Reisebericht: Drei Wochen Äthiopien mit dem Rotel

Reisebericht 98 Antworten · 18,5k Aufrufe · gestartet 18. Jan. 2020 von CrocV
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
6.12.2019 Addis Abeba
Am Morgen würden wir am liebsten im Bett liegen bleiben. Wir sind etwas lustlos. Die letzten Wochen haben uns so viele Eindrücke beschert, die wollen erst mal verarbeitet werden. Und etwas Ruhe würde uns auch guttun, da die letzten Wochen doch recht anstrengend waren. Haben wir doch in den drei Wochen aufgrund der notwendigen Abwege 3.766 Kilometer zurückgelegt und dabei 46.709 Höhenmeter (!) überwunden.
Aber nach einem guten Frühstück machen wir uns dann doch fertig und es geht mit einem Kleinbus und einem einheimischen, deutsch sprechenden Guide auf Stadtbesichtigung. Zwei Kirchen, zwei Museen und der große Mercado stehen auf dem Plan, bevor wir abends zum Flughafen fahren. Wir nehmen uns aber vor, es heute ruhig angehen zu lassen.
Zunächst fahren wir zur Dreifaltigkeitskirche. In der Krypta sind Haile Selassie, seine Frau und der letzte Präsident Meles Zenawi beigesetzt. Während die Gruppe die Kirche und das Museum besichtigt, bleiben wir aber lieber im Bereich vor der Kirche.
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Zum einen können wir hier nochmals in Ruhe die Gläubigen beobachten sowie ein letztes Mal die warme Sonne genießen. Außerdem ist rings um die Kirche ein Friedhof mit teils sehr beeindruckenden Grabsteinen und Grabmalen.
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(Abuna Paulos)
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(Miruts Yifter)
Um die Kirche sehen wir auch immer wieder Schüler und Schülerinnen in ihren Uniformen. Uns kommt es so vor, als würden sie hier die freie Zeit (Freistunde?) zwischen zwei Unterrichtstunden verbringen. Jedenfalls benehmen sie sich, wie sich Teenager überall auf der Welt benehmen. Köpfe zusammen stecken, tuscheln, lachen. Und eben einfach um die Kirche herumstreifen. Manchmal, wenn sie mit ihrem Gegacker zu laut werden kommt ein Aufseher und schickt sie weiter.
Als nächstes sollte jetzt ein Museum dran kommen, aber der Fahrer unseres Kleinbusses meint zum Guide, wir sollten jetzt zum Mercator fahren, da sei jetzt richtig Betrieb. Der Mercator wird allgemein als der größte im Freien stattfindende Markt Afrikas bezeichnet. Wir machen die äthiopische Art der Besichtigung: Unser einheimischer Fahrer zwängt sich mit seinem Kleinbus durch die überfüllten Straßen und Gassen des Marktes. Immer durch das offenen Fenster lautstark den Passanten, Lastenträgern, Autos, LKWs klar machend, das er hier jetzt durch will.
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An einem anderen Tag wären wir hier gerne zu Fuß auf Erkundung gegangen, aber heute sind wir ganz froh über diese andere Art des Marktbesuches. Wir sind doch etwas müde. So staunen wir nur über das Gewimmel um uns herum.
Anschließend fahren wir noch zur Sankt Georgs-Krönungs-Kathedrale. Auch hier machen wir die Besichtigung nicht mehr mit, sondern laufen einmal um die Kathedrale und setzen uns auf eine Bank unter Bäumen und genießen wieder die Sonne und die Ruhe bei den betenden Gläubigen vor der Kirche.
Auf dem Weg zum Nationalmuseum fahren wir vorbei an einer Nachbildung der großen Kanone, die Kaiser Theodor II. Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ, als er Äthiopien modernisieren wollte. Die Kanone gab aber leider nur einen Schuss ab - der sie zerstörte.
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Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Mittagspause machen wir im Garten eines sehr schönen Lokals neben dem Nationalmuseum, zu dem wir danach hinüber gehen.
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Im Garten des Museums ist unter anderem eine kleine Stockwerkstele aus Axum zu sehen.
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Im mehrstöckigen Museum gehen wir zuerst ins Untergeschoss. Hier sehen wir eine Nachbildung des Skeletts von Lucy. Von den Äthiopiern wird sie Dinkenesh (die Wundersame) genannt. Das besondere an Lucy ist, das hier wirklich 40 Prozent (!) des Skeletts eines 3,2 Millionen alten aufrecht gehenden Vormenschen der Gattung Australopithecus gefunden wurden. Sonst müssen sich die Paläontologen meist mit ein paar wenigen Knochenfunden zufrieden geben.
Außerdem handelt es sich bei Lucy quasi um das Bindeglied vom Australopithecus am Übergang zum Frühmenschen der Gattung Homo.
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In den 2000er Jahren wurde in der Afar-Region ein weiteres ähnlich vollständiges 4,4 Millionen Jahre altes Skelett einer älteren Vormenschen-Periode (Ardipithecus-Periode) gefunden wurde. Ihr Name lautet Ardi. Auch dieses Skelett sehen wir hier.
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Und daneben noch etliche andere, teils bis zu 5,8 Miliionen Jahre alte einzelnen Knochenfunde und Schädel.
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Handelt es sich beim Grabenbruch hier in Äthiopien bis in den Norden Kenias doch um die Wiege der Menschheit.
Die Forscher machen hier regelmäßig weitere spektakuläre Funde.
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Im Erdgeschoss sehen wir viele Fundstücke aus axumitischer und voraxumitischer Zeit. Unter anderem die Kalksteinstatue einer sitzenden Frau, gefunden bei Wuqro in der Region Tigray.
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Es handelt sich wohl um eine Sitzfigur, welche aus dem 4.-5. Jahrhundert v. Chr. stammt und auf den Stufen eines alten äthio-sabäischen Tempels oder Opferaltars stand. In der gleichen Vitrine weitere Fundstücke aus der Region Tigray. In Stein gemeißelte religiöse Texte in sabäischer Sprache und auch ein Opfergefäß mit Symbolen des sabäischen Göttertrias mit dem Mondgott Almaqah ( der liegende Halbmond mit Vollmond darüber) und den beiden weiblichen Sonnengottheiten Dhat Hamyim und Dhat Badan.
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Diese wurden neben dem die Venus verkörpernden Hauptgott Athtar aus Südarabien auch auf diese Seite des Roten Meeres ins abessinische Hochland verehrt. Ähnliche, den Gestirnsgottheiten gewidmete Symbole waren vermutlich oben an den großen Stelen in Axum angebracht.
Aber auch der beeindruckende „Thron von Hawelti“, ein steinerner Schrein mit Flachreliefs der wohl eine Kultstatue beinhaltete, die aber nicht erhalten ist. An der Frontseite ranken sich Steinböcke um die Öffnung, ein typisches Motiv der sabäischen Kunst.
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An den Seitenwänden sind eine kleinere Person und dahinter eine größere Gestalt mit Fächer und Wedel abgebildet.
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Eine Datierung ist schwierig, wird aber grob mit 1.-2. Jahrhundert v.Chr. vermutet.
Weiterhin sehen wir mehrere Vitrinen mit Keramik, Figuren, Münzen und anderen Gegenständen aus axumitischer Zeit.
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Sowie zwei aus dem Mittelmeerraum im 4.-7. Jahrhundert n.Chr. nach Axum importierten Wein- und Olivenölamphoren.
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Und schließlich noch eine Vitrine mit Fundstücken der Ausgrabungen beim Palast von Dungur, dem sogenannten „Palast der Königin von Saba“.
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Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Im nächsten Raum sehen wir dann Kronen, Thronsessel, Kleidung und Waffen aus der Zeit der letzten Kaiser Äthiopiens.
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(Krone Haile Selassie)
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Im ersten Stock gibt es eine Gemäldesammlung moderner äthiopischer Künstler
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und im zweiten Stock schließlich noch eine Art Heimatmuseum. Hier werden Gerätschaften der Bauern wie ein Holzpflug (wir haben diesen überall auf dem Land im Einsatz gesehen !) ausgestellt,
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aber auch Gegenstände einiger der südlichen Völker wie den von uns besuchten Dorze.
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Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Zu guter Letzt besuchen wir noch das ethnologische Museum. Wir sehen traditionelle Buchbinderwerkzeuge, wieder Waffen und festliche Kleidungsstücke der letzten Kaiser, Totenstelen der Konso und Gurage und Utensilien für die Kaffeeverarbeitung.
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(Decke des alten Palastes, der dem Museum überlassen wurde.)
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Da das Museum sich im alten Palast von Kaiser Haile Selassie befindet, das dieser bis zum Palastneubau in den 60er Jahren bewohnte, kommen wir dann in den Teil mit dem Schlafzimmern des Kaiser und der Kaiserin und den jeweiligen Badezimmern.
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Weiter geht es in einem Bereich mit etlichen Kreuzen und Ikonenmalereien und danach noch in einem Raum mit sehr vielen traditionellen Musikinstrumenten.
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Abschließend fahren wir noch zum alten Bahnhof der Djibouti-Bahn, der zu einem Hotel umgebaut wurde.
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Zurück im Hotel müssen wir das alles erst mal etwas sacken lassen. Unser äthiopischen Guide, der die drei Wochen mit uns unterwegs war, hat heute für uns zusammen mit seiner Frau Kaffee und Gewürze vom Markt besorgt. Einfach weil er für die Sachen keinen Ferenji-Preis bezahlen muss. Während wir dann so in der Vorhalle sitzen, kommen nach und nach immer mehr Gäste in traditioneller Kleidung der südlichen Stämme ins Hotel. Der Strom reist gar nicht ab. Wir erfahren, das am Wochenende ein großes Festival der südlichen Nationen stattfindet und dazu Musik- und Tanzgruppen aller Stämme aus dem Süden anreisen. Anscheinend sind etliche hier in unserem Hotel untergebracht. Die Zeit bis zum Abendessen wird dadurch recht kurzweilig. Unser Abschiedsessen findet daher auch in einem separaten Raum statt, da der normale Speisesaal komplett von den Stammesgruppen belegt ist.
Anschließend ist es Zeit sich von unserem äthiopischen Guide und unserem Fahrer zu verabschieden, die uns drei Wochen lang sicher durch Äthiopien geleitet haben. Unsere Reiseleiterin wird mit uns zum Flughafen kommen, da es ihre letzte Tour für dieses Jahr war und sie auch nach Deutschland zurück fliegt.
Als ich meine Reisetasche aus dem Gemeinschaftstageszimmer der Männer hole und wieder in die Eingangshalle komme, ist diese wieder voller Menschen. Ich erkenne Konso, Mursi und Hama an ihrer Kleidung und Haartracht. Aber etliche andere Ethnien sind auch da. Mich fröstelt es richtig, wenn ich die teilweise sehr kurzen und dünnen Trachten sehe. Addis liegt doch höher und jetzt am Abend ist die Temperatur bereits bei kaum noch 10 Grad. Da haben wir bewusst nicht die Südäthiopien-Tour gebucht und jetzt kommen die ganzen Völker hier zu uns ins Hotel !
Ein junger Hama kommt zu mir und fragt, woher wir kommen. Da er englisch spricht, können wir uns etwas unterhalten. Es gibt wohl Probleme, da das Hotel total überbucht ist. Und jetzt all die Leute hier in der Eingangshalle nicht wissen, wo sie unterkommen sollen.
Mittlerweile haben sich etliche weitere Mitglieder unserer Gruppe hier in einer Ecke der Halle versammelt und staunen auch nur. Eine Frau einer anderen Ethnie schimpft währenddessen immer wieder in unsere Richtung. Auf unseren fragenden Blick hin übersetzt ein weiterer. Sie regt sich auf, weil wir Weißen ihnen hier die Zimmer wegnehmen. Wir schütteln den Kopf und erklären, das wir nicht ankommen, sondern abreisen und hier auf unseren Bus warten der uns zum Flughafen bringt.
Wie das Problem der Überbuchung gelöst wurde, erfahren wir nicht mehr. Denn jetzt ist unser Bus da und wir brechen auf zum Flughafen. Schade, das Festival am Wochenende hätte ich gern besucht.
Am Flughafen müssen wir bereits auf dem Parkplatz unsere Ausweise und Tickets zeigen, dann dürfen wir die Auffahrt zum Flughafengebäude hoch laufen. Am Eingang folgt eine Taschenkontrolle und dann wird das Gepäck durchleuchtet und schließlich kommen die CheckIn-Schalter. Alles läuft reibungslos und zügig. Danach kommt nochmals eine Handgepäckkontrolle und der Ausreiseschalter. In der Abflughalle haben wir dann noch Zeit, um durch die Geschäfte zu schlendern.
Der Flug startet pünktlich um 23:50 Uhr und nach einer ruhigen Nacht, die wir meist schlafend verbracht haben landen wir um 6 Uhr in Frankfurt. Das Gepäck kommt auch schnell und so erwischen wir einen recht frühen ICE, der dann leider unterwegs eine deutliche Verspätung einfährt, so das wir doch erst gegen Mittag zu Hause sind.
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
3'883 Beiträge · seit 201116. Feb. 2020 ·
Sehr interessant,
wie viele Lebensszenen der Künstler in seinem Afrikabaum verewigt hat:
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Ich habe deine Rotelreise verfolgt, fand sie spannend, jedoch z. T. überladen. Doch das hast du selbst auch empfunden. Während eine Freundin mit dieser Art zu reisen, die halbe Welt erkundet hat, konnte und kann ich mich nicht damit anfreunden. Diese Schlafkabinen 😣 . Vielen Dank für deinen umfangreichen sehr lesenswerten Reisebericht. Es hat Spaß gemacht, ihn bequem vom Schreibtischstuhl aus zu verfolgen.

Lieben Gruß
freshy
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zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2020
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Buchtipps
Ich habe dieses Reisetagebuch in den Wochen nach unserer Rückkehr geschrieben. Einfach um die noch frischen Eindrücken einfließen zu lassen.
Danach habe ich mir einige von unserer Reiseleiterin empfohlene Bücher besorgt, um die von mir teils aus dem Gedächtnis, teils aus manchmal fast unleserlichen Notizen 😗 niedergeschriebenen Fakten nochmals zu überprüfen. Um Verwechselungen und falsch Verstandenes möglichst auszuschließen.
Dabei habe ich aber der Versuchung widerstanden, meine Reisenotizen um weitere Details anzureichern.
Denn ich wollte verhindern, durch zu viele Überarbeitungen die frischen Erinnerungen und Eindrücke zu verfälschen oder gar zu entfernen.
Daher blieb es meistens bei kurzen Erwähnungen einzelner Fakten.

Wenn jetzt tiefer eintauchen und mehr Details erfahren möchte, hier ein paar Buchtipps:
"Das Königreich Aksum" von Francis Breyer, erschienen 2012 beim Verlag Philipp von Zabern liefert viele Informationen zu den archäologischen Funden zum Reich Aksum und den vorherigen äthiopisch-jemenitischen Reichen.

"Sagenhaftes Äthiopien" von Klaus Dornisch, erschienen 2019 bei wbg liefert einen kompletten Gang durch die äthiopische Geschichte und Kultur von Lucy über das Neolithikum, vom Land Punt bis D`amant, von Aksum über Lalibela bis Gondar.

Und gerade habe ich auf einer Internetseite ( https://www.ethiopianorthodox.org/deutsch/books.html) noch folgendes Buch entdeckt und lese es gerade:
"Das äthiopisch-orthodoxe Christentum" von Kai Merten, erschienen 2012 beim Lit Verlag.
Das Autor ist Religionswissenschaftler am Goethe-Institut und wie er schreibt, mittlerweile selbst "familiär" mit Äthiopien verbunden.
Auf den ersten Seiten liefert er jedenfalls einen sehr gelungenen Überblick der Geschichte Äthiopien vom christlichen Lalibela bis zur Gegenwart, der deutlich zeigt, das er wirklich in intensiven Austausch mit äthiopischen Gelehrten und Würdenträgern steht.
Und da er ausdrücklich keine theologische, sondern eine religionswissenschaftliche Betrachtung des äthiopischen Christentums in seinem Buch anstrebt, verspricht auch die weitere Lektüre interessant zu werden.
Zumal der Untertitel seines Buches lautet: "Ein Versuch zu verstehen".
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2020
1'558 Beiträge · seit 201116. Feb. 2020 ·
Hallo CrocV,
ein sehr fesselnder und wirklich schöner Bericht! Vielen Dank für das Teilen eurer Erlebnisse. 🙂

Ich hätte noch ein paar Fragen zu Rotel. Vielleicht klingen sie albern oder naiv, aber ich kann mir das Schlafen mit so vielen Leute im Bus nur schwer vorstellen. Hört man das Schnarchen des Nachbarn? Kann man nachts auf die Toilette gehen? Wir oft gibt es Fotostopps/Buschpause auf den Touren? Findet man immer überall Trinkwasser zum Kaufen? Wie achtet Rotel auf die entsprechende Hygiene, z. B. bei dem Essen und der Auswahl der Restaurants?
Manche Fotos lassen erkennen, dass du durch die Scheibe des Busses fotografiert hast (z.B. überfüllte Busse mit Fußballfans) , aber andere sehen klarer aus, obwohl auch die während der Fahrt entstanden sein müssen. Gibt es ausreichend Fotomöglichkeiten oder interessiert das Rotel nicht.

Liebe Grüße
Biggi
Meine Reiseberichte
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Hallo Biggi,

zu deinen berechtigten Fragen:
Ja, man hört das Schnarchen der Nachbarn. Daher haben wir immer Ohrenstöpsel dabei.
Ja, man kann nachts auf Toilette gehen. Allerdings nicht im Fahrzeug. Das Rotel steht entweder auf Campingplätzen oder wenn wie in Äthiopien keine vorhanden sind, eben im Hof oder Garten eines Hotels. Bei Hotelstandorten werden jeweils 2-3 Dusch- und Toilettenzimmer angemietet. Frauen, Männer, Paare.
Ja, Trinkwasser findet man überall. Jeder noch so kleine Laden hatte Wasser in Plastikflaschen. Von 0,3 Leiter bis 5 Liter war immer Auswahl vorhanden.
Rotel bzw. die Reiseleiter achten schon sehr auf Hygiene beim Essen. Sie haben da einfach ihre Erfahrungswerte. So gab es bei der Übernachtung in Debre Markos kein typisch äthiopisches Abendessen, sondern Spaghetti mit Tomatensoße. Warum ? Weil dies das einzige Essen ist, welche in dem Hotel hygienisch sauber zubereitet wird. Das wusste unsere Reiseleiterin aus eigener, leidvoller Erfahrung. Rotel ist bereits seit den 1950ern als Reiseveranstalter aktiv und hat auch jahrzehntelange Afrikaerfahrung. Wobei die Abendessen in den Hotels bei dieser Reise eher eine Ausnahme waren. Bei den anderen Rotelreisen wurde abends meist vom Fahrer in der am Fahrzeug befindlichen Küche gekocht. Sie Fahrer haben dabei genaue Vorgaben, wie lange das Wasser kochen muss, damit es keimfrei ist.
Toilettenpausen gibt es alle 2 Stunden. Allerdings unterwegs natürlich nicht immer wirklich mit Toiletten. Dann heißt es je nach Bewuchs: Frauen links hinter zu den Büschen, Männer rechts nach vorn.
Etliche Fotos wurden im Vorbeifahren aus dem Fenster gemacht. Das Fahrzeug hat seitliche Schiebefenster, so das diese komplett geöffnet werden können. Nur einige Fotos wurde nach vorne durch die Windschutzscheibe gemacht.
Etliche Fotos entstanden aber auch bei Fotostopps, die auch regelmäßig eingelegt werden. Teils kombiniert mit "Buschpausen". Aber natürlich muss man hier Kompromisse machen in Sachen Fotostopps. Bei 20 Leuten kann man unmöglich immer halten, wenn einer etwas für ihn interessantes entdeckt habt. Daher eben auch Fotos aus dem fahrenden Fahrzeug mit entsprechender Qualität...

Liebe Grüße
Ralf
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2020
4'382 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Hallo CrocV,
beim Angucken der vielen Bilder, vor allem der in den diversen Kirchen, ist mir teilweise richtig schwindlig geworden. Meine Güte - was Ihr alles gesehen und auf Euch genommen habt - Respekt! Du hast einen sehr intensiven Eindruck dieses "unbekannten" Landes vermittelt - dafür habe herzlichen Dank! Mir geht es allerdings auch wie Freshy: Vom heimischen Sessel aus betrachtet war das eine phantastische Reise für die Mitleser. Auch mir wären die Strapazen einer Rotelreise zu groß, schon beim Darandenken kriege ich klaustrophobische Anfälle 😎 😎 😎
Diese drei Wochen erschienen mir beim Lesen wie Monate! Euch ging es gewiss auch so?
Viele Grüße
Friederike
https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Hallo Friederike,
es stimmt, Rotelreisen sind sehr intensiv. Was die Eindrücke und Erfahrungen angeht, aber auch aufgrund der besonderen Art des Reisens. 😉
Die drei Wochen sind mir subjektiv wirklich wie mindestens 2 Monate vorgekommen. Und ein wenig bin ich immer noch gedanklich unterwegs. Das Verarbeiten all der Eindrücke ist noch längst nicht abgeschlossen.
Und dabei sind wir wirklich nicht zum ersten Mal in Afrika unterwegs gewesen.

Viele Grüße
Ralf
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2020
Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Fazit 1: Äthiopien als Reiseziel
Nord- und Zentraläthiopien hat uns mit seinen vielfältigen, atemberaubenden Landschaften, den unterschiedlichen Menschen und ihrer kulturellen Vielfalt tief beeindruckt und einfach begeistert.

Die unterschiedlichen Landschaften sind atemberaubend schön. Und dabei sind wir ja gar nicht in der Danakil gewesen und haben die Gheralta-Berge auf unserem Weg nach Axum im Dunkeln nicht sehen können. Und auch die Semien Mountains haben wir nur gestreift. Und, und, und…..

Der Verlauf der Geschichte des Landes ist unglaublich spannend und von einer Unzahl an Kämpfen und kriegerischen Konflikten geprägt. Es gibt hier auch etliche archäologische Stätten. Wir haben bei weitem nicht alle besucht. So habe ich die sog. D`amant-Kultur (Äthio-sabäische Vorläuferkultur von Axum) gar nicht erwähnt, da wir die entsprechenden Fundstätten wie den Tempel in Yeha nicht besichtigt haben. Drei Wochen sind einfach zu kurz für ein Land wie Äthiopien !

Das äthiopische Christentum im Norden war zu allen Zeiten umringt von anderen Religionen. In einer Art Isolation hat es überdauert. Der Bibelkanon der äthiopischen Kirchen umfasst auch einige Texte wie das Buch Henoch, das 3. Buch der Makkabäer und weitere, die in anderen christliche Kirchen im Laufe der Jahrhunderte „aussortiert“ wurden. Für Reisende bietet sich hier die wohl einmalige Gelegenheit, über den „Zaun“ unserer heutigen europäischen Kirchenlehre hinweg auf ein geradezu biblisch anmutendes Christentum zu blicken.

Aber gerade auch der persönliche Kontakt zu den Menschen war tief beeindruckend. Die Menschen leben noch größtenteils vom Ertrag ihrer Felder. Die Landwirtschaft ist nicht mechanisiert, so das tagsüber überall die Menschen auf den Feldern bei der Arbeit sind.
Es war für uns eine Reise zurück in eine Zeit, die wir nur aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen: Als auch bei uns noch Pferd und Ochse die „Maschinen“ des Bauern waren. Und das Leben sich nach den kirchlichen Riten orientiert hat.
Äthiopien bietet auf dem Land genau das, was wir Touristen so sehr suchen und erleben wollen: Eine ursprüngliche, traditionell lebende Bevölkerung. Wir werden diese Eindrücke nie vergessen.

Die Menschen sind uns gegenüber nicht immer nur freundlich aufgetreten. Wir waren darauf innerlich vorbereitet. Denn es ist kein Zufall, das Äthiopien als einziges Land in Afrika NIE dauerhaft kolonisiert wurde. Die Menschen sind stolz, unbeugsam und tief mit ihrem Landstrich verwurzelt. Und dies führt wohl zu einem ausgeprägten „Territorialverhalten“. Und einige sind dabei eben der Meinung, wir hätten kein Recht, ihr Gebiet zu betreten.
ABER ! Diese Ablehnung haben wir meist nur im Vorbeifahren zu spüren bekommen.
Sobald wir zu Fuß unterwegs waren, den Menschen in die Augen geschaut und sie mit einem Salam begrüßt haben, sind wir sehr freundlich behandelt worden. Selbst wenn wir allein unterwegs waren, hatten wir nie ein Gefühl der Unsicherheit.

Da die Sicherheitslage in den einzelnen Regionen, ja manchmal sogar in einzelnen Orten sich zur Zeit schnell verändern kann, halte ich unsere Entscheidung eine geführte Reise zu unternehmen für richtig. Unsere deutsche Reiseleiterin und auch unser äthiopischer Guide waren mit Vertrauensleuten vor Ort, anderen Guide und dem Büro der Agentur in Kontakt, um die Lage aktuell einschätzen zu können. Und so haben wir ja auch die Reiseroute entsprechend spontan geändert. Ich hätte keine Bedenken, in dieser Form wieder nach Äthiopien zu Reisen.
Und das Land hat mich so tief bewegt, das ich eine weitere Reise nicht für gänzlich unwahrscheinlich halte.

Zumal wir die Kaffeezeremonien mit dem milden äthiopischen Weihrauch wirklich sehr vermissen. 🙁

Ich hoffe, mit meinem offenen und detaillierten Bericht niemanden abzuschrecken, sondern euch im Gegenteil etwas von meiner großen Begeisterung zu vermitteln.
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Themenstarter165 Beiträge · seit 201516. Feb. 2020 ·
Fazit 2: Gruppenreise mit Rotel
Wir hatten wie erhofft eine sehr gute Reiseleiterin, die uns mit Herzblut die äthiopischen Völker und ihre Kultur nahe gebracht hat und dabei auch die aktuellen Entwicklungen im Land immer wieder mit einbrachte. Und dies in einer Tiefe, die nur durch jemanden möglich ist, der das Land wirklich liebt und sich permanent damit beschäftigt. Um so besser für mich, das sie auch noch studierte Archäologin war. Mein Faible für Geschichte und Archäologie ist „vielleicht“ dem einen oder anderen beim Lesen aufgefallen ? 😗
Von daher war die Entscheidung mit Rotel zu reisen, für uns richtig. Obwohl dies natürlich einen ordentlichen Komfortverzicht bei den Übernachtungen bedeutet hat. Und uns im Lauf der Reise das eine oder andere mal neidisch auf andere, im Hotel übernachtende Reisende, blicken ließ. 😈
Die eingangs beschriebene Gemeinschaft hat sich auch bei dieser Reise gebildet.
Erfahrungsgemäß trifft man bei Rotelreisegruppen keine typischen Pauschaltouristen. Sondern meist erfahrene, vom Reisefieber infizierte Vielreisende. Die aufgrund der besonderen Nähe/Enge gerade auch im Gang vor den Kabinen die notwendige Bereitschaft zur Rücksichtnahme und Toleranz mitbringen. Und die auch bereit sind, die unausweichlichen kleineren Beschwerden und Unannehmlichkeiten einer solchen Reise ohne Jammern auf sich zu nehmen, um in entlegene Gegenden der Welt zu gelangen. Ob dies jetzt Staub, Hitze, Kälte oder eben auch mal eine eingeworfene Fensterscheibe ist. Insoweit waren auch die Mitreisenden unserer Reisegruppe alle auf der gleichen Wellenlänge. Einziger kleiner Wermutstropfen war, das unserer Meinung nach mehrere Mitreisende altersbedingt körperlich kaum noch in der Verfassung für solch eine Reise waren. Da wurde unsere Geduld in der Enge des Kabinenganges doch das eine oder andere Mal etwas auf die Probe gestellt, wenn es beim Ankleiden oder Einräumen mal wieder nur sehr langsam vorwärts ging beim Nachbarn. 😣 Aber ich weiß aus Erzählungen, das dies wohl ein Phänomen unserer alternden Gesellschaft ist, welches auch bei anderen Reiseveranstaltern anzutreffen ist. Und ehrlich: Wir sind auch „reiseinfiziert“ und werden versuchen, bis ins hohe Alter „on the Road“ zu sein ! 😎
Für Rotel unüblich wurde fast immer abends im Hotel gegessen anstelle des vom Fahrer in der Küche am Heck des Fahrzeuges zubereiteten „Rotel-Abendessens“. Dies war auch gut so. Etwas Verwöhnprogramm am Abend bei dieser doch recht intensiven Reise tat echt gut. 😁
Die oft tagelangen Fahrten waren, natürlich noch verstärkt durch die notwendigen Änderungen der ersten Woche und die blockierte Straße vor Mekele, manchmal etwas zermürbend.
Dennoch haben wir uns bewusst im Vorfeld dafür entschieden. Andere Veranstalter bieten ähnliche Rundreisen durch den Norden mit ein oder sogar zwei Inlandsflugetappen an. Wir wollten aber genau auch das Land „zwischen“ den touristischen Hochburgen sehen und erleben. Wir möchten diese Eindrücke und Erlebnisse auch keinesfalls missen.
Hier wiederum hat der Komfort des Rotel einiges erleichtert im Vergleich zu einem einheimischen Kleinbus. Das Fahrzeug hat mit 570 PS die notwendige Kraft am Berg, durch den LKW-Unterbau von Mercedes Benz die notwendige Geländegängigkeit und durch die Luftdruckfederung dabei den notwendigen Sitzkomfort für uns Fahrgäste. (Unter uns gesagt, sogar soviel Sitzkomfort, das viele Mitreisende oft dem "gefürchteten" Rotelschlaf während der Fahrt "zum Opfer" fallen. Selbst mich hat es 1-2 mal "erwischt" 😐 🤨 😄 )
Im Vorfeld einer Reise schauen wir uns immer etliche Reiseanbieter an, die unser Reiseziel im Programm haben. Je nach Reiseroute wählen wir dann den unseren Vorstellungen und Wünschen an nächsten kommenden Veranstalter aus. Und daher waren wir schon mit einigen Veranstaltern/Agenturen unterwegs. Und genießen dann zur Abwechslung gerne auch Lodge- und Hotelübernachtungen 😄 😎
In Fall Äthiopien kam die Reisebeschreibung von Rotel unseren Vorstellungen am nächsten.
Und unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.
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zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2020
Themenstarter165 Beiträge · seit 201517. Feb. 2020 ·
Hallo freshy,
ich hätte mir tatsächlich in Axum einen weiteren Tag gewünscht. Aber da ich schon seit meiner Jugend mal nach Äthiopien wollte, gab es einfach soooo viele Dinge die mich brennend interessiert haben, das ich bewusst diese Reise ausgewählt habe.
Und auch wenn wir jeweils nur kurz an den einzelnen Orten waren, verweile ich immer wieder dort. 😁
Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten.
Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. 😁

Aber ich verstehe dich gut. Auch ich würde in ein paar Jahren (wenn ich alle meine anderen Traumziele besucht habe) gerne nochmal nach Äthiopien reisen. Und dann gerne mehr Zeit an einzelnen Orten wie den Simien oder den Gheraltabergen verbringen. Wanderungen unternehmen, lokale Märkte besuchen etc..

Aber ich kenne mich eben. Bei unserer ersten Reise in Äthiopien wäre das nichts für mich gewesen. Zu Wissen, das da in der Nähe noch viel mehr ist, das mich brennend interessiert.....
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2020
5'483 Beiträge · seit 200918. Feb. 2020 ·
Hallo Ralf,

vielen Dank für diesen sehr lehrreichen Reisebericht über ein interessantes Land.

Alles Gute
Thomas
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
3'883 Beiträge · seit 201118. Feb. 2020 ·
CrocV schrieb:Hallo freshy,
ich hätte mir tatsächlich in Axum einen weiteren Tag gewünscht. Aber da ich schon seit meiner Jugend mal nach Äthiopien wollte, gab es einfach soooo viele Dinge die mich brennend interessiert haben, das ich bewusst diese Reise ausgewählt habe.
Und auch wenn wir jeweils nur kurz an den einzelnen Orten waren, verweile ich immer wieder dort. 😁
Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten.
Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. 😁

Aber ich verstehe dich gut. Auch ich würde in ein paar Jahren (wenn ich alle meine anderen Traumziele besucht habe) gerne nochmal nach Äthiopien reisen. Und dann gerne mehr Zeit an einzelnen Orten wie den Simien oder den Gheraltabergen verbringen. Wanderungen unternehmen, lokale Märkte besuchen etc..

Aber ich kenne mich eben. Bei unserer ersten Reise in Äthiopien wäre das nichts für mich gewesen. Zu Wissen, das da in der Nähe noch viel mehr ist, das mich brennend interessiert.....
Hi Ralf,
meinst du WIRKLICH meinen Post? Egal, ich antworte maL auf diesen Abschnitt, in dem ich mich ein bisschen selbst sehe: "Erst beim Schreiben des Reisetagebuchs, dann beim Lesen mehrerer Bücher zur Vertiefung des dort Gesehenen und Gehörten. Und jetzt Reisen wir bald wieder an all die von uns besuchten Orte: Wenn wir endlich mal die vielen Bilder aussortieren, um unser Reisefotoalbum zu machen. "
Ich fühle mit dir, denn so sind auch meine Nachbereitungen unserer Reisen. Das Tagebuch ist überarbeitet, zusätzliche Infos habe ich eingeholt, sogar das zweiteilige Fotobuch mit höchstens 20% der Fotos liegt vor:) . Nun habe ich genügend Material gesammelt, um zu unserer Veranstaltung über die Sambiareise die Moderation zusammenzustellen. Ich bin also immer noch "in" Sambia zugange, obwohl es durchaus nicht die schönste unserer Reisen war, aber die erlebnisreichste.

Nu denn plan' mal schön deine nächste Reise, ich hoffe auf einen weiteren Bericht 😉 .

Beste Grüße
freshy
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zuletzt bearbeitet 18. Feb. 2020
573 Beiträge · seit 201418. Feb. 2020 ·
Hallo Ralf,
auch von mir ein herzliches Dankeschön für diesen überaus interessanten Bericht und die viele Arbeit, die Du Dir gemacht hast!

Herzliche Grüße

Martina
2020: Februar/März Kuba und mehr https://martinasreisen.blog/ 2019 Mai/Juni: Botswana - Caprivi - Vic Falls hier im Forum https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/297741-slow-motion-runde-um-s-okavango-delta.html 2018 Sizilien, Äolische Inseln, La Reunion und mehr: https://martinasreisen.blog/ 2018 Ost-Sizilien und Liparische Inseln Reisebericht: https://www.umdiewelt.de/mTravelogue.php?t=9215&m=p 2017 Island - Spitzbergen - Nordkap - Norwegen Reisebericht: http://www.umdiewelt.de/Europa/Nordeuropa-oder-Skandinavien/Island/Reisebericht-9019/Kapitel-0.html 2016 Vietnam Reisebericht: https://www.vivien-und-erhard.de/forum/index.php?thread/9522-knapp-3-wochen-vietnam-von-s%C3%BCd-nach-nord-reisebericht/&pageNo=1 2015 Namibia Reisebericht: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/286330-namibia-die-erste-mai-2015-ein-traum.html
Themenstarter165 Beiträge · seit 201501. Mai 2020 ·
Wer an weiteren Informationen über die aktuelle politische, wirtschaftliche und kulturelle Lage in Äthiopien interessiert ist, der sollte mal die Newsletter des deutsch-äthiopischen Vereins anschauen:

https://deutsch-aethiopischer-verein.de/aethiopien-nachrichten.html
Jaguar-Safari 2016: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11943-reisebericht-pantanal-2016-durch-die-serengeti-s%C3%BCdamerikas/ Nordperu 2017: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11861-reisebericht-nordperu-2017-auf-den-spuren-alter-kulturen/&pageNo=1 Mexiko 2022: https://www.unsernordamerika.de/suite53/forum/index.php?thread/11564-reisebericht-mexiko-2022-auf-den-spuren-alter-kulturen/ Äthiopien 2019: www.namibia-forum.ch/forum/168-diverses/298975-reisebericht-drei-wochen-aethiopien-mit-dem-rotel.html Indien Tigersafari 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/296690-reisebericht-tigersafari-indien-mai-2018.html Uganda 2015: https://www.namibia-forum.ch/forum/160-diverses/287855-uganda-ruanda-nicht-nur-primaten.html?limitstart=0
6'383 Beiträge · seit 201102. Mai 2020 ·
Hoi Ralf

Nachdem ich im Februar irgendwie den Anschluss verpasst habe bin ich soeben nachgehechelt...
Danke für den wirklich sehr interessanten Reisebericht und die vielen Infos zu Aethiopien!
Ich weiss wie viel Arbeit so ein Reisebericht macht, darum hier noch ein weiteres 'Danke' 😉
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)