Island 2020: Als Corona ganz weit weg war

Reisebericht 178 Antworten · 29,0k Aufrufe · gestartet 19. Okt. 2020 von Beatnick
79 Beiträge · seit 201002. Nov. 2020 ·
Hallo Bettina,

ich bin soeben auf deinen sehr informativen und traumhaft schön bebilderten Reisebericht gestoßen und möchte mich auch dafür bedanken.

Wir haben ja einiges gemeinsam; meine Tochter und ich waren 2019 auch erstmals auf Island und auch wir sind jetzt im Juli 2020 - eine Woche nach euch - zum 2. Mal nach Island aufgebrochen und einen Tag nach euch zurückgekehrt. Wie ich euren Reisedaten entnehmen konnte, könnten wir uns kurz vor eurem Aufenthalt in Laugarbakki auf der Ringstraße entgegengekommen sein – wir sind dieses Mal im Uhrzeigersinn unterwegs gewesen - und haben am 26.07., von den Westfjorden kommen, in Blönduós übernachtet. Wir sind zurzeit auch in der Hansestadt beheimatet und sind ebenfalls von Frankfurt aus geflogen! 🙂 Nur unsere Fotos haben herzlich wenig gemeinsam 😄 …seit Jahren nehme ich mir immer wieder vor, da mal einen Kurs zu belegen oder mich selbst intensiv damit zu beschäftigen, wozu ich bislang allerdings immer noch nicht gekommen bin…. Ihr beide bietet nicht zufällig eine Art „Fortbildungskurs“ an, oder? 😉 😄

Ich freue mich auf die Fortsetzung und bin gespannt, ob wir noch weitere gleiche Ziele hatten - in Vik waren wir auch 2 Nächte im Kria!

Mit besten Grüßen,

Uwe
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201602. Nov. 2020 ·
Hallo ihr Lieben,
fotomatte schrieb:dass du bei der vogellastigen Bilderflut bei mir offene Türen einrennst, dürfte klar sein. Aber auch das Bild mit der Kuckuckslichtnelkenwiese gefällt mir gut.
🙂 Ich gehe davon aus, diese Wiese gehört so und ist nicht kultiviert?! Es sah zumindest ganz nach Wildnis aus, Blütenpracht, so weit das Auge reicht. In einem Foto ist das fast nicht einzufangen...
fotomatte schrieb:denn (ich bin sicher) ihr wisst ja wohl, dass das eine Uferschnepfe ist und mithin keine "gewöhnliche" Schnepfe, sondern schon was ganz Besonderes.
Ähem, äh, also natürlich wissen wir das 😣 Ich trag's gleich nach, sonst kommst du mir wieder mit den Bauern und den Kartoffeln 🙂
fotomatte schrieb:Ich freue mich über jeden weiteren Puffin, die ich aus Alaska und Nordengland kenne.
Kriegst du!
Clamat schrieb:In Island gibt es nicht nur die sehr verlässlichen Wetter-, Straßenzustands- und Auroravorhersagen, sondern auch Karten mit Hotpots und........ Puffinkolonien 🙂
Ach guck, die kannte ich auch noch nicht!
Clamat schrieb:ich würde am liebsten gleich losziehen
Poah Claudia, wem sagst du das... Macht auch süchtig, Island, wie Afrika...
Daktari schrieb:ich bin soeben auf deinen sehr informativen und traumhaft schön bebilderten Reisebericht gestoßen und möchte mich auch dafür bedanken.
🙂 Ich freue mich!
Daktari schrieb:Wir haben ja einiges gemeinsam; meine Tochter und ich waren 2019 auch erstmals auf Island und auch wir sind jetzt im Juli 2020 - eine Woche nach euch - zum 2. Mal nach Island aufgebrochen und einen Tag nach euch zurückgekehrt. Wie ich euren Reisedaten entnehmen konnte, könnten wir uns kurz vor eurem Aufenthalt in Laugarbakki auf der Ringstraße entgegengekommen sein
Das ist ja ein Ding! 😮 Also auch Island-Fans ganz offensichtlich, toll!
Daktari schrieb:Ihr beide bietet nicht zufällig eine Art „Fortbildungskurs“ an, oder? 😉 😄


Äh, nein. In meinem Fall hättest du auch herzlich wenig davon 😉
Daktari schrieb:Ich freue mich auf die Fortsetzung und bin gespannt, ob wir noch weitere gleiche Ziele hatten - in Vik waren wir auch 2 Nächte im Kria!


Noch mehr Gemeinsamkeiten! Eure Route würde mich interessieren. Vielen Dank, dass du zugestiegen bist, Uwe!

Ich denke, nachher geht es noch weiter, sonst morgen.

Liebe Grüße,
Betti
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 02. Nov. 2020
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201602. Nov. 2020 ·
Der Schlüssel ist weg!

"Eines Tages vergisst du noch deinen Kopf" - wie oft habe ich das in meiner Jugend gehört. Wenn auch nicht zu Unrecht: Schuhe, Jacken, Hosen wechselten mehrfach gegen meinen Willen ihren Besitzer, weil ich sie in Sport-Umkleiden verbummelte. Meine Eltern blieben damals meistens hart, einen Ersatz gab es nicht, und das Gefühl des Verlustes und der Wut auf meine eigene Schusseligkeit nagten an mir. Die bittere Lektion verfehlte indes ihre Wirkung nicht, irgendwann hatten alle Dinge ihren festen Platz und die Zeit der Gedankenlosigkeit war vorbei. Und so kam es praktisch nicht mehr vor, dass mir etwas wirklich Wichtiges verlorenging.

Unser Tagesziel nach dem Besuch beim Kvernusfoss ist das Fosshotel Glacier Lagoon in der Nähe der Jökulsarlon-Gletscherlagune, wo wir die nächsten beiden Nächte verbringen werden, und es ist nur rund 150 Kilometer entfernt. Viel Zeit also noch, denn im Sommer sind die Tage lang und unsere eigenen Kräfte allzu oft eher erschöpft als das Licht.

Rund sechs Kilometer östlich von Vik...

1_F1A3776.jpg


...biegen wir nach links auf eine 14 Kilometer lange Schotterpiste ab, die nach Pakgil (auch Thakgil) führt. Ein ausgesprochener Sehnsuchtsort, seit ich Bilder davon gesehen und darüber gelesen hatte.

1a_F1A4563_77.jpg


1b_F1A4619.JPG


2_F1A4585.JPG


Die Isländer glauben fest an Feen, Elfen und Trolle, und hier muss wohl ihre Heimat sein: Die Landschaft ist schroff, unberührt und mystisch, ein surreales Wunderland, sattgrün wie das Auenland, aber auch finster wie Mordor.

3_F1A4257.JPG


4_F1A4572_7.jpg


Immer tiefer fahren wir hinein ins Gletschertal, das nur über diesen Schotterweg erreichbar ist, vorbei an Drehorten von "Game of Thrones" und bizarren Tuffstein-Formationen.

5_F1A4607_7.jpg


5a_F1A4501_7.jpg


An mehreren Aussichtspunkt halten wir an. Hinter uns der gewaltige Gletscher Mýrdalsjökull, unter uns die verwunschene Ebene der Mýrdalssandur. Eine schwarze Schneise in der Landschaft, geschaffen durch den berüchtigten Vulkan Katla, dessen nächster Ausbruch überfällig ist. Ich denke lieber nicht zu viel darüber nach, zumindest nicht in diesem Augenblick...

6_F1A4334.jpg


7_1077297_4.jpg


8_F1A4480_1.jpg


Nach rund 45 Minuten endet die Piste in einem verborgenen Talkessel, einer von steilen, bemoosten und bizarren Felsformationen umschlossenen Schlucht. Kaum zu glauben, dass wir nur wenige Kilometer von der Ringstraße entfernt sind. Es fühlt sich an wie das Ende der Welt.

Einen traumhaft gelegenen Campingplatz gibt es und einige Selbstversorger-Hütten, beim nächsten Mal müssen wir hier übernachten! Die Wanderwege führen tief in die Täler der Trolle hinein und durch Schneefelder in die Nähe des Gletschers, doch so viel Zeit haben wir nicht. Uns soll ein Besuch des benachbarten Remundargil Canyons mit seinen skurrilen Felszinnen und dem kleinen Wasserfall für diesmal reichen.

Der Weg nach Mordor, äh, Remundargil...
9_1077216_7.jpg


Rund eine Stunde werden wir dafür brauchen, ich schultere meinen Rucksack und will das Auto per Knopfdruck verriegeln, doch finde den Schlüssel nicht. Nicht in der rechten Jackentasche und nicht in der Mittelkonsole, wo er eigentlich hingehört. Ok. Nicht durchdrehen. Und noch mal von vorn: Jacke, Konsole, Rückbank, Vordersitze - nichts! Mir wird heiß.

Ich reiße die Türen auf. Nicht, dass sich das Teil von allein verriegelt. Thomas hilft beim Suchen - nichts! Nicht im Handschuhfach, nicht in den Seitenfächern, nicht in unseren Taschen, nicht in unserer Lebensmittelkiste, nicht im Kofferraum. Ich bin ratlos - und auch panisch. Erinnerungen schießen mir durch den Kopf, der zum Glück noch da ist; ich überprüfe es vorsorglich.

Ich bin Thomas dankbar, dass er ruhig bleibt. Zumindest äußerlich, drinnen dürfte es anders aussehen. Gefasst macht er sich auf den Weg. Findet einen Lift, wie er mir später erzählt, die isländische Familie, die ihn mitnimmt, hilft an unseren Haltepunkten bei der Suche. Ich bleibe beim Auto, drehe es wieder und wieder auf links - ohne Erfolg. Mir ist hundeelend.

Urlaubende Isländer trudeln ein, immer hoffe ich, dass Thomas in einem der Camper sitzt, den Schlüssel in der Hand. Dann eine SMS, kein Schlüssel, aber er hatte kurz Netz und Kontakt zur Autovermietung, ich soll mich dort melden.

Der Vermieter ist pragmatisch, will jemand aus Reykjavik losschicken und mahnt: "Keep the key always tight." Zu spät. Ich könnte heulen. Dann, fast beiläufig: Der Schlüssel müsse in der Fahrerkabine sein, um den Wagen zu starten. Anders geht es nicht. Aha. Moment! Hätten wir ihn bei einem Stopp verloren, hätten wir also nicht weiterfahren können... Er muss hier sein! NUR WO????!!

Ich suche, schon wieder, krabble unters Auto, und dann, im Schotter unter dem Hinterreifen - der Schlüssel! Wie er dort hingekommen ist? Keine Ahnung! Aber diese Erleichterung... Ich fahre los und Thomas entgegen, der einsam und mit langem Gesicht die Schotterpiste entlang stapft - Mensch, was sind wir froh, alle beide! Und der Vermieter auch.

Thomas ganz happy: Wir sind wieder mobil!
10_1077351.JPG


Große Sprünge sind nun nicht mehr drin, aber die kleine Wanderung zum Wasserfall, die wollen wir noch schaffen. Wir biegen ab nach Mordor, doch schnell ist Schluss: Steinschlag-Gefahr. Es soll an diesem Tag einfach nicht sein, dann eben - natürlich 🙂 - beim nächsten Mal.

Auf dem Rückweg lassen wir uns Zeit, genießen die Stille und auch, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind.

11_F1A4542_7.jpg


12_F1A4588.JPG


13_F1A4668.JPG


Und Pakgil? Ist einfach ein Alice im Wunderland und hat mein Herz im Sturm erobert - trotz allem.

10a_F1A4235_7.jpg
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 10. Nov. 2020
2’862 Beiträge · seit 201103. Nov. 2020 ·
Moin Betti,

"blonder-Klugschieter-Modus" - zu Beginn war sofort meine Frage: wieso fährt das Auto, ohne dass sich der Schlüssel darin befindet.... 😐
Ich kenne dieses miese Gefühl - diese heiße Welle; wie oft standen wir schon an der Autorückgabe ... und dieser "Übergabebrief" war nicht da. Und nach Wiederauffinden diese Stille, obwohl man eigentlich erleichtert ist.
Freunde von mir haben es übrigens in der Wüste von Arizona geschafft, den Schlüssel im Inneren zu lassen - und die Türen verriegelten sich automatisch! Und kein Netz!

Das Troll-Land sieht toll aus! Von den herrlichen Puffinfotos ganz zu schweigen! 😘
Sonnige Grüße
Christina
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201603. Nov. 2020 ·
Strelitzie schrieb:"blonder-Klugschieter-Modus" - zu Beginn war sofort meine Frage: wieso fährt das Auto, ohne dass sich der Schlüssel darin befindet.... 😐
😉 Das haben wir uns natürlich auch direkt gefragt, und auch immer wieder, aber eine andere Erklärung hatten wir nach der vielen ergebnislosen Sucherei erst einmal nicht, als dass es offenbar doch irgendwie gehen muss, wenn der Schlüssel zum Beispiel auf dem Dach liegt oder direkt unter dem Auto...
Strelitzie schrieb:Freunde von mir haben es übrigens in der Wüste von Arizona geschafft, den Schlüssel im Inneren zu lassen - und die Türen verriegelten sich automatisch! Und kein Netz!
😮 🤢 😣
Strelitzie schrieb:Das Troll-Land sieht toll aus! Von den herrlichen Puffinfotos ganz zu schweigen!
😘

Liebe Grüße!
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
2’085 Beiträge · seit 201203. Nov. 2020 ·
Puuuhhh - was ne Aufregung!
Leider gehören wir auch zur Zielgruppe solcher Geschichten und leider leider bleiben wir beide in solchen Situationen nicht wirklich ruhig (auch nicht äußerlich 😊 )

Aber auch Boooaaah - wie ist das schön!
Auch als nicht so richtig echte Troll-Anhängerin würde ich mal so ganz unter uns sagen: Das ist ja doch wie im Märchen!
Ich glaube. sooo schöne Fotos hab ich noch nie von Island gesehen 😘
Ganz allerliebste Zwischendurch-Grüße
Ingrid
reisebericht tansania 2016 repeat in mashatu, premiere im kruger 2017 kaokoveld&etosha herbst 2017
1’180 Beiträge · seit 201704. Nov. 2020 ·
Deine Verghleiche mit Mordor sind herrlich treffend. Die Gegend ist ja wirklich ein Traum, wobei mir am besten der Ausblick auf den Weg gefällt, den ihr dann nicht geschafft habt. Ich glaube, wenn man dort solche Wanderungen hat, dann lohnt es dort mal eine Nacht zu verbringen.

Wisst ihr ob das auch im Winter zugänglich ist?
>> dort ein paar Nächte zu verbringen könnte mit Chance auf Polarlichter in aller Einsamkeit auch traumhaft sein! 🤩


Gruß,
Robin
Unsere Reisen: Uganda 2026 | Im grünen Herzen Afrikas ||| NAMIBIA 2024 | Wolkenlos Glücklich im Kaokoveld ||| KTP & MOREMI 2022 | Erstmal sitzen! ||| BOTSWANA 2021 | Wo ein Wille ist, ist oft KEIN Weg! ||| KRÜGER 2020 | Im hohen Gras, gibt's keine Katzen?! ||| BOTSWANA 2018 | ABER, irgendwas ist ja immer! ||| NAMIBIA 2017 | Been there. Done it! Got it?
1’425 Beiträge · seit 201305. Nov. 2020 ·
Hi Robin,
Der Campingplatz von Þakgil ist vom 01.06. bis 15.09. geöffnet
LG
Claudia
Unsere Reisen findet man unter: http://clamat.de/
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201605. Nov. 2020 ·
Guten Abend ihr Lieben,
franzicke schrieb:Leider gehören wir auch zur Zielgruppe solcher Geschichten
Wenigstens sind wir dann damit nicht allein 😉 Aber wir vermeiden das künftig, alle zusammen, okay?!!
franzicke schrieb: Aber auch Boooaaah - wie ist das schön!
Auch als nicht so richtig echte Troll-Anhängerin würde ich mal so ganz unter uns sagen: Das ist ja doch wie im Märchen!
Ist es, in der Tat. Wir wären gerne noch viel tiefer eingetaucht und hätten ein paar Feen getroffen. Hab ich aber vielleicht auch ... und sie haben den Schlüssel wieder auftauchen lassen... 🙂
Blende18.2 schrieb:Die Gegend ist ja wirklich ein Traum, wobei mir am besten der Ausblick auf den Weg gefällt, den ihr dann nicht geschafft habt. Ich glaube, wenn man dort solche Wanderungen hat, dann lohnt es dort mal eine Nacht zu verbringen.
Das denke ich auch!
Blende18.2 schrieb:dort ein paar Nächte zu verbringen könnte mit Chance auf Polarlichter in aller Einsamkeit auch traumhaft sein!
Auf jeden Fall. Und im von Claudia genannten Zeitraum gibt es ja auch schon hintenraus die Chance auf Polarlichter.

Hier übrigens eine wirklich tolle und tagesaktuelle Übersicht über die Straßenzustände, besonders relevant, wenn man nicht nur die Ringstraße fahren will (gesperrt, geöffnet, Baustellen etc.):

Road conditions in iceland
Clamat schrieb:Der Campingplatz von Þakgil ist vom 01.06. bis 15.09. geöffnet
Vielen Dank, Claudia!

Ich denke, am Wochenende geht es weiter.
Bleibt gesund, liebe Grüße,
Betti
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 05. Nov. 2020
1’739 Beiträge · seit 201005. Nov. 2020 ·
Hallo Betti

Du schaffst es noch, dass ich mich intensive mit Island beschäftigen muss. Wenn ich Deine tollen Bilder sehe, kommt so richtig Fernweh auf. Manchmal dauert es bei mir ja etwas länger, aber wenn ich dann so richtig angefixt bin, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. So war es z.B. mit dem Zakouma NP. Ganz herzlichen Dank.

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201607. Nov. 2020 ·
Botswanadreams schrieb:Du schaffst es noch, dass ich mich intensive mit Island beschäftigen muss. Wenn ich Deine tollen Bilder sehe, kommt so richtig Fernweh auf. Manchmal dauert es bei mir ja etwas länger, aber wenn ich dann so richtig angefixt bin, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf.
Hallo Christa,

ich freue mich sehr, dass du auch noch zugestiegen bist - und das Phänomen, das du beschreibst, kenne ich nur allzu gut. Obwohl so ganz anders als Afrika, hat Island für mich einen ähnlichen Suchteffekt. Jetzt waren wir schon zweimal da und so riesig ist die Insel ja nun wirklich nicht, aber es gibt noch so viel, das ich dort sehen möchte. Ich kann es nur empfehlen, aber ein bisschen wetterfest muss man je nach Glück schon sein. 1000 Dank für das Bilderlob und ja, Fernweh habe ich auch sehr großes 😣

Liebe Grüße, es geht bestimmt sehr bald hier weiter,
Betti
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201609. Nov. 2020 ·
Eine Landschaft aus Feuer und Eis

Wer in Island nach den Wetteraussichten fragt, bekommt eine detailgenaue Auskunft über Wind. Die Frage, ob wohl die Sonne scheinen wird - für uns in aller Regel die zentrale Auskunft - ist kaum von Belang. Der Wind ist auf Island eine Urgewalt, kann Fahrverbote für Wohnmobile mit sich bringen, Türen bei unbedachtem Parken aus den Angeln heben (die Nase in den Wind!) und das Leben vorübergehend stilllegen. Die Temperatur hängt daran und auch die Frage, ob bestimmte Pisten zu befahren, gebuchte Aktivitäten durchzuführen sind. Er spielt also auch für Touristen eine wesentliche Rolle.

Wir lassen Pakgil und das Schlüssel-Drama hinter uns und sind zurück auf der Ringstraße. Die Landschaft zu beiden Seiten ist spektakulär, die isländische Südküste zu Recht berühmt. Traumhafte Wasserfälle, Fjorde, Gletscher, Lagunen und Strände voller Eis,...

1_F1A5294_17.jpg


...es lohnt sich, entsprechend Zeit einzuplanen und auch eine Portion Geduld, denn die Dichte an Attraktionen zieht zwangsläufig eine Dichte an Menschen mit sich. Das war einer der Gründe, weshalb wir im vergangenen Jahr den Fjadrargljufur Canyon ausgelassen haben. Er liegt ein wenig abseits der Ringstraße kurz vor dem Ort Kirkjubaejarklaustur, dessen Name klingt, als sei jemand mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt. Er befindet sich damit in guter Gesellschaft und wohl nur die Isländer selbst sind in der Lage, die vielen -Fells, -Fosse und -Jökulls unfallfrei auszusprechen.

3_F1A5003_4.jpg


2_F1A6280_177.jpg


Der wunderbare Canyon ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden und erst recht, seit sich Justin Bieber in einem Musikvideo nur im Schlüpper im eiskalten Fluss räkelte. Fjadrargljufur mutierte zum Pilgerort und musste sogar vorübergehend geschlossen werden, um der malträtierten Natur eine Auszeit zu gönnen. Die Spuren auf den zahlreichen natürlichen Aussichtspunkten mit Blick hinunter in die steile Schlucht sind indes noch immer sichtbar, die Vorsprünge nun dauerhaft durch ein Seil gesperrt. Das ist auf der einen Seite schade, aber auf der anderen eine nachvollziehbare Notwendigkeit.

4_F1A4962.jpg


Einsam ist es am Canyon auch in diesem speziellen Jahr nicht, aber ohne Reisebusse dennoch friedlich. Wir verschaffen uns einen ersten Eindruck von der 2 Kilometer langen und bis zu 100 Meter tiefen Schlucht und wollen am nächsten Tag noch einmal wiederkommen, denn ein Sturm hat Fahrt aufgenommen und pustet uns fast vom Canyonrand, das ist kein Spaß und bestimmt auch gefährlich.

5_F1A4986.JPG


Der Wind rüttelt unterwegs am Auto, und der 80 m hohe Foss a Sidu fällt nicht hinunter, sondern quer.

Foss a Sidu 2019...
6_MGL0046_1.jpg


...und 2020
7_F1A5098_2.jpg


Weiter geht es auf der Ringstraße durch atemberaubende Landschaften, immer gen Osten.

Der Lomagnupur, eine gewaltige, rund 770 m hohe Landmarke, die dem Monument Valley entsprungen sein könnte.
8_MGL0237_1.jpg


Fossalar direkt an der Ringstraße
9_MGL0084_11.jpg


Meine Begeisterung ist auch beim zweiten Mal ungebrochen, und ich werde diese Strecke wahrscheinlich nie müde.

Unterwegs 2019...
10_MGL0188_11.jpg


...und 2020
11_F1A5140.jpg


Wir fahren entlang am riesigen Skaftareldahraun Lavafeld (noch so ein Name ;-)), Ende des 18. Jahrhunderts zerstörte die Lava Bauernhöfe und löste eine große Hungersnot aus. Heute ist sie von einem dicken Moosteppich bedeckt, der federweich ist, aber auch hochempfindlich und streng geschützt.

12_F1A4905.JPG


An einem Aussichtspunkt neben der Ringstraße halten wir, Wind hin oder her, markierte Pfade führen durch die verwunschene Gegend und in der Ferne leuchten schon die Ausläufer des Vatnajökull, des größten Gletschers Europas.

13_F1A4885_7.JPG


14_F1A4916_4.jpg


Immer näher rücken die weißen Wände, fast, als würde man in sie hineinrauschen, doch dann macht die Ringstraße einen scharfen Rechtsknick.

15_MGL0377_11.jpg


Links liegt die Zufahrt zum Skaftafell-Nationalpark, eine riesige grüne Oase und ein Paradies für Wanderer.

16_MGL1841_11.jpg


Im vergangenen Jahr waren wir hier beim Svartifoss, einem von schwarzen Basaltsäulen umgebenen Wasserfall,...

17_MGL1793_1.jpg


...und blickten von einem Plateau auf Gletscherzungen und Bergspitzen.

18_MGL1852_11.jpg


19_MGL1938_2.jpg


Ich war seinerzeit allerdings etwas abgelenkt, denn der Wind peitschte so heftig, dass ich schließlich kapituliert und mich auf den Boden gekauert habe. Ich kam einfach nicht mehr dagegen an und trieb unkontrolliert auf die Kante zu. 😣 So einen Wind hatte ich erst einmal erlebt, das war in den Bergen Patagoniens.

20_MGL1920.JPG


Diesmal lassen wir Skaftafell links liegen, der Tag war anstrengend und wir freuen uns aufs Hotel. Ein letzter Stopp an der fotogenen Hofskirkja, einer der wenigen noch verbliebenen Torfkirchen,...

21_1510489.JPG


...dann sind wir da. Das Fosshotel Glacier Lagoon hat uns 2019 besonders gut gefallen. Diesmal blicken wir allerdings nicht aufs Meer, sondern nach hinten auf den Parkplatz, was natürlich eine Frage des Preises ist, und so richtig makellos sind die Möbel auch nicht mehr. Dennoch fühlen wir uns wohl und die Lage ist ohnehin unschlagbar. Direkt gegenüber startet eine Puffin-Tour nach Ingolfshöfdi, im vergangenen Jahr war sie leider wegen orkanartiger Böen ausgefallen und sie soll sehr empfehlenswert sein. Diesmal verzichten wir freiwillig, denn die Gletscher im Westen und die Gletscherlagune im Osten in Reichweite - wir wollen tief eintauchen in diese Landschaft aus Eis, auf die wir uns so sehr gefreut haben.

22_1077605_8.jpg
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 09. Nov. 2020
411 Beiträge · seit 201910. Nov. 2020 ·
Liebe Bettina, ich muss - nein, muss nicht - darf (!) dir wirklich zu diesen großartigen Bildern gratulieren. Ich war selbst schon mehrmals auf Island und weiß daher genau, wie schwierig dort teilweise die Lichtverhältnisse sind... Du hast hier wirklich fantastische Eindrücke übermittelt! Meine absolute Hochachtung. Vorallem die Bilder der Polarfüchse, einfach überwältigend!!!
glG Peter
2’265 Beiträge · seit 201110. Nov. 2020 ·
Liebe Berti, lieber Thomas,

jetzt wird nicht nur den Button gedrückt – es ist Zeit für ein geschriebenes DANKE. 😛 😛
Es ist, wie erwartet, wieder ein 1A Bericht von euch. Ich verfolge alles minutiös, schaue auf die Karte wo ihr gerade seid und gucke die Unterkünfte an. Ich komme wahrscheinlich nicht hin, da hat ein anderes nordisches Land Vorrang, aber die wollen uns im Moment nicht haben. 🙁 😵

Obwohl das Wetter diesmal nicht so toll war, sind die Fotos zum sich ins Auenland wegträumen.
Bettis wortkünstlerischer und teilweise lustigen Text, zumindest für den Leser, bringt uns Island sehr viel näher. Die Schlüsselgeschichte könnte auch von uns sein, nur wurde es ein bisschen turbulenter von statten gehen.

Die Fotos von den Puffins haben es mir diesmal besonders angetan.
Vor ganz ganz langer Zeit waren wir in Norwegen auf Runde und haben da das Vogelleben bestaunt, aber das war bevor ich überhaupt Kamera schreiben konnte. 😣 😗

Von den vielen „komischen“ Ort- und Landschaftnamen sind mir viele nicht sooo fremd, ist doch die Isländische wie das Norwegische nordgermanischen Sprachen und ist im Altnorwegischen verwurzelt. Die norwegische Sprache hat sich seit dem 14. Jahrhundert stark verändert, während das Isländische weitgehend auf dem gleichen Stand blieb.

Vielen Dank für das Berichten und Zeigen

Liebe Grüße
Guggu
Reiseberich Namibia August 2012: Tagebuchaufzeichnungen einer Wikingerin in Namibia Reisebericht Namibia/Botsuana August 2013: Frau HIRN on the floodplains Reisebericht Namibia 2015:A trip down Memory Lane NAM/BOT 2017 :So weit! So gut! Kenia/Masai Mara 2019 :Der Kreis schliesst sich
zuletzt bearbeitet 10. Nov. 2020
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201611. Nov. 2020 ·
Hallo ihr Lieben,
Luigi15 schrieb:Liebe Bettina, ich muss - nein, muss nicht - darf (!) dir wirklich zu diesen großartigen Bildern gratulieren. Ich war selbst schon mehrmals auf Island und weiß daher genau, wie schwierig dort teilweise die Lichtverhältnisse sind... Du hast hier wirklich fantastische Eindrücke übermittelt!
Vielen vielen Dank, Peter! 😊 Die meisten Bilder hat allerdings wieder Thomas fabriziert, und er freut sich sehr über deine tollen Komplimente!
Luigi15 schrieb:Vorallem die Bilder der Polarfüchse, einfach überwältigend!!!
🙂 Die Süßen! Da kommen noch ein paar...
Guggu schrieb:jetzt wird nicht nur den Button gedrückt – es ist Zeit für ein geschriebenes DANKE.
🙂 🙂 🙂 🤪 🤪 🤪
Guggu schrieb:Ich verfolge alles minutiös, schaue auf die Karte wo ihr gerade seid und gucke die Unterkünfte an.
Echt?!!! Das finde ich wirklich supertoll! 😘
Guggu schrieb:Die Schlüsselgeschichte könnte auch von uns sein, nur wurde es ein bisschen turbulenter von statten gehen.
Au man, ja. Hat auch so gereicht 😣
Guggu schrieb:Die Fotos von den Puffins haben es mir diesmal besonders angetan. Vor ganz ganz langer Zeit waren wir in Norwegen auf Runde und haben da das Vogelleben bestaunt, aber das war bevor ich überhaupt Kamera schreiben konnte.
😄 😄 😄 Du kriegst noch so 20 bis 100 von dieser Reise 😉
Guggu schrieb:Von den vielen „komischen“ Ort- und Landschaftnamen sind mir viele nicht sooo fremd, ist doch die Isländische wie das Norwegische nordgermanischen Sprachen und ist im Altnorwegischen verwurzelt. Die norwegische Sprache hat sich seit dem 14. Jahrhundert stark verändert, während das Isländische weitgehend auf dem gleichen Stand blieb.
Das finde ich sehr interessant!
Guggu schrieb:Vielen Dank für das Berichten und Zeigen
😘 😘 😘 , mein Gufu, äh, Guggu...

Liebe Grüße und vielen vielen Dank an alle Mitleser, Danke-Drücker und Kommentierer! Das ist das Salz in der Suppe und ich gestehe, ich war zwischendurch schon fast in ein Motivationsloch geplumpst...

Merci und take care, wie der Spanier sagt,
Betti
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 11. Nov. 2020
Themenstarter1’724 Beiträge · seit 201614. Nov. 2020 ·
Diamantenfieber

James Bond, Lara Croft und ich haben etwas gemeinsam: Wir alle sind schon über das eisige Wasser der Jökulsarlon Gletscherlagune gedüst. 007, der alte Angeber, in einem Auto, was nur ging, weil der See zugefroren war. Superwoman Lara in einem Amphibien-Fahrzeug, was ich persönlich enttäuschend finde, und Thomas und ich in einem Zodiac, das wir dem Croftschen Fortbewegungsmittel vorgezogen haben, weil es wendiger ist und näher an die Gletscherkante herankommt - wenn auch nicht zu nah, denn es brechen regelmäßig Eisbrocken ab.

Jökulsarlon 2019
1_MGL0578.JPG


1a_MGL1593_2.jpg


Diese nicht unerhebliche Tatsache führt zu einem weiteren Wunder: Die farbenfrohen Eisberge treiben erst munter auf der Lagune, schmelzen langsam und driften dann durch einen schmalen Zugang aufs Meer hinaus.

2_MGL0857_4.jpg


Dort spült der Atlantik sie schließlich im Rücken der Lagune auf den Vulkanstrand, wo sie im schwarzen Sand wie Diamanten funkeln. So kam der Strand zu seinem Spitznamen "Diamond Beach", und nicht nur Fotografen verfallen regelmäßig dem Diamantenfieber.

Tausende Jahre altes Eis am Diamond Beach
3_F1A5359_8.jpg


3a_MGL2247_77.jpg


Die beiden Attraktionen stehen zu Recht in der Gunst der Touristen ganz weit oben. Wir frühstücken so früh wie möglich und steuern danach zuerst den Diamond Beach an, der bis auf einige weit entfernte Robben vollkommen verwaist ist. 2019 hatte uns der Strand absolut umgehauen - und wir waren damit nicht alleine. Ganze Busladungen ergossen sich auf den schwarzen Sand, Eisberge wurden geherzt, erklettert und geküsst, und wir waren ehrlicherweise nicht nur begeistert, sondern auch manchmal genervt.

4_MGL2381.JPG


Diesmal ist es deutlich ruhiger und das bleibt auch so, weil keine großen Gruppen unterwegs sind. Tipp für hoffentlich bald wieder Corona-freie Zeiten: Möglichst früh da sein, bei blauem Himmel sogar bei Sonnenaufgang, weil das Eis im Gegenlicht golden glüht, und möglichst weit nach hinten durchgehen, weil der Strand dort nicht mehr überwiegend aus Kieseln, sondern aus schwarzem Sand besteht.

5_1077743_7.jpg


6_F1A5312_7.jpg


6a_1077723_7.jpg


Lange sind wir alleine, und als nach und nach andere Besucher auftauchen, gehen wir noch ein Stück weiter. Das Eis wird weniger, doch der Strand ist wunderschön und als schließlich sogar die Sonne durchkommt, ist mein Glück perfekt.

7_F1A5689_22.jpg


8_F1A5744.JPG


9_F1A5805.JPG


Über zweieinhalb Stunden verbringen wir an diesem einzigartigen Ort, dann fahren wir das kurze Stück über die Brücke zur Lagune.

10_F1A5847_7.jpg


Kein James Bond und keine Lara Croft, die "Gletscherflusslagune" ist aber auch so beeindruckend.

11_F1A5857_7.jpg


12_F1A5828_7.jpg


Sie entsteht auf natürlichem Weg aus dem Wasser, das vom Gletscher abschmilzt und weil das immer schneller passiert, wird der tiefste See Islands zusehends größer. Eine traurige Tatsache, und ich muss unwillkürlich an unsere erste Island-Reise im vorangegangenen August denken. Da waren uns an einem Morgen die vielen Flaggen auf Halbmast aufgefallen und wir erfuhren auf Nachfrage, was auch in unserer Heimat für Schlagzeilen gesorgt hatte: Island hatte an dem Tag den Gletscher Okjökull offiziell für "tot" erklärt. Die Trauer und Hilflosigkeit vieler Einheimischer, die ihre natürlichen Schätze direkt vor ihren Augen vor die Hunde gehen sehen, haben uns damals sehr berührt - und tun es noch.

Nach einem kurzen, aber schönen Stopp am Fjällsarlon, dem kleinen Bruder des benachbarten Jökulsarlon ...

13_1077936_1.jpg


... fahren wir rund 125 Kilometer durch wunderschöne Landschaft zurück in Richtung Kirkjubaejarklaustur und zum
Fjadrargljufur Canyon.

14_F1A6311_7.jpg


15_F1A6344_2.jpg


16_F1A5986_14.jpg


Bei Traumwetter und Windstille genießen wir den Spaziergang an der Schlucht entlang bis zu einer Aussichtsplattform, die die natürlichen Vorsprünge schützen soll.

17_F1A6206.jpg


Märchenhaft schön: Fjadrargljufur Canyon
18_F1A6123_4.jpg


19_1088019_4.jpg


Bestimmt ist Island immer eine Reise wert. Doch kaum zeigt sich die Sonne, explodieren die Farben, präsentiert sich die Insel von ihrer besten Seite. Rau und karg einerseits, aber auch freundlich und grün: Dazwischen liegen oft nur wenige Meter, und wir kommen wieder einmal nicht aus dem Staunen heraus.

20_F1A6524.jpg


21_1088133_14.jpg


Der Svinafellsjökull steht auf dem Plan, der "Hollywood-Gletscher". Ein wahr gewordener Traum für die Traumfabrik, Batman Begins wurde hier gedreht, Game of Thrones und Interstellar. Nicht, dass das eine Rolle für uns spielt; vielmehr, dass man einem Gletscher selten so nah kommen kann.

22_F1A6613_7.jpg


Es ist nur ein kleiner Abstecher von der Ringstraße, zumindest in der Theorie, doch die zwei Kilometer haben es in sich. Im Vorjahr haben wir mit unserem schon etwas angeschlagenen PkW nach wenigen Metern aufgegeben. Der SUV meistert die ruppige Piste allerdings problemlos und wir nehmen sie trotz der Warnschilder am Abzweig von der Ringstraße in Angriff. Steinschlaggefahr, die Erde ist seit Wochen in Bewegung, doch wir folgen dem isländischen Camper, der sich am Ende der Zufahrt häuslich einrichtet.

Wir steigen aus und biegen um die Ecke in Richtung Gletscher, ein schmaler Pfad, die Natur ist gigantisch, auch wenn das Eis in den vergangenen Jahren sichtbar zurückgewichen ist.

24_F1A6723_7.jpg


Geführte Wanderungen auf dem Gletscher begannen einst mit direktem Zugang, später halfen Leitern zur Überbrückung, heute müssen die Touren ihm ziemlich weit über die Felsen entgegen klettern, um ihn überhaupt zu erreichen. Das Betreten der zerklüfteten Eisfläche ohne Guide kommt offenbar vor, ist aber lebensgefährlich, ein kleines Schild am Parkplatz erinnert daran, dass hier vor wenigen Jahren zwei junge Deutsche verschwanden.

Sehr weit wagen wir uns auf dem felsigen Pfad nicht vor, ohnehin verliert sich schnell seine Spur. Ein heftiges Krachen im Eis unterbricht die magische Stille, und weil wir nicht fliegen können wie Batmann oder Daenerys' Drachen, treten wir vorsorglich den Rückzug an.

25_F1A6621_17.jpg


26_F1A6803.jpg


Das Licht auf der Rückfahrt ist fantastisch, die Sonne am späten Nachmittag noch hoch am Himmel.

27_F1A6868.JPG


28_F1A6896_4.jpg


29_F1A6888_7.jpg


Nach einer kleinen Pause im Hotel hoffen wir auf Mitternachtssonne an der Jökulsarlon Gletscherlagune. Leider vergebens, der Himmel zieht sich zu, doch die Stunde wirkt blau und auf uns grandios. Der Spot ist beliebt in der richtigen Jahreszeit für Nordlichter, und wir ahnen, warum.

30_F1A6920.JPG


31_F1A6944_1.jpg


Der Diamond Beach ist der krönende Abschluss dieses wunderbaren Tages. Eine gute Entscheidung, denn Diamonds are forever, das erweist sich schon am nächsten Morgen als Mär. Abends verschicken wir schnelle Liebesgrüße aus Island, dann fallen mir die Augen zu. Randvoll mit Eindrücken, träume ich von schwarzen Stränden und Diamanten. Was ja irgendwie logisch ist: Diamonds are a Girl's Best Friend!

32_F1A6950.jpg


33_F1A6989.jpg
Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
zuletzt bearbeitet 14. Nov. 2020
8’800 Beiträge · seit 201014. Nov. 2020 ·
Liebe Betti, lieber Berti, lieber Thomas,

seit 09. November bin ich am Kichern 😄 , wenn ich an diese Zeilen denke und dabei Kopfkino habe (komischerweise bist es immer du, Betti, die mir den Japaner in der Mittagspause macht 😎 ):
Er liegt ein wenig abseits der Ringstraße kurz vor dem Ort Kirkjubaejarklaustur, dessen Name klingt, als sei jemand mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt.
Jetzt im letzten Kapitel ist mir bei dem vielen Eis das Kichern (ich will nicht Grinsen schreiben 😗 , da würde das folgende Verb aber schon besser passen) aber ein bisschen eingefroren und ich kann mal endlich loslegen und mich in die Menge der Lobredner einreihen!

Zum Glück kann ich den Bericht relativ neidlos lesen, da ich momentan keine Sehnsuchr nach grün/kalt/nass empfinde. Und leider muss man das einfach auch miterleben, wenn man vor Ort ist. Ich dagegen sitze gemütlich auf meiner warmen Couch, schaue mir spektakuläre Bilder und die amüsantinformativen Texte dazu an und bin völlig zufrieden und glücklich damit!

Vielen Dank für die super Unterhaltung 😘 - davon kann es momentan ja nicht genug geben!

Liebe Grüße in den Norden von Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 14. Nov. 2020
1’835 Beiträge · seit 201514. Nov. 2020 ·
Einfach wunderbar und ein wahrer Genuss, die Bilder sowie dein Erzählen.
Danke euch!
If life is a journey be sure to take the scenic road! Expedition Antarktis: https://www.namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299327-expedition-antarktis-mit-falklands-und-s-georgia.html Island In Herbstfarben https://www.namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299288-island-in-herbstfarben-september-2018.html Nordamerikanische Safari und Landschaften May Till October 2019 https://www.namibia-forum.ch/forum/index/weitere-laender/299141-nordamerikanische-safari-und-landschaft-2019.html Zweite Selbst Fahrer Tour in Tansania. Same same but different. Juni 2018 https://www.namibia-forum.ch/forum/index/tansania/295665-zweite-selbst-fahrer-tour-in-tansania-same-same-but-different.html Trip reports in English: Namibia and KTP 2016 http://safaritalk.net/topic/16959-self-drive-safari-tr-nam-sa-bots-nam/ Botswana 2016: http://safaritalk.net/topic/16985-self-drive-safari-tr-bots-nam-sa/ Tanzania 2015: http://safaritalk.net/topic/15256-self-drive-safari-through-northern-tz-parks-of-mara-crossings-and-lions-in-camp/ Nam-SA-Bots 2014: http://safaritalk.net/topic/14669-self-drive-safari-in-botswana-south-africa-and-namibiab/page
751 Beiträge · seit 201115. Nov. 2020 ·
Liebe Grüße und vielen vielen Dank an alle Mitleser, Danke-Drücker und Kommentierer! Das ist das Salz in der Suppe und ich gestehe, ich war zwischendurch schon fast in ein Motivationsloch geplumpst...
Liebe Betti,

das mit dem Loch muss unbedingt verhindert werden - nur mir gehen auch die Superlative aus bezüglich deinem Schreibstil und euren Fotos...
Ich freue mich über jedes Kapitel sehr - noch dazu beschreibst du netterweise gleich so richtig schöne lange Tage mit ganz unterschiedlichen Orten (manch anderer würde dies in vielen Etappen einstellen).
Bei schönem bzw. einigermaßen schönem Wetter absolute Traumlocations. Nun fürchte ich mich schon fast vor eurem anschließenden Tag (Diamonds are a Mär?) ...

Irgendwie ahne ich, dass ich wettermäßig kein Glückskind bin und kann auch nicht davon ab der Sonne hinterher zu jammern. Also befürchte ich, dass ein Urlaub im hohen Norden (bei uns unflexiblen Menschen) eine reine Hetzjagd, Recherche nach Wettterlücken und zu unguter Stimmung führen würde, immer auch in der Kombi mit dem Wissen "da haben wir uns jetzt die teure Unterkunft geleistet" und dann keine Diamanten etc. adäquat fotographisch als Belohnung. Deswegen halte ich es da wie Bele und setze verstärkt auf Afrika.

Ich freue mich sehr auf die weiteren Erlebnisse im Oscar-verdächtigen Bericht und bin gespannt mit welchen Hollywood Stars du noch gleichziehst.
Beste Grüße, Nette
1’180 Beiträge · seit 201715. Nov. 2020 ·
Immer weiter machen... das ist für mich hier gar kein Reisebericht mehr. Du erledigst gerade meine komplette Reiseplanung. 😄

Die ganzen Stopps sind sowas von toll, dass ich wieder richtig Lust auf Island bekomme. Wir waren vor einigen Jahren ja nach 3 Tagen schon begeistert, mit deinen Bildern und so schön genauen Beschreibungen ist das Feuer ganz klar wieder entfacht.


Dran bleiben. 😉


Gruß,
Robin
Unsere Reisen: Uganda 2026 | Im grünen Herzen Afrikas ||| NAMIBIA 2024 | Wolkenlos Glücklich im Kaokoveld ||| KTP & MOREMI 2022 | Erstmal sitzen! ||| BOTSWANA 2021 | Wo ein Wille ist, ist oft KEIN Weg! ||| KRÜGER 2020 | Im hohen Gras, gibt's keine Katzen?! ||| BOTSWANA 2018 | ABER, irgendwas ist ja immer! ||| NAMIBIA 2017 | Been there. Done it! Got it?