Warnung - das nächste Kapitel enthält wieder viel Text
Freitag, 5. Januar 2018
Bestes Abschiedsgeschenk
Heute bleiben wir eine Stunde länger im Bett. Da wieder eine mehrstündige Reiseetappe auf dem Plan steht, ist unsere Motivation nicht sehr gross, vorher nochmal durch den momentan tierleeren Tuli Block zu rumpeln. Da Judi für das Frühstück wie vereinbart erst um 9 Uhr kommen wird, beschliessen wir zum Zeitvertreib doch noch die kleine Runde bis zur Kolube Pan zu drehen.
Hier noch die Karte der Limpopo River Lodge, wo man sowohl selber wie auch mit Guide unterwegs sein kann
Es war eine gute Entscheidung!

Bereits nach etwa 1.5 km sehe ich 100m vor uns eine Bewegung: „Da vorne rennt was!“ Mäthu: „Ein Schakal?“ Und dann rennen mehrere Tiere über die Strasse. WILD DOGS!!!!

Die standen zusammen mit dem Leopard zuoberst auf unserer Wunschliste!

Wir können noch näher heranfahren und plötzlich haben wir 2 Tiere direkt neben uns im besten Morgenlicht. Ich versuche, auf den Auslöser zu drücken, aber irgendwas klemmt. Das gibt’s doch nicht!

Und schon sind die Hunde weg. Es stellt sich heraus, dass Mäthu die Kamera umgestellt hatte und ich vergeblich auf die Display-Anzeige gewartet habe. Wir schlagen uns vor Ärger kurz ein bisschen verbal die Köpfe ein.

Soll das alles gewesen sein mit unserer 1. Wild Dog-Sichtung?
Wir fahren dann wie geplant weiter zur Kolube Pan, wo tote Hose herrscht. Kurz danach queren wir ein trockenes Flussbett und STOP – was liegt dort hinten im Sand?
Das ganze Hunde-Rudel macht Siesta! Vor Freude schlagen wir beinahe Purzelbäume mitsamt Auto!

Eine halbe Stunde lang schauen wir den Hunden beim ausruhen zu. Auch während ihrer Pause wuselt immer einer herum und es wird nie langweilig. Fototechnisch ist es zwar sehr schwierig, die Hunde sind weit entfernt und liegen im Schatten. Trotzdem gelingen uns ganz akzeptable „Beweisfotos“.
Noch fast schöner als die Sichtung ist Judis Freude, als wir ihr von den Hunden erzählen! Sie flippt fast aus! „They’re back, oh my god, you’re so lucky!!“ Es ist herrlich!

Die Arme „muss“ uns noch das Frühstück zubereiten und uns verabschieden, macht sich dann aber sogleich selber auf die Suche.

Etwas schwermütig machen wir uns ans packen, schiessen noch ein paar Abschiedsfotos mit der Crew, montieren den provisorisch geflickten Reifen wieder an die Hintertüre und fahren los.
Wir können es nicht lassen und fahren noch eine Extra-Runde, aber die Hunde sind leider nicht mehr da. Dafür treffen wir ausgerechnet an der engsten Stelle in einer Kurve auf Judi und ihren Mann und wir müssen ein bisschen in die Büsche ausweichen.

Noch ein letztes Winken und wir fahren zurück zum Platjan Border Post.
Dort treffen wir auf eine englischsprachige Familie mit 5 Kindern und es dauert entsprechend. Ich wundere mich etwas über das Schweizer Familienbüchlein, dass sie vorzeigen, denn die Pässe sind nicht rot. Auf der südafrikanischen Seite spricht uns der Vater dann an, denn er hat unseren Dialekt erkannt. Er sei Schwede, seine Frau Südafrikanerin, aber sie hätten 14 Jahre in der Schweiz gelebt. Das Familienbüchlein benutzt er, weil man beim Einreisen nach Südafrika mit Kindern ja die Geburtsurkunden mitführen muss.
In Alldays entdecken wir diesmal den neu eröffneten SaveMor-Supermarkt, wo wir nebst abgepackten Mopani-Worms auch alles Nötige für die nächsten Tage finden. In einem Kleidershop nebenan ist ein Kinder-T-Shirt mit dem Spruch „Born to Hunt“ ausgestellt – illustriert natürlich nicht mit einem Bushman mit Pfeil und Bogen sondern mit einem Comic-Büffel mit Gewehr. Auch die Kiosk-Auslage ist zur Hälfte mit Jagd-Magazinen bestückt.
Auf dem Weg nach Vivo begegnen uns 3 Männer mit 3 Kühen und einem enorm grossen Stier. Ein solches Tier bekommt man in Europa kaum noch zu Gesicht, und hier läuft er frei auf der Strasse rum.

Wir wagen nicht, für ein Foto anzuhalten, mit diesem Kraftprotz möchten wir uns nicht anlegen.
Auf der R522 Richtung Louis Trichard machen wir noch einen kurzen Picknick-Halt am Strassenrand und bald darauf biegen wir schon links ab, dem Signal „Leshiba Wilderness Lodge“ folgend. Zuerst führt der Weg noch recht einfach, aber schmal dem fast ausgetrockneten Fluss entlang. Der nachfolgende Anstieg ist wirklich nur für 4x4-Autos geeignet und wer seinem Fahrzeug das Gerumpel nicht antun möchte, kann am Fuss des Berges parkieren und sich abholen lassen.
Bereits auf der Anfahrt zum Venda Village entdecken wir auf der Hochebene zwei von den bedrohten grauen Tieren mit Keratin im Gesicht (Leshiba bittet darum, zu ihrem Schutz keine Fotos von diesen Tieren im Internet zu verbreiten, weshalb ich auch den Namen nicht nenne).
Wir werden herzlichst von Lukas empfangen, der uns beim Koffertragen hilft und uns die Mwedzi Luxury Suite und danach den Rest des Anwesens zeigt. Einfach toll!
Unser Zuhause für die nächsten 3 Nächte: Mwedzi Luxury Suite
Den Rest des Tages verbringen wir an unserem eigenen Pool, danach kochen wir uns was und später genehmigen wir uns einen Drink im Restaurant. Ausser uns ist nur ein anderes Paar anwesend, Italiener meinte Lukas. Doch die zwei entpuppen sich als Genfer und Bündnerin und wir unterhalten uns lange über die unterschiedlichsten Themen, abwechselnd in Französisch und Englisch. Für afrikanische Verhältnisse gehen wir sehr spät ins Bett.