TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200924. Jan. 2013 · #41
4.Tag (Di. 25.12.2012) Mambo View Point Lodge – Beach Crab Resort 290km
Es regnete noch bis kurz nach Mitternacht und unsere Schlafsäcke waren morgens von außen recht nass. Zum Glück hatten wir uns auch für diese Reise entschieden, die guten Schlafsäcke mitzunehmen. Diese haben als Außenhülle eine Microfaser-Membran und sind spritzwasserdicht.
Heute gibt’s einen Wecker, mit dem wir hier in den Bergen nicht gerechnet hätten. Schon kurz vor der Dämmerung quäkt der Muezzin los. Er begnügt sich auch nicht mit dem üblichen „Allahu akbar“, sondern hält anscheinend das gesamte Frühgebet über Lautsprecher; auf jeden Fall ist er über eine viertel Stunde am schnacken.
Nach einem eher mäßigen Frühstück 😐 verabschieden wir uns von Marion und Herman und mit einem letzten Blick zurück zur Lodge machen wir uns auf den Weg Richtung Lushoto.
Keine Ahnung, ob “Susi” uns aus dem Gewirr von Pisten eine eher suboptimale Route zusammengestellt hat, oder ob es nach Regenfällen hier keine einfachen Pisten gibt. Auf jeden Fall sind die ersten 20km eine ernsthafte Herausforderung. Durch den Regen der letzten Nacht aufgeweicht, schlammig und sehr rutschig, ist die teilweise durch steile Hänge führende Piste oftmals so schmal, dass sie auch als etwas breiterer Wanderweg durchgehen könnte. Da war keine Toleranz für Fehler. Einmal ins rutschen gekommen, hätte man sich im Tal wieder gefunden. Dem entsprechend angespannt war ich die ganze Zeit. Die Krönung waren dann die Brücken. Anscheinend mit größerem Vertrauen an Gott, als die Regeln der Statik errichtet, waren sie sicher schon spannend zu befahren, als sie neu erbaut waren. Das lag aber anscheinend schon einige Zeit zurück, denn es fehlten bereits einige Bretter. Am schlimmsten war gleich die erste Brücke und der Grund sie zu überqueren lag einzig darin, dass es auf der schmalen Piste absolut keine Chance gegeben hätte um zu wenden und die Alternative darin bestanden hätte, die Piste mehrere Kilometer rückwärts bis ins letzte Dorf zu fahren. Also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Es ging dann aber doch alles gut, auch wenn die Bretter und Balken unter gut vernehmlichen Ächzen etwas nachgaben. Die nächsten Brücken sahen dann zwar nicht gut, aber doch besser als die Erste aus, so dass auch dort ein Umdrehen für uns nicht in Frage kam.
Dies war noch eine der besseren Brücken, aber bei den wirklich heftigen Brücken brauchte ich Kathrin als Einweiserin und nicht als Fotografin.
Als die Strecke endlich besser wird, kann ich auch wieder die satt grüne Landschaft genießen. Bis auf einige kleinere „Forrest Reserves“ wird jeder verfügbare Quadratmeter Boden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Fahrt durch die Usambara Mountains hat mich von der Landschaft stark an Uganda erinnert.
In den Dörfern waren wir für die Kids immer eine große Sensation. Sie winkten oder kamen angerannt, meist laut „Muzungu“ schreiend. Gebettelt wurde aber nicht ein einziges Mal.
In Lushoto hatte uns dann der Asphalt wieder. Die gut ausgebaute Bergstraße führte uns in vielen Kurven wieder hinunter in die Ebene zur B1, die wir in Mombo wieder erreichten. Als wir dort kurz anhalten sind wir sofort von einem Pulk Pflaumenverkäufer umringt. Alle haben ein gelbes Shirt mit einer individuellen Nummer darauf an – ist trotz des vermeintlichen Chaos wohl voll durchorganisiert.
Bis zur Küste bleiben wir dem Asphalt treu. Mit jedem Kilometer wird es heißer und auch der Wind nimmt zu, bringt aber keine Erfrischung. Es gibt zahlreiche Sisal-Plantagen. Anscheinend kann sich diese Naturfaser noch immer recht gut gegen moderne Kunstfasern behaupten.
Wir ignorieren „Susi“, als sie uns von Muheza direkt nach Pangani schicken will, denn wir wollen in Tanga noch Einkaufen, vor allem Brot.
Den Umweg hätten wir uns aber schenken können. Tanga ist ein echt totes Nest. Es gibt noch nicht einmal einen vernünftigen Tante Emma Laden. Brot ist nicht zu bekommen. Die im Reiseführer eingezeichnete Bäckerei existiert nicht mehr. Es gibt einen riesigen Markt, aber abgesehen von ein paar kleinen Obst&Gemüse Ständen gibt es nur hunderte von Klamottenverkäufern. Wer soll all die Kleidung kaufen und tragen? 😵
Von der Piste von Tanga nach Pangani hatte ich mir mehr versprochen. Zwar verläuft sie entlang der Küste, das Meer kann man aber nur sehr selten sehen. Dazu ist sie noch sehr rau, so dass wir ordentlich durchgeschüttelt in Pangani ankommen.
Die Fähre über den Pangani River steht schon bereit. Während Kathrin noch zahlt, kann ich schon auf die Fähre fahren.
Die Kosten sind mit 5.000,-TSH für das Auto incl. Fahrer und 200,-TSH für jede weitere Person absolut im Rahmen. Der Pangani River macht hier schon eher den Eindruck einer weiten Meeresbucht. Das Wasser zeigt sich in herrlichem blau und in der Ferne sieht man einige Dhaus.
Nach der Fähre sind es nur noch wenige Kilometer über weiterhin recht raue Piste zum heutigen Tagesziel, dem Beach Crab Resort.
Nach der sehr netten Begrüßung bauen wir schnell unser Zelt auf. Außer uns sind nur zwei europäische Fahrzeuge auf Trans-Afrika-Tour auf der Campsite.
Dann geht’s ab ins Wasser. Die erhoffte Abkühlung bleibt bei unglaublichen 36°C allerdings aus. Solche Wassertemperaturen kannte ich bislang nur aus meiner Badewanne.
Da die Sonne hier am indischen Ozean leider auf der „falschen“ Seite untergeht, fällt ein spektakulärer Sonnenuntergang aus. Der GinTonic schmeckt aber trotzdem. 😉
Abends veranstaltet das Resort anlässlich Weihnachten ein großes Fisch-Barbecue. Baracuda, Zackenbarsch, Octopus und Prawns bis zum platzen. Dazu ein umfangreiches Salat-Buffet, u.a. mit leckerem rheinischen Kartoffelsalat. 😄
Die Tische wurden dafür alle aus dem Restaurant herausgebracht, um eine lange Tafel direkt am Strand aufzubauen. Beleuchtung nur mit Kerzen und Öllampen. Wir haben das gute Essen und die romantische Stimmung sehr genossen. Das war auch ohne Schnee und Tannenbaum weihnachtlich.
Die Internationale Gäste-Schar ist auch hier zur Hälfte bei NGO’s in Tansania tätig und spannt für ein paar Tage an der Küste aus.
Ein netter Verdauungs-Spaziergang führt uns bei fast vollem Mond zurück zur Campsite. Dabei können wir auch endlich die namens gebenden Beach Crabs entdecken. Sie sind nachtaktiv und laufen jetzt zu hunderten über den Strand. Leider sind sie sehr scheu. Daneben entdecken wir auch noch an Land lebende Einsiedlerkrebse.
Beach Crab Resort:
Urige Anlage direkt am Strand. Deutsche Besitzer. Umfangreiches Sportangebot (Paddeln, Surfen, Tauchen, Beach-Volleyball)
Schönes Bar/Restaurant direkt am Strand. Sehr nettes Personal.
Sehr gute Küche, leckeres selbst gebackenes Brot, welches man hier auch zum mitnehmen kaufen kann.
Die Campsite unter Palmen liegt in der ersten Reihe, direkt am Strand.
Erstklassiges Preis/Leistungs-Verhältnis. Man kann mit VISA zahlen.
Einziges Manko der Anlage ist, dass aus den Duschen nur Salzwasser kommt. Wer eine empfindliche Haut hat, bekommt da vielleicht Probleme.
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200924. Jan. 2013 · #43
Hallo Topobär,
Die Fahrt durch die Usambara Mountains hat mich von der Landschaft stark an Uganda erinnert.
Und der Muezzin doch auch - oder?
Vielen Dank für die herrlichen Fotos!
Mit herzlichen Grüßen Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
franzicke2'085 Beiträge · seit 201224. Jan. 2013 · #44
WOW - das ist ja mal noch ein ganz anderes Afrika ... toll, dass du uns mitfahren lässt. Ich bin total begeistert und sehr gespannt! Viele Grüße Franzicke
darf ich auch mitfahren 🤪 ich hab zwar das Gefühl ich muss mal den Atlas rauskramen, das ist mir alles total unbekannt 😊 aber ich find die Bilder einfach toll, oooaaaahhh das Grün, der Strand, die Landschaft, die flauschigen 4Beiner 😘 schön informativ geschrieben, da kann ich doch ruhig mal meinen Horizont erweitern.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200925. Jan. 2013 · #48
@picco: ...und dabei bin ich mit zwei Berichten pro Woche schon deutlich schneller, als bei meinen bisherigen Reiseberichten. 😐 Ich stelle aber fest, dass das Sichten und Auswählen der Fotos, deren Anpassung an die Vorgaben des Forums und vor allem das Schreiben des Berichtes ganz schön Zeit verschlingt. Dies vor allem, da ich meine Kladde, in der ich mir im Urlaub Notizen gemacht habe, selbst kaum entziffern kann. 😊
@Marina: In Uganda hatten wir kein einziges Mal eine "religiöse Erweckung". Auch in Tansania hätte ich eher an der Küste, im islamischen Kulturraum, damit gerechnet.
@Claudia: ...und, hast Du alles im Atlas gefunden? 🙂 Auf jeden Fall schön, dass Du dabei bist. Ich hoffe, der Bericht ist nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Das ist zumindest mein Anspruch an mich selbst. Stelle aber immer wieder fest, dass es seinen Grund hat, weshalb ich nicht Schriftsteller geworden bin. Die Prosa fällt mir eher schwer.
Auch wenn es derzeit eher wenige flauschige 4-Beiner gibt, so wird sich das im Laufe der Reise auch wieder ändern.
@franzicke: Ich kann Dir versprechen, es wird noch spannender und die Spannung bleibt bis zum Schluß. War halt "das volle Programm"!
@kiboko, rhh64 & all: Unser Wagen auf der Tour war ja in der Tat riesig. Insofern ist für Euch alle lässig Platz. Ich freue mich auf jeden Fall über jeden neuen Mit-Leser/Fahrer.
@Bernd: Ich hoffe, die Bilder unserer Knipsen können unter den Augen eines Profis bestehen.
Butterblume3'700 Beiträge · seit 200925. Jan. 2013 · #49
@Topobär,
In Uganda hatten wir kein einziges Mal eine "religiöse Erweckung". Auch in Tansania hätte ich eher an der Küste, im islamischen Kulturraum, damit gerechnet.
Dann habt Ihr wohl nicht im Queen Elizabeth Bush Camp campiert?
Dort hatten wir jeden Morgen das Vergnügen! Aber so war wenigstens gewährleistet, dass man die beste Zeit zum Fotografieren nicht verschläft! 🤩
Mit herzlichen Grüßen Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheitwww.butterblume-in-afrika.de
So, ich quetsche mich dann auch mal ins Auto rein. 😎
Hach, bin gespannt wie es weiter geht. Tansania muss bald auch mal wieder sein. Kleine Frage am Rande, uns wurde damals von unserem blöden unfähigen Reisebüro gesagt, dass man einen Wagen nur mit Fahrer buchen kann. Dem scheint ja nicht so sein, wobei das in der Serengeti sicherlich von Vorteil ist, da die Fahrer eigentlich alle mit Funk verbunden sind und man so mehr sieht.
Aber Selbstfahrertouren finde ich einfach entspannter.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200928. Jan. 2013 · #51
Hallo Sven,
das Märchen, dass man in Ostafrika nur Fahrzeuge mit Fahrer mieten kann hält sich hartnäckig. Dabei gibt es in allen Ländern gute Vermieter, die gut ausgestattete Fahrzeuge an Selbstfahrer vermieten. In Tansania sind mir z.B. 2 Vermieter bekannt.
Wenn es mir nur darum ginge, viele Tiere zu sehen, würde ich in den hannoverschen Zoo gehen. Ein großer Reiz bei unseren Afrikareisen ist das eigenständige Suchen und Finden der Tiere. Das Erfolgserlebnis, ein seltenes Tier zu finden und dann allein, ohne weitere Touri-Fahrzeuge zu beobachten, ist für uns das Höchste. Ist bei Kathrin und mir auch immer ein kleiner Wettstreit, wer mehr Tiere entdeckt.
Abgesehen davon, nervt das ständige Gequäke aus dem Funkgerät auch tierisch. Das ist ganz schön laut. Unser Wagen war auch mit einem Funkgerät ausgestattet. Wir haben es die ganze Zeit ausgeschaltet gelassen.
Ansonsten ist mir Dein Wunsch Befehl, die Fortsetzung kommt noch heute.
ich finde das alleine Fahren und suchen auch immer spannender. Vor allem hat man dann nicht 2 Wochen lang das Gefühl mit dem Guide small talk galten zu müssen. Es war zwar häufig bei uns auch interessant, aber es ist halt auch schöner einfach alleine zu entscheiden, was man tut.
Ich denke, dass nächstemal werden wir in Tansania auch alleine fahren, egal ob Camping oder Lodge. Da für unsere die Qualtour zum Lake Natron wegfallen würde, ist das glaube ich eh kein großes Problem.
So, dann warte ich mal auf Fortsetzung, nachdem ich gestern schon sehnsüchtig gewartet hatte 😄
Ja, aber wir hatten eine total vom Reisebüro verplante Reise. Wir sind 8 Stunden hingepoltert, kamen um 17 Uhr an, um am nächsten Morgen um 8.00 Uhr sechs Stunden in das Gebiet zum Lake Manyara zu fahren, um wiederum am nächsten Tag in den Ngorongoro Krater zu fahren, an dem wir eine Woche zuvor vorbeigefahren sind 🤢
Aber das wird nun off topic in Deinem Bericht...und ich bin wieder still 🙂
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200928. Jan. 2013 · #55
5.Tag (Mi. 26.12.2012) Beach Crab Resort – Saadani National Park 136km
Wo hier am indischen Ozean schon die Sonnenuntergänge ausfallen, will ich doch zumindest den Sonnenaufgang genießen und werde für mein frühes Aufstehen großzügig entschädigt.
Wir haben es nicht eilig, ist unser heutiges Tagesziel, der Saadani National Park, doch nur eine Stunde Fahrzeit entfernt. So bietet sich die Gelegenheit zu einem etwas opulenteren Frühstück. Mein Tomaten-Bacon-Käse-Omelett ist ja sowieso immer ein Hit, aber hier unter Palmen mit Blick auf’s Meer schmeckt es gleich doppelt so gut.
Während Kathrin abwäscht, breche ich das Camp ab und packe den Wagen. Die Arbeitsteilung klappt wie immer gut, so dass wir nach dem Frühstück schnell startklar sind. Die Piste zum Saadani Nationalpark stellt auch keine großen Herausforderungen und ruckzuck sind wir am Gate. Hier kann man aber nur den Eintritt für die Personen und das Auto entrichten (nur bar); die Bezahlung der Campsite muss am Headquarter erfolgen. Somit steht unser nächstes Ziel fest.
Am Headquarter erfahren wir dann, dass die Sanitäranlagen der Campsite nicht funktionieren. Kathrin kann aber erreichen, dass wir auf dem Gelände der TANAPA-Bandas zelten dürfen und die Schlüssel für eine Banda bekommen, um dort Dusche/WC nutzen zu können. Die Bandas sind schlicht, aber sauber und funktionell eingerichtet. Für Nicht-Camper sicherlich eine gute Alternative, um hier im Nationalpark günstig zu übernachten.
Es ist inzwischen unerträglich heiß geworden. Glücklicherweise hat es hier auch ein Makuti-Dach unter dem wir im Schatten Zuflucht finden. Von dort hat man einen schönen Blick auf’s Meer. Ab und zu schafft eine Brise vom Meer etwas Abkühlung, jedoch immer nur für kurze Zeit. Bis 15:00Uhr halten wir Siesta, dann brechen wir auf zum nachmittäglichen Gamedrive.
Der Gamedrive ist eine ziemliche Enttäuschung. Es gibt nur wenige Tiere. Von den Tieren, die wir sehen, sind alle außer den Pavianen weit weg oder extrem scheu, so dass sie flüchten, sowie sie uns wahrnehmen. In den meisten Fällen können wir die Tiere noch nicht einmal sicher bestimmen, von fotografieren ganz zu schweigen. Einzig bei Zebras und Büffeln waren wir uns sicher. Von Giraffen finden wir lediglich Fußspuren und von Elefanten nur deren Hinterlassenschaften.
Dieses Foto eines Seeadlers war unser bestes Tierfoto des Tages. 🙁
Ich vermute, dass der Saadani National Park einfach noch zu „jung“ ist und sich die Tiere deshalb noch nicht daran gewöhnt haben, dass von den Menschen keine Gefahr mehr ausgeht. Ich werde sicher erst in frühestens 10 Jahren einen neuen Versuch mit diesem Nationalpark unternehmen.
Aufgrund des enttäuschenden Gamedrives sind wir schon früh zurück und lassen uns auch von der auf der falschen Seite untergehenden Sonne nicht von einem Sundowner am Strand abhalten.
Das Makuti-Dach ist gut ausgestattet. Neben Tischen und Stühlen hat es auch Strom und Licht zu bieten. So luxuriös konnte ich auf dieser Reise nur selten kochen. Es gab Gemüse-Curry in Kokosmilch, der Auftakt zu drei sehr fleischarmen Wochen. Dies ist einer der großen Unterschiede zu Reisen ins südliche Afrika.
Guggu2'261 Beiträge · seit 201131. Jan. 2013 · #58
Schöner Bericht Topobär 😁 ich freue mich wenn es gleich weitergeht.
Lustig mit dem Beach Crab Resort; sie waren vor ein paar Jahren bei Goodbye Deutschland dabei als sie noch im Aufbau waren. Ich habe es mir abgespeichert zwecks Tauchen gehen.
TopobärThemenstarter5'479 Beiträge · seit 200931. Jan. 2013 · #59
6.Tag (Do. 27.12.2012) Saadani National Park – Dar es Salam „south Beach“ 150km
Auch heute hat sich das frühe Aufstehen wieder voll gelohnt, denn wir werden erneut mit einem fantastischen Sonnenaufgang am Strand verwöhnt.
Während wir gemütlich am frühstücken waren, hat sich heimlich ein Gewitter angeschlichen. 😗 Nee wirklich - Blitz und Donner gibt es erstmalig in dem Moment, wo der Himmel seine Schleusen öffnet. Aufgrund der enormen Hitze hatten wir für die Nacht nur das Innenzelt aufgebaut, so dass unser Zelt jetzt komplett ohne Regenschutz da steht. Ich schaffe es gerade noch Isomatten und Schlafsäcke zu retten. Nach dem Regen konnten wir das Zelt als Badewanne nutzen.
Dank des Makuti-Daches fällt aber wenigstens das Frühstück nicht ins Wasser. So schnell Der Regen gekommen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Wassermassen in Afrika in kürzester Zeit vom Himmel fallen.
Es wird auch weiterhin nicht langweilig beim Frühstück. Kaum ist der Regen vorbei, taucht eine große Gruppe Grüne Meerkatzen auf – mehr als 20 Tiere. In kürzester Zeit sind wir umzingelt. Es ist Zeit für den ersten Einsatz unserer Zwille. Deren Anblick stoppt zunächst einmal den Vormarsch der Affen und ein Schuss in die Büsche über ihnen ist dann schon Argument genug um sie zum weiterziehen zu bewegen.
Aufgrund unserer gestrigen Erfahrungen verzichten wir auf einen weiteren Gamedrive und machen uns direkt auf den Weg. Die in allen Karten und Berichten als „under construction“ beschriebene Brücke über den Wami-River, der südlichen Begrenzung des Saadani National Parks, ist inzwischen fertig gestellt. Somit ist es jetzt möglich, von Tanga bis Dar es Salam durchgehend entlang der Küste zu fahren, was einige größere Umwege erspart. Der Ranger am Gate kann einige Brocken Deutsch, die er gerne zum Besten gibt. Die Menschen in Tansania haben großes Interesse an Fremdsprachen und versuchen jede Gelegenheit zu nutzen sich in ihnen zu üben.
Unser nächstes Ziel war dann Bagamoyo, die Hauptstadt der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Wir hatten nicht viel Zeit und wollten nur mal kurz in das alte deutsche Fort hereinschauen. Als dort dann gleich jede Menge Guides auf uns zukamen, war uns das zu stressig in der Eile und wir verzichteten. So gab es nur eine kleine Stadtrundfahrt. Was wir dort sahen, bestärkte uns aber darin, mit mehr Zeit hierher zurück zu kommen und am besten im Ort zu Übernachten. In Bagamoyo scheint die Zeit seit Abzug der Deutschen Kolonialherren stehen geblieben zu sein. Alles macht einen verschlafenen, leicht morbiden Eindruck, da viele Kolonialgebäude dem Verfall Preis gegeben wurden.
Je mehr wir uns dann Dar es Salam näherten umso dichter wurde der Verkehr. Hinzu kam noch, dass auf der Zufahrtsstraße von Bagamoyo kilometerlang Baustelle war. Insgesamt muss ich aber sagen, dass das Autofahren in Dar es Salam wesentlich entspannter als in anderen afrikanischen Großstädten ist. Es wird sehr gelassen und rücksichtsvoll gefahren – fast schon amerikanisch. Wird in Nairobi zum Beispiel um jeden Zentimeter Strasse gekämpft, ist es in Dar es Salam überhaupt kein Problem in eine viel befahrene Strasse einzubiegen. Innerhalb kürzester Zeit hält jemand an und lässt einen vor.
Natürlich wollten wir auch die Vorteile einer Großstadt nutzen und Bargeld ziehen sowie einkaufen. Es ist unglaublich, wie viele ATM’s außer Betrieb waren. Zum Einkaufen fuhren wir zur Mlimani City Mall und sind erstaunt, als wir dort ankommen. So etwas hätten wir eher in den USA erwartet, aber nicht hier in Tansania, wo es in den meisten Großstädten noch nicht einmal einen normalen Supermarkt gibt. Hier gibt es alles, was wir suchen. Endlich auch Cola light in Dosen, wovon wir gleich mehrere Paletten kaufen.
Um zum south Beach von Dar es Salam zu kommen, müssen wir die Kigamboni Fähre nehmen. Ist mit 2.000TSH für Auto incl. Fahrer und 200TSH für jede weitere Person sehr günstig. Obwohl inzwischen 2 Fähren eingesetzt werden, betrug die Wartezeit doch fast eine Stunde. Besonders unangenehm durch die Hitze. Dazu steht man zunächst auch noch direkt neben dem Fischmarkt, von dem bei diesen Temperaturen ein bestialischer Gestank ausgeht. Rückt man dann in der Schlange weiter vor, wird die olfaktorische Qual durch eine Übung in extremer Selbstbeherrschung ersetzt. Permanent versuchen Eisverkäufer ihre Ware an den Mann zu bringen. Ein leckeres Eis wäre der Traum bei diesen Temperaturen, aber mein Vertrauen in eine lückenlose Kühlkette ist hier in Tansania nicht sehr groß und Magenprobleme kann man woanders auch besser auskurieren. Letztendlich siegt der Kopf über den Bauch.
Auf der Fähre ist es dann gerammelt voll. Die Autos stehen dicht an dicht. Jeder Zwischenraum ist mit Menschen und Gepäck gefüllt. An Aussteigen ist nicht zu denken.
Nach der Fähre sind es nur noch wenige Kilometer bis zu unserer Unterkunft, dem Kipepeo Beach Resort. Dort angekommen brauche ich erst einmal eine Kompensation für den Eisverzicht und gönne mir einen leckeren kleinen Mittagssnack an der Bar.
Baden gibt’s heute nur in der Kurzversion, denn ich habe mir bei der Autofahrt einen kräftigen Sonnenbrand auf den Oberschenkeln geholt. Den Rest des Tages verbringen wir lesend im Schatten. Zwischendurch plaudere ich noch ein wenig mit Gilbert, einem schweizer Motorradfahrer, der aus Addis Abeba hierher gefahren ist und gerade festgestellt hat, dass die Pistenverhältnisse zu einem doppeltem Rahmenbruch an seinem Motorrad geführt haben.
Nach dem sehr leckeren Abendessen genießen wir noch ein paar GinTonic bzw. Weißwein am Strand und beobachten dabei ein Gewitter, das sich mit kräftigem Wetterleuchten über dem Meer austobt.
Mit burischen Wagenburgen muss man sich übrigens nicht nur im südlichen Afrika rumärgern. Zurück an unserem Zelt müssen wir feststellen, dass uns solch eine Wagenburg bis auf 2m auf die Pelle gerückt ist. Der Grill steht 5m von unserem Zelt entfernt und wird noch kräftig frequentiert. So dauert es dann einige Zeit bis wir einschlafen, um dann um 4:00Uhr geweckt zu werden, weil die Buren ihre Wagen umparken. 😈 Von den ebenfalls auf der Campsite übernachtenden Overlandern bekommen wir dagegen überhaupt nichts mit.
Kipepeo Beach Resort:
Die Anlage ist ein beliebtes Ausflugsziel für die tansanische Mittelschicht und die Expats aus Dar es Salam.
Schöne Campsite mit überdachten Bank/Tisch-Kombinationen. Offiziell ist es zwar nicht erlaubt, Zelte unter diesen Überdachungen aufzubauen, es hält sich aber niemand daran. 😗
Große saubere Sanitäranlagen. Aus den Duschen kommt endlich mal richtig viel Wasser raus.
Das Restaurant bietet sehr leckere Swahili-Küche. Die Portionen sind etwas klein – wir haben beide jeweils zwei Gerichte gebraucht um satt zu werden. Man sitzt überdacht oder im freien direkt am Strand.
P.S.: Für diejenigen, die sich bei der Beschreibung solch reiner Reisetage eher langweilen, hier schon einmal eine Vorankündigung: Der nächste Tag bietet endlich wieder die afrikanische Tierwelt. 🤩