Tag 19
Die Nacht war ruhig, wir krabbeln die Leiter herunter, erstmal Kaffee machen.
Auf der Straße, die offensichtlich wie eine Fußgängerzone genutzt wird, findet der kleine Dorfverkehr statt, Fußgänger, Radfahrer, neugieriges Gegibbel...


Heute wird es noch ein heftiger Fahrtag, wir sind nicht sicher, ob wir es direkt bis zum South Luangwa NP schaffen werden. Wir packen schnell zusammen, besser noch ein längeres Frühstück irgendwo unterwegs.
Die Wolken wissen auch noch nicht, was sie heute mal machen werden. Vielleicht wieder etwas schiefergrau oder doch besser hellblau mit Schäfchenwolken? Alles ist drin in dieser Waschküchen-Wolkendecke...aber ordentlich feuchtwarm ist es bereits...
Wir starten mit halbvollem Magen und erreichen die Luangwa Bridge am Checkpoint. Es wird immer heißer, 2 Militärs in grüner Tarnkleidung bewegen sich so wenig wie möglich.
Ein dünner, kleiner Mann kommt langsam auf uns zu, fragt die üblichen Dinge wie: 'woher, wohin', seine Augen wandern über uns und den sichtbaren Fahrzeuginhalt hinweg. Sein Kumpel hätte wohl aufgrund seiner Körpermasse auch bei kühleren Temperaturen ein Problem, sich zur Bewegung zu motivieren. 😉
Dann kommt die überraschende Frage: habt ihr Wasser? Können wir Wasser haben?
Klar haben wir Wasser...Manni steigt aus, öffnet hinten den Landy und wühlt eine leere 1,5 l Wasserflasche heraus. Irgendwie werfen wir die nur ungern weg, es gibt so viele Gelegenheiten, sie noch zu nutzen, wie z.B. diese... 🙂
Wir füllen aus unseren 5 l Kanistern eine volle Flasche ab und überreichen sie einem glücklichen Militärposten, die beiden hatten wirklich Durst und haben sich so was von gefreut.....ein 'merry Christmas' kommt noch obendrauf ( klar, heute ist ja der 24. Dezember und wir haben unsere gute Tat für heute hinter uns.... 🙂 ).
Nun dürfen wir über die Brücke und werden noch mit heftigem Winken verabschiedet.
Die Strecke bis kurz vor Petauke verläuft weiter in großzügigen Kurven auf einer neuen Asphaltdecke, nur unregelmäßig unterbrochen durch sporadische Wanderbaustellen mit orangefarbenen Hütchen am Rand oder in der Mitte der Straße. Was genau hier noch herumgebaut wird, erschließt sich uns nicht, blöd sind nur die damit verbundenen Geschwindigkeitsbeschränkungen.
Aber die Landschaft hat verdammt viel Gegend und fasziniert uns sehr.

Sobald auch nur kleine Ortschaften auftauchen, sitzen meistens Kinder am Straßenrand und bieten Mangos und Tomaten an, je größer das Dorf, um so größer die Menge an Früchten.
Ein schönes Bild, aber auch sehr einseitig, ich fürchte, so einseitig wird auch die Ernährung der Bevölkerung sein. Viele Kinder schieben sich beim Anbieten der Ware selbst eine Mango in die Backen....was nicht verkauft wird, darf nicht vergammeln...
Ziemlich exakt in Petauke ist die 'Autobahn' zu Ende, erst staubt es nur, dann kommt die Baustelle mit Schottersteinen unter Asphalt mitten im Ort. Wir wollen tanken, haben immer noch die Dieselknappheit im Kopf, aber die Tanke ist auf der anderen Seite der Schotterdecke, wie kommen wir dahin?
Links, rechts, links, da ist eine schmale Durchfahrt und schon stehen wir an der Zapfsäule. Unsere immer vorab gestellte Frage: "You have diesel?" wird mit heftigem Kopfnicken bejaht, also voll, bitte.
Ab Petauke zieht sich die Baustelle weit in Richtung Katete, die Umleitung läuft über Sandpiste rechtsseitig der geplanten Straße, leider mit Gegenverkehr. Diese Passage ist sicher nicht länger als vielleicht 40 km, aber mit LKW´s vor einem, die sich über die Buckelpiste im Schneckentempo fortbewegen, dauert es gefühlte Stunden, bis wir wieder eine normale Straße erreichen. Zwischenzeitlich haben wir vor lauter Staub das vorausfahrende Fahrzeug kaum noch gesehen. Die armen Radfahrer und Fußgänger, im Staub kaum zu erkennen.... 🙁
Ein Gutes hat es, wir freuen uns sogar über die alte Straße, die wir weiter bis Chipata fahren 'dürfen'. Alles besser als diese Riesenbaustelle.
Wir kommen wieder ganz gut voran, aber die Landschaft wird eintöniger und der Verkehr nimmt spürbar zu.
Übrigens, keine Angst, dass ich gerade mal nichts übers Wetter geschrieben habe, es bleibt weiterhin unser großes Thema... 😎
Wir fahren immer wieder auf riesig-schwarze Wolkenfronten zu, stellen unsere ganze Idee wieder und wieder in Frage, aber spätestens wenn die ersten Tropfen auf unserer Scheibe auftauchen, biegt die Straße in einer rechtwinkeligen Kurve genau in die Richtung mit den blauen Himmelsfetzen. In der Ferne umzucken uns Blitze vom Feinsten, aber wir schaffen es, ohne Regen Chipata zu erreichen...
Wir haben den 24. Dezember und ihr könnt euch nicht vorstellen, was hier in Chipata los ist. Kein Weihnachtseinkauf an Heiligabend in der Heimat kann mit diesem Chaos hier mithalten...
Mitten in Chipata ist an keinem der großen Supermärkte noch ein Parkplatz zu bekommen, überall stehen kreuz und quer Fahrzeuge herum und Menschenmassen knubbeln sich vor den Eingängen. DAMIT habe ich wirklich nicht gerechnet... 😉
Es hilft nichts, wir brauchen Grundnahrungsmittel, Wasser, Brot, Fleisch und Alkohol.... 🙂 Mit frischen Sachen haben wir uns glücklicherweise schon an der Straße eingedeckt.

Manni geht einkaufen, ich bleibe im Landy am Straßenrand, denn regulär parken geht gerade nicht. Ich überlege inzwischen, wie wir weiter vorgehen. Es ist Nachmittag, wollen wir noch bis Mfuwe fahren? Eigentlich reicht es uns mit der Fahrerei, es ist doch ein ordentliches Stück Weg in diese Region.
Der Einkauf ist überraschend schnell erledigt, Manni hat an der Supermarktkasse fast wie immer nette Gespräche gehabt über die Ähnlichkeit der Einkaufsgewohnheiten Deutschland und Sambia zu Weihnachten....der Mensch ist eben fast überall auf der Welt ähnlich 'gestrickt'... 😎
Nööö, wir fahren nicht mehr weiter heute, wir bleiben in Chipata, es soll ein gemütlicher 24. Dezember werden. Mama Rula´s B&B soll es werden, es liegt am Ortsausgang Richtung Mfuwe, dass sollte morgen früh ein guter Startpunkt sein.
Was soll ich sagen, wir kommen dort an, checken ein, der Platz ist menschenleer und ein Gewitter zieht auf.
Eine merkwürdige Familie mit einem Pick-up voller Kinder lädt diese am pool ab und verschwindet wieder, obwohl das Gewitter schon klar zu erkennen ist.
30 Minuten später werden die pitschnassen Kinder im strömenden Regen wieder abgeholt, was das werden sollte....?... 🙄
Kaum stehen wir unter den Bäumen, geht es los und schüttet wieder mal wie unter einer Großdusche. Unser Begrüßungsdrink findet unter dem Dach des langgezogenen Waschhaus-Komplexes statt, eigentlich ganz gemütlich dieser heilige Abend...neben den Spülbecken.... 😎
Aber kochen bzw. grillen können wir vergessen, dass wird heute nichts mehr, zumal es auch langsam dämmert.
Wir entschließen uns zu einer schnellen Mahlzeit in der Bar/Restaurant-Wellblechdachhütte nebenan. Ist eigentlich ganz lecker, aber etwas wenig für´s Geld. Man ist offensichtlich auf Backpacker-Kundschaft eingerichtet, die Hinweisschilder wie 'keinen Alkohol mitbringen, keine Nahrungsmittel mitbringen, nur Barzahlung' sprechen Bände.
Endlich stoppt der Regen, wir bauen das Zelt auf, schnelle Abendkosmetik und ab geht´s in die Heia. Morgen am 1. Weihnachtstag werden wir den South Luangwa erreichen....es ist nicht mehr weit... 😄