Tag 4 23.10.2017 Pilanesberg Bakgatla Campsite Teil 1
Gefahrene KM: 146
Heute morgen verzichteten wir aufgrund der dürftigen Ausbeute auf einen gesonderten Game Drive – zudem hatten wir die Hoffnung, in Pilanesberg mehr Glück zu haben. Da wir heute nur eine kurze Fahrstrecke und somit Zeit hatten, beschlossen wir zunächst einmal die noch offenen Fahrzeugprobleme anzugehen. Einen Anruf bei Bushlore später war das Anlasserproblem gelöst: man muss immer aufpassen, dass die Fußmatte nicht unter das Kupplungspedal rutscht. Offenbar ist im Fahrzeug eine Diebstahlsicherung verbaut, die ein Anlassen des Fahrzeugs verhindert, wenn das Pedal nicht wirklich zu 100% durchgetreten ist. Wegen des sporadisch aufleuchtenden Bremswarnsymbols wurde spekuliert, dass wohl nur ein Sensorfehler vorliegen dürfte, riet uns aber zur Sicherheit eine Toyota Werkstatt aufzusuchen. Passenderweise lag ein Vertragshändler auf unserer heutigen Route in Northam.
Dort schilderten wir unser Problem und nahmen im Verkaufsraum Platz, während ein Mitarbeiter das Fahrzeug an die Elektronik anschloss, eine kleine Probefahrt macht und erneut an die Elektronik anschloss. Am Ende stand die Erkenntnis, dass es sich wohl um einen älteren Sensorfehler handeln dürfte, der sich immer wieder bemerkbar machte. Sie löschten das Fehlerprotokoll, ab dann hatten wir Ruhe vor der Leuchte. Der Chef des Autohauses, selbst mit Camper im südlichen Afrika unterwegs, war sichtlich an unserer weiteren Route interessiert und gab uns noch seine Telefonnummer, damit wir ihn jederzeit bei sonstigen Fahrzeugproblemen anrufen können – er kenne überall Leute, die kurzfristig helfen können. Wir bedankten uns für die unbürokratische Hilfe – Bezahlung oder ein Trinkgeld wollte man nicht annehmen – und machten uns auf den Weg Richtung Pilanesberg.
Dort kamen wir gegen Mittag an und checkten im vor dem Eingangstor zum Park befindlichen Bakgatla Resort ein. Am Park gibt es zwei Campsites, eine am Nord- und eine am Südeingang bei Sun City. Da wir (a) aus Norden kamen und (b) hofften, dass sich wegen des größeren Abstands zu Sun City weniger Personen in den nördlichen Teil verirren würden, hatten wir uns für diese Campsite entschieden. Dabei handelt es sich um ein gigantisch großen Komplex mit zahlreichen Bungalows und gefühlt hunderten Stellplätzen – die aber zu 95 % leer waren. In Ferienzeiten muss hier die Hölle los sein. Der Campingplatz ist, ich würde sagen, „in Ordnung“. Man findet ein paar schöne Ecken zum Stehen, es gibt auch recht viele weniger schöne Ecken. Anhand des Bodens konnten wir sehen, dass es hier wenige Tage zuvor massivst geregnet haben muss – viele Wege waren halb weggespült, überall sah man die Spuren einer kurz zuvor vergangenen Flut.
Was jedoch für die Campsite sprach: es wimmelte hier nur so von Vögeln jeglicher Couleur. Besonders ein Pärchen Gelbschabeltokos hatte wohl im Baum neben unserem Stellplatz sein Quartier und unterhielt uns während der zwei Tage unseres Aufenthalts vorzüglich, insbesondere da sie ziemlich schmutzig und abgekämpft aussahen und sich beständig stritten. Leider hatten sie auch die Angewohnheit, unser Auto näher zu inspizieren und sich dabei wahlweise im Seitenspiegel selbst zu attackieren oder unsere Scheibenwischer zu inspizieren. Wir waren daher gezwungen, sie immer wieder von unserem Fahrzeug zu vertreiben. Die extra für die Reise angeschaffte Gummischlange, die wir unter die Windschutzscheibe gelegt hatten, zeigte keinerlei Wirkung.
Nach Mittagessen und etwas Ausruhen beschlossen wir, dem Park einen Besuch abzustatten. Sofern man im Bakgatla Resort nächtigt, bekommt man nochmals Rabatt auf den Eintritt, so dass dieser, gerade im Vergleich zu anderen Parks, geradezu lächerlich niedrig war.
Da wir keinerlei Erfahrung mit Game Drives auf Teerstraßen hatten und noch die naive Vorstellung hatten, man würde auf Teerstraßen keine Tiere, sondern nur Autos sehen, bogen wir bei erster Gelegenheit nach links auf eine Gravelroad und folgten dieser in einem größeren Kreis immer in Nähe der Parkgrenze. Vielleicht lag es an der Uhrzeit oder wir hatten eine blöde Strecke erwischt – jedenfalls sahen wir für die ersten 2 – 3 Stunden gefühlt sehr wenig und wenn dann, wenig fotogen, da zu weit, zu verdeckt oder im direkten Mittagssonnenlicht. Zu Gesicht bekamen wir dabei einzelne Kudus, einen Magpie Shrike sowie in der Nähe eines kleineren Sees in der Ferne einen einsamen Wasserbock und Nilgänse.
An einem weiteren Wasserloch lag ein Hippo im Schlamm und bewegte sich nicht.
Zwar hatten wir nun unser erstes Hippo außerhalb des Wassers gesehen (im Jahr zuvor im Caprivi hatten wir zwar Hippos en masse, aber stets nur im Wasser), wir waren uns aber nicht so wirklich sicher, ob es überhaupt noch lebte – schließlich lag es in der größten Mittagshitze regungslos in der Sonne. Nach ein paar Minuten bangen Beobachtens schließlich die Erlösung – es bewegt sein Schwänzchen
Nun sind wir fast am östlichen Gate des Parks und beschließen, der Teerstraße von dort ins Zentrum des Parks zu folgen. An einem weiteren, sehr ausgetrockneten See finden wir weitere Hippos – diesmal definitiv noch lebendig.
Wir sehen zudem einen Ibis / Hagedasch, einen Elefanten, eine Giraffe und lassen eine Herde Kudus vor uns die Straße überqueren. Zwischenzeitlich hatte es wieder zugezogen, so dass das Licht eher flach wurde.
Ein Glanzstar sitzt sehr fotogen auf einem bereits ergrünten Ast. Die Bäume sind hier größtenteils bereits ergrünt, lediglich das Gras ist noch gelb und trocken.
In sehr sehr weiter Ferne sehen wir ein braunes Etwas und sinnieren darüber, ob wir es mit einem Gnu oder einem einsamen Büffel zu tun haben. Das Hitzeflimmern und der Umstand, dass wir stets nur das Hinterteil zu Gesicht bekommen, macht eine Bestimmung nicht einfacher. Wenn ich nunmehr mit mehr Erfahrung die unscharfen Bilder begutachte, spricht doch mehr für ein Gnu
Im Zentrum des Parks ist die Landschaft wunderschön. Es gibt große Ebenen, die mit gold leuchtendem Gras bestanden sind, außenrum Hügel und in der Mitte einen großen See.
Wir sehen immer wieder Elefanten, die sich ganz entgegen ihres Rufs sehr friedlich verhalten. Zudem kommt nunmehr die Sonne wieder etwas raus, so dass sich uns ein paar schöne Fotogelegenheiten bieten.
In die andere Richtung stehen ein paar Zebras, mit dabei ein noch sehr kleines Fohlen, welches sich immer dicht an seiner Mutter hält. Leider ist die Qualität der Fotos aufgrund der Entfernung und Hitze nicht berauschend, aber gleichwohl sehr nett zu beobachten. Und es zeigt sich mal wieder, wie wichtig es ist, zwei Kameras und zwei Teles dabei zu haben, da nunmehr auf beiden Seiten etwas geboten ist
Rund um den See sind nunmehr eine Vielzahl von Vögeln zu sehen, Seidenreiher, Kormorane, Nimmersatte und und und.. Bei einem kleineren Fahrzeugauflauf ( = 3 Fahrzeuge – bis dahin die größte Ansammlung an Fahrzeugen im Park) zeigt sich ein Hippo grasend an Land.
Ein Waffenkiebitz läuft durchs Gras.
Giraffen durchstreifen die Grasebenenen. Man fühlt sich hier ein wenig an Bilder aus Ostafrika erinnert. Uns gefällt es hier sehr gut.
Am See gibt es in einem schönen schilfgedeckten Gebäude einen Bird-Hide, zu dem ein langer Steg führt. Dieser sollte sich für uns als DAS Highlight des Parks herausstellen. Leider fiel er einige Zeit später einem Feuer zum Opfer und ist, soweit ich weiß, mangels verfügbarer Gelder, noch nicht wieder aufgebaut.. Dass es um die Finanzen (des nicht von Sanparks verwalteten) Parks nicht besonders gut bestellt ist, sieht man auch an der sonstigen Infrastruktur. Die Teerstraßen bestehen zum Teil aus mehr Schlaglöchern als Teer, vieles macht einen sehr desolaten Eindruck. Bei den hohen Besucherzahlen eigentlich nur schwierig nachzuvollziehen..