Tag 15
Am nächsten Morgen bereuen wir unsere Entscheidung vom Vortag nicht, auch wenn der Himmel versucht uns zu versöhnen....es regnet nicht mehr, aber vertrauenerweckend geht anders.
Nach einem guten Frühstück im offenen, fast leeren Restaurant lassen wir uns alle Zeit der Welt mit dem Packen des Fahrzeugs. Es ist nicht weit bis Chirundu, von wo die Piste Richtung Lower Zambesi NP startet.
Misstrauisch den Himmel beobachtend rollen wir entlang der sehr guten Straße raus aus Lusaka. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Ort Kafue, ein trubeliges Örtchen, wir haben das Gefühl, auf der Hauptstraße quer durch einen riesigen Markt zu fahren. Es ist Sonntag, aber jeder ist beschäftigt und rennt in Arbeitskleidung herum.
Mitten im Ort kreuzen wir den unbeschrankten Bahnübergang, ehrlich gesagt schauen wir kaum noch nach einem Zug, es kam bisher eh´ keiner..
Südlich des Ortes überqueren wir mal wieder den Kafue, dieser Fluss zieht sich bisher wie ein roter Faden durch unsere Reise. Auch in diesem Bereich fühlen sich Flusspferde sichtlich wohl.
Nachdem wir den Abzweig rechts nach Livingstone passiert haben, werden wir neugierig auf die vor uns liegende Strecke, es soll extrem steil in das Tal des Sambesi hinabgehen.
Bald passieren wir riesige Schilder und einen Abzweig auf der linken Seite, aus dem Augenwinkel lese ich etwas von Kafue Gorge Power Station, meine Antennen schnellen hoch, whow, kann man dorthin fahren?
Wir drehen und lesen genauer, auf imposanten Schildern ist auch von einem Hotel die Rede ( das Schild ist
allerdings verwittert ), Kafue Gorge und Power Station + Dam hört sich spannend an! Nirgendwo steht etwas von 'no entry' oder so, diese Schilder sind auch relativ neu.
Lt. Hupe verliert der Kafue auf seinem Weg in den Sambesi über 500 Höhenmeter in der Kafueschlucht, dass muss ein imposanter Anblick sein.
Wir ergreifen spontan die Gelegenheit, so ein Spektakel zu besichtigen und biegen in die sehr neue Straße ein. Ca. 10 km weit kommen wir, dann stehen wir vor einem gate mit einer grün uniformierten Person, sehr freundlich, aber bestimmt.
Leider dürfen wir nicht weiterfahren, wahrscheinlich gibt es ( wie so häufig an 'Power Stations' auch in anderen Teilen der Welt ) die Befürchtung, wir könnten etwas wegfotografieren... 😎
Sehr, sehr schade...
Auf dem Rückweg zur main road genießen wir die herrlichen Ausblicke auf die Ebene mit dem Kafue River.



Immer häufiger tauchen inzwischen die Angebote von Holzkohle am Straßenrand auf ( und die Pakete werden immer größer ). Egal, wo wir zu einem kurzen Stop anhalten, irgendjemand kommt angelaufen in der Hoffnung, uns entweder Früchte oder Holzkohle verkaufen zu können....
Das enorme Gefälle über das Zambezi-Escarpment in das Tal des Sambesi beginnt, die Hinweisschilder für die Trucks werden häufiger: "use low gear" und wir verstehen das Gefahrenpotential dieser Strecke recht schnell.


Hinauf schleichen die Trucks im Schritttempo oder langsamer, heftiges Verschalten erleben wir häufig...bis hin zum Stillstand... 🙁
Hinunter werden wir von eiligen Bussen überholt ( bin ich froh, in unserem Landy zu sitzen.. 🙂 )
LKW´s mit riesigen Rohren beladen quälen sich möglichst langsam hinunter, wehe wenn man hier zu schnell wird, das bekommt niemand mehr abgefangen, schon gar nicht mit maroden Fahrzeugen....
Die Strecke erlaubt herrliche Ausblicke, aber auch so gut wie keine Leitplanke, die nicht zerschreddert wurde. Hier hat es offensichtlich schon viele zerlegt, die Fahrbahnränder sind übersät mit Schrottresten und zu einem großen Teil fehlen die Leitplanken komplett.


In einer unübersichtlichen Kurve liegen auf der Gegenfahrbahn die Überreste einer Ladung, Säcke mit irgendeinem Korn, könnte Mais sein....hier hat man sich auch schon bedient...
Die Holzkohleangebote werden inzwischen riesig, wir sehen, dass sich LKW-Fahrer säckeweise eindecken....ist die Holzkohle in Sambia massiv preiswerter als in Zimbabwe? Keine Ahnung, scheint uns aber die einzig logische Erklärung zu sein....

Am Abzweig zum Lake Kariba gibt es eine Polizeikontrolle, aber man interessiert sich nur für LKW´s. Die Kontrollen scheinen in beiden Richtungen wirklich auf den Zustand der Trucks hinzuzielen.
Mit jedem km wird das Wetter besser, der Himmel ist inzwischen strahlendblau, die Sonne nicht zu bremsen und die Temperaturen nehmen zu....HURRA....
Kaum unten in dem auf 400 m Höhe gelegenen Chirundu angekommen stehen wir auch schon an der Grenze zu Zimbabwe, an der Abfahrt zum Lower Zambezi sind wir vorbeigerollt.
Wir stoppen, um zu drehen, sofort rennen die Jungs zahlreich auf unser Fahrzeug zu: "change money"....nein, noch wollen wir nicht nach Zimbabwe....sie sind nicht allzu hartnäckig. 🙂
Der Abzweig liegt in Sichtweite, wir haben ihn nicht bemerkt, da er eher aussieht wie eine 'olle' Rumpelpiste. 😠
Inzwischen haben wir uns für die erste Nacht eine Unterkunft ausgeguckt. Wir haben ja noch immer unsere nasse Matratze auf dem Dach und wollen möglichst lange und sicher die trocknende Sonne nutzen, wer weiß, wie lange die noch scheint....
Wir entscheiden uns für die Gwabi River Lodge, sie liegt direkt am Kafue River und scheint alles zu haben, was wir zum Ordnen unserer Campingklamotten so brauchen.
Die kurze Zufahrt ist schnell bewältigt, das camp macht einen guten Eindruck und die Formalitäten unkompliziert erledigt. Wir wissen noch nicht, ob wir noch eine zweite Nacht bleiben, momentan macht uns die Idylle und Wärme euphorisch. 😉
Der Platz ist relativ gut gefüllt mit überwiegend Südafrikanern, aber auch sambische Kennzeichen sehen wir. Da man sein Motorboot hier offensichtlich dauerhaft lagern kann, ist es wohl ein begehrter Ort für Kurzurlauber aus der Region.
Es gibt nur einen sonnigen Platz und wir stellen uns direkt dorthin, packen unsere feuchten Sachen aus und hoffen, dass alles schnell trocknet. Im Handumdrehen sieht es um´s Fahrzeug herum aus wie bei 'Hempels', wahrscheinlich hält man uns für seltsam, da wir so intensiv die Sonne suchen ( und es ist verdammt heiß hier... ).


Ein Tisch mit Bänken gehört uns auch, das alles direkt am Ufer des Kafue und herrliches Wetter!!! Während der Trocknungsphase schlemmen wir in unseren Vorräten und sind rundum zufrieden. 🙂
Die Aussicht auf den Fluss und die Landschaft dahinter ist toll. Direkt gegenüber des Camps liegt ein kleines Dorf, das Fährboot pendelt zwischen dem Camp und dem gegenüberliegenden Ufer. Wir sitzen einfach da und beobachten die Szenerie....






Auf dem Platz herrscht exzellente Stimmung, auf einigen sites gibt es was zu feiern, wenn auch "nur" den Urlaub ( und sich selbst 🙂 ).
Irgendwann ist alles getrocknet, wir rollen in den Schatten und bauen das Zelt incl. Inventar auf.
Der Tag geht zu Ende, die Wolkenformationen nördlich des Kafue türmen sich zu spektakulären Amboßwolken auf. Aus der Ferne betrachtet liebe ich diese Wolkenszenarien in der untergehenden Sonne....einfach grandios.... allerdings geht mir natürlich nicht der South Luangwa aus dem Kopf....aufgeben gibt´s nicht....doch die Wolkenmassen sind leider ziemlich genau in nordöstlicher Richtung auszumachen....die Hoffnung stirbt zuletzt... 😎
Wir beobachten das gegenüberliegende Dorf bei seinen abendlichen Aktivitäten, ich fotografiere so lange, wie das Licht es hergibt...
In der Dunkelheit gehen wir noch einmal auf die Aussichtsterrasse des Hauptgebäudes mit der herrlichen nächtlichen Sicht über den Fluss.....hier gönnen wir uns noch eine Flasche Wein unter dem endlich wieder sichtbaren Sternenhimmel. Ganz in der Ferne zucken Blitze....so hab ich´s gern. 🙂

Irgendwann gehen wir schlafen, der Gang zum kleinen, naheliegenden Waschhaus wird noch einmal spannend, vor allem für Manni.
Bei den Männern hat es sich direkt außen im Türwinkel eine kleine Schlange gemütlich gemacht. Im Licht der Taschenlampe fühlt sie sich sichtlich unwohl, zu Recht.


Das Personal taucht auf, klar was passiert, Schlange wird getötet. 🙁
Auf die Frage, was es ist, kommt die Antwort: "Cobra"
Keine Ahnung, ob es stimmt, man sagte uns, dass die Einheimischen meistens 'Cobra' sagen, egal ob´s eine ist oder nicht...
und hier noch einige Impressionen des Tages...







