CuF schrieb:Heihei, Andreas,
davon….also ohne gefühlsdusseligen Ausschweifungen
kann’s ruhig ein bisschen mehr sein 😗
Erwartungsvoll grüßt
Friederike
Auf Wunsch einer einzigen Dame... Nun doch ein wenig Gefühlsdusselei.... 😉
Jetzt geht es los!
Im Hochsommer letzten Jahres hatten wir uns aus der Covid-Not heraus für eine für uns nun wirklich ungewöhnliche 14-tägige Reise entschieden. Die Aufgabenstellung war eigentlich recht einfach und die Parameter sodann rasch definiert: Hauptsache raus, easy going, Sonne satt, viel Meer und noch viel mehr leckeres Essen. Ergebnis: Die Insel Kos. Wir reisten nur mit Handgepäck, vor Ort bloß kein Auto, das braucht dort kein Mensch, es reichte ein Motorroller – einer zu zweit versteht sich. Was wir uns im Vorfeld so gar nicht haben ausmalen können… Es waren wirklich zwei Wochen genialster Urlaub und das mit nur 8 kg Gepäck pro Nase inklusive 14-Tage-Unterwäschewechselmenge. Die Messlatte war für die Zukunft somit gelegt: Kurzurlaube bis zweieinhalb Wochen in klimatisch sonnigen, warmen Gefilden = nur noch mit Handgepäck. Der ursprünglich geplante nachweihnachtliche KNP-Chalet-Cottage-Safari Tent-Bungalow-Trip 2021/2022 war dieser Kategorie zu zuordnen. Daß sich jedoch diese Tour auf Ende Mai bis Mitte Juni 2022 verschoben hatte, veranlasste uns jedoch nicht im Geringsten, von unserer neuen Reisegepäckphilosophie "Less is more" abzuweichen und somit starteten wir, jeder mit einem Handgepäckstück und einem kleinen Rucksack ausgestattet, am Hamburger Hauptbahnhof, um mit der Deutschen Bahn an den Frankfurter Flughafen zu fahren. Wie eingangs erwähnt, hatten wir Lufthansatickets in der Tasche. Da die LH neben Zubringerflügen seit einiger Zeit auch Zubringerzüge mit Startpunkt Hamburg Hbf. anbietet, optierten wir für letzte Art, um nach FRA zu reisen. Somit kamen wir kommod und ohne lange Wartezeit an zusätzlichen Sicherheitskontrollen verbringen zu müssen am Frankfurter Flughafen an. Der Security Check dort, mit ausreichendem Personal ausgestattet, funktionierte gut und nach einer viertel Stunde waren wir durch und begaben uns zum Abfluggate. Der Nachtflug begann mit einer leichten Mahlzeit in gewohnter LH-Manier – Penne rigate mit Sugo di Pomodori. Kein Bohei oder großes Theater. Eine simple, schnörkellose Mahlzeit, so, wie die Kluft der Lufthanseatinnen schnörkellos ist. Amanda Lear hätte die Hände über ihre auftupierte Frisur zusammengeschlagen...
Der Jumbo startete pünktlich und kam ebenso pünktlich am nächsten Morgen in Johannesburg an. Erwartet hatten wir, aufgrund Covids, ein langes Prozedere bei der Einreise, aber Pustekuchen. Zunächst wurde der Gesundheitsfragebogen widerwillig von einer lustlos vor sich hindösenden Lady eingesammelt. Anschließend versuchte sich eine andere junge Dame mit mäßigem Erfolg darin, die Coronaimpfzertifikate zu kontrollieren, was sie aber nach dem dritten einreisenden Passagier sein ließ und sich dann damit begnügte, lediglich die QR-Codes flüchtig zu sichten. Soweit zum Thema „Einhalt einer Pandemie gebieten“. Die Passkontrolleure arbeiteten dieses Mal so schnell, daß man hätte meinen können, jeder Einzelne würde nun für Akkordarbeit zusätzlich mittels der nächsten Gehaltsabrechnung alimentiert. Eine gefühlte Viertelstunde und wir standen in der Empfangslobby. Welcome to South Africa. Schnell noch in der oberen Etage ein paar Rand aus dem Geldautomaten gezerrt, unten dann eine Sim-Karte gekauft und zack rüber zu Europcar und schon saßen wir in einem kleinen Mini-Suv und düsten die R 21 und die N 4nordwärts. Zunächst hatten wir für die erste Übernachtung ein Safarizelt im Bontle Camp des Marakele NPs gebucht. Diese Entscheidung war unserer Nostalgie geschuldet, denn wenn wir in JNB starten und gen Botswana fahren, verbrachten wir bisher stets die erste Nacht bzw. die beiden ersten Nächte im Marakele NP. Da wir das Bontle Camp nur als reines Campingcamp kannten, fanden wir es interessant, jetzt die erste Nacht in einem der neuen Sanparks-Safari-Tents zu schlafen. So der Plan; doch diesen hatten wir dann verworfen, als wir uns bewußt wurden, daß die Straßen hoch zu unserem nächsten Etappenziel Mapungubwe NP in teils erbärmlichen Zuständen sind und aus einem langen Tagestripp ein elendlanger, nerviger Tagestripp mit Potholepotpourri werden würde. Somit stornierten wir das gebuchte Safari Tent im Marakele NP und entschieden uns, so weit wie möglich nordwärts zu fahren. So weit, wie am Ankunftstag eben vertretbar. Für uns kam dabei Polokowane raus. Die Strecke von JNB bis dorthin legten wir in entspannten vier Stunden zurück. Somit kamen wir am frühen Nachmittag dort an und konnten den ersten Großeinkauf tätigen. Übernachtet haben wir im Mavuta Manor, einer kleinen, aber feinen Hotelanlage in zentraler, jedoch sehr ruhiger Citylage. Diniert hatten wir ebenfalls dort und das, was auf den Tisch kam, das übertraf alle unsere Vorstellungen. Die Köchin hatte ihr Bestes gegeben und wir konnten gar nicht so viele Komplimente finden, um uns bei ihr für das Abendessen bedanken zu können. Einfach nur Spitzenklasse, was sie uns auf die Teller gezaubert hatte. Chapeau!
Nachdem wir die vorangegange Nacht eher in der Vertikalen zugebracht hatten, waren wir froh, über ein bequemes Boxspringbett und schliefen wie die Engelchen.
Für den nächsten Morgen ließen wir den Wecker um sechs Uhr rappeln. Ein schneller Nescafé reichte uns, um wach zu werden. Die tags zuvor erworbenen und dann im Hotelkühlschrank untergebrachten fleischigen Genüsse sowie Vollmilch und Käsepackungen packten wir in unseren ebenfalls am Vortag käuflich erworbenen Big Jim um. Big Jim erwies sich als unser treuer, zuverlässiger und besonders cooler -im wahrsten Sinne des Worte- Begleiter. Für schlappe 7 Euro bekamen wir diese Superbox in Standardgröße, dazu vier Gelpacks, denen wir aufgrund ihres geringen Preises von umgerechnet 80 Eurocent pro Stück wenig Leistungsdauer und -vermögen zuschrieben. Doch wir sollten uns mächtig täuschen. Big Jim und seine vier kleinen Eisjungs belehrten uns eines Besseren und mit stolzer Brust vagabundierten wir die nächsten zweieinhalb Wochen gemeinsam mit diesem Kühlensemble durch Südafrikas Nord- und Nordosten.
Wie ich im Thread zur Sicherheit in Südafrika bereits ausführte, wurde uns auf unsere Nachfrage hin, welche Strecke denn die angedachteste sei, um von Polokwane in den Mapungubwe NP zu gelangen, sowohl von Black als auch White inständig empfohlen, bloß nicht die direkte Strecke über Alldays zu nehmen, da es dort zu Krawallen und sogar Schüssen auf Fahrzeuge gekommen sei. Man sprach sogar von Toten, was wir aber trotz des sehr guten WLANs im Hotel nicht auf Wahrheit hin verifizieren wollten. Wir sollten, so die einhellig Meinung, auf alle Fälle via Musina in den Mapungubwe NP fahren. Nun denn, wenn alle dies raten, dann halten wir uns auch an diese explizite Empfehlung. Somit fuhren wir dann nordwärts, machten einen kurzen Frühstücksstopp in Louis Trichart, um anschließend durch die schöne und grüne Mittelgebirgslandschaft gen Musina zu tuckern. Beim Einfahren in Musina wurden wir von Polizeiwasserwerferwagen mit Gitter geschützten Windschutzscheiben begrüßt. Es hatte den Anschein, als ob hier wenige Tage zuvor ebenfalls der Mob getobt hätte. Die Reste von zu Bruch gegangenen Teilen jeglicher Art fanden sich zuhauf an den Rändern der Hauptdurchgangsstraße. Wir erlebten zwar eine ruhige Stimmung in der Stadt, aber irgendwie wollten wir nicht dort halten. Die Lage war komisch und schwer für uns in Worte zu fassen. Später erfuhren wir, daß Wasserabschaltungen der Grund für die massiven und gewalttätigen Proteste waren. Einmal durch Musina durch geht es dann links ab zum Mapungubwe NP, den wir nach ca. 65 km auf tadellosem Asphalt erreichten. Dieser Nationalpark ist in einen westlichen und einen östlichen Teil unterteilt, wobei beide Teile nationalparkstraßentechnisch nicht miteinander verbunden sind, zumindest für die Besucher nicht. Im Ostteil befindet sich das Leokwe Restcamp mit seinen 18 Cottages sowie das Vhembe Wilderness Camp, welches vier Cabins, eine gemeinsame Küche mit Kühlschrank und Gefriertruhe sowie Lapa bzw. Boma aufzuweisen hat. Im Westteil des Natioanlparks liegt die Campsite sowie das Limpopo Forst Camp mit seinen simplen Safari Tents und Gemeinschaftsküche und -ablution. Für die erste Nacht hatten wir uns im Leokwe Restcamp einquartiert. Dieses Restcamp ist im Gegensatz zu den Restcamps im Krüger NP, etc. nicht eingezäunt und die vielen Elefantendungportionen, die wir dort vorfanden, sprachen für sich. Die meisten Cottages setzen sich aus zwei typischen Huts zusammen, die aneinander gebaut sind. Das sich dadurch ergebende Ambiente ist wirklich sehr großzügig. Wir hatten das Cottage Nr. 2, welches im linken Hut das Open-Küche-Eß-und-Wohnzimmer und im rechten Hut das Schlafzimmer mit hinten angeschlossenem Bad aufwies, wobei die Dusche sich außerhalb dieses Huts im Freien hinter einem mannshohen typisch afrikanischen Holzstangenzaun befand. Aus dem großen Open-Kitchen-Dining-Livingroom führte die Tür zu einer sehr großen Braai-Terrasse auf der Rückseite des Gesamthutensembles. Da das Cottage Nr. 2 mit seiner Braaiterrasse nach Westen hin ausgerichtet ist, durften wir an einem wunderschönen Sonnenuntergang teilhaben, Elefanten auf dem Hügel vor uns im tiefroten Gegenlicht wie schwarze Scherenschnitte bewundern und die umherstreunende Tierwelt, wie geschildert, ohne Vence genießen. Abends hatten wir dann noch Besuch einer schüchternen Ginsterkatze.
Nach allem, was wir in den letzten dreizehn Jahren an Sanparks-Unterkünften kennenlernen durften, können wir konstatieren, daß das Leokwe Restcamp volle 110 mit Lode wert ist. Die Lode deswegen, weil alles in allem in einem sehr gepflegten Status und der Sauberkeitslevel für Sanparks-Verhältnisse tadellos…mit Betonung auf jeder einzelnen Silbe….war. Auf den ersten Blick konnten wir es nicht glauben und untersuchten skeptisch unser Zwei-Hut-Cottage ab nach Spinnweben hinter den Standardgardinen, Sand und Kies in den Ecken als Indiz für einen durgeführten Kölschen Wisch, aber nix da. Selbst die Fensterscheiben präsentierten sich ohne den üblichen Fliegen- und Spinnenschiß. Veritabel, veritabel. Für Badenixen und brustbehaarte Neptune unter den Gästen wird ein zwischen zwei großen Felsen kreierter Swimming Pool in der Nähe der Restcampeinfahrt geboten. Auch in diesem Bereich, in dem sich bestimmt auch Day Visitors ab und an tummeln und ihren Müll geflissentlich dort vergessen, war alles blitzeblank und machte einen gepflegten Eindruck. Unser CO2/4 (COTTAGE) gab es für 1.353,75 Rand – da kann man nicht meckern.
Wir fuhren vom Main Gate bzw. der dortigen Reception zu unserem Cottage, brachten unsere sieben, nein, drei, vier Sachen unter und stachen auf zur Exploration. Am Treewalk warfen wir einen Blick von oben auf den langsam vor sich hinfließenden Limpopo. Crocs lagen auf den Sandbänken und dösten in der Sonne, aber, so vermuteten wir, stets mit der notwendigen Aufmerksamkeit im Kopf, im Falle, ein Lebewesen sollte sich wagen, von Zimbabwe kurz mal rüber in die Regenbogennation zu machen. Von dort fuhren wir dann zum Confluence Point. Von den dortigen vier separat liegenden Terrassen hatte man einen wunderschönen Blick rüber nach Botswana, sah den völlig ausgetrockneten Sashe River, der die Grenze zwischen BOT und ZIM darstellt, guckte weit rüber nach Zimbabwe rein und sah den Limpopo gemütlich gen Osten plätschern. Die Ebene zwischen dem hügeligen Felsenland zum Limpopo hin war recht licht mit Baumwerk versehen und somit sehr geeignet, das tierische Leben zu beobachten. Früh kehrten wir jedoch in unser heimeliges Cotttage zurück, warfen das Feuer an und knipsten ein paar typische Afrikakitschfotos für die Daheimgebliebenen. Mit einem wirklich sehr, sehr leckerem Rotwein aus Hermanus (wir wußten gar nicht, daß dort Weinanbau betrieben wird) schlossen wir den ersten Abend in der südafrikanischen Wildnis ab.
Ein paar passende Fotos zu obiger Location suche ich noch raus und stelle sie hier ein.