Montag 13.04.2015
Nach einem ruhigen Flug sind wir pünktlich in Johannesburg gelandet. Die Einwanderungsprozedur inklusive Fieberscanner geht ziemlich schnell, unser Gepäck ist auch bald da und wir erreichen ohne Zollkontrolle die Ankunftshalle. Hier werden wir von einem Mitarbeiter der Federal Air bereits erwartet. Er hält ein großes Schild mit unserem Namen in der Hand. Guter Service! Dieses Schild hätten wir vermutlich aus 1.000 Meter Entfernung sehen können.
Ich bitte unseren Abholer darum, einen ATM ansteuern, damit ich mein Kontingent an Bargeld aufstocken kann. Normalerweise reise ich als „Mr. Cash“, das war in der Vergangenheit auch kein Problem, denn das Risiko, im Okavango Delta oder in der Kalahari ausgeraubt zu werden, erschien mir sehr gering. Ausserdem war ich immer unabhängig von irgendwelchen Automaten. Diesmal jedoch hatte ich mich entschieden, lieber vor Ort Geld aus dem ATM zu ziehen, unter anderem auch deshalb, weil der Wechselkurs gegenüber einem Tausch in Deutschland natürlich um einige besser ist. Ich hatte deshalb zwei EC Karten von zwei verschiedenen Konten dabei. Die führen wir daheim auf Guthabenbasis und sie wurden vor der Reise soweit aufgefüllt, dass wir diese Reise eigentlich ohne Geldprobleme „durchziehen“ können. Beide Karten wurden von mir in den letzten Jahren problemlos im Ausland (Schweiz) getestet.
Unser Abholer führt uns zu zwei ATMs im Ankunftsbereich, beide sind kaputt! Ich weiss, dass er es etwas eilig hat, will uns im Gebäude der Federal Air abliefern, um noch andere Reisende abzuholen, aber ich bitte ihn trotzdem, einen anderen Automaten zu suchen. Dafür müssen wir einen Stock nach oben. Wir finden einen ATM, ich stecke die erste Karte hinein: Transaktion abgelehnt! WARUM? In Europa funktioniert sie doch auch! Mit klopfendem Herzen probiere ich die zweite Karte, die funktioniert. Leider ziehe ich – jetzt etwas hektisch – nur die vorgeschlagenen 1.000 ZAR anstatt die Summe zu erhöhen. Böser Fehler! Von den eingeplanten 4.000 ZAR am ersten Tag habe ich nur ¼ der Summe zur Verfügung, damit komme ich nicht weit!
Aber gut, was hilft´s. Zum Glück habe ich einen „Notgroschen“, den ich in Deutschland eingetauscht habe. Der hilft mir zumindest in der ersten Woche weiter.
Wir folgen unserem „Guide“ nach draußen. Unser Gepäck wird in den Van eingeladen, wir setzen uns hinein und fahren los. Die Basis der Federal Air ist auf der anderen Seite des O.R.Tambo Airport. Nach ungefähr 15 Minuten haben wir bereits die Schranke zur Einfahrt erreicht. Wir sind heute früh die einzigen zwei Gäste, trotzdem stehen wir an einem Check-in Schalter, unser Gepäck wird gewogen und mit Labels versehen. Zu guter Letzt erhalten wir sogar noch in Plastik eingeschweisste Bordkarten. Darauf steht: Flug 1.
Es ist 08:15, wir betreten die Lounge der Federal Air. Bei dieser Ausstattung kann man wirklich nicht meckern! Essen und Getränke sind umsonst, es ist angenehm ruhig und auch die Sitzmöbel sind sehr bequem. Es gibt auch einen kleinen Garten, davor sind die Federal-Air-Flieger abgestellt. Wir haben noch etwas Zeit, denn unser Flug nach Madikwe soll erst um 10:00 starten.
Die Lounge der Federal Air
Madikwe Airstrip
Mateya Lodge - Haupthaus
Mateya Lodge - Weinkeller
Warum Madikwe? Das Madikwe Tierreservat (ehemaliges Farmland) wurde 1991 eröffnet und umfasst ca. 750 qm² Fläche. Es ist zurzeit immerhin das fünftgrösste Reservat in Südafrika. Sehr speziell ist das „Zusammentreffen“ verschiedener Ökosysteme, deshalb kann man viele unterschiedliche Spezies in ihrer natürlichen Umgebung antreffen. Oryx, Springböcke, Impalas, Buschböcke und natürlich auch die „Big 5“ plus Cheetahs und Wilddogs sowie viele andere Tiere sind auf einem relativ kleinen Gebiet zuhause. Ich persönlich war an braunen Hyänen interessiert, die hatte ich bisher noch nie gesehen.
Auch landschaftlich ist dieses Gebiet mit seinen roten Inselbergen, die aus dem Buschland emporragen, meiner Meinung nach sehr reizvoll.
Inzwischen erscheint eine südafrikanische Reisegruppe in der Lounge. Ob die wohl mit uns fliegen? Sie holen sich ein paar Getränke und setzen sich in den Garten. Um kurz nach 09:00 kommt eine Angestellte der Federal Air zu uns und teilt uns mit, der Flieger wäre startbereit. Wir sind also früher dran als geplant. Uns ist das ganz recht, so kommen wir früher an unser Ziel. Wir nehmen unser Handgepäck und laufen zum Ausgang. Die besagte Dame sitzt jetzt hinter einem Schalter und nimmt unsere Bordkarten entgegen. Dann müssen wir durch eine Gepäck- und Personenkontrolle. Wir stellen fest, dass die Südafrikaner nicht mit uns fliegen, Ruth und ich sind also die einzigen Passagiere. Hmmm… ganz schön viel Aufwand für zwei Leutchen
Wir werden am Rand des Flugfelds abgeholt und zum Flugzeug gebracht. Es ist eine einmotorige Maschine mit Platz für 20 Personen. Nach der Begrüssung durch die Piloten können wir uns zwei der zwanzig Plätze aussuchen. Wir beschliessen, uns direkt hinter unsere „Chauffeure“ zu setzen. Kurz darauf wird der Motor angelassen und wir rollen Richtung Startbahn. Es ist eine der Bahnen, die auch vom internationalen Flugverkehr benutzt wird. Zwei, drei Maschinen sind noch vor uns dran, dann erheben wir uns in die Lüfte und fliegen nach Nordwesten Richtung Madikwe Private Game Reserve.
Eine knappe Stunde später setzen wir auf der Betonpiste des Madikwe Airstrip auf und rollen aus. Guide Francois und Tracker Devine begrüssen uns, das Gepäck wird umgeladen, und wir starten Richtung Mateya Lodge. Etwa eine Viertelstunde später haben wir unser erstes Ziel erreicht.
Mateya liegt am Rand eines Granitfelsens in den Gabbro Hills. Es handelt sich um eine ziemlich exklusive Lodge, maximal 10 Gäste können in 5 Suiten untergebracht werden. Wir werden von den Managern begrüsst, kurz eingewiesen und dann zu unserem Chalet gebracht. Auf dem Weg dorthin erfahren wir, dass wir in den nächsten drei Tagen die einzigen Gäste sein werden. Mein lieber Mann, noch exklusiver geht es kaum ! Alle Angestellten werden also nur für uns da sein, irgendwie fühlen wir uns sofort wie VIPs
Wir beziehen unsere Unterkunft, öffnen erst einmal alle Schiebetüren und geniessen den Blick in das Buschland. Ach ist das schön! Endlich sind wir wieder in Afrika ! Auf dieses Gefühl mussten wir 4 ½ lange Monate verzichten! Draussen ist es angenehm warm, also testen wir zunächst einmal ausgiebig die Aussendusche. Danach relaxen wir auf der Terrasse, gegen 12:30 laufen wir zum Haupthaus, denn wir haben einen Tisch zum Lunch reserviert. Ach ja, ich hatte es vergessen: Reservieren war natürlich komplett überflüssig, denn wir sind ja die einzigen Gäste.
Die Besitzer sind Kunstfreunde, deshalb ist die gesamte Lodge mit unzähligen Figuren, Bildern, und vielen anderen Gegenständen aus Afrika dekoriert. Unser gedeckter Tisch befindet sich auf einer offenen Terrasse mit Blick zum Wasserloch. Während wir noch die Terrasse und die davor gelagerte Feuerstelle inspizieren können wir einen rotgefärbten Eli im Buschland entdecken. Plötzlich erscheinen immer mehr Tiere, eine komplette Herde mit kleinen Jungtieren bewegt sich auf das Wasserloch zu. Was für ein Einstand! Wir können uns wirklich nicht beklagen. Inzwischen bittet unser persönlicher Kellner uns zum Tisch. Als meine Frau sich setzen will, schiebt er sofort Ihren Stuhl zurück. Ruth ist kurz irritiert, so viel Höflichkeit ist sie von mir nicht unbedingt gewöhnt.
Wir bestellen einen perfekt gekühlten Weisswein, dann kommt der Koch an unseren Tisch und fragt nach unseren Wünschen. Wir entscheiden uns für einen Salat, der mit ein paar kleinen „Schweinereien“ angereichert ist. Um es kurz zu machen: Das Essen ist köstlich, der Wein schmeckt prima und die Leute vom Service sind extrem freundlich, wir fühlen uns rundherum gut aufgehoben. Wir kommen mit unserem Kellner ins Gespräch und haben ziemlich schnell einen „guten Draht“ zueinander gefunden. Ruth möchte immer genau wissen woher die Leute kommen, wieviel Kinder sie haben usw. Fast alle freuen sich über so viel Interesse und es dauert in der Regel nicht lange und wir werden bei jedem Zusammentreffen wie gute Freunde behandelt.
Etwas später ziehen wir uns zurück, gegen 15:30 erscheinen wir wieder mit Fotoausrüstung zum High Tea, denn um 16:00 geht es endlich hinaus in den Busch.
... wird fortgesetzt ...
Mateya Lodge - Aussichtsdeck
Mateya Lodge - Unser bescheidenes Chalet
Mateya Lodge - Ausblick von unserer Terrasse
(mit privatem Pool)
Mateya Lodge - Schlafraum
Mateya Lodge - Badezimmer (rechts geht es zur Innen- und Aussendusche)