@A7456 Manchmal habe ich das Gefühl man schaltet das rationale Denken komplett aus, nur um Recht zu haben. Man kann schon das Corona-Virus etwas mit dem Ebola-Virus vergleichen, natürlich unter Beachtung der Randbedingungen.
Der Impfstoff für das Ebolavirus war schon bei den Bioshield-Projekt weit entwickelt (Test an Rhesusaffen). Dann ergab sich mit dem Ausbruch in Westafrika die Möglichkeit (nachdem der Druck durch die Infektion des amerikanischen Arztes groß genug war) Test mit Infizierten Personen durchzuführen. Leider braucht man dafür infizierte Personen. Ist natürlich schwierig bei Ebola Freiwillige zu finden, die sich infizieren lassen (auch wenn man die Erreger abschwächt), da die Gefahr dabei ums Leben zu kommen groß ist. Am Ende der Ebolaepedemie hatte man dann doch eine Reihe Kenntnisse aus den Feldversuchen gewonnen. Deshalb konnte man auch im Congo dann mit relativ guten Gewissen die Leute impfen. Dazu muss man aber auch sehen, daß man bei Ebola als Betroffener vor einer ganz anderen Entscheidung steht - lasse ich mich nicht impfen und fange mir das Ebolavirus ein, ist meine Überlebenschance im besten Fall 70% (oftmals schlechter). Da nimmt man dann eventuelle Nebenwirkungen ehr in Kauf.
Nun zu dem Coronavirus. Hier hat man natürlich den Vorteil, daß man immer infizierte Personen hat (man wird das Virus wohl nicht ausrotten können - vielleicht irre ich mich, wäre zu schön, aber selbst Polio haben wir immer noch nicht geschafft) um Feldversuche zu machen. Nebenbei hast du Recht, daß erste Tests an Freiwilligen laufen, welche dafür aber auch Geld bekommen (4000 Euro). Trotzdem laufen danach eine Menge Verträglichkeitstests und die sind essential für eine Zulassung. Man wird nicht den Impfstoff vor einer Zulassung einsetzen. Grund hierfür sind die rechtlichen Dinge. Setzt man den Impfstoff vor der Zulassung ein begibt man sich (auch der Hersteller) auf extremes rechtliches Glatteis. Vor 20 Jahren hat man noch in Europa über die "dummen Amis" gelacht, weil in der Bedienungsanleitung stand, daß man die Katze nicht in der Microwelle trocknet. Heute sind wir auf dem gleichen geistigen Niveau. Vor kurzem bei meiner Ex im Auto wegen den Sicherungen nachgeschaut und dazu das Handbuch aufgeschlagen. Über eine Seite Warnhinweise, wie "pinkeln sie nicht in den Sicherungskasten (naja stand drin ich soll kein Wasser drüber kippen)" usw.. Und da der Virus nun bei weitem nicht so gefährlich ist wie Ebola, glaube ich nicht, daß sich Massen von Menschen vor der Zulassung damit impfen lassen.
Dazu kommt noch die Zeit, um den Impfstoff herzustellen. Je nach Verfahren dauert das ca. 6 Monate. Eventuell geht es bei dem gen-basierten Ansatz etwas schneller - aber sicher ist das nicht. Deshalb wird der Impfstoff meiner Meinung nach erst in 1 - 1 1/2 Jahren zur Verfügung stehen. Alles andere wäre ein Wunder und grenzt schon an Tagträumerei.
Damit ist auch das Thema für mich beendet.
Einen Antikörpertest wird man schon früher finden, was schon mehr als hilfreich wäre. Bloß auch da muß man noch viel Forschung abwarten - z.B. wie lange ist man immun, kommt es zu Mutationen vom Virus, wo dann die Immunität aufgehoben wird etc.. Eigentlich ein spannendes Thema, wenn man sachlich und basierend auf objektiven Fakten diskutieren würde und auch Fehleinschätzungen zugeben würde. Über Karl Lauterbach kann man sehr geteilter Meinung sein, aber in den letzten Wochen gibt er von den Politikern noch sehr realistische Einschätzungen.
Übrigens hier noch ein Link
wo man steht und ein paar Hintergründe.