Dienstag 18.04.17 Der Tag beginnt einige Minuten früher für uns, denn wir bereiten alles für den Umzug vor. Dann geht es zum Frühstück. Wir werden nur von Ken erwartet, denn Banda muss sich um neue Gäste kümmern, die eintreffen. Also sind wir nur zu dritt auf der Pirsch. Heute steht ein Ganztagsausflug auf dem Programm. Noch vor 06:30 durchqueren wir den Wasserarm vor dem Camp und stoppen bald darauf. An der gewohnten Stelle sitzt wieder der Greyheaded Kingfisher. Das ist also ganz klar einer seiner Stammplätze. Am Rand der Pfanne wurden die Klunkerkraniche von irgendjemandem gegen Braune Sichler ausgetauscht 😗
Um 06:40 halten wir vor einem Miniwasserloch und beobachten, wie die Sonne aufgeht. Um uns herum singen verschiedene Vögel, es ist mal wieder friedliche und wir haben ein paar total entspannende Minuten.

Kurze Zeit später halten wir für ein einsames Zebra, dass die Piste quert. Frankolins mit Nachwuchs wuseln im Gras herum oder sitzen auf umgestürzten Baumstämmen. Eine Impalaherde grast im ersten Sonnenlicht, der Chef der Herde macht ausnahmsweise keinen Lärm. An einem Teich putzen sich Gänse und Enten. Mir fällt ein, dass ich unseren Guide mal wieder ein wenig ärgern muss, sonst wird es ja langweilig. „Ken, erinnerst du dich noch an meinen Wunsch? Ich möchte einen Dungbeetle sehen!“ Er zuckt zusammen und dreht sich schuldbewusst zu mir um. „Walter, ich achte schon darauf, aber ich habe bisher noch keinen gesehen.“ Ich grinse ihn an. „Du hast ja noch bis morgen Zeit …“. Natürlich kann ich auch ganz gut ohne diese Sichtung leben, aber – wie gesagt – es macht mir schon Spass, die Guides ab und zu etwas zu ärgern. Was sich liebt, das neckt sich 😉


Während wir gemütlich durch die Gegend cruisen meldet sich ein Guide am Funkgerät. Wir können das Wort „Tau“ aufschnappen. „Sie haben einen Löwen aufgespürt“ sagt Ken. „Hmmm… ja, und? Macht er irgendetwas?” frage ich. „Er hat wohl vergangene Nacht ein Impala gerissen und es kann sein, dass wir ihn bei einer Mahlzeit beobachten können.“ Ok, wir können mal vorbeifahren, wir haben ja gerade nichts Besseres zu tun. Zwanzig Minuten später sind wir am Ziel. Am Rand eines Busches stehen vier Fahrzeuge. Der Blick für uns ist versperrt. Ein Auto rangiert hin und her und versucht, tiefer ins Buschwerk zu kommen. „Ken, wenn ich ehrlich bin, uns ist hier zu viel Trubel“ sage ich.“ Lass uns mal ein paar Minuten warten, dann kommen wir näher heran.“ antwortet Ken. Okay, dann warten wir mal ab. Ich lasse meine Blicke schweifen und schaue in die Bäume. Siehe da! In unmittelbarer Nähe sitzt ein halberwachsener Gaukler auf einem Ast. Ab und zu streckt er ein Bein aus oder gähnt herzhaft. Das finde ich interessant.
Für einen Beobachte ist das jetzt vermutlich eine merkwürdige Szene. Während die Insassen von vier Autos übereinander klettern, um Bilder von einem schlafenden Löwen im Buschwerk zu machen, fotografiere ich den Vogel und kümmere mich überhaupt nicht um die Raubkatze. Ein weiteres Fahrzeug taucht auf. Moment mal, den Fahrer kenne ich doch! Sie halten direkt neben uns und ich kann erst einmal meinen Freund Albert begrüssen und ein kurzes Schwätzchen halten. Wir sind beide hoch erfreut, dass wir uns wieder treffen. Nur die Gäste in seinem Wagen rutschen nervös von einer Stelle auf die andere, sie wollen natürlich unbedingt den Löwen sehen. Ich habe meine Fotos vom Vogel gemacht, Albert versucht inzwischen, seine Gäste irgendwie in Fotoposition zu bringen, es gibt für uns keinen Grund, hier zu bleiben. „Wir kommen einfach später wieder, wenn es hier ruhiger geworden ist“ sagt Ken. „Yes, my friend, das ist ein guter Einfall“ 🙂
Langsam fahren wir weiter, wir haben ja keine Eile. Eine gute halbe Stunde später kommen wir an den Rand einer Pfanne. Ausser uns ist niemand da. Ein Stück entfernt können wir eine Warzenscheinfamilie ausmachen, die gerade ihr Frühstück zu sich nimmt. Ken nähert sich den Warthogs Stück für Stück, wir wollen sie ja nicht erschrecken. Als wir in der Mitte der Pfanne sind, wird es plötzlich laut. Zwei Knob-Billed Ducks erheben sich schnatternd in die Luft, fliegen einen scharfen Bogen zurück, schnattern weiter aufgeregt, und fliegen wieder im Kreis. Die Warzenschweine werden aufmerksam und unterbrechen ihr Frühstück. Dann sehen wir den Grund der Aufregung. Ein Leopardenkopf lugt aus dem hohen Gras. Die Katze schaut fasziniert in Richtung der Warthogs. Die Höckerglanzgänse ändern jetzt die Richtung und fliegen lärmend davon. Bei Papa und Mama Schwein geht das Schwänzchen in die Höh‘ und sie treten mitsamt dem Nachwuchs den Rückzug an. Der Leo will es nicht wahrhaben und rennt nach vorne. Zwischen ihm und den Schweinen befindet sich zwar ein Termitenbau, deshalb kann seine vermeintliche Beute ihn nicht sehen, sie ist aber schon ein ganzes Stück weggerannt. Mir gibt es die Gelegenheit für ein paar schöne Fotos mit dem Leo am Termitenbau. Not too bad 😉
Der gefleckte Räber erkennt, dass er keine Chance mehr hat und ändert seine Richtung. Jetzt rennt er ziemlich nah an unserem Wagen vorbei und verschwindet in einem Wäldchen.


Inzwischen sind weitere Fahrzeuge aufgetaucht, die Hatz auf den Leo nimmt ihren Anfang. Die einen umfahren das Wäldchen, um den die Katze aufzuspüren, die anderen fahren quer durch, die nächsten warten einfach. Ken ist sehr erfahren, es dauert nicht lange und wir haben den gefleckten Räuber wieder im Focus. Jetzt klettert der Leo auf einen Baum, verschafft sich Übersicht und klettert wieder hinunter. Die wilde Autohorde folgt ihm. Der Leo bleibt im dichten Buschwerk, manchmal kann man seine Umrisse erahnen. Ken schaut sich die Sache kurz an, überlegt und wir entfernen uns von dem Standort des Leoparden. Was hat er denn jetzt vor? Während die anderen kreuz und quer fahren, stehen wir ein Stück entfernt und warten. Plötzlich verlässt die Katze das Wäldchen und kommt genau auf uns zu. Ich glaub´s doch nicht, wie hat Ken das gewusst? Schnell mache ich ein paar Portraitaufnahmen, dann ist das Objekt unserer Begierde auch schon wieder im dichten Gras verschwunden. Ken startet den Motor und wir umrunden das Areal. Der Leo läuft hin, der Leo läuft her, ein festes Ziel scheint er nicht zu haben. Plötzlich ist er unsichtbar. Das ist im hohen Gras jetzt auch nicht wirklich schwierig. Unser Guide startet wieder und wir entfernen uns erneut von den anderen Fahrzeugen, fahren ein Stück und halten. Ken stellt den Motor ab. So richtig happy bin ich nicht. Der Leopard war doch da vorne, wenn er weiter in diese Richtung läuft, dann hat der Spass ein schnelles Ende.


Ich drehe mich um und traue meinen Augen nicht. Die Grashalme bewegen sich unnatürlich, dann erscheint die Katze und läuft schon wieder auf uns zu! Ich knipse und knipse, der Leopard kommt näher und näher. Direkt am Auto stoppt er und schnüffelt im Gras. Ich bin natürlich wie in Trance mache meine Bilder und beuge mich nach vorne. Plötzlich hebt er seinen Kopf, starrt mich an und fängt an, mich anzufauchen. Wow! Das ist mir noch nie passiert, dass ich von einem Leoparden angefaucht wurde! Ich habe sein Zeichen verstanden und rutsche wieder ein Stück zurück. Beim Checken sehe ich, dass die letzten drei Bilder unscharf sind, weil ich den Mindestabstand meines Objektivs unterschritten habe 😵


Der Leopard leckt noch irgendetwas auf, dann läuft er weiter. Ich muss gestehen, mein Adrenalinspiegel ist noch für zwei Minuten ganz weit oben. Mit so einem Glücksmoment hätte ich keine Sekunde gerechnet. Meine Frau ist ebenfalls absolut happy mit dieser Begegnung bei tollem Tageslicht und Ken grinst zufrieden. Die Insassen der anderen Autos schauen uns irgendwie neidisch an, ich möchte mal wissen, warum 😗
Während die anderen versuchen, dem Leo zu folgen, lobe ich Ken in den höchsten Tönen. Er hatte ein wirklich gutes Gespür für die richtige Zeit und den richtigen Ort! Wir brechen unsere „Jagd“ ab und beschliessen, den Löwen noch einmal zu besuchen. Eine halbe Stunde später sind wir wieder an dem bewussten Busch. Jetzt ist kein einziges Auto zu sehen. Ist ja klar, die sind alle bei dem Leoparden. Als wir dicht heranfahren, öffnet der Löwe seine Augen etwas, rollt sich völlig entspannt auf den Rücken, streckt alle Viere von sich und zeigt uns seinen dicken Bauch. Ja, diese Schnappschüsse nehme ich doch wirklich gerne mit. Das macht jetzt mehr Spass, als mit anderen um den besten Platz zu rangeln!


Zehn Minuten später fahren wir weiter, noch einmal zehn Minuten später stoppen wir für die obligatorische Kaffeepause. Danach fahren wir zur Gravelroad, und dann ein Stück Richtung Moremi. Wir treffen auf einen LKW am Strassenrand, davor stehen zwei Männer. Ken hält an, winkt und einer der Männer kommt zu uns. Er fuchtelt mit den Händen herum und gibt kurze, abgehackte Laute von sich. Ken fuchtelt ebenfalls und dann wird es mir klar. Die beiden unterhalten sich in der Taubstummen-Zeichensprache! Ich bin fasziniert, wie gut unser Guide diese Sprache beherrscht. Als sie sich verabschieden und der Mann wieder zum LKW zurück läuft, erklärt uns Ken: „Das ist mein Freund, ich bin mit ihm zusammen aufgewachsen. Um mich mit ihm unterhalten zu können, musste ich die Taubstummensprache lernen.“ Respekt, Respekt, das sieht richtig gut aus bei dir, lieber Ken. Aber eines würde ich wirklich gerne wissen: Ist diese Zeichensprache eigentlich international? Sie besteht ja eigentlich aus Symbolen. Sind uns die Taubstummen da weit voraus, weil sie auf der ganzen Welt miteinander kommunizieren können? Ich finde, das ist ein interessanter Gedanke. Leider habe ich vergessen, zu fragen.
Ein paar Minuten später sehen wir das bereits bekannte Schild „Mokoro Station“. Vom Wasser her kommt gerade ein Selbstfahrer mit südafrikanischem Nummernschild gefahren. Unser Guide hält kurz an und fragt den Fahrer: „Hallo mein Freund, hast du etwas Interessantes gesehen?“ Der Mann antwortet allen Ernstes „Yes, ich habe eine Mokorostation gesehen, gar nicht weit von hier!“ Na toll! Wie gut, dass wir diese Information erhalten haben, von alleine wären wir da nie drauf gekommen 😄
Ken bedankt sich und als wir ein paar Meter gefahren sind grinst er und schüttelt bloss den Kopf. „Mensch Ken“, sage ich, „na DAS war ja mal eine wirklich tolle Info – oder? Wir wären am Ende noch ein paar Mal an dem Schild vorbei gekommen und hätten uns gefragt: Was könnte da wohl sein..“
Ken beschäftigt sich zwischendurch mit dem Funkgerät und fragt uns, ob wir Lust hätten, eine Löwenfamilie mit einem Jungen zu besuchen. Diesen Vorschlag nehmen wir dankend an. Also fahren wir weiter. Zwanzig Minuten später sehen wir bereits drei Autos am Pistenrand. Na, was da wohl zu sehen ist? Natürlich! Es ist die Löwenfamilie. Wir warten einige Minuten, dann entfernen sich zwei Jeeps, jetzt sind wir ganz nah dran am Geschehen. Obwohl, erst einmal gibt es nicht viel zu sehen, den Löwinnen ist heiss, sie liegen im Schatten und Dösen. Während „Forumsfreundin“ Bele, die ja zur gleichen Zeit im selben Gebiet unterwegs war und die Löwen am Nachmittag beobachten konnte (da waren sie um einiges aktiver), sind die Katzen nicht in der Stimmung für eine gute Vorführung. Zumindest eine steht irgendwann auf und gähnt herzhaft. Da wir uns direkt neben ihr befinden, kann ich zumindest ein paar nette Bilder machen. Dann beschliesst sie, die Piste zu überqueren und ein Stück weiter zu laufen. Zu unserer Freude hebt das Löwenjunge seinen Kopf, steht dann tatsächlich auch auf und folgt ihr. Klick, klick, klick, mein Kleines, dich nehme ich doch gerne auch noch auf 🙂
Die Löwen sind im Gras verschwunden und haben sich irgendwo hingelegt. Wir sind mit Ken einer Meinung, dass wir die Eindrücke vom Vormittag erst mal sacken lassen müssen. Also steuern wir die Community Campsite an, jetzt wird es Zeit für unser Picknick. Wir bauen gemeinsam den Tisch auf, holen die Stühle und die Coolerboxen und schon bald sind diverse leckere Gerichte und frischer Salat zum Essen vorbereitet. Während wir gemütlich am Tisch sitzen und uns unterhalten, knackt es im Buschwerk ganz in der Nähe. Ken hat den Besucher natürlich schon längst bemerkt, bleibt aber ganz entspannt. Es ist nur ein alter Elefantenbulle, der auf der Suche nach Akazienfrüchten ganz langsam seines Weges zieht.


Es ist jetzt fast 13:30, der Platz hier ist wirklich schön, eigentlich könnten wir hier noch eine ganze Weile sitzen bleiben, aber dann treibt uns doch die Neugier an. Vielleicht gibt es ja noch etwas zu entdecken? Meine Frau, die selten mal wirklich still sitzen kann, hat schon längst wieder alles verpackt und jetzt räumen wir die Sachen ins Auto, dann starten wir.
Vereinzelt sehen wir einige Impalas und Zebras, aber eigentlich ist es sehr ruhig um diese Tageszeit. Das ist auch verständlich, denn es ist ziemlich heiss und welches Tier will da schon in der prallen Sonne durch die Landschaft marschieren? Etwa 45 Minuten später sind wir wieder am Wasser, auch hier ist nichts wirklich Tolles aufzuspüren. Ein paar Pfeifenten, ein paar Gänse, mehr zeigt sich nicht. Ein Stück im Landesinnern liegt ein totes junges Zebra, die Raubtiere bzw. Aasfresser haben es anscheinend noch nicht bemerkt. Wir passieren einen knorrigen Baum, aus einem Astloch lugt ein Baumhörnchen hervor.
. An einer Wasserstelle gibt es etwas Abwechslung. Zwei Pelikane und einige Nimmersatte befinden sich an und im Wasser. Zunächst beobachten sie uns nur, als wir am Wasser stoppen. Dann jedoch wird es ihnen unheimlich und sie fliegen ein Stück davon. Beim Abflug spiegeln sie sich im Wasser, diese Bilder lasse ich mir natürlich nicht entgehen.
Noch einmal 10 Fahrminuten weiter erreichen wir die Grenze des Moremi Nationalparks. Die Fahrspur sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus, Ken versucht es trotzdem. Nach 5 weiteren Fahrminuten verschwindet die Spur endgültig im Wasser. Sogar wir als Laien erkennen sofort, dass es keine gute Idee wäre, hier weiter zu fahren. Also wenden wir und fahren den gleichen Weg zurück. An einer Stelle wird die Spur tiefer und senkt sich, die Oberfläche besteht aus angetrocknetem Schlamm. Was auf der Hinfahrt noch gut geklappt hat, das wird jetzt zur Falle. Ken möchte die Schwung durch die Mulde fahren, aber wir bleiben Stecken. Einmal mit Vollgas vor und zurück geschaukelt, dann sitzt das Fahrzeug auf. Es ist ziemlich heiss und schwül geworden, richtig spassig ist eine Buddelaktion jetzt nicht. Ken geht zum hinteren Teil des Wagens und holt den Wagenheber. Meine Frage, ob wir schon mal Holz holen sollen, verneint er. Wir sind immer noch im Park und er möchte deshalb nicht, dass wir aussteigen. Ich glaube zwar nicht, dass hier in diesem verlassenen Winkel irgendeine Menschenseele, geschweige denn ein Ranger, vorbeikommt, höre aber wegen der Hitze gerne auf unseren Guide. Also trinken wir erst einmal einen tiefen Schluck aus der Wasserpulle und schauen Ken bei der Arbeit zu. Er probiert noch zweimal, aus der „Fallgrube“ herauszukommen, aber es gelingt ihm nicht. Erst als er noch mehr Äste herbeischleppt und die Fahrspuren fast komplett auffüllt, schafft er es, uns zu befreien. Das gibt natürlich einen Sonderapplaus von uns eine kühle Flasche Wasser, die er fast in einem Zug austrinkt 🙂

Das waren im Original natürlich 2 Bilder, die habe ich "zusammengestückelt"
Die ganze Aktion hat etwa eine halbe Stunde gedauert, jetzt kann es endlich weiter gehen. Zwanzig Minuten später passieren wir den Sattelstorch hoch im Baum (den kennen wir ja schon), schauen zwei Raubadlern zu, die sich um einen Sitzplatz streiten, dann kann ich mich mal wieder einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Wie nimmt man eine Gabelracke so im Flug auf, dass die Sonne die wundervollen Farben reflektiert. Natürlich ist das Vögelchen zu schnell bzw. fliegt in die falsche Richtung. Ich bin trotzdem entspannt. Warte nur, ich krieg dich schon 😈
Zurück an der Campsite, können wir ein paar Camper beobachten. Während sie gemütlich ihr Zelt aufbauen, suchen in unmittelbarer Nähe die Elis nach Futter. Das kennen wir ja schon. Natürlich springen gleich nebenan auch wieder einige Paviane und Meerkatzen herum. Wir halten uns nicht lange auf, sondern folgen der Piste, die zur Gravelroad führt.
Gegen 17:30 erreichen wir die Pfanne in der Nähe unseres Camps. Ruth freut sich nach einem langen Tag auf einen gemütlichen Sundowner. Das wird doch ein schöner Abschluss sein! Ken steigt aus und fixiert das „Sundowner-Tablett“ an der Front des Wagens. Wir können das Funkgerät hören. „Patna for Ken, Patna for Ken“. Partner ist der Name eines anderen Guides. Ken geht ans Funkgerät, führt ein kurzes Gespräch, dann sagt er: „Die anderen haben die Wildhunde gesehen, sie laufen Richtung Airstrip. Wollen wir dorthin fahren?“ Ich schaue meine Frau an, denn ich ahne schon, was jetzt kommt. Ruths Gesichtsausdruck, der eben noch entspannt war, verfinstert sich augenblicklich. „Nein“ sagt sie kurz und bestimmt. „Ich habe keine Lust mehr, irgendwelchen Hunden hinterher zu hetzen. Ich möchte meinen Sundowner geniessen.“ Ich bin heilfroh, dass wir keine anderen Gäste im Auto haben, das wäre nämlich eine unschöne Situation geworden. Ken schaut sehr verwundert aus. So etwas kennt er wohl nicht. Jedermann will die Wildhunde sehen. Jetzt sind sie in der Nähe und seine Gäste wollen lieber den Sonnenuntergang bewundern… Aber ihm ist es eigentlich egal, Hauptsache die Gäste fühlen sich wohl. Wir bleiben also, wo wir sind, zwei weitere Autos fahren mit relativ hoher Geschwindigkeit an uns vorbei Richtung Airstrip. Noch zwei Fahrzeuge erscheinen. Ich renne los und stoppe das vordere. Die Insassen der beiden Autos sind verwundert, der Fahrer überhaupt nicht. Er hält an und steigt aus, wir umarmen uns innig. Es ist Albert, den kann ich unmöglich vorbei fahren lassen, ohne ihn zu begrüssen. Jetzt hört man einen mehrstimmigen Chor: „ooohhhh!“ Dann lachen alle. So eine Szene sehen sie garantiert nicht oft 🙂
Natürlich ist es mir klar, dass sie es eilig haben, deshalb gebe ich den Weg frei und winke zum Abschied. Und auch die Hunde wollten von uns Abschied nehmen. Am nächsten Tag sollte meine Theorie wieder bestätigt werden: Wenn man überhaupt nichts erwartet, dann passiert sehr oft etwas Überraschendes.

Gegen 18:15 sind wir nicht mehr weit vom Camp entfernt. Ruth und ich sind schon sehr gespannt, wo man uns untergebracht hat. Ken hat bereits am Funkgerät gesprochen und Antwort erhalten. Wir fahren durch den Wasserarm, dann das Ufer hinauf, jetzt an der Gabelung rechts und wir erreichen den Haltepunkt. Dort wartet Kennedy auf uns. Doch wir steigen nicht aus, sondern er klettert hinein und wir fahren weiter. Hinter den Hütten der Staff geht es vorbei, dann erreichen wir ein Fussballfeld. Dort spielen gerade zwei Mannschaften gegeneinander. Als wir das Feld passieren, feuern wir die Spieler an, dass wird mit freundlichen Rufen und Winken zur Kenntnis genommen. Kurz darauf halten wir an. Wir parken genau vor einem brandneuen Zelt an der Lagune, das konnte ich von unserem Zelt Nummer 4 aus schon sehen. Kennedy hat also Wort gehalten als er sagte, wir würden zufrieden mit unserer Ersatzunterkunft sein.
Wir loben Kennedy für diese Entscheidung, dann öffnet er die Tür. Unser Gepäck ist bereits da, jetzt macht er mit uns einen Rundgang und erklärt die Einzelheiten. Dieses Zelt ist um einiges Grösser, als die „alten“ Zelte. Alles riecht noch nach frischem Holz und schaut unbenutzt aus. „Sag mal, Kennedy, sind wir die ersten Gäste hier?“ Er lächelt und nickt. „Wow, was für eine Ehre“ kommentiert Ruth die Situation. Nach erfolgter Einweisung verlässt er uns wieder, wir verabreden uns mit „Taxifahrer“ Ken um 19:00. Ich mache ein paar Fotos, dann weihen wir erst einmal die Dusche ein. Nachdem wir uns frisch gemacht und umgezogen haben, inspizieren wir unsere Unterkunft etwas genauer. Das schöne, grosse Bett, die Nachtschränkchen, der Ankleidebereich, Dusche und WC, man kann wirklich nicht meckern, auch wenn wir drei, vier kleinere Dinge finden, die noch nicht optimal sind. Die werden notiert, damit Kennedy die Möglichkeit hat, alles bis zur Ankunft der ersten „offiziellen“ Gäste reparieren zu lassen. Es ist ein schönes Gefühl, eine Unterkunft einzuweihen, wir freuen uns schon, hier die Nacht zu verbringen!
Pünktlich um 19:00 hören wir Motorengeräusche und verlassen unser Zelt. Vier Minuten später sind wir an der Boma angekommen, keine Minute später können wir bei Dudu ein Glas Rotwein ordern. Etwas später trudeln auch die anderen Gäste ein. Eine hübsche Reiseveranstalterin aus Brasilien ist angekommen, auch ein Paar aus China, wir nennen sie Mr. Han und seine „Pink Lady“, denn sie ist komplett in Pink gekleidet. Ein anderer Guide berichtet uns, dass es wohl ihre Lieblingsfarbe ist, denn auch während des Nachmittags-Gamedrives war sie so angezogen 😵
Wir unterhalten uns mit einigen Gästen, natürlich kommt die Frage auf, ob wir schon mal in Botswana waren. Auf meine Antwort, das sei unsere Botswana-Reise Nummer 15, kommt die nächste Frage, was uns denn an diesem Land so faszinieren würde. Ich fange an zu erklären, warum wir Afika-süchtig sind und speziell Botswana lieben, Mr. Han beobachtet mich fasziniert. Eigentlich bin ich kein guter Verkäufer, aber ich glaube, bei einem persönlichen Gespräch kann ich meine tiefe Leidenschaft für Afrika ziemlich gut rüber bringen. Als ich mit meinen Erklärungen fertig bin, kommt er zu mir und gibt mir seine Visitenkarte. „Ich bin absolut begeistert von deinen Beschreibungen, Mr. Walter, hast du auch eine Visitenkarte für mich? Ich würde gerne später einmal Kontakt mit die aufnehmen.“ Ich bin verblüfft, denn so etwas ist mir noch nie passiert. Ich verspreche ihm, morgen vor unserer Abfahrt eine Karte bei Dudu zu hinterlegen. (Allerdings hat sich Mr. Han bis heute nicht bei mir gemeldet).
Wir genießen unser Dinner in angenehmer (brasilianischer und australischer) Gesellschaft, aber wir sind auch etwas traurig, denn wieder ist es die letzte Nacht, bevor wir das Camp verlassen. Das finden wir wirklich sehr schade. Ich gehe noch einmal zu Kennedy, sage ihm wie begeistert ich von dem neuen Zelt bin und dass ich die Lösung des Übernachtungsproblems nach unserer Rückkehr bei African Bushcamps positiv erwähnen werde. „Kennedy, ich werde sagen, du bist ein Zauberer!“ Jetzt ist er ganz verlegen, freut sich aber trotzdem riesig über mein Kompliment. Eine witzige Story, die ich dann noch höre: Am Nachmittag fuhren die Neuankömmlinge auf die Pirsch. Sie konnten das Löwenpaar aufspüren. Der Guide stoppte etwas entfernt, um den Gäste erst einmal mitzuteilen, wie sie sich bitte bei den Löwen verhalten sollen (nicht aufstehen, die Silhouette des Wagens nicht unterbrechen, etc). Währenddessen kletterte Mr. Hans „Pink Lady“, die anscheinend kein Wort englisch spricht, schon mal aus dem Fahrzeug, um sich den niedlichen Katzen zu Fuss zu nähern. Der Guide musste blitzschnell zwischen die Löwen und der Lady fahren, um sie wieder einzufangen 😗
Trotz lustiger Gespräche sind wir wieder gegen 21:30 müde und lassen uns von Ken zum Zelt chauffieren. Während wir es uns im Bett gemütlich machen, muss ich noch einmal an die Tischrunde des heutigen Abends denken. Wer ist nur dieser Mann von African Bushcamps ? An wen erinnert er uns bloss? Ich ärgere mich, dass ich ihn nicht einfach gefragt habe. Glücklicherweise sollte sich dieses Rätsel schon vier Tage später auflösen. Aber das konnten wir an diesem Abend natürlich noch nicht wissen …
... wird fortgesetzt ...