Reisebericht

Schönes, armes Simbabwe // Reise April-Mai 2018

von Klaudi · begonnen 28. Dez. 2020 · 19 Teile

Teil 128. Dez. 2020
Liebe Fomis,

zurzeit ist Corona-bedingt eine kleine Flaute hier im Forum, zumindest was Reiseberichte angeht. Ich habe daher mein Reisetagebuch von 2018 heraus gekramt und die entsprechenden Fotos gesichtet. Ab heute werde ich nun unsere Reise durch Simbabwe aus dem Jahr 2018 hier einstellen, auch wenn vielleicht das eine oder andere mittlerweile überholt ist. Das ändert aber nichts daran, dass Simbabwe ein wunderschönes Land ist, das es sich lohnt zu bereisen.

Unsere Reise beginnt mit zwei Tagen Verspätung: Beim Einkaufen der Vorräte in Midrand entdeckten wir auf dem Parkplatz eine Öllache unter unserem Cruiser – kein gutes Zeichen. Wie sich herausstellt, ist am Getriebe ein Simmerring kaputt und muss ausgetauscht werden. Auto fängt halt mit „Au“ an. Auch wenn wir so zwei Tage verlieren, sind wir froh, dass wir den Schaden so früh entdeckt haben. Nicht auszudenken, wenn uns das Getriebe in Simbabwe in der Mitte von Nirgendwo trocken gelaufen wäre.

Wir starten also erst am 21. April und nicht schon donnerstags. Glücklicherweise haben wir keinerlei Reservierungen für Simbabwe vorgenommen, so dass wir frei und ohne Zeitdruck sind. Von Johannesburg aus geht es über die N1 nach Norden. Landschaftlich ist diese Fahrt wenig abwechslungsreich. Erst bei Erreichen der Soutpansberge wird es interessant, die Straße schlängelt sich über Berge und durch Täler. Je weiter wir nördlich kommen, je dichter wird der Bewuchs mit großen Baobab-Bäumen, die noch voll im Laub stehen.

Über das Internet hatte ich morgens ein B&B im „Dei Gratia“ in Musina gebucht.
Im tropischen Garten des „Dei Gratia“ steht ein gewaltiger Baobab, unter dem wir am Nachmittag – mit zwei Tagen Verspätung - unseren ersten Ankommer-Shandy trinken.


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Vom bunten Treiben dieser ziemlich „schwarzen“ Grenzstadt spürt und hört man hier nichts. Im gepflegten und frisch gesprengten Garten huschen die schwarzen Angestellten lautlos dahin. Mit solchem Luxus ist dann morgen Schluss: Um 7 Uhr sind wir mit der „Grenzhelferin“ der simbabwischen Tourismusbehörde verabredet, die uns durch das Chaos schleusen wird.



Sonntag, 22. April 2018

Nach einer sehr guten Nacht im weichen Luxusbett

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sind wir früh auf und lassen uns im tropischen Garten ein warmes Frühstück schmecken. Elsie, die gute schwarze Seele des Dei Gratia, serviert uns voller Stolz ihre Spiegeleier mit Speck. Sie liebt ihre Arbeit, wie sie sagt, und das merkt man auch. Viel Zeit haben wir leider nicht, denn die Grenze wartet auf uns. Beim Passieren des Tors klingelt mein Telefon und am anderen Ende ist Anesu, die Grenzhelferin, und fragt, ob wir planmäßig unterwegs sind. Was für ein Service!

Die Abfertigung auf südafrikanischer Seite geht einigermaßen schnell, und dann rollen wir über die Brücke des Limpopo auf die simbabwische Seite. Direkt rechts kommt ein junger Mann auf uns zu und wirkt. Wer ist das? Erst als er mich mit Namen begrüßt, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Anesu ist ein Mann. Ich hatte eine Woche zuvor mit ihm telefoniert, weil ich auf meine diversen Emails an seine Chefin keine Antwort bekommen hatte. Seine Stimme war für mich eindeutig weiblich, und der Name Anesu war daher für mich klar ein weiblicher. So kann man sich irren – ich hoffe jedenfalls, Anesu hat von all dem nichts gemerkt. Dafür macht er seinen Job wirklich klasse: Er schleust uns professionell durch alle Instanzen, so dass wir nach einer guten Stunde und zahlen aller möglichen Gebühren mit den Formalitäten fertig sind und einreisen können.

Leider hatten wir uns streng an die Bestimmungen zum begrenzten Lebensmittelimport gehalten (kein Fleisch, kein Gemüse …), so dass wir noch in Beitbridge versuchen, im dortigen Spar unsere Vorräte aufzufüllen. Was für eine Enttäuschung: Das Angebot ist äußerst begrenzt und das Schlimmste: das angebotene Fleisch verströmt einen Duft, der uns fast fluchtartig zur Kasse schreiten lässt. Dann eben die nächsten Tage kein Fleisch … Gottseidank hatte Petra von der Lodge in Midrand uns 300 g italienische Salami verkauft, die ich in Decken gehüllt über die Grenze geschmuggelt hatte. Das muss dann reichen, bis wir hoffentlich in einer größeren Stadt wieder etwas bekommen können.

Unser erstes Ziel, den Gonarezhou Nationalpark, erreichen wir am frühen Nachmittag. Der Zustand der Asphaltstraße hat uns positiv überrascht und auch die Naturstraße ab Rutenga war wesentlich besser als befürchtet. Kuriosität am Rande: Wir laufen auf eine 4-spännige Donkeykarre auf und fahren einige Zeit hinterher. Der Kutscher drischt in üblicher Manier auf die Esel ein und erreicht eine Geschwindigkeit von 35 km/h!.

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Die Parkverwaltung des süd-westlichen Teils ist stationiert in Mabalauta und hier gibt es einen Campingplatz direkt am Mwenzi gelegen, auf dem wir uns für zwei Tage einmieten.

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Die Unterstützung der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft scheint erste Früchte zu tragen: die Parkverwaltung macht einen sehr guten Eindruck, die Campsite ist hergerichtet, der Sanitärblock gerade in Renovierung.

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Wir sind’s jedenfalls zufrieden und richten uns unter großen Bäumen ein. Wir sind die einzigen Gäste und bleiben es auch. Leider sind wir wohl etwas „früh" im Jahr im Park, denn große Teile sind noch gesperrt, da unpassierbar nach der Regenzeit. Auch die Transitstrecke nach Nord-Osten bis Chipinda-Pools ist noch geschlossen, so dass wir „außen rum“ fahren müssen, wenn wir am Dienstag weiter fahren.

Am Nachmittag erkunden wir die Flussauen um uns herum. Wie schön es doch ist, im späten Licht am Fluss entlang zu cruisen: Die tiefstehende Sonne sendet ein weiches Licht aus, das alle Farben intensiv und warm leuchten lässt.

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Unsere Sichtungen sind nicht spektakulär, aber gerade die „kleinen Tiere“ lassen eine Stimmung wie in der Pastorale aufkommen. Majestätische Kudubullen, recken Ihre Hälse,

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große Herden Impalas grasen friedlich am Ufer,


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und Giraffen, Nyalas

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alle friedlich vereint.

Einzig der frühe Einbruch der Dunkelheit macht uns ein wenig traurig. Ab 17.30 Uhr nimmt das Licht rapide ab und um 18.00 Uhr ist es schon sehr dunkel.


So, das waren die ersten beiden Tage. Ab jetzt geht es tageweise weiter.

VG Klaudi
Teil 231. Dez. 2020
Montag, 23. April 2018

In der Nacht rufen die Hyänen um uns herum, trotzdem schlafen wir im Dachzelt wie immer gut. Noch vor Sonnenaufgang klappen wir das Zelt zusammen und fahren in Richtung der Flussauen zum Frühstück auf einen Picknickplatz am Wasser.

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Auch hier wurde renoviert, das Dach des Unterstandes ist neu gedeckt. Mit einem Ranger kommen wir ins Gespräch. Er arbeitet schon sein ganzes Berufsleben im Park und begrüßt die positiven Veränderungen, die nun auch wieder Touristen anlocken. Der frühere Chef des Parks habe sich mit Abschüssen sein Gehalt aufgebessert, aber seit einiger Zeit sei das Wild wirklich geschützt.

Uns zieht es weiter nach Süden bis zu den Rossi Pools

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und zur Brücke über den Fluss.

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Die Spuren der letzten Flut sind noch deutlich an der Vegetation und am Brückenbauwerk abzulesen.

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Hatten wir nicht gemeint, Auto fängt mit „au“ an? Als Ursache für das schleifende Geräusch am linken Hinterrad, das uns schon in den ersten Tagen aufgefallen war, hatten wir bisher ein verbogenes Schutzblech der Bremsscheibe vermutet. Als Helmut heute das Blech richten will, stellt er fest, dass einer der Bremsbeläge völlig verschlissen ist und nun Metall auf Metall läuft. Wie kann das sein? Die hatten wir doch erst nach der Tour im Frühjahr 2016 erneuern lassen. Naja, wie dem auch sei, damit wollen wir nicht durch Simbabwe fahren. Beim Workshop der Parkverwaltung fragen wir, wo sie ihre Ersatzteile einkaufen. Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, aber ein zufällig anwesender Landmaschinenmechaniker meint, wir sollten es mal bei Croco Motors in Chiredzi versuchen.


Am Nachmittag erkunden wir die nördlich gelegenen Ostufer des Mwenzi

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bis zum Makwakwani Viewpoint. Auch hier hat man einen „Ausguck“ auf den felsigen Untergrund gebaut. Hier könnte man sogar übernachten, es gibt eine Long-Drop Toilet, aber ansonsten keine sanitären Einrichtungen …. "Bring your own water and firewood" … Das neue Konzept für den Gonarezhou beinhaltet den Ausbau dieser sogenannten Wilderness Campsites. Überall im Park entstehen neue Plätze, an denen man für satte 90 US$ pro Nacht und Stellplatz campen darf.

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Zum Abschluss des Tages zieht es uns noch einmal in die Flussauen. Die Abendsonne verwandelt wieder alles in ein goldenes Licht. Wie aus dem Nichts tauchen 8 Giraffen auf und kreuzen unseren Weg in Richtung Fluss.


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Welch ein schöner Abschluss des Tages. Noch nicht ganz: Zurück auf der Campsite ziehen Elefanten trompetend durch den Fluss.
Teil 304. Jan. 2021
Dienstag, 24. April 2018

Heute wechseln wir in den Nord-Ostteil des Parks. Wie gesagt, wir müssen „außen rum“, d.h. raus aus dem Park nach Norden, dann nach Osten und am Runde wieder nach Süden.

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Auf dem Weg zum Chikombedzi-Gate lassen wir uns Zeit und schauen noch beim Samalema Gorge vorbei. Das Bett des Mwenzi ist hier extrem felsig und der Fluss hat sich im Laufe der Zeit eine imposante Schlucht geschaffen.

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Das Schöne im Gonarezhou ist, dass man fast überall im Park das Auto verlassen darf. Natürlich auf eigene Gefahr...
Wir klettern über die Felsen und versuchen, alle Eindrücke fotografisch einzufangen. Die Sonne steht uns noch im Rücken und die Farben sind unvorstellbar schön.

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Dann also raus aus dem Park, den ersten Teil so, wie wir gekommen sind.

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Von Mbizi aus wagen wir dann – als Abkürzung – eine Erdstraße Richtung Norden nach Chingwizi, die dann später auf die A10 treffen wird. Die ersten Kilometer kommen wir schnell voran, die Straße ist breit und lässt sich gut fahren. Dann wird es anspruchsvoller, je weiter wir ins Hinterland kommen, umso schlechter wird die Straße, umso langsamer kommen wir voran. Aber wir sehen, wie die Menschen leben: überall rechts und links kleine Gehöfte, d.h. einige Hütten, ein Kral, ein bisschen Mais drumherum, ein paar Kühe. Satt wird man so, aber mehr auch nicht. Aber alles tiptop blank gefegt, kein Müll, kein Plastik.

Kurz bevor wir den Runde überqueren, beginnt intensiver Zuckerrohranbau, der das Bild im gesamten sogenannten Triangle prägt. Zum Anbau von Zuckerrohr braucht man Wasser, welches dem Runde hier in großen Mengen abgezapft wird. Die Felder sind eingedämmt, so dass man sie besser fluten kann. Und da die Dämme nicht immer dicht sind, ist die daran entlangführende Straße ein einziger Morast. Na Mahlzeit. Vom Festfahren im Schlamm haben wir ja seit letztem Jahr die Nase voll, aber wir müssen hier durch, ob wir wollen oder nicht.
Das Auto sieht natürlich aus wie Sau, aber wir sind durch.

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Dann endlich erreichen wir die Runde-Brücke. Am südlichen Ende ragen rechts und links der Brücke meterhohe Sandberge auf, die man nach der letzten Flut dort aufgeschoben hat, damit die Zufahrt passierbar ist. Unvorstellbar, welche Mengen der Fluss bei Hochwasser transportiert und hier ablädt. Zwischen diesen Sandbergen warten wir geduldig, bis eine große Rinderherde die Brücke überquert hat.

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Dann endlich auf der A10 Richtung Triangle/Buffalo Range. Durch den Zuckerrohranbau gibt es hier Arbeit und deshalb haben die Menschen hier ein bisschen Geld. Das sieht man sofort: manch einer hat sogar ein Fahrrad. Himmel und Menschen ansonsten zu Fuß auf der Straße unterwegs. Ein Traktor auf drei Rädern (ein Vorderrad fehlt) kommt uns entgegen. An der Polizeikontrolle werden wir wie gewohnt freundlich durchgewunken. Das war wohl vor dem Präsidentenwechsel noch anders. Reisende und auch Einheimische berichten von Wegelagerei ähnlichen Zuständen.

Bei Croco Motors in Chiredzi wollen wir ja Bremsbeläge kaufen. Pustekuchen, diesen Laden gibt es nicht mehr. Auch ihm ist die Puste ausgegangen in den vielen Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs. Aber der Tankwart meint, wir sollten mal in die Stadt hineinfahren, dort gäbe es sogar einen Toyota-Händler. Gesagt getan, und der Toyota-Händler hat sogar die passenden Bremsbeläge vorrätig. Aber der freundliche Mitarbeiter rät, sie nicht bei ihm zu kaufen, er müsse 200 US$ dafür verlangen, und das sei ja nun wirklich zu teuer. Aber vielleicht hätten wir ja nebenan Glück…. Und dann malt er freundlicherweise noch die Kontur des Belags auf ein Blatt Papier, damit wir auch ja den richtigen kaufen. Nebenan haben wir zwar Pech, aber zufällig hört ein Kunde wonach wir fragen und schaltet sich ein. Er kenne jemanden, der diese Beläge hätte, und den wolle er nun mal anrufen. Und nun haben wir also nebenan doch Glück, die Beläge sind bestellt, angezahlt, und wenn wir Freitag zurück aus dem Gonarezhou kommen, wollen wir sie abholen.

Bevor man den östlichen Teil des Gonarezhou erreicht, muss man die Malilangwe Conservancy durchqueren. Massiver Zaun, martialisches Tor, Eintragung ins Buch und Laufzettel, 45 km auf breiter Piste (sagenhafte 80 km/h sind erlaubt!) bis zum nächsten Tor, Zettel abgeben. Die sogenannte Conservancy ist ein privates Wildschutzgebiet, und wenn man hier zu Gast sein möchte, muss man pro Tag und Person schlappe 1.500 US$ berappen. Dafür kann unsereins mindestens drei Wochen Urlaub machen.

Das Einchecken im Gonarezhou geht dagegen leger vonstatten. Man freut sich, dass wir kommen und wünscht uns einen schönen Aufenthalt. Die Campsites an den Chipinda Pools sind nur ein paar Kilometer weit weg vom Gate direkt am Runde. Auch hier lässt Frankfurt grüßen: Neun sehr großzügige Stellplätze liegen am hohen Ufer nebeneinander. Je drei teilen sich einen Sanitärblock. Duschen, Toiletten, alles renoviert und in bestem Zustand. Auf Empfehlung von Ranger Charles (der mit dem Bart wie ein indischer Sikh) hatten wir schon von Mabalauta aus Campsite Nr. 8 gebucht. Sie ist die vorletzte in der Reihe, hat hohe Schattenbäume und gibt den Blick frei auf den Fluss.

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Campsite Nr. 2 soll auch noch belegt sein, hatte man uns gesagt, ansonsten sind wir mal wieder alleine. Im Fluss grunzen die Hippos, Elefanten tummeln sich auf der vorgelagerten Flussinsel. Durch unser „Vorgärtchen“ laufen Nyalas und Impalas, ein Goliathreiher steht im Schilf.

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Teil 410. Jan. 2021
Mittwoch, 25. April 2018

Was für eine Nacht! Angenehme Temperatur, kein Lärm, jedenfalls kein von Menschen verursachter, sondern nur die Töne der Natur. Wir frühstücken in aller Ruhe mit Blick auf den Fluss und die vorgelagerte Sandbank. Elefanten, Hippos, Krokodile friedlich vereint. Der Camp-Attendant grüßt fröhlich winkend herüber. Jetzt aber los, bevor es zu warm wird. Wir wollen heute mal nach Süden, vielleicht bis zu den Chilojo Cliffs, den Wahrzeichen des Parks.


Dieser Teil des Gonarezhou begeistert uns auf Anhieb. Im Gegensatz zum südwestlichen Teil ist hier, östlich des Runde, alles hügelig, grün bewachsen mit sattem Gras, großen Bäumen, Kandelabereuphorbien.

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Wir fühlen uns wie in einem großen englischen Landschaftspark, nur die Fauna passt nicht so recht nach England. Hier macht die Bezeichnung Nationalpark ihrem Namen alle Ehre. Die frisch geschobene Straße führt uns bergauf, bergab. Von jeder Kuppe ergeben sich neue Ausblicke; östlich liegen Hügel hinter Hügel, westlich das breite Bett des Runde und dann bis zum Horizont die große Ebene, die bis zum Mwenzi reicht.

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Überall in der Landschaft große Baobabs, die auch hier noch voll im Laub stehen.


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Und immer wieder Impalas, Zebras, Wasserböcke, Warzenschweine.

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Auf dem Weg nach Süden zweigt eine Stichstraße ab zur Chivilila Campsite, die direkt am Rundeufer liegen soll. Und weil wir sicherlich diesen schönen Park noch einmal besuchen werden, wagen wir den steilen und steinigen „Abstieg“ hinunter zum Fluss, um zu erkunden, ob der Platz zum campen taugt.

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15 Minuten geht es im Low hinunter. Der Weg ist schmal, weit und breit keine Ausweichstelle in Sicht, bei Gegenverkehr müsste eines der Fahrzeuge also zurück. Und was, wenn uns hier ein Elefant in die Quere kommt?? Die Erinnerungen an 2017 (als uns ein Bulle in Musth attackiert hatte) sind noch nicht verblasst, und wir beide haben die gleichen Gedanken, obwohl wir sie jetzt, während der Fahrt, nicht aussprechen. Unten angekommen werden die Mühen und versteckten Ängste sofort überlagert von einer wunderschönen Aussicht. Aus einer felsigen Schlucht ergießt sich der Runde hier in einige Pools, bevor er weiter südlich wieder, von Felswänden eingezwängt, verschwindet. Das Wasser klar, die Felsen rot, die Vegetation grün und üppig.

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Auf einer glatten Granitfläche steht ein strohgedeckter Unterstand, in einiger Entfernung ein Plumpsklo. Die Lage der Campsite ist grandios, es muss herrlich sein, hier ganz alleine zu campen. Wenn nur nicht die 90 US$ Gebühr wäre.

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Einen ähnlichen Abstecher zum Fluss machen wir noch einmal einige Kilometer weiter südlich, und zwar zum mit Recht so genannten Runde Gorge. Dem Reiseführer ist der Gorge keine Zeile wert, wahrscheinlich war dem Autor die Anfahrt zu beschwerlich. Aber die Schlucht, die der Runde hier geformt hat, muss man gesehen haben. Es ist nicht so sehr die Tiefe, da gibt es sicherlich Spektakuläreres. Aber die Kombination aus rotem Fels, satt-grüner Vegetation, klarem Wasser und weißer Gischt an den Stromschnellen ist wunderschön, und nur schwer können wir uns lösen.

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Wir cruisen weiter Richtung Süden.

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Gegen Mittag erreichen wir die Chilojo Cliffs, oder besser gesagt, die gegenüberliegende Seite.

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Unsere Pause unter Palmen, mit Blick auf die Cliffs, wird leider immer wieder von einzelnen Elefanten gestört und so machen wir uns schweren Herzens auf den Rückweg. Schon auf halbem Hang schauen wir noch einmal zurück: etwa 50 Elefanten queren den Runde – was für ein Bild: die roten Cliffs, der Fluss, die majestätischen Tiere. Auch auf die größere Entfernung hin hören wir sie laut trompeten.

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Auch der späte Nachmittag auf der Campsite gehört den Elefanten. Sie kommen von der gegenüberliegenden Seite durch den Fluss und baden ausgiebig im Pool zu unseren Füßen.

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Nach dem Abendessen wird es uns allerdings zu bunt:


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wir sitzen am Flussufer und lauschen in die Natur, als einige Elefanten aus dem Fluss steigen und auf der Campsite nach Fressbarem suchen. Wir können sie nur schemenhaft sehen, aber es kracht um uns herum in den Büschen und Bäumen. Wir verziehen uns ins Dachzelt.
Teil 517. Jan. 2021
Donnerstag, 26. April 2018

Ruhetag. Sonnenaufgang fotografieren, genüsslich frühstücken, rumtrödeln, ein bisschen Wäsche waschen. Auch heute winkt Caretaker Peter freundlich, bevor er sich an die Arbeit macht. Ranger Aaron schaut vorbei, befragt uns in der üblichen Art und Weise (wo kommt ihr her? Wie gefällt euch Zimbabwe? …..) und empfiehlt uns zum Schluss, doch einfach mal den Bereich der Campsites zu erkunden. Wenn wir uns von Nr. 1 aus südlich hielten, kämen wir zu den Stromschnellen des Runde, die seien sehr schön. Wir stutzen, denn auch hierzu sagt der Reiseführer kein Wort, und machen uns wenig später auf, die Gegend zu Fuß zu erkunden.

Wir schlendern entlang der Zufahrtswege zu den einzelnen Campsites, immer nach Süden. Jede Campsite hat ihre Vor- und Nachteile (mal mehr Blick auf den Fluss, dafür weniger Schatten, mal viel Schatten, dafür vom Weg her einsehbar), aber letztendlich sind alle schön gelegen und in tadellosem Zustand. Südlich von Nr. 1 verjüngt sich der Fahrweg zu einem Trampelpfad, der nach einigen hundert Metern am Runde endet. „Boah glaubse“, würde Herbert Knebel sagen, „kein Wort im Reiseführer, und dann das“. Vor uns erstreckt sich das hier sehr breite Flussbett des Runde.

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Aller Untergrund Fels, Tümpel, kleine Kaskaden, Stromschnellen, es rauscht und plätschert um uns herum. Die Höhenunterschiede im Flussbett lassen es zu, dass wir, von Stein zu Stein hüpfend, weit in den Fluss hinein laufen können.

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Mit jedem Meter, den man weiter in den Fluss hinein gerät, ergeben sich neue Perspektiven.

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Die Fotoapparate klacken was das Zeug hält. Natürlich auch hier Elefanten und Hippos, sehr fotogen im Fluss und am Ufer drapiert.

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Aaron, wir danken dir für diese Empfehlung. Nach zwei Stunden müssen wir leider zurück in den Schatten unserer Campsite, da ich vergessen hatte mich einzucremen.

Einziger Wermutstropfen in diesem schönen Ausflug: direkt hinter CS Nr. 1 rattert in einem offenen Pumpenhaus ein alter Diesel ohne Schalldämpfer und treibt eine Wasserpumpe an, die die gesamte Station Chipinda Pools mit Wasser versorgt. Es dröhnt infernalisch und um das Haus herum schwebt ein feiner Dieselnebel. Angeblich soll bald auf Solar umgestellt werden, aber wann, weiß natürlich niemand.

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Zurück auf unserer Campsite, wir erholen uns gerade von unserem Ausflug, fällt uns aus einem Baum eine Schlange direkt vor die Füße. Nach dem ersten Schreck beschließen wir, dass sie für uns wohl nicht gefährlich sein wird und entspannen wieder. Die Schlage findet ihr Tun offensichtlich normal: sie schaut kurz von rechts nach links und schlängelt weiter ins hohe Gras.

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Im warmen Licht des Nachmittags klettern wir hinunter zum Wasser, um eine bessere Position zum Fotografieren einnehmen zu können. So nah an Hippos und Krokodilen klopfen unsere Herzen eindeutig schneller als sonst, und als eine große Gruppe Elefanten sich vom gegenüberliegenden Ufer aufmacht, zu uns herüber zu kommen, treten wir den Rückzug an.

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So beobachten wir das nachmittägliche Bad aus sicherer Position. Die Elefanten baden so ausgelassen, dass Hippos und Krokodile sich lieber in ruhigere Bereiche verziehen.

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Das Schauspiel dauert etwa eine Stunde, und dann, wie auf ein Kommando, ist plötzlich Ruhe. Die Elefanten drehen ab und ziehen rasch wieder ans andere Ufer.

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Was für ein schöner Tag war das heute! Keinen Kilometer gefahren und doch so viel gesehen und erlebt. Leider legt sich der Wind abends nicht, so dass wir früh ins Zelt kriechen. Draußen heulen die Hyänen und ein Leopard „hustet“ leise vor sich hin.
Teil 625. Jan. 2021
Achtung! Der heutige Tag wird extrem textlastig. Ich erinnere heute, fast 3 Jahre später nicht, warum ich keine Fotos unterwegs gemacht habe. Im ersten Teil der Fahrt war es sicherlich nicht attraktiv und auf der Serpentinenstraße in die Berge kamen so viele LKW entgegen, dass wir beide unentspannt waren. Da dieser Tag aber für uns so dramatisch geendet hat, müsst Ihr euch jetzt durch den Text quälen.

Freitag, 27. April 2018

Nach drei Tagen in Chipinda Poos wollen wir heute weiter. Am Wasser ist morgens nicht viel los, das macht den Abschied leichter.

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Auf dem Weg zum Gate schauen wir uns noch die zerstörte Runde-Brücke und die Furt an.

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Von Ranger Aaron wissen wir, dass gestern zum ersten Mal nach der Regenzeit ein LKW die Furt passiert hat, für uns ist der Wasserstand aber eindeutig noch zu hoch.

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Beim Auschecken am Gate - wir plaudern noch ein wenig mit den Angestellten - lässt sich wieder eine Schlange vom Himmel, besser gesagt vom Strohdach, fallen. Niemand nimmt Notiz davon und auch wir tun nun cool – kennen wir ja schon. Die Ranger wissen nicht, wie die Schlange heißt, aber sie sei ungefährlich. Nun denn.


Mit 80 Sachen geht es wieder durch die Malilangwe Conservancy und weiter nach Chiredzi, um beim Teilehändler die bestellten Bremsbeläge abzuholen. In Chiredzi wollen wir auch einkaufen - es soll dort einen Pick’n Pay geben - und tanken. Beides ist leichter gesagt als getan: nach drei Runden finden wir den Supermarkt, aber das Angebot ist auch hier nicht üppig. Und Diesel gibt es zurzeit an keiner einzigen Tankstelle in der Stadt. Der Tankwagen sei unterwegs, heißt es, aber es würde dauern.... Es rettet uns dann die „Engen“ an der A10, und wir tanken randvoll.

Über die A10 geht es zuerst nach Osten bis zur Brücke über den Save. Bisher kennen wir von Simbabwe ja nur die Lowlands, die beim Durchfahren keinen wirklichen Augenschmaus bieten. Rechts und links der Straße flaches Land, mal verbuscht, ab und an mit großen Bäumen gespickt. Die Lowlands sollen in der „guten alten Zeit“, also bis 1980, fruchtbares Ackerland gewesen sein, wovon man leider nun wenig sieht. Die Kleinbauern machen ihrem Namen alle Ehre und wirtschaften wirklich auf ganz kleinem Niveau: Nicht jeder von ihnen bewirtschaftet einen Hektar, und wenn, dann auch mehr schlecht als recht. Der angebaute Mais oder andere Feldfrüchte wachsen spärlich. Das gesamte Bewässerungssystem der früheren Jahre ist de facto nicht mehr vorhanden und demzufolge stellen alle Pflanzen ihr Wachstum bald nach der Regenzeit ein. Wie schon gesagt, das reicht zum satt werden, aber zu mehr auch nicht.

Kurz hinter Rupangwana macht die A10 einen 90-Grad-Schwenk und nun geht es entlang des Save immer nach Norden. Auch hier flaches, ehemals bestes Ackerland, das mit Save-Wasser bewässert wurde. Jetzt, obwohl der Fluss noch viel Wasser führt, nur hier und dort mal ein üppiger Acker. Kein Traktor, kein Gaul, allenfalls mal ein Ochse oder ein paar Esel. Und schlimmstenfalls spannt man sich selbst vor’s Gerät.

Nördlich von Chibunji, die gute Asphaltstraße hat sich längst in eine mit Schlaglöchern verseuchte „Restfahrbahn“ verwandelt, tauchen im Osten die ersten Berge auf. Das tut unseren Augen gut, obwohl diese konsequent wegen der straßenbedingten Herausforderungen nach vorne gerichtet sind. Warum auch immer, uns scheint, als wenn am Fuße der Berge ein wenig Wohlstand eingezogen sei. In Rupisi blüht das Leben: viele neue, nett und bunt gestaltete Häuschen, hier und da ein Auto, besser gekleidete Menschen. Zu gern würden wir die Ursache dieser positiven Veränderung wissen.

Bei Tanganda geht es dann endlich ab nach Osten in die Berge. Sofort steigt die Straße an, fast serpentinenartig führt sie in die Bergwelt. Alles üppigst grün, wir kommen uns vor wie im Urwald. Der Gegenverkehr ist heftig, denn diese Straße kommt aus Mozambique. Es ist nicht die Dichte des Verkehrs sondern der Fahrstil und vor allem das Selbstverständnis, das die meisten LKW-Fahrer in Schwarzafrika an den Tag legen, was die Begegnungen gefährlich macht. Da bleibt im wahrsten Sinne wenig Platz für ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dennoch, diese Straße ist eine Wucht, immer höher führt sie uns in die Berge. Bis auf 700 m Höhe wachsen noch viele Baobabs, danach folgt undurchdringlicher Urwald. Über 1200 m Höhe, und auch weiter nach Osten, folgen Nutzwald und, man staune, Bananenplantagen. Die Nutzholzplantagen sind in beklagenswertem Zustand, es wird nur noch primitiv abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Große Sägewerke dümpeln und gammeln vor sich hin, eine große Köhlerei verpestet zwar noch die Luft, aber drumherum herrscht schon Rockytocky.

Unser heutiges Ziel, die Chimanimani-Berge, erreichen wir am Nachmittag. Der Reiseführer lobt dieses Gebiet über den grünen Klee, und in früheren Jahren hätte das vielleicht seine Berechtigung gehabt. Aber der kleine Ort Chimanimani ist verblüht, die umliegenden Hänge abgeholzt, an den Straßen „lungern“ die Arbeitslosen herum. Unseren Plan, im Ort auf einer kleinen Farm zu übernachten, verwerfen wir und buchen stattdessen im örtlichen Büro der Naturschutzbehörde gleich zwei Nächte auf der Campsite innerhalb des kleinen Nationalparks an den Bridal Veill Falls. Schließlich wollen wir ja morgen noch eine Wanderung machen.

Was für ein Kontrast zu den nackten Hängen von Chimanimani: Der kleine Nationalpark entpuppt sich als üppiger Urwald, der in einer steil abfallenden Schlucht die Hänge bedeckt. Nach Passieren des Schlagbaums führt eine enge Naturstraße in vielen Serpentinen hinunter in die Schlucht. Die Sonne ist schon verschwunden hinter den hohen Bergen. Und als wir endlich die Campsite erreichen, empfinden wir den Ort doch als sehr „schattig“. Aber die Unterstände sind frisch gestrichen und machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck.

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Doch oh weh! Die Inspektion der Toiletten und Duschen zaubert das schiere Entsetzen auf unsere Gesichter. Wann diese Fazilitäten einmal benutzbar waren, kann man noch nicht mal mehr erahnen. Überall Schutt, zertrümmerte Waschbecken und Toiletten, seit ewigen Zeiten kein Wasser mehr. Wir werden also heute in die Büsche verschwinden müssen, und Wasser werden wir aus dem klaren Bächlein nebenan holen. Wir sind ja alleine hier, und für eine Nacht wird’s schon gehen, die zweite werden wir definitiv nicht hier verbringen, soviel steht sofort fest.


Wir installieren uns also, erkunden ein bisschen die Umgebung, da kommt ein Auto die Schlucht herunter. Zwei „Knüssel“, wie man im Rheinland sagen würde, sitzen drin, halten an, behaupten, sie seien beauftragt, hier nach dem Rechten zu sehen. Es kitzelt mich zu sagen, dass das auch dringend nötig sei, aber ich verkneife mir das dann doch. Bei Helmut halten sie ebenfalls an, sprechen ihn auf hämische Weise an, dass sie sehr froh seien, dass wir ihr Land besuchen. Alles sehr irritierend, aber leider erst im Nachhinein. Danach verschwinden sie weiter talab, wo es, wie wir schon erkundet haben, keine Parkgrenze gibt und das Schutzgebiet in freies Land übergeht. Man fragt sich, warum es oben einen Schlagbaum gibt.

Es vergeht eine knappe Stunde, da kommen die beiden schon wieder den Berg hinunter, fahren langsam an unserem Lager vorbei. Als sie das dritte Mal kommen, sind wir nicht allein, denn zwei einheimische Familien besichtigen auf die Schnelle die Breidal Veill Wasserfälle. Mal wieder machen wir uns, unausgesprochen und jeder für sich, Gedanken über diese merkwürden Typen.

Es wird dunkel, wir fangen an zu kochen. Das Lagerfeuer will wegen der hohen Feuchtigkeit nicht brennen. Im Nachhinein würde man meinen, zum Glück! Wir essen zu Abend, sitzen im Unterstand bei Kerzenschein. Trotz des hohen Geräuschpegels des nahen Baches und Wasserfalls, glauben wir weiter oben ein Auto zu hören. Zwei Menschen, ein Gedanke: wir löschen sofort unser Licht und horchen in die stockfinstere Nacht. Nichts mehr. Kein Motor, kein Scheinwerfer. Haben wir uns getäuscht? Schemenhaft taucht einige Minuten (oder Sekunden?) später an der von uns aus ersten einsehbaren Straßenkehre oberhalb der Campsite das weiße Auto unserer beiden Freunde auf. Kein Motor, kein Licht, das Auto rollt langsam den Berg hinab. Zwei Menschen, kein Wort: wir lassen alles stehen und liegen und „flüchten“ ins Auto. Unsere Herzen rasen. Was wollen die? Während wir noch darüber nachdenken, ob wir mit ausgeklapptem Dachzelt den Berg hinauf kämen, und ob wir noch was mitnehmen können oder alles „im Riss“ lassen, rollt das Auto im Schritttempo vorbei und hält unterhalb der Campsite am Rande der Lichtung an. Unsere Gedanken schießen kreuz und quer …. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann rollt das Auto weiter den Berg hinab, ohne Motor und ohne Licht. Im Nachhinein denken wir, dass sie wohl überrascht waren, alles dunkel vorzufinden und uns nicht sehen zu können. Vielleicht haben sie selbst dann auch ein bisschen Angst bekommen, wie die Sache für sie ausgehen könnte, und von ihrem Vorhaben abgelassen.

Der Rest ist schnell berichtet: Sie sind weg, wir schmeißen alles lose und unverpackt in wilder Hetze ins Auto, klappen das Dachzelt nur einmal rum, ohne es zu verzurren, und preschen in vollem Tempo den Berg hinauf. Sobald wir rollen, löst sich die schlimmste Anspannung, wir haben Hoffnung, dass wir mit dem Schrecken davon kommen. Unser Tempo bergauf können sie mit ihrem Auto auf keinen Fall gehen, soviel steht fest. Gottlob ist der Schlagbaum oben offen, so dass wir ohne eine Harakiri-Aktion rauskommen. In unserem Zustand hätten wir ihn, wäre er verschlossen gewesen, wahrscheinlich einfach niedergewalzt. 😄 Als wir die ersten Lichter von Chimanimani sehen, halten wir erleichtert an und beratschlagen, wie wir weiter vorgehen.

Der Reiseführer empfiehlt die Campsite der „leger geführten“ Heaven Mountain Lodge, aber als wir dort ankommen, entscheiden wir uns für ein „Chalet“ – wir wollen nur noch an einem sicheren Ort zur Ruhe kommen. Und, ob Ihr das glauben könnt oder nicht, wir schlafen tief und fest bis zum nächsten Morgen. Die Spinne, die mir nachts über’s Gesicht krabbelt, registriere ich nur im Halbschlaf. 😉
Teil 728. Jan. 2021
Samstag, 28. April 2018

Beim ersten Licht erwachen wir, kräftig unterstützt von allen Hähnen und Hunden des Dorfes. War das ein böser Traum oder Realität? Wir können nicht glauben, dass wir nach diesem Erlebnis eine so gute Nacht hatten und uns auch jetzt völlig angst- und stressfrei fühlen. Und das, obwohl wir uns im „Chalet“ gar nicht so wohl fühlen. Schon gestern Abend hatten wir beschlossen, zwar auf dem Bett, aber im eigenen Schlafsack zu schlafen. Und das Geschirr werden wir vor der Benutzung auch besser einmal selbst abspülen. Wie der Reiseführer schon beschrieb: leger geführt. Und das heißt im Klartext, dass der Betreiber (ein Alt-Hippie) es nicht so genau nimmt mit der Einrichtung und der Pflege. Auf den Fotos, die ich hier einstelle, sieht es ganz nett aus ....

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Egal, es ist ohnehin zu kalt, um im Sitzen in der Küche zu frühstücken, und so nehmen wir unsere Müslischalen in die Hand und ziehen nach draußen in die ersten Sonnenstrahlen. Von der Terrasse aus geht der Blick weit in die Berge bis hinüber nach Mozambique. Aber unser Entschluss steht fest: der Blick kann so schön sein wie er will, in Chimanimani wollen wir nicht bleiben.

Unseren erstaunlich entspannten Zustand mag man auch daran ablesen, dass Helmut noch Muße hat, vor der Abfahrt die neuen Beläge auf die hinteren Bremsen zu montieren.

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In einer guten Stunde ist alles erledigt, danach schnell duschen in der Hoffnung, dass das Wasser aus dem Brausekopf wenigstens sauber ist, und dann nichts wie weg.

Die Straße windet sich durch die Berge, erst ein bisschen westlich, dann nach Norden. Wo kommen nur all die Menschen her, die uns begegnen oder an bestimmten Plätzen sich versammelt haben? Wir sind doch mitten im Gebirge und Häuser oder Hütten sieht man nur wenige.

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Am Ende einer sehr steilen Bergab-Passage liegt ein LKW hoch auf der Straßenböschung auf dem Dach.

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Als wir ein Foto schießen, kommt ein Bauer hinzu, der folgendes erzählt: Vor 19 Monaten (ja, das hält er ganz genau nach) ist dieser LKW eines chinesischen Bohrunternehmens hier aus der Kurve geschleudert worden, nachdem die Bremsen versagt hatten. Und seitdem liegt das Wrack hier und rostet vor sich hin. Alles Brauchbare ist natürlich mittlerweile von der lokalen Bevölkerung abmontiert und verwertet worden, für den Rest interessiert sich niemand. Und dann hält der Bauer noch einen Vortrag über den Chinesen im Allgemeinen und den Chinesen in Zimbabwe im Besonderen, und das ist nicht besonders positiv.

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Nach einer guten Stunde verlassen wir die Berge, fahren nun westlich davon durch die Odzi-Ebene. Vorzeitliche Riesen scheinen hier Sandkasten gespielt zu haben: in die Landschaft eingesprenkelt sind kegelförmige Berge, die aus überdimensionalen Murmeln bestehen.

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Endlich tauchen östlich die vom Reiseführer ebenfalls über den Klee gelobten Bvumba-Berge auf. Auch westlich liegen Bergketten, fast genauso schön, jedoch unbeschrieben und in der Karte ohne Namen. Ursprünglich wollten wir im Anschluss an Chimanimani zwei Tage in den Bvumba-Bergen verbringen, aber nach unserem gestrigen Erlebnis haben wir erst einmal die Nase voll von einsamem Bergland an der Grenze zu Mozambique. Schon heute Morgen hatten wir beschlossen, westlich von Mutare auf dem Gelände einer Lodge zu campen. So streifen wir also nur die Bvumbas, durchqueren Mutare und drehen ab nach Westen.

Mutare ist die „schwarzeste“ Stadt auf unserer bisherigen Reise. Ehemals sehr weiß und wohlhabend, lebt hier nur noch eine Handvoll Weißer unauffällig am Stadtrand. Heute wuselt es in der Stadt in allen Fortbewegungsarten: zu Fuß, mit Schubkarre, Fahrrad, Roller, Moped, Auto, Bus. Am Rande der ehemals gut entwickelten Innenstadt erstreckt sich ein riesiger Markplatz, und wir fühlen uns nach Uganda „gebeamt“. Niedrige baufällige Unterstände, bezogen mit schwarzer Plastikfolie, verstärkt mit Blech, Plastik, Pappe, zusammengehalten mit Draht, Kordel oder Bindfaden, soweit das Auge reicht. Dazwischen liegen die Waren – Schuhe, Kleidung, Kochtöpfe, Plastikwaren, Möbel, Lebensmittel – und laufen tausende von Käufern. Auf den Straßen ein chaotischer Verkehr, denn Mozambique ist sehr nah und hat – zumindest gefühlt – seine sämtlichen Schwerlasttransporte über die Grenze geschickt. Nix wie raus aus dieser Stadt!

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Nach 20 Kilometern Fahrt durch das westlich gelegene Bergland gelangt man wieder in die Flussebene des Odzi und hier liegt am Fuße der Hügel ein kleines Juwel, die Musangano Lodge. Was für ein Kontrast und welche Wohltat für unsere strapazierten Nerven. Noch auf der schlechten Zufahrtstraße waren wir skeptisch, nichts ließ von außen dieses Paradies erahnen. Aber sofort nach der Durchfahrt des Tors verzaubert der gepflegte Garten jeden Besucher.

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Es blüht in allen Farben, die Wege gepflegt, der Rasen englisch kurz, die Gebäude in hervorragendem Zustand und liebevoll gestaltet.

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Wir könnten hier auch ein Chalet nehmen – zurzeit keine weiteren Gäste – aber der Ort strahlt so viel Sicherheit aus, dass wir uns für die Campsite entscheiden.

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Muss ich erwähnen, dass wir auch hier die einzigen Camper sind? Die CS liegt etwas abseits der Lodge in einem lichten Laubwäldchen, klein und gepflegt. Die sanitären Anlagen sind ein Traum, gestaltet aus Naturmaterialien der Umgebung und bestens gepflegt. Bei der Ankunft hatten wir auf die Frage, wieviel Nächte wir bleiben würden, noch verhalten geantwortet: „1 oder 2, kommt darauf an, wie es uns gefällt.“ Aber wir beschließen spontan, dass wir hier 3 Nächte bleiben und die Bvumba-Berge als Tagesausflug „abarbeiten“ werden.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: wir erkunden die Umgebung, fotografieren im schönen Garten und essen im Restaurant zu Abend. Endlich zergeht uns mal wieder eines der sensationell guten Rinderfilets auf der Zunge. Wie haben wir das vermisst.


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Teil 830. Jan. 2021
Sonntag, 29. April 2018

Heute also die Bvumbas: Als Mutare noch eine reiche, weiße Stadt war, waren die Bvumbas das Wochenendausflugsziel der besseren Gesellschaft. Die höchsten Gipfel liegen 800 m höher als die Stadt im Tal, hier ist es kühler, die Luft klar, die Vegetation üppig. Da kann sich die feine Lady wunderbar in Müßiggang üben, ohne ins Schwitzen zu geraten. Der Reiseführer berichtet, dass besonders reiche Damen damals von ihren Gatten kleine Landsitze in den Bvumbas geschenkt bekamen. Einige dieser Sommerresidenzen existieren noch, zumindest die exotischen Parkanlagen, die man besichtigen kann. Der Reiseführer berichtet auch, dass man das Herzstück der Berge auf einem 65 Kilometer langen Rundweg umfahren kann. Und weil wir ja dem Reiseführer schon öfter auf dem Leim gegangen sind, folgen wir auch dieser Empfehlung. Ihr ahnt, dass wir uns dem nächsten kleinen Abenteuer nähern. Aber der Reihe nach:

Von unserer Campsite aus geht es erst einmal zurück nach Mutare. Auch heute, am Sonntag, tobt das Leben auf den Straßen. Unmittelbar am östlichen Stadtrand beginnt der Anstieg in die Berge. Serpentinen schlängeln sich den Hang hinauf, von den großen 180°-Kehren aus hat man einen sensationellen Blick ins Tal. Es geht höher und höher, die Vegetation verändert sich mit jedem Meter, den wir bergan tun.

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Nach 15 Kilometern erreichen wir den Abzweig der Rundstrecke und wir biegen in das Essex-Valley ein, das den ersten Teil der Strecke bildet. Die Straße ist anfangs noch asphaltiert, wenn auch recht schmal. In Serpentinen geht es nun wieder steil bergab, der Asphalt wird löchrig und hört dann ganz auf. Die dann folgende Naturstraße ist stark ausgewaschen und lässt nur langsames Tempo zu. Die Vegetation zu beiden Seiten ist satt grün und üppig. Je weiter wir ins Tal vordringen, je enger und schlechter wird die Straße, je mehr bildet der Wald einen Tunnel. Sind wir noch richtig? Ja, sind wir, denn es gab keinen Abzweig und lt. QV und der Karte von Reise-Know-How befinden wir uns auf der einzigen Straße im Tal. Nur T4A hat beschlossen, dass wir uns im Niemandsland befinden und unterstützt uns ab sofort nicht mehr. Also weiter. Auf der Talsohle angekommen, wird die Straße zum morastigen Forstweg, der grüne Tunnel ist mittlerweile so dicht, dass kaum noch Sonnenstrahlen eindringen können. Lianen hängen herab, umgestürzte Bäume liegen am Wegesrand, notdürftig zur Seite geschoben. Kommen wir hier jemals wieder raus? Wir folgen tapfer der tiefen Fahrspur, die ein großer Traktor oder ein Forstfahrzeug hinterlassen hat. Endlich gewinnen wir wieder etwas an Höhe, der Weg wird trockener, und nach einer gefühlten Ewigkeit weicht der Wald zurück und wir sehen den Himmel. Auf der Höhe, am Übergang vom Essex- zum Burma-Valley erreichen wir einen großen Holzeinschlag.

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Mit relativ professionellem Gerät werden hier die Reste der Nutzholzflächen abgeholzt und abtransportiert.

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Eine Aufforstung findet selbstredend nicht statt. Die Forstarbeiter scheinen erstaunt, als sie uns sehen. Die spinnen, die Touristen ….

Im Burma-Valley gibt es offensichtlich noch einige intakte Farmen. Unmittelbar an der Grenze zu Mozambique passieren wir große Tee- und Bananenplantagen. Die Straße ist mittlerweile wieder in ordentlichem Zustand, geht bald sogar wieder in Teer über.

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An großen Lagerschuppen stehen LKW mit südafrikanischer Zulassung, sie werden mit Bananen beladen und schaffen das Beste außer Landes. Für den Binnenmarkt bleibt nur der Ausschuss. Weiter talab, da wo früher wohl Tabak angebaut wurde, ist dann Schluss mit lustig. Die großen Stellagen zum Trocknen des Tabaks stehen noch, sind aber sichtlich im Verfall begriffen. Die ehemaligen Arbeiter leben noch hier, jetzt, ohne Arbeit, sitzen sie zusammen, palavern und, falls sie Geld haben, betrinken sie sich. Des einen Leid, des anderen Freud: Für uns als Touristen hat diese extensive Bewirtschaftung weiter Teile des Landes den Vorteil, dass wir auf Landschaften blicken, die, zumindest vordergründig, nicht kultiviert, also naturbelassen sind. Die Natur hat sich seit dem Niedergang der professionellen Landwirtschaft ganz schnell wieder all das zurückgeholt, was der Mensch ihr genommen hatte. So schlängelt sich die Straße talab durch das Burma-Valley, rechts und links üppiger Wildwuchs, die Flanken der Berge grün bewachsen oder mit interessanten Steinformationen bestückt. Nur von Wild fehlt jede Spur. Bei so viel hungrigen Menschen kein Wunder.


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Am Schluss dieser Rundfahrt steigen wir wieder in die Bvumba-Berge hinauf.
Nächstes Highlight des Tages soll Tony’s Coffee Shop sein. Auch den Besuch dieser Institution beschreibt der Reiseführer als ein MUST.

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Besagtes Café liegt in einem großen Garten an einer Bergflanke mit Blick ins Tal.

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Das kleine weiße Gebäude hat nur wenige Plätze,

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und weil die Sonne so schön scheint beschließen wir, im Garten zu sitzen.

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Und dann erscheint Tony, very british, um die 60, Mami’s Liebling und betet uns mit geschlossenen Augen die Kuchenkarte vor. Bei jeder Kuchenzutat, die er nennt, scheint ihm das Wasser im Munde zusammenzulaufen, und das Bedauern, nicht alles selbst essen zu können, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wir entscheiden uns für Cheesecake à la New York und heiße Schokolade, was ihn verzückt davonschweben lässt. Der Kuchen kommt, die Stücke sind riesig, der Kakao köstlich, serviert auf altem englischem Blümchen-Porzellan.

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Dann kommt die Rechnung, und wir zahlen 42 US$ (in Worten: zweiundvierzig US-Dollar). Natürlich hatten wir die Preise für den Kuchen gelesen, aber wenn dann die Gesamtrechnung die Summe schwarz auf weiß zeigt, trifft einen doch der Schlag. Wir müssen verrückt sein.


Die weitere Fahrt in das Herz der Berge enttäuscht uns: weite Flächen sind abgeholzt und, wie schon öfter erwähnt, nicht wieder aufgeforstet. Lediglich der weite Blick hinein nach Mozambique bis zum Stausee von Chicamba begeistert uns.

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Wie gut, dass wir uns gegen zweit Nächte in den Bvumbas entschieden haben. Man muss dem Reiseführer auch mal die Stirn bieten!

Auf dem Rückweg, wir passieren gerade die Peripherie von Mutare, werden wir beinahe von einem großen LKW gerammt. Im allerletzten Augenblick kann Helmut ausweichen – puh, nochmals Glück gehabt.

Der Kuchen liegt uns den ganzen Nachmittag schwer im Magen – nicht wegen des Preises, sondern wegen der mächtigen Zutaten. Das ist nicht angenehm und behindert sogar das Relaxen. Helmut liegt schon um 7 flach, ich folge erschöpft um 8 Uhr.
Teil 901. Feb. 2021
Montag, 30. April 2018

Ruhetag! Und schnell erzählt: morgens machen wir eine fast dreistündige Wanderung auf den umliegenden Hügeln. Auf dem Gelände der Lodge gibt es mehrere bestens markierte Wanderwege, denen wir folgen. Die Hügel sind licht bewaldet, so dass wir stets genügend Schatten finden. Von verschiedenen Punkten aus hat man einen weiten Blick ins Tal des Odzi und in die umliegenden Berge.

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Nachmittags Wäsche waschen, noch ein paar Fotos vom Garten,

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abends Dinner in der Lodge und danach früh ins Zelt, denn morgen wird ein langer Tag.

Eine Frage an die Experten hier im Forum. Kann jemand von euch etwas zu diesen riesig großen behaarten Raupen sagen?
Teil 1007. Feb. 2021
Dienstag, 1. Mai 2018

Weil wir heute früh starten wollen, hat die Köchin schon wieder frei. Wir frühstücken im Restaurant der Lodge und sind um 8 Uhr auf dem Straße. Unser nächstes Ziel ist Masvingo, das südwestlich liegt. Zuerst nehmen wir die A3 nach Nordwesten bis Nyazura, dann geht es weiter auf Asphalt nach Südwesten. Die Navigatorin hat den Vorschlag gemacht, einen großen Winkel Asphaltstraße abzukürzen und ab Matasa/Buhera eine 50 km lange Naturstraße nach Süden zu nehmen, die bei Gutu wieder auf Asphalt stößt. Das mit den Abkürzungen kennen wir ja nun schon: es ist zwar kürzer, aber meist von Zeitersparnis keine Spur.

Bis Nyazura steigt die A3 stetig an, die höchsten Erhebungen liegen alle über 1500 m. Aus dem grünen Hügelland ragen immer wieder Kegelberge heraus, was bei uns wie so oft die Frage nach der Entstehung aufkommen lässt.

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Der Reiseführer schweigt sich zu solch wichtigen Fragen übrigens aus. Wie gesagt, ab Nyazura biegen wir nach Südwesten ab, durchqueren sanft gewelltes Hochland. Die Natur ist so üppig, die Landschaft abwechslungsreich, und wir sind mal wieder fasziniert von diesem schönen Land.

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Kurz hinter Matasa kommt der Abzweig zur Abkürzung und wir biegen auf die Naturstraße ein. Die nächsten 50 Kilometer durchqueren wir ehemaliges Rinderfarmland, das jetzt trocken und brach liegt. Der Boden ist meist sandig und taugt für Ackerbau wenig. Die wenigen Menschen, die es hierhin verschlagen hat oder die nach der Vertreibung der Farmer geblieben sind, wirken arm und abgestumpft. Zum ersten Mal begegnen uns Menschen unfreundlich, sogar ein wenig feindselig. Dabei ist die Landschaft doch so schön.

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Aber unsere Vorstellung von der Schönheit der Natur ist ja ein Ergebnis unserer Zivilisation, unserer Kultur und unseres Wohlstandes. Wäre man vor 200 Jahren z. B. durch Europa gefahren und hätte die bitterarmen Menschen auf die Schönheit ihrer Umgebung angesprochen, hätte man vielleicht auch nur Kopfschütteln und Unverständnis geerntet. Wenn man um’s tägliche Überleben kämpft, hat man keinen Platz für solche Sentimentalitäten.


Bei Gutu erreichen wir die asphaltierte A4 und fahren weiter nach Süden.

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Die grauen Buckel werden mehr, ihre Ausmaße größer. Aber die Sandflächen sind fruchtbarem Boden gewichen, es gibt wieder kleine Felder und die Menschen wirken zufriedener und winken freundlich. Das letzte Stück bis zum Lake Mutirikwi fahren wir auf der A9, die für hiesige Verhältnisse stark befahren wird. Sie kommt von der Grenze zu Mozambique im Osten und geht über Bulawayo bis nach Sambia. Alles Kupfer aus Sambia, das verschifft werden soll, nimmt diesen Weg, und alle Güter, die im Hafen von Beira gelöscht werden und für Botswana oder Sambia bestimmt sind, auch.

15 km vor Masvingo biegen wir ab nach Süden, um den Stausee Mutirikwi zu umrunden.

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Das gesamte Gebiet ist übersät mit Granitbuckeln riesigen Ausmaßes, dazwischen große Bäume, kleine Wälder, ausgedehnte Feuchtgebiete, Ackerflächen. Die Naturstraße windet sich um die Granitfelsen herum, immer wieder großartige Ausblicke auf die Berge und den See freigebend. Wir sind sehr erinnert als Uganda und den dortigen Lake Mutanda. Auch die hohe Bevölkerungsdichte unterstreicht diesen Eindruck.

Wir passieren die Staumauer

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und sind kurze Zeit später am Tor zu Norma Jean’s Lakeview Resort. Die große Anlage liegt am Hang mit Blick auf den See – ein Traum aus der guten alten Zeit, als die feine englische Gesellschaft Masvingos hierher zur Erholung kam. Ein üppiger, tropischer Garten umgibt die Chalets, das Restaurant und den Campground. Alles wirkt wie gerade aus einem altenglischen Dornröschenschlaf erwacht: die Gebäude außen in weiß und grün, die Inneneinrichtung im dunklen englischen Stil. Selbst im Büro liegt ein dicker Teppich auf dem Schreibtisch, davor zwei gediegene Sessel, auf denen sitzend der legere Camper die Anmeldeformalitäten erledigen kann. Wir wählen die „unterste“ Campsite, da man von ihr einen schönen Blick auf den See hat.


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Die Stellfläche ist eben und frisch geharkt, das Gebäude der offenen Gemeinschaftsküche tiptop und mit Heißwasser bestückt. Jeder Toilettenraum hat seine eigene Dusche, so dass man sich eher in einem Hotel als auf einem Campingplatz wähnt. Das alles müssen wir erst einmal auskosten und genießen, und so beschließen wir, die Besichtigung der Ruinen von Great Zimbabwe auf morgen zu verschieben.
Teil 1108. Feb. 2021
Mittwoch, 2. Mai 2018


Morgens liegt Nebel über dem See.

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Beim Auschecken unterhalten wir uns noch ein bisschen mit dem Rezeptionisten. Für uns ist es interessant zu hören, wie die Einheimischen die politische Lage und die wirtschaftliche Situation einschätzen. Bisher, so meint er, könne man wenig spüren von Veränderung, abgesehen von den verschwundenen Polizeikontrollen auf den Straßen, aber alle hofften auf das nächste Jahr, wenn sich nach den Wahlen eine neue Regierung gebildet hat. Diese Hoffnung der Menschen ist vielleicht naiv, aber was soll man anderes tun als hoffen, wenn alles am Boden liegt? Von den wahren Herausforderungen, die auf die neue Regierung warten, kann der normale Mensch im Land sich sowieso keine Vorstellung machen. Aber ob es wirklich eine neue Regierung geben wird, wer weiß das schon … ? Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Präsident nicht weichen will.

Szenenwechsel: Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Ruinen von Great Zimbabwe, oder besser gesagt, erst einmal den Eingang zum 7,5 qkm großen Gelände, auf dem sich die Ruinenanlage erstreckt.

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Great Zimbabwe ist die größte Ruinenstätte im südlichen Afrika und gilt heute, nach jahrzehntelangen erbitterten Kontroversen, als bedeutendstes kulturelles Erbe des Landes. Lange Zeit rankten sich hartnäckig romantische Legenden um diese gigantischen Steinruinen und ihre Erbauer. Die ersten weißen Entdecker wollten nicht wahrhaben, dass diese eindrucksvollen Bauten von schwarzen Völkern errichtet worden waren, und so behaupteten sämtliche (Pseudo¬-) Wissenschaftler bis in die 1950er Jahre hinein, dass die Erbauer nichtafrikanischen Ursprungs gewesen seien. Wer das Gegenteil behauptete, wurde diffamiert oder sogar des Landes verwiesen (so zuletzt geschehen 1973).

Die riesige, weit verstreute Anlage wird grob in drei Bereiche unterteilt: Den ältesten Teil bilden die Bergruinen, vermutlich einst der Königssitz, thronend auf einem Hügel. Zu ihren Füßen befindet sich die kreisförmige Great Enclosure, die große Einfriedung, die den königlichen Familien in späteren Jahrhunderten als Wohnstätte diente. An diesen Ringbau schließen sich die weit verteilten Talruinen an, in denen die Privilegierten wohnten.

Da es noch angenehm kühl ist, erklimmen wir zuerst den Hill Complex.

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Es geht steil bergauf über eine holprige Treppenanlage, das Stufenmaß verändert sich bei jedem Tritt und man muss höllisch aufpassen, nicht zu straucheln.

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Dann erreichen wir die ersten Mauern, die den gesamten Berg umschließen.

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Alle Bauten hier oben sind aus passgenauen Steinen zusammengefügt, kein Kleber, kein Mörtel.

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Die dicken Mauern haben ein breites Fundament und verjüngen sich nach oben. Alle Öffnungen, die ins Innere der Anlage führen, sind schmal, und oft verengen sie sich zunehmend und am Ende lassen sie nur einen schlanken Menschen hindurch.

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Innerhalb der Außenmauer liegen verschiedene Innenhöfe, Reste von Gebäuden, weitere innenliegende Mauern, Wachtürme – ein riesiges Labyrinth über den ganzen Berg verteilt. Die vorhandenen Felsblöcke sind geschickt in die Mauerkonstruktionen integriert und geben dauerhaften Halt.

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Nach einer Stunde meinen wir, alles gesehen und fotografiert zu haben und steigen an der Westseite wieder ab in Tal.

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Teil 2 folgt.

VG Klaudi
Teil 1210. Feb. 2021
Teil 2

Etwa 600 m Luftlinie entfernt liegt die große Einfriedung am Fuße des Königssitzes.

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Die leicht elliptische Außenmauer hat einen Durchmesser von fast 100 m und ist bis zu 11 m hoch.

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Drei schmale Eingänge führen ins Innere.

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Innen weitere Einfriedungen, Grundmauern von Gebäuden, ein 10 m hoher konischer Turm – auch hier ein Labyrinth an Mauern und Steinen, in dem wir uns mehrmals verlieren.

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Die sogenannten Talruinen „schenken“ wir uns, denn es ist mittlerweile schon sehr warm, und die Reste dieser Ruinen würden unseren unfachmännischen Blicken wenig bieten. So umrunden wir die große Einfriedung noch einmal und bestaunen die kunstvollen Verzierungen an der Mauerkrone.

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Genug Kultur, es wird Zeit, mal wieder wilde Tiere zu sehen. Unser nächstes großes Ziel ist der Hwange Nationalpark, aber bis dahin werden wir es heute nicht schaffen. Heute wollen wir bis Bulawayo, 280 km auf guter Asphaltstraße. Die Landschaft ist unspektakulär, alles auf 1000 m Höhe, mal sandig trocken und spärlich besiedelt, mal üppig grünes Hügelland. Den Verkehr auf der A9 haben wir ja gestern schon kennen gelernt: viele LKW und immer wieder große Überlandbusse. Die „besseren“, sprich teureren Busse, die von den großen Städten aus nach Südafrika fahren, sehen relativ gepflegt und verkehrstüchtig aus. Aber die Busse, die die normale Landbevölkerung transportieren, sind der Knaller: zwischen 30 und 60 Jahren alt, unzählige Male repariert mit Ersatzteilen, die nicht wirklich passen, schwarze Auspuffwolken ausstoßend, hoch beladen mit den Gütern der Fahrgäste, quälen sie sich über Land.

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Am Nachmittag erreichen wir Bulawayo, die zweitgrößte Stadt Simbabwes. Dicke Wolken hängen über der Stadt, im Westen donnert es unaufhörlich. Wir durchqueren die südlichen Außenbezirke auf der Suche nach der Southern Comfort Lodge, wo wir für eine Nacht campen wollen. Alle Anwesen hier haben offensichtlich schon bessere Zeiten erlebt, es scheint schwierig zu sein, den prachtvollen Ursprungszustand zu erhalten. Aber man kann den einstigen Wohlstand noch erahnen: große Grundstücke, große Häuser, üppige Gärten. So auch die Southern Comfort Lodge, einst sicherlich ein herrschaftliches Anwesen. Heute hält man sich mit der Vermietung von Chalets und Campsites sowie der Organisation und Durchführung von Hochzeitsfeiern über Wasser. Wir sind die einzigen Gäste heute, aber morgen soll hier eine Hochzeit stattfinden, und deshalb ist die gesamte Mannschaft im Dauereinsatz bis in den späten Abend. Der Preistafel an der Rezeption zufolge soll allein die Miete für eine Hochzeitsfeier 1000 US$ kosten. Das ist hier wirklich eine Menge Geld, aber Hochzeit geht offensichtlich immer …

Wir richten uns auf einem kleinen, mit Büschen gesäumten Rasenstück ein und freuen uns, mal wieder auf Rasen zu stehen und nicht auf Sand. Am Abend aber wird es kühl und feucht und schnell ist Tau im Gras. Wie sehnt sich der anspruchsvolle Camper da nach einem gepflegten Sandplatz 😉 . Um 8 Uhr verziehen wir uns mit nassen Füßen ins Dachzelt.

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Teil 1313. Feb. 2021
Donnerstag, 3. Mai 2018

Um ½ 4 Uhr beginnt das unglaublichste Konzert von Hunden und Hähnen, das ich jemals gehört habe. „Gefühlt“ müssen es Hunderte sein, die immer wieder auf’s Neue bellen und krähen oder antworten. Und das, obwohl wir doch nicht auf dem Land sondern in der Stadt schlafen. Oder vielleicht gerade deshalb? Hier hat jeder mehr als einen Hund, und für Hühner ist auf den großen Grundstücken auch genug Platz. Die Nacht ist also früh vorbei, aber an Aufstehen wollen wir noch nicht denken: draußen ist es kalt und feucht. Bulawayo liegt auf fast 1500 m, und als wir auschecken, meint der Rezeptionist händereibend, dass der Winter begonnen habe.

Über die großen, alten Prachtstraßen im Süden der Stadt fahren wir in Richtung Innenstadt, denn wir wollen noch einkaufen. Auch wenn der Pflegezustand in einen Pflegenotstand übergegangen ist, so kann man erahnen, was für eine schöne Stadt Bulawayo früher einmal gewesen sein muss, die Alleebäume blühen in verschiedenen Farben. Wir hatten viel Verkehr erwartet, schließlich sind wir in der Rushhour unterwegs, aber selbst hier, in dieser großen Stadt, gibt es nicht so viele Autos, wie wir dachten. Aber Ampeln hat’s hier, und was für welche: an den großen Kreuzungen hängen Zusatzampeln, die die jeweilige Wartezeit bis zur Weiterfahrt in Sekunden angeben. Davon könnte man sich in Europa mal eine Scheibe abschneiden 😎 .

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Wir kaufen ein bei Food Lovers und Pick’nPay, das Angebot ist das beste, was wir bisher vorgefunden haben. Sogar Fleisch und Käse können wir kaufen. Die Preise, bis auf Fleisch und Grundnahrungsmittel, sind auf deutschem Niveau oder höher, so kostet z. B. eine kleine Dose Thunfisch 4 US$. Welcher Otto Normalverbraucher soll sich das leisten können? Trotzdem sind diese beiden Supermärkte gut besucht, der Anteil der weißen Käuferschaft liegt bei 50 %. Zum ersten Mal auf unserer Reise sehen wir so viele weiße Simbabwer auf einen Haufen – es gibt sie also doch noch …

Um ½ 10 sind wir raus aus der Stadt, es geht weiter nach Nordwesten. 300 km sollen es noch sein bis Hwange Stadt und dann müssen wir ja noch bis Sinamatella, da gilt es, nicht zu trödeln. Von Bulawayo aus geht es leicht bergab bis auf eine Höhe von 1200 m, rechts und links der Straße lichter Laubwald, ab und zu kleine Dörfer. Sogar die intakten Zäune einer großen Farm passieren wir, aber auch die Ruinen eines gebrandschatzten Herrenhauses. 100 Kilometer vor Hwange Stadt wird die Landschaft wieder hügeliger, interessanter und hilft, die Schläfrigkeit, die sich über Mittag breit gemacht hatte, zu vertreiben. Unzählige alte Busse kommen uns entgegen, ihre Dächer vollgepackt, schwarze Dieselwolken ausspuckend.

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Hwange Stadt, vom Bergbau geprägt und sehr busy vom Geld, das hier verdient wird, streifen wir nur am Rande, biegen vorher ab in Richtung Nationalpark. Wegen des Kohletagebaus, der immer weiter in Richtung Park betrieben wird, müssen wir eine weite Umleitung fahren. Kein Hinweisschild, keine Einzeichnung in der Karte, kein Weg in QV – wenn wir nicht einen Hinweis eines Sicherheitsmannes bekommen hätten, wer weiß, wo wir gelandet wären.

Sinamatella, das „mittlere“ Hauptcamp im Hwange, erreichen wir am Nachmittag.

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Es liegt auf einem Bergrücken, direkt an der Steilkante, und überblickt die weiten Flussebenen im Südwesten.

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In früheren Zeiten war es berühmt für seinen Tierreichtum und die sensationellen Ausblicke auf große Elefantenherden in der Ebene, und ohne Reservierung kam man selten unter. Heute ist der Blick in die Ebene immer noch wunderschön, aber die großen Herden sind verschwunden, die Chalets sind in einem „unterirdischen“, die Campsite in einem erbarmungswürdigen Zustand. Außer uns ist nur noch ein weiteres Pärchen auf der Campsite, wir können uns also den relativ besten Platz aussuchen. Also stehen wir direkt an der Abbruchkante mit Blick auf die Ebene und können ein Schattendach direkt neben uns nutzen. Das sehr bemühte Personal heizt pausenlos den Donkey, und am späten Nachmittag bietet man uns Feuerholz an. Wir wollen zwar nicht grillen, aber es ist offensichtlich, dass die Attendants auf ein Trinkgeld hoffen, und so ordern wir ein Bündel bestes Mopaneholz.
Teil 1417. Feb. 2021
Freitag, 4. Mai 2018

Was für ein Tagesbeginn: man öffnet den Reißverschluss des Dachzeltes und blickt auf die große, weite und grüne Ebene im Tal. Das sind die Bilder, die man nie mehr aus dem Kopf bekommt und weshalb wir immer wieder nach Afrika reisen. Einen besseren Platz zum Frühstücken gibt es nicht, und wenn unten im Tal noch eine Elefantenherde vorbeizöge, fühlte man sich im Paradies.

Bevor wir aufbrechen, verhandele ich noch einmal mit dem netten Ranger an der Rezeption, ob wir die kommende Nacht nicht auf einer Wilderness Campsite im Park übernachten können. Als „Walk In Client“ kostet das nur die Hälfte, und auch wenn es dort keine großartigen Fazilitäten gibt, mit den sanitären Anlagen von Sinamatella kann sich jedes Plumpsklo messen. Die CS am Masuma Dam sei zwar immer noch belegt, meint der Ranger, aber er habe ganz früh schon per Funk anfragen lassen, ob der dortige Gast einverstanden sei, dass wir dazu kämen. Und der Gast ist einverstanden … wir können unser Glück kaum fassen.

Wir machen uns also auf zum Masuma Dam, nicht jedoch auf direktem Weg, sondern wir nehmen die Tracks entlang der kleinen Flüsse unten im Tal. Der Ranger hatte dazu Grünes Licht gegeben, alles sei frisch geschoben nach der Regenzeit und gut passierbar. Naja, gut passierbar ist ein relativer Begriff: wir kommen zwar ganz gut voran, aber als wir vom Kashaba Loop auf die Sinamatella River Road wechseln, stehen wir vor den Resten einer Brücke, die Trümmer liegen verstreut im trockenen Flussbett. 😮

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Uff, der Abstieg in den Fluss ist steil, der Aufstieg ebenso, loses Geröll bildet den Untergrund. Aber im tiefsandigen Flussbett kann man Spuren eines Fahrzeugs erkennen. Nach einer gründlichen Inspektion der Örtlichkeit fahren auch wir durch. Ich gehe zu Fuß, den armen Helmut schüttelt es ordentlich im Auto, vor allem bei der steinigen Ausfahrt.

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Ein paar Kilometer weiter, wir machen gerade einen Fotostopp, vermisse ich unseren Reiseführer. Auch wenn er uns oft schlecht berät, verzichten möchten wir auf ihn während der weiteren Reise nicht. Es gibt nur eine Erklärung: bei der großen Schaukelei im Flussbett muss er auf den Boden und dann, als ich wieder ins Auto gestiegen bin, in den Sand gefallen sein. Wir also zurück bis zur zerstörten Brücke, finden ihn aber nicht. Nochmal durch den Fluss, nur wegen des Reiseführers, wollen wir definitiv nicht, also setzen wir leicht deprimiert die Fahrt fort. Der weltbester Fahrer fühlt sich mal wieder bestätigt in seiner Einschätzung, dass die weltbeste Navigatorin keine gescheite Ordnung halten kann. Und dagegen ist gar nix zu sagen. 😉

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Gegen Mittag halten wir zum Picknick am Mandavu Dam. Die baulichen Einrichtungen, vor einigen Jahren renoviert, sind bereits wieder im Verfall begriffen.

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Das Personal ist dem Rotstift zum Opfer gefallen, kein Wunder also, dass alles vermüllt und vergammelt. Für eine Mittagspause am schönen Stausee reicht es uns aus, aber 90 $ für eine Übernachtung, das ginge zu weit. Die Rechnung der Parkverwaltung verstehen wir ohnehin nicht: von den 90 $ Übernachtungspreis könnte man doch locker das Personal und die Renovierung bezahlen und obendrein noch etwas verdienen. Warum man nun das Personal einspart und den Platz nicht vermarktet, verstehe wer will …

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Masuma Dam, unser heutiger Übernachtungsplatz, ist derzeit die einzige bewirtschaftete Übernachtungsstelle im Park im Bereich von Sinamatella.

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Die sehr große, am Steilufer gelegene Aussichtsplattform bietet kühlen Schatten und einen ungestörten Blick über den See.

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Die beiden Angestellten, Knowledge & Quiet, stellen sich stolz vor, und Knowledge legt Wert auf die Feststellung, dass er der Manager sei und Quiet der Attendant. Jeder muss halt noch einen unter sich haben …. Und tatsächlich halten die beiden ihre Hackordnung ein: Knowledge managt, d.h. er tut nichts außer reden, und Quiet putzt und hält alles in Ordnung. Dabei sind die beiden beste Freunde, kaum zu glauben.

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Hier lässt es sich aushalten: Wir installieren schnell unser Zelt und wechseln dann auf die Aussichtsplattform.

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Den ganzen Nachmittag verbringen wir hier, schauen auf’s Wasser, fotografieren, trinken Tee und essen Kekse. Im See leben Hippos und Krokodile, Schildkröten und Warane.

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Am Ufer tummeln sich Elefanten, Wasserböcke und Impalas,

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Vögel gibt es zuhauf.

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Am späten Nachmittag kommt der eigentliche „Platzhalter“ dazu, ein Mann unbestimmten Alters, ein etwas schräger Australier. Ihm haben wir zu verdanken, dass wir hier übernachten dürfen, und auch einem belgischen Ehepaar hat er Asyl gewährt. Wir sind also heute Nacht zu dritt, oder besser gesagt zu fünft, was vom Platz her überhaupt kein Problem ist.

Nach dem Abendessen sitzen wir wieder auf der Plattform bis auch das letzte Tageslicht verschwunden ist. Später, wir liegen schon flach, hören wir heftiges Plantschen aus dem See – eine Herde Elefanten badet ausgiebig. Wie schade, dass der Mond noch nicht aufgegangen ist.

Unseren Reiseführer haben wir übrigens wiedergefunden: er war tatsächlich bei der Schaukelei im Flussbett heruntergefallen und dann unter den Beifahrersitz gerutscht. Dort haben wir ihn am Nachmittag entdeckt und nun kann er uns weiter beraten oder in die Irre führen – je nach dem … 😄
Teil 1521. Feb. 2021
Samstag, 5. April 2018

Den ganzen Vormittag verbringen wir auf der Aussichtsplattform. Es kommt uns nichts Spektakuläres vor die Linse, aber die friedliche Stimmung, die über dem See liegt, zieht uns ganz in ihren Bann.

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Wir haben übrigens per Funk in Sinamatella anfragen lassen, ob wir noch eine Nacht bleiben können. Das wurde bestätigt, aber leider müssen wir zum Bezahlen noch einmal dorthin zurück. Das erledigen wir um die Mittagszeit (um die Mittagszeit ... die spinnen, die Touristen), fahren also auf direktem Weg nach Sinamatella. Dort angekommen, trauen wir unseren Augen nicht: Waren wir gestern hier fast alleine, wuseln heute Himmel und Menschen um die Reception herum. Zwei große LKW des Militärs haben ihre Ladungen in den Park entlassen, und diese erkunden nun Sinamatella. Während ich bezahle, wird Helmut von den Militärkadetten zum Fotoshooting gebeten. Jeder möchte sein persönliches Foto mit einem weißen Touristen bekommen.

Später, wieder zurück am Masuma Dam, wir sitzen unter’m Schattendach, überfällt die ganze Horde auch diesen friedlichen Ort.

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Nun bin ich ihr „Opfer“, jeder möchte ein Foto zusammen mit mir haben. Die ersten sind noch scheu, aber als das Eis gebrochen ist, gibt es kein Halten mehr. Fast alle legen ihren Arm um mich, manche legen verwegen ihren Kopf an meinen, und ein junger Mann bittet mich um ein „Face to Face“ Foto. Viele junge Männer haben dem Alkohol schon ordentlich zugesprochen und können nicht mehr sicher auf den Beinen stehen. Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk vorbei, ein Offizier, bewaffnet mit einer Maschinenpistole, gibt das Signal zum Aufbruch. Alle klettern zurück auf die Ladeflächen der LKW und ab geht die wilde Fahrt zurück.

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Den Abend verbringen wir gemeinsam mit Quiet und Knowledge auf der Aussichtsplattform. Wir haben die beiden zum Essen eingeladen, um uns für ihre Gastfreundschaft zu bedanken. Die beiden scannen den ganzen Tag die Umgebung ab und informieren ihre Gäste sofort, wenn es etwas Besonderes zu sehen gibt. Auch ansonsten sind sie bemüht, das Wenige, was der Platz zu bieten hat, in ordentlichem Zustand zu erhalten. Wir verleben einen netten und lustigen Abend, und als die beiden merken, dass der Alkohol ihre Zungen lähmt, ziehen sie sich in ihre Hütte zurück. Wir bleiben noch sitzen und werden prompt belohnt. Eine große Herde Elefanten kommt zum Baden an den See. Sie sind völlig ohne Scheu und kommen auf Tuchfühlung. Nur der geschickten Konstruktion der Plattform ist es zu verdanken, dass wir uns dennoch sicher fühlen und so dem Spektakel ungestört zusehen können. Erst um 22 Uhr, für uns schon später als Mitternacht 😉 , lösen wir uns und klettern ins Zelt. Das Geplantsche geht noch lange weiter und jedes Mal, wenn wir nachts wach werden, hören wir Elefanten im Wasser.
Teil 1624. Feb. 2021
Sonntag, 6. Mai 2018

Während des Frühstücks gibt es Löwen-Alarm. Quiet und Knowledge haben die Katzen am anderen Ufer entdeckt und geben sofort Bescheid.

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Leider sind sie weit entfernt und wir können sie nur durch’s Glas beobachten. Die Fotos dienen nur zu „Beweiszwecken“. Schweren Herzens entschließen wir uns, wie geplant in Richtung Main Camp aufzubrechen.

Je weiter wir nach Osten kommen, umso mehr weicht der lichte Mopanewald offenerem Grasland.

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Auch die Naturstraße ist den Resten der alten Asphaltstraße nach Victoria Falls gewichen. Beides ist schlecht zu fahren, aber der Asphalt verleitet öfter zu der Annahme, es sei doch besser auf ihm, bis man wieder vor den Kratern ausgewachsener Schlaglöcher abrupt abbremsen muss.

An der Guvalala Platform machen wir Rast und können große Gruppen Zebras und Giraffen beobachten. Leider ist das Licht um die Mittagszeit zu grell, um gute Fotos zu schießen.

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Ein Stück weiter, an der Nyamandlhovu Platform,

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picken Kronenkraniche im Gras. Es sind die ersten, die wir in diesem Urlaub sehen und entsprechend glücklich ist die Beifahrerin.

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Das Main Camp macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck.

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Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man auch hier Spuren des Verfalls. So sind auf der riesigen Campsite die verschiedenen Sanitärblocks von außen in gutem Zustand. Öffnet man aber die Tür, oh weh … In einem einzigen Block funktioniert die Wasserversorgung, und demzufolge wird dieser von den 3 Partien, die hier campen, gemeinsam genutzt.

Am Nachmittag fahren wir nochmal in den Park ein, der uns um das Main Camp herum landschaftlich sehr gut gefällt. Auch hier gibt es aber – jahreszeitlich bedingt – sehr wenig Tiere zu beobachten.

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So entschließen wir uns, noch einmal zur Nyamandlhovu Platform zu fahren, um wenigstens die schöne Abendstimmung genießen zu können.

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Denkste, Puppe: eine französische Familie hat die Plattform fest im Griff und zelebriert nach bester französischer Tradition ein Picknick. Die Kinder haben ihren Spaß, matschen mit dem Essen herum, tollen miteinander, dass der Bretterboden kracht, und scheren sich um die wenigen Tiere, die an‘s Wasserloch kommen, einen feuchten Dreck. 😈 Die Eltern ihrerseits sprechen den mitgebrachten alkoholischen Getränken kräftig zu. Vielleicht müssen sie sich ob ihrer ungezogenen Blagen die Welt schön trinken … 😉

Also ziehen wir noch eine letzte Schleife durch den Park und beenden unsere magere Ausfahrt mit einem Besuch des Wasserlochs Balla Balla. 😗

Die Nacht ist jedenfalls ruhig, wenn man mal vom Geheule der Hyänen absieht. Und, ach ja, ein Leopard soll um uns herumgeschlichen sein, so erzählt man uns jedenfalls am nächsten Morgen.
Teil 1726. Feb. 2021
Montag, 7. Mai 2018

Nach den zwei schönen Tagen am Masuma Dam können uns das Main Camp und vor allem seine zurzeit begrenzte Tierwelt nicht so recht begeistern. Die ’private campsites’ im Park sind leider belegt und deshalb entschließen wir uns spontan, heute schon weiter zu reisen. Als ein mögliches Ziel steht auf unserem Plan der Matobo Nationalpark, und den steuern wir nun an. Auf bester Asphaltstraße geht es zurück nach Bulawayo, wo wir noch einmal zum Tanken stoppen. Während der Fahrt haben es uns die alten Busse wieder besonders angetan.

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Etwa 30 km südlich der Stadt erahnen wir, was uns erwartet. Die Landschaft, die sich vor uns erstreckt, ist übersät mit überdimensionalen, gerundeten Felsenformationen in hellem, leicht rötlichem Stein. 10 km weiter, wir sind völlig überwältigt von den grandiosen Ausblicken, haben wir die Nationalparkgrenze erreicht, biegen aber vorher rechts ab, um uns die Unterkunft „The Farmhouse“ anzuschauen.

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Der Reiseführer empfiehlt sie, aber, gebranntes Kind scheut ja bekanntlich das Feuer, oder, besser gesagt, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Schon bei der Einfahrt in die Anlage schwinden unsere Bedenken: The Farmhouse war ganz früher mal eines, aber nun ist das schöne alte Gebäude Reception und Restaurant einer kleinen Hotelanlage mit Bungalows, eingebettet in diese herrliche Felsenlandschaft.

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Alles tiptop gepflegt und frisch gestrichen, der Garten grünt und blüht. Auch hier gibt es eine Originalkopie in schwarz von Butler James, die uns freundlich begrüßt, uns mit ihrem allergrößten Bedauern mitteilt, dass die Madam zurzeit nicht anwesend sei. Aber er wolle mal schauen, ob er den Chef finden kann, der wisse sicherlich, ob noch was frei sei.

Natürlich ist noch was frei, oder besser gesagt, fast alles ist noch frei. Nur dass der Chef das nicht so deutlich sagen möchte, denn auch er tut so, als wäre Simbabwe immer noch das Reiseland Nr. 1 für die Südafrikaner. Wie wir später erfahren, war er im früheren Leben der Boss des Hwange Nationalparks. Auch ihn hat man aus dem Amt gejagt und durch – so zumindest seine Sicht – eine schwarze Pfeife ersetzt. Vor ein paar Jahren hat er dann The Farmhouse gekauft und nun versuchen er und seine Frau, das schöne Anwesen zu betreiben, auch wenn sie vom Gastgewerbe keinen Schimmer haben. Aber die Bungalows sind schön, wir fühlen uns sofort wohl und beschließen spontan, eine zweite Nacht zu bleiben, auch wenn das bedeutet, dass wir übermorgen einen kleinen Gewaltritt bis Südafrika hinlegen müssen.


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Am späten Nachmittag erklimmen wir die hohen Felsen direkt hinter unserem Häuschen.

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Der Aufstieg ist zwar gut ausgeschildert, aber wir müssen ganz schön klettern über glatte, sehr steile Felsplatten, unter Schlingpflanzen hindurch, über hohe Steine. Kurz vor dem „Gipfel“ wartet eine steile Stahlleiter auf ihre Bezwingung, aber dann sind wir endlich oben.

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Mannomann, was für ein Ausblick. Soweit wir schauen können, liegen überdimensionale Steinformationen vor uns, eingebettet in grüne Wälder. Kette liegt hinter Kette, am Horizont verschwinden sie im Abenddunst. Ein Traum in grün und gelb-orange.


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Das warme Licht der untergehenden Sonne verstärkt alle Farben und wir fotografieren uns beide in einen regelrechten Rausch. Wie gut, dass wir nach einer Stunde absteigen müssen, denn die Dunkelheit naht und das Dinner im Restaurant ruft.
Teil 1803. März 2021
Dienstag, 8. Mai 2018

Der heutige Tag soll ganz den Matobo Hills gewidmet sein. Direkt nach dem Frühstück fahren wir los, zuerst in den westlichen Teil, den Whovi Gamepark.

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Wir suchen das Parkoffice, um den Eintritt zu bezahlen, und finden es endlich in einem Rohbau-artigen Gebäude, in dem die Parkverwaltung aber offensichtlich schon jahrelang ansässig ist. Auf rauhem Betonboden stehen die alten Möbel, die Wände in unverputztem Schwemmstein gemauert, Fenster Fehlanzeige. Aber ein PC steht auf dem Schreibtisch und er scheint auch zu funktionieren. Die nette Rangerin trägt das ungastliche Ambiente mit Würde.

Die Einfahrt in den Park gestaltet sich schwierig, denn das riedgedeckte Einfahrtstor ist viel zu niedrig für den Cruiser,

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und schon wollen wir den Whovi schlabbern und zum Matobo NP wechseln, als eine dienstbeflissene Schlagbaum-Bewacherin uns darauf hinweist, dass sie für die großen Fahrzeuge extra morgens den Schlagbaum nebenan für die Umfahrung geöffnet hat. Wir sollen mal ruhig zurückfahren und dann einfach rechts abbiegen, dann kämen wir in den Park. 😎 Ihr sollt wissen, dass im Whovi einige NH leben, die einerseits sehr aufwändig vor Wilderern geschützt werden, andererseits aber – wie wir nun erfahren - frei zugänglich sind. Noch Fragen?

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Die NH sehen wir nicht, auch anderes Wild ist Mangelware, aber die Landschaft des Parks ist umwerfend. Der Park ist bestückt mit steilen Hügeln, dicht bewachsen mit großen Büschen und Bäumen, und ist durchsetzt mit den außergewöhnlichsten Sandsteinformationen. Es sieht so aus, als wenn Riesen in grauer Vorzeit Steine und Bauklötze aufeinander gestapelt hätten.

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Mitten im Park liegen sehr malerisch einige größere Seen.

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Die Piste windet sich durch schmale Täler und über steile Bergpfade. Nach jeder Kurve ergeben sich neue Perspektiven, mal abwärts ins grüne Tal, mal auf die felsigen Höhenrücken.
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Gegen Mittag wechseln wir in den östlichen Teil, den eigentlichen Matobo Nationalpark. Die Landschaft wird immer spektakulärer, soll heißen, die Felsformationen werden immer großartiger.

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An einem aufgestauten Fluss, dem sogenannten Maleme Dam, queren wir die Staumauer

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und haben von dort einen Blick in das zurzeit trockene Bett des Abflusses.
Die roten Flusskiesel hier haben einen Durchmessenr von bis zu 5 Metern und liegen dick übereinandergeschichtet im engen Bett.

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Auf der ungenutzten Campsite am See machen wir Mittagspause und stellen zufrieden fest, dass unsere Entscheidung, im Farmhouse zu übernachten, die richtige war. Die Campsite, ebenfalls im Verfall befindlich, ist Tummelplatz für die angelnde Bevölkerung des Umlandes. Und wer weiß, was hier nachts passiert … 😮


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Vom Maleme Dam ist es nicht mehr weit zum Herzstück des Parks, dem Aussichtspunkt „World’s View“, wo sich auch das Grab von Cecile Rhodes befindet.

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Nach dem Bezahlen einer zusätzlichen Besichtigungsgebühr dürfen wir den kurzen, steilen Aufstieg über glatte Felsen angehen.

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Vom höchsten Punkt hat man, wie der Name schon sagt, wirklich einen Blick auf die Welt. Im 360°-Panorama liegt die grüne Berglandschaft mit ihren ungewöhnlichen Felsformationen zu unseren Füßen. Der Wahnsinn, wenn man mal vom schlechten Licht um die Mittagszeit absieht.

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Dass die Simbabwer das Grab von Cecil Rhodes und einigen seiner Mitstreiter sowie ein großes Denkmal für die im Kampf um die weiße Besiedlung des Landes Gefallenen nicht geschleift sondern für die Nachwelt erhalten haben, verwundert uns zuerst. Andererseits bieten die Sehenswürdigkeiten eine gute Gelegenheit, Einnahmen zu erzielen. Uns jedenfalls hat der grandiose Ausblick von dort oben sehr gut gefallen, auf die Grabplatten hätten wir auch verzichten können.


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Den Sonnenuntergang erleben wir wieder auf dem Hausberg neben unserem kleinen Cottage.

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Heute sind wir mutiger und steigen erst im allerletzen Licht ab. Was für ein toller Tag!
Teil 1915. März 2021
Mittwoch, 9. Mai 2018

Unser letzter Tag in Simbabwe. Ein letztes üppiges Frühstück, serviert von Butler James, und ab nach Süden. Erst noch einige Kilometer schmale Asphaltstraße, danach beginnen 70 km schlecht zu fahrender Erdstraße. Was die Navigatorin sich wohl immer bei der Streckenführung denkt?

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Naja, zeitlich ist die Strecke mal wieder keine Abkürzung, aber auf diesen Straßen bekommt man einen Einblick ins wahre Leben.

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Ab Erreichen der A6 wird es besser. Auf guter Asphaltstraße geht es stetig nach Südost in Richtung Grenzübergang Beitbridge. Die Landschaft entlang der Straße bietet wenig Attraktives, hier in den Lowlands regnet es weniger und die Böden sind sandig. Und so sieht es trocken und ein wenig trostlos aus.

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Gegen 10 Uhr versuche ich per WhatsApp Kontakt mit einer Kollegin von Anesu aufzunehmen, damit sie uns über die Grenze bringt. Wieder klappt dieser Service schnell und zuverlässig, und als wir um 12:45 Uhr in Beitbridge einrollen, wartet die sehr attraktive Ruvimbo schon am Straßenrand. Die Ausreise geht ratzfatz, nach 10 Minuten rollen wir schon zum südafrikanischen Grenzposten.

Hier geht es dann so langsam und umständlich, wie wir es eigentlich für die andere Seite erwartet hatten. Zuerst suchen wir eine Weile nach dem Schalter für die Passkontrolle, denn sie ist ausgelagert in einen Container, von Beschilderung weit und breit keine Spur. Vor den Schaltern lange Schlangen, wir reihen uns ein, schleppend, sehr schleppend geht es voran. Auch hier arbeitet man mit Scannern für Fingerabdrücke, leider funktionieren die Geräte nicht zuverlässig und lassen den Computer des ohnehin überforderten Grenzbeamten hin und wieder abstürzen. Nach einer halben Stunde bin ich endlich dran, muss mich anschnauzen lassen, ich solle die Finger gefälligst in der richtigen Reihenfolge auflegen usw. Aber Augen zu und durch. Helmut erwischt es dann bös: beim Scan seiner Fingerabdrücke schmiert der Computer vollends ab, der Grenzer verliert fast die Beherrschung und weiß nicht mehr weiter. Nach etwa einer halben Stunde kommt die Rettung in Person eines IT-Spezialisten, der in Windeseile das System neu startet und wieder auf Trab bringt. Nächste Station: Zollformalitäten für das Auto. Welch ein Kontrast, der Zöllner lächelt freundlich, fragt nur, ob das Auto eine SA-Zulassung hat und haut mir einen Stempel in die Papiere. Um 14:30 Uhr sind wir endlich fertig und schlängeln uns bei der Ausfahrt aus dem Grenzbereich durch die Fahrzeugschlangen, die auf die Abfertigung warten.

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Wir haben es eilig, denn vor Sonnenuntergang wollen wir noch unsere letzte Station des Urlaubs, Leshiba Wilderness, erreichen. Wieder geht es durch die Soutpans-Berge Richtung Louis Trichard (oder Makhado, je nachdem, welcher Ethnie man angehört). An den Steilstrecken quälen sich die voll beladenen LKW mühsam die Steigungen hinauf. Die Schlangen dahinter sind endlos, die Überholversuche der Hasardeure sehenswert. Um 16:00 Uhr sind wir in Louis Trichard, von hier soll es noch eine Stunde dauern bis nach Leshiba. Die R522, die uns nach Westen führt, gaukelt uns vor, sie sei eine gute Straße, aber ab dem Stadtrand reiht sich Schlagloch an Schlagloch. So sind wir froh, endlich auf Schotter zu gelangen, da weiß man wenigstens, was man hat. 12 km geht es jetzt stetig bergan auf immer schlechter werdender Naturstraße. Die letzten 4 km haben es besonders in sich, steil, ausgefahren, alle 100 m quert eine tiefe Abwasserrinne. Kein Wunder, dass die Lodge anbietet, das Auto vor dem letzten Anstieg stehen zu lassen und sich abholen zu lassen. Das geht natürlich gegen unsere Ehre, sind wir doch mit dem Cruiser unterwegs! 😎 Am schweren Eisentor zur Wilderness Area noch schnell den Code ins dicke Schloss eingegeben, und wir sind endlich angekommen. Ein Hochtal, umgeben von grünen Bergen, erstreckt sich in west-östlicher Richtung. Große Grasflächen, Büsche, kleine Wäldchen. Und dazwischen eingetupft Giraffen, Antilopen, Breitmaulnashörner – idyllisch wie im Bilderbuch.


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Nach weiteren 3 Kilometern erreichen wir die Lodge und beziehen unser Chalet. Die Anlage ist im Stil der früher hier ansässigen Ethnie gestaltet, das heißt rostroter Putz begegnet uns innen und außen, überall stehen Figuren, Skulpturen, Fabelwesen. Unser Chalet liegt am Hang mit Blick auf die großen Grasflächen im Tal, bietet sehr großzügig Küche mit Essbereich, großes Schlafzimmer, Innen- und Außenbad mit Wanne und Dusche, mehrere Außenterrassen. Ob wir soviel Luxus nach den Wochen im Zelt überhaupt verkraften können?

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Sehr dekorativ grast eine kleine Gruppe Breitmaulnashörner direkt am kleinen Wasserloch vor unserer Küchenterrasse.


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Unser Blick auf all das ist allerdings durch die Strapazen des Tages ein wenig getrübt. Noch schnell eine Dusche und dann geht es auch schon zum Dinner.

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Die noch halbvolle Weinflasche nehmen wir mit zurück ins Chalet, aber selbst für einen Absacker sind wir zu müde.
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