Bagatelle Kalahari, 2. September 2024, 30°Unsere Nacht war etwas gestört: es war erstmal ungewöhnlich warm. Nach vielen Nächten, in denen wir froh über die warmen Decken waren und auch auf Kälte eingestellt waren, war das eine tropische Nacht. Aber dazu wehte ein starker böiger Wind. Alle Zeltwände hochgeklappt fühlen wir uns wie im Föhn. Dazu das Geräusch: die Böen fegen durch eine Engstelle und breiten sich aus, es tönt in der Nähe, dann ist sie am Zelt. Wir heben fast ab... Irgendwann wird es erträglicher und wir schlafen wohl auch. Frühstück zwischen den Felsen.
Dann erwartet uns eine lange lange Fahrt, wir wollten es so, bis zur Kalahari, unserer ersten Station vor sechs Jahren. Viel Erinnerung! Wir erfreuen uns an der schönen Dünenlandschaft, der angenehmen Campsite und genießen nach einer schönen Dusche das wieder hervorragende Essen. Hier kostet es auch mal ungefähr so viel wie zu Hause. Sonst ist Namibia für uns ein günstiges Reiseland. Die Annehmlichkeiten einer Lodge sind fein, aber mancher Gast hier ist gewöhnungsbedürftig...
Bagatelle Kalahari Tag 2, 3. September 2024, 28°Die Nacht ist ruhig und erholsam. Natürlich stehen wir mit der Sonne auf und gehen die 20 Minuten zur Lodge zum opulenten Frühstück mit allem Schnickschnack. Dann besuchen wir die Erdmännchen. Sie werden hier morgens auch gefüttert, drücken sich also an der Terrasse hinten am Farmhaus herum und sind dann alle dort, als es Futter gibt. Danach ist gegenseitige Fellpflege angesagt, aber immer wachsam!
Wir chillen im Schatten am Pool, amüsieren uns über das zahme Oryx und die Springböcke, besichtigen, wie man hier in den "Dunechalets" wohnt. Hier wird auch viel Solarenergie genutzt!
Ich beobachte nochmal die Erdmännchen, nehm ein Stück Kuchen (ist schwer hier, zu widerstehen), dann dürfen wir zum letzten "Naturedrive" los. Hier sind viele Tiere eingekauft, z. B. auch die wertvollen Rappenantilopen wie aus unserer ersten Gästelodge Wildacker, zwei Rhinos (Grace und Bruno, hoffentlich bald zu dritt...), Gnus (irgendwie völlig fehl am Platz, genauso wie Wasserböcke). Es ist toll, die Tiere auf der Fahrt zu sehen, aber es ist dann doch wie ein großer Zoo.
Die Dünenlandschaft ist so wunderschön. Wir sind bei der Fahrt sehr emotional, Abschied, Erinnerung, Sehnsucht... Für unsere Freunde machen wir das gleiche Bild wie vor sechs Jahren, die Jahre sieht man, aber wir fühlen die drei Reisen wie ein großes Abenteuer. Wieder ist das Abendessen wie im Sternerestaurant.
Aber wir werden die Sterne am Camp noch beobachten, heute wirklich das letzte Lagerfeuer machen und das letzte mal ins Zelt krabbeln.
Fazit Bagatelle: Die Campsites sind immer noch so schön, da sie an den Dünen liegen, das Waschhaus ist riesig mit viel Ablagefläche. Wenn man nicht laufen möchte, kann man sich auch holen und bringen lassen. Insgesamt ist Bagatelle sehr teuer geworden. Die Kosten für den Naturedrive sind die gleichen wie bei Namushasha, aber das ist im Vergleich nicht so viel wert. Das Essen ist hervorragend, aber auch nicht günstig. Trotzdem hat Bagatelle Charme! Ob die Rhinos sein müssen, wage ich zu bezweifeln.
Immanuel Wilderness Lodge, 4. September 2024, 27°Wir hätten wohl gleich zum Flughafen fahren können, aber wir haben einen Sicherheitstag eingebaut, damit wir im Falle einer Panne trotzdem unseren Flug morgen erreichen. Wir fahren bei der Rückfahrt beim Hardap Damm vorbei, einem großen Stausee, der den FishRiver staut und in der Gegend große Bewässerung von Feldern ermöglicht. Er soll toll zum Wassersport sein, es gibt einen Wildpark und viele Unterkünfte. Momentan ist er nur noch zu 9% gefüllt, weil es seit 2020 nicht mehr genug geregnet hat... Interessant, aber für uns, die wir die Bayerischen Seen kennen, nicht besonders attraktiv.
Dann fahren wir bis Windhoek, die Anfahrt von Süden ist besonders reizvoll. Wir checken in der letzten Unterkunft ein, diesmal in einem Zimmer, sodass wir die Koffer packen können. Das Restaurant ist von einem deutschen Ehepaar geführt und das Essen wieder sehr gut.
Fazit Immanuel Wilderness Lodge: In Ordnung, das Zimmer ist nett, nicht außergewöhnlich, zwei Straußen und einige Springböcke werden gefüttert. Abendessen war prima.
Windhoek, 5. September 2024, 26°Nachdem wir bis 15:00 Uhr Zeit haben, bis wir das Auto abgeben können, fahren wir in einen nahegelegenen Park (Daan Viljoen). Wir fahren an einer Wellblechsiedlung und am einem Unfall vorbei. Wir haben versucht, immer langsam und aufmerksam zu fahren und sind froh, dass alles gut ging. Am Gate des Parks meint die Rangerin, dass der 4x4 Weg nicht schwer sei, das ist aber nicht 100% richtig, es geht steil hoch und runter, Karsten fährt meisterhaft. Man sieht nochmal über Windhoek.

Außer einigen Gnus und einem Strauß zeigt sich aber kein Tier, deshalb fahren wir wieder zurück (die Rangerin im Park fragt auch ganz mitleidig, was wir denn hier wollen und lässt uns ohne Bezahlung wieder ziehen) und fahren nochmal ins Namibia Craft Center und erwerben einige Mitbringsel, u.a. ein cooles Kinderbuch über Namibia. Die Abgabe des Autos klappt problemlos, wird werden mit einem anderen Paar, welches sechs Wochen unterwegs war, zum Flughafen gefahren. Die Plätze im Flugzeug sind diesmal mit viel Beinfreiheit, trotzdem kommen wir sehr müde in Frankfurt an und reisen per Bahn nach Hause.
Gedanken zur Reise Das Land ist wirklich voller wundervoller Landschaften und durch die Tiere sehr aufregend.
Die Menschen sind sehr offen und freundlich, aber es gibt viel Armut. Es wird deshalb auch gebettelt, aber nicht sehr aufdringlich. Man gibt für kleine Dienstleistungen ca. 50 Cent.
Die Unterschiede zwischen arm und reich sind riesig. Es gibt tolle Anwesen, schicke Farmhäuser, kleinere Reihenhäuser, Buschhütten, Wellblechverschläge.
Wir sind extrem privilegiert, dass wir hier reisen durften und dürfen.
Es gibt kein Transportwesen, deshalb warten immer irgendwo Menschen und hoffen auf Mitnahme. Viele laufen offenbar weite Strecken entlang der Straßen, auch Kinder auf dem Weg zur Schule.
Als Tourist ist es mittlerweile sehr einfach, man kann fast alles mit Karte zahlen, Internet ist in den Unterkünften Standard, an den Hauptstraßen gibt es meist Empfang. Man könnte hier reisen, ohne viel vom Leben im Land zu bemerken, also von Lodge zu Lodge, ohne groß auf die Umgebung zu achten, vor allem südlich des Veterinärzaunes im Land der Farmen. Manche machen das offenbar auch und bewegen sich in einer Parallelwelt, wir haben diese mit den Einrichtungen und den Restaurants natürlich auch genossen.
Wasser ist ein knappes Gut, trotzdem gibt es offenbar viele Brunnen. Wie die Wildtiere hier überleben, ist uns schleierhaft.
Wir würden das Land auch gerne nach dem Regen sehen, der hoffentlich bald und reichlich fällt.
Wir sind dankbar, dass wir gesund geblieben sind, dass das Auto heil geblieben ist und wir keine gefährlichen Situationen erlebt haben (Paviane, Elefant hinter dem Auto und Skorpiönchen in der Spüle waren das gefährlichste). Jetzt heißt es Abschied nehmen.
Ich denke, dass wir nicht das letzte Mal hier waren…