TopobärThemenstarter5'480 Beiträge · seit 200930. Dez. 2013 · #221
20.Tag (Mittwoch 09.10.2013) Savuti – Khwai 149km
Nachts werden wir wach, da es mächtig im Wasser planscht. Im Licht der Taschenlampe sehen wir eine große Büffelherde den Channel durchqueren.
Wir sind dann auch bei den ersten Anzeichen der Dämmerung aufgestanden und haben uns diesmal mit dem Frühstück sehr beeilt.
So können wir unseren morgendlichen Gamedrive sehr früh beginnen. Vorbei an einem riesigen Baobab fahren wir direkt in die östliche Savuti-Marsch.
Die Löwen sind alle noch an Ort und Stelle. Hier hat sich seit gestern nicht viel getan. Der Elefant wird sicher noch für etliche Tage die Ernährung des Rudels sicherstellen. Ich frage mich, wann die Ranger kommen, um die Stoßzähne zu bergen.
Nur ein paar Kilometer weiter südlich entdecken wir ein Rudel Wildhunde unter einem Busch, was leider nicht sehr fotogen ist. Auch ansonsten sind sie nicht sehr kooperativ, denn sie sind genauso verpennt wie die Löwen vorhin. Da bewegt sich keiner. Die Welpen sind dafür aber wirklich sehr niedlich, wie sie so aneinander gekuschelt schlafen.
Unser Plan ist es, die Marsch weiter im Süden zu queren, um dann auf die Marsch-Road zu gelangen, die uns in Richtung Moremi bringen soll. Das wird leider nix, da sich das Wasser des Channels hier weitläufig in der Ebene verteilt und ein ausgedehntes Sumpfgebiet geschaffen hat.
Aufgrund unserer Schlamm-Erfahrungen in Tansania habe ich frühzeitig aufgegeben und wir sind umgekehrt. Eine Gruppe Deutscher hat es versucht und steckt jetzt mit beiden Fahrzeugen fest. Ich taste mich so nah wie möglich an die Gruppe ran und dann kommt unsere Winde endlich mal zum Einsatz. Wenn wir sie schon selbst nicht brauchen, können wir damit zumindest eine gute Tat vollbringen.
Die Einladung zum abendlichen Braai, als Dank für die Rettung, müssen wir leider ausschlagen, denn die Gruppe bleibt in Savuti, während es uns in Richtung Moremi zieht.
Wir fahren wieder Richtung Norden, um dort eine Möglichkeit zu finden, die Marsch zu überqueren. Diese Gelegenheit bietet sich in Form einiger Furten, die ich vorher aber vorsichtshalber zu Fuß erkunde.
Die Strecke bis Khwai ist dann echt nervig. Ausgedörrte Landschaften, Bulldust und Potholes ohne Ende. Nur selten bietet sich mal ein schöner Blick in die Landschaft.
Kurz vor Khwai dann noch eine Furt, die aber locker zu fahren ist, wenn man die richtige Linie wählt. Es zahlt sich immer aus, wenn man mal schaut, welchen Weg die Einheimischen wählen. In diesem Fall einen weiten Linksbogen. Ein Südafrikaner entscheidet sich für die direkte Linie – sein Prado ist anschließend ganz ordentlich am stottern.
Der alte Knüppeldamm über den Khwai River ist durch eine solide Holzbrücke ersetzt worden.
Von der Brücke können wir schon unseren direkt am Flussufer liegenden Stellplatz auf der Khwai Campsite sehen. Er befindet sich bei dem großen gegabelten Baum, vor dem die dicken Äste auf dem Boden liegen.
Es handelt sich um Stellplatz Nr. 3 und der große Baum ist eine Sikamora-Feige. Die Lage ist ein Traum. Wieder haben wir das große Los mit unserer Campsite gezogen. Wir richten uns erst einmal häuslich ein. Während die Mädels duschen gehen, setze ich mich vor das Auto, lese und beobachte die Affen, wie sie auf der benachbarten Campsite einen Sonnenschutz-Pavillon als Turngerät entdecken und auseinandernehmen. Sie springen immer wieder aus den Bäumen auf das Dach des Pavillons, bis dieser unter der ständigen Belastung zusammenbricht. Auf unserer Campsite herrschte sofort ruhe, nachdem ich die Zwille gut sichtbar auf den Tisch gelegt habe.
Plötzlich kracht es direkt hinter mir im Geäst meines Schattenbaums. Ich drehe mich um und kann es nicht fassen. Direkt hinter mir steht ein Elefant und reckt sich, um an die untersten Äste des Baums zu gelangen. Unglaublich, wie gut sich diese Riesenviecher anschleichen können. Ich sehe erst einmal zu, dass ich mich auf die andere Seite des Wagens verdrücke und achte auch die nächste halbe Stunde darauf, dass sich der Wagen immer zwischen mir und dem grauen Riesen befindet. Die Mädels beobachten das Schauspiel von den Duschen aus, die Campsite ist für sie nicht zu erreichen.
Der abendliche Gamedrive führt uns in Richtung Osten entlang des Khwai. Wir sehen viele Tiere, aber nichts spektakuläres, wovon ich hier groß berichten könnte. Halt die üblichen Verdächtigen.
Als sich die Sonne dem Horizont nähert, kehren wir zurück zu unserer Campsite.
Den Sundowner genießen wir dann auf unserer Campsite. Direkt am Fluss sitzend beobachten wir zwei Elefanten beim Grasen am Ufer. Dazu noch Hippos, die an Land kommen, um zu fressen.
Zum Abendessen grille ich Warthog und dazu gibt es Gemüsereis. Es erfüllt mich mit ziemlichen Stolz, als die Mädels meinen, mein gegrilltes Warzenschwein wäre erheblich besser und saftiger, als das auf der Chobe Safari Lodge.
Ganz in der Nähe muss eine Fischeule in einem Baum sitzen. Wir können sie zwar nicht entdecken, hören aber ihre sehr charakteristischen Rufe.
Nach dem Essen schauen noch zwei Elefanten auf der Campsite vorbei. Zwischenzeitlich müssen wir ins Zelt flüchten, da sie auf beiden Seiten des Autos stehen und wir dadurch nicht mehr den Wagen zwischen uns und den Riesen haben.
Den Rest des Abends dann das Standardprogramm: Lagerfeuer, Tagebuch und GinTonic. Dazu der der Sound einer afrikanischen Nacht. Irgendwie schaffe ich Depp es noch, mir am Lagerfeuer kräftig die Finger zu verbrennen.
Guggu2'262 Beiträge · seit 201130. Dez. 2013 · #222
Hallo Topobär,
ich bin wieder mit von der Partie! 🙂 🙂 Ich bedanke mich ganz herzlich für diesen tollen RB, der mich teilweise auf vertrautem Terrain führt, aber auch in für mich unerreichbare Gefilde. TOLL 😄 😛 🤪
Der abendliche Gamedrive führt uns in Richtung Osten entlang des Khwai. Wir sehen viele Tiere, aber nichts spektakuläres, wovon ich hier groß berichten könnte. Halt die üblichen Verdächtigen.
Hallo Topobär,
vielen Dank für die Fortsetzung. Da musste ich mich doch einmal anmelden, um mich kurz für die idyllischen Fotos zu bedanken.
Und das obige ist der Hammer. Ich weiß nicht, ob ich mich getraut hätte, dass Foto zu machen, obwohl er noch recht entspannt und mit dem Ast beschäftigt scheint. Aber ganz viel Auto war da nicht mehr zwischen Euch. 😕
Mabe1'068 Beiträge · seit 201330. Dez. 2013 · #225
Hallo topobär, Sag mal, wo hattest du denn das warthog her? Wir hatten ja schon Schwierigkeiten überhaupt vernünftiges Grillgut zu bekommen. Von solchen Exoten ganz zu schweigen.. Gruss Mabe
TopobärThemenstarter5'480 Beiträge · seit 200930. Dez. 2013 · #226
@Nicole: Der Elefant machte in der Tat einen sehr entspannten Eindruck und der Ast muss auch ausgesprochen lecker gewesen sein. Jedenfalls hat er ihn in aller Ruhe restlos verputzt.
@Mabe: Der Spar in Kasane hatte eine super Auswahl an gutem Fleisch. Unter anderem auch Warthog. Die laufen ja auch überall in der Stadt rum. 😎 😗
take off1'674 Beiträge · seit 201230. Dez. 2013 · #227
Hallo Topobär,
ich kann mich Nicole (AfricaDirekt) nur anschließen. Tolles Foto. 😄 Allerdings weiß ich nicht, ob ich so ruhig noch ein Foto geschossen hätte. Und was heißt, wir mussten uns ins Dachzelt verziehen, da die Elefanten rechts und links vom Wagen standen? Ist man denn darin sicher? 🤩 Ich sammle schon mal Tipps und Erfahrungen von euch für eine unserer nächsten Reisen.
Champagner8'702 Beiträge · seit 201030. Dez. 2013 · #228
Aaaach, Topobär, was für schöne Fotos aus meiner Lieblingsecke 🙂 Leichte Wehmut mischt sich mit viel Vorfreude - vielen Dank für das freudige Kribbeln zum Jahresende !!
mamba29835 Beiträge · seit 200630. Dez. 2013 · #229
Hallo Topobär,
auch von mir herzlichen Dank für den tollen Bericht und die traumhaften Fotos. Wenn ich mir das so anschaue, muss ich irgendwann doch mal meine Furcht vor Sandpassagen, Wasserdurchfahrten und Campingnächten überwinden.. 😉
Du hast ja mittlerweile den "Riecher" dass Du die Savute-Marsh im Süden nicht überquert hast,
Steckenbleiben ist zwar " part of the game" , aber es ist allemal eleganter, ohne durchzukommen....
🙂 🙂 🙂 🙂 BMW
TopobärThemenstarter5'480 Beiträge · seit 200902. Jan. 2014 · #232
@Dagmar & Nane: Einen physischen Schutz bietet natürlich das Dachzelt, wie auch das Auto selbst, nicht. Wenn man sich aber ins Innere verkrümelt, wird man von den Tieren nicht mehr als Individuum wahrgenommen. Die sehen nur das Fahrzeug als Ganzes. Das Fahrzeug ist als Teil der Umwelt akzeptiert, da sich der Elefant ihm ja aus eigenem Antrieb genähert hat. Insofern ist von einer aggressiven Reaktion gegenüber dem Fahrzeug nicht auszugehen. Wenn zwei Elefanten auf der Campsite sind, hat man keine Möglichkeit mehr, immer ein Hindernis zwischen sich und den Tieren zu haben. Da ist man ruckzuck "umzingelt". Da kann man nicht mehr beide im Auge behalten und deshalb ziehe ich mich versichtshalber ins Auto, bzw. Dachzelt zurück.
Nach dem spannenden Abend war die Nacht völlig unspektakulär. Wir sind wieder sehr früh aufgestanden und ohne Frühstück gleich zum morgendlichen Gamedrive aufgebrochen. Diesmal ging es entlang des Khwai River nach Westen. Das Licht war ein Traum.
Wir sahen sehr viele Lechwes. Die meisten liegen im Gras und lassen es sich gut gehen. Ich kenne keine andere Antilopenart, die man so häufig liegen sieht.
Auch Zebras sehen wir wieder. Die hatten wir längere Zeit nicht mehr gesehen.
Am Hide des Dombo Hippopools machen wir Frühstückspause. Was für ein schöner Ort. Wir sind die ganze Zeit allein und können beim Essen die Schönheit der Natur genießen.
Blöderweise schaffe ich es, mir am Gaskocher die Finger der anderen Hand zu verbrennen.
Ein kleines Stück können wir dem Khwai noch weiter folgen. Wir treffen noch einen neugierigen Schakal.
Dann geht es auf die Strecke nach Xakanaxa. Die Strecke ist eintönig. Es geht durch Mopanebusch. Tiere sind nicht zu sehen. Einzige Abwechslung ist eine Furt, die es zu durchqueren gilt. Kurz vor Xakanaxa machen wir noch einen Abstecher zu den Paradiese Pools, aber auch dort ist tote Hose.
Gegen Mittag kommen wir auf der Xakanaxa Campsite an. Hier liegen die einzelnen Stellplätze näher beieinander als auf den letzten Campsites.
Wir machen ausgiebig Siesta im Schatten der Bäume. Dabei ergibt es sich immer wieder, auch auf die kleinen Tiere einzugehen und sie zu beobachten. Bei den Gamedrives kommen sie oftmals zu kurz.
Schon früh sehen wir einen Elefanten entlang des Schilfsaums auf uns zukommen. Diesmal werden wir nicht überrascht. Als er unseren Stellplatz erreicht, verlassen wir vorsichtshalber unsere Stühle und postieren uns so, dass unser Auto sich immer zwischen uns und dem Elefanten befindet. Plötzlich knackt es hinter uns. Nur wenige Meter hinter uns steht ein zweiter Elefant, ein gewaltig großer Bulle. Verdammt, da haben sie es wieder geschafft, sich heimlich anzuschleichen und uns zu überraschen. Wir müssen uns ins Wageninnere zurück ziehen. Kein Vergnügen bei den hohen Temperaturen.
Bald darauf schaut ein Elefant durchs rechte Fenster und der andere durchs linke. Beide stehen nur einen Meter neben dem Auto. Sehr spannend. Wir werden inzwischen im Auto gekocht. Kurz bevor wir gar sind, haben die beiden Erbarmen mit uns und beschließen unsere Nachbarn auf dem nächsten Stellplatz zu besuchen. Dort machen sie dann ausgiebig für mehrere Stunden Mittagsschlaf, was dem älteren Paar einen heißen Nachmittag im Camper einbrockt.
Nachmittags machen wir uns auf den Weg nach Dead Tree Island. Die Insel ist nicht einfach zu erreichen. Die Furt ist die Anspruchste der ganzen Reise. Erst nach ausgiebigem Erkunden finde ich überhaupt eine machbare Linie. Dead Tree Island ist wirklich bizarr und lohnt allein schon der Landschaft wegen einen Besuch. Auf Fotos kommt das nur schlecht rüber, aber soweit man schaut, überall Baumskelette.
Tiere sehen wir dagegen so gut wie gar keine.
Wir verlassen die Insel über die gleiche Furt, wie beim Hinweg. Da wissen wir wenigstens, was uns erwartet. Der Rückweg von hier aus gestaltet sich dann aber als komplizierter, als erwartet. Immer wieder stehen wir vor Schlammlöchern oder Furten, die sich nach Erkundung als zu riskant herausstellen und uns zur Umkehr zwingen. Die Region zwischen 3rd Bridge und Xakanaxa ist ein Labyrinth mit vielen Sackgassen.
Unterwegs sehen wir einen Honigdachs durchs dichte Gras laufen. Der Ärmste ist an der rechten Vorderpfote verletzt und läuft nur auf 3 Beinen.
Zum Sundowner finden wir einen wunderschönen Platz an einem Hippopool. Die beruhigenden Lautäußerungen der dicken Tiere sind die perfekte Untermalung für einen stimmungsvollen Sonnenuntergang.
Wir grillen ein letztes Mal auf dieser Reise. Es gibt Rindersteaks mit Gemsquash. Das Fleisch aus dem Spar in Kasane ist wirklich zu empfehlen.
Es wird dann noch ein netter lauschiger Abend. Die Temperaturen sind ideal, um nur mit T-Shirt und Shorts bekleidet draußen zu sitzen.
Aber die Elis sind mir eindeutig zu nah. Irgendetwas müsst Ihr an Euch haben...
Herzliche Grüße und Dank Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
picco6'375 Beiträge · seit 201103. Jan. 2014 · #236
Hoi Topo
Topobär schrieb:Blöderweise schaffe ich es, mir am Gaskocher die Finger der anderen Hand zu verbrennen.
Hat Dir denn niemand gesagt dass der Gaskocher nicht zum Händewärmen gedacht ist??? Vieleicht solltest Du die Technik zukünftig Deiner Frau überlassen... 😈 😉 😄
TopobärThemenstarter5'480 Beiträge · seit 200903. Jan. 2014 · #237
@Marina Gefühlt waren die Elefanten diesen Urlaub häufiger und lästiger als die Moskitos. Sind halt die einzigen Tiere, die Deinen Tagesablauf so richtig durcheinander bringen können. So viele wie dieses Mal habe ich auf all meinen Reisen noch nicht gesehen.
@Picco Bei mir läuft das nach dem Motto: "Aus den Augen, aus dem Sinn." Wenn der Gaskocher ausgeschaltet ist und ich unkonzentriert bin, verpenne ich gerne mal, dass die Metallteile noch über einen längeren Zeitraum heiß sind. 😊
Silke1611223 Beiträge · seit 201303. Jan. 2014 · #238
Hallo Topobär,
deine Dramaturgie macht mir mittlerweise schon beim lesen Herz klopfen. 😮
Obwohl ich als Fofofan normalerweise gerne gaaanz vorne mitmische, muß ich doch zugeben, daß ich beim lesen der Beschreibung der Autoszene doch froh war, daß wir nicht campen. Mh, obwohl- Zeltcamps sind ja nun nicht wirklich ein Unnerschied, schluck. 🙄
Aber für euch ist es ja gerade noch erträglich ausgegangen und so freue ich mich wieder über die fantastischen Fotos, besonders auch über die sooo stimmungsvollen Sonnenuntergänge. Vielen Dank!
liebe Grüße Silke
leben und leben lassen
4 Wochen Namibia 2009
3 Wochen Namibia 2010
tiggi1'558 Beiträge · seit 201103. Jan. 2014 · #239
Hallo Topobär, eine spannende Reise neigt sich offensichtlich dem Ende.... Mein Fernweh steigt aber, eigentlich war der Moremi im nächsten Jahr nicht eingeplant, aber die vielen Erinnerungen, die du durch deinen Bericht wieder geweckt hast, lassen mich nicht los. 😉 Xakanaxa ist einfach zu schön! Danke für die tollen Bilder und die Sonne! Liebe Grüße Biggi
Susi651'127 Beiträge · seit 201105. Jan. 2014 · #240
Hallo Topobaer,
Du schaffst es wirklich einem den Adrenalinspiegel in die Höhe zu treiben 🤩 🤩 .
Ich bin wirklich total fasziniert von Eurer Tour und von allem was Ihr gesehen und erlebt habt (...und auch ein kleines bisschen neidisch 😊 ). Mich würde so eine Tour durch Botswana schon reizen, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass wären mir zu viel Wasserdurchfahrten und eindeutig zu viele Elefanten zu dicht 😮 🤩 😵