Nach UgandaAm nächsten Morgen sitzen wir in einem Matatu Richtung Cyanika, der Grenzstadt zu Uganda. Die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden. Unterwegs haben wir immer wieder schöne Ausblicke auf die Vulkane, die sich noch teilweise in Wolken und Nebel eingehüllt, im frühen Morgenlicht zeigen.

Plastiktüten sind in Ruanda unerwünscht
Cyanika ist ein kleines Kaff mit ein paar Geschäften und Wechselstuben. Auf den ungeteerten Seitenstraßen haben sich große, schlammige Pfützen gebildet, in denen, eher ungewöhnlich für Ruanda, Plastikflaschen und allerlei Müll schwimmt. Bei einem Moneychanger tausche ich unsere überzähligen Ruanda Francs in Uganda Schillinge, während meine Freundin in einem der Shops ein paar Süßigkeiten ersteht, um, wie sie sagt, den Tag besser überstehen zu können.

Cyanika
Cyanika-Kids

Ruanda-Uganda Border
Und wieder mal gehen wir zu Fuß über die Grenze. Auf ugandischer Seite müssen wir uns zuerst bei einem Polizeiposten präsentieren. Drei Uniformträger sitzen hinter einem wackeligen Schreibtisch. Der erste checkt unsere Pässe, der zweite fragt uns, wo wir herkommen, wo wir hinwollen, warum wir durch diese Gegend reisen, welche Berufe wir haben, in welcher Beziehung wir zueinander stehen und noch andere für ugandische Bürokraten wissenswerte Dinge.
Wir beantworten geduldig alle Fragen und nachdem der dritte die gewonnenen Informationen handschriftlich in eine Liste eingetragen hat, bekommen wir Zettelchen mit Nummern drauf, die wir zusammen mit unseren Pässen bei der Immigration in einem anderen Gebäude abgeben sollen. Dort wird mein Visum gegen eine Gebühr von 50 USD in den Pass geklebt, während meiner Freundin der Einreisestempel gratis eingestempelt wird. Die gesamten Grenzformalitäten sind in einer halben Stunde erledigt, alle sind sehr freundlich und relaxed und so heißt es schon bald: „Welcome to Uganda“.

Und dann stehen wir wieder an der Straße. Kein Bus oder Minibus ist zu sehen. Überhaupt scheint es, abgesehen von ein paar LKWs die einsam am Straßenrand stehen, keinen motorisierten Verkehr zu geben. Zu allem Überfluss fängt es wieder zu regnen an. Ein paar Motorradfahrer, die uns schon seit dem ruandischen Grenzposten beharrlich gefolgt sind, wollen uns nach Kisoro, der nächstgelegenen Stadt, fahren. Direkt von der Grenze gibt es keinen Bus, meinen sie.
Da es immer stärker regnet habe ich überhaupt keine Lust auf ein Motorrad zu steigen. Wir laufen ein Stück die Straße lang, während uns die Motorradfahrer beharrlich in der Hoffnung folgen, doch noch ein Business zu machen. Als ich genauso beharrlich ablehne, meint einer der Männer schließlich, er könne uns ein Taxi besorgen, das würde uns für 20000 UGX nach Kisoro fahren. Er eilt davon und kommt kurz darauf mit einem PKW wieder. Wir steigen ein, froh endlich von der Grenze weg zu kommen und froh im Trockenen zu sitzen.
In Kisoro vermittelt uns der Fahrer an ein Sammeltaxi weiter, das nach Kabale fährt (15000 UGX/Person). Dazu ruft er per Handy irgendwo an und kurze Zeit später kommt uns das Sammeltaxi entgegen. Als wir einsteigen sitzt lediglich eine Uganderin vorne auf dem Beifahrersitz. Wir machen es uns auf den Rücksitzen gemütlich und ich freue mich auf eine bequeme Fahrt.
Doch der Fahrer kreuzt noch eine Weile in Kisoro herum um weitere Fahrgäste aufzulesen. Schließlich sind wir acht Personen in dem PKW, fünf auf der Rückbank, drei auf den Vordersitzen. Trotzdem hält der Fahrer immer wieder und versucht weitere Passagiere zu gewinnen. Glücklicherweise sind auch die Ugander der Ansicht, dass das Fahrzeug voll ist und als keiner mehr zusteigen will, geht’s endlich los Richtung Kabale. Unterwegs gibt es noch eine kleine Zwangspause, als einer der Reifen platzt. Der Schaden ist schnell behoben und wir erreichen leicht gequetscht, aber ansonsten wohlbehalten gegen 15 Uhr 30 Kabale.
Lake Bunyonyi „Der Bunyonyi-See liegt sieben Kilometer von der Stadt Kabale entfernt, im Distrikt Kabale im Südwesten Ugandas. Er ist 25 Kilometer lang, sieben Kilometer breit und bedeckt eine Fläche von 6100 Hektar. Der See liegt 1950 Meter über dem Meeresspiegel und ist von Hügeln umgeben, welche von 2200 bis 2478 Meter reichen und stark kultiviert sind.“ (aus Wikipedia)
Der Bunyonyi-See ist landschaftlich sehr schön gelegen. Das Wasser hat Badequalität und ist frei von Bilharziose und Krokodilen. Viele Reisende bezeichnen den See als ein „Must-See“ in Uganda. Im mittleren Teil befinden sich 29 Inseln und auf einer davon wollen wir zwei oder drei Tage kampieren.

Lake Bunyoni in Uganda
Das Byoona Amagara Project ist nach eigenen Angaben eine „Not-for-Profit Organization“ deren Einnahmen zu 100% in lokale Projekte der Bildung und Alphabetisierung, der ökologischen Landwirtschaft, der einheimischen Forstwirtschaft und der Förderung des Kulturaustausches fließen. Das Zentrum der Anlage bildet ein Restaurant auf einem Hügel mit schönem Blick auf den See. Über die Insel verteilt befinden sich Unterkünfte unterschiedlicher Preisklassen. Man kann Geodoms, Cabins oder Cottages mieten. Für Backpacker und Low Budget Traveller gibt es Dormitories und Gelände zum kampieren.
Byoona Amagara ProjectBevor wir uns Richtung See aufmachen, brauchen wir ugandisches Geld und etwas zu essen. Seit wir heute Morgen Ruanda verlassen haben, gab es lediglich ein paar süße Kekse zu knabbern. Meine Freundin kommt damit ganz gut klar, ich als verwöhnter Mitteleuropäer brauche mindestens einmal am Tag etwas anständiges zu beißen. Ein Geldautomat an der Hauptstraße spuckt brav ugandische Schillinge aus und ein paar Meter weiter finden wir ein Restaurant in dem wir uns erst mal zum lunchen niederlassen.
Ich frage einen der Restaurantangestellten wie wir am besten zum Lake Bunyonyi kommen. Das ist kein Problem, der Mann besorgt uns ein Taxi, welches uns die sieben Kilometer zum Seeufer fährt. Dort finden wir ein kleines Büro des Byoona Amagara Projects. Man muss sich in dem Büro anmelden und kann dann mit einem Boot zur Insel übersetzen. Wahlweise mit einem Kanu (kostenlos), oder, wenn es schneller gehen soll, mit einem Motorboot (7 USD/Person).
Mit einem Einbaum den Lake Bunyonyi befahren, das hört sich romantisch an und macht sicher auch mehr Spaß. Wir bekommen Paddel in die Hände gedrückt und schon bald gleitet das Kanu fast geräuschlos über die glatte Wasseroberfläche.
Hinten im Kanu sitzt der Bootsmann, der die Richtung angibt und die meiste Paddelarbeit verrichtet, in der Mitte meine Freundin und vorne ich. Für uns, das merken wir bald, ist die ungewohnte Paddelei ganz schön anstrengend. Ich muss immer wieder kurze Päuschen einlegen, während der Bootsmann das Kanu gleichmäßig und ohne sichtbare Anstrengung in Bewegung hält.

Lake Bunyoni in Uganda
Der Lake Bunyonyi ist von steilen, terrassierten Berghängen umgeben. Auf den zahlreichen kleineren und größeren Inseln wachsen Bananenstauden und Eukalyptusbäume, vereinzelt sehe ich landwirtschaftlich genutzte Flächen. Insgesamt scheinen aber nicht viele Menschen auf den Inseln zu wohnen.
Die Fahrt dauert gut eine Stunde. Wir steuern durch ein Gewirr von Inselchen, Buchten und Halbinseln. Manchmal kreuzten Seebewohner in ihren Einbäumen unseren Weg und winken oder rufen uns etwas zu. Endlich kommt unsere Insel in Sicht und als wir näher kommen erkenne ich einen kleinen Anlegesteg und das Schild des Byoona Amagara Projects.

Lake Bunyoni in Uganda

Lake Bunyoni in Uganda

Anlegestelle des Byoona Amagara Island Retreat

Vom Restaurant aus hat man einen schönen Blick über den See

Zelten am Lake Bunyonyi
Es wird schon dunkel und ein kalter Nieselregen hat eingesetzt, als wir unser Zelt aufbauen. Wir müssen uns beeilen, wollen wir noch trocken in den Schlafsack kommen. Jetzt erst sehe ich, dass das Überzelt im Bereich des Einganges während der Reise gelitten hat. Einige Verklebungen der Nähte und das Fenster haben sich gelöst. Es sieht aus, als wäre der Schaden durch Hitzeeinwirkung entstanden. Auf einer der Busfahrten in Tansania hat mein Packsack mit dem Zelt neben dem Fahrer auf der Abdeckung des Motors gelegen und ich vermute, dass die Hitze den Schaden verursacht hat.
Ein Gewitter zieht auf. In der Nacht schüttet es aus allen Kübeln. Ich wache mehrmals auf weil ich fürchte, dass das Zelt nicht mehr dichthält. Die Temperaturen in unseren dünnen Schlafsäcken sind sowieso schon an der Fröstelgrenze und eindringende Nässe ist so ziemlich das Letzte was wir jetzt brauchen. Tatsächlich spritzt etwas Wasser durch das kaputte Fenster, aber das lässt sich notdürftig mit einer Plastiktüte abdichten. Gottseidank bleibt der Zeltboden trocken und während das ugandische Unwetter über uns tobt verbringen wir eine halbwegs angenehme Nacht.
Die Speisekarte im Byoona Amagara ist eine echte Überraschung. Alleine die Chapati-Variationen lassen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wenn ich recht erinnere gab es sogar welche mit Schokofüllung. 😎
Den folgenden Tag verbringen wir mit essen, spazieren gehen, baden, lesen, die zahlreichen Vögel beobachten. Meine Freundin schreibt Reisetagebuch, während ich vor allem nichts tue. Ein schöner Ort um Ruhe, Natur und Abgeschiedenheit zu genießen.
Gerne wären wir noch einen oder zwei Tage geblieben, aber gegen Abend beginnt es wieder zu regnen und zusätzlich fegt ein kalter Wind über den Lake Bunyonyi. Bevor wir uns in die Schlafsäcke verkriechen ziehen wir alles an, was wir an wärmender Kleidung dabei haben. Trotzdem wird es nicht richtig warm in den dünnen Schlafsäcken.
Am nächsten Morgen erwartet uns ein bleigrauer Himmel und leichter Nieselregen. Nach dem Frühstück sieht es nicht viel besser aus und so beschließen wir weiter zu ziehen. An der Rezeption bestellen wir ein Kanu für die Rückfahrt. Das soll in etwa einer Stunde kommen.
Wieder dauert die Fahrt über den See etwa eine Stunde. Es regnet nicht mehr und da wir zu dritt paddeln kommen wir ganz gut voran. Der Bootsmann erzählt ein bisschen von dem Leben der Seebewohner. Die meisten sind Bauern und leben in einfachen Häusern rund um den See. Das Kanu ist für alle normales Fortbewegungsmittel, schon die Kinder benutzen es um in die Schule zu kommen. Natürlich erzählt er auch die Geschichte von Punishment Island, einer kleinen unbewohnten Insel, auf der früher ‚in Schande geratene‘ unverheiratete, schwangere Frauen ausgesetzt und ihrem Schicksaal überlassen wurden. Manche starben, oder ertranken beim Versuch an Land zu schwimmen, wenn sie Glück hatten, holte sie ein Mann, der zu arm war um einen regulären Brautpreis zu bezahlen und heiratete sie. Sozusagen gratis... 😉
Als wir uns der Anlegestelle nähern, sehen wir dutzende Kanus am Ufer liegen. Es ist Markttag und viel Bewohner des Sees sind gekommen um sich mit Waren einzudecken.

Markt Lake Bunyonyi

Lake Bunyonyi
Die Leute vom Byoona Amagara helfen uns noch ein Fahrzeug Richtung Kabale zu finden. Ein Matatu oder Sammeltaxi lässt sich nicht auftreiben, dafür zwei Boda Boda (Motorradtaxis).
Die Fahrt bis Kabale ist der Hammer. Die Erdstraße ist durch den Regen aufgeweicht. Rötliche Schlammpfützen wechseln sich mit knietiefen Schlaglöchern und Spurrillen ab. Die beiden Motorradfahrer wollen offenbar einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen und rasen wie die Irren die schlüpfrige, steile Straße entlang. Zeitweise fliegt das Motorrad mehr durch die Luft, als dass es Bodenkontakt hätte. Ich habe alle Mühe mich mit dem Packsack hinten auf dem Moto zu halten und befürchte jeden Moment, dass das Motorrad den Gesetzen der Schwerkraft folgend auf der rutschigen Oberfläche wegrutschen könnte. Ich klopfe dem Fahrer immer wieder auf die Schulter und sage: „Slow please“ „Dont hurry, we have enough time“ woraufhin er einen Moment die Geschwindigkeit reduziert, mich verständnislos anschaut und dann gleich wieder mit Vollgas durchstartet.
So beschreibt meine Freundin die Fahrt:
The ride with those two motorcycles was the worst motor ride ever!!! Even the one we had when going to Lake Ruhondo was much better. The rough road made the speeding motorcycles even worse and scary. By the time we reached Kabale, my face and my white Pullover were all covered with mud and splashing dirty road water. GU Ko had to keep reminding the guy riding him to reduce the speeding. The one riding me was literally flying. I was scared I could fall off the Motorcycle. It reached a point where he realized that he had gone so far and had to wait for his friend riding Gu Ko. When he saw his friend’s motorcycle coming, he drove off once again with full speed. Overtaking other Motorcycles on the slippery rough road made me feel like I was going to die. He never wanted other motorcyclists to pass him. It was like he was competing with them all. These guys were riding like crazy not considering the bad condition of the road and the pedestrians. In addition the ride was very uncomfortable we were being thrown up and down as we rode because of full speed. I was very glad when we finally reached KabaleIn Kabale erwischen wir einen Bus Richtung Masaka. Unser nächstes Ziel sind die Ssese Islands im Viktoria See. Nicht weit von Masaka gibt es eine Fähre nach Bugala-Island, der größten und Hauptinsel der Ssese-Inseln. Ein bisschen habe ich die Hoffnung, dass wir das heute noch schaffen könnten, allerdings fährt die letzte Fähre um 18 Uhr und das wird auf jeden Fall knapp.
Ich kopiere mal wieder aus dem Tagebuch meiner Freundin, man muss ja nicht alles doppelt schreiben 😉
The ride to Masaka was not a smooth one. The Gateway bus that we boarded was old, loud, dirty, very slow and made many stops along the way. The road was rough halfway through the journey. Every time the bus made a stop, hawkers selling insects, onions and other foodstuff rushed into the bus. They pushed their way in, all trying to sell before the bus started. We bought some chapattis which were fresh and tasted so good. At one stop many hawkers selling onions jam-packed the bus, the whole bus smelled of onions. I almost fell sick from the onion smell. We later came to learn that those insects that were being sold in the bus were grasshoppers. I wondered where all those insects came from, since they were being sold in large amounts at every stop. Each seller fried the insects and sold them in transparent plastic bags Der Bus, dessen Fernziel Kampala ist, hält nicht direkt in Masaka. Wir müssen an einer Umgehungsstraße in einem heruntergekommen und schmutzig wirkenden Ort unweit Masakas aussteigen. Sofort werden wir von Boda Bodas umringt und belabert. Nach einigen Verhandlungen über Fahrtziel und Fahrpreis besteigen wir mitsamt unserem Gepäck ein Motorrad und lassen uns Richtung Zentrum bringen. Drei Personen und zwei Gepäckstücke auf einem Motorrad, in Uganda ist das nicht ungewöhnlich. Manchmal sieht man sogar vier oder fünf Personen auf einem Boda Boda.
Für die Fähre ist es allerdings zu spät und so lassen wir uns zu einem kleinen Hotel im Zentrum Masakas bringen. Für 30000 Uganda Schillinge bekommt man im Buudu Hotel ein einfaches Zimmer mit Dusche und TV.
Masaka ist ein quirliger, geschäftiger Ort, aber ohne jeden Charme. Wir spazieren abends noch ein bisschen durch die Straßen, schauen in die kleinen Shops, die den üblichen Ramsch anbieten, Kleider, Elektronik und gelegentlich Lebensmittel. Wir besorgen uns ein paar Samosas zum Abendessen und gehen bald schlafen.