franzicke2’085 Beiträge · seit 201217. Apr. 2023 ·
... Moomennnt! Das geht ja gar nicht, dass ihr ohne mich startet - ich hab natürlich schon sehnsüchtig gewartet 😘 Kann losgehen, ich freu mich!!! Tausend Grüße Ingrid
Oh wow! Ich bin schon jetzt schockverliebt in die Fotos!!! Für November plane ich zwar grade eine völlig andere Route am Kap, aber dein Bericht wird meine Vorfreude trotzdem ungemein steigern. Da springe ich also gerne gleich mit auf 😁
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201617. Apr. 2023 ·
Hallo ihr Lieben,
franzicke schrieb:... Moomennnt! Das geht ja gar nicht, dass ihr ohne mich startet - ich hab natürlich schon sehnsüchtig gewartet
Hello dear, natürlich wären wir nicht wirklich ohne dich gestartet, schon allein, weil wir ohne dich wohl auch nicht weit gekommen wären. 😎 By the way: U got Mail.
Markandi schrieb:Oh wow! Ich bin schon jetzt schockverliebt in die Fotos!!!
Oha, vielen Dank!!!
Markandi schrieb:Für November plane ich zwar grade eine völlig andere Route am Kap, aber dein Bericht wird meine Vorfreude trotzdem ungemein steigern.
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201617. Apr. 2023 ·
Kapstadt, Teil I
An unser erstes Mal in Kapstadt 2012 habe ich sehr gemischte Erinnerungen. Thomas hatte sich kurz zuvor in Namibia einen folgenreichen und vor allem hartnäckigen Magen-Darm-Infekt eingehandelt, er schaffte gerade eben und glücklicherweise „unfallfrei“ den kurzen Flug aus Windhoek, klappte dann aber im Hotelzimmer völlig ausgelaugt zusammen und lag mehrere Tage höchst derangiert im Bett.
Ich gurkte in der Zeit vornehmlich mit dem Hop-on-Hop-Off-Bus durch die Gegend, das war eine ziemlich angenehme und außerdem sichere Möglichkeit, sich die viereinhalb Millionen-Metropole im Alleingang zu erschließen. Aber natürlich hatten wir uns das Ganze etwas anders und vor allem als gemeinsame Unternehmung vorgestellt.
Die pfiffige Dame an der Rezeption konnte sich das Elend schließlich nicht mehr mit ansehen und organisierte kurzerhand (an Silvester) den Hausbesuch eines "German doctor". Der hatte dann zielsicher das richtige Medikament zur Hand und schon am nächsten Tag war Thomas zwar noch etwas wackelig, aber immerhin kerzengerade auf den Beinen. Seither gehören Antibiotika zum festen Bestandteil unserer Reiseapotheke.
Wir verbrachten einen herrlichen gemeinsamen Tag am Kap der guten Hoffnung, schauten uns unterwegs Muizenberg sowie die Pinguine am Boulders Beach an und cruisten entspannt über den Chapman’s Peak zurück. Alles in allem war die Zeit in Kapstadt aber durch die besonderen Umstände eher knapp ausgefallen.
Wir hatten seinerzeit in Tamboerskloof gewohnt, das hatte uns sehr gut gefallen mit der Nähe zum Tafelberg und zur Kloof Street mit ihren netten Cafes, Restaurants und Boutiquen. Diesmal sollte es zur Abwechslung Camps Bay werden, das angepeilte Atholl House war aber partout nicht zu bekommen und so folgten wir ziemlich kurzentschlossen einem Tipp von Ingrid und buchten uns vier Nächte im Derwent House in Gardens direkt neben Tamboerskloof ein.
Das geschmackvolle Boutique Hotel entpuppte sich als hervorragende Wahl mit seiner zentralen Lage in der Nähe der Kloof Street, dem freundlichen, heimeligen Ambiente und überragenden Frühstück. Von unserem kleinen, aber gemütlichen Zimmer blickten wir auf den Pool und den Tafelberg, und Ingrid und Helmut wohnten auch nicht weit weg.
Wir hatten lange auf ein Wiedersehen mit unsere beiden Freunden warten müssen, nun war es schon am ersten Abend soweit. Ingrid hatte kurzerhand an unserem Ankunftstag einen Tisch im Grand Africa Cafe & Beach reserviert, und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie Fakten geschaffen hat. Ist für uns doch der erste Abend nach einem langen und zudem noch stark verspäteten Flug oftmals ein verlorener. So aber waren wir nach einer schnellen Dusche zwar einigermaßen müde, aber auch gleichzeitig voller Tatendrang, und als die franzickes um die Ecke bogen und uns mit dem Auto einsammelten, war die Freude riesengroß.
Der Beach Club in der Nähe der V&A Waterfront punktet vor allem mit der tollen Lage direkt am Meer und der lässigen Atmosphäre, und als wir da so mitten im europäischen Winter mit leichtem Pulli und in beschwingter Stimmung über den Ozean blickten, realisierte ich zum ersten Mal: "Wir sind tatsächlich hier." Ich konnte es kaum fassen. Und auch, dass ganze vier Wochen vor uns liegen sollten.
Es war der denkbar beste Start in die Reise, später kippten wir ins Bett und schliefen wie die Murmeltiere. Einigermaßen früh und frisch waren wir wieder wach, was auch deshalb praktisch war, weil wir Pläne hatten. Den Botanischen Garten Kirstenbosch hatten wir beim letzten Mal sausen lassen müssen, diesmal wollten wir hin. Immer wieder hatten wir von der großartigen Kulisse am Osthang des Table Mountain gehört und gelesen und entsprechende Fotos gesehen.
Wir hatten uns nicht zuviel versprochen. Die Realität hielt den Erwartungen stand, übertraf sie vielleicht sogar. Zwar war die große Blütezeit bereits vorbei, doch wir genossen den am frühen Morgen noch einsamen Spaziergang unter riesigen Kampferbäumen und durch sattgrüne Landschaften. Eine Wohltat für die Sinne.
Weiter und weiter liefen wir hügelaufwärts, immer der Nase nach. Am Eingang waren wir gefragt worden, ob wir eine Wanderkarte benötigen, denn in der Gegend gibt es hervorragende Tracks, die unter anderem auf den Tafelberg führen. Wir verneinten, schließlich wollten wir uns nur ein wenig die Beine vertreten und Eindrücke sammeln. Als würde ich uns nicht besser kennen.
Es dauerte nicht lange, da fanden wir uns auf einem schmalen Höhenpfad wieder, der mit weitem Blick über den Botanischen Garten und die Umgebung an der Flanke des Tafelbergs entlangführt. Ich - mal wieder mit weißer Büx (natürlich) und nur in Turnschuhen unterwegs -, fragte vorsorglich einen entgegenkommenden Wanderer in Profikluft, ob der Weg absehbar wieder abwärts führen würde, und das war zum Glück der Fall.
Durch dichten Wald stiegen wir schließlich wieder zu den Gärten hinab und registrierten erstaunt, dass in den vergangenen zwei Stunden massenhaft Besucher angekommen waren und Wege wie Wiesen fluteten; natürlich war Kapstadt in den südafrikanischen Ferien überlaufen und Kirstenbosch bei Traumwetter ein beliebtes Ziel.
Bei einem großen Baum fanden ein perfektes Plätzchen, kaum ein Mensch verirrte sich abseits der Hauptwege hierher. Dafür aber jede Menge Vögel und Schmetterlinge, die emsig miteinander turtelten.
Mittags fanden wir dann, dass es an der Zeit wäre weiterzuziehen. Nur wohin? Wir überlegten hin und her, schließlich fiel unsere Wahl auf die Pinguinkolonie bei Simon's Town. Keine allzu weite Strecke, aber eine vor allem auf dem Rückweg sehr schöne, und Tiere gehen bei uns sowieso immer.
Wir wussten, es würde voll sein, so mitten an einem sonnigen Ferientag, das war schon 2012 so gewesen. Doch als wir dann endlich einen Parkplatz ergattert und uns auf den Weg zum Zugang gemacht hatten, machten wir große Augen. Die Schlange der Wartenden war ellenlang, und die gesamte Anlage sozusagen professionalisiert worden. Die Kassenhäuschen am Besucherzentrum erschienen uns imposant und kommen mittlerweile auch ohne Verniedlichung aus, es gibt Drehkreuze, einen Shop und eine Umfriedung, die wohl kaum mehr einen Durchschlupf lässt.
Seit 1982, als zwei Brutpaare an den Strand gekommen waren und eine kleine Kolonie gründeten, ist Boulders Beach Teil des Table Mountain National Park.
Es ist mutmaßlich sinnvoll, wenn nicht sogar bitter nötig, die Vögel in so exponierter Lage vor den Massen zu schützen und den Menschenstrom zu kanalisieren. Wir waren dennoch zunächst abgeschreckt, entschieden uns aber letztlich zu bleiben, wo wir ja nun schon einmal so weit gekommen waren. Einen dritten Besuch wird es aber wohl nicht geben (auch wenn die Einnahmen sicherlich nicht zuletzt dem Schutz der Tiere dienen).
Sind die Stege, die durch das sandige Reich der vom Aussterben bedrohten Brillenpinguine führen, erst einmal erreicht, ergeben sich aber immer noch wunderbare Aus- und auch Einblicke in das Leben der kleinen Frackträger, deren Zahl auf mittlerweile rund 3.000 angewachsen ist.
Die afrikanischen Pinguine waren einst auch als Jackass-Pinguine (=Esel-Pinguine) bekannt. Dieses stimmgewaltige Exemplar stand direkt unterhalb des Steges und machte dem Namen mit seinen Kreischlauten alle Ehre. Ob er damit einen Artgenossen, der aus der Ferne ähnlich verstimmt antwortete, anlocken oder eher abschrecken wollte, ist nicht überliefert:
Wir verbrachten rund eineinhalb Stunden bei den Pinguinen...
...und wollten dann via Chapman's Peak Drive nach Kapstadt zurückkehren. Kurz bevor wir ihn bei Noordhoek erreichten, stach mir ein Schild ins Auge. Cape Point Vineyards - da war doch was?! Das Derwent House hat die nette Angewohnheit, seinen Gästen am Abend drei Tipps für den nächsten Tag aufs Kopfkissen zu legen. Am Vorabend war dieser Ort einer davon gewesen, denn donnerstags findet auf dem Gelände des wunderschön an einem Berghang gelegenen Weinguts ein Foodmarket statt. Kurzerhand bog ich rechts ab, und weil der Markt erst zehn Minuten zuvor begonnen hatte, fanden wir auch noch einen Platz an einem der sich zusehends füllenden Picknicktische.
Wir holten Wein und unterschiedliche Leckereien von den Foodtrucks, genossen die traumhafte Kulisse, die relaxte Atmosphäre und blickten über die Reben weit in die Bucht. Ambiente können sie einfach, die Südafrikaner!
Am Ende eines erfüllten Tages fuhren wir zum zweiten Mal in unserem Leben den Chapman’s Peak Drive, die spektakuläre, neun Kilometer lange Küstenstraße entlang steiler Felswände, die 114 Kurven umfassen soll. Ich habe sie nicht gezählt.
Unterwegs in unserem feuerroten Spielmobil. Wir hatten uns bewusst für einen SUV entschieden, auch, weil wir in den Nationalparks mehr Bodenfreiheit und einen besseren Überblick haben wollten:
Das Wetter hatte uns zum Auftakt nach Strich und Faden verwöhnt, allerdings war es schon den ganzen Nachmittag über immer windiger geworden, und schon auf dem Weingut drohten die Ibisse über unseren Köpfen aus den Bäumen zu purzeln.
In Kapstadt stürmte es dann so sehr, dass wir um unsere Pläne am nächsten Tag fürchteten. Wir checkten unsere E-Mails, noch hatten die Veranstalter nichts gecancelt. Wir stellten uns den Wecker, doch auch so wurde ich in der Nacht mehrfach wach, weil der Sturm draußen alles umher- und wegfegte, was nicht niet- und nagelfest war. Wie zum Geier, fragte ich mich ein wenig verzagt, sollten wir denn bei diesem Orkan auf den Tafelberg wandern?
natürlich bin ich bei einem Bericht aus deiner Feder und gespickt mit Thomas' wunderbaren Fotos auch dabei. Die Reiseroute habe ich für uns zwar so gar nicht auf dem Plan, aber auch ohne diesen Nutzwert ist ein Bericht von euch für mich immer eine ganz tolle Sache.
na - da steig ich doch gern ein in Euere rote Kiste, zumal Ihr ja sozusagen nur vor uns hergefahren seid. Ein paar Monate später sind wir Eueren Spuren gefolgt, (wir sind jetzt grad ein paar Tage wieder zu Hause) und so ist Dein Bericht von allergrößtem Interesse.
Ich freue mich sehr auf Deine nette "Schreibe" und die tollen Bilder, die Deinem RB wie immer das Sahnehäubchen aufsetzen. 🙂
Grad hab ich bei Dir gelesen, dass die Pinguinkolonie auf angeblich 3.000 Exemplare angewachsen sein soll. Kann ich fast nicht glauben, denn bei unserem Besuch Ende März haben wir nicht mal ein paar Hundert gesehen. Kein Vergleich zu unserem Besuch 2016, wo´s am Boulders-Beach von den Frackträgern grad so gewuselt hat. Vielleicht waren sie aber auch nur auf Beutezug unterwegs. 😄
Grootvlei kommt ja bei Euch als nächstes dran. Bin gespannt, wie´s Euch in den Dünenhäusern gefallen hat. Für uns - so viel sei vorweggenommen - war es ein Traum! 🙂
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201618. Apr. 2023 ·
Hallo ihr Lieben,
Gabi-Muc schrieb:den ersten Teil habe ich verpasst, sind gestern erst aus Namibia wieder gekommen. Nun steige ich auch noch in Dein feuerrotes Mobil ein.
Das ist schön, Gabi, herzlich willkommen. 🙂 Und auch welcome back! Ich hoffe, ihr hattet es schön?!
Gabi-Muc schrieb:Ist denn der Wanderweg Teil des botanischen Gartens? Ich bin immer davon ausgegangen, dass das ganze eingezäunt ist.
Es gibt eine ganze Reihe von Wanderwegen und sie sind vom Botanischen Garten aus zu erreichen. Einfach immer aufwärts... Am besten natürlich mit entsprechender Karte, gibt's wie gesagt am Eingang.
Gabi-Muc schrieb:Ich hoffe, dass ich ein paar Anregungen aus Deinem Reisebericht für unsere Herbstreise an die Gardenroute mitnehmen kann.
Das wäre schön! Eure Route würde mich sehr interessieren!
Gabi-Muc schrieb:Und die Fotos von Thomas sind wie immer der Knaller.
Dankeschön! 🤪
H.Badger schrieb:Die Reiseroute habe ich für uns zwar so gar nicht auf dem Plan, aber auch ohne diesen Nutzwert ist ein Bericht von euch für mich immer eine ganz tolle Sache.
Hui, Sascha, super und danke!!!
bayern schorsch schrieb:na - da steig ich doch gern ein in Euere rote Kiste, zumal Ihr ja sozusagen nur vor uns hergefahren seid. Ein paar Monate später sind wir Eueren Spuren gefolgt, (wir sind jetzt grad ein paar Tage wieder zu Hause)
😮
bayern schorsch schrieb:Grad hab ich bei Dir gelesen, dass die Pinguinkolonie auf angeblich 3.000 Exemplare angewachsen sein soll. Kann ich fast nicht glauben, denn bei unserem Besuch Ende März haben wir nicht mal ein paar Hundert gesehen.
Hm, mir kamen sie nicht weniger vor als 2012. Vielleicht waren wirklich viele im Wasser bei euch? Die Zahl stammt aus der Broschüre.
bayern schorsch schrieb:Grootvlei kommt ja bei Euch als nächstes dran. Bin gespannt, wie´s Euch in den Dünenhäusern gefallen hat. Für uns - so viel sei vorweggenommen - war es ein Traum!
Erstmal bleiben wir noch in Kapstadt, aber dann... Kleiner Spoiler: Wir waren in Grootvlei (bewusst) im Haupthaus. Aber schön, dass es euch in den Dünen so gut gefallen hat. Ich denke, da kommt ja dann auch noch ein RB?!? (neinnein, kein Druck... 😎 ).
Morgen sollte es dann weitergehen, bis dahin liebe Grüße, Betti
Old Women1’545 Beiträge · seit 201319. Apr. 2023 ·
Hallo Betti, ich kriege gar nichts mehr mit, irgendwie schaffe ich "Forum" z.Z. kaum noch. Aber hinter den Kulissen bekommt man ja so einiges gesteckt 😉 , und somit habe ich dann endlich auch noch hier hergefunden. Eine tolle Route, die Stationen kenne ich eigentlich alle. Ich glaube im Frühjahr 2017 sind wir zum 1. Mal auf dieser Route gefahren, und konnte mich an der Schönheit dieser Landschaft nicht satt sehen. Ich quetsche mich noch irgendwo dazwischen, ich hoffe mal, du hast nichts dagegen. Herzliche Grüße Beate
Francismaus167 Beiträge · seit 200719. Apr. 2023 ·
Hallo Bettina,
erst einmal: Die Fotos sind traumhaft! Ich steige gleich mal mit ein, auch weil wir im November/Dezember diesen Jahres fast die gleiche Route fahren und ich hoffe, vielleicht noch ein paar Anregungen zu bekommen.
Viele Grüße Silke
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201619. Apr. 2023 ·
Hello ihr Lieben,
Old Women schrieb:und somit habe ich dann endlich auch noch hier hergefunden.
🤪 🤪 🤪 Ich freu' mich!
Old Women schrieb:Eine tolle Route, die Stationen kenne ich eigentlich alle. Ich glaube im Frühjahr 2017 sind wir zum 1. Mal auf dieser Route gefahren, und konnte mich an der Schönheit dieser Landschaft nicht satt sehen.
Verstehe ich...
Old Women schrieb:Ich quetsche mich noch irgendwo dazwischen, ich hoffe mal, du hast nichts dagegen.
Du gehörst doch quasi zum Inventar. 🙂
Francismaus schrieb:erst einmal: Die Fotos sind traumhaft!
😊 Vielen Dank!!!
Francismaus schrieb:auch weil wir im November/Dezember diesen Jahres fast die gleiche Route fahren und ich hoffe, vielleicht noch ein paar Anregungen zu bekommen.
Oh, das hoffe ich auch und würde mich sehr freuen!
Ich schreib dann jetzt mal weiter, bis später, Betti
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201619. Apr. 2023 ·
Kapstadt, Teil II - Der Tafelberg
Der Tafelberg und wir waren bislang noch nie so recht zusammengekommen. Natürlich hatten wir ihn von unten ausgiebig bewundert. Aber wir wollten auch rauf. Am liebsten per pedes, aber 2012 war der kränkelnde Thomas dafür nicht zu gebrauchen und für die Gondel blies tagelang der Wind zu stark - sie fuhr nicht. Als es dann am Tag unserer Weiterreise endlich windstill war und Thomas wieder auf den Beinen, wollten wir nach einem frühen Frühstück noch mal eben da rauf. Eine durchweg naive Vorstellung. Als wir um 8 Uhr die Straße zur Gondel hochrollten, reihte sich am Rand bereits Auto an Auto, und die Schlange für die Gondelfahrt ohne vorherige Ticketreservierung zeigte eine Wartezeit von schlappen drei Stunden an. Damit hatte sich der Fall erledigt.
Tafelberg mit V&A Waterfront 2012
Für die angepeilte Tour 2021 hatten wir gemeinsam mit den franzickes schon einen Plan mitsamt Route auf einen der ältesten Berge der Welt ausgeheckt, doch dann konnten wir die Reise wegen der Pandemie-Bestimmungen nicht antreten und Ingrid und ihr Ranger stiefelten ohne uns hoch. Beide bestätigten aber die gute Wahl der Guides, mit denen sie das Ganze angegangen waren, und so griffen auch wir auf die Agentur "like2hike" zurück.
Wir hatten dem kleinen Unternehmen zwei Termine zur Auswahl gegeben und die Wahl war nun auf diesen (letztmöglichen) Tag gefallen, weil die Wetterprognose vielversprechend ausgesehen hatte. Doch der Sturm in der Nacht sprach eine andere Sprache, und so sah es zwischenzeitlich leider ganz danach aus, als würden der Tafelberg und wir auch diesmal wieder getrennte Wege gehen.
Als der Wecker um 5.15 Uhr klingelte, peitschte die Palme neben unserem Balkon noch verdächtig heftig hin und her. Um 6 Uhr bewegten sich nur noch leise die Palmwedel. Und als wir um 6.30 Uhr wie vereinbart unsere Guides Rita und Christoph an der Cable Car Talstation trafen, wehte nicht mehr das leiseste Lüftchen. Wir konnten es kaum glauben. Auch Rita nicht, die - wie sie mir später gestand - eine fast schlaflose Nacht verbracht hatte vor Sorge, der Trip könne nicht stattfinden. Sie und Christoph, eigentlich Berufsmusiker und seit 2018 auch professionelle Bergführer, hatten zuletzt Pech gehabt mit vielen Ausfällen und kurzfristigen Absagen, vor allem Corona-bedingt.
Wir hatten unser Schicksal bei der Wahl des Tracks in die Hände unserer Guides gelegt, vorab auf Nachfrage ein paar Informationen zu eventuellen Wünschen (schöne Aussicht), Fitnesszustand, Schwindelfreiheit (beides okay) und Klettererfahrung (keine) durchgegeben.
Versper mit Rita - und einem gigantischen Ausblick
Bevor wir losliefen, informierte uns Christoph noch flugs und der Form halber über das korrekte Verhalten bei einem Überfall; nämlich ggf. bereitwillig alle Habseligkeiten herzugeben und sich keinesfalls zu wehren. Mir fehlte indes die Phantasie mir vorzustellen, dass Thomas seine Kamera so mir nichts, dir nichts herausrücken würde, und ein Blick auf seine missbilligend gerunzelte Stirn bestätigte das nur. Ich seufzte. Es blieb also nur zu hoffen, dass dieser (unwahrscheinliche) Fall nicht eintreten würde, und dann ging es auch schon los.
Direkt neben der Talstation stiegen wir in den India-Venster-Trail ein. Der Name sagte uns natürlich nichts, aber auf einem Pfad unter der Gondel entlang ging es ohne große Umschweife steil bergauf. Von 0 auf 100, ich kam ganz schön ins Schnaufen, aber war der Puls erst einmal oben, lief es sich ganz gut.
Es war ein herrlicher Morgen, mild und mit strahlendem Sonnenschein, und ich war glücklich. Wenn auch körperlich zu beansprucht, um mich mit Rita zu unterhalten, die perfekt Deutsch spricht und mir auf Anhieb sympathisch war. Christoph als Anführer unseres Quartetts ließ uns regelmäßig bei kleineren Stopps zu Atem kommen und erzählte viel über Kapstadt und die vielfältige Pflanzenwelt am Tafelberg, die uns auch wirklich beeindruckte. Ebenso wie die vielen Sunbirds, die uns umschwirrten. Für einen Moment bedauerten wir, aus Gewichtsgründen kein Tele eingepackt zu haben, doch es war eine goldrichtige Entscheidung. Das war relativ schnell und zweifelsfrei klar.
Denn der Weg wurde zusehends anspruchsvoller, schon mussten wir öfter die Hände zu Hilfe nehmen. Drehten wir uns um oder machten eine Pause, eröffneten sich überragende Aussichten über die Stadt und das Meer. Ich war so richtig in meinem Element.
Bei einige Passagen mussten wir richtig klettern, was unter der Anleitung von Rita und Christoph gut gelang und vor allem Riesenspaß machte. Hätte mir jemand im Vorfeld detailliert beschrieben, wie die Route beschaffen sein würde, hätte ich wahrscheinlich dankend abgelehnt. Nun aber hatten wir Freude daran, uns Meter um Meter nach oben zu schieben und selbst zu überraschen. Ohne die beiden hätten wir es allerdings sicher nicht geschafft - und richtigerweise auch gar nicht erst versucht oder zumindest zeitnah abgebrochen.
Schon relativ weit oben führte uns Christoph schließlich um einen Felsvorsprung herum. Wir ließen die Beine baumeln und plünderten die Frühstücksboxen, die uns das Derwent House mitgegeben hatte. Rita und Christoph hatten zudem Humus, Brot und einen Fruchtsalat für uns alle dabei und so schlemmten wir nach Herzenslust - und mit einer One Million Dollar View.
Zurück auf dem Trail machte der Weg einen Schlenker in Richtung Camps Bay. Links von uns die dramatischen, glatten Wände des Tafelbergs, rechts wieder neue spektakuläre Aussichten.
Und eine Pflanzenpracht, die wir inmitten dieser scheinbar unwirtlichen felsigen Landschaft nicht erwartet hatten.
Doch entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten holten wir die Kameras kaum einmal aus dem Rucksack heraus und begnügten uns mit Handybildern, die Rita und Christoph netterweise von uns machten. Ein Service der beiden, den wir gerne nutzten, denn wir hatten keinen Sinn dafür und nicht nur sprichwörtlich alle Hände voll zu tun.
So langsam verließen uns die Kräfte, eine andere Gruppe überholte uns. "It needs to get done now", ächzte eine Britin in meinem Alter, ich musste lachen, aber sie sprach mir aus der Seele. Und dann, nach vier Stunden, war es vollbracht. Ein letzter Schritt, und wir standen auf der Spitze des Tafelberges. Erschöpft, aber auch stolz. Gemessen an unserer (ausbaufähigen) Fitness und Unerfahrenheit beim Klettern hatten wir uns gut geschlagen.
Bescheinigten uns auch Rita und Christoph, die sich hier oben von uns verabschiedeten und in Richtung Seilbahn stapften. Wir hatten die Zeit mit ihnen sehr genossen und uns durchgängig gut aufgehoben gefühlt. Wir wanderten noch ein wenig über das riesige, drei Kilometer breite Plateau und blickten in alle Richtungen, die vielen Menschen waren nach der relativen Einsamkeit auf dem Track ein kleiner Schock. Trotzdem war es schön dort oben, und zu entdecken gab es auch eine Menge.
Wir hofften mit der Gondel zurückfahren zu können, ich konnte mir kaum vorstellen, auch wieder herunterzulaufen - und wenn, dann auf einem deutlich leichteren Weg. Für mittags war wieder mehr Wind angekündigt worden, doch er blieb aus, und die Seilbahn fuhr (bevor sie ihre Tätigkeit einstellt, wird dreimal ein Signal gegeben, und dann heißt es sich sputen). Es dauerte eine Weile, bis wir in der Gondel waren, die Warteschlange war lang. Einmal drin, schwebten wir binnen sechs Minuten nach unten. Auch spektakulär, aber kein Vergleich zu unserem Wandererlebnis.
Unten angelangt gingen wir zum Auto, das wir am frühen Morgen noch direkt an der Talstation hatten abstellen können. Nun herrschte Verkehrschaos und jede noch so kleine Lücke war zugeparkt.
Zurück beim Derwent House gaben wir uns spontan den Nachmittag frei und streckten am Pool alle Viere von uns. Am Abend bekochten uns Ingrid und Helmut, sie freuten sich über unsere gelungene Tour und feierten den Gipfelsturm 😉 mit uns. Schon wieder so ein perfekter Abschluss eines wunderschönen Tages.
Unser Fazit zum Aufstieg über den India-Venster-Trail: Ein relativ kurzer und direkter, aber keineswegs leichter Weg. Großer Unterhaltungswert, sehr abwechslungsreich und unbedingt lohnenswert, aber für nicht klettererfahrene Wanderer wie uns auch anspruchsvoll. Mit einer guten Fitness und unter professioneller Anleitung aber gut machbar. Schwindelfreiheit hilft, wirklich exponiert ist man aber nicht, wenn man nicht will. Sicherung ist nicht nötig, streckenweise sind Leitern und Ketten als Kletterhilfen vorhanden. Die Ausblicke sind fantastisch. Ein ebenso spannender wie schöner Trail. Es gibt aber auch jede Menge Alternativen, wie zum Beispiel den Kasteelspoort Trail (den glaube ich die franzickes gewandert sind). Und wer weiß: Vielleicht machen wir den auch nochmal.
tapfer, tapfer. Ich hätte es nicht bis oben geschafft. Aber Ihr wurdet mit einem grandiosen Wetter und einer tollen Aussicht belohnt.
Sag mal, wohnen die franzickes in Kapstadt?
LG
Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
franzicke2’085 Beiträge · seit 201220. Apr. 2023 ·
Moin mein Betti, was war das für ein toller Tag - und so so schön, dass wir so nah dran waren und gleich noch einen tollen gemeinsamen Abend dranhängen konnten 😎 Wir sind übrigens ein Jahr zuvor (Ich glaube sogar am gleichen Datum) tatsächlich den Kasteelspoort Trail gegangen. Und den fand ich mit meinen kaputten Knien auch schon nicht ohne, aber es war eben auch ganz ganz großartiges Erlebnis. Und gerne rühre ich hier auch gleich noch ein bisschen die Werbetrommel mit, denn Christoph und Rita machen das eben außergewöhnlich gut, so dass wir uns immer sicher gefühlt haben und gleichzeitig nie sowas wie überbehütet.
Jetzt bleib mal schön dran mit dem nächsten Tagen, liebe Grüße Ingrid
Old Women1’545 Beiträge · seit 201320. Apr. 2023 ·
Hallo, Betti, Respekt, aber dass ihr wandern könnt, weiß ich ja spätestens seit eurem Patagonien-Trip. Auf einigen Trails sind wir 2020 ja auch gewandert, und die hatten es in sich 😮 ! Auf den Tafelberg haben wir es bis jetzt wegen des Wetters noch nie geschafft, also: mein Neid ist mit euch!
Bevor wir losliefen, informierte uns Christoph noch flugs und der Form halber über das korrekte Verhalten bei einem Überfall; nämlich ggf. bereitwillig alle Habseligkeiten herzugeben und sich keinesfalls zu wehren. Mir fehlte indes die Phantasie mir vorzustellen, dass Thomas seine Kamera so mir nichts, dir nichts herausrücken würde, und ein Blick auf seine missbilligend gerunzelte Stirn bestätigte das nur. Ich seufzte. Es blieb also nur zu hoffen, dass dieser (unwahrscheinliche) Fall nicht eintreten würde, und dann ging es auch schon los.
Oh je, männlicher Widerspruchsgeist, ob der bei so einer Aktion jedoch angebracht gewesen wäre.......?
bei Euren fantastischen Bildern kann man ja gar nicht anders, als sich noch schnell ins volle Auto zu quetschen. 🙂 Mein absolutes Lieblingsbild ist die zusammengekuschelte Erdmännchen-Familie. Sowas von süß! Aber auch der kleine Eli mit Blumenstrauß ist genial! Die Landschaftsbilder sowieso. Kaptstadt und Umgebung sind halt einfach traumhaft.
Für die Klettertour auf den Tafelberg habt Ihr meinen vollen Respekt. Leider nichts für Leute mit Höhenangst wie mich. 🙄
Den Tafelberg zu Fuß hoch, das haben wir auch schon mal geschafft. Ist ja auch kein Wunder, schließlich sind wir fast Kinder der Berge. Wobei ich mich sehr gut erinnere, dass unsere Tour wirklich sehr anstrengend war und wir waren froh, abends mit der Seilbahn den Weg zurückgondeln zu dürfen. Und es war ein unglaublich schönes Erlebnis. Anstrengend, aber wir waren mächtig stolz auf uns, als wir dann nach etlichen Stunden oben waren. Am besten hat uns die Passage gefallen, wo man nach Camps Bay runterschauen konnten. Das war einfach nur KLASSE! 🙂
Unbedingt empfehlenswert, und vor etlichen Jahren waren wir nach oben noch ganz allein unterwegs.
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201624. Apr. 2023 ·
Good morning ihr Lieben,
Gabi-Muc schrieb:tapfer, tapfer. Ich hätte es nicht bis oben geschafft. Aber Ihr wurdet mit einem grandiosen Wetter und einer tollen Aussicht belohnt.
🙂 Das stimmt. Es gibt aber ja auch viel leichtere Wege, die Kletterei muss man sich nicht antun, wenn man nicht will. Ich dachte wirklich, es sei so eine "Once in a lifetime"-Sache. Nun spielen wir aber wirklich mit dem Gedanken, das irgendwann noch einmal (auf anderem Track) zu wiederholen. Mal sehen...
franzicke schrieb:was war das für ein toller Tag - und so so schön, dass wir so nah dran waren und gleich noch einen tollen gemeinsamen Abend dranhängen konnten
🙂 🙂 😘
franzicke schrieb:Und gerne rühre ich hier auch gleich noch ein bisschen die Werbetrommel mit, denn Christoph und Rita machen das eben außergewöhnlich gut, so dass wir uns immer sicher gefühlt haben und gleichzeitig nie sowas wie überbehütet.
Das hast du mal wieder sehr schön gesagt...
Old Women schrieb:Auf den Tafelberg haben wir es bis jetzt wegen des Wetters noch nie geschafft
Dranbleiben, es lohnt sich!
Old Women schrieb:Oh je, männlicher Widerspruchsgeist, ob der bei so einer Aktion jedoch angebracht gewesen wäre.......?
😄 😄 🤪 Ganz sicher nicht.
tina76 schrieb:bei Euren fantastischen Bildern kann man ja gar nicht anders, als sich noch schnell ins volle Auto zu quetschen.
😊 Für dich ist immer ein Platz frei! 🙂
tina76 schrieb:Kaptstadt und Umgebung sind halt einfach traumhaft.
... Seufz!!! ...
tina76 schrieb:Für die Klettertour auf den Tafelberg habt Ihr meinen vollen Respekt. Leider nichts für Leute mit Höhenangst wie mich.
Es gibt so viele Wege und auch welche, auf denen man überhaupt nicht mit exponierten Stellen in Berührung kommt. Aber sie sind dann wohl auch ein bisschen öder...
bayern schorsch schrieb:es war ein unglaublich schönes Erlebnis. Anstrengend, aber wir waren mächtig stolz auf uns, als wir dann nach etlichen Stunden oben waren.
Yep, das ging uns genauso. 🙂
bayern schorsch schrieb:Unbedingt empfehlenswert, und vor etlichen Jahren waren wir nach oben noch ganz allein unterwegs.
Das ist man außerhalb der Ferien jetzt auch noch, soweit ich weiß. Wobei ich gerade in der Gegend von Kapstadt gar nicht so sehr die absolute Einsamkeit suche (subjektives Sicherheitsempfinden).
Ich freue mich, dass ihr weiter dabei seid, vielen Dank dafür, das motiviert!
BeatnickThemenstarter1’721 Beiträge · seit 201624. Apr. 2023 ·
Happy New Year und nordwärts
An unserem letzten vollen Tag in Kapstadt stellten wir uns keinen Wecker, waren aber trotzdem wieder einigermaßen früh auf den (von der Kletterei noch etwas schweren) Beinen. Das Frühstück war ein Hammer und wir genossen es umso mehr im Schatten auf der Veranda, als wir am Vortag wegen der Tour auf den Tafelberg nicht dazu gekommen waren.
Dann fuhren wir mit dem Auto in Richtung Waterfront, am Silvestermorgen war die Stadt wie leergefegt. Wahrscheinlich schonten alle ihre Kräfte für später. Das kam uns gut zupass, wir rutschten binnen weniger Minuten durch die City und parkten in der Tiefgarage beim Zeitz Mocca, dem größten Museen für zeitgenössische Kunst in Afrika.
Das Museum stand auf unserer Todo-Liste sehr weit oben, und das zu Recht. Schon die Architektur ist sehenswert, und die Atmosphäre in dem alten, umgebauten Getreidesilo speziell. Fast schon mystisch. Kurzum: Uns fiel ein wenig die Kinnlade herunter, als wir den gigantischen Bau betraten.
Wir rauschten im gläsernen Aufzug nach ganz oben und überblickten vom Dach die noch immer stille Stadt. Dann fokussierten wir uns vor allem auf die Ausstellung "When We See Us" mit Werken schwarzer Künstler aus den vergangenen 100 Jahren (noch bis zum 3. September 2023). Wieder ein Tipp von Ingrid und wieder ein richtig guter.
Der Titel ist in Anlehnung an die Netflix-Miniserie "When They See Us" (2019) entstanden, die wir uns vor einigen Jahren angeschaut haben. Auch das lohnt sich.
Als wir das magische Mega-Museum nach über zwei Stunden verließen, blinzelten wir in die Sonne. Zurück in der Realität. Es war heiß geworden, und wir waren ein wenig planlos. Mir fiel der Zettel ein, der am Vorabend auf meinem Kopfkissen gelegen hatte mit den üblichen drei Tipps des Tages. Ich hatte ihn instinktiv eingesteckt.
Wir liefen nun also hinein ins Gewusel bei der berühmten Victoria & Alfred Waterfront, wo es uns allerdings wie schon 2012 viel zu rummelig war, und auf möglichst direkter Route einmal quer durch. Unterwegs erstand Thomas in der Markthalle eine riesige Tüte mit dem besten Biltong, das ihm je untergekommen ist, es war so viel, er hatte tagelang etwas davon.
Wir ahnten nur die Richtung, erkannten aber hinter dem anderen Ende der Waterfront das Grand Africa Cafe & Beach wieder, wo wir den ersten Abend mit den franzickes verbracht hatten. Kurz dahinter fanden wir den gesuchten Oranjezicht City Farm Market. Ein wunderschöner Wochenmarkt mit regionalen Produkten, Ständen mit Essen aus aller Welt und toller Atmosphäre direkt am Meer. Wir kauften uns frischgepresste Säfte, mischten uns an den langen Bierbänken unter das kunterbunte Volk und ließen uns einfach anstecken von der guten Stimmung.
Als der Markt um 14 Uhr dichtmachte, liefen wir wieder quer durch die V&A Waterfront zum Parkhaus zurück. Unterwegs fielen uns die Seelöwen auf, die sich ungeachtet des Trubels um sie herum einen lauen Lenz machten und auf den Stegen räkelten. Eine Glaskasten zur Landseite schützt sie stellenweise vor allzu zudringlichen Besuchern.
Andere zogen im Wasser ihre Kreise oder tollten herum, einfach nur zum Spaß. Von oben konnten wir ihr entspanntes Treiben wunderbar beobachten.
Nur einmal wurde es hektisch, als sich zwei der Tiere plötzlich unverhofft auf einen vermeintlichen Artgenossen stürzten, der unterhalb des Steges auf den Felsen hockte. Er sah ohnehin schon ramponiert aus, dachte ich, mit seinem verstrubbelten Pelz. Erst bei seinem übereilten Rückzug ins Wasser erkannte ich am Schwanz und am Kopf, dass es sich nicht um eine Robbe (oder eine Ratte), sondern um einen Otter handelte. Thomas sah ihn auch und wollte noch ein Foto machen, doch er war auf und davon. Da waren wir platt.
Die Seelöwen waren nach dem kurzzeitigen Krawall schnell wieder im Floating-Modus, und es war so heiß, dass ich sie um ihr erfrischendes Bad ein wenig beneidete. Wiederum sah das Wasser nicht sehr einladend aus. Wir überließen sie schließlich ihrem Freizeitvergnügen und schlenderten weiter.
Noch nie waren wir in Bloubergstrand. Noch so etwas, das wir nachholen wollten, und das taten wir nun auch. Wir schafften es zügig heraus aus der Stadt, dann cruisten wir an der Küste mit dem langen, weißen Sandstrand entlang, jenseits der Bucht präsentierte sich der Tafelberg in voller Pracht. Für die Kitesurfer ist die Gegend ein Eldorado und ich war fast erstaunt, dass sie sich in dem Gewimmel nicht verhedderten.
Auf der anderen Seite der Straße ist dagegen vieles zugebaut und nicht unbedingt preisverdächtig schön, aber der Blick übers Wasser, der hat was. Wir parkten bei einer kleinen Feriensiedlung, wo es einen felsigen Abschnitt gibt und sich die Wellen spektakulär brechen.
In den natürlichen Pools fischten die Reiher und badeten die Kormorane, das hatte hohen Unterhaltungswert und gerne wären wir noch bis zum Sonnenuntergang bleiben. Doch es war der Silvesterabend und wir hatten etwas noch viel Besseres vor.
Auf dem Rückweg war der Verkehr stadteinwärts nun viel dichter geworden, das Partyvolk machte mobil. Auf dem Weg durchs Zentrum sahen wir Vorbereitungen auf die Neujahrsparade, aber auch viel Elend. Armut und Kriminalität seien in den vergangenen Jahren weiter hügelaufwärts gerückt, berichteten uns Einheimische.
In unserem Viertel unterhalb des Tafelbergs spürten wir davon nicht viel, ein Privileg, natürlich. Hotels und Häuser werden bewacht und der tapfere Wachmann vor unserer Herberge verabschiedete uns in den Abend, als wir uns zu Fuß auf den Weg zum nur wenige hundert Meter entfernten Cafe Paradiso machten, einem lässigen Klassiker in der Kloof Street.
Ingrid hatte einen Tisch reserviert, sie und Helmut waren schon da, und wir verbrachten einen herrlichen Abend mit tollen Gesprächen und richtig gutem Essen. Als wir um 23 Uhr eine weitere Flasche Wein bestellten, wunderten wir uns über den erstaunten Blick des Kellners und erst recht, als wir im Restaurant eine Viertelstunde später fast die letzten Gäste waren. Die Mitarbeiter stellten die Stühle auf die Tische. Hä? 45 Minuten vor dem Jahreswechsel?
Unser Fehler. Der Laden machte die Schotten um 23 Uhr dicht. So wie immer. Oha! Das hatten wir buchstäblich nicht auf der Uhr. Nun war Spontaneität gefragt, wir wackelten zurück zu unserem Hotel und stießen am Pool miteinander an. Das hatte auch seinen Reiz und war in der lauen Sommernacht urgemütlich.
Schließlich verabschiedeten sich unsere Freunde, zum Glück sollte es schon bald ein Wiedersehen geben. Nämlich am Ende unserer Reise, aber bis dahin war (leider und auch glücklicherweise) noch Zeit.
Für uns hieß es am nächsten Tag Abschied nehmen von Kapstadt. Wir hatten die Tage in vollen Zügen genossen, waren aber auch bereit für Neues. So früh am Neujahrsmorgen war kein Verkehr, noch einmal hielten wir bei Bloubergstrand, dann rollten wir auf der R27 weiter nordwärts.
Am 120 Kilometer von Kapstadt entfernten West Coast National Park bogen wir links ab, wir wollten zumindest einen Eindruck bekommen. Der war durchweg so positiv, dass wir beschlossen, irgendwann noch einmal wiederzukommen. Es gibt Bird Hides, Aussichtspunkte, die tolle türkisfarbene, an diesem Ferientag allzu belagerte Lagune und die Postberg-Sektion, die nur während der Blumenblüte von August bis September geöffnet ist. Zu dieser Jahreszeit wollen wir zurückkehren.
Grundsätzlich ist der Park eine Oase der Ruhe, das war auch diesmal so - mit eben Ausnahme der vielen badenden Urlauber rund um die Lagune. Besonders eindrucksvoll fanden wir Tsaarsbank Beach, wo der Atlantik mit voller Wucht gegen die Felsen kracht und sie unermüdlich rund schleift.
Wir liefen ab den Stränden entlang und in die Felsen, zwischen August und Oktober sollen sich hier Wale blicken lassen. Noch ein Grund, um wiederzukommen. Aber auch so sahen wir viele Tiere in dieser wilden Umgebung, vor allem Vögel, und wir ließen uns viel Zeit dabei, sie zu beobachten.
Wir hätten Stunden hier verbringen können, doch ich spürte, wie uns die Zeit weglief. Ich signalisierte Thomas, der Zeit und Raum vergessen hatte, "zehn Minuten noch". Er zog ein Gesicht, fügte sich aber in sein Schicksal. Sturer Westfale, der er ist, alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Ein letzter Blick zurück, dann ging es weiter. Wir mussten wieder fast ganz um die Lagune herum, um zum Parkausgang bei Langebaan zu gelangen, und das dauerte. Puh, wir hatten noch mehr als 150 Kilometer vor uns.
Wir entschieden uns dennoch, nicht über die N7 und Clanwilliam zu fahren, sondern hinter Piketberg auf die R366 und dann auf die R364 abzubiegen. Es war eine wunderschöne Fahrt durch herrliche, einsame Gegenden - zumindest vermeintlich.
Denn als wir die ersten Paradieskraniche unseres Lebens sahen, blieben wir mitten auf der Straße stehen, schließlich war weit und breit nichts und niemand in Sicht - dachten wir. Thomas sprang aus dem Auto und fotografierte, und ich beschloss schließlich, doch noch ein paar Meter weiter in einen kleinen Feldweg hineinzufahren und dort zu parken.
Kaum war auch ich ausgestiegen, steuerten zwei dicke Polizei-Bakkies mit Festbeleuchtung auf mich zu. Ich bekam einen Riesenschreck, wich instinktiv zurück und hob halb die Arme, doch die vier Polizisten, die nun in voller Montur auf mich zuliefen, winkten ab. Sie hatten uns (von wo auch immer) aus der Ferne beobachtet und waren nun nicht nur neugierig, was wir entdeckt hatten, sondern auch, wie die Qualität der Bilder sein würde.
Ich weiß nicht, was für Vorstellungen sie hatten. Aber sie waren ehrlich überrascht, was für ein Aufhebens wir um den südafrikanischen Nationalvogel machten. Und dürften die nächste Enttäuschung beim Blick auf den Monitor der Kamera erlebt haben, als sie Thomas umringten. Gegenlicht, Hitzeflimmern und die Vögel weit weg - da war nix herauszuholen. "Hmhmhm", machten sie. Gaben uns Tipps, wann und wo wir diese - für sie alltäglichen - Vögel entdecken könnten, verabschiedeten sich herzlich und brausten schließlich wieder so schnell ins Nichts zurück, wie sie daraus aufgetaucht waren. Ein sehr nettes, aber auch surreales Intermezzo.
Erstaunt, amüsiert und auch ein bisschen erleichtert gondelten wir weiter durch die grandiose Landschaft. Und nahmen uns einmal mehr vor, diesen Teil Südafrikas künftig noch einmal intensiver zu bereisen.
Am frühen Abend waren wir schließlich da. Bezogen unser Zimmer im Haupthaus der Grootvlei Guest Farm, das wir uns gewünscht hatten und das uns auch gut gefiel, und fuhren dann die paar Kilometer nach Lamberts Bay zurück. Wir hatten ein riesiges Loch im Magen und wollten zudem die Lage peilen. Ganz besonders beschäftigte uns die spannende Frage, ob wir die Vogelinsel mit ihrer großen Kaptölpel-Kolonie überhaupt würden besuchen können, wegen der wir gekommen waren. Der Zugang war zuletzt wegen Bauarbeiten gar nicht oder auch nur eingeschränkt möglich gewesen.
Wir parkten am Hafen, wo ein Damm zur drei Hektar kleinen Insel führt. Wir konnten die Vögel hören, vor allem aber riechen, sobald wir aus dem Auto kletterten. Der Guano verströmte eine strenge Note, an die wir uns erst gewöhnen mussten. Noch tagelang trugen unsere Klamotten einen leisen Hauch Eau de Guano. Auf den Dächern saßen Möwen und Kormorane, ganze Schwärme flogen über uns hinweg, und in der Ferne sahen wir Basstölpel dicht an dicht auf der Insel hocken - Vögel überall.
Das Kassenhäuschen hatte schon dichtgemacht, würde aber am Morgen seine Pforten öffnen. Wir waren erleichtert.
Blieb nur noch die Frage nach etwas Essbarem, die sich gar nicht so leicht beantworten ließ, denn in dem kleinen Fischerort sind Restaurants rar gesät. Isabellas Restaurant, wohl am bekanntesten und direkt gegenüber von Bird Island, hatte an dem Abend keine Speisen im Angebot, sondern nur Getränke (Loadshedding?). Roestyd gleich ums Eck sah verhalten vertrauenserweckend aus, aber mangels Alternativen versuchten wir unser Glück.
Der vierschrötige Wirt schickte uns zunächst wegen einer geschlossenen Gesellschaft weg, besann sich dann aber. Wahrscheinlich sahen wir verzweifelt aus. Wir setzten uns drinnen auf eine Holzbank, keine Speisekarte und kein Chichi, Thomas bekam eine Fleischplatte vom Grill und ich als Vegetarierin einen ganzen Berg Bratkartoffeln mit hausgemachtem Kartoffelsalat. Lecker! Wir waren im Paradies, und das ganz unverhofft.
Pappsatt, aber auch ein bisschen durchgefroren machten wir uns auf den Heimweg. Die Sonne schien, aber es war kalt an der rauen Atlantikküste, die so ganz anders war als alles in den Tagen zuvor. Ich fröstelte und freute mich nach dem langen Tag auf mein Bett. Aus dem Fenster blickten wir über die Dünen aufs Meer, ein spektakulärer Sonnenuntergang kündete von einer sternklaren Nacht. Als ich später ins Bad musste, waren die Sterne urplötzlich verschwunden. Ich konnte mir keinen rechten Reim darauf machen.