Der achte Kontinent - Madagaskar 2026

Reisebericht 102 Antworten · 4’962 Aufrufe · gestartet 16. Aug. 2026 von H.Badger
779 Beiträge · seit 201705. Okt. 2026 ·
Hallo Sascha, du beschreibst eure Madagaskar-Reise sehr eindrücklich. Es macht mich zum Teil nachdenklich. Die Menschen müssen zum Teil sehr arm sein. Ich bin gerne auch im zweiten Teil mit dabei. 

Liebe Grüsse Caroline 

2016: Südafrika mit Gardenroute 2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius 2020: Kapstadt und Gardenroute 2022: Namibia 2024: Namibia und Südafrika 2026: Namibia und Botswana
Themenstarter1’874 Beiträge · seit 201607. Okt. 2026 ·
@caroline 

Hallo Caro,

schön, dass ihr noch hier dabei seid! Ich kann verstehen, dass dein Sohn nach Madagaskar möchte. Auch ich würde gern noch einmal hin... Aber auch Südostasien wäre tatsächlich mal eine Reise wert - allein schon wegen der Orang Utans. Mit der Fossa werden wir uns Mühe geben... 😉


@yp-travel-photography 

Liebe Yvy,

wir haben den Tag in Antananarivo als sehr interessant erlebt. Ich fand aber gut, dass wir (auch wegen der Kinder) hier einen Guide bei uns hatten.

Den Südwesten möchte ich auch nochmal irgendwann sehen. Die klassische Route auf der N7 gen Süden steht noch auf der Bucket List. Ich freue mich dann aber erstmal auf deine Eindrücke! 

Der Westen der Insel vereint auf jeden Fall einige der absoluten Highlights unserer Reise. 


@Nacho 

Hallo Silvia,

wir empfanden das auch so: Die Tierwelt ist etwas ganz Besonderes.


@Enilorac65 

Hallo Caroline,

ich freue mich, dass dir der Bericht ein anschauliches Bild vermitteln konnte. Teilweise ist es eine echte Zeitreise, in Madagaskar unterwegs zu sein. Gerade in den kommenden Kapiteln über den ländlichen Westen wird deutlich werden, dass die Menschen dort unter sehr einfachen Bedingungen leben müssen. Die Armut auf der Insel ist wirklich groß.


@ all

Danke auch fürs Button-Drücken. Es ist immer schön zu sehen, dass ein Bericht gelesen wird.


Lieber Gruß

Sascha


Website: www.picturesgonewild.de Aktuell im Forum: Madagaskar 2026 https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307123-der-achte-kontinent-madagaskar-2026 SA, Namibia, Mauritius 2016 / Kruger NP 2016, 2018, 2021, 2023, 2025 / Namibia 2017 / Sri Lanka 2018 / Namibia und Botswana 2019 / Costa Rica 2022 / Namibia 2022 / Norwegen 2024 / Indien 2025 / Madagaskar 2026 Alle Reiseberichte unter: https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/304512-h-badger-reiseberichte.html
Themenstarter1’874 Beiträge · seit 201608. Okt. 2026 ·

Kapitel 9: Im Land der Baobabs

Um drei Uhr in der Früh durchschneidet das schrille Lärmen des Handyweckers die nächtliche Ruhe. Das kann doch nicht wahr sein! Aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, gehört nicht in die Top-Ten der besten Urlaubserlebnisse. Schlaftrunken und individuell mehr oder weniger grummelig machen wir uns abreisefertig und nehmen an der Rezeption riesige Frühstückspakete entgegen: Keine Ahnung, wie wir diesen Nahrungs- und Getränkeberg nun sinnvoll verstauen sollen.

Viertel vor vier brechen wir mit einem Hotelshuttle zum nahegelegenen Flughafen auf. Um diese Zeit herrscht naturgemäß kein Verkehr und so sind wir ruckzuck am Ziel angelangt.

Dort kommen sofort einige Helfer auf uns zu, die unbedingt unser Gepäck für uns schieben möchten. Gern ermöglichen wir ihnen diesen kleinen Job. Neben einem Trinkgeld verteilen wir auch große Teile des Hotelproviants an die Anwesenden. Alles wird gern genommen.

Am Flughafen ist – welch Überraschung! – wenig los. Eigentlich wollten wir neues Bargeld ziehen, bevor wir in den ländlichen Westen aufbrechen. Leider ist aber der ATM außer Betrieb.

Der Check-In und die Sicherheitskontrollen gehen schnell von der Hand. Auf das Gewicht unseres Handgepäcks (höchstens fünf Kilo!) wird zum Glück nicht so genau geachtet und so kommt auch die Fotoausrüstung heute problemlos mit an Bord, deren Rucksack-Zuhause mehr als das Doppelte auf die Waage bringt.

In der Abflughalle ist nun Geduld gefragt. Gut eineinhalb Stunden möchten noch verdöst werden, bis unser Flug abheben wird. Gefühlt ist der Zeitraum aber deutlich länger.

Allen Unkenrufen gegenüber Madagascar Airlines zum Trotz wird unser Flug überpünktlich starten. Mit etwas Vorlauf öffnen sich die Türen der Wartehalle und es geht über das Rollfeld in Richtung Flugzeug. Mit der ATR 72 erwartet uns eine große Turboprop-Schulterdecker-Maschine. Von außen macht sie auf den Laien einen flugfähigen Eindruck, von innen auch. Trotzdem sitzen wir hier mit einer gewissen Anspannung im Angesicht der bisherigen staatlichen Infrastruktur-Erfahrungen und diverser Reisebericht-Erzählungen.

Der rund einstündige Flug verläuft dann aber zum Glück ruhig. Es gibt sogar leckere Snacks und die Blicke aus den (leider nicht fototauglich-sauberen) Fenstern zeigen uns l’île rouge im schönen Morgenlicht in ihrer ganzen Pracht. Regelmäßig sind bereits aus der Luft riesige Affenbrotbäume zu entdecken. Die Vorfreude auf den Westen wächst, die Flugsorgen sind glücklicherweise vergessen.

Die Landung am winzigen Flughafen von Morondava gelingt vorbildlich. Das Gepäck ist schnell wieder in unserem Besitz und bald treffen wir auf unseren neuen Driver-Guide. Félestin stellt sich als ein hochgewachsener Mann in seinen Sechzigern heraus. Und für uns als absoluter Glückstreffer. Denn er ist nicht nur ein versierter 4x4-Fahrer, sondern auch ein sehr guter Reiseführer und einfach ein absolut liebenswerter Mensch. Nach der gemeinsamen Zeit gehört er gefühlt mit zur Familie. 🙂

Bald ist das Gepäck in unser neues Auto verladen. Die vier Koffer passen gerade so in den Gepäckraum. Rucksäcke müssen wir auf dem Schoß tragen. Hier werden wir uns unbedingt noch etwas einfallen lassen müssen, denn in diesem Modus können wir nicht zehn Stunden und mehr auf schlechten Pisten unterwegs sein.

Durch das morgendliche Morondava fahren wir (mit Zwischenhalt an dem einzigen Geldautomaten der gesamten Region!) zum Maison Charette – unserer Unterkunft für die heutige Nacht. Dieses kleine und noch recht neue Hotel liegt etwas außerhalb der Stadt und besteht nur aus einer Handvoll Zimmer. Die Besitzerfamilie ist österreichisch-madagassisch. Alles ist hier sehr gepflegt und persönlich. Wir laden Félestin zu einem gemeinsamen Frühstück ein, um uns besser kennenzulernen und verabreden uns mit ihm für den Nachmittag, um zur berühmten Baobab-Allee zu fahren, die eine knappe halbe Stunde nördlich von hier liegt.

Die Stunden bis zur Abfahrt verbringen wir in unserer geräumigen Familieneinheit, die aus zwei Zimmern besteht. Hier haben wir genug Platz und die gemütlichen Betten locken mit der Aussicht auf einen Ausgleich zur arg verkürzten Nacht. Nach einer langen Ruhephase organisieren wir außerdem unser Gepäck um, damit wir einen großen Koffer im Hotel lassen können. Da wir vor dem Rückflug nach Tana wieder hier übernachten werden, bietet sich diese Maßnahme an. Und so ist genug Platz im Kofferraum für unsere Rucksäcke geschaffen.

Am späten Nachmittag holt uns Félestin ab. Über eine kleine Dirtroad geht es zuerst zurück nach Morondava, um dann auf asphaltierter Straße bis zum Abzweig nach Norden zu fahren. Von dort aus gibt es nur noch eine Sandpiste, die jedoch in Stadtnähe in einem ziemlich guten Zustand ist.

Links und rechts der Straße wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Auch hier sind immer wieder Menschen bei der kräftezehrenden Handarbeit zu beobachten.

Wenige Kilometer hinter Morondava halten wir an ersten beeindruckenden Exemplaren der Baobabs. Es handelt sich hier um Granddidier-Baobabs, die bis zu 25 Meter hoch werden können. Im warmen Licht des Nachmittags leuchtet ihr Stamm wirklich schön. Die Fahrer der Fahrrad-Rikschas, die hier immer wieder unterwegs sind, beneiden wir auf dieser recht weichen Sandpiste nicht.

Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir – und dabei vor allem unser Nachwuchs– von einer ganzen Schar einheimischer Kinder umringt. Ihre Blicke sind ganz ohne Scheu, bald kommt es zu Berührungen. Für unsere Kids ist das (nachvollziehbar) schnell zu viel und sie ziehen sich auf die Rückbank zurück.

Hier hören wir zum ersten Mal den Gruß: „Salut Vazaha!“. Diese Formel wird uns die nächsten Tage begleiten. „Vazaha“ nennen die Madagassen hellhäutige Fremde oder Europäer. Das Wort ist keineswegs böse oder abwertend gemeint, sondern eine ganz normale, alltägliche Bezeichnung im Land.

Einige Kilometer weiter nördlich erreichen wir schließlich die Allée des Baobabs. Hier gibt es einen größeren Parkplatz am Rand eines kleinen Dorfs. Die aus Naturmaterialien gezimmerten Hütten sind typisch für das ländliche Madagaskar – genau wie die kleinen Solarpaneele, mit denen die Bewohner vornehmlich ihre Telefone und Lampen laden. Denn Strom (und fließendes Wasser) gibt es hier nicht.

Am Eingang zur Allee finden sich einige Souvenirstände und Garküchen. Außer uns sind ein paar weitere Touristen unterwegs. Im stets wärmer werdenden Licht spazieren wir zwischen den riesigen Bäumen herum und sind beeindruckt von diesem Ort. Die schiere Anzahl der Affenbrotbäume bietet dem Betrachter ein einzigartiges Bild. Einst waren die Bäume Teil eines dichten Trockenwalds. Heute sind sie die einzigen Überbleibsel dieser Vegetation, da sie unter strengem Schutz stehen. Der Rest der Wälder wurde über die Jahre abgeholzt.

Mitten durch die Ansammlung der Baobabs führt die Nationalstraße 8 – wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um eine einfache Sandpiste, auf der vor allem Fußgänger und Zebu-Karren unterwegs sind. Daher kostet die Baobab-Allee auch (abgesehen von einer Parkplatzgebühr) keinen Eintritt. Es gibt jedoch Pläne, die N8 zu verlegen und den Abschnitt mit der Allee zu einer gebührenpflichtigen Attraktion zu machen.

Da die große Ansammlung der Affenbrotbäume nur wenige hundert Meter Straße umfasst, haben wir genug Zeit, herumzuschlendern, bis sich Sonne und Horizont anschicken, sich anzunähern.

Der Sonnenuntergang ist der Höhepunkt eines jeden Baobab-Allee-Tages. Und daher füllt sich der Parkplatz nun auch mit recht zahlreichen Autos, die Hotelgäste aus Morondava pünktlich zum Beginn des Ereignisses abliefern. Ganz allein erlebt man den Sundowner hier also nicht, auch wenn das Besucheraufkommen zum Glück noch weit entfernt davon ist, das Prädikat „Massentourismus“ tragen zu müssen.

Der beste Blick auf die untergehende Sonne bietet sich vom Rand eines kleinen Sees aus, dessen morastige Uferzone vom Gros der Besucher gemieden wird. Hat man also gutes Schuhwerk an den Füßen, kann man sich von der Mehrzahl der Anwesenden ganz gut separieren und das asiatisch geprägte Insta-Spektakel erfolgreich ausblenden.

So richtig rot glühen, wie wir es immer wieder auf den bekannten Fotos der Allee gesehen haben, mag der Himmel heute nicht. Trotzdem ist der Blick auf die Schattenrisse der Baumriesen im Gegenlicht der untergehenden Sonne mitsamt dem wechselvollen Farbenspiel einfach wunderschön. Die Kamera klickt im Akkord und man muss sich zwingen, die Momente nicht nur durch den Sucher zu erleben.

Schnell leert sich das Areal, sobald sich die Sonne verabschiedet hat. Wir bleiben noch ein wenig und sehen u.a. den Kindern dabei zu, wie sie den dicken Stamm eines Baobabs umarmen.

Als es bereits ganz finster ist, gehen wir sehr zufrieden zurück zum Auto und werden von Félestin sicher zurück zum Maison Charette gebracht.

Den Tag beenden wir bei einem guten Abendessen im Hotel. Es gibt hier drei Menüs zur Auswahl. Alles stellt sich als sehr schmackhaft heraus. Und die Katze des Hauses bietet für die Kids einen willkommenen Streichelanlass.

Hundemüde fallen wir bald in die Betten. Morgen früh geht es bereits wieder zurück zur Baobab-Allee. Denn wir werden der N8 bis in den Kirindy Wald folgen. Hier haben wir bezüglich nachtaktiver Lemuren und Votsotsas, der Vogelwelt und nicht zuletzt der Sichtung einer Fossa (zu?) große Erwartungen, denn Kirindy gilt oft als „die“ Wildlife-Destination im westlichen Madagaskar.

Stay tuned. 😉

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zuletzt bearbeitet 08. Okt. 2026