hihi .. war ja auch nur ein kleiner stupser an annick .. seid doch net immer soooo ernst !
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
Champagner8'672 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #10
Miss Ellie schrieb:hihi .. war ja auch nur ein kleiner stupser an annick .. seid doch net immer soooo ernst !
Wenn ich ernst wäre, hätte ich mich hierfür entschieden: 😠 😠 😠
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201020. Nov. 2011 · #13
12. September – Khama Rhino Sanctuary > Maun Der Gockel meiner Armbanduhr schreit mich heute um 5:00 Uhr an. Trotz des frühen Aufstehens habe ich für die erste Nacht unter botswanischem Himmel gut geschlafen und fühle mich ausgeruht. Tiere liessen sich in der Nacht im Camp keine blicken. Heute würde es wieder ein Tag mit einer langen Fahrt werden. Vor dem Morgenessen baue ich noch das Zelt ab. Irgendwie habe ich einen Schritt ausgelassen (das Gestänge zu früh rausgenommen, Anfängerfehler…), mein Zelt ist noch voller Luft, die nicht rausgehen will. Aber Rebecca, die gute Fee der Truppe, hat auch dafür eine Lösung und bald ist mein Zelt in der Tasche verstaut. Bei Sonnenaufgang nehmen wir das Morgenessen ein, wir sind dabei nicht die einzigen, die erwacht sind und Hunger haben. Gelbschnabeltokos belagern unsere Site und bald kommen auch Haubenfrankolins des Weges gelaufen. Die Tokos gehen dabei raffinierter vor, um einen Happen zu ergaunern. Aber oftmals klappt es nicht, etwas Futter zu erwischen, da jemand von unserer Gruppe aufpasst und die Vögel verscheucht. Nach dem Morgenessen beladen wir den Truck und fahren aus dem Sanctuary raus Richtung Norden. Unterwegs halten wir kurz für eine Fotosession in der Kalahari. Die Sonne brennt schon richtig und tolle Fotos wollen mir wegen dem grellen Licht nicht gelingen. Macht nichts, sooo interessant ist es ja auch wieder nicht, ausser einer trockener Ebene sehen wir nicht viel.
Und so sieht ein Panorama einer Wüste aus… mal ein Busch, mal ein Häufchen von einem Huftier, aber sonst nichts. Gut, da sind wir mit unserem Alpenpanorama zu Hause richtig verwöhnt.
Vor Maun halten wir an einem Fluss für einen kurzen Lunch. Es gibt selbstgemachte Sandwiches, welche wir beim Morgenessen zubereitet haben. Meine haben die Fahrt nicht ganz unbeschadet überstanden; die Reihenfolge der Zutaten stimmt nicht mehr überein wie zu Beginn. Egal, Hauptsache macht satt bis am Abend. Anschliessend laufe ich noch ein Stück dem Fluss entlang und versuche ein paar Vogelbilder aufzunehmen. Aber die Flattermänner sind meist schneller als ich und meine Ausbeute ist ernüchternd.
Am Nachmittag erreichen wir Maun und fahren ins Audi Camp, das ein bisschen ausserhalb des Städtchens direkt am Fluss liegt. Kurz nachdem wir angekommen sind, hat sich die Crew verdoppelt. Der Grund ist, dass Adrian und Rebecca uns verlassen und wieder heimwärts nach Südafrika fahren; sie werden durch Lazarus und Timmy abgelöst. Und noch etwas ändert sich: unsere Reise setzen wir ab sofort nicht mehr im geschlossenen Truck fort, sondern in einem offenen Jeep. Sehr schön, diese grossen Busse und Trucks sehen ja eh aus wie Gefängnistransporter und jedes Mal, wenn ich so einen sah, fragte ich mich: kann sowas Spass machen? Lazarus stellt sein Organisationstalent gleich mal unter Beweis, denn unsere Zelte sind noch nicht im Camp eingetroffen (das wechselt wie die Crew auch). Ein kurzer Telefonanruf („get the tent, NOW!!“) und keine 10 Minuten später fährt ein Mitarbeiter mit dem gewünschten Material vor. Aber die Wartezeit ist einer Gallierin nicht genehm und quittiert dies mit einem „organisation catastrophe“. Mir scheint, Madame ist noch nicht ganz in Afrika angekommen… Heute schaffe ich es, das Zelt alleine aufzustellen [Schulterklopf!]. Da wir bis zum Abendessen noch genügend Zeit haben, gehe ich an und in den Pool. Das Wasser ist zwar kalt, aber bei diesen hohen Lufttemperaturen ist mir das egal. Nur rein und abkühlen. Blad kommen auch die anderen Gruppenmitglieder dazu.
Am Abend essen wir gemeinsam im campeigenen Restaurant. Obwohl wir zu den ersten Gästen gehören, bringen wir die Bedienung und die Küche arg durcheinander. Das liegt wohl daran, weil les Madames immer wieder bei der Bestellung dazwischenfunken: „Pliiiis kän ei häv se kart“, …, „Pliiiis, wi wuud häv a räd wein“, … „Pliiiis, kän wii häv se meal wis päppersooss“, please hier, please da, Mädels, könnt ihr nicht warten, bis ihr dran seid? Im Minutentakt wird zwar jetzt das Essen serviert, aber auch so schnell ist es wieder weg, weil offenbar jeder das falsche bekommt. Unser neuer Guide, Lazarus, hat es clever gemacht und als einziger Fisch bestellt, während bei den anderen das Filet gegen Rumpsteak, Rumpsteak gegen T-Bone-Steak, T-Bone-Steak gegen Filet ausgetauscht wird. Aber man glaubt’s kaum, am Schluss stimmt doch alles. Qualität des Essens: bei Stef war das Fleisch zu blutig und meines wie Schuhsohle. Das ist es aber auch schon von der Meckerabteilung. Am Schluss waren glaube ich alle mehr oder weniger zufrieden mit dem Essen. Auch der Truppe Tricolore mundet es offenbar, es war noch nie so still…
Nach dem Essen geht es auch bald wieder ins Zelt für die Bettruhe. In der Nacht höre ich gelegentlich Gespräche und Schritte; der Sicherheitsdienst war auf Patrouille. Morgen beginnt nun die richtige Tour. Wir haben die längeren Fahrten hinter uns und bewegen uns nun in einem kleineren Radius. Und für mich beginnt nun die richtige Safari, endlich kann ich dann meine Kamera im Dauereinsatz benutzen.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201021. Nov. 2011 · #14
13. September – Maun > Okavango Delta Kaum sind wir aufgestanden, braucht es schon logistisches Feingefühl. Wir gehen für zwei Tage ins Okavango-Delta und dürfen nur das Nötigste an Kleidung und Ausrüstung mitnehmen. Aber es ist schon erstaunlich, was einige für die kurze Zeit verladen. Hallo, 2 Tage, nicht 2 Monate!
Ich glaube, alle freuen sich auf unser neues, offenes Gefährt, nur eine Gallierin schaut kritisch drein. Sie steht vor dem Gefährt und ich lese ihre Gedanken: „das Ding ist hoch zum Einsteigen, hat keine Türen, wie zum Teufel komme ich denn hier rein?“ (Anmerkung: sie hat, sagen wir‘s mal so, nicht gerade die sportlichste Figur. Erinnert euch daran, wieso ich die Französinnen auch Gallier nenne, dann kennt ihr jedenfalls schon eine Person…😗 ). Die Plätze im Jeep sind schnell belegt, die Jüngsten (Stef, Uli und ich) gehen in die hinterste Reihe, da dies Kletterkünste erfordert und nicht allen zugemutet werden kann. Es geht los. Die Fahrt zur Verladestation ist ruppig und wellig, aber der Jeep ist gut gefedert und so scheint es mir, wir hoppeln statt fahren unserem Ziel entgegen. An der Station angekommen, sieht es aus wie auf einem Bazar.
Überall liegen Material, Nahrungsmittel, Zelte und Gepäckstücke rum. Wir verladen zuerst unsere Ausrüstung in die Mokoros, danach steigen wir selbst ein und machen es uns gemütlich. Eng sind diese Dinger, erinnert mich an die Holzklasse der Flugzeuge. Aber die Fahrt ins Delta lässt die Enge und alle Sorgen vergessen: die Stille, unterbrochen durch Vogelgezwitscher oder Erklärungen der Polers, die Schönheiten des Deltas und irgendwie scheint mir, steht die Zeit hier still. Gemütlich steuert unser Poler den Mokoro und erzählt uns von der Entstehung des Deltas.
Nach gut eineinhalb Stunden am Zielort angekommen, wiederholt sich die Prozedur: Material ausladen, Zeltplatz suchen, Zelt aufstellen, einrichten, fertig. Auf unserer Campsite hat es einige Elefantenhäufchen, vor nicht allzu langer Zeit liefen also die Rüssler hier durch. Vielleicht tauchen sie ja in den nächsten drei Tagen wieder auf? Daher wähle ich mein Zeltplatz nicht gerade auf einem Weg, der in den Busch führt, sondern nebenan, um nachts im Schlaf nicht übertrampelt zu werden. Am Nachmittag haben wir verschiedene Aktivitäten zur Auswahl: baden im Natur-Pool, Mokoro selber steuern oder einfach relaxen. Da es heiss ist, fällt die Wahl leicht: rein in den Pool! Der Weg dorthin führt etwa 50m durch den Busch. No problem, denke ich, aber dies gilt nicht für alle: „No, I don’t walk!“ Madame „wie-komm-ich-den-hier-rein“ protestiert energisch. Und ich überlege mir, ob im französischen Tourenbeschrieb irgendwas anderes stand als in der deutschen, bzw. englischen (vielleicht was mit Sherpas, oder Segways?). Stef meint zu dieser Situation nur lakonisch: „also für dich würden wir jetzt noch ein Taxi rufen!“ Und er hat Recht! Das Taxi kam, in Form eines Mokoros. Während wir also die 50m laufen, musste der arme Poler die gute Dame um das Land herumsteuern, vom Weg her sicher 3- bis 4-fach so weit. Der Natur-Pool ist spitze! Die Einheimischen, welche uns begleiten, haben besonders Freude daran, abzutauchen und ein Bein einer Gallierin zu zwicken. Der Aufschrei dürfte wohl auch noch das letzte Vieh in der Gegend vertrieben haben… lustig ist es allemal, in die Gesichter der Erschreckten zu blicken.
Nach der Erfrischung im Pool ruhen sich einige im Camp aus, Ian (der Engländer) versucht sich als Poler und macht das eigentlich ganz ordentlich und ich melde mich ab, um die nähere Umgebung zu erkunden. Fotografische Motive halten sich in Genzen, die Tiere machen Siesta und Pflanzen blühen kaum. Aber egal, die Ruhe und Abgeschiedenheit gefällt mir.
Vor dem Abendessen geht es auf zu einem Bushwalk („Walk?? Oh nooo!!“). Diesmal kam kein Taxi… Also laufen wir zu elft in zwei Gruppen ins Insel-Landesinnere (wenn man das so im Okavango sagen kann). Unser Guide erklärt und zeigt die Umgebung, zu Beginn sehen wir wenig bis kein Tier, aber so langsam erscheinen sie. Zuerst „nur“ Silberreiher und Witwenenten, aber gegen Ende schleichen wir uns an eine kleine Zebraherde an. Neugierig betrachten sie uns und wir sie. Soweit ich gezählt habe, tummeln sich vier bis fünf erwachsene und ein junges Zebra im hohen Gras. Die Sonne steht schon tief und das Licht wird allmählich dunkler und trotz Stativ ist es schwierig, die Tiere ruhig zu fotografieren. Wir gehen nicht allzu nah an die Herde ran, damit sie sich nicht bedrängt oder gestört fühlen.
Zurück im Camp bereitet Lazarus gerade das Abendessen vor und demonstriert gleich mal seine Kochkünste. Das Fleisch wird in Alufolie eingepackt und in ein zuvor ausgebuddeltes Loch gelegt. Dann noch heisse Kohle drüber und fertig. Wir warten bei einem Windhoek Lager (wurde von Stef und Uli empfohlen) auf das Essen. Das Fleisch war zu Lebzeiten ein Hühnchen, dazu gibt es Kartoffeln und Bohnen. Der Mann versteht das Kochen im Busch und wie er mal später erzählt hat, kocht er sehr gerne. Das merkt man, die Gruppe lobt unseren Guide in den Himmel.
Beim Lagerfeuer sitzen alle zusammen, auch die Polers und deren Köche/Helfer sind anwesend. Es herrscht noch eine gewisse Distanz zwischen uns, ich hoffe mal, dass es morgen entspannter oder leichter sein würde, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Irgendwo hören wir noch ein Hippo grunzen. Im Zelt kann ich kaum einschlafen, vor Mitternacht scheinen die Frösche und Grillen zu wetteifern, welche Spezies die lauteste im Delta ist. Aber irgendwann kehrt auch im Tierreich Ruhe ein.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201022. Nov. 2011 · #15
14. September – Okavango Delta Der Alarm geht heute Morgen um 6:00 Uhr los. Zum Frühstück gibt’s Kaffee, Tee und Müsli, danach steigen wir in die Mokoros ein für einen weiteren Bush Walk auf einer anderen Insel. In der Nacht muss in einem Zelt der Allmächtige persönlich erschienen sein, denn auch die Gallierin, welche sich bisher strikt gegen jede Bewegung wehrte, kommt heute mit. Wir teilen uns nach der Mokoro-Fahrt wieder in zwei Gruppen auf. Ich muss mir noch Sonnenmilch auftragen und das wird mir bald zum Verhängnis. Denn „meine“ Gruppe läuft bereits ab (Stef’s Kommentar: „letzte Chance, dich uns anzuschliessen.“), während die Tricolore-Damen mit ihrem Guide noch warten. Also schnell die Creme auftragen und mit den Worten „I go with the others…“ an den Damen vorbeigehuscht.
Wir sehen heute von Beginn weg mehr Tiere als gestern, hoffentlich ein gutes Zeichen. Es ist, denn kurz darauf in einer Ebene sehen wir zwar wieder „nur“ Zebras, aber diesmal eine ziemlich grosse Herde. Wir pirschen uns näher ran als gestern und ich bin erstaunt, wie gelassen es die Huftiere nehmen mit uns. Es wird zwar wieder gegenseitig beobachtet, aber eine Unruhe ist nicht auszumachen.
Wir bleiben sicher eine halbe Stunde bei der Herde, anschliessend entfernen wir uns und laufen praktisch längs über die Insel. Wir hoffen auf Hippos auf der anderen Seite, werden aber enttäuscht. Sie lassen sich nicht blicken. Der Weg zurück führt uns wieder an der Zebraherde vorbei.
Wieder in den Mokoros sehen wir dann kurz nach der Wegfahrt ein einzelner Elefant an Land, der Nahe dem dichtbewachsenen Ufer entlang läuft. Wir folgen ihm auf Wasser in sicherem Abstand, aber verlieren ihn ab und an aus den Augen. Leider fotografisch schwer zu erwischen, da er sich immer wieder im Busch versteckt. Aber immerhin: der Walk und die Mokoro-Fahrt war sehr schön und auch ruhig.
Zurück im Camp erwartet uns von Küchengott Lazarus ein englischer Brunch mit Rührei, Bohnen, Tomaten und Speck.
Danach ist relaxen angesagt. Die Temperaturen steigen wieder sehr hoch und so ist wieder Pool-Zeit am Nachmittag, natürlich mit dem obligaten Mokoro-Taxi-Service. Die Gallierin muss das nicht mal mehr aussprechen, der Poler ist mit seinem Boot schon bereit. Die heutige Unterwasser-Zwick-Runde geht an die älteste Französin sowie an die Taxibenützerin (wohl aus Strafe).
Am Abend geht‘s ab für einen Sundown-Drive mit dem Mokoro. Der Sonnenuntergang über dem Delta ist fantastisch und die Stille dazu rundet das wunderschöne Naturspektakel ab. Leider sehen wir auch diesmal keine Hippos, sondern hören sie nur von weitem her grunzen.
Das Nachtessen am Lagerfeuer ist wieder lecker, es gibt eine Art Eintopf mit Gehacktem, Nudeln, Tomaten und Gurken. Anschliessend ist Showtime: die Guides und ihre Mithelfer(innen) singen und tanzen, teils ihre Lieder in ihren Sprachen, teils aber auch auf Englisch. Nach ihrer Darbietung meint ihr Chefguide liebevoll: „the stage is yours“, aber ich habe Stimmbruchkatarrh und kann daher nicht singen. Auch die anderen haben nicht so Lust auf eine gesangliche Darbietung. Aber so nach und nach löst sich das Eis von uns Touristen und den Einheimischen. Die Gallierinnen z.B. versuchen einigen Polern Französisch beizubringen. Ich zeige einigen ein paar Fotos vom Okavango und verspreche, ihnen einige Abzüge zu senden (sind jetzt wohl immer noch unterwegs). Ian bringt zum Schluss noch ein Geschicklichkeitsspiel in die Runde, dass eine Einheimische gewinnt.
Der Abend ist weit fortgeschritten, als wir uns zur Nachtruhe begeben. Aber was heisst schon Ruhe… offenbar wurde gestern der Sieger im Quaken und Zierpen immer noch nicht eruiert, also auf ein Neues heute Abend. Mir scheint, das Okavango läuft ein wenig anders: tagsüber ist’s mucksmäuschenstill und am Abend erwachen die Tiere, aber offenbar gehört das zu einer erfolgreichen Überlebensstrategie.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201025. Nov. 2011 · #16
15. September – Okavango Delta > Maun Heute werden wir wiederum um 6:00 Uhr geweckt. Es heisst Abschied nehmen von diesem wunderbaren Fleckchen Erde. Das Material packen wir ein und nach dem Morgenessen treiben wir so langsam zurück in die Zivilisation.
Unterwegs die Überraschung: die Polers steuern auf Festland zu und es gibt einen ausserordentlichen Stop. Nicht weit entfernt sehen wir zu unserer Freude ca. fünf Elefanten. Wir beobachten sie einige Zeit. Trotz ihrer enormen Grösse und ihrem Gewicht hört man kaum was von ihnen.
Nach einer Weile hat jeder genug in seinem Knipskasten und wir gleiten langsam weiter durch’s Delta.
Bei der Polerstation werden wir von unserem Fahrer, Timmy, begrüsst, der uns wieder ins Audi Camp fährt. Unser Gepäck, welches wir zurückgelassen haben, ist auch schon da. Nach dem Zeltaufbau bringe ich mal ein paar Akkus zum Laden an die Rezeption und wasche noch einige Kleidungsstücke. Zum Lunch gibt es heute selbstgemachte Hamburger.
Am Nachmittag ist wieder Pool-Time. Um 15:00 Uhr brechen wir dann auf zum Flughafen Maun, als Tageshighlight erwartet uns ein Rundflug über’s Okavango Delta. Der gut einstündige Flug ist dank der herrlichen Sicht und den vielen Motiven am Boden leider viel zu schnell vorbei. Das Delta zeigt seine ganze Pracht von oben herab, mit den vielen Wasserläufen, den Tieren und trotz der Trockenzeit den Farben. Ich glaube, ich habe bei jeder Person nach dem Flug ein Lächeln im Gesicht gesehen.
Bevor wir ins Camp zurückfahren, wird noch eingekauft. Und dabei gibt Lazarus noch einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg: „Leute, wir sind fünf Tage in der Wildnis. Kauft ein, was ihr an Getränke und Snacks braucht!“ Normal müsste ich das nicht erwähnen, aber seine Aussage sollte noch von Bedeutung sein.
Das Nachtessen nehmen wir wieder im Restaurant des Camps ein. Vorher gibt‘s noch ein Apero an der Bar mit Stef und Uli und einem Windhoek Lager (neben Wasser wird das zu unserem Standardgetränk) und wir diskutieren u.a. immer noch über die französische Fassung des Tourbeschriebs. Stef und Uli vermuten, dass die fünf sich in Johannesburg der falschen Gruppe angeschlossen und eher die Lodge gebucht haben. Apropos Lodge-Tour: die sehen wir heute wieder (und auch ein paar Mal danach kreuzen sich unsere Wege), Stef nennt sie liebevoll „Weicheier“. Der Ausdruck gefällt mir, obwohl ich ihm nicht sage, dass ich im Reisebüro diese Tour auch fokussiert hatte. Gottlob hat mir der Berater davon abgeraten („nimm Camping, ist eindrücklicher und erlebnisreicher“).
Eben, das Nachtessen. Es wird wiederum gepliiist was das Zeug hält. Daher gehe ich heute taktisch klug vor: ich nehme Fisch, den Kingklip mit Artischocken, Kartoffeln und Gemüse. Die Bedienung und Küche ist vorbereitet auf unseren Besuch, diesmal klappt alles und auch das Fleisch scheint allen gut durchgebraten zu sein. Auch mein Fisch ist, obwohl er in Natura nie einen Schönheitswettbewerb gewinnen wird, sehr lecker.
Hallo Seven, danke für Deinen amüsanten Bericht. Habe großes Vergnügen daran. Super Bilder, auch von oben und viel Glück auch noch. Da kann man nur neidisch werden! 😉 Freu´ mich schon auf die Fortsetzung.
LG, BriZA
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201028. Nov. 2011 · #18
Hallo BriZa Danke für den Kommentar. Freut mich, dass der Bericht dir gefällt. Es geht gleich weiter...
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201028. Nov. 2011 · #19
16. September – Maun > Moremi NP Tagwache ist heute ungewöhnlich spät. Erst um 7:00 Uhr sollen wir aufstehen, bzw. dann ist Morgenessen. Aber meine innere biologische Uhr hat sich aufgrund der letzten Tage auf 6:00 Uhr eingestellt, also wache ich auch dann auf. Das Zelt habe ich abgebaut, bevor der Rest aufsteht und die Guides auf dem Platz sind. Die Zeit bis zum Morgenessen nutze ich noch für eine letzte Dusche, bevor wir für fünf Tage in die Wildnis verschwinden. Als ich zurückkomme, sind die anderen langsam auferstanden, aber noch ist kein Guide hier. Tag 6 in Afrika und ich merke mir: wenn 7:00 Uhr gesagt wird, muss es nicht unbedingt um 7:00 Uhr sein. Aber dann taucht Lazarus doch noch auf; und mit ihm offenbar die ganze Firma. Es ist wieder Auswechselzeit. Herrgott, sind wir denn so schlimm, dass es keiner länger als 3 Tage mit uns aushält? Offenbar nicht, nur Timmy verlässt uns und verabschiedet sich, seine Stelle wird jetzt durch zwei Personen besetzt. Da wäre zum einen: Mwabe (oder so ähnlich, er hatte sich eigentlich nicht richtig vorgestellt, aber jemand von unserer Gruppe meinte er hiesse so. Am Schluss der Reise haben wir für jeden Guide ein Dankeskärtchen mit dem Namen geschrieben und es wäre blöd, wenn er sich als Hans-Jürgen vorstellen würde…). Also, bleiben wir bei Mwabe. Er ist ab sofort für die Küche und das Camp allgemein zuständig. Ob er Lazarus mit dem Essen toppen kann? Und da ist noch Jimmy. Optisch sieht er so aus, als könnte er mal einen Löwen am Kragen packen, ihn ordentlich durchwatschen und die Meinung sagen. Ein recht grosser Brocken, aber von den dreien ist er mir am sympathischsten, weil er sehr offen ist bei Gesprächen. Jimmy ist ab sofort unser Fahrer. Und Lazarus ist so quasi der Oberchef, der alles organisiert und schaut, dass es mit der Fahrerei, Einkauf, Permits, usw. klappt.
Wir fahren los Richtung Norden, zum Moremi Nationalpark. Die Strasse wechselt bald von Asphalt in Gravel. Unterwegs kaufen wir am Strassenrand noch Feuerholz ein, welches Jimmy auf dem Dach des Jeeps befestigt.
Ansonsten fährt es sich ohne grosse Vorkommnisse. Es ist schon ein Unterschied, ob man in einem stickigen Gefängnistruck oder im offenen Jeep sitzt. So macht nun auch das Fahren Spass. Schon bald tauchen die ersten Tiere auf; eine Impalaherde sowie eine Warzenschweinfamilie.
Kurz nach dem Mittag passieren wir das Südtor des Moremi Game Reserve und halten anschliessend für einen kurzen Lunch. Auf dem Weg zum Nordtor sehen wir weitere Tiere und stoppen immer wieder für Fotos. Vor allem Pflanzenfresser säumen den Weg, viele Impalas, Kudus, Zebras, vereinzelt mal ein Warzenschwein.
Beim Nordtor angekommen führt der Weg innerhalb des Parks nach Osten. Den abgelegenen wilden Campingplatz erreichen wir um ca. 15:30 Uhr. Der Begleitwagen, welcher Mwabe steuert, ist vorgefahren, so sind die Zelte und die Koffern schon ausgeladen. Nett wie er ist, hat er mein Zelt und das der Australier gleich bei einem Elefantenhäufchen hin gestellt. Aber wir nehmen es mit Humor. Der Zeltaufbau ist schon reine Routine und in 5 Minuten steht das Ding.
Um 16:15 Uhr starten wir zum abendlichen Gamedrive. Wiederum sehen wir viele Tiere, auch verschiedene Vogelarten sind darunter.
Unser Hauptaugenmerk an diesem späten Nachmittag gilt einem Löwenpärchen, welches Liebe macht. Zusammen mit einem weiteren Wagen beobachten wir sie, aber es scheint sie nicht zu stören. Nicht mal das Abendbuffet, welches nahe an ihnen vorbeiläuft interessiert sie. Zebras und Giraffen nähern sich vorsichtig und schauen dem Schauspiel ebenso gespannt zu wie wir. Sehr viel passiert aber momentan nicht, beide liegen faul im Gebüsch und sobald Frau aufsteht und den Platz wechselt, macht Mann genau dasselbe.
Jimmy blickt immer wieder durchs Fernglas und plötzlich sieht er etwas durchs Gebüsch huschen. Er fährt sofort auf das Objekt zu und wir sehen eine weiteres Kätzchen: ein Leopard. Was sagt man dazu? Bei unserer ersten richtigen Pirschfahrt gibt es gleich mal zwei grosse Raubtiere. Jimmy folgt dem Leopard ein wenig, was dem nicht so gefällt und so verschwindet er schnell im unwegsamen Gelände. Aber diejenigen, welche auf der richtigen Seite sitzen, haben schon mal gute Fotos (ich gehörte nicht zu denen).
In der Zwischenzeit tauchen auch Elefanten auf, das geht hier bald zu wie auf einem Rummelplatz, man weiss gar nicht mehr, wohin schauen.
Wir fahren wieder zurück zu den Löwen. Die Stellung der beiden hat sich nicht gross verändert. Er darf, wann sie will und einmal werden wir tatsächlich Zeuge der vollkommenen Liebe. Ich denke, es kommt nicht oft vor, dass man so ein Schauspiel erlebt und da hier alle schon über das „Bienchen und Blümchen“-Alter raus sind, kann/darf man es auch zeigen 😄 .
Es dunkelt langsam ein, Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Die Dunkelheit scheint aber einige von uns nicht abzuhalten, weiter zu fotografieren, man nimmt jetzt halt den Blitz zu Hilfe. Da habe ich persönlich ein bisschen Mühe damit, Tiere zu blitzdingsen. Wenn das jeder Touri jeden Tag macht, ich denke nicht, dass das gut ist für die Tiere. Aber über dieses Thema könnte man noch lange diskutieren. Vor allem auch, weil ja der eingebaute Blitz sowas für nichts ist und nur die ersten drei Meter erleuchtet, mit einem dunklen Hintergrund. Die Bilder dürften für die Tonne sein. So, jetzt aber Schluss.
Inzwischen sind wir nach meinen Blitz-Überlegungen wieder zurück im Camp. Die Frage, ob Mwabe dem Lazarus beim Kochen das Wasser reichen kann, ist schnell beantwortet: er kann! Es gibt wieder Gockel, mit Kartoffeln, Karotten und Bohnensalat, dazu ein Windhoek Lager. Auch wird nebst dem Eau d’Africa (Insektenspray) Malarone langsam ein Thema. Nach dem Essen setzt sich Jimmy neben mich und wir beginnen ein bisschen über unsere Heimatländer zu erzählen. Er fragt mich, ob wir auch gefährliche Tiere zu Hause haben. Naja, „gefährlich“ nicht unbedingt, Wölfe und Bären, sofern sie bei Grenzübertritt nicht erschossen werden. Andererseits frage ich ihn, ob die Guides ein Gewehr oder sonstige Massnahmen haben, um die wilden Tiere zu verjagen. Haben wir, sagt er, Satellitentelefon. Das muss wohl ein echter Klopper sein, um so ein Tier in die Flucht zu schlagen. Lazarus nimmt das Thema gleich auf und erklärt uns die Spielregeln für eine angenehme Nacht.
Die erste Nacht und nun richtig mal in der Wildnis (das Khama Rhino Sanctuary war ja nur von Pflanzenfresser bevölkert, Okavango hatte auch nicht so viel Gefährliches an sich, aber hier steppt der Bär). Irgendwie freue ich mich drauf und lasse die Fenster „offen“, so dass ich nachts durch’s Moskitonetz schauen kann, sollte einmal grosses Kino bei uns im Camp laufen. Nachts wache ich immer wieder auf, ich höre eine Hyäne heulen, mal weit entfernt, dann nah, dann ganz nahe, aber dann wieder weiter entfernt. Hippos grunzen nahe beim Fluss und keine 100m von unserem Camp (gem. Angabe Guide) brüllen Löwen. Absolut spitze, am liebsten möchte ich gar nicht mehr einschlafen. Ins Camp kommen heute Nacht keine Tiere.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201001. Dez. 2011 · #20
17. September – Moremi NP Heute weckt uns der Alarm wieder um die gewohnte Zeit, 6:00 Uhr. Nach einem kleinen Happen geht es auch schon los mit der Morgenpirschfahrt. Diesmal fahren wir in westliche Richtung, am Nordtor vorbei dem Fluss entlang. Die Gegend hier gefällt mir viel besser. Landschaftlich durch die Seen und Flüsse/Wasserläufe ziemlich attraktiv, zieht es auch viele Tiere an, vor allem (Wasser)Vögel und Huftiere.
Gleich neben unserem Wagen jagt ein Eisvogel nach Fischen. Zum Glück steht das Fahrzeug still, so können wir den kleinen Kerl in Ruhe beobachten. Seine Akrobatik in der Luft und das scharfsinnige Beobachten im Wasser ist sehr eindrucksvoll anzuschauen.
Wo an Land die Leckereien herumlaufen, müsste doch die Kundschaft nicht weit sein. Aber von den Raubtieren fehlt jede Spur. Vielleicht verscheuchen wir sie auch mit dem Geschwätze unserer Gallierinnen. Es ist unglaublich, was die sich alles zu erzählen haben. Ich dachte, nach dem zweiten Tag würde sich das allmählich legen und Ruhe ist, aber nichts da. Sie lassen uns keine Verschnaufpause. Ich will aber fair sein und anstandshalber sagen, dass sich eine von ihnen sehr vornehm zurückhält und gar nicht ihrer Kolleginnen nacheifert – sie ist mir daher sehr sympathisch. Ich habe das Gefühl, die anderen erzählen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichte und bei ihrem Alter kann das noch ein wenig dauern. Vor allem die Älteste muss immer was berichten. Wir sehen auch viele Elefanten am Wegesrand stehen (sorry für diesen abrupten Übergang…:S ). Jimmy hat die Sache mit dem Fahren voll im Griff und hält immer den nötigen Abstand ein. Trotzdem sind die Tiere sehr nahe an unserem Fahrzeug, was sie aber nicht weiter stört.
Wir fahren wieder zurück ins Camp, wo uns Mwabe mit einem englischen Frühstück erwartet. Und fast wie bestellt läuft ca. 40m neben unserem Camp ein einsamer Elefant vorbei. Er würdigt uns aber keines Blickes, sondern geht gemütlich seinen Weg. Nachmittags wird geruht (leider stehen keine Aktivitäten auf dem Programm wie im Okavango), zudem ist die Buschdusche in reger Benutzung. Die Schattenstellen sind schnell besetzt, es weht zudem immer eine „kühle“ Brise übers Land, welche die heissen Temperaturen einigermassen angenehm machen.
Um 16:00 Uhr starten wir zum letzten Game Drive im Moremi. Diesmal führt uns der Weg in Richtung Fluss. Wiederum sehen wir viele Pflanzenfresser, Impalas, Kudus, Elefanten, etc.
Von den grossen Katzen fehlt jede Spur. Schade, dabei hatte die erste Pirschfahrt gestern so gut begonnen. Wahrscheinlich waren wir dabei schon zu viel mit unserem Glück überhäuft worden und müssen heute dafür büssen. Am Fluss angekommen sehen wir Nilpferde und in ihrer Nähe Krokodile. Hier bleiben wir auch zum Sonnenuntergang. Unsere Guides ermuntern uns für ein kühles Bier auszusteigen und so langsam setzt sich die Truppe in Bewegung, immer mit dem nötigen Augenschein und Distanz zu den Wildtieren im Fluss. Aber offenbar interessieren sich weder Hippo noch Kroko für uns und wir können den Sonnenuntergang richtig geniessen.
Zurück im Camp hat Mwabe schon das Abendessen zubereitet. Es gibt Steaks vom Grill, dazu Kartoffeln und Gemüse. Folgender Gedanke kam mir leider erst zu Hause: was machte eigentlich Mwabe ausser Kochen während unser Abwesenheit im Camp? Er war, während wir auf Pirschfahrt sind, ja dann alleine auf sich gestellt, mitten in der Wildnis, was ist, wenn da mal was passiert? Aber eben, vergessen zu fragen, vielleicht beim nächsten Mal…
Bald darauf ist auch schon wieder Nachtruhe, denn morgen geht es früh raus. In der Nacht höre ich keine Hyäne, dafür haben die Löwen offenbar Hochbetrieb im Busch.