Liebe Muckels, mit dem Lesen hab ich's ja grad nicht so, aber Bilder-Gucken geht! Und nach euren Fotos aus dem Hoanib geht's auch gleich ein bisschen besser. Vielen Dank für die wunderschönen Eindrücke, in die sich schönste Erinnerungen und hoffnungsvolle Vorfreude mischen. Ingrid (Fußball-Gucken geht zum Glück auch ... hoffentlich klappt das heute 😎 )
Stimmt. Wurde uns 2011 vom Rhino Trust auch so bestätigt.
Best Regards
Adolf
Conservation is our passion!
Trustee, Sponsor & SA Contact for 'Desert Lion Conservation'!
Sponsor of Desert Elephant Conservation.
Hobby: Land Cruiser Touring Vehicles. Member of the LCCSA.
Slogan: Tread lightly, leave nothing but your foot prints!
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200601. Juni 2020 ·
@Ingrid: Jetzt kommen wieder viele neue Bilder für dich. 😉 Und falls du dich auch für den Bericht interessierst, musst du ihn dir halt vorlesen lassen. 😉
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200601. Juni 2020 ·
Tag 23 – 4. August 2019 – Datenverlust im Flussbett
Die Poort – Sawurogab
Nach einem weiteren Buschcamp standen wir noch vor Sonnenaufgang auf, da es heute wieder etwas weiter zu fahren war und wir ohnehin längst ausgeschlafen hatten. Hinter den Bergen stand etwas Nebel, und auch unsere Autos tropften ein wenig.
Dick eingepackt tranken wir unseren Kaffee und aßen Marmeladenbrote.
Leider hatte sich Matthias mit irgendetwas den Magen verdorben und ordentliches Bauchrumpeln, so dass er auf ein Frühstück verzichtete. Er jammerte jedoch nicht weiter herum und hielt sich den ganzen Tag über sehr tapfer. Von einem Tag Pause wollte er nichts wissen, und so packten wir zusammen und machten uns auf den Weg. Uwe stellte fest, dass die Wegaufzeichnung in unserem GPS die Daten der letzten Tage gelöscht hatte und nur die letzten Kilometer noch vorhanden waren, was zu Beginn unserer Fahrt zu einem kurzen Moment mit reichlich schlechter Laune und Selbstvorwürfen führte. Was nicht zu ändern war, war nicht zu ändern! Von Schimpfereien würde die Steckenaufzeichnung auch nicht zurückkommen. Von „Die Poort“ ging es nach Norden durch den Ganamub.
Dieser Trockenfluss ist schmaler als der Hoanib und sehr beschaulich.
Hier war viel Wild unterwegs, so dass wir immer wieder Zebras, Oryx und Springböcke entdeckten. Während einige Tiere einfach stehen blieben und uns gelassen passieren ließen, rannten andere vor uns davon. Eine Zeit lang begleitete uns eine Herde Zebras und einige Oryx, die parallel zur Straße oder auf der Pad vor uns herliefen, anstatt seitwärts von uns wegzulaufen. Hatten Bele und Matthias vor uns die Tiere endlich überholt, kamen wir dahergerumpelt und scheuchten sie erneut auf. Das tat uns wirklich leid, aber uns fiel auch keine andere Taktik ein, als möglichst schnell an ihnen vorbei zu kommen. Denn blieben wir stehen, um den Abstand zu vergrößern und sie nicht weiter zu jagen, so hielt die Herde auch an, verweilte aber in der Nähe der Pad, so dass wir nicht an ihr vorüber kamen, ohne sie erneut zu verschrecken.
Der Weg verlief unterhalb sehr hoher Felswände, unter denen immer wieder große Steinblöcke lagen, die irgendwann mal heruntergestürzt waren. In einer Wand entdeckte Bele einen Augurbussard. Ein einzelner Lappengeier saß auf einem Baum.
Als wir uns bereits der D3707 näherten, sahen wir Ziegenherden mit den dazugehörenden Hirten. Auf der D-Straße fuhren wir nach Sesfontein. Zunächst führte der Weg steil und eng über einige Berge, dann konnten wir etwas schneller fahren und erreichten den Ort.
An der Tankstelle stand gerade der Versorgungslaster, so dass wir ohne Probleme Diesel bekamen. Der Reservekanister von Bele und Matthias, den wir in Palmwag gefüllt und hinter unserer Seitenklappe transportierten, war mal wieder (wer hätte das vermuten können?) nicht dicht, obwohl wir zusätzlich eine Plastiktüte unter den Verschluss geklemmt hatten. Der Diesel lief am Kanister herab und befleckte bereits die Außenwand der Ladefläche. Matthias hatte noch eine Ersatzdichtung für den Kanister, und wir wechselten diese aus. In Sesfontein schauten wir kurz im Supermarkt vorbei, fanden aber weder das erhoffte Brot noch Wasser. Dann fuhren wir denselben Weg auf der D3707 zurück nach Nordwesten und weiter bis zu den Giribes-Plains.
Kurzzehenrötel
Ein paar arme Pferde, bei denen man jede Rippe einzeln zählen konnte, zogen auf der Suche nach Wasser und einigen trockenen Hälmchen umher.
In den Plains bogen wir ab und fuhren über die endlose Sandebene zum Signal Hill, wo wir vor zwei Jahren übernachtet hatten. Dort trafen wir auf den Magirus-LKW von Bushman-Safaris mit einer Reisegruppe und dem Fahrer Olli aus Windhoek, von dem wir bereits im Namibia-Forum gelesen hatten. Auch er kannte uns anhand unserer Forumsnamen, und wir unterhielten uns ein wenig. Zum Picknick machten wir Obatzda und aßen unser restliches Graubrot aus Swakopmund. Wieder mal amüsierten wir uns über die „Kinder“-Stühle von Bele und Matthias.
Dann liefen wir noch ein wenig auf die beiden Hügel und überschauten die Landschaft. Die Ebene ist sehr trocken mit so wenig Gras wie noch nie. Dennoch weiden einige Rinderherden dort.
Hier war auch die zweite Plakette – die gleiche, die wir gestern bereits im Hoanib an einem Baum entdeckt hatten.
Südlich vom Signal Hill bogen wir nach Westen zum Fearless Pass ab. Diese wenig befahrene Strecke gefiel uns auch sehr gut. Der Pass selbst war tatsächlich als solcher zu erkennen und etwas steinig. Vorsichtig hob Uwe das Auto über alle möglichen spitzen Steine. Plötzlich stieg uns ein bestialischer Geruch in die Nase. Die Ursache hierfür war schnel entdeckt. Die Überreste eines Oryx lagen am Wegesrand. Zu unser aller Vorteil ersparten wir uns ein Foto, fuhren hastig das Fenster nach oben und erfreuten uns lieber an diesen Exemplaren, die deutlich lebendiger ausschauten.
Kurz vor 16 Uhr näherten wir uns der Stelle, an der wir etwas später nach Süden in den Sawurogab einbogen.
Die hohe Steilkante lässt erahnen, dass es hier auch ganz anders aussehen kann.
Anfangs fuhren wir durch einen sehr breiten Trockenfluss, sahen wieder Oryx, mehrfach Zebras und eine sehr große Herde Springböcke. Eine Weile kreiste ein Schlangenadler über uns, bevor er abdrehte und davonflog.
Rotschwanzschmätzer
Eigentlich war unser Ziel gewesen, bis zum Hoanib zu fahren, dann nach Westen bis Amspoort und schließlich im Tsuxub zu übernachten. Dafür war es jedoch schon zu spät, und so begannen wir, uns im Sawurogab eine schöne Stelle zum Übernachten zu suchen.
Auch hier begegneten uns häufig kleinere Verbände von Oryxantilopen.
Ludwigstrappe und Bergstar
Als sich das Tal verengte, hielten wir am Rand an einer Böschung und schlugen unser Lager auf. Bele machte sich über unsere Anstrengungen lustig, das Auto schlafgenehm gerade zu stellen. Aber wer außer Fledermäusen möchte schon mit dem Kopf nach unten oder ständig nach einer Seite abschüssig nächtigen?
Danach gab es ein wenig Sauerei zu entfernen, da eine Getränkedose in der Vorratsbox ausgelaufen war und sich der klebrige Inhalt gleichmäßig in der ganzen Kiste verteilt hatte.
Es war ja auch lange genug alles gut gegangen, und der Schaden war schnell beseitigt. Drei weitere Tüten Saft sahen an ihrer Unterseite auch nicht mehr ganz glücklich aus. Zu viel Vorratshaltung ist auf solchen Strecken eben auch nicht zu empfehlen. Wir machten Feuer, Uwe probierte erfolgreich die Dusche unseres Campers aus, und wir genossen das letzte Licht und die herrliche Stille.
Während Ruth einen Maiskolben kochte und langsam das Abendessen vorbereitete, sicherte Uwe Fotos. Dabei passierte ihm ein Fehler. Nachdem er die eine Speicherkarte von Ruths Kamera gesichert hatte, wollte er die Bilder darauf entfernen. Dabei löschte er jedoch aus Versehen die Bilder auf der anderen Speicherkarte in der Kamera. Das waren alle Fotos von heute seit etwa 9.00 Uhr. So ein Ärger. Hoffentlich lassen sich die Daten auf der Speicherkarte zu Hause noch retten (was ja ganz offensichtlich funktioniert hat ;)) Schon zum zweiten Mal an diesem Tag war Uwes Laune ein wenig angekratzt.
Sobald die Sonne hinter den hohen Bergrücken verschwunden war, wurde es empfindlich kalt, und es wehte ein eisiger, leichter Wind.
Da Matthias immer noch ernste Probleme mit seinem Magen hatte, verzichtete er auch auf das Abendessen und ging früh in sein Zelt. Wir machten uns etwas Sorgen um ihn und überlegten, wie wir den morgigen Tag organisieren sollten, falls es ihm dann nicht besser ginge. Wir grillten Oryx und kochten dazu Broccoli und Blumenkohl. Nach dem Essen saßen wir nicht mehr sehr lange am Feuer, denn es wurde mit dem Wind immer ungemütlicher.
Hallo Muckels, Da gibts doch nichts zum Lachen wenn man das Auto auf ebener Fläche hinstellen will (muss) 😉 Wir haben ein WoMo und da ist es eine gegebene Sache es so eben wir möglich hinzustellen. Dazu nehmen wir immer Holzklötze mit und auch diese Plastikhelfer, siehe unten. Gibt es wohl sowas in Deutschland oder Namibia? LG Katrin
Champagner8’801 Beiträge · seit 201002. Juni 2020 ·
Ach, schon wieder soooo ein schönes Kapitel - vielen Dank dafür 😘 !
Ich gestehe, dass ich am Anfang dieses Berichts ein bisschen Bedenken hatte, ob es mir nicht langweilig wird, die Fotos, die ich schon alle kenne, noch einmal anzuschauen. ABER: ich kenne ja gar nicht alle Bilder, merke ich jetzt 🤩 ! Euer Fundus ist so riesig, dass ich nur diejenigen, auf denen ich mit drauf bin und eine kleine Auswahl für die kleine Fotoshow nach der Reise bisher gesehen habe. Und so versinke ich jetzt dank der unbekannten Bilder und auch dank der Erzählungen aus eurer Sicht total in den Erinnerungen, die teilweise ganz frisch und neu nach diesen vielen Monaten seit unserer Rückkehr wieder hochkommen 😘 .
Dieses Foto gefällt mir besonders gut - ich war damals etwas gestresst, als wir die Strecke gefahren sind 😵 Matte meinte irgendwann, die Bremskraft wäre nicht ausreichend für das schwere Fahrzeug und ich hatte daher das Gefühl, dass wir immer schneller den Berg runtersausen und sah mich schon in einem Blechhaufen irgendwo am Fuße eines Abhangs liegen 🙄 Daher konnte ich die sensationelle Landschaft gar nicht richtig genießen.
Der Abend im Sawurogab war wirklich nicht unser bester 🤢 , seeeehr kalt, voller Sorgen um Matthias, Fotostress von Uwe und dann hatte Ruth ja auch noch Bedenken, ob es nicht zu laut nachts werden könnte, wenn wir so direkt an der Durchgangsstraße campen 🤩 🤪 .
Zu unseren Zwergenstühlen: in Kombination mit eurem Riesentisch waren sie eigentlich ganz praktisch - ich brauchte einfach nur das Futter von der Tischkante direkt in den geöffneten Mund schieben 😎 .
Und dann doch noch ein paar Worte zum Ausrichten des Fahrzeugs für die Nacht:
@ Ruth, über den Vergleich mit der Fledermaus muss ich jetzt noch ein bisschen nachdenken und überlegen, ob ich das irgendwie persönlich nehmen muss, der Ruf der Fledermäuse hat in letzter Zeit ja etwas gelitten 😐 .
@ Katrin: Nicht dass die Muckels das Auto akribisch geraderichten, sondern wie sie das machen, ist ausschlaggebend. 😄 😄 😄 Allerdings bin ich jetzt schon ein bisschen gespannt, ob sie für ihre nächste Reise (wann immer die sein wird 😊 ) tatsächlich deinem Vorschlag folgend aufrüsten werden 🤨 . Es bleibt spannend....!!! 🤩
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200604. Juni 2020 ·
@Katrin: Ich meine, ich hätte solche Auffahr-Keile schon mal bei Südafrikanern gesehen (von denen kann man sich in Sachen Camping ja eh alles Mögliche abgucken). Die sehen auf jeden Fall sehr praktisch aus. Mal gucken, ob wir uns so etwas zulegen. 🙂 Danke für den Tipp.
@Bele: Da sind wir ja froh, dass dir beim Bericht unserer gemeinsamen Reise nicht langweilig wird. 😉 Auch wir kennen nicht alle Fotos, bis wir sie für den jeweils aktuellen Tag aussuchen. Mit der Fledermaus warst nicht du gemeint. Wir wollten nur mal wieder maßlos übertreiben um klarzumachen, warum wir diesen Aufwand treiben. 🙂
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200612. Juni 2020 ·
Tag 24 – 5. August 2019 – Doch noch Wasser im Hoarusib
Sawurogab – Puros
Auch wenn wir beim Aufstehen knapp fünf Grad hatten, fühlte es sich kälter an. Es wehte ein zwar schwacher, aber eisiger Wind. Bele setzte Wasser auf, und wir zogen uns eine zweite Jacke an. Matthias kam ebenfalls verfroren aus seinem Zelt und hatte aufgrund seiner Magenbeschwerden keine schöne Nacht hinter sich. Da der Wind die Flamme beeinträchtigte, teilten wir die Wasserportion auf zwei Kessel auf und kochten den zweiten auf unserem Gaskocher. Dann genossen wir Kaffee und Tee und wärmten unsere eingefrorenen Hände an den heißen Blechtassen. Dazu aßen wir Brote mit Marmelade und Nutella. Lange blieben wir nicht zwischen den Felsen, sondern brachen zügig auf, um uns im Auto ein wenig aufzuwärmen und schnell in die Sonne zu kommen. Im Sawurogab Richtung Süden trafen wir bald auf ein paar Herden Springböcke und einige Strauße.
In den weniger befahrenen Flussbetten scheint es mehr Herden zu geben als z. B. im Hoanib. Die Tiere sind aber recht scheu und fliehen, sobald man sich ihnen nähert. Dennoch freuten wir uns sehr. Wieder lieferten wir uns ein kurzes Wettrennen bzw. –fahren mit einem Strauß, der ein Stück vor uns auf der Pad lief. Wir waren froh, als wir endlich an ihm vorüber waren.
Das Flussbett schlängelte sich stetig bergab, und bald erreichten wir wieder den Hoanib gegenüber der Stelle, an der wir gestern aus dem Mudorib angekommen waren. Nun wandten wir uns nach Westen und fuhren der Pad folgend unter den hohen Bäumen hindurch. Auch hier sahen wir viele Springböcke und ein paar Giraffen.
Foto von Matthias
Es gab eine Menge zu entdecken. Die mächtigen Bäume waren bis zu der Höhe kahl gefressen, an der Elefanten und Giraffen ihre Blätter erreichen konnten. Trotzdem bot der grüne Trockenflusslauf ein schönes Bild. Oryxe ruhten im Schatten, und eine große Straußenfamilie pickte im Staub.
Bei Amspoort bogen wir nach Norden zum Tsuxub ab. Dort hatten wir eigentlich gestern übernachten wollen.
Foto von Matthias
Nun fuhren wir auf einer sehr breiten und ruppigen Wellblechpiste. Die Landschaft veränderte sich alle paar Kilometer. Jedes Flussbett hatte einen anderen Charakter. Nach den beeindruckenden Bäumen durchquerten wir nun riesige Ebenen mit sehr wenig bis gar keiner Vegetation. Ruth kletterte auf das Autodach und schaute bis zum Horizont.
Foto von Matthias
Wir zogen eine lange Staubfahne hinter uns her und hielten einen großen Abstand zu Bele und Matthias, die uns den Weg zeigten.
Foto von Bele
Foto von Matthias
Gegen Mittag hielten wir auf einer kleinen Anhöhe und spazierten ein wenig herum. Die Stille und der Blick ins rotbraun-beige Nichts waren fantastisch. Wieder fotografierten wir nur Steine.
Na ja, zumindest fast!
Danach bogen wir nach Westen ab und fuhren in einem Bogen zum unteren Hoarusib. Auch hier fiel der Weg über viele Kilometer ab zum nächsten Flussbett. Kurz vor dem New Schoeman’s Camp machten wir einen kleinen Abstecher zu den sog. „Castle Formations“. In einer Schlucht zwischen den steinigen Bergen befindet sich dort eine Formation aus Lehm, die sich in erster Linie farblich von ihrer Umgebung abhebt.
Riesengroß wirkt dieser Lehmblock wie künstlich dort installiert. Wir parkten die Autos am Rand und liefen verschiedene Aussichtspunkte ab.
Matthias und Ruth kletterten bis ganz an das untere Ende und besichtigten die Festung aus der Nähe und von allen Seiten.
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200612. Juni 2020 ·
Am frühen Nachmittag erreichten wir den Hoarusib im Puros Canyon. Entgegen einem Schild, welches uns den Weg in einem großen Bogen wies, wendeten wir wieder, denn so hatten wir den Einstieg nicht in Erinnerung. Kurz hinter dem Schoemanns Camp führte die Pad nun durch hohe Tamarisken, tiefen Sand und fiesen Bulldust. Unser Auto war innerhalb kürzester Zeit weiß bepudert. Dann öffnete sich der Blick, und wir fuhren zwischen den steilen Felswänden durch Sand und Steine. Zunächst waren wir etwas enttäuscht, dass der Hoarusib dieses Jahr hier überhaupt kein Wasser führte. So ist das eben mit der Erwartungshaltung. Im Gegensatz zu unseren früheren Besuchen war der Untergrund knochentrocken und staubte auf jedem Meter. Daher hielten wir auch vergeblich Ausschau nach Waffenkiebitzen, Regenpfeifern und Libellen. Das änderte sich aber nach einigen Kilometern. Plötzlich floss uns Wasser entgegen. Zunächst ein dünnes Rinnsal, dann immer breitere Bäche. Nun war die Umgebung wie gewohnt. Immer wieder kreuzten wir das Wasser. Zunächst war es ein großer Spaß, mit Schwung durch die Pfützen zu brausen.
Foto von Bele
Foto von Matthias
Ein Stückchen hinter dem Felsenengpass liefen wir wieder ein wenig umher.
Auch die bereits vermissten kleinen Freunde konnten wir bald entdecken.
Als die Furten dann aber immer tiefer und matschiger wurden, verging uns der Übermut, und wir schauten, wie wir die jeweilige Durchquerung meistern konnten, ohne unser Fahrzeug im Modder zu betonieren. In der Regel war der Untergrund fest, aber einige Passagen waren schlammig und tiefer als erwartet. Der Matsch spritzte uns bis an die Scheiben, als wir mit ausreichend Schwung durch die Tümpel fuhren. Ohne Probleme durchquerten wir alle tieferen Stellen. Manchmal lief Ruth zu Fuß voraus.
Foto von Matthias
Foto von Matthias
Das Wasser im Hoarusib lockte auch einige Vögel an, die uns von nun an begleiteten. Wir sahen viele Dreiband-Regenpfeifer, Nilgänse, Bergschmätzer, Waffenkiebitze und einen Graureiher.
Dreibandregenpfeifer
Immer wieder kamen wir an Rinderherden vorbei. Ab und an lag auch eine verendete Kuh herum. Die erste entdeckte Ruth, unmittelbar nachdem sie durch das Wasser gewatet war, um die Tiefe und den Untergrund zu testen. Sie rümpfte etwas die Nase bei der Vorstellung, aus Versehen in die wabbeligen, felligen Überreste zu steigen und war glücklich, davon verschont zu bleiben. Insgesamt zählten wir sieben tote Rinder und fragten uns, woran sie wohl verendet waren. An Wassermangel wohl kaum, denn davon gab es mittlerweile genug. Als wir den Canyon verließen und uns Puros näherten, sahen wir zwei Elefanten, einen Bullen gefolgt von einem Jungtier. Sie kamen genau auf uns zu.
Um ihnen nicht im Weg zu stehen, fuhren wir ein Stückchen weiter und beobachteten die beiden, wie sie zielstrebig Richtung Quelle, von der wir gerade kamen, davonschritten. Der kleine Kerl musste sich ganz schön beeilen, um mit seinem großen Freund Schritt halten zu können.
Es war schwer, sich von den beiden loszureißen, und wir freuten uns sehr, noch einmal das Glück zu haben, auf Elefanten zu treffen. Danach setzten wir unsere Fahrt zum Camp fort, kamen allerdings nicht sehr weit. Zwei weitere Elefanten spazierten sehr entspannt aus dem Dornengestrüpp auf die Ebene. Diese peilten jedoch ein anders Ziel an.
Nicht bei allen löst der Anblick von Wüstenelefanten wohl eine solche Begeisterung aus wie bei uns.
Während die Insassen dieses Safari-Fahrzeuges nur wenig Interesse zeigten, hielten wir erneut und warteten, bis die beiden Dickhäuter friedlich an uns vorübergezogen waren.
Bei der Community Campsite checkten wir ein und ruhten uns aus. Es war sehr schön warm.
Bergschmätzer
Als Ruth duschte, raschelte es plötzlich in den umliegenden Büschen, und sie bekam Besuch von mehreren Kühen und ein paar Ziegen. Eine Kuh und zwei Ziegen eroberten die Dusche und begannen das Wasser zwischen ihren Füßen zu schlürfen, eine weitere Kuh steckte ihren Kopf durch den hinteren Bretterverschlag. Die armen Tiere schienen so wenig Wasser zu bekommen, dass ihnen das Seifenwasser ausgesprochen gut schmeckte. Nicht ohne eine gehörige Portion Mitgefühl schob Ruth Kuh und Ziegen wieder aus der Dusche, bevor die lange Kuhzunge ihr noch das Wasser von den Beinen schleckte. Dann rief sie nach Uwe, der sich als Türsteher im Eingang postierte und die aufdringlichen Duschpiraten abhalten sollte. Nun versuchten die Kühe von der Rückseite der Dusche durch die Büsche an ein paar Tropfen Wasser zu gelangen.
Dabei schubsten sie sich gegenseitig mit ihren behörnten Köpfen zur Seite und verhedderten sich in den eng wachsenden Zweigen. Ruth beeilte sich sehr mit der Haarspülung, um das Kuhchaos im Busch nicht weiter eskalieren zu lassen. Ihre Haarwäsche war daher auch nur wenig erfolgreich und der Schaum vielleicht nur so gerade eben ausgespült, so dass sie nach der Dusche ein ziemliches Vogelnest auf dem Kopf hatte. Außerdem hatte sie den armen Tieren gegenüber ein so schlechtes Gewissen, dass sie zwei Spülbecken volllaufen ließ und den durstigen Gesellen eine Runde Wasser spendierte. Das wiederum war dann mit einem schlechten Gewissen gegenüber den Campingplatzbetreibern verbunden, die diese Idee bestimmt nicht für besonders gelungen halten würden.
Also lieber schnell verkrümeln. Ruth schnappte sich den Fotoapparat, um rund ums Camp ein paar Vögel zu jagen, während Uwe schon ein wenig am Reisebericht tippte.
Graulärmvogel
Rotstirn-Bartvogel
Maskenbülbül
Nacktohrdrossling
Wer sich die Aufnahmen der Vögel genauer angeschaut hat, kann verstehen, warum Ruth ab und an wieder laut fluchen musste. Obwohl sie sehr aufpasste, trat sie gleich zweimal in hinterhältig unter Sand verborgene lange Dornen, die sich gnadenlos durch ihre Crocs bohrten. Damit es auch gerecht zuging, einmal links und einmal rechts. Uwe hatte ja schon mehrfach geraten, auf solchen Plätzen lieber festes Schuhwerk mit ordentlicher Sohle anzuziehen. Aber wer macht das schon, wenn es ansonsten warm ist? Wie hatte Ruths Oma immer so schön gesagt: Wer nicht hören will, muss fühlen. Obwohl es nun eigentlich eh schon zu spät war, kehrte Ruth doch noch einmal zum Auto zurück und wechselte die Schuhe. Ob aber gleich die Uggs zweite Wahl hätten sein sollen, wäre dann wahrscheinlich noch zu diskutieren. Aber wer Trends setzen will, muss konsequent bleiben. Nun viel besser ausgerüstet marschierte Ruth ein wenig aus dem Camp hinaus, um einen schönen Platz für den Sundowner zu suchen.
Im Nachhinein haben wir uns überlegt, dass auch das sicher nicht die klügste Idee war. Da man sich ja auskennt, spaziert man munter in der Gegend herum. Natürlich spähte Ruth in alle Richtungen, um nicht plötzlich von einem Elefanten überrascht zu werden. Aber kann man das Risiko tatsächlich so genau einschätzen, wie man sich das einbildet? Was wäre gewesen, wenn sich hinter den dichten Dornenbüschen auf dem kleinen Hügelchen ein seltener Wüstenlöwe ausgeruht hätte? Diese Gedanken machte sich wahrscheinlich auch Uwe, als er nach einiger Zeit auf seine fragenden Rufe keine Antwort mehr bekam. Ebenfalls mit einem Fotoapparat bewaffnet machte er sich auf die Suche nach seinem verschollenen Fräulein. Da blieben nun die Möglichkeiten, den Löwen mit der Kamera zu erschlagen oder mit bloßen Händen zu erwürgen.
Als die Sonne untergegangen war, machten wir ein großes Feuer, grillten Wildfleisch, legten Kartoffeln in die Glut und aßen gemischten Salat. Auch Matthias fühlte sich zum Glück wieder besser und verputzte ein Stück Oryx mit Kartoffeln.
Da es den ganzen Abend über so angenehm warm war, saßen wir noch einige Zeit am Feuer und unterhielten uns. Im Dunkeln huschte noch mehrmals eine Ginsterkatze in einigem Abstand unter den Bäumen vorbei.
Wie schön! Vielen Dank für Euren Bericht! Was mich gewundert hat - warum war der kleine Elefant mit einem Männchen unterwegs? Eigentlich sind die Mütter und die Jungtiere und die Männer doch immer getrennt unterwegs. Könnt Ihr Euch das erklären? Was der Kleine da so ohne Mutter gemacht hat? LG Stefanie
5 Jahre in Botswana, 3 Jahre in Sierra Leone, 1 Jahr in Lesotho
außerdem Reisen in Namibia, Südafrika, Mozambique, Eswatini, Tansania und Äthiopien
www.kalahari-calling.com
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200612. Juni 2020 ·
Hallo Stefanie,
du findest die Antwort auf deine Frage in Beles Reisebericht:
Liebe Eulenmuckels, Danke für Euren tollen Bericht, ich habe schon lange auf diesen Teil gewartet, war ich doch ein paar Monate später auch in der Gegend unterwegs. Auf der Puros Community Campsite waren wir auch. Es gab auch durstigen Besuch. Da wird einem schon etwas anders, wenn beim Händewaschen ein Rüssel von oben kommt... 😮 Vor Schreck hab ich sofort das Wasser abgedreht. Später kamen noch zwei Elephantenbullen auf die Campsite. Es ist unglaublich wie leise sich diese riesigen Tiere anschleichen können. Für mich das tollste Erlebnis der ganzen Reise.
Viele Grüße und schreibt bitte bald weiter
Kati
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200615. Juni 2020 ·
Hallo Kati,
Elefantenbesuch im Camp hatten wir nicht. Ehrlich gesagt ist mir das auch lieber so. Vor einigen Jahren ist dort mal ein Spanier (glaube ich) ums Leben gekommen, als er leichtfertig oder aus Versehen in einen Elefanten gelaufen ist. Aber natürlich ist es schon ein eindrückliches Erlebnis, wenn man die Elefanten aus der Nähe beobachten kann. Ich hoffe, ihr konntet genügend Sicherheitsabstand einhalten.
im Februar 2012 hat mir der Verwalter Mac im Purros Camp von den Vorfall erzählt.
Der Spanier lief von seinem Stellplatz auf dem Weg zu Mac in die Rezeption, als er in das "Radar" der Elefantenkuh geriet, die unsichtbar im Gebüsch stand. Könnte wohl jedem von uns passieren...
Eulenmuckel schrieb: Ich hoffe, ihr konntet genügend Sicherheitsabstand einhalten.
Hallo Uwe, das mit dem Sicherheitsabstand war leider etwas schwierig, wir haben die Elefanten einfach nicht kommen sehen. Das Auto war auf der falschen Seite. Zum Glück war auf dieser Campsite ein kleiner Trampelpfad durch die Büsche. Dort konnten wir Ihnen aus dem Weg gehen, sie sind dann zum Glück ganz entspannt vorbei gelaufen. Ich denke die größte Gefahr besteht darin einem Elefanten 'in die Arme zu laufen' und ihn zu dadurch zu erschrecken. Dass so eine Situation auch ganz anders ausgehen kann haben wir einige Tage später erfahren, als ein Tourist von einem Elefanten getötet wurde. (Ich glaube es war im Huab)
Viele Grüße, Kati
fotomatte2’524 Beiträge · seit 200916. Juni 2020 ·
Hallo Muckels,
sehr schön beschrieben und reich bebildert, man kann sich plötzlich an vieles erinnern, was gar nicht mehr so präsent war. 🙂
Noch sehr gut erinnern kann ich mich, wie schön das am Abend war, als ich erstmals wieder feste Nahrung zu mir nehmen konnte, ja überhaupt einen Appetit darauf hatte. 😵 😎
Die Bilder vom Purros Community Camp gefallen mir gut, das nächste Mal müssen wir wenigstens zwei Nächte bleiben...
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200616. Juni 2020 ·
@Peter: Danke, dass du dich erinnert hast. Ich habe den Artikel nochmal gelesen. Demnach hatte der Mann die Elefantenkuh wohl nicht bemerkt und war ihr zu nahe gekommen – ein tragischer Unfall. Entsprechend aufmerksam und vorsichtig sollte man sich daher dort bewegen.
@Kati: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr dieses Erlebnis niemals vergessen werdet. Solche Situationen können passieren. Ich finde es wichtig, dass man sie nicht mutwillig oder leichtsinnig herbeiführt, indem man zum Beispiel in seinem Stuhl sitzen bleibt, wenn sich ein Elefant nähert, bis es zu spät ist, um sich zu entfernen. Denn wir können nicht wissen, wie so eine Situation ausgeht.
@Matthias: Auch wir haben uns sehr gefreut, als du wieder etwas Farbe im Gesicht hattest. Die Campsite in Puros ist wirklich schön. 2017 hat uns der Wind nachmittags ja ordentlich den Sand um die Ohren fliegen lassen. Aber wenn wir mal "viel" Zeit haben, würde ich auch gerne eine Nacht verlängern. Immerhin hatten wir noch nie genügend Zeit (oder Muße), den Sundowner auf der Jan Joubert Koppie zu erleben.
Eulenmuckel schrieb:Aber wenn wir mal "viel" Zeit haben, würde ich auch gerne eine Nacht verlängern. Immerhin hatten wir noch nie genügend Zeit (oder Muße), den Sundowner auf der Jan Joubert Koppie zu erleben.
2 Nächte auf der Campsite lohnen sich definitiv. Man kann in der Region so viel unternehmen, dass es locker für mehrere Tage reicht.
Wir haben auf der Jan Joubert Koppie schon so manchen Sonnenuntergang erlebt. Man stellt es sich spektakulärer vor, als es dann schlussendlich ist. Die Sonne verschwindet schon deutlich vor Einsetzen der Dunkelheit hinter den gegenüber liegenden Bergen. Einen klassischen Sonnenuntergang hat man dadurch gar nicht. Dafür geht dort gerade in der kälteren Jahreszeit nach verschwinden der Sonne oftmals ein sehr kalter und unangenehmer Wind. Als wir das letzte Mal auf der Community Campsite waren und den selben Standplatz wie Ihr hatten, sind wir zum Sonnenuntergang in die Dünen gegangen, welche flussabwärts gleich hinter dem Stellplatz beginnen. Das hat mir besser gefallen. Die Jan Joubert Koppie besuchen wir inzwischen lieber am frühen Morgen, wenn die Sonne gerade das Tal erreicht und dieses dann sehr schön ausleuchtet.
Champagner8’801 Beiträge · seit 201018. Juni 2020 ·
fotomatte schrieb: Die Bilder vom Purros Community Camp gefallen mir gut, das nächste Mal müssen wir wenigstens zwei Nächte bleiben...
😄 Meine Rede - wobei ich eher an einen längeren Aufenthalt denke. Schließlich will ich ja auch sehen, was aus dem Zement wird, den ich Colin mitbringen soll 😎 .
Muckels, jetzt fahrn wir dann bald zu dem schönen Aussichtspunkt, gell? 😗 Die Betonung liegt übrigens auf "bald" 😛 !
EulenmuckelThemenstarter2’124 Beiträge · seit 200602. Juli 2020 ·
@Thomas: Danke für die Infos zur Jan Joubert Koppie. Ich freue mich schon auf unseren nächsten Besuch in Puros.
@Bele: Also (noch) länger als zwei Nächte wird es mich vermutlich nicht in Puros halten. Aber wir können dich auf dem Rückweg von Norden kommend ja wieder einsammeln, nachdem du das neue Kirchenfundament gegossen hast. 😉
Obwohl die Ferien bereits begonnen haben und Ruth eigentlich Zeit haben müsste, fällt es im Moment schwer, sich mit Afrika zu beschäftigen, wären wir nach unserer Planung doch gerade im Khaudum unterwegs. Beim Sichten der Fotos vom letzten Urlaub wird uns schnell wieder klar, was wir gerade verpassen. Lichtstimmung, Weite, Einsamkeit, Geruch von Staub und trockenen Blättern und die Begegnungen mit der Tierwelt sind in einem kleinen Alternativurlaub nicht zu ersetzen. Uns ist natürlich schon bewusst, dass es sich hierbei um ein Luxusproblem handelt, um ein Aufgeschoben und nicht um ein Nie-Mehr. Und so findet man dann doch die nötige Motivation, so dass es endlich weitergehen kann.