KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201212. Jan. 2021 ·
Hermann schrieb: Konntet Ihr eigentlich das Auto immer bedenkenlos zum Fotografieren verlassen ohne auf eventuelle Raubtiere achten zu müssen?? 😐
Lieber Hermann,
Nein, bedenkenlos aussteigen ohne auf evtl. Raubtiere achten zu müssen, das ging natürlich nicht. Wie immer in der Natur muss man vorher schon schauen, ob die Luft rein ist, bevor man aussteigt. 😎 Ich gebe zu, dass wir es vielleicht im Gonarezhou ein wenig zu locker praktiziert haben, denn wir haben zwar erst die Lage gepeilt, haben uns aber dann nach dem Aussteigen sehr ausgiebig im Freien bewegt. Seit unserer Auge-in-Auge-Begegnung mit dem kapitalen Löwen in der zentralen Kalahari ein Jahr später sind wir wesentlich vorsichtiger, wenn wir aussteigen. Die Situation kann sich ja so fix ändern, und so schnell können wir gar nicht laufen ....
Ich habe gerade deinen interessanten Reisebericht entdeckt und da mich Simbabwe auch reizt und ich bisher leider nur die Vic Falls kenne, reise ich gerne mit euch! 🙂
Hallo Klaudi, genau auf solche Fotos habe ich gehofft! Als wir '95 im Gonarezhou NP waren, haben wir nur wenige Tiere in großer Entfernung gesehen. Auf Grund des Bürgerkriegs im benachbarten Mozambique und der damit einhergehenden Wilderei waren die überlebenden Tiere extrem scheu. Schön zu sehen, dass es sich deutlich zum besseren geändert hat. LG, Karsten
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201215. Jan. 2021 ·
KarstenB schrieb: genau auf solche Fotos habe ich gehofft! Als wir '95 im Gonarezhou NP waren, haben wir nur wenige Tiere in großer Entfernung gesehen. Auf Grund des Bürgerkriegs im benachbarten Mozambique und der damit einhergehenden Wilderei waren die überlebenden Tiere extrem scheu. Schön zu sehen, dass es sich deutlich zum besseren geändert hat.
Hallo Karsten,
das freut mich zu hören. Wir fanden die Tierdichte sehr gut, hatten aber natürlich keinen Vergleich zu früher. Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft sich positiv auswirkt. Wollten wir hoffen, dass die derzeitige Situation durch Corona dem Park nicht wieder den Garaus macht.
VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201215. Jan. 2021 ·
Nadine3112 schrieb: Ich habe gerade deinen interessanten Reisebericht entdeckt und da mich Simbabwe auch reizt und ich bisher leider nur die Vic Falls kenne, reise ich gerne mit euch! 🙂
Hallo Nadine 3112,
das Land ist wirklich wunderschön und vor allem so vielfältig. Die Vic Falls sind ja nur ein Highlight von vielen.
VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201217. Jan. 2021 ·
Donnerstag, 26. April 2018
Ruhetag. Sonnenaufgang fotografieren, genüsslich frühstücken, rumtrödeln, ein bisschen Wäsche waschen. Auch heute winkt Caretaker Peter freundlich, bevor er sich an die Arbeit macht. Ranger Aaron schaut vorbei, befragt uns in der üblichen Art und Weise (wo kommt ihr her? Wie gefällt euch Zimbabwe? …..) und empfiehlt uns zum Schluss, doch einfach mal den Bereich der Campsites zu erkunden. Wenn wir uns von Nr. 1 aus südlich hielten, kämen wir zu den Stromschnellen des Runde, die seien sehr schön. Wir stutzen, denn auch hierzu sagt der Reiseführer kein Wort, und machen uns wenig später auf, die Gegend zu Fuß zu erkunden.
Wir schlendern entlang der Zufahrtswege zu den einzelnen Campsites, immer nach Süden. Jede Campsite hat ihre Vor- und Nachteile (mal mehr Blick auf den Fluss, dafür weniger Schatten, mal viel Schatten, dafür vom Weg her einsehbar), aber letztendlich sind alle schön gelegen und in tadellosem Zustand. Südlich von Nr. 1 verjüngt sich der Fahrweg zu einem Trampelpfad, der nach einigen hundert Metern am Runde endet. „Boah glaubse“, würde Herbert Knebel sagen, „kein Wort im Reiseführer, und dann das“. Vor uns erstreckt sich das hier sehr breite Flussbett des Runde.
Aller Untergrund Fels, Tümpel, kleine Kaskaden, Stromschnellen, es rauscht und plätschert um uns herum. Die Höhenunterschiede im Flussbett lassen es zu, dass wir, von Stein zu Stein hüpfend, weit in den Fluss hinein laufen können.
Mit jedem Meter, den man weiter in den Fluss hinein gerät, ergeben sich neue Perspektiven.
Die Fotoapparate klacken was das Zeug hält. Natürlich auch hier Elefanten und Hippos, sehr fotogen im Fluss und am Ufer drapiert.
Aaron, wir danken dir für diese Empfehlung. Nach zwei Stunden müssen wir leider zurück in den Schatten unserer Campsite, da ich vergessen hatte mich einzucremen.
Einziger Wermutstropfen in diesem schönen Ausflug: direkt hinter CS Nr. 1 rattert in einem offenen Pumpenhaus ein alter Diesel ohne Schalldämpfer und treibt eine Wasserpumpe an, die die gesamte Station Chipinda Pools mit Wasser versorgt. Es dröhnt infernalisch und um das Haus herum schwebt ein feiner Dieselnebel. Angeblich soll bald auf Solar umgestellt werden, aber wann, weiß natürlich niemand.
Zurück auf unserer Campsite, wir erholen uns gerade von unserem Ausflug, fällt uns aus einem Baum eine Schlange direkt vor die Füße. Nach dem ersten Schreck beschließen wir, dass sie für uns wohl nicht gefährlich sein wird und entspannen wieder. Die Schlage findet ihr Tun offensichtlich normal: sie schaut kurz von rechts nach links und schlängelt weiter ins hohe Gras.
Im warmen Licht des Nachmittags klettern wir hinunter zum Wasser, um eine bessere Position zum Fotografieren einnehmen zu können. So nah an Hippos und Krokodilen klopfen unsere Herzen eindeutig schneller als sonst, und als eine große Gruppe Elefanten sich vom gegenüberliegenden Ufer aufmacht, zu uns herüber zu kommen, treten wir den Rückzug an.
So beobachten wir das nachmittägliche Bad aus sicherer Position. Die Elefanten baden so ausgelassen, dass Hippos und Krokodile sich lieber in ruhigere Bereiche verziehen.
Das Schauspiel dauert etwa eine Stunde, und dann, wie auf ein Kommando, ist plötzlich Ruhe. Die Elefanten drehen ab und ziehen rasch wieder ans andere Ufer.
Was für ein schöner Tag war das heute! Keinen Kilometer gefahren und doch so viel gesehen und erlebt. Leider legt sich der Wind abends nicht, so dass wir früh ins Zelt kriechen. Draußen heulen die Hyänen und ein Leopard „hustet“ leise vor sich hin.
Was für ein Tag habt ihr da im Gonarezhou NP erlebt! Da blutet das Herz umso mehr, dass wir das letztes Jahr nicht erleben konnten... Wunderbare Fotos und Beschreibungen - es fühlt sich ein bisschen an, als ob wir mit dabei sein können!
Die Schlange sieht übrigens wie eine Spotted Bush Snake aus und ist (falls die ID stimmt) wirklich harmlos.
Was für geniale Elefantensichtungen! Beneidenswert!
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201223. Jan. 2021 ·
@Zugvogel schrieb: Die Schlange sieht übrigens wie eine Spotted Bush Snake aus und ist (falls die ID stimmt) wirklich harmlos.
Hallo Stefanie, danke für die Bestimmung. Diese Spotted Bush Snake ist uns auf der gesamten Reise fast täglich begegnet und wir waren im Laufe der Zeit ziemlich sicher, dass sie völlig harmlos ist. Die Erstbegegnung war für uns nur so verstörend: Da sitzt du, trinkst einen Tee, schaust auf's Wasser, es macht bumm und eine Schlange fällt direkt vor deine Füße. Wir waren dermaßen erschrocken ... 😮
@ Enilorac65 Ja, die Elefantensichtungen waren wirklich beeindruckend. Die Population im Gonarezhou hat sich stark verbessert.
Habe soeben deinen Reisebericht entdeckt 🤪 So schön! Ich werde definitv mitlesen. Wir waren im Januar 2019 für 3 Wochen in Zimbabwe. Es war eines der schönsten Länder Afrikas, in denen ich bisher war und wenn es möglich ist, werde ich definitiv nochmals dorthin fahren. Aufgrund der politischen Unruhen zu der Zeit und der Tatsache, dass es landesweit keinen Sprit zu kaufen gab, war die Planung nicht ganz einfach. Ich hatte viele Fragen vor dem Trip- und ein Bericht wie dieser, hätte uns bestimmt ein wenig geholfen die Situation einzuschätzen. Jetzt bringt es viele schöne Erinnerungen hervor. Vielen Dank für den Bericht! 😁
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201225. Jan. 2021 ·
Trisha schrieb: Es war eines der schönsten Länder Afrikas, in denen ich bisher war und wenn es möglich ist, werde ich definitiv nochmals dorthin fahren.
Hallo Trisha,
so ging es uns auch. Wir waren jeden Tag auf's Neue begeistert. Sobald die Situation es wieder erlaubt, werden auch wir wieder hinfahren.
VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201225. Jan. 2021 ·
Achtung! Der heutige Tag wird extrem textlastig. Ich erinnere heute, fast 3 Jahre später nicht, warum ich keine Fotos unterwegs gemacht habe. Im ersten Teil der Fahrt war es sicherlich nicht attraktiv und auf der Serpentinenstraße in die Berge kamen so viele LKW entgegen, dass wir beide unentspannt waren. Da dieser Tag aber für uns so dramatisch geendet hat, müsst Ihr euch jetzt durch den Text quälen.
Freitag, 27. April 2018
Nach drei Tagen in Chipinda Poos wollen wir heute weiter. Am Wasser ist morgens nicht viel los, das macht den Abschied leichter.
Auf dem Weg zum Gate schauen wir uns noch die zerstörte Runde-Brücke und die Furt an.
Von Ranger Aaron wissen wir, dass gestern zum ersten Mal nach der Regenzeit ein LKW die Furt passiert hat, für uns ist der Wasserstand aber eindeutig noch zu hoch.
Beim Auschecken am Gate - wir plaudern noch ein wenig mit den Angestellten - lässt sich wieder eine Schlange vom Himmel, besser gesagt vom Strohdach, fallen. Niemand nimmt Notiz davon und auch wir tun nun cool – kennen wir ja schon. Die Ranger wissen nicht, wie die Schlange heißt, aber sie sei ungefährlich. Nun denn.
Mit 80 Sachen geht es wieder durch die Malilangwe Conservancy und weiter nach Chiredzi, um beim Teilehändler die bestellten Bremsbeläge abzuholen. In Chiredzi wollen wir auch einkaufen - es soll dort einen Pick’n Pay geben - und tanken. Beides ist leichter gesagt als getan: nach drei Runden finden wir den Supermarkt, aber das Angebot ist auch hier nicht üppig. Und Diesel gibt es zurzeit an keiner einzigen Tankstelle in der Stadt. Der Tankwagen sei unterwegs, heißt es, aber es würde dauern.... Es rettet uns dann die „Engen“ an der A10, und wir tanken randvoll.
Über die A10 geht es zuerst nach Osten bis zur Brücke über den Save. Bisher kennen wir von Simbabwe ja nur die Lowlands, die beim Durchfahren keinen wirklichen Augenschmaus bieten. Rechts und links der Straße flaches Land, mal verbuscht, ab und an mit großen Bäumen gespickt. Die Lowlands sollen in der „guten alten Zeit“, also bis 1980, fruchtbares Ackerland gewesen sein, wovon man leider nun wenig sieht. Die Kleinbauern machen ihrem Namen alle Ehre und wirtschaften wirklich auf ganz kleinem Niveau: Nicht jeder von ihnen bewirtschaftet einen Hektar, und wenn, dann auch mehr schlecht als recht. Der angebaute Mais oder andere Feldfrüchte wachsen spärlich. Das gesamte Bewässerungssystem der früheren Jahre ist de facto nicht mehr vorhanden und demzufolge stellen alle Pflanzen ihr Wachstum bald nach der Regenzeit ein. Wie schon gesagt, das reicht zum satt werden, aber zu mehr auch nicht.
Kurz hinter Rupangwana macht die A10 einen 90-Grad-Schwenk und nun geht es entlang des Save immer nach Norden. Auch hier flaches, ehemals bestes Ackerland, das mit Save-Wasser bewässert wurde. Jetzt, obwohl der Fluss noch viel Wasser führt, nur hier und dort mal ein üppiger Acker. Kein Traktor, kein Gaul, allenfalls mal ein Ochse oder ein paar Esel. Und schlimmstenfalls spannt man sich selbst vor’s Gerät.
Nördlich von Chibunji, die gute Asphaltstraße hat sich längst in eine mit Schlaglöchern verseuchte „Restfahrbahn“ verwandelt, tauchen im Osten die ersten Berge auf. Das tut unseren Augen gut, obwohl diese konsequent wegen der straßenbedingten Herausforderungen nach vorne gerichtet sind. Warum auch immer, uns scheint, als wenn am Fuße der Berge ein wenig Wohlstand eingezogen sei. In Rupisi blüht das Leben: viele neue, nett und bunt gestaltete Häuschen, hier und da ein Auto, besser gekleidete Menschen. Zu gern würden wir die Ursache dieser positiven Veränderung wissen.
Bei Tanganda geht es dann endlich ab nach Osten in die Berge. Sofort steigt die Straße an, fast serpentinenartig führt sie in die Bergwelt. Alles üppigst grün, wir kommen uns vor wie im Urwald. Der Gegenverkehr ist heftig, denn diese Straße kommt aus Mozambique. Es ist nicht die Dichte des Verkehrs sondern der Fahrstil und vor allem das Selbstverständnis, das die meisten LKW-Fahrer in Schwarzafrika an den Tag legen, was die Begegnungen gefährlich macht. Da bleibt im wahrsten Sinne wenig Platz für ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dennoch, diese Straße ist eine Wucht, immer höher führt sie uns in die Berge. Bis auf 700 m Höhe wachsen noch viele Baobabs, danach folgt undurchdringlicher Urwald. Über 1200 m Höhe, und auch weiter nach Osten, folgen Nutzwald und, man staune, Bananenplantagen. Die Nutzholzplantagen sind in beklagenswertem Zustand, es wird nur noch primitiv abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Große Sägewerke dümpeln und gammeln vor sich hin, eine große Köhlerei verpestet zwar noch die Luft, aber drumherum herrscht schon Rockytocky.
Unser heutiges Ziel, die Chimanimani-Berge, erreichen wir am Nachmittag. Der Reiseführer lobt dieses Gebiet über den grünen Klee, und in früheren Jahren hätte das vielleicht seine Berechtigung gehabt. Aber der kleine Ort Chimanimani ist verblüht, die umliegenden Hänge abgeholzt, an den Straßen „lungern“ die Arbeitslosen herum. Unseren Plan, im Ort auf einer kleinen Farm zu übernachten, verwerfen wir und buchen stattdessen im örtlichen Büro der Naturschutzbehörde gleich zwei Nächte auf der Campsite innerhalb des kleinen Nationalparks an den Bridal Veill Falls. Schließlich wollen wir ja morgen noch eine Wanderung machen.
Was für ein Kontrast zu den nackten Hängen von Chimanimani: Der kleine Nationalpark entpuppt sich als üppiger Urwald, der in einer steil abfallenden Schlucht die Hänge bedeckt. Nach Passieren des Schlagbaums führt eine enge Naturstraße in vielen Serpentinen hinunter in die Schlucht. Die Sonne ist schon verschwunden hinter den hohen Bergen. Und als wir endlich die Campsite erreichen, empfinden wir den Ort doch als sehr „schattig“. Aber die Unterstände sind frisch gestrichen und machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck.
Doch oh weh! Die Inspektion der Toiletten und Duschen zaubert das schiere Entsetzen auf unsere Gesichter. Wann diese Fazilitäten einmal benutzbar waren, kann man noch nicht mal mehr erahnen. Überall Schutt, zertrümmerte Waschbecken und Toiletten, seit ewigen Zeiten kein Wasser mehr. Wir werden also heute in die Büsche verschwinden müssen, und Wasser werden wir aus dem klaren Bächlein nebenan holen. Wir sind ja alleine hier, und für eine Nacht wird’s schon gehen, die zweite werden wir definitiv nicht hier verbringen, soviel steht sofort fest.
Wir installieren uns also, erkunden ein bisschen die Umgebung, da kommt ein Auto die Schlucht herunter. Zwei „Knüssel“, wie man im Rheinland sagen würde, sitzen drin, halten an, behaupten, sie seien beauftragt, hier nach dem Rechten zu sehen. Es kitzelt mich zu sagen, dass das auch dringend nötig sei, aber ich verkneife mir das dann doch. Bei Helmut halten sie ebenfalls an, sprechen ihn auf hämische Weise an, dass sie sehr froh seien, dass wir ihr Land besuchen. Alles sehr irritierend, aber leider erst im Nachhinein. Danach verschwinden sie weiter talab, wo es, wie wir schon erkundet haben, keine Parkgrenze gibt und das Schutzgebiet in freies Land übergeht. Man fragt sich, warum es oben einen Schlagbaum gibt.
Es vergeht eine knappe Stunde, da kommen die beiden schon wieder den Berg hinunter, fahren langsam an unserem Lager vorbei. Als sie das dritte Mal kommen, sind wir nicht allein, denn zwei einheimische Familien besichtigen auf die Schnelle die Breidal Veill Wasserfälle. Mal wieder machen wir uns, unausgesprochen und jeder für sich, Gedanken über diese merkwürden Typen.
Es wird dunkel, wir fangen an zu kochen. Das Lagerfeuer will wegen der hohen Feuchtigkeit nicht brennen. Im Nachhinein würde man meinen, zum Glück! Wir essen zu Abend, sitzen im Unterstand bei Kerzenschein. Trotz des hohen Geräuschpegels des nahen Baches und Wasserfalls, glauben wir weiter oben ein Auto zu hören. Zwei Menschen, ein Gedanke: wir löschen sofort unser Licht und horchen in die stockfinstere Nacht. Nichts mehr. Kein Motor, kein Scheinwerfer. Haben wir uns getäuscht? Schemenhaft taucht einige Minuten (oder Sekunden?) später an der von uns aus ersten einsehbaren Straßenkehre oberhalb der Campsite das weiße Auto unserer beiden Freunde auf. Kein Motor, kein Licht, das Auto rollt langsam den Berg hinab. Zwei Menschen, kein Wort: wir lassen alles stehen und liegen und „flüchten“ ins Auto. Unsere Herzen rasen. Was wollen die? Während wir noch darüber nachdenken, ob wir mit ausgeklapptem Dachzelt den Berg hinauf kämen, und ob wir noch was mitnehmen können oder alles „im Riss“ lassen, rollt das Auto im Schritttempo vorbei und hält unterhalb der Campsite am Rande der Lichtung an. Unsere Gedanken schießen kreuz und quer …. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann rollt das Auto weiter den Berg hinab, ohne Motor und ohne Licht. Im Nachhinein denken wir, dass sie wohl überrascht waren, alles dunkel vorzufinden und uns nicht sehen zu können. Vielleicht haben sie selbst dann auch ein bisschen Angst bekommen, wie die Sache für sie ausgehen könnte, und von ihrem Vorhaben abgelassen.
Der Rest ist schnell berichtet: Sie sind weg, wir schmeißen alles lose und unverpackt in wilder Hetze ins Auto, klappen das Dachzelt nur einmal rum, ohne es zu verzurren, und preschen in vollem Tempo den Berg hinauf. Sobald wir rollen, löst sich die schlimmste Anspannung, wir haben Hoffnung, dass wir mit dem Schrecken davon kommen. Unser Tempo bergauf können sie mit ihrem Auto auf keinen Fall gehen, soviel steht fest. Gottlob ist der Schlagbaum oben offen, so dass wir ohne eine Harakiri-Aktion rauskommen. In unserem Zustand hätten wir ihn, wäre er verschlossen gewesen, wahrscheinlich einfach niedergewalzt. 😄 Als wir die ersten Lichter von Chimanimani sehen, halten wir erleichtert an und beratschlagen, wie wir weiter vorgehen.
Der Reiseführer empfiehlt die Campsite der „leger geführten“ Heaven Mountain Lodge, aber als wir dort ankommen, entscheiden wir uns für ein „Chalet“ – wir wollen nur noch an einem sicheren Ort zur Ruhe kommen. Und, ob Ihr das glauben könnt oder nicht, wir schlafen tief und fest bis zum nächsten Morgen. Die Spinne, die mir nachts über’s Gesicht krabbelt, registriere ich nur im Halbschlaf. 😉
Ach ihr Armen! Ich kann mir euren Schreck gut vorstellen. Uns geht es gleich, wir haben immer viel mehr Angst vor Zweibeinern, und ich meine nicht Vögeln, als von Tieren. Zum Glück war alles dunkel! Sehr gut gemacht. Meine Kanadische Freunde hatten so eine Situation im Western Corridor als Poachers mit Taschenlampen gegen sie auf den Zeltplatz kamen. Sie fuhren dann mit offenem Zelt schnellstens zur nächsten Loge. Schon unheimlich. Mir hat es nur einmal auf der Ihaha campsite Angst gemacht, da die oft von Dieben heimgesucht wird. Ich bin sehr froh dass ihr nur mit dem Schrecken davon gekommen seit. Katrin
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201226. Jan. 2021 ·
BMW schrieb:
....man kann nichts beweisen aber man fühlt instinktiv, dass etwas nicht stimmt....
Hallo BMW, ja, so ist es. Das ist ja das paradoxe: man weiß nicht wirklich, was passiert wäre, wenn man sich anders verhalten hätte. Trotzdem sind wir auch im Nachhinein fest davon überzeugt, dass diese Typen etwas im Schilde führten.
@ Sadie Liebe Katrin, danke für dein Mitgefühl. Als wir 2019 in Botswana unterwegs waren, haben wir um Ihaha einen Bogen gemacht. Ich hatte über die diversen Vorkommnisse dort gelesen und wollte das nicht noch einmal erleben. Komischerweise hat der Vorfall in Chimanimani aber grundsätzlich unser Vertrauen in das Campen in Afrika nicht negativ beeinträchtigt. Wir sind nur ein bisschen wachsamer seitdem bei unbewachten Campsites, die in der Reichweite von Ortschaften liegen. Von daher: je einsamer, je besser. Eine Campsite im CKGR ist mir hundertmal lieber, auch wenn einem da schon mal ein ausgewachsener Löwe in die Quere kommt 😗 .
Ach Du liebe Güte, auf so eine Situation kann man echt gut verzichten. Da war der schnelle Rückzug die einzig richtige Entscheidung. Was immer die Typen im Sinn hatten, selbstgebastelte Armbänder oder geschnitzte Nüsse wollten die euch bestimmt nicht verkaufen...
Yanjep
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201227. Jan. 2021 ·
yanjep schrieb:Ach Du liebe Güte, auf so eine Situation kann man echt gut verzichten. Da war der schnelle Rückzug die einzig richtige Entscheidung. Was immer die Typen im Sinn hatten, selbstgebastelte Armbänder oder geschnitzte Nüsse wollten die euch bestimmt nicht verkaufen...
😄 😄 Hallo yanjep, so haben wir das auch gesehen. Selbst wenn sie uns "nur" bestehlen wollten - wer weiß schon, wie so eine Sache eskaliert, wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft.
VG Klaudi
BikeAfrica7’349 Beiträge · seit 200627. Jan. 2021 ·
… und vielleicht waren die tatsächlich dafür da, um für Sicherheit zu sorgen und sind dann, als kein Licht mehr bei euch war, ohne Motor und Licht runtergerollt, um nicht zu stören?
Ich gebe zu, ich habe nicht den ganzen Text gelesen, aber was ich las, lies beide Möglichkeiten zu.
Gruß Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201227. Jan. 2021 ·
@ BikeAfrica
Hallo Wolfgang, das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Sie haben Motor und Licht 3 Serpentinen oberhalb abgestellt und sind dann den Berg hinab gerollt. Es war 19 Uhr. Wieso sollten sie denken, sie würden uns stören?
Wie dem auch sei: wir werden es nie erfahren, denn wir haben uns der Situation entzogen.
VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201228. Jan. 2021 ·
Samstag, 28. April 2018
Beim ersten Licht erwachen wir, kräftig unterstützt von allen Hähnen und Hunden des Dorfes. War das ein böser Traum oder Realität? Wir können nicht glauben, dass wir nach diesem Erlebnis eine so gute Nacht hatten und uns auch jetzt völlig angst- und stressfrei fühlen. Und das, obwohl wir uns im „Chalet“ gar nicht so wohl fühlen. Schon gestern Abend hatten wir beschlossen, zwar auf dem Bett, aber im eigenen Schlafsack zu schlafen. Und das Geschirr werden wir vor der Benutzung auch besser einmal selbst abspülen. Wie der Reiseführer schon beschrieb: leger geführt. Und das heißt im Klartext, dass der Betreiber (ein Alt-Hippie) es nicht so genau nimmt mit der Einrichtung und der Pflege. Auf den Fotos, die ich hier einstelle, sieht es ganz nett aus ....
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Egal, es ist ohnehin zu kalt, um im Sitzen in der Küche zu frühstücken, und so nehmen wir unsere Müslischalen in die Hand und ziehen nach draußen in die ersten Sonnenstrahlen. Von der Terrasse aus geht der Blick weit in die Berge bis hinüber nach Mozambique. Aber unser Entschluss steht fest: der Blick kann so schön sein wie er will, in Chimanimani wollen wir nicht bleiben.
Unseren erstaunlich entspannten Zustand mag man auch daran ablesen, dass Helmut noch Muße hat, vor der Abfahrt die neuen Beläge auf die hinteren Bremsen zu montieren.
In einer guten Stunde ist alles erledigt, danach schnell duschen in der Hoffnung, dass das Wasser aus dem Brausekopf wenigstens sauber ist, und dann nichts wie weg.
Die Straße windet sich durch die Berge, erst ein bisschen westlich, dann nach Norden. Wo kommen nur all die Menschen her, die uns begegnen oder an bestimmten Plätzen sich versammelt haben? Wir sind doch mitten im Gebirge und Häuser oder Hütten sieht man nur wenige.
Am Ende einer sehr steilen Bergab-Passage liegt ein LKW hoch auf der Straßenböschung auf dem Dach.
Als wir ein Foto schießen, kommt ein Bauer hinzu, der folgendes erzählt: Vor 19 Monaten (ja, das hält er ganz genau nach) ist dieser LKW eines chinesischen Bohrunternehmens hier aus der Kurve geschleudert worden, nachdem die Bremsen versagt hatten. Und seitdem liegt das Wrack hier und rostet vor sich hin. Alles Brauchbare ist natürlich mittlerweile von der lokalen Bevölkerung abmontiert und verwertet worden, für den Rest interessiert sich niemand. Und dann hält der Bauer noch einen Vortrag über den Chinesen im Allgemeinen und den Chinesen in Zimbabwe im Besonderen, und das ist nicht besonders positiv.
Nach einer guten Stunde verlassen wir die Berge, fahren nun westlich davon durch die Odzi-Ebene. Vorzeitliche Riesen scheinen hier Sandkasten gespielt zu haben: in die Landschaft eingesprenkelt sind kegelförmige Berge, die aus überdimensionalen Murmeln bestehen.
Endlich tauchen östlich die vom Reiseführer ebenfalls über den Klee gelobten Bvumba-Berge auf. Auch westlich liegen Bergketten, fast genauso schön, jedoch unbeschrieben und in der Karte ohne Namen. Ursprünglich wollten wir im Anschluss an Chimanimani zwei Tage in den Bvumba-Bergen verbringen, aber nach unserem gestrigen Erlebnis haben wir erst einmal die Nase voll von einsamem Bergland an der Grenze zu Mozambique. Schon heute Morgen hatten wir beschlossen, westlich von Mutare auf dem Gelände einer Lodge zu campen. So streifen wir also nur die Bvumbas, durchqueren Mutare und drehen ab nach Westen.
Mutare ist die „schwarzeste“ Stadt auf unserer bisherigen Reise. Ehemals sehr weiß und wohlhabend, lebt hier nur noch eine Handvoll Weißer unauffällig am Stadtrand. Heute wuselt es in der Stadt in allen Fortbewegungsarten: zu Fuß, mit Schubkarre, Fahrrad, Roller, Moped, Auto, Bus. Am Rande der ehemals gut entwickelten Innenstadt erstreckt sich ein riesiger Markplatz, und wir fühlen uns nach Uganda „gebeamt“. Niedrige baufällige Unterstände, bezogen mit schwarzer Plastikfolie, verstärkt mit Blech, Plastik, Pappe, zusammengehalten mit Draht, Kordel oder Bindfaden, soweit das Auge reicht. Dazwischen liegen die Waren – Schuhe, Kleidung, Kochtöpfe, Plastikwaren, Möbel, Lebensmittel – und laufen tausende von Käufern. Auf den Straßen ein chaotischer Verkehr, denn Mozambique ist sehr nah und hat – zumindest gefühlt – seine sämtlichen Schwerlasttransporte über die Grenze geschickt. Nix wie raus aus dieser Stadt!
Nach 20 Kilometern Fahrt durch das westlich gelegene Bergland gelangt man wieder in die Flussebene des Odzi und hier liegt am Fuße der Hügel ein kleines Juwel, die Musangano Lodge. Was für ein Kontrast und welche Wohltat für unsere strapazierten Nerven. Noch auf der schlechten Zufahrtstraße waren wir skeptisch, nichts ließ von außen dieses Paradies erahnen. Aber sofort nach der Durchfahrt des Tors verzaubert der gepflegte Garten jeden Besucher.
Es blüht in allen Farben, die Wege gepflegt, der Rasen englisch kurz, die Gebäude in hervorragendem Zustand und liebevoll gestaltet.
Wir könnten hier auch ein Chalet nehmen – zurzeit keine weiteren Gäste – aber der Ort strahlt so viel Sicherheit aus, dass wir uns für die Campsite entscheiden.
Muss ich erwähnen, dass wir auch hier die einzigen Camper sind? Die CS liegt etwas abseits der Lodge in einem lichten Laubwäldchen, klein und gepflegt. Die sanitären Anlagen sind ein Traum, gestaltet aus Naturmaterialien der Umgebung und bestens gepflegt. Bei der Ankunft hatten wir auf die Frage, wieviel Nächte wir bleiben würden, noch verhalten geantwortet: „1 oder 2, kommt darauf an, wie es uns gefällt.“ Aber wir beschließen spontan, dass wir hier 3 Nächte bleiben und die Bvumba-Berge als Tagesausflug „abarbeiten“ werden.
Der Rest des Tages ist schnell erzählt: wir erkunden die Umgebung, fotografieren im schönen Garten und essen im Restaurant zu Abend. Endlich zergeht uns mal wieder eines der sensationell guten Rinderfilets auf der Zunge. Wie haben wir das vermisst.