Kapitel 37: Löwinnen unter sichDie Wasserstelle "Rooibrak", welche wir uns nun näherten, markierte schon die Hälfte der Strecke nach "Mata Mata". Und mit noch nicht einmal zwei von den geplanten sechs Stunden auf Pirschfahrt, waren wir noch mehr als nur gut in der Zeit.
Schon aus der Ferne sahen wir die strahlend weisse Karosserie eines anderen Fahrzeuges in der Nähe des Wasserlochs stehen. Und da es nur ein Auto war und nicht mehrere, rechnete ich mit einer weiteren Raubvogel- oder Eulen-Sichtung. Und ich vermute, dass mein Privat-Chauffeur eine ähnliche Meinung hatte wie ich, als er sagte:
Privat-Chauffeur: "Schau mal dort vorne. Da steht ein Auto! Der sieht bestimmt irgendwas in einem der Bäume."
Safari: "Vergiss die Bäume! ICH SEHE ÖHRCHEN!"
Jawohl! Öhrchen!

Und zwar ein paar Löwinnen-Öhrchen, welche sich im Schatten des grossen Baumes neben der Wasserstelle gerade noch über der Grashalmkante gegen den vom Sonnenlicht hell beleuchteten Hintergrund abhoben!

Hallo, Schwester "Livi"!
Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue dich hier zu sehen! =^.^=

Wir standen also am talseitigen Rand des Weges, ich schon im Genuss jeden Momentes mit meiner Schwester und mein Privat-Fotograf schon fleissig am Fotografieren, als der andere Parkbesucher mit seinem Wagen zu uns rüberfuhr.
Freundlich begrüssten wir uns und tauschten uns kurz über unsere anderen Sichtungen aus, welche aber bisher in keinster Weise spannender waren, als diese Löwin hier am Wasserloch. Schon wieder meinen Blick zu "Livi" schwenkend, hörte ich ihn dies noch bestätigen, dass diese zwei Löwinnen bisher auch seine beste Sichtung an diesem Morgen waren.
Moment... Sagte er eben ZWEI?!!
Unsere Gesichter müssen ausgesehen haben wie das von dem Erdmännchen aus dem letzten Kapitel, als er uns die zweite Löwin zeigte, welche zwischen den Bäumen auf der anderen Strassenseite lag. Mit vielleicht zwei Katzensprüngen lag sie quasi direkt neben der Strasse und hätte mir einmal längs über den Rücken lecken können, wenn sie dies gewollt und sich entsprechend angeschlichen hätte.
Stattdessen leckte sie aber lieber tiefenentspannt und zufrieden ihre Pfoten. =^.^=

Safari: "Sei gegrüsst! Meine Schwester im Herzen!"
"Ich bin 'Safari', eine Wüsten-Löwen-Königin aus der Namib zu Besuch hier bei euch in der Kalahari."

Safari: "Darf ich bitte bitte ein wenig mit euch hier abhängen?"
Safari: "Und ist es okay, wenn ich "Amy" zu dir sage?"

Ich bin mir sicher! Das zweifache Naselecken kann man zweifelslos als zweifaches "Ja" interpretieren. =^.^=
Oh, wie war ich Glücklich! Endlich war ich nicht nur eine Löwin, sondern auch Teil eines Löwinnen-Rudels geworden!

Privat-Fotograf: "Ich habe da mal eine Frage an die Löwen-Expertin. Ist die Löwin dort drüben eventuell schwanger oder einfach nur vollgefressen?"
Safari: "Ich würde sagen, so zufrieden wie 'Amy' hechelt... ähm... lächelt, hoffe ich ja stark auf beides!"


Und obwohl "Amy" vermutlich allen Grund gehabt hätte in den Löwen-Energiesparmodus zu wechseln, war sie mir zuliebe sehr wachsam und beobachtete ihre Umgebung genau.

Safari: "Ich weiss zwar nicht was du siehst, aber deine Zähne sehen jedenfalls noch tip-top aus, 'Amy'!"
Safari: "Oh! Und darf ich dich noch um einen Gefallen bitten? Schau mir doch mal bitte ganz tief in die Augen, ja?!"

Safari: "Danke" =^.^=
Amy war wahrlich eine Königin unter uns Löwen, dass spürte ich sofort. Denn nur wahre Königinnen können sich, so wie sie, Sphinx-Like auf den Boden legen und dabei noch wie eine von Gott berufene Monarchin aussehen.


Und wie bei jeder vornehmen Katze, steht natürlich die Fellpflege an erster Stelle.


Danach sagte sie mir aber auch ganz deutlich, dass sie sich für mich nun genug in Pose geworfen hatte.
Und nein, mit so einer starken Löwin wie ihr, wollte selbst ich mich nicht anlegen.

Also doch eine Runde Energiespar-Modus...

Privat-Fotograf: "Puh! Noch ein paar Fotos mehr und ich kann ein photogrammetrisches 3D-Modell von ihr machen."
Safari: "Wie viele Fotos hast du denn bisher von ihr gemacht?"
Privat-Fotograf: "Moment... lass mich nachsehen... fast 200 Stück!"
Während wir in der Löwen-Energiespar-Pause so nebenbei ein paar Kekse knabberten und eine Limo tranken, wie andere Leute im Kino, kam der eine Tourist oder die andere Parkbesucherin vorbei, lies sich von uns die Löwen-Sichtung erklären, machten ein Foto und fuhren weiter. So standen wir am Strassenrand, schon seit einer guten Stunde, und genossen einfach die Atmosphäre der Anwesenheit meiner Artverwandten.
Bis "Amy" wieder wach wurde, sich aufrichtete und meinen Privat-Fotografen ein schönes Seiten-Portrait für unsere Foto-Sammlung machen ließ.


Aber irgendetwas hatte sie auch bemerkt oder gesehen...
Privat-Fotograf: "Hey Safari. Schau mal zu der anderen Löwin hinüber. Warum liegt sie so flach wie eine Flunder auf dem Boden?"
Safari: "Wie? Was?... WAAAAS!!!"
Safari: "DIE IST IM JAGD-MODUS!!!!!"
*Safari folgt wie gespannt dem Blick von der am Wasserloch auf der Lauer liegenden 'Livi'*
Safari: "Sie sieht was! Aber was?"
"Mist! Ich kann nichts sehen! Das Auto vor uns ist im Weg!"
Privat-Fotograf: "Ich sehe auch nichts. Soll ich ein Stück vorfahren?
Safari: "SPINNST DU?!! BLOS NICHT!!!"
"Damit würden wir 'Livi's Jagdpläne zunichte machen!"
"Was immer auch da kommt. Es will bestimmt zur Wasserstelle!"
Und alles, was zur Wasserstelle wollte, musste auch automatisch an Livi vorbei...

Insofern war es strategisch das Beste sich ganz still zu verhalten und die Luft anzuhalten.
Und auch wenn die sechs Sekunden sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlten, so mussten wir doch nicht lange warten, bis...
Safari: "Ist es ein Springbock? Ist es ein Gnu? Ist es ein Oryx?"
Privat-Fotograf: "Oh! Ich glaube da kommt was."
Safari: "Es ist eine..."
Privat-Fotograf: "Es ist ein..."